LyrikPersönliches
Versteckte Botschaften? Aber nicht doch.

Chaotisch die Essenz des Denkens,
Invalid auch sein Resultat.
Notdürftig auf Papier geschmiert
Dies Werk, auf Englisch verfasst:

Yet ano­t­her day goes by,
Depressing times, an emp­ty heart,
Until the sky will clear one day,
For I will find out how to start.

Eine Wand aus Pappmaché
Hindert jeden Denkprozess.
Lüge gar ist Vers Nummer 8.
(Schade: Das Y an erster Stelle.)

Tatsächlich wahr ist hingegen:
Mir fehlt der Traum, den ich erlebte.
In allem, was mir blieb, allein; das
Reimen kam mir selbst abhanden.

PersönlichesSonstiges
Hitzewallungen

Apropos ÖPNV, weil schon wie­der viel zu lan­ge nichts Berichtenswertes gesche­hen ist:

Da fuhr ich gestern Nachmittag durch die brü­ten­de Hitze, als eine sicht­lich generv­te Mutter mit Sohn mit Fahrrad ein­stieg und sich erst ein­mal geschätz­te fünf Minuten lang mit dem Busfahrer über den Fahrpreis stritt. Sie stampf­te dann den Busflur ent­lang, kon­ti­nu­ier­lich über den Fahrpreis schimp­fend, und ver­brach­te die Fahrzeit damit, sich über den Busfahrer auf­zu­re­gen, der „wie ein Anfänger“ fah­re, natür­lich nicht, ohne sich hin und wie­der umzu­se­hen, ob irgend­ein Passagier zustim­mend nicke, und dar­über, was das für unver­schäm­te Preise wären, ein Taxi wäre weit bil­li­ger, da stin­ke es auch nicht so; und über­haupt, der Fahrer fährt wie ein Anfänger!

Während des schön­sten Wutschwalls, den ich grin­send zur Kenntnis nahm, da er sich qua­si direkt neben mir abspiel­te, rief der Fahrer die Frau zu sich nach vorn; die Frau hat­te das Fahrrad des Kindes bis dahin ver­schwie­gen und somit natür­lich kei­ne Fahrradkarte gelöst, was sie gemäß ihrer Gestik und Mimik durch­aus wuss­te. Zu den Beschwerden über die Fahrkünste des Buslenkers und die all­ge­mei­nen Fahrtumstände gesell­te sich nun­mehr ein wie­der­hol­tes Satzgefüge, des­sen Inhalt dar­auf schlie­ßen ließ, dass es nicht in Ordnung sei, dass Kinderfahrräder Beförderungsgebühr kosten, und über­haupt wer­de sie näch­stes Mal auch des­we­gen wie­der ein Taxi benut­zen; „das freut mich, Sie gehen mir näm­lich auf die Nerven, gnä‘ Frau“ habe ich dann natür­lich nicht gesagt.

An der die­sem letz­ten Zwischenfall fol­gen­den Haltestelle stieg die Frau, noch immer schimp­fend, samt Sohn und Fahrrad aus, obwohl sie bereits bis zum Zielhalt bezahlt hat­te; kei­ne Sekunde län­ger blei­be sie in die­sem Verkehrsmittel.

Diese Geschichte hielt ich für der Dokumentation wür­dig; zeigt sie doch ein­drucks­voll, was für ein ange­neh­mer Zeitgenosse ich eigent­lich bin.

Persönliches
Kopfkino

(Wenn man dann in einer ruhi­gen Minute mal ein­fach still da sitzt und das Grübeln ein­stellt, über­nimmt der Kopf, ange­regt von plötz­lich nie­der­pras­seln­den Fetzen glück­li­cher und weni­ger glück­li­cher Erinnerungen, den Dreh des Abendprogramms, und man soll­te nicht all­zu unglück­lich sein, wenn es dabei bleibt, dass man bun­te Farben sieht; für das Kopfkino gibt es kein Programmheft, zwi­schen Komödie und Drama lie­gen oft nur Nuancen.

