NerdkramsProjekte
Neues Projekt: Tabbed Plaintext (TTXT) - Hilfe gesucht.

Woran ich, außer natür­lich an TinyTodo und eMule beba, gera­de so arbei­te, wenn es, kurz vor den Klausuren des Wintersemesters, Zeit und Lust zulas­sen, ist ein neu­es Dateiformat, das ich ersann, wäh­rend ich die aktu­el­le Halbjahresrückschau in Form brach­te, und erst­mals im Forum von DonationCoder.com einem nicht uner­freu­ten Publikum präsentierte.

Ich nen­ne es „Tabbed Plaintext“, getabb­ten Reintext also, kurz „TTXT“, und die Idee dahin­ter ist so sim­pel, dass ich recht erstaunt bin, dass ich sie bis­her noch nicht in Aktion gese­hen habe:

Der Nachteil einer in Reintext (meist auf .txt endend) ver­fass­ten Notizdatei ist, dass man sie nicht in „Kapitel“ auf­tei­len kann. Will man etwa unter­schied­li­che Aspekte des glei­chen Themas visu­ell von­ein­an­der abgren­zen, so muss man bis­lang dar­auf zurück­grei­fen, sepa­ra­te Dateien zu erstel­len, was auf Dauer recht unüber­sicht­lich wer­den kann, oder etwa mit einer Textverarbeitung mehr­sei­ti­ge Dokumente erstel­len, die dann natür­lich auch nur mit die­ser Textverarbeitung voll­stän­dig kom­pa­ti­bel sind und oben­drein unnö­tig Speicherplatz bele­gen, da man all die tol­len Formatierungsmöglichkeiten oft schlicht nicht benötigt.

Der Ansatz von TTXT ist also, dass man in einer ein­zi­gen Datei belie­big vie­le „Kapitel“ platz­ie­ren und visu­ell von­ein­an­der abgren­zen kann, ohne die größt­mög­li­che Kompatibilität mit gän­gi­gen Texteditoren zu ver­lie­ren. Eine Datei in die­sem Format lässt sich mit einem belie­bi­gen Texteditor bear­bei­ten. Jedes „Kapitel“ soll, wenn die Datei in einem noch zu ent­wickeln­den TTXT-Editor geöff­net wird, dann als eige­ner Tab dar­ge­stellt werden.

Eine TTXT-for­ma­tier­te Datei, „testdatei.ttxt“, sieht etwa so aus:

TTXT VERSION 1

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Dieser Text steht auf Seite 1.
Und er kann auch mehrzeilig sein.

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Seite 2 und somit der letzte Teil des Beispiels
beginnt und endet hier.  :-) 

Die Darstellung erfolgt dann im Optimalfall so:

Eine eini­ger­ma­ßen voll­stän­di­ge Dokumentation des TTXT-Formats (auf Englisch) habe ich auf einer geson­der­ten Internetseite platz­iert. So weit die Theorie.

Nun aller­dings benö­ti­ge ich eure Hilfe, denn für die prak­ti­sche Umsetzung der Idee feh­len mir die Fähigkeiten.
Wer gern etwas bei­steu­ern möch­te, ist ein­ge­la­den, sich im Forum oder im IRC - oder ein­fach hier per Kommentarfeld - zu mel­den. Auch Ideen all­ge­mei­ner Art sind willkommen.

Ich dan­ke im Voraus. :-)

In den NachrichtenMusikNerdkramsNetzfundstückeProjekte
Grußlos.

Gemäß einer impli­zi­ten Empfehlung der Europäischen Kommission und unver­än­dert beein­druckt von der schlich­ten Phrase „Wir in Europa“, die Dr. Angela Merkel im vori­gen Jahr einem Kampfschrei gleich ertö­nen ließ, ver­zich­te ich als euro­päi­scher Weltbürger auch in die­sem Jahr auf die Unsitte digi­ta­ler Weihnachts- oder Chanukkagrüße an mei­ne Leserschar. Stattdessen freue ich mich, auch in die­sem Jahr erfolg­reich von allein aus kalen­da­ri­schen Zwängen gekauf­ten und essen­zi­ell bedeut­sa­men Geschenken aktiv wie pas­siv Abstand genom­men haben zu kön­nen, und ver­wei­se fürs spä­te­re Feiern auf die hier­zu­lan­de weni­ger bekann­ten Gedenktage.

Direkt nach Weihnachten näm­lich, am 28. Dezember, begeht die römisch-katho­li­sche Kirche, das ist die hier, den Tag der unschul­di­gen Kinder. Diese Konstellation ist eigent­lich über­aus erheiternd.

(Apropos „unschul­di­ge Kinder“, Kinder in den USA wach­sen offen­bar mit einem erschüt­tern­den Selbstverständnis auf, wie das „Lied“ Respect And Obey belegt. „Respektiert die Obrigkeit! Gehorcht der Obrigkeit!“: So eine Kindheit stel­le ich mir nicht son­der­lich ange­nehm vor. Und das „Lied“ ist auch wirk­lich sehr, sehr schlecht.)


Ansonsten even­tu­ell bemer­kens­wert ist, dass ich neu­lich beim Aufräumen mei­nes seit eini­gen Jahren ver­wai­sten ehe­ma­li­gen Projektarchivs ein PHP-Skript gefun­den habe, das bis­her unver­öf­fent­licht blieb; der Font-Lister (her­un­ter­zu­la­den hier) bie­tet eine Vorschau für alle auf dem (Windows-)Rechner instal­lier­ten Schriftarten bzw. ver­sucht es. Man über­ge­be ihm eine Verzeichnisliste des Schriften-Verzeichnisses, er erle­digt den Rest. Vielleicht ist das für irgend­wen aus irgend­wel­chen Gründen noch von Interesse, für mich nicht mehr.

