KaufbefehleMusikkritik
Kaufbefehl zur Wahl: Gossip – Heavy Cross

Im Radio, so wurde mir heute zugetragen, läuft die erste Single „Heavy Cross“ der Postpunkband Gossip derzeit ungefähr täglich. Weniger aufdringlich als Standing in the way of control, durch das ich im Jahr 2006 erstmals auf das Trio aufmerksam wurde, dafür mit einer Portion Tanzrhythmus versehen treibt das Stück kraftvoll voran, gekrönt mit der energiegeladenen Stimme von Frontfrau Beth Ditto.

Und sie gehen nicht nur ab, sie haben auch was zu sagen:

Whatever you want, the choice is yours,
So choose.

I checked you, if it’s already been done, undo it,
It takes two, it’s up to me and you, to prove it.

So sieht’s doch aus.
Kauft die Single, sie ist es wert!

KaufbefehleSonstiges
Frischluft tanken

Wieder mal ein unpolitischer Kurzer für zwischendrin:
Es gibt keine Form des Unwohlseins, die ein paar Minuten an der frischen Luft und ein zeitgleicher Blick in einen gemächlich vor sich hinfließenden Bach nicht kurieren könnten.

Unbedingt empfehlenswert.

(Auch empfehlenswert: Ein neues Buch von Max Goldt. Unter anderem mit Geschichten über schrille Friedhöfe. Genau richtig für das stille Sitzen an der frischen Luft.)

Tief durchatmen, bis später.

NetzfundstückePolitik
Steuern für alle!

Doch noch mal apropos Wahlen:
Die ganze Absurdität der verbreiteten Mode, möglichst schwammige Versprechen möglichst griffig zu formulieren, zeigt Die Linke eindrucksvoll auf. Damit dürfte klar sein, was von ihr zu halten ist, wenn sie schon vor der Wahl nicht so recht weiß, was sie eigentlich versprechen soll.

Steuern für alle!

Schade eigentlich.


(Apropos „dumme Plakatideen“: Wie lammert man eigentlich? Und ist das gut oder schlecht? Und warum? Und überhaupt.)

In den NachrichtenNetzfundstückePiratenpartei
Piratenschiff im Kreuzfeuer

Ich sehe mich bei all dem dummen Zeug, das man in den Medien derzeit schon wieder über die Piraten lesen muss, außer Stande, von einem weiteren Eintrag der Kategorie „Politik“ hier abzusehen, und ich möchte ihn nutzen, um zwei aktuell diskutierten Bestandteilen dieses dummen Zeugs energisch zu widersprechen, weil’s ja sonst mal wieder keiner macht:

1. Die Piraten sind keine „Männerpartei“!

Bloggerin danilola, „im Herzen Piratin“, verweigert der Piratenpartei derzeit unter anderem ihre Stimme, weil es sich um eine „Männerpartei“ handle, die sich primär mit Männerthemen beschäftige und „nur“ männliche Kandidaten aufstelle.

Zunächst zu zweiterem Punkt: Hier irrt danilola, in einigen Wahlkreisen stehen die weiblichen Piraten sogar auf Platz 1. Dass nur wenige Frauen überhaupt Mitglieder der Piratenpartei sind und also überhaupt für Listenplätze in Frage kommen, hat, so ist zu vermuten, weniger damit zu tun, dass die Piratenpartei eine „Männerpartei“ wäre, als damit, dass den zentralen Themen Internet und Datenschutz gemeinhin das Etikett des „elitären Nerdwissens“ anhaftet, womit sich, statistisch gesehen, eher Männer als Frauen identifizieren.

Hat sich bislang eigentlich schon jemand darüber beschwert, dass das Amt des Bundesfamilienministers seit 24 Jahren nur mit Frauen besetzt wird? Mir wäre dies nicht bekannt. Familienpolitik ist Frauensache, und das ist vollkommen in Ordnung.

Ich fühle mich dadurch übrigens nicht im Geringsten diskriminiert und käme auch nie auf die Idee, die Regierung deshalb des Sexismus‘ zu bezichtigen. Von dem Prozentsatz der männlichen Kindergärtner (ungefähr drei Prozent, las ich kürzlich irgendwo) mal ganz zu schweigen.