Zwar ist die Gefahr, mit stö­ren­den Schauspielern wie Til Schweiger und Johnny Depp kon­fron­tiert zu wer­den, im eige­nen Film nicht all­zu groß, dafür sieht man sich selbst und Gesichter aus Träumen und Erinnerungen; auch sol­che, die man manch­mal lie­ber ver­ges­sen möch­te und es dann aber doch nicht kann, wie schon Farin Urlaub im Die-Ärzte-Lied „Nie gesagt“ rich­tig dekla­mier­te: „Jetzt seh ich dein Gesicht überall.“

Und so war­tet der Mensch beharr­lich auf die Pointe und weiß nicht, dass die­ser Film kein fröh­li­ches Ende nimmt; wie auch der Film, den das Leben schreibt, immer nur tra­gisch enden kann. I can’t belie­ve you’­re not mine. Ach.)

MusikPersönlichesSonstiges
Medienkritik XXVIII½: Wie gewitzt!

Mindestens blöd aus­ge­drückt, Fa. Procter & Gamble, ist auch die Fernsehwerbung für euer Produkt blend-a-med pro expert, in der es näm­lich ca. wie folgt heißt:

„blend-a-med pro expert schützt die Bereiche, die am häu­fig­sten durch Zahnärzte kon­trol­liert werden.“
(Aus dem Gedächtnis auf­ge­schrie­ben, daher poten­zi­ell feh­ler­haft wiedergegeben.)

Natürlich erläu­tert eure, Fa. Procter & Gamble, zuge­hö­ri­ge Internetseite, wel­che Bereiche gemeint sind, näm­lich Karies, Plaque et al.; indes geht dies aus der Fernsehwerbung eben nicht her­vor, und so klingt all das doch eher nach der vor allem Eltern bekann­ten Geschichte von dem fau­len Sohn, der sein Zimmer auf­räu­men soll: Statt sich dann näm­lich um die ein­wand­freie Hygiene sei­nes Zimmers zu sche­ren, schiebt er alles, was her­um­liegt, auf einen gro­ßen Haufen und bewegt die­sen mit­tels sei­ner Gliedmaßen aus den Bereichen, die am häu­fig­sten von Eltern kon­trol­liert wer­den, her­aus; zum Beispiel unter sein Bett.

Herrje.


Hmja dann übri­gens auch zu „Domed“ von And Also The Trees:

(Die Sonne scheint, der Himmel ist blau, die Vögel sin­gen. Schön.)

LyrikPersönliches
Sie. (Fragment 3)

(Ihr gewid­met.)

… Als er erwach­te, hat­te sich sei­ne Welt ver­än­dert. Mühsam öff­ne­te er sei­ne trä­nen­nas­sen Augen und blick­te sich um. Aber es war doch alles wie immer?

Nein, etwas war anders. Durch sei­nen Kater schien lang­sam die Erinnerung. Er hat­te wie­der ein­mal ver­sagt. Dabei schien zum ersten Mal in sei­nem Leben alles so perfekt!

Vor Jahren noch, als er Suchender war, sich längst noch nicht ange­kom­men wähn­te, lern­te er sie ken­nen. Sie wirk­te zart, gar zer­brech­lich. Sie war auf eine geheim­nis­vol­le Art ver­schlos­sen, bei­na­he abwei­send, und den­noch zog sie ihn magisch an. Schon damals hat­te er sich in sie ver­liebt. Die Chance jedoch, die sie ihm gewähr­te, ver­gab er in jugend­li­chem Überschwang.

Er war sich bewusst gewe­sen, dass es nicht leicht wer­den wür­de, ihre Liebe zu gewin­nen; den­noch hat­te es ihm einen Schlag ver­setzt, als sie ihm zu ver­ste­hen gab, dass die­se Liebe unmög­lich eine Chance haben wür­de. Dass sie ihn nicht woll­te, konn­te er kaum glau­ben; zumal er in den fol­gen­den Monaten betrübt, aber hilf­los sehen muss­te, dass sie schnell Ersatz fand. Trotz alle­dem konn­te und woll­te er sie nicht ver­ges­sen, auch wenn er ihr gegen­über in der fol­gen­den Zeit sei­nem Missmut und sei­ner Enttäuschung - oder war es blo­ße Eifersucht? - deut­lich Ausdruck ver­lie­hen hat­te. Er hat­te nichts zu ver­lie­ren, er hat­te sie schon ver­lo­ren, bevor er sie jemals gewon­nen hat­te. Womöglich für immer.

