In den Nachrichten
Schärfer als die Realität

Ich rolle mich innerlich lachend auf dem Parkett herum, wenn ich folgende Meldung lese:

Weil ein Oberstabsfeldwebel bei der Präsentation eines professionellen Schießsimulators ins Schwärmen geriet und das System laut einer Zeitung „besser als jede Playstation“ fand, hagelt es nun Kritik von Elternverbänden und Landespolitikern.

(…)

Nach Angaben der Zeitung trainieren Soldaten in dem computeranimierten Kino mit Elektrowaffen für den Einsatz in Afghanistan. Die Eltern kritisieren laut dem Bericht, dass sie versuchten, ihre Kinder von Ballerspielen fernzuhalten, und dann passiere in der Kaserne so etwas.

Ich fasse das mal zusammen:

  • Eine Schulklasse besucht eine Kaserne.
  • In dieser Kaserne befinden sich Soldaten.
  • Diese Soldaten werden dazu ausgebildet, im Zweifelsfall gezielt Menschen zu ermorden, gern auch mehrere auf einmal.
  • Die Eltern halten es für unverantwortlich, wenn ihre Kinder in dieser doch eigentlich so harmlosen und lehrreichen Umgebung mit Schießsimulatoren konfrontiert werden.

Kicher aber auch:

„Ich halte es für pädagogisch nicht vertretbar, wenn Heranwachsenden ein solcher Schießsimulator vorgeführt wird“, sagte (…) Ekkehard Klug.

Da wollen die Pädagogen nur das Beste für ihre Schützlinge, und dann werden sie in einer Kaserne unverhofft mit Gewalt und Schießereien konfrontiert. Frechheit, das.

In den NachrichtenNetzfundstücke
Datenleck im Hirn

Facebook? Facepalm.Da schau her: Goldman Sachs macht wieder rekordverdächtige Umsätze. Es reicht ja, wenn die Wirtschaftskrise den Steuerzahler beutelt.

Grandios untergegangen ist übrigens auch das Aktionsbündnis Winnenden, das sich der Einfachheit halber auch nicht zu der Frage durchringen kann, wieso Amokläufe fast immer ausgerechnet in Schulen stattfinden, sondern lieber für viel Geld dazu aufrufen, Spiele-CDs zu entsorgen.

Medienpräsenter allerdings ist derzeit das mit der Sicherheit dieser ominösen „Web-2.0„-Anwendungen. Damit meine ich nicht mal unbedingt den ungefähr siebenunddrölfzigsten Versuch uninformierter Medien, das bloße Auslesen von SchülerVZ-Daten für einen fiesen Hack zu halten, sondern die Tatsache, dass unabhängig vom verwendeten Portal mit der Nutzung auch die Sicherheitsprobleme steigen.

Warum eigentlich sind immer noch Menschen, die schon länger als eine Woche im Internet aktiv sind, der Meinung, sie seien ausgerechnet auf Internetseiten, auf denen sie teilweise ihr ganzes Leben zur Schau stellen, vor unangenehmen Überraschungen sicher?

Für die Antwort auf dringende Fragen wie „Welche Simpson-Figur bist du?“ bitten sie den Anwender zunächst um Zugang zu seinem [Benutzer-]Konto. Gestattet er das, haben sie Zugriff auf alle Ressourcen des Anwenders.

Ich bin immer wieder beeindruckt von Leuten, die für solcherlei triviale Zwecke jeglichen Verstand über Bord werfen. Über den praktischen Nutzen von zumeist kommerziell orientierten (auch Werbung bringt Einnahmen, liebe Leser) und für die zwischenmenschliche Kommunikation allesamt immens wichtigen Seiten wie Facebook oder Wer-kennt-Wen möchte ich mich auch an dieser Stelle gar nicht auslassen, den kann sich vermutlich jeder, der ausreichend Chuzpe Aufnahmefähigkeit vorzuweisen hat, hier ab und zu vorbeizuschauen, selbst gut ausmalen (so mit Buntstiften und allem, was man sonst so braucht), aber mal ganz unter uns, liebe Generation Internet:

Warum tut ihr das?