2. Die Piraten sind keine Sympathisanten irgendwelcher radikalen Strömungen!

Der stellvertretende Bundesvorsitzende der Piratenpartei, Andreas Popp, hat der rechtskonservativen Zeitschrift „Junge Freiheit“ einen Artikel beschert, wie vor ihm unter anderem übrigens auch Ephraim Kishon, dem ja nun wahrlich wohl kaum jemand antisemitische Tendenzen vorwerfen würde. Dass er sich und seiner Partei mit diesem Interview auch kostenlose Werbung in ausgerechnet und ironischerweise einem „feindlichen“ Blatt verschafft hat, wird konsequent nicht beachtet, und was er in diesem Interview sagte, ist auch nicht von Interesse; nein, die Voreiligen und die Schreihälse, die es vermutlich noch nicht einmal gelesen haben, drehen sich ihre eigene Wirklichkeit zurecht, radikalisieren das Massendenken mit „unwählbar„-Gekreisch und halten auch sonst nicht viel davon, sich erst mal ein Bild von der Situation zu machen. Cui bono?

Eine Weile zuvor hatte ein deutscher Politiker seinen Rückzug von der Plattform abgeordnetenwatch angekündigt, weil dort auch Vertreter der NPD zur Sprache kommen. Dass so ein Verhalten gerade für einen Bundestagskandidaten höchst undemokratisch ist, hat unter anderem die Piratenpartei bemängelt; ein „undenkbarer“ Vorgang, in den prompt NPD-Nähe hineininterpretiert wurde.

Wäre die Kritik von anderen Parteien gekommen, hätte man vermutlich stattdessen applaudiert.

Die Piratenpartei ist eine Partei, die sich nicht auf die Fahne geschrieben hat, sich von irgendeiner politischen „Seite“ einspannen zu lassen. Sie ist weder links noch rechts, sie macht Politik für die Gesellschaft und nicht für irgendwelche radikalen Kräfte. Natürlich hat jede Partei Mitglieder, deren Weltanschauung bisweilen krude erscheint. Die F.D.P. hatte unter anderem Jürgen W. Möllemann, dennoch würde sie niemand mehr in rechtsextreme Ecken stellen wollen. Die Piratenpartei hatte Bodo Thiesen und zehrt noch heute von dessen Formulierungen, obwohl ihre übrigen Mitglieder sich ausdrücklich von Thiesens Aussagen distanziert und ihm den Austritt nahe gelegt haben. Das verstehe, wer will.

Radikales Denken gibt es in jeder Partei. Interessant ist offenbar nicht dieses radikale Denken an sich, sondern in welcher Partei derjenige ist, der es äußert. Natürlich ist es kurz vor der nächsten Wahl attraktiv für die Anhänger der etablierten Parteien, den Splitter im Auge der unliebsamen Konkurrenz zu entdecken. Nur das mit dem Balken im eigenen Auge hat sich noch nicht überall herumgesprochen.

Nein, die Piratenpartei ist sicher nicht „unwählbar“. Sie stellt immens wichtige Forderungen und steht für eine Politik, die näher an der gesellschaftlichen Realität ist als alle misslungenen „Reformen“ der letzten zwei Legislaturperioden. Niemand erwartet, dass sie ihre Ziele quasi über Nacht durchsetzt oder gar in absehbarer Zeit einen Teil der Regierung stellt. Aber sie hat es verdient, die notwendigen 5 Prozent der Stimmen zu bekommen; genug, um sich in Bundestagsdebatten einzubringen, Anträge zu stellen und sich somit an der politischen Bildung in diesem Land aktiv zu beteiligen.

Ich schließe mich dem Kommentar von „tanine“ in Andreas Popps Weblog an:

Ich wähle eine Partei aufgrund ihres Inhalts, nicht aufgrund medienpopulistischer Vorwürfe.

Geht wählen!
Es lohnt sich.


(Das war jetzt eigentlich schon wieder viel zu viel Text. Entschuldigt bitte.)