Über sechs Jahre waren seit­dem ver­gan­gen, in denen er sie fast aus den Augen ver­lo­ren, nie aber ver­ges­sen hat­te. Viel hat­te sich geän­dert; nicht nur bei ihm, auch bei ihr. Dass er sie wie­der­se­hen wür­de, kam uner­war­tet, aber es stand unter einem ande­ren Stern. Sie bei­de waren nicht mehr auf der Suche, sie fühl­ten sich längst schon gefan­gen in der Leere, in der sie nun­mehr steck­ten. Was pas­sie­ren wür­de, war ihnen vor­her nicht klar. Er hat­te Angst gehabt, sich wie­der auf etwas ein­zu­las­sen, was ihn über­for­dern wür­de. Er hat­te sie zu oft, zu lan­ge ver­letzt; das woll­te er nicht wie­der ris­kie­ren. Und doch war es schon wie­der pas­siert: Er hat­te sich aufs Neue in sie ver­liebt. Sie war noch immer so scheu und zer­brech­lich wie damals, doch dies­mal war ein Ende nicht abzusehen.

Zum ersten Mal wuss­te er, wo er war und was er woll­te; nach all den Jahren stand für ihn end­lich fest, wofür er leb­te. Hätte er, in irgend­ei­nem Dialog nach sei­nem Leben gefragt, einen Zeitpunkt ange­ben sol­len, an dem er glück­lich war, er hät­te ohne Zweifel jede Minute her­aus­neh­men kön­nen, die er mit ihr ver­brach­te, und er hät­te sei­ne Wahl nicht bereut. Die Aussicht auf ein Leben mit ihr gab ihm wie­der neu­en Lebensmut. In jeder freie Minute, in der sie nicht mit­ein­an­der spra­chen, setz­te er alles dar­an, sie bald wie­der­se­hen zu kön­nen. Würde jemals ein Lexikonhersteller einen Artikel über „Paar, glück­li­ches“ bebil­dern wol­len, so dach­te er im Stillen, so wür­de ihrer bei­der Konterfei bald dort zu sehen sein.

Doch über all dem Glück prang­ten noch immer die Ereignisse aus der Zeit, bevor sie sich getrof­fen hat­ten. So fest er sie auch zu hal­ten ver­such­te, so nahe sie sich auch waren, so unheil­bar klaff­ten doch die alten Wunden, die er einst auf­riss, in ihrem Herzen.

Er hat­te ihr ver­spro­chen, sich nicht nur wegen längst ver­gan­ge­ner und ver­ge­be­ner Fehler an ihr rächen zu wol­len. Er woll­te sie nicht ver­let­zen; das hat­te er zu lan­ge getan. Für ihn war sie kein Spiel, sie war längst sein Leben. Nun aber hat­te sie den Spieß umge­dreht. Sachte, doch bestimmt zog sie die Mauer zwi­schen ihnen wie­der hoch, ließ ihn ver­zwei­felt, doch letzt­lich erfolg­los ver­su­chen, eine Tür hin­ein­zu­stem­men. Wähnte er sich soeben noch im Glücksrausch, so fiel er nun in ein nicht enden wol­len­des Loch. Sieben Worte allein lie­ßen sei­ne Träume zer­plat­zen; das Luftschloss, in dem er mit ihr leben woll­te, stürz­te über ihm zusam­men. All the homes that we were buil­ding, we never lived in, could be bet­ter, should be bet­ter les­sons in love.