Sicher bleibt es jedem selbst überlassen, wie viel er von sich preisgeben möchte. Niemand kann euch daran hindern, die Nackttanzbilder von der letzten Saufparty auf irgendeine Seite zu kleistern. Damit tut ihr bestenfalls euch selbst keinen Gefallen, aber schadet sonst niemandem damit. Aber gewöhnt euch besser ab, Eingabefelder immer als Aufforderung zum Eingeben privater Daten misszuverstehen. Der Computer denkt nicht für euch.

Ich wünschte, dieser Satz stünde rot, fett und lustig blinkend ganz oben und (zur Sicherheit) ganz unten auf jedem Bildschirm dieser Welt, sobald er eine dieser Seiten anzeigen muss.

Unvermutet auftauchende Eingabefelder sollten selten dazu genutzt werden, irgendwelche Passwörter einzutippen, schon gar nicht die eigenen. Aber ich habe die unangenehme Vorahnung, dass die „Betroffenen“ nichts aus ihren Fehlern lernen werden. Sie werden auch weiterhin ihre Freizeit damit verbringen, dringenden Fragen nachzugehen, deren Beantwortung früher einmal die Aufgabe von Zeitschriften wie der Micky Maus war, sie werden sich auch weiterhin von langweiligen Spießern nicht vorschreiben lassen, wie sie ihr geiles und buntes Internet gefälligst zu bedienen haben, sie werden auch weiterhin hier klicken, wenn hier steht „hier klicken“, und sie werden auch weiterhin ihre Profile auf irgendwelchen deklassierten „Freunde dich mit Leuten an, denen du draußen an der frischen Luft am liebsten einen Tritt in den Hintern geben würdest“-Portalen mit Dutzendsprüchen, schlechter Musik, unlustigen Grafiken und den Fotos von der letzten Sauffeier beschmieren. Immerhin steht groß dran: „Nur für Freunde sichtbar“.

Nicht wahr?

KaufbefehleMusikkritik
Rammstein – Liebe ist für alle da

Fleißige Leser dieser flauschigen Internetpräsenz haben sicher in einigen meiner Beiträge schon eine Affinität zu melodischer Frickelmusik erkennen können. Ich hoffe, all jene, die solcherlei erkannt haben, verfügen über starke Nerven oder sitzen gerade auf einem vor versehentlichem Herunterfallen geschützten Möbelstück, denn ich muss nach einigen Stunden intensiven Hörens ein womöglich überraschendes Geständnis machen:

Das neue Album von Rammstein ist klasse.

Man kann von den Brachialrockern halten, was man will, man kann sie auch aufgrund ihrer ostdeutschen Herkunft in einem Atemzug mit Tokio Hotel nennen, wie es der früher eigentlich mal ganz okaye Musikexpress in der aktuellen Ausgabe tut und sich damit jegliche Sympathien bei mir verspielt hat, aber man kommt nur schwerlich an ihnen vorbei.

Nach den beiden schwachen Alben „Reise, Reise“ und „Rosenrot“, erschienen in den Jahren 2004 und 2005, hörte man nicht mehr viel von dem Sextett. Zwischendrin erschien mit „Völkerball“ ein Livealbum, das aber nicht besonders viel Aufsehen erregte. Ich habe es anfangs nicht einmal bemerkt.