Netzfundstücke
Prima Bilderhosting: min.us

Mitunter möch­te man gern ein­fach schnell ein Bild hoch­la­den. Während das schreck­li­che „Web 2.0“ an Bedeutung gewann, spros­sen die Bildhostingdienste qua­si wie Pilze aus dem Boden. TinyPic.com, ImageShack, Photobucket und vie­le ande­re Dienste ergänz­ten das unüber­schau­ba­re Angebot an „sozia­len Netzen“, die ihrer­seits für theo­re­tisch belie­big vie­le Fotografien Platz boten und teil­wei­se bis heu­te bieten.

Eins jedoch haben all die­se Dienste gemein: Nach und nach began­nen sie, „Premiumdienste“ anzu­bie­ten und die kosten­lo­sen Dienste nicht mehr oder nur nach Installation zusätz­li­cher Software für das kom­for­ta­ble Hochladen und Verteilen von Bilddateien taug­lich zu belas­sen. (Konsequent ist hier immer­hin Photobucket, wo ohne Anmeldung gar nichts geht.)

Eine unbe­dingt beach­tens­wer­te Alternative stellt das recht neue min.us dar.

Der Name ist Programm:
Statt eines Formulars zum Hochladen von Dateien erspart min.us jeden Mehraufwand und begrüßt den Benutzer ange­nehm übersichtlich:

Was man tun muss, steht unten; ent­we­der klickt man auf „select your files“ und gelangt dann zu einem immer­hin recht hüb­schen Formular, das wie gewohnt mit Dateiauswahl for­mu­liert, oder man geht intui­tiv vor und zieht die Dateien - ja, es gehen auch meh­re­re gleich­zei­tig - ein­fach auf die gro­ße freie Fläche:

Dann rech­net min.us ein biss­chen her­um und zeigt lusti­ge Fortschrittsbalken und prä­sen­tiert danach die hoch­ge­la­de­nen Grafikdateien mit Vorschau und BBcode-/HTML-Links:

Sämtliche gän­gi­gen Bilddateitypen inklu­si­ve APNG (ani­mier­te .png-Dateien) und Browser wer­den von min.us angeb­lich unter­stützt, ein Verlust an Komfort ist auch ohne (kosten­lo­se) Registrierung nicht fest­zu­stel­len. Ein Spendenlink ist der­zeit nicht auf der Seite zu fin­den, und so kann ich nur hof­fen, dass die bei­den Betreiber die­ses hüb­sche Experiment nicht irgend­wann als ein sol­ches beenden.


Nachtrag vom Februar 2013: Zurzeit ver­su­chen die Betreiber von min.us ein „sozia­les Netzwerk“ aus ihrem Dienst zu machen. Die Android-app ist zur­zeit zum Hochladen von Bildern nicht mehr geeig­net. Ich emp­feh­le Beschwerdemails - bis­her war man sei­tens min.us sehr offen für Beschwerden.

KaufbefehleMusikkritik
Eatliz - Teasing Nature

Wie ange­droht schrei­be ich jetzt eine klei­ne Rezension von Eatliz‘ Zweitling „Teasing Nature“ und bin da wohl der Erste, zumin­dest fin­de ich gera­de kei­ne Gegenbelege. Schade, zu vie­le Texte gibt es schon über wirk­lich schlech­te Musik, aber nur weni­ge über sol­che wie die von Eatliz.

Eatliz, manch­mal auch EatLiz, heißt auf Hebräisch „Schlachthaus“, sieht aber nicht ganz so blut­rün­stig aus, wie Bilder bele­gen. Das Debütalbum „Violently Delicate“ von 2007, eini­ge Monate lang legal und ohne Mehrkosten online zu bezie­hen, inzwi­schen wohl nicht mehr, hat mich eben­so wie der/die/das fol­gen­de EP „Delicately Violent“ an den Eiern gepackt und an die exqui­si­ten Stolen Babies, deren zwei­tes Album irgend­wann 2011 eben­falls erschei­nen soll, erin­nert; ins­be­son­de­re die Stimme von Sängerin Lee Triffon steht der von Dominique Persi nur wenig nach. Israel scheint idea­le Bedingungen für die Geburt rich­tig guter Musiker zu bieten.

Und nun „Teasing Nature“, „die Natur sti­cheln“, was nach einem zweck­frei­en Unterfangen aussieht.
Der Pressetext berei­tet Sorge:

Their new and exci­ting album, Teasing Nature, finds the band after a self reflec­ting and soul sear­ching pro­cess and it marks the begin­ning of a new way for them in a long and uncom­pro­mi­sing jour­ney. The album takes the band out of its com­fort zone by being expe­ri­men­tal main­ly becau­se it has no Metal ele­ments (that have been very domi­nant in the past albums), this has ope­ned the way for the band to use key­boards and electronics.

Tatsächlich beginnt das eröff­nen­de „Your House“ zurück­hal­tend und bleibt es auch über den ersten Refrain hin­aus. Erst in der letz­ten Minute schep­pert es wie­der, wie der Volksmund sagt, im Karton. Apropos Refrain, der Refrain von „Your House“ ist zu mei­nem Bedauern ein ziem­lich ohr­wur­mi­ges Stück Musik mit Chorgesang, bei­des nicht unbe­dingt Qualitäten, die ich bis dato die­ser Band zuge­schrie­ben hät­te, aber: Sie können’s!