Das hat­te er, des­sen war er sich bewusst, allein sich selbst zuzu­schrei­ben. Diese eine, womög­lich letz­te Chance hat­te er sich schon Jahre zuvor zer­stört; und selbst, wenn es noch eine geben soll­te, wür­de auch sie an den Worten zer­schel­len, die er noch in sei­nem alten Leben - in dem ohne sie - unbe­dacht aus­ge­spro­chen hat­te. Es war sinn­los. Mit dem Stift auf sei­nem Schreibtisch kra­kel­te er, ohne zu wis­sen, was er tat, eini­ge Zeilen in sein Notizbuch:

Zerbrochene Träume
Ein Leben aus Glas
Jahre aus Rauch
Vertan, verpasst

Zukunftsglück
Aus und vorbei
Die gro­ße Liebe
Verpufft im Nichts

Er leg­te den Stift zur Seite. Vor ihm stand ihr Bild; soll­te es nur noch ein Relikt blei­ben? Er fühl­te sich wie­der leer und son­der­bar allein. Diese Schrammen wür­den ihm für den Rest sei­nes Lebens blei­ben. „Den Rest mei­nes Lebens“ dach­te er und lächel­te gequält. So konn­te es nicht wei­ter­ge­hen. Etwas muss­te geschehen. …

Sonstiges
Dave’s Luder

Stehen doch heu­te am Bahnhof eini­ge Frauen mitt­le­ren Alters, bewaff­net mit Getränken, Sonnenbrillen und schreck­lich fal­schem Lächeln, her­um und grin­sen sich eins, eine von ihnen hat auch ein Kind dabei. Ihnen allen (mit Ausnahme des Kindes) gemein ist das offen­sicht­lich selbst­ge­mach­te Schild, des­sen Inschrift mit eini­ger Mühe als „Dave’s Luder“ zu ent­zif­fern ist und das sie stolz in die mit­ge­führ­te Fotokamera hal­ten. Als der Zug erscheint, ruft eine von ihnen in die all­ge­mein aus­ge­las­se­ne Stimmung hin­ein: „Wir müs­sen die Schilder hoch­hal­ten!“, qua­si wie ein Begrüßungskomitee. Ihre Mitluder tun wie geheißen.

Wer nun aber erwar­tet, der Zug gebiert einen Dave, des­sen Luder sich mit ihm schmücken, der hat den Weltgeist, den alten Schlawiner, unter­schätzt. Zu den Wartenden gesel­len sich nach Entladung des Zuges näm­lich im Gegenteil wei­te­re Frauen ähn­li­cher Eigenschaften, eben­falls beschil­dert. Die Freude, als man sich schreck­lich falsch lächelnd in die Arme fällt, gip­felt in dem, was man klei­nen Kindern als Indianergeheul vor­führt, jedoch eher nach Affen- bis Vogelgeschrei klingt und sich unge­fähr mit „hubu­bu­bu­bu“ wie­der­ge­ben lässt.

Das soll­te man sich mal vor­stel­len bzw. bes­ser auch nicht.

Musikkritik
Für mich Fanta Sie, los!

Da „Für dich immer noch Fanta Sie“, das aktu­el­le Machwerk der Fantastischen Vier, bereits wohl aus­rei­chend anders­wo in akzep­ta­blem Umfang rezen­siert wur­de und ich inzwi­schen auch Zeit hat­te, mich aus­rei­chend mit die­sem Album zu befas­sen, und drit­tens, um für die anste­hen­de Halbjahresrückschau 2010 weni­ger schrei­ben zu müs­sen, folgt ein kur­zer Wortschwall hier­zu (also zu dem Album, nicht zu der Zeit oder dem Anderswo) meinerseits.

Die Fantastischen Vier legen seit 1991 in wech­seln­den Abständen meist bril­lan­te, sel­ten ent­täu­schen­de Alben vor. „Für dich immer noch Fanta Sie“ liegt irgend­wo dazwi­schen. „Viel“ hat­te noch, nun, viel zu bie­ten, auch das lei­der oft nur an die­sem gemes­se­ne „Fornika“, trotz oder gera­de wegen stei­gen­den Anspruchs, wuss­te mich zu über­zeu­gen. Um aber dem Neuling, der wohl die Konsequenz aus „Fornika“ sein soll, ähn­li­ches abzu­ge­win­nen, fehlt ihm das Mitreißende. Wie schon alle ande­ren Alben des Quartetts ist natür­lich auch eine Entwicklung zu hören; die Fantastischen Vier sind elek­tro­ni­scher gewor­den, viel­leicht auch wie­der ein Stück erwach­se­ner, was die Texte jeden­falls impli­zie­ren. Positiv immer­hin: Thomas D., des­sen all­zu eso­te­ri­sche Texte mich per­sön­lich meist doch eher stö­ren, hält sich bis kurz vor Schluss („Mantra“) weit­ge­hend zurück, den­noch bleibt auch der Rest, mit Ausnahme der sehr gelun­ge­nen Stücke „Smudo in Zukunft“, „Kaputt“ und „Garnichsotoll“, von denen gera­de letz­te­res an die alt­be­kann­te Stärke der „Fantas“, an uner­war­te­ter Stelle geschick­te Wortspiele zu platz­ie­ren, wie­der erin­nert, eher durchschnittlich.