Erst im Sommer 2009 war die Band wieder in den Schlagzeilen, allerdings mit einer Schlagzeile, die nicht unbedingt für allgemeine Freude gesorgt hat: Nachdem Ausschnitte aus dem Album „Liebe ist für alle da“, um das es hier geht, ihren Weg ins Internet „gefunden“ hatten, gab es Abmahnungen in nicht geringer Zahl sowie eine mindestens ebenso große Zahl an davon beeinflussten Schmähkritiken in deutschsprachigen Weblogs zu lesen. Ich habe mich da mal vornehm zurückgehalten; Ausschnitte aus urheberrechtlich geschützten Werken und Hinweise hierzu ungefragt auf irgendwelchen Nachrichtenseiten zu veröffentlichen ist nichts, was man als Künstler ignorieren müsste, Bürgerrechte hin oder her. Wer immer für diese Abmahnwelle verantwortlich war: Es war sein gutes Recht. Korrektur: Es war zumindest aber nicht nett. (Danke an Peter für den Hinweis. Manchmal schreibe ich mich versehentlich in Rage und vergesse dabei einige nicht ganz unwichtige Details.)

Nachdem also jedenfalls die Propheten des Untergangs des Abendlandes allmählich verstummt waren, rückte man endlich mit der Sprache raus und machte wieder das, was man in den weichgespülten Vorgängeralben vor Eingängigkeit ganz übersehen hatte; Man brach Tabus.
Die Sexualisierung in der Musik ist nun kein unbedingt neues Thema mehr, ein Musikvideo als Pornofilm zu drehen nur konsequent. Dennoch wurde dieser Schritt natürlich allgemein als Tabubruch bezeichnet, ohne dass irgendjemand mal dazu geschrieben hätte, welches noch bestehende gesellschaftliche Tabu denn mittels dieses Videos nun gebrochen sei. Die Darstellung sexueller Aktivitäten im Internet ist jedenfalls sicher nicht gemeint, und im Fernsehen läuft, so weit mir bekannt ist, ausschließlich eine zensierte Fassung.

Das ehemalige Nachrichtenmagazin Der Spiegel hat das mit der Ironie noch immer nicht so ganz verstanden und zitiert Paul Landers informativ, aber auch suggestiv:

Gitarrist Paul Landers behauptet, die Provokation sei keine bewusste Strategie. „Wir sitzen doch nicht am Schreibtisch und fragen uns: Wo könnten wir noch provozieren?“, sagt er, während seine Nieten und Ketten klappern, „so komisch es klingt: Die Provokation findet uns“.

Die Hervorhebungen sind, wie meist, von mir.

Sicher kann man Rammstein dergestalt als fortwährend irgendwelche „Tabus“ brechende Bösewichte darstellen, und sie sind auch nicht ganz unschuldig daran. Dies jedoch möchte ich von nun an wieder den etablierten Klatschmedien überlassen und lieber wieder zum Thema zurückkommen:

Das neue Album von Rammstein ist klasse.

Bereits das erste Stück, „Rammlied“, zeigt, dass „Liebe ist für alle da“ wieder den Stil der ersten Alben „Herzeleid“ und „Sehnsucht“ aufgreift. Melodische, balladeske Seltsamkeiten, wie sie auf den beiden Vorgängeralben vorherrschten, sind hier nur noch eingeschränkt zu finden. Stattdessen beginnt das Album mit – ich schreib’s noch mal – dem „Rammlied“, das an das Lied „Rammstein“ vom Album „Herzeleid“ anknüpft, mich textlich bei jedem Hören an „Super Drei von den Ärzten erinnert und zu dem man ordentlich auf die sprichwörtliche Kacke hauen kann. Auf diesem Niveau geht es erfreulicherweise auch weiter, Ausfälle gibt es nicht. Mit „Frühling in Paris“ ist auch mal wieder eine Ballade im Stil des furchtbar eingängigen „Ohne dich“ dabei, die aber den guten Eindruck auch nicht mehr ruinieren kann.