In den NachrichtenKaufbefehleMusikkritik
Drei Bands, drei Gefühle

Nanu: Heute, so schreibt SPIEGEL ONLINE, fand wieder einmal ein versuchter Amoklauf an einem Gymnasium statt. Der Täter hat überlebt, es wird also diesmal wohl etwas ausführlicher nach den Ursachen geforscht; es sei denn, auf seinen beiden sichergestellten Computern finden sich Computerspiele, dann hat sich das wohl wieder einmal erledigt. Sätze wie Der Abiturient gilt als Außenseiter bieten dann keinen weiteren Anlass zur weiteren Nachforschung. Wetten?

Aber lassen wir das. Während indessen andere Ins-Internet-Schreiber wieder einmal ihre Energie darauf verschwenden, zu versuchen, die Piratenpartei in radikale Ecken zu stellen, habe ich lieber ein wenig Musik gehört:

Auf Schallgrenzen.de gibt es von unter anderem mir einen (leider gekürzten) Verriss des aktuellen Albums The Resistance von Muse sowie, quasi zum Ausgleich, eine lobende Kritik des neuesten Porcupine-Tree-Werkes, dessen Kauf ich jedem Musik mögenden Menschen hiermit ausdrücklich ans Herz legen möchte.

Übrigens und apropos Schallgrenzen:
Her Name is Calla ist eine britische Band, die melancholisch musiziert. Peter führt es etwas weiter aus:

Vom sich Verlieren und Verlieren. Kein Rausch von Farben, schwarze Tusche, vielleicht ein paar pastellzarte Pinselstriche. Und trotz alledem ziehe ich Kraft aus jedem Ton, jedem Song. Entschleunigung. Musik wie nicht von dieser Welt. Zwischen der selbstmörderischen Traurigkeit eines Chris Hooson (Dakota Suite) und der jenseitigen Melancholie eines Mark Hollis versucht Her Name Is Calla mit großem Orchester ihr (Un)glück.

Schöne Musik, auf der Webseite komplett zum Anhören und somit auch herunterladbar.

Netzfundstücke
Piercings als Ausdruck der Zufriedenheit mit dem eigenen Körper

Ach, du meine Güte,
SPIEGEL ONLINE lässt eine Frau („Frauen- und Geschlechterforscherin“, also eine Frau, die sich vorwiegend mit Frauen, dem weiblichen Geschlecht sowie den Gründen für seine Unterdrückung beschäftigt; das reicht eigentlich schon) unreflektiert darüber schwadronieren, dass viele Frauen, die sich kilo- und hunderteuroweise Metall in die Visage zimmern lassen, dies nicht etwa aus Protest oder aus Unsicherheit bezüglich ihres äußeren Erscheinungsbildes tun, das sie damit ja nun wirklich nicht immer verbessern, sondern, natürlich, wegen des Drucks, den die Gesellschaft auf sie ausübt:

Piercing ist heute ein Massenphänomen und es ist eine Möglichkeit, sich als Jugendliche darzustellen.

Fast alle Mädchen leiden unter dem gesellschaftlichen Druck, Schönheitsidealen zu entsprechen. […] Interessanterweise leiden die gepiercten Mädchen, die ich befragt habe, kaum unter diesen Ansprüchen. Sie haben mehrheitlich ein eindeutig positives Körpererleben.

(Alle Hervorhebungen von mir.)

„Fühl dich schön / nach der zehnten Liposuktion.“
Die Ärzte: Geisterhaus

FotografieNetzfundstückePersönlichesPolitik
Hamburger Nächte

Frechheit, eigentlich:
Da halte ich mich am Wochenende zu Unterhaltungszwecken in Hamburg auf und verpasse ausgerechnet ein in einem anderen Stadtteil stattfindendes Straßenfest mit zahlreichen „Demonstranten“:

> … die Polizei hätte sich nicht zwischen die 600 Nazi-Gegner und die
> 90 NPD-Demonstranten stellen sollen. Der NPD-Spuk wäre schnell vorbei
> gewesen.

600 gewaltbereite Linke vs. 90 gewaltbereite Nazis – das zeigt ganz
klar: Wir haben ein Nazi-Problem. *kopfschüttel*

(heise.de-Forum)

Immerhin konnte ich am Bahnhof einige Vertreter des Karnevals der Kulturen bewundern und, damit einher gehend, wieder einmal feststellen, dass man in den interessanten Momenten des Lebens seine Kamera nicht griffbereit hat.