Zugegeben, ein „roter Faden“, wenn nicht gar eine „Rahmenhandlung“, ist, wenn ich mich nicht irre, zum ersten Mal in Form der zwei kur­zen Interludien „Für dich immer noch Fanta Sie Teil 1“ bzw. „Für dich immer noch Fanta Sie Teil 2“ vor­han­den, homo­gen klingt das Album den­noch nicht, und immer­hin das ist gut so, denn andern­falls wäre das Album in sei­ner vol­len Länge auch schlimm­sten­falls über­flüs­sig. Es bleibt aber beim Gefühl, das alles schon mal irgend­wo gehört zu haben; selbst die Sprachverzerrung in den bei­den Titelstücken kennt man spä­te­stens seit „Pipis und Popos“, das ich für deut­lich unter­be­wer­tet hal­te und das vor allem auf Konzerten amü­siert. (Ich sag nur: Helium.) Es scheint, als wäre die­ses Album die vor­läu­fi­ge Klimax der erneu­ten Selbstfindung der Combo, mit­hin der Versuch, nicht mehr wie man selbst zu klin­gen, qua­si die Suche nach einem völ­lig ande­ren Ich. So lässt sich viel­leicht auch die Aufmachung des Albums, vier Comicfiguren, die den Vieren wenig­stens ansatz­wei­se noch ähn­lich sehen, erklä­ren und sich „Für dich immer noch Fanta Sie“ in die Reihe der Alben auf­neh­men, die wie einst „Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band“ nicht als Ausdrucksmittel einer bekann­ten Band, son­dern viel­mehr als Auslotung der eige­nen Grenzen ohne Rücksicht auf Etiketten zu ver­ste­hen sind. Aber die­ser Vergleich behagt mir selbst nicht, und so fas­se ich statt­des­sen zusam­men: Anspruchsvoll, aber unausgereift.

Dies ist dann auch bit­te kei­nes­falls als blo­ßer destruk­ti­ver Verriss zu betrach­ten. Vielleicht kann man sich „… Fanta Sie“ (dreist abge­kürzt) auch schön­hö­ren, viel­leicht geht es man­chen gar direkt ins Ohr wie mir damals „Lauschgift“. Klar ist: Ein Zugang zu dem Album ist nicht unbe­dingt leicht zu fin­den, die 30-sekün­di­gen Schnipsel man­cher Internetplattenläden genü­gen nicht. Die Verspieltheit von „Junge trifft Mädchen“, die Gewalt von „Kaputt“, die Direktheit von „Schnauze“, zwi­schen­drin dann auch die Romantik („Für immer zusam­men“) und die Esoterik („Mantra“) brau­chen Zeit. Wer sie auf­bringt, wird viel­leicht belohnt.

Ohne Gewähr!

LyrikMusikPersönlichesSonstiges
Aus dem Postfach gefischt: Bildungssorgen ade!

Wenn sol­che Mails in mei­nem Studentenpostfach auf­schla­gen, ver­ste­he ich die Sorgen um das deut­sche Bildungssystem nicht mehr:

(…) im Flurbereich vor dem Raum 180, neben dem AStA-Büro im Hauptgebäude, lade ich für Donnerstag, den 03.06.2010, von 11.00 Uhr bis 14.00 Uhr, auf diver­sen Musterstühlen zu einer Sitzprobe ein. Bitte geben Sie ein Votum für „Ihren Favoriten“ ab.
Ich beab­sich­ti­ge, den Stuhl mit den mei­sten Stimmen zu beschaffen.