„Liebe ist für alle da“ ist ein durchaus mit Bedacht gewählter Titel für das Album; mit Ausnahme des Rammlieds handeln tatsächlich alle Titel von Liebe in seelischer oder rein körperlicher Form – natürlich, in Rammstein-Manier, mit sadomasochistischen Zügen inklusive einer Schilderung des Inzestfalls von Amstetten, all dies untermalt von Musik der härteren Gangart, wie sie zuletzt auf „Herzeleid“ und „Sehnsucht“ so ausufernd zu hören war. Dazu schreit und singt Till Lindemann, der seine Stimme um gleich mehrere Nuancen erweitert zu haben scheint, mit einer Kraft, dass es eine wahre Freude ist. Schön, dass sie wieder zu ihrer alten Form gefunden haben. Jetzt bitte so bleiben!

Schrieb ich schon, dass das Album klasse ist?

Nachtrag vom 6. November: Angeblich ist das Album nun indiziert. Ein weiterer Kaufanreiz für das jüngere Publikum, wie ich annehme.

In den NachrichtenPiratenpartei
Heiße Luft, und Sie?

Aha:

Die Unterhändler von Union und FDP sind sich laut einem Bericht der Deutschen Presseagentur in allen wichtigen Sicherheitsthemen einig.

Das klingt wie eine Drohung.

Bei der Vorratsdatenspeicherung solle die Nutzung der Daten auf schwere Gefahrensituationen beschränkt werden, zitiert die dpa Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU).

Wer ständig und überall schwere Gefahren für das Land wittert, hat es einfach, solcherlei „Einschränkungen“ zu beschließen. Interessant auch: Ursprünglich sollte die Vorratsdatenspeicherung gegen Terrorismus verwendet werden, inzwischen also allgemein für „schwere Gefahrensituationen“.

Bei den Internetsperren hätten sich die Verhandlungspartner darauf verständigt, dass das Bundeskriminalamt (BKA) zunächst versuchen solle, kinderpornografische Seiten zu löschen statt zu sperren.

Die Hervorhebung ist von mir und die Änderung ist keine. Dank der Intervention der SPD wurde das Gesetz bereits in dieser Form beschlossen. Verständlich aber, dass davon nicht mehr die Rede ist.

Wie weit sollen diese Versuche eigentlich gehen? Kann da auch einer sagen, och, nö, da sperren wir lieber gleich?
Da die Zensurmechanismen offenbar also erhalten bleiben, bleibt das ursprüngliche Problem auch bestehen. „Vorerst vom Koalitionstisch“? Welch ein Geschwätz!

Für heimliche Online-Durchsuchungen von Computern soll künftig die Generalbundesanwaltschaft einen Antrag stellen müssen.

Keine Änderung im Vorhaben, nur eine Verlagerung der Zuständigkeit. Grandios.

Insgesamt meinen Glückwunsch an die F.D.P.; damit wäre die Partei, die sich in den Wochen vor der Wahl als „bessere Piratenpartei“ darzustellen versuchte, nunmehr in allen entscheidenden Punkten überstimmt.

Wie hieß es noch vor kurzem?

Eine Koalition darf es nur geben, wenn die Vorratsdatenspeicherung zurückgenommen wird!

„Heiße Luft würde Schwarz-Gelb wählen.“

KaufbefehleMusikNetzfundstückePersönlichesSonstiges
Wirre Gedankenfetzen, mit denen ich Twitter nicht belästigen wollte.

Ich wurde nun in einem Blog verlinkt, das ein eigentlich recht interessantes Thema behandelt, und fühle mich sehr geehrt. Ich sollte das als Anreiz nehmen, hier mehr und öfter zu schreiben, aber – wie so oft – fehlt es einfach meist an Berichtenswertem.

Außerdem hat Peter mein Blog als zu unverständlich kritisiert. Das nimmt mich doch recht mit.

Also schmiere ich hier einfach mal ein paar nicht zusammenhängende Satzfetzen und Gedanken hinein und hoffe, dass es keinem auffällt. Und falls doch: Bitte nicht petzen.