Und sonst so? Elektronica („Berlin“, „Goldie“), Indie-Pop/Rock („O.K.“, „Lose This Child“), Klavierballaden („Got It“), Funkiges („Nine“), aber eben auch wei­ter­hin die gute alte Krachmusik („Voice Over“). Neben „Your House“ stellt aber „Tears“, ein rhyth­mus­la­sti­ges Indierockstück, das sich nach etwas mehr als zwei­ein­halb Minuten in einer wah­ren Geräuschorgie ent­lädt; es pfeift, es tutet, es dröhnt, es brummt, all­mäh­lich ver­hallt Frau Triffons hier recht blue­si­ge Stimme, dann ist Schluss. Prädikat: RIO/Avant. Klingt gut und wird viel zu sel­ten gespielt.

Ja, fort ist der Metal. Er ist einer sti­li­sti­schen Neuausrichtung gewi­chen, die ande­re Bands (I Like Trains, The Raveonettes und ähn­li­che ehe­mals pri­ma Musiker) lei­der voll­kom­men ver­siebt haben (Peter sieht das anders).

Womit haben wir es auf „Teasing Nature“ also zu tun?

„Radiokompatibel“ ist ein böses Wort, aber nach­dem Radiosender nun bereits „Last Christmas“ ver­ban­nen, bin ich guter Dinge, die­ses Adjektiv in abseh­ba­rer Zeit wie­der in posi­ti­vem Kontext nut­zen zu kön­nen, ohne die fal­sche Klientel anzu­spre­chen. Derweil beschrän­ke ich mich dar­auf, „Teasing Nature“ jeden­falls gefäl­lig und uner­war­tet ein­gän­gig zu nennen.

Wenn das die „neu­en Eatliz“ sind, dür­fen die alten gern blei­ben, wo der Pfeffer wächst.

NetzfundstückePiratenpartei
Wählt kei­ne Piraten!

Kaum über­lässt man die Radikalfemanzen (ich berich­te­te unter ande­rem hier) mal für eine Weile sich selbst, bereut man es. Hätte ich es nicht so spät in der Nacht erst gese­hen, ich hät­te mir ver­mut­lich vor Schreck irgend­was über die Hose geschüttet.

Bekanntlich fin­den im kom­men­den Jahr eini­ge Landtagswahlen statt, für deren Resultate unter ande­rem die jewei­li­gen Landesverbände der Piratenpartei als der­zeit am wenig­sten unwähl­ba­re Partei zur Wahl ste­hen. (Bedenkt: Wer nicht wählt, wählt CDU!) Das hät­te ich als nicht von jenen Wahlen Betroffener wohl noch nicht bemerkt, hät­te „Isi“ nicht in ihrer bekann­ten Weise ein Hetzpamphlet gegen die Piratenpartei ver­öf­fent­licht, das sich selbst der­ma­ßen per­si­fliert, dass es eine wah­re Freude ist. Ich erlau­be mir ein­mal eini­ge Zitate aus den „10 Gründen, die Piratenpartei und deren Direktkandidaten NICHT zu unter­stüt­zen oder zu wählen“:

1. Die Piratenpartei besteht über­wie­gend aus poli­tisch Einfältigen und ande­ren Heuchlern.

Von Beginn an ste­hen die Mitglieder der Piratenpartei dazu, auf dem Feld der Politik noch uner­fah­ren zu sein, poli­ti­sche Einfalt ver­mis­se ich jedoch, denn die sam­melt ihre gan­ze Kraft in kon­ser­va­ti­ven Parteien wie der CDU und den Grünen. Konservativismus hat immer auch etwas rück­stän­di­ges an sich. Nein, „Isi“, nie­mand heu­chelt. Die Piratenpartei lässt ande­re Meinungen - aus jeg­li­chem poli­ti­schen Spektrum - aus­drück­lich zu, so lan­ge sie mit der Satzung und dem Kodex kon­form gehen, und radi­kal­fe­mi­ni­sti­sches Herumgepöbel im Forum der Piratenpartei zählt nicht dazu. Aber, „Isi“, wenn man dich („Sie“ bedingt Respekt, und Respekt ist kei­ne Gottesgabe) mas­ku­li­stisch voll­pö­beln wür­de, du wür­dest bin­nen kür­ze­ster Zeit das Gespräch abbre­chen, nicht wahr? Du into­le­ran­ter Heuchler!

3. Piratenpolitik ist sexi­stisch, wider­sprüch­lich und realitätsfern.

(…) Eine struk­tu­rel­le und direk­te Diskriminierung von Frauen wird nicht nur ver­leug­net, son­dern selbst prak­ti­ziert. Dennoch behaup­ten, Piraten Sexismus bereits über­wun­den zu haben, ein­fach weil sie ihn neu defi­nie­ren und kri­ti­sche Hinweise igno­rie­ren und als „Diskriminierung der Männer“ ver­ach­ten und aktiv mit einer par­tei­in­ter­nen AG Männer, die sich gezielt gegen die „Diskriminierung der Männer“ aus­spricht, bekämpfen.

Wer Gleichberechtigung und Selbstbestimmung wich­tig fin­det, wird kei­ne Piraten wählen.

Wer Gleichberechtigung und Selbstbestimmung wich­tig fin­det, für den fängt Gleichberechtigung nicht mit geziel­ter Frauenförderung an, son­dern damit, auch die Männer mal auf ihre gesell­schaft­lich gedul­de­te Unterdrückung hin­wei­sen zu las­sen. Sexismus beginnt dort, wo man Menschen nach ihrem Geschlecht sor­tiert. (Die diver­sen „AG Frauen“, zeit­wei­se drei an der Zahl, wur­den wohl ver­se­hent­lich in der Argumentation vergessen.)