Manchmal allerdings schon:

Kakteen

(Tropenhaus im Naturpark Planten un Blomen, Eintritt frei, worauf wartet ihr noch?)


Amüsant übrigens ist auch das Hamburger Abendblatt. Die Titelseite der Ausgabe vom 6.9. zierte die Überschrift:

Hamburger Schüler interviewen Steinmeier: „Was finden Sie selbst an sich interessant?“

Schön, wenn eine Tageszeitung zur politischen Bildung ihrer Leser beiträgt.


Schön ist, wie ich meine, auch das Fundstück der Woche, von zahlreichen Weblogs und Twitter-Nutzern verbreitet und nun aus Gründen der Albernheit auch hier zu finden:
Kinderkreis TV, in den 80-ern produzierte Werbesendung, die, so weit mir bekannt ist, dummerweise auch noch völlig ernst gemeint ist. „Spitze!“

Netzfundstücke
Hannoveraner aufgepasst: Leicht verdientes Geld.

Eine interessante Geschäftsidee hat die Hannoveraner Lutherkirche da entwickelt:

Wer am Sonntag (13.9.) den Gottesdienst (warum man sich selbst unentgeltlich zum Diener erklären sollte, ist auch noch so eine Sache, die ich bei diesem ganzen Kirchenkram nicht so recht verstehe) besucht, wird mit fünf Euro belohnt, die er dann bitte sinnvoll anlegen soll – vermutlich, um das Werteverständnis der interessierten Christen zu fördern, die zu einem Großteil dann vermutlich doch eher an anderen Inhalten interessiert sein dürften.

Ich nehme an, ich selbst bin am Sonntag leider abkömmlich, aber über Berichterstattung und ggf. Bildaufnahmen des Gottesdienstes wäre ich durchaus dankbar. Es sollte mich nicht erstaunen, wenn es recht voll wird. Womöglich wird das bei ausreichend Erfolg ja auch Mode?

„Sie werden trunken von den reichen Gütern deines Hauses, und du tränkest sie mit Wonne als mit einem Strom.“ (Psalm 36, 9)

NetzfundstückePolitik
Oh, ein Internet-Manifest (recht zynischer Text, wenig bis gar nicht konstruktiv, bitte daher um freundliche Beachtung)!

Fast völlig unbemerkt von der Öffentlichkeit Vor Aufdringlichkeit kaum zu ertragen ist das vorgestern eilig hingerotzt wirkende „Internet-Manifest„, in dem 15 deutsche Ins-Internet-Schreiber versuchen, die Grundlagen des modernen Internetjournalismus‘ darzulegen, ohne zuvor die Meinung derer einzuholen, in deren Namen sie zu sprechen resp. zu schreiben meinen, und damit natürlich auf die Nase fallen.

Wer – wie ich – zuerst schaut, wer einem da eigentlich was verkaufen will, spart sich die Lektüre direkt, alle anderen werden hinterher verstehen, wieso so ein unfundiertes Geschwafel es überhaupt ins Netz geschafft hat; immerhin zählt mit Sascha Lobo auch ein Vertreter der unsäglichen und immerhin zu Recht erfolglosen Vodafone-Anbiederungskampagne zu denen, die ihren ohnehin nicht mehr für Qualität oder „was zu sagen haben“ stehenden Namen für dieses lächerliche Pamphlet hergeben.

Am bislang treffendsten hat es wohl – wieder einmal – ix formuliert:

ein paar journalisten und blogger haben haben über das was sie tun nachgedacht und den kleinsten gemeinsamen nener auf den sie sich einigen konnten aufgeschrieben und es „internet-manifest“ genannt.

Da sitzen also fünfzehn Leute, die sich um die Bezahlung für das, was sie der Welt unbedingt mitteilen wollen, schon längst keine Gedanken mehr machen müssen, und begründen ihr unüberlegtes Geschmier dann mit folgenden rhetorischen Großtaten:

jetzt kann jeder plötzlich seinen persönlichen quatsch oder nicht-quatsch veröffentlichen und er steht dann quasi gleichberechtigt neben den tollen verlagsprodukten.