Also:

Ich sollte häufiger Anzüge tragen, das kommt angeblich gut an. In dreieinhalb Wochen steigt das Konzert des Jahres in der Stadt der Sehnsucht. Abendröte legt eine merkwürdige Patina über die Seele. Bin ich eigentlich der einzige Blogger, der „I wanna take a ride on your disco stick“ für einen unguten Text zu einer Werbeuntermalung hält? Übermorgen erscheint, apropos, das neue Album der Goldenen Zitronen. Sehr gut, so weit die „Reinhören“-Funktion von Amazon.de dies zuließ.

Prima und dann doch irgendwie apropos: Frank schreibt und sammelt wieder, beides in neuer Gestaltung. Ab und zu mal vorbeizuschauen wird empfohlen.

(Reicht für heute.)
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In den NachrichtenPersönlichesSonstiges
Medienkritik XVI: Drama, Baby! (lächel)

Auf der Suche nach Zerstreuung fiel mein Blick vor einigen Stunden auf eines jener Klatschblätter, die allwöchentlich erscheinen und die sich in ihrer niedrigen Preisgestaltung wie auch in ihrer sicherlich keinesfalls kreativen oder wenigstens einprägsamen Namensgebung gegenseitig noch zu unterbieten wissen, so dass aufmerksame Beobachter sich jede Woche aufs Neue und nicht einmal zu Unrecht fragen, woher der von Krisen, wie es heißt, arg gebeutelte Markt denn ausreichend viele Interessenten für so viele Nuancen des stets gleichen Produkts anzuziehen vermag, und ich musste ein wenig schmunzeln. Dies nicht etwa, weil die sich mir entbietende Frontseite jenes Magazins ein gewolltes oder gewollt scheinendes Amusement beherbergte, sondern der Absurdität der Schlagzeile geschuldet, die sich mehrfarbig ins Auge des Betrachters fraß und ungefähr so lautete:

Familien-Drama bei TV-Koch Johann Lafer:
Selbstmord-Schock

Diese immerhin nur mit gefühlten zwölf Ausrufezeichen abgeschlossene Kurzmeldung wurde kontrastiert mit einer nebenstehenden Fotografie des vergnügt lächelnden Konterfeis ebenjenes Fernsehkochs, als wollte er sagen: „Seht mal, für welch voyeuristische Klientel ich als Kaufanreiz dienen soll! Ist das nicht albern?“

Ich bin trotz stetig fortschreitender Alterung noch immer nicht einfältig genug, Recherchen darüber anzustellen, was bei TV-Koch Johann Lafer denn passiert sein mag, dass es die Aufmerksamkeit potenzieller Leser in gleichem Maße zu erheischen versucht wie die auf nur wenige Meter entfernten Titelseiten großer Nachrichtenmagazine zu sehenden innen- und außenpolitisch aktuellen und auch für TV-Koch Johann Lafer sicher nicht unbedeutenden Themen wie zum Beispiel die sich täglich in von Friedenstruppen besetzten Gebieten ebenfalls zutragende, sich aber keinesfalls auf wie auch immer geartete Familienkreise beschränkenden Dramen (unter Zuhilfenahme einer, zugegeben, recht umgangssprachlichen Verwendung des Wortes Drama), daher verzichtete ich ausnahmsweise auf einen Blick ins Innere des vergebens um mein Interesse buhlenden Heftes. Vielmehr gefällt es mir, verschiedene mögliche Szenarien zu ersinnen und über jedes von ihnen entrüstet den Kopf zu schütteln.

So komme ich wenigstens zu etwas Bewegung.