Apropos „uner­wünsch­te Infopost“: Ich weiß nicht, lie­be Spammer, was ich von einer Mail hal­ten soll, deren Betreff „Hast du denn kei­ne Zeit mehr für mich?“ lau­tet und deren Inhalt aus einer Liste offen­bar ero­ti­scher Videotitel besteht, dar­un­ter „OMAS KAFFEE-FAHRT“ (nur echt in Großbuchstaben); und ob ihr das wirk­lich ernst meint mit der Erotik. Ich jeden­falls kann der Vorstellung von einem Bus vol­ler Senioren in Rheumadecken nur wenig abge­win­nen, was anre­gend wirkt. Das könn­te aber auch an mir liegen.

Und bevor ich es ver­ges­se: Am heu­ti­gen 2. Juni fin­det zum 35. Mal der inter­na­tio­na­le Hurentag statt. Meinen herz­li­chen Glückwunsch!


In eige­ner Sache:

Ich hab die Welt um dich gedreht,
stehl dir die Zeit, bin dein Tagedieb,
war oft genug dein Alibi,
was auch pas­siert, ich ver­lass dich nie.

– Die Toten Hosen: Ich bin die Sehnsucht in dir

In den NachrichtenPolitik
Beleidigter Leberhorst

Schön, dass es in den Nachrichten end­lich wie­der um Politik geht:

Vor etwa 24 Stunden hat Horst Köhler, bis dahin umstrit­te­ner, aber zumin­dest mir trotz CDU-Mitgliedschaft durch­aus sym­pa­thi­scher Bundespräsident, sein Amt nie­der­ge­legt, weil, so begrün­de­te er dies, Kritiker den Respekt für sein Amt ver­mis­sen lie­ßen, nach­dem er den Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan zur Sicherung von Wirtschaftsinteressen befür­wor­tet hat oder auch nicht. Vor Schreck hat sogar Angela Merkel ver­ges­sen, dass die Phrase „etwas aufs Allerhärteste ver­ur­tei­len“ kei­nen Sinn ergibt.

So sehr ich’s auch ver­ste­hen kann, dass ein Bundespräsident, der den Einsatz der Bundeswehr aus irgend­wel­chen nich­ti­gen Gründen für nicht pau­schal ver­ur­tei­lens­wert befin­det, Kritik ein­steckt: Ich habe das nun nur im Nachhinein mit­be­kom­men, aber selbst, wenn er tat­säch­lich gesagt haben soll­te, die Aufgabe der Bundeswehr in Afghanistan sei es, Wirtschaftsinteressen zu wah­ren, so ist dies zwar unan­ge­nehm, aber zutref­fend. Nun das Amt zu räu­men, weil man etwas gesagt hat, was nicht jedem in den Kram passt, ist scha­de; zumal auch unter’m Köhler nicht alles schlecht war, man den­ke nur an die feh­len­de Bereitschaft, kom­men­tar­los das Gesetz zur Internetzensur zu unterschreiben.

Horst Köhler hat sich ange­sichts wid­ri­ger poli­ti­scher Umstände als erstaun­lich stand­haft erwie­sen. Die Begründung für sei­nen Rücktritt mutet da selt­sam, bei­na­he mimo­sen­haft an. Die Kritiker jeden­falls, die die­sen Bruch for­ciert haben, soll­ten sich gehö­rig schä­men. Wer auch immer der näch­ste Bundespräsident wird (und es ist eigent­lich beru­hi­gend, dass Lena Meyer-Landhut Maja-Landrut aus Hannover noch zu jung für das Amt ist), er wird es nur schwer­lich bes­ser machen.

Schade drum.

In den NachrichtenPiratenpartei
Zum Abschied von Jörg Tauss

Was heu­te außer dem künst­li­chen Getue um die gest­ri­ge Musikveranstaltung übri­gens auch die Medien bewegt:

Jörg Tauss ist aus der Piratenpartei aus­ge­tre­ten, aus frei­en Stücken zwar, aber doch unter dem Eindruck der erfolg­ten Verurteilung auf immer­hin Bewährung wegen Besitzes von Kinderpornografie; wie Fefe der­weil bemerk­te, übri­gens, weil er offen­bar schlicht zu wenig Kinderpornografie besaß.