(Stefan Niggemeier in den Kommentaren zu ix‘ Artikel, konkret These Nr. 2)

Ich stehe also mit dieser knuffigen, privaten Webpräsenz, deren Kosten zwar gering, aber doch vorhanden sind, gleichberechtigt neben personalstarken, von millionen- bis milliardenschweren Werbepartnern und einem eigenen Verlag finanziell unterstützten Onlineportalen? Oha – vielleicht sollte ich hier Werbung schalten lassen, mein Einfluss auf den Journalismus im deutschsprachigen Raum ist demzufolge ja überwältigend! Warum sagt mir das niemand? – Laut Zugriffsstatistik ist meine bislang einzige nennenswerte Erwähnung durch Dritte übrigens dieser Kommentar in einem der zahlreichen Blogs der taz. Das nenne ich Gleichberechtigung. Oder schlicht groben Unfug.

Auch sehr schön fand ich übrigens die folgenden Thesen:

3. Das Internet ist die Gesellschaft ist das Internet.

Das Internet spiegelt die Gesellschaft wider, aber es bietet durch seine Globalität keinesfalls die Möglichkeit, seinen Umgang sorgsam auszuwählen. Wer im Internet am lautesten schreit, wird am meisten beachtet. Im Internet kann man nicht einfach den Raum verlassen. Gut für die Verfasser des Manifests, schlecht für die, die es für grausige Selbstbeweihräucherung halten und denen es trotzdem auszugsweise von – gefühlt – jeder zweiten Internetseite entgegengrinst. Unter anderem also auch von dieser hier.

Internet-Zugangssperren … beschädigen das grundlegende Recht auf selbstbestimmte Informiertheit.

Der Versuch von fünfzehn Individuen, die die Formulierung eines solchen „Manifests“ einfach mal zur Chefsache erklären, irgendwelche Grundsätze zu formulieren, die dann auch bitte alle guten Menschen gutzufinden haben, ist hingegen ein Zeugnis der selbstbestimmten Borniertheit.

6. Das Internet verbessert den Journalismus.

Ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha!

11. Mehr ist mehr – es gibt kein Zuviel an Information.

Reden wir noch mal drüber, wenn Google Earth und/oder Google Street View jeden von Ihnen am FKK-Strand oder vor/nach/beim Duschen/Baden/Koitus aufgenommen hat und/oder haben? Ja? Besser nicht.

16. Qualität bleibt die wichtigste Qualität. (…) Ein Publikum gewinnt auf Dauer nur, wer herausragend, glaubwürdig und besonders ist.

Hoffen wir also, dass dieses Pamphlet auf Dauer kein Publikum findet. Bis dahin siehe bitte zwei Thesen weiter oben, oder einfach noch mal die eigene Abschlussthese konsumieren:

Die “Generation Wikipedia” weiß im Zweifel die Glaubwürdigkeit einer Quelle abzuschätzen, Nachrichten bis zu ihrem Ursprung zu verfolgen und zu recherchieren, zu überprüfen und zu gewichten (…). Journalisten mit Standesdünkel und ohne den Willen, diese Fähigkeiten zu respektieren, werden von diesen Nutzern nicht ernst genommen. Zu Recht.

Eben: Zu Recht!

Allein: Man kann das „Manifest“ via netzpolitik.org-Wiki weiterspinnen. Nur schade, dass man mit der Veröffentlichung nicht warten konnte, bis sich hier eine brauchbare Fassung entwickelt hat.

Nachtrag vom 12.9.:
Ein satirisches, aber keinesfalls albernes „Internet-Manifest“, das eigentlich alles richtig macht, was die Herren Journalisten nicht richtig gemacht haben, gibt es hier zu lesen.


Apropos „Unterzeichner des Manifests“:
Johnny Haeusler hat nebenbei erfreulicherweise noch ein wenig Satire zum Thema „Was wähle ich denn diesmal nicht?“ verfasst. Meine Lieblingspointe:

Die Grünen wurden zunächst als Spaßpartei gegründet, bis man/Frau feststellte, dass niemand in der Partei wusste, wie dieses „Spaß“ geht. Seitdem setzen sich Die Grünen in erster Linie für ein Verbot von Frisuren ein und gehen mit gutem Beispiel voran.

Lesenswert, wie auch der Rest des Spreeblicks!
(Jedenfalls fast.)