KaufbefehleMusikkritik
Jardín de la Croix – Pomeroy

Für die Freunde instrumentalen Jazzrocks zwischen King Crimson und Rush noch kurz ein musikalisches Fundstück, das, 2008 entstanden, bis vor wenigen Minuten noch in meinen Archiven schlummerte:

Rauhe, aber melodische Gitarrenriffs überlagern und verzwirbeln sich zu einem komplexen, aber trotzdem durchschaubaren Geflecht. Kurze Soli schneiden wie Messerstiche durch das Riff-Netz. Der Bass brilliert mit melodischen Läufen und das Schlagzeug explodiert regelmäßig im Untergrund. Die Spanier kreieren mal metallisch angehauchte Rifforgien, mal melodische Postrock-Klangwälle und mal einfach fast schon sanft dahingleitende epische Tonlandschaften mit mediterraner Leichtigkeit. Und ein Händchen für ungewöhnliche Arrangements haben die Jungs auch, da sei exemplarisch die Stelle gegen Ende von „Suomi“ erwähnt, wenn sich aus dem E-Gitarren-Riffing langsam eine akustische Gitarre herausschält und dann genauso langsam, majestätisch, sich wieder ins E-Gitarren-Nirvana verliert.

Sicher keine Dutzendware und obendrein kostenlos zu beziehen, daher eine uneingeschränkte Lauschempfehlung für alle, denen Atmosphäre in der Musik wichtig ist und die auch auf Gesang oder allzu ausufernden Gitarrenlärm verzichten können.

Zu haben gibt es das gute Stück auf Jamendo.com; wer dieser Seite aus beliebigen Gründen nicht so recht über den Weg traut, der wird natürlich, wie immer, auch bei eMule fündig.

Einen angenehmen Start in die Woche wünsche ich.

In den NachrichtenPolitik
Kriegsnobelpreis für den Messias

22. September 2009: Nahost: Obama drängt auf schnelle Friedensverhandlungen

Ah?

9. August 2008: Obama is no friend of Israel
29. August 2009: Obama will mehr deutsche Soldaten nach Afghanistan entsenden lassen
12. September 2009: 3000 weitere US-Soldaten nach Afghanistan
15. September 2009: USA verabschieden sich von rechtlich verbindlichen Zielen bezgl. des Klimaschutzes
16. September 2009: Obama droht Entwicklungsländern mit „grünem“ Handelskrieg
27. September 2009: Obama lässt Guantánamo doch länger geöffnet
28. September 2009: Obama und Netanjahu drohen Iran
30. September 2009: Obama bezeichnet Krieg in Afghanistan als NATO-„Mission“
5. Oktober 2009: Obama will das Problem mit dem Iran „nicht mehr lange“ nur mit Worten zu lösen versuchen
6. Oktober 2009: Obama empfängt Dalai Lama nicht
7. Oktober 2009: Obama bekräftigt „Kampf gegen Terrorismus“

Die logische Konsequenz:

9. Oktober 2009: Obama erhält Friedensnobelpreis


(Auch recht gute Randnotiz: Ein Sprecher im ZDF verwechselte Phishing mit Fisting. Und ich habe es zu spät gesehen. Mist.)

Nachtrag vom 10. Oktober:
Auch Familie Obama fistet gern. Womöglich im Internet?

In den Nachrichten
Polizei, Polizei!

Das meinen die aber jetzt nicht ernst, oder?

Der Bund Deutscher Kriminalbeamter … erneuert anlässlich seines gerade stattfindenden Bundesdelegiertentages in Suhl seine Forderung nach dem Notruf-Button für Browser. Damit möchten die Kriminalpolizisten wirksam Web-Angebote aufspüren, die zum Beispiel Kinderpornografie oder radikales Gedankengut verbreiten. Auch schnelle Informationen an eine Clearing-Stelle etwa über Chatinhalte mit Ankündigungen von Suizid, Amoklauf oder verbaler beziehungsweise sexueller Belästigung innerhalb von Chatrooms haben die Kriminalbeamten im Visier.

Wirksam aufspüren? Um dann was zu tun – ein Stoppschild davorsetzen? Löschen geht bekanntlich „nicht so einfach“.

Und wer soll sich um die Auswertung der Informationen kümmern, also Spaßmeldungen herausfiltern und dann den Kontext eventuell „verdächtiger“ Chatdialoge analysieren, um eventuelle Ironie zu erkennen?