Ich hal­te sei­nen Austritt trotz des damit ver­bun­de­nen Imagewandels - die absur­de Diskussion um den „Schutz poten­zi­ell Pädophiler“ dürf­te damit end­lich ein Ende fin­den - für falsch. Jörg Tauss war schon Pirat, bevor irgend­je­mand auch nur an die Gründung die­ser Partei gedacht hat. Pirat ist nicht, wer sich mit irgend­wel­chen Nummern schmückt; Pirat ist, wer sich als Pirat fühlt. Nur weni­ge Menschen haben die Werte der Piratenpartei jemals so ver­in­ner­licht wie es Jörg Tauss getan hat. Mit ihm ver­liert die Partei eine gro­ße Identifikationsfigur; unver­ges­sen bleibt sei­ne Rede auf dem Potsdamer Platz.

Ein Pädophiler war er sicher nie, geschwei­ge denn ein Kinderschänder. Allein die Macht der Medien, die Stimmung im Volk nach eige­nem Gusto zu ver­keh­ren, hat die sach­li­che Diskussion über Für und Wider im Keim erstickt. Dass jetzt, da Jörg Tauss weg ist, plötz­lich eini­ge Leute dar­über nach­den­ken, in die Partei ein­zu­tre­ten, zeigt, dass sie noch immer nicht ver­stan­den haben, was einen Piraten aus­macht. Es ist schä­big, der­lei als Begründung vor­zu­schie­ben. Ganz rich­tig merkt auch Anonymus „Black flag“ an: „Mit so ner Einstellung kannst du blei­ben wo du bist.“

Mit der gebo­te­nen jour­na­li­sti­schen Distanz und wert­neu­tral berich­tet immer­hin heise.de über den Parteiaustritt und nimmt eine Überschrift vor­weg, die so nahe liegt, dass ich mich wun­de­re, sie noch nicht in einem der übli­chen Piraten-Verrissblogs oder wenig­stens in mei­nem eige­nen Hirnportfolio ent­deckt zu haben:

„Aus der Tauss“.

In den NachrichtenMusikNetzfundstücke
Gedanken ange­sichts des deut­schen Sieges beim Grand Prix d’Eurovision de la Chanson

Wochenlang mit all­ge­gen­wär­ti­ger Propaganda und Durchhalteparolen, ganz wie damals im Krieg, vor­be­rei­tet wur­de ganz Deutschland gestern Abend Zeuge eines unge­wöhn­li­chen Ereignisses, das von den Medien, ganz wie damals im Krieg, ent­spre­chend gefei­ert wur­de („Deutschland holt den Sieg!“, bei Bedarf in einer Suchmaschine eurer Wahl ein­ge­ben); wäre die­ser Scherz nicht längst abge­nutzt, geschmack­los und unter den Stuhl geklebt, wür­de ich fast von einem kriegs­ähn­li­chen Zustand spre­chen wol­len. Eigentlich erhe­bend, ein­mal dabei zu sein, wie ganz Deutschland einen Krieg gewinnt. (In Guantánamo wer­den Häftlinge bis­lang unter ande­rem mit Metallica gefol­tert. Ob sich das wohl nun ändern wird?)

Und seht mal, wie sie sich freut! Diversen Boulevardmagazinen war unlängst zu ent­neh­men, Lena Ohnenachnamen habe erschreckend vie­le inter­es­sier­te Zuschriften von Fußfetischisten bekom­men. Dabei ist die Logik doch sim­pel: Wenn’s oben nicht gefällt, schaut man eben nach, ob’s am ande­ren Ende nicht schö­ner ist.

(Erschreckend auch: Ich habe gera­de eine ziem­lich enor­me Lust dar­auf, Aphex Twin zu hören; ist ja anson­sten nicht mein pri­mä­res Revier, aber zum Ausgleich für wochen­lan­ge „Satellite“