4. Piraten sind Postdemokraten und beschüt­zen und ver­tei­di­gen Faschisten, Soziopathen und Kriminelle!

Faschisten wie die mei­sten Gründungsmitglieder der CDU, Soziopathen wie das sexi­sti­sche Femanzenduo „Isi“ und „Piratenweib“, Kriminelle wie die Kinderporno-Vorführtante Ursula von der Leyen - sie alle haben eins gemein­sam: Die Piratenpartei beschützt sie nicht.

Wer Antifaschismus ernst nimmt, ist kein Mitglied der Piratenpartei.

Wer Antifaschismus in Zeiten, in denen DVU und NPD sich wegen Mitgliedermangels zusam­men­schlie­ßen müs­sen, noch so ernst nimmt, dass er wie­der­holt zu anti­de­mo­kra­ti­schen Straftaten auf­ruft, ist mir weder ein will­kom­me­ner Mitpirat noch habe ich all­ge­mein Interesse dar­an, mit ihm auf dem­sel­ben Planeten zu leben oder auch nur zu sterben.

6. Piratenpolitik ist Stellvertreterpolitik.

Gratuliere, „Isi“, du hast ver­stan­den, wie so ein Bundestag eigent­lich funk­tio­niert. Da trifft sich nicht das Volk, da tref­fen sich die Politiker. Das Volk darf aber, unab­hän­gig von sei­ner poli­ti­schen Präferenz, zuse­hen. Gehst du auch manch­mal hin und winkst, wenn die Onkels und Tanten von der Regierung zu dir gucken?

7. Die Piratenpartei hat kei­ne Ahnung vom Datenschutz.

(…) Die Piratenpartei hat vom Datenschutz soviel Ahnung wie eine Henne vom Klavier spielen.

Aber zum Glück haben wir die ande­ren Parteien, deren Bestrebungen dar­auf abzie­len, das Wort „Datenschutz“ zum Terrorverdacht umzu­de­kla­rie­ren. Pah, Piraten mit ihrem tech­ni­schen Dilettantentum!

9. Die Piratenpartei betreibt Lobbyismus.

So ist das in der Politik: Es wird immer eine Gruppe von Menschen geben, die von einer poli­ti­schen Entscheidung pro­fi­tiert. Die AG Drogen beschließt, Legalisierung von Cannabis ins Programm auf­neh­men zu las­sen? Eindeutig Lobbyarbeit für Herausgeber von Hanfmagazinen! Die Linke will mal wie­der Lichterketten gegen Rechts errich­ten? Klar: Lobbyarbeit für Kerzenproduzenten! CSU-Funktionäre auf dem Oktoberfest? Davon pro­fi­tie­ren doch wie­der nur die Brauereien!

10. Die Piratenpartei ist nicht basisdemokratisch.

(…) Die beson­de­re „Basisnähe“ der Parteiführung drückt sich übri­gens dar­in aus, die Hierarchie von oben nach unten wir­ken zu las­sen und nicht umgekehrt.

Die beson­de­re Basisdemokratie der Piratenpartei drückt sich übri­gens dar­in aus, dass auch schon mal ein Parteivorsitzender von der Basis über­stimmt wird, das zwar nicht so toll fin­det, aber sich der Mehrheit beugt. Das soll­ten ande­re Parteien auch mal machen, also das mit der Mehrheit.

Jedenfalls fas­se ich zusammen:
Die Piratenpartei ist sexi­stisch, anti­fe­mi­ni­stisch, tole­rant selbst gegen­über Wirrköpfen, rea­li­täts­fern und vol­ler Idioten.

Das sind fünf Argumente, war­um man sie als Volkspartei bezeich­nen soll­te, denn so nah am Volk ist kei­ne ande­re mir bekann­te Partei.
Und genau dar­um soll­te man sie wählen.

Tüdeldü, nicht ganz dicht.
- Leibwächter von The Who, c/o „Die Simpsons“

FotografieSpaß mit Spam
Zuverlässiges Personal ist schwer zu finden.

Ein Foto vom dies­jäh­ri­gen Hannoveraner Weihnachtsmarkt, für das mir bis eben kein guter Kontext ein­ge­fal­len ist:

Nun aber apro­pos „lan­ge Dicke“: Während ich mich hier dem neu­en Album „Teasing Nature“ von Eatliz wid­me (bei beson­de­rem Gefallen mei­ner­seits folgt eine aus­führ­li­che­re Rezension), trifft eine Mail von Arina Christensen, indi­sche Mailadresse, ein, der ein Foto bei­gefügt ist, des­sen Motiv zwar wie eine Arina, nicht aber wie eine Inderin aus­sieht. Und was möch­te die Gute von mir? Natürlich nur mein Bestes!

Sie scheint aber an die fal­sche Adresse geschrie­ben zu haben, wozu auch das „An“-Feld der E-Mail passt, denn die dort notier­te Mailadresse gehört mir nicht:

Ich inter­es­sie­re mich fur einen zuver­las­si­gen Freund

An sich scheint die augen­schein­lich jun­ge Dame ande­rer­seits mit einer inter­es­san­ten Persönlichkeit aus­ge­stat­tet zu sein. Wachen Blickes lese ich also:

Grettings! Wie sind Sie??

Ich muss­te die Anrede tat­säch­lich mehr­mals lesen, bis ich sah, dass nach dem Wie, nicht nach dem Wer gefragt wur­de. Wer sie jeden­falls ist, ver­schweigt sie auch nicht:

Ich bin glück­lich, fröh­li­ches Mädchen.