Schwache Gemüter könnten sich des Weiteren zum Beispiel auch von einigen Inhalten dieser von Ihnen, lieber Leser, derzeit konsumierten Internetseite verbal belästigt fühlen oder meine Herbst- und Winterdepressionen gar als angekündigten Suizid werten. Und wo soll das dann noch enden?

Anders ausgedrückt:
Was für weltfremde Gestalten arbeiten eigentlich beim BDK?

FotografieIn den NachrichtenNetzfundstücke
Heiter bis wolkig.

Das Herz schlug schon im Herbstrhythmus.

Man hatte sich schon an den Gedanken gewöhnt, nun vorerst wieder eingepackt wie das Michelin-Männchen durch die Herbstlandschaft spazieren und düstere Musik hören zu müssen, um der merkwürdigen Melancholie, die der Anblick fallender Blätter in der Seele des Beobachters zweifelsohne hervorzurufen in der Lage ist, angemessen Tribut zu zollen, und dann so was:

Heiter bis wolkig

Frechheit eigentlich.

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In den NachrichtenMusik
Nachrichten aus aller Welt: Dieter Bohlen ist ein Künstler.

Albernheit des Tages, frisch aus dem ARD-Text kopiert:

Dieter Bohlen ist nach einem höchstrichterlichen Urteil ein Künstler.

WDR.de hat hierzu eine passende Zwischenüberschrift gefunden:

Auch auf niedrigem Niveau künstlerisch

So ist das mit der Kunst. Oof!


(Auch recht künstlerisch, aber zweifelsohne besser als Dieter Bohlen: The Hidden Cameras – In The Na.
Ist das Pop? Falls ja: Schade drum. Falls nicht: Juhu!
Anhören und inklusive des amüsanten Videos gut finden wird wärmstens empfohlen.)


Nebenbei auch nachträglich meinen Glückwunsch an die Beatles:

Beatles sell 2.25 million albums

Und sie sind keinen Tag gealtert! :)

(Dennoch möchte ich allen Lesern davon abraten, ein Album aus dem aktuellen Stereo-„Remaster“-Katalog der Beatles zu erwerben. Hier wurde, wie heute leider üblich, abermals zwar dezent, aber durchaus feststellbar der Loudness War bedient, also die Lautstärke wurde auf Kosten einiger kaum wahrnehmbarer Harmonien künstlich erhöht, so dass die Musik zwar voller klingt, aber es an Dynamik fehlen lässt. Für den Konsum mittels üblicher Kleinanlagen ist dies sicherlich nicht allzu relevant, aber mit steigender Ausgabequalität von Musikanlagen steigt natürlich auch die Wahrnehmung dieser Diskrepanz. Wenn euch ein sauberes Klangbild wichtig ist: Finger weg!
Das musste mal gesagt werden.)

FotografieIn den NachrichtenNetzfundstückePolitik
„Wir können ja mal zusammen Tee trinken.“

Ich könnte mich jetzt an dieser Stelle natürlich schon wieder über den Aufreger des vorigen Polittages echauffieren:

Guido Westerwelle setzt voraus, dass Reporter ihn auf einer deutschsprachigen Pressekonferenz auf Deutsch befragen, und die Skandallüsternen jubeln, grölen als Kommentar zum Video gar – vorhersehbar – „Nazi!“.

Darunter könnte ich seitenlange Argumentationsketten führen, warum ich es für eine Frechheit halte, dass deutsche Politiker sich auf Englisch befragen lassen sollen, aber keiner wüste Beschimpfungen pflegte, würde sich zum Beispiel ein englischer Minister verbitten, auf Deutsch befragt zu werden. Aber dann würde ich mich wieder nur aufregen und meine Leser langweilen, und davon bekommt man graue Haare.