In den NachrichtenMir wird geschlechtNetzfundstücke
… aber immer „die Männer, nur Sex im Kopp“

Danke, liebe Psychologen, für diese Erkenntnis:

Alleinstehende Frauen sind weitaus mehr an gebundenen Männern interessiert als an solchen, die noch zu haben sind. „Unsere weiblichen Singles mochten die Männer besonders gern, wenn diese vergeben waren“, sagt Melissa Burkley von der Oklohoma State University. Gemeinsam mit ihrer Kollegin Jessica Parker hat sie eine Studie durchgeführt, in der sie den Einfluss des Beziehungsstatus auf die Partnerwahl untersuchte.

Die Fotos von Mr und Mrs Right waren jeweils die gleichen für alle männlichen beziehungsweise weiblichen Versuchspersonen. Der Hälfte der Probanden erzählten die Forscherinnen, ihr Idealpartner sei solo, der anderen Hälfte sagten sie, er oder sie sei bereits vergeben.

Und das machte den kleinen, aber feinen Unterschied aus – vor allem bei den Singlefrauen: Bekamen sie einen alleinstehenden Mann präsentiert, zeigten sich 59 Prozent von ihnen an einer Beziehung interessiert. War der vermeintliche Traummann aber gebunden, stieg der Anteil der Interessentinnen auf 90 Prozent.

Einer Frau den Mann auszuspannen, würde somit einen Erfolg bedeuten und das Selbstwertgefühl steigern.

Ob diese 90 Prozent über die Bedeutung einer Beziehung wohl noch die gleiche Meinung vertreten, wenn sie in einer selbigen sind?


Nachtrag:
Arne Hoffmann und Christian Schmidt haben zum Thema Feminismus auch noch was zu sagen. Bitte umgehend konsumieren und sich merken!

In den NachrichtenPolitik
Mord ist ihr Hobby

Althauscontainer: http://twitpic.com/d9rtqSo sind sie, die großen Volksparteien im Wahlkampf:
Nachdem der Thüringer CDU-Vorzeigepolitiker Dieter Althaus ein Menschenleben beendet hatte, war er aus gesundheitlichen Gründen nicht in der Lage, sich hierzu zu äußern oder gar Konsequenzen zu ziehen.

Irgendwann waren die zahllosen Rufe, Althaus möge doch bitte seine Ämter niederlegen, nur noch schwach zu vernehmen, und der Ministerpräsident blühte wieder auf, ja, er nutzte den Skiunfall gar, um sich anzubiedern, und es tat ihm alles furchtbar Leid – klar, es gab eine Wahl zu gewinnen, und Wähler sind seit jeher für ihr schlechtes Gedächtnis bekannt. (CDU? Waren das nicht die mit der Mehrwertsteuer?)

Es geht um Machterhalt, nicht um Glaubwürdigkeit. Der Wähler will den Rücktritt? Bis zur nächsten Wahl dauert es noch lange genug.

Nur diesmal konnte sich der Wähler, wider Erwarten, mal etwas merkeln merken:

1. September: Vera Lengsfeld hat sich als erste prominente Unionspolitikerin für den Rücktritt von Ministerpräsident Dieter Althaus (CDU) ausgesprochen. Man müsse der SPD „einen überzeugenden Grund geben, mit der CDU zu regieren“, sagte die frühere DDR-Bürgerrechtlerin.
2. September: Thüringer CDU hält um jeden Preis an Althaus fest
3. September: Ministerpräsident Dieter Althaus tritt zurück.

Schade, dass man dafür erst eine Wahl verlieren musste.

Sonstiges
Medienkritik XV: Wunderliche actimel-Werbung

Da gerade schon wieder diese grausige actimel-Werbung mit dem vollkommen natürlich wirkenden Durchschnittsstudenten lief, frage ich mich im Nachhinein, ob ihm selbst eigentlich aufgefallen ist, für welch fragwürdige Thesen er da eigentlich in die Kamera grinst.

  • „Eine Gruppe trank actimel, die andere nicht.“
    Wovon hat sich die andere in der Zeit ernährt? Das wird sicherheitshalber nicht erwähnt. Aber ist eigentlich irgendwo die Rede davon, ob es der Nicht-actimel-Gruppe nach Ablauf der Testzeit signifikant schlechter ging?
  • „Ich war ja erst skeptisch, (…) am Ende hab ich dann erfahren, dass die positive Wirkung auch in der Studie bestätigt wurde.“
    Schön, wenn Studien Thesen belegen; weniger schön, wenn die These so schwammig formuliert ist, dass man sie sich auch hätte sparen können. Die ominöse „positive Wirkung“ wird jedenfalls nicht näher belegt. Stärkere Abwehrkräfte verschafft actimel angeblich, so das Motto des Produkts; die Erkrankungsrate der Vergleichszielgruppe muss demnach höher gewesen sein. Wie wurde das gemessen? Wurde gar eine Erkältung provoziert?
  • „… dann hab ich gemerkt, dass es mir echt gut tut.“
    Anders ausgedrückt: Hinterher fühlt man sich „besser“. Satt, gesund? Wer weiß. Nach einer Tasse grünen Tees fühle ich mich allerdings auch besser, und das weit preiswerter. Was ist nun den Mehrpreis wert? Womöglich die Kosten für die Werbekampagne.

Ich gratuliere jedenfalls dem Sport treibenden, sich gesund ernährenden, vollkommen natürlich wirkenden Durchschnittsstudenten, der nach Ablauf der Studie nicht krank geworden ist. Das allerdings hätte ich auch ohne actimel geschafft.

In den NachrichtenNetzfundstücke
Die Musikindustrie, der Fernsehpreis und die Groteske an sich

Ich wünschte, ich könnte zum zehnten Jubiläum der Sendung Wer wird Millionär? an dieser Stelle über ein entspannteres Verhältnis der Menschheit zum Geld berichten, aber Pustekuchen:

Offenbar bedingt durch die gesunkenen Einnahmen, seit Nutzer von Filesharingprogrammen in Deutschland weitgehend ihre Ruhe vor unangemessenen Strafforderungen haben dürften, beschreitet die Industrie jetzt kreativere Wege (irgendwoher muss das Geld für die Produktion drittklassiger Popschnulzen ja kommen), um an die gewünschten Mehreinnahmen zu gelangen: Sie lässt ihre wenigen noch verbliebenen Kunden teuer abmahnen, wenn sie versuchen, ihre legal erworbenen Tonträger weiterzuverkaufen.

Weil dieser abmahnende Anwalt sowohl gegenüber Telepolis als auch gegenüber dem Spiegel darauf hinwies, dass jemand, der „sicher gehen“ wolle, „im Zweifelsfall einfach gar keine alten Iron-Maiden-Produkte verkaufen“ solle, vermutet der Ettlinger Heavy-Metal-Fan, dass die Abmahnungen auch dem Zweck dienen könnten, Personen, die ihre alten CDs verkaufen möchten, zu verunsichern, um so das Gebrauchtangebot an legalen Tonträgern zu verknappen, damit potentielle Käufer eher zu Neupressungen greifen, an denen die Band und die Rechteverwerterindustrie nochmals Geld verdienen.

Was tun?
Auf der sicheren Seite ist man, so scheint es, derzeit, wenn man Iron-Maiden-Tonträger vorerst maidet meidet. Jedenfalls im Handel.


Ebenfalls seltsam, aber mit einem amüsanteren Kontext, wirkt die Auswahl der Kandidaten für den diesjährigen Deutschen Fernsehpreis, der weit vornehmer klingt, als er tatsächlich ist, auf nicht nur mich. Die Pointe verrate ich schon mal:

Diesmal verkleiden sich Anke Engelke und Bastian Pastewka als volkstümelndes Moderationsehepaar Wolfgang und Anneliese und werden hoffentlich retten, was zu retten ist. Vielleicht werden sie dafür nächstes Jahr wieder für einen Deutschen Fernsehpreis nominiert, zum Beispiel in der Kategorie „Bester Galaabend/Schraubstock“, zusammen mit der zweiten Halbzeit eines DFB-Pokalspiels und einem Klavier.

Fast so grotesk wie die Preisverleihung selbst, aber unbedingt lesenswert:
Der gesamte Artikel im Fernsehlexikon.

Hihi.