Ich bedan­ke mich für die Information, aber war­um dann die E-Mail? Ach so, ja; weil da noch was fehlt:

Ich möch­te wirk­lich mei­ne zwei­te Hälfte des Lebens finden!

Mit dem Alter lag ich wohl dane­ben, wenn die zwei­te Hälfte des Lebens so drin­gend gesucht wird. Bei der aktu­el­len Lebenserwartung geht die Gute sta­ti­stisch offen­bar doch schon auf die 40 zu. Na, posi­ti­ve Eigenschaften bringt sie immer­hin genug mit, man muss sie nicht beko­chen oder einen Urlaub mit ihr auf Balkonien befürchten:

Ich bin satt, single…
Ich habe vie­le Interessen, Ich mag Sonne, Strand und Reisen.

Zudem ist Arina bele­sen und rezen­siert qua­si neben­bei ihren aktu­el­len Schmöker, lei­der ver­schweigt sie dabei, wel­cher es ist, so dass ich lei­der kei­ne Kaufempfehlung aus­spre­chen kann:

Ich mag auch unter einer war­men Decke sit­zen und lesen, was ein inter­es­san­tes Buch.

Und wie es sich für eine poly­glot­te Frau gehört, ist sie auch noch anthroposoph:

Ich mag auf unter­schied­li­che Menschen kennen.

Und wie könn­te man die­sem Ziel schnel­ler nahe kom­men als mit­tels mas­sen­haf­ter Rundpost an unbe­kann­te Empfänger? Nicht nur talen­tiert und viel­sei­tig, auch krea­tiv ist sie, die Frau Christensen. Ach, Freunde, ich glau­be, ich bin überwältigt.

PersönlichesSonstiges
Warum Deutschland verblödet

Für den kleinen Hunger zwischendurch(Den fol­gen­den Text wer­de ich ein­mal im Dialekt der mir nahe­zu täg­lich begeg­nen­den Jugend zu ver­fas­sen ver­su­chen, weil ich mal wis­sen will, wie das ist.)

Also ich geh so vor­ge­stern wie­der durch Hannover über­’n Weihnachtsmarkt und vor­her so in den Zeitschriftenladen im Bahnhof und ich seh da so ’ne Menge Zeugs.

Neben Computermagazinen, die voll den Mist schrei­ben („Rapidshare leer­sau­gen“, sic!), hat­ten die auch Bücher und so.

(Herrje, das fühlt sich schä­big an. Apropos schä­big. Ich unter­bre­che das Experiment hier und fah­re wie gewohnt fort.)

Außer dem übli­chen Politikbrei („Die Abwracker: Wie Zocker und Politiker unse­re Zukunft ver­spie­len“, für Teil 2 schla­ge ich „Die Abzocker: Wie raff­gie­ri­ge Autoren damit Geld ver­die­nen“ vor) hat zu mei­ner Erschütterung der Anteil an Büchern über den Kulturverfall Deutschlands zuge­nom­men. Einige Beispiele:

Einige haben dar­aus gar eine Serie gemacht und ver­die­nen so gleich das Doppelte:

Einige Autoren nen­nen nicht nur Anekdoten, aus denen sie den Umstand her­lei­ten, dass „wir“ „ver­blö­den“, son­dern war­ten auch mit Ursachen für die­sen Umstand auf. Einige benen­nen dabei das Fernsehen als Übeltäter, ande­re die Politik, wie­der ande­re kom­men auf ganz ande­re Ideen, aber eines ver­ges­sen sie allesamt:

Ein Volk, das alle Jahre wie­der sein durch Finanzkrisen und Krieg arg dezi­mier­tes kläg­li­ches Gehalt für Bücher aus­gibt, die es dar­über infor­mie­ren, dass es doof ist, wird die wah­ren Ursachen für den Kulturverfall nie gänz­lich zu begrei­fen imstan­de sein.
Die Mutter der Idioten, so sagt man, gebiert täglich.

(Übrigens habe ich in der Nacht von gestern auf heu­te erst­mals selbst erlebt, dass eini­ge Verkehrsunternehmen jedes Mal völ­lig über­rascht sind, wenn es im Winter schneit.)

NerdkramsNetzfundstücke
Kurz ver­linkt XXXI: Bäume des Schreckens

Dass sich auch dem schreck­li­chen Thema Weihnachten noch etwas abge­win­nen lässt, das dem gequäl­ten Informatikstudenten ein Schmunzeln abringt, zeigt heu­te xkcd:

(Zu den Hintergründen für Leute, die nicht vom Fach sind: Heap, Baum.)

Ansonsten unbe­dingt beach­tens­wert ist Das Dokument des Grauens, eine bis­lang zwei­tei­li­ge, unter der CC-BY-NC-Lizenz ver­öf­fent­lich­te (und somit freie) Dokumentation der Horrorfilmgeschichte von 1896 bis 1945 mit vie­len Parallelen zu den gesell­schaft­li­chen Entwicklungen; so wird etwa der Fall von Jack, dem Schlitzer, als eine der Inspirationen für der­lei Amusement auf­ge­führt. Es han­delt sich somit um ein umfas­sen­des Kompendium, das auch die oft nur weni­ge Sekunden lan­gen Filmexperimente aus der Anfangszeit der Kinematoskopen kurz erläu­tert und so auch für die­je­ni­gen mei­ner Leser, die von Horrorschinken nicht viel hal­ten, inter­es­sant sein könnte.

(Apropos „Dokument des Grauens“, habt ihr schon das Abstimmungsverhalten der Parteien in den Landtagen zu der Novellierung des JMStVs gese­hen? Albtraumhaft!)

Sonstiges
Der Supermarkt als Spiegel der Wirklichkeit

Weihnachten, die Zeit, in der die mei­sten Menschen nicht mehr alle bei­sam­men haben bei­sam­men zu sein beab­sich­ti­gen, ist eigent­lich schon trau­rig genug, betrach­tet man ein­mal sei­ne Verehrer, die Familienleben vom Kalender abhän­gig machen und Religion mit blo­ßer Bereitschaft zum Konsum gleich­set­zen. Die sich ange­sichts die­ser Umstände gera­de­zu auf­drän­gen­de Apathie wird jedoch immer wie­der auf eine har­te Probe gestellt, die Wirklichkeit ist im Dezember zyni­scher als in den ande­ren elf Monaten.

Auf mei­nem heu­ti­gen Gang durch das loka­le Einkaufszentrum such­te ich aus Gründen unter ande­rem den dor­ti­gen Supermarkt auf. Dieser, ich berich­te­te, gibt sich weih­nacht­lich in der meist­ver­brei­te­ten, aber inak­zep­ta­bel­sten Definition von „weih­nacht­lich“, seit die Bäume sich all­mäh­lich ent­blät­ter­ten, und fährt nun­mehr rich­tig schwe­res Geschütz auf:

Neben Regalen mit „weih­nacht­li­chem Gebäck“ (krü­me­li­gem über­zucker­tem Zimtmatsch), „weih­nacht­li­chen Spirituosen“, „weih­nacht­li­cher Dekoration“ stand ein wei­te­res Regal, mit­tels des­sen der Betreiber des Supermarktes ein Fertiggericht anprei­sen ließ. Es han­delt sich um die­ses offen­bar neue Fertiggericht, das mir bis dato tat­säch­lich unbe­kannt war:

Miracolí Avanti

1 Portion

So kon­tra­stiert der Supermarkt das Zerrbild einer glück­li­chen Familie, wie es die Fernsehsender alle Jahre wie­der als Ideal vor­be­ten, sub­til mit dem nur wenig fei­er­li­chen Heiligabend gera­de der Zuschauer, an die sich die­se Zurschaustellung exal­tier­ter Menschlichkeit wohl wen­den soll; Einzelgänger und Junggesellen inbegriffen.

Eine Portion genügt. Frohes Fest.

In den NachrichtenNetzfundstückePolitik
Infokräääääg!

Achherrgottnocheins,

wenn man den Nachrichten glau­ben darf, wird die Menschheit in Bälde aus­ge­löscht wor­den sein, da der „Informationskrieg“ um WikiLeaks „tobt“.

Ich weiß jetzt noch nicht, wel­chen Sinn das Wort nun hat; besteht der „Krieg“ dar­in, dass man sich gegen­sei­tig mit Informationen beschießt? Ist es ein „Krieg“ dar­um, wer die Informationen nun haben darf? Egal; Fakt ist, dass die Welt in kri­mi­nel­le Hacker (laut Interview mit Udo Vetter wie jemand, der Holz hackt, aus­zu­spre­chen, nicht also „Häcker“) und die USA zwei­ge­teilt ist und wir alle davon betrof­fen sind, weil irgend­wel­che Wurstprojekte wie PayPal („jetzt noch siche­re­re­rererusw.“) nicht mehr funk­tio­nie­ren und jeden­falls längst mit vir­tu­el­len Atombomben gedroht wird; tschüss, Abendland.

Ja, im Internet ist was los, aber irgend­wie bezweif­le ich, dass der Normalbürger einen Verlust an Lebensqualität zu befürch­ten hat. WikiLeaks ist erst wegen des Riesenboheis nicht mehr abschalt­bar, der Rest des Internets hat kaum etwas zu befürch­ten. Mit etwai­gen staat­li­chen Zensurmaßnahmen wäre das Problem nicht zu lösen, wes­halb sie nicht wahr­schein­li­cher sind als zuvor auch.

Aber die­ser gan­ze Aufstand ist irri­tie­rend, weil die am lau­te­sten krä­hen, die vor­her nicht mal vom Gackern eine Ahnung hat­ten. Die bis­lang tref­fend­ste Pointe hier­zu hat, wie so oft, xkcd im Titeltext unter­ge­bracht (ein­fach mit der Maus über den Bildwitz fah­ren); er lau­tet übersetzt:

Schüler rufen in Massen Präsident Johnson an, damit das Bombardement been­det wird, und es hat die Telefonvermittlung blockiert. Könnten sie unse­re kri­ti­schen Telefonsysteme zum Kollaps zwin­gen? Hat der erste Telefonkrieg begon­nen? Bleiben Sie dran für wei­te­re Informationen zu die­ser gefähr­li­chen neu­en Technik.

Ob sol­che Schlagzeilen wohl den Vietnamkrieg beherrscht haben?
Ich bezweif­le es.

In den NachrichtenPolitikSonstiges
Von wegen DDR

Zu einem poli­ti­schen Schenkelklopfer zum Wochenbeginn lädt heu­te die Titelseite der Süddeutschen Zeitung ein.

Wir erin­nern uns: Wolfgang Kubicki, sei­nes Zeichens schles­wig-hol­stei­ni­scher Fraktionschef der F.D.P., hat­te im Interview mit dem SPIEGEL sei­ne Partei mit der DDR ver­gli­chen, ein in letz­ter Zeit belieb­ter Freizeitsport, oder genau genom­men eben nicht, aber genau so gebär­den sich die Parteioberen und erle­di­gen das also selbst:

Genosse Guido sitzt in sei­nem Gebrauchtwarenladen, das Pepitahütchen fest über die Ohren gezo­gen, ver­kün­det trotz­her­zig, den Liberalismus in sei­nem Lauf hiel­ten auch in den kom­men­den hun­dert Jahren weder Ochs noch Esel auf; aus dem Politbüro ertönt die Stimme von Volkswirtschaftsminister Brüderle, der ver­ant­wor­tungs­lo­se Abweichler möge gefäl­ligst das Meckern einstellen (…).

Und so berich­tet dann nun heu­te auch die Süddeutsche Zeitung, in der F.D.P. sei man empört - empört!!11 - über die­sen Vergleich, denn die DDR sei, das steht aller­dings nicht im Text, wohl eher nicht so beliebt; dies im Übrigen von der Partei, die mit Hans-Dietrich Genscher einen der wich­tig­sten Protagonisten der so genann­ten deut­schen Einheit in ihren Reihen hat. (Folgerichtig hät­te die Schlagzeile hei­ßen müs­sen: „Ehemalige DDR-Politiker distan­zie­ren sich empört von der F.D.P.“; hieß sie aber nicht.)

Ich per­sön­lich hal­te es jeden­falls auch für abwe­gig, F.D.P. und DDR auch nur hypo­the­tisch zu ver­glei­chen. Derart schlech­te Umfrageergebnisse hät­te es in der DDR nie gegeben.


(Sitzt doch heu­te im ÖPNV in Hörweite so ein Realschüler und macht, wäh­rend sei­ne Mitschüler sich unter Zuhilfenahme der Hände gegen­sei­tig echauf­fie­ren, Geräusche, wie man sie einst von Beavis & Butt-Head ver­nahm, der­weil einer jener Mitschüler „Ich schla­ge kei­ne Opfer“ dumm­schwall­te, sich wohl schreck­lich über­le­gen füh­lend, aber nicht bemer­kend, dass die­je­ni­gen, die er mit sei­nen Streichen trak­tier­te, dadurch eben doch sei­ne Opfer wur­den; man kann eben nicht alles haben.)

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Musik 12/2010 - Favoriten und Analyse

Dieser Artikel ist Teil 6 von 24 der Serie Jahresrückblick

Kaum dreht man sich kurz um, ist das Jahr schon wie­der vor­bei. Regelmäßige Leser die­ser Seite wis­sen, was sie erwar­tet, näm­lich Teil zwei der Rückschau der unblö­de­sten Musikalben 2010 nebst Rückblick auf 40 Jahre Musikgeschichte, womög­lich noch recht­zei­tig für das ein oder ande­re Gewinnspiel.

Der Finalausscheidung - ich woll­te euch kei­ne Rückschau auf fünf­zig oder mehr Alben bie­ten, das läse doch kei­ner - fie­len unter ande­rem die Wise Guys zum Opfer, die mit „Klassenfahrt“ zwar ein im Prinzip nicht übles Album mit dem ziem­li­chen Kracher Hamlet ver­öf­fent­licht haben, aber eben doch nur auf hohem Niveau sta­gnie­ren. Wie immer habe ich es lei­der auch nicht immer geschafft, mich aus­rei­chend umfas­send mit eini­gen viel ver­spre­chen­den Werken zu beschäf­ti­gen, unter ande­rem „Spacetrip On A Paper Plane“ von den Sahara Surfers; ich hof­fe, ihr fin­det den­noch Gefallen an mei­ner Auswahl.

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Medienkompe-was?

Was mich an all der Berichterstattung über vor­geb­li­che Maßnahmen zum Jugendschutz ja auch erschüt­tert, ist ja die­se Wild-im-Kreis-ren­nen-Attitüde, die­ses stän­di­ge „Kann denn nicht mal einer an die Kinder den­ken?“, und zwar so, nicht so.

Nico Lumma, blog­gen­der SPDler, äußer­te sich nun auch zu den Neuerungen der kom­men­den JMStV-Änderung, und zur all­ge­mei­nen Belustigung zitie­re ich ihn mal:

Mal eben mul­ti­na­tio­na­le Verträge zu schlie­ßen, um sich auf einen glo­ba­len Jugendschutzstandard für das Internet zu eini­gen, dürf­te auch ein paar Tage in Anspruch neh­men. Bis dahin muß der Gesetzgeber aller­dings Regelungen prä­sen­tie­ren, um Kinder und Jugendliche im Internet zu schüt­zen. Das erwar­ten die Bürger von ihm. Und ehr­lich gesagt hat mir auch noch nie­mand der über­all fröh­lich auf Maximalforderungen pochen­den Diskutanten gesagt, wie ein wir­kungs­vol­ler Schutz von Kindern und Jugendlichen im Internet erfol­gen soll. Der Hinweis auf Medienkompetenz allei­ne reicht nicht aus, denn nicht immer sind Eltern anwe­send, wenn Kinder und Jugendliche Inhalte im Internet kon­su­mie­ren oder erstel­len, und das wird mit der ver­stärk­ten mobi­len Nutzung noch schwie­ri­ger werden.

Herr Lumma weiß also, dass die Gesetzesänderungen im Grunde zweck­fremd sind, aber so lan­ge kei­ner eine bes­se­re Lösung kennt, soll es wenig­stens so aus­se­hen, dass der Staat was tut. Eltern, so der Tenor, kann der Staat die Aufsichtspflicht nicht allein über­las­sen, denn sie kön­nen nicht rund um die Uhr auf­pas­sen, was ihre Kinder so trei­ben, des­we­gen sei es die Aufgabe des Staates. Was für ein hane­bü­che­ner Quark!

Wenn Kinder in einem gewis­sen Alter, set­zen wir es ein­mal hypo­the­tisch auf 16 Jahre, noch nicht aus­rei­chend geschult im Umgang mit Medien sind, um zu wis­sen, wovon man sich im Internet bes­ser fern­hal­ten soll­te, ist das durch­aus die Schuld ihrer Eltern, denn die­se kön­nen unmit­tel­ba­ren Einfluss dar­auf aus­üben, wie sie sich im Internet bewe­gen. Fehlt nun den Eltern Kompetenz oder Bereitschaft, sich mit dem Medium Internet zu beschäf­ti­gen, so ist es auch kei­nes­falls die Sache des Staates, die Erziehung ihrer Kinder zu selbst­stän­dig den­ken­den Personen zu über­neh­men, son­dern soll­te viel­mehr die Eltern dazu anhal­ten, das zu ändern, damit sie ihrem Erziehungsauftrag gerecht wer­den können.

Genau genom­men ver­sucht der Staat erste­res ja noch nicht ein­mal, denn er will die mit­un­ter nicht gewähr­lei­ste­te Anwesenheit von Eltern seit dem Schließen des JMStV (2003) dadurch kom­pen­sie­ren, dass er in die Erziehung zur Medienkompetenz als wachen­de, mah­nen­de Instanz ein­greift, denn es kann ja sein, dass Kinder heim­lich schlim­me Webseiten angucken, wenn die Eltern nicht da sind. Mit die­ser Einstellung aber wird ein im Internet akti­ves Kind auch mit 16 oder 18 Jahren nicht zu einem mün­di­gen Internetnutzer. Anonymus „FKTVTwipsy“ schrieb richtig:

Medienkompetenz bedeu­tet doch eher, dass eben nicht immer Eltern anwe­send sein müs­sen, son­dern die Kinder allei­ne wis­sen, was sie kon­su­mie­ren sollten.
Mein Hund ist ja auch nicht dann stu­ben­rein, wenn ich ihm stän­dig eine Tüte ans Hinterteil hal­ten muss.

Überhaupt wird dem Internet („Teufelszeug“) hier eine völ­lig über­zo­ge­ne Bedeutung zuteil, denn im Internet nicht erfah­re­ne Kinder sto­ßen auch nicht mal eben auf Seiten, die ihre Entwicklung zu einem bra­ven Bürger nach­hal­tig schä­di­gen könn­ten; selbst ich bin noch nie „zufäl­lig“ auf zum Beispiel kin­der­por­no­gra­fi­sche Inhalte gesto­ßen. (Inwieweit Sexualität in einem Alter, in dem ein Kind selbst­stän­dig im Internet sur­fen kann, noch ein Tabu sein soll­te, fra­ge ich mich lie­ber nicht.) Was mich als neu­gie­ri­ges Kind ja viel mehr aus der Bahn wer­fen wür­de als eine nack­te Brust, sind die all­täg­li­chen Kriegs- und Mordberichte, die täg­lich in Zeitung und Fernsehen zu fin­den sind. „Keine Kriegsberichterstattung und Kriminalfälle vor 22 Uhr“ wäre eine Regelung, mit der ich mich abfin­den könn­te, aber ich bin auch nicht in CDU oder SPD, son­dern in der Piratenpartei und somit, geht es nach der öffent­li­chen Wahrnehmung, ohne­hin ein ver­que­rer Spinner.

Nein, die Deutschen brau­chen ihren Krieg. Nur das mit dem Internet geht mal so gar nicht.

(Verquer ist übri­gens auch die Idee zu einer Verfilmung von The Sims [via].)

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Kurz ver­linkt XXX: Freiheit, die ich meine

Die USA - das sind die mit dem WikiLeaks-Problem, das fin­det, Relevanz hin oder her, auch Australien - geben stolz bekannt, dass sie den Welttag der Pressefreiheit 2011 aus­zu­rich­ten geden­ken. Doch, wirk­lich.

Bevor mich übri­gens die übli­chen Verdächtigen dar­auf auf­merk­sam machen, mache ich das als unmit­tel­bar Betroffener lie­ber selbst:

Auf der Internetseite des Satiremagazins TITANIC gibt es der­zeit fik­ti­ve Fragen und Antworten über die Bologna-Reform zu lesen. Auszüge:

Bis zum Bachelor-Abschluß habe ich nur sechs Semester Zeit. Ist das über­haupt zu schaf­fen, ohne kaputt zu gehen?
Zugegeben, die Studienabläufe sind ein wenig gestrafft wor­den. Die dar­aus resul­tie­ren­den Schwierigkeiten sind bekannt, wes­we­gen ab die­sem Semester auch in den Fächern Demonstrieren, Ausschlafen und Kiffen Credit Points ver­ge­ben werden.

Schön wär’s ja.
Demonstrieren als Wahlpflichtfach wäre aller­dings ange­nehm. Ich bin sel­ten aus­ge­schla­fen genug.

Ich habe trotz­dem etwas Angst vor mei­nem Studium. Zu Recht?
Treten Sie opti­mi­stisch in Ihren neu­en Lebensabschnitt ein, und schon nach weni­gen Jahren des Studiums – sei es der Entomologie, der Phrenologie oder des Trompetenspiels – sind Sie qua­li­fi­ziert genug, um Deutschland zu ver­las­sen und Ihr wert­vol­les Wissen in die Tat umzusetzen.

Natürlich; denn was soll­ten auch qua­li­fi­zier­te Kräfte in einem Land, das sich kei­ne Arbeitsplätze mehr lei­sten möch­te, weil man in Osteuropa trotz der Transportgebühren immer noch preis­wer­ter davonkommt?

Mit der Piratenpartei wäre das wahr­schein­lich nicht passiert.