Stattdessen verlasse ich das in letzter Zeit hier überhand nehmende Feld der Politik, auch wenn sie die verlockende Möglichkeit zur Verteidigung des Deutschen bietet, und schreibe stattdessen über dies hier:

Die aktuelle Bahncard-Werbung ist mal wieder herrlich. Drei Frauen werden von ihren Männern mit einer Bahncard beschenkt, „um mal wieder was miteinander unternehmen zu können“, und fallen auch noch auf diese Finte herein. Hihi!

Und obendrein noch ein amüsanter Schnappschuss aus Braunschweig, diesmal aus einem Parkhaus, zur Verdeutlichung bemalt von mir:

Rauchverbot im gesamten Gebäude - auch hier!

Na bitte, es geht doch. Kein Stress, alles ganz lustig und entspannend.
Das war mal wieder nötig. Reicht aber auch wieder für heute.

:)

In den NachrichtenNetzfundstückePiratenparteiPolitik
Und diese Biene, die ich meine …

... nennt sich Maja!Schön, dass alles beim Alten bleibt: Die Delinquenten reden immer noch konsequent den gleichen Käse, niemand hat so recht verloren, man vergleicht sich bezüglich der nebenbei auch noch stattgefundenen Landtagswahlen gar mit der DVU, die „nur noch“ ein Prozent erreicht, was, wie auch alles andere, ein „großer Sieg“ ist, für wen auch immer.

Claudia Roth, deren Partei nun nicht gerade erfolgreich war, freute sich mit ihrem schrillen Timbre darüber, dass sie „deutlich zugelegt“ hat; andere fangen an zu rauchen, um genau das zu verhindern. Die SPD hat derweil herausgefunden, dass sie die „Krise“ unbedingt abwenden muss und „auch weiterhin“ hart dafür arbeiten wird. Nach einem Jahr hat sie immerhin bemerkt, dass diese „Krise“ entgegen eigener Prognosen doch existiert. Gratuliere!

Das bisher schönste Wort des Tages ist, nach all dem Jamaika-, Ampel- und sonstigem Koalitionsquatsch, übrigens Biene-Maja-Koalition. Schwarz-Gelb und das alles, mit den lustigen grünen Grashüpfern in der Opposition. Es ist ein Spaß.

(Und was die viel gescholtene Piratenpartei angeht: „Zwei bis drei“ Prozent, die den Falschen anderen Parteien jetzt jedenfalls fehlen. Ich bin gespannt, wie viele im letzten Moment noch schnell „bekennende Piraten“ jetzt noch hinter den Zielen der Partei stehen und wie viele sich als bloße Agitatoren herausstellen. Sollten letztere nun die Lust verlieren, kann es der Piratenpartei nur zugutekommen.)

Stillstand ist der Tod, geh‘ voran, bleibt alles anders.

(Herbert Grönemeyer)

Und jetzt, bitte, wieder zur Tagesordnung übergehen. Danke vielmals.


Nachtrag von einem Tag später:
Gut gemacht, die Tagesordnung ist wiederhergestellt. Die Musikindustrie schickt ihre Vertreter wieder das Internet durchforsten, um das Geld wieder reinzuholen, das sie durch die Unfähigkeit, Trends zu erkennen, verloren hat. Ich kriege das kalte Grausen von dem Verein.

KaufbefehleMusikkritik
Kaufbefehl zur Wahl: Gossip – Heavy Cross

Im Radio, so wurde mir heute zugetragen, läuft die erste Single „Heavy Cross“ der Postpunkband Gossip derzeit ungefähr täglich. Weniger aufdringlich als Standing in the way of control, durch das ich im Jahr 2006 erstmals auf das Trio aufmerksam wurde, dafür mit einer Portion Tanzrhythmus versehen treibt das Stück kraftvoll voran, gekrönt mit der energiegeladenen Stimme von Frontfrau Beth Ditto.

Und sie gehen nicht nur ab, sie haben auch was zu sagen:

Whatever you want, the choice is yours,
So choose.

I checked you, if it’s already been done, undo it,
It takes two, it’s up to me and you, to prove it.

So sieht’s doch aus.
Kauft die Single, sie ist es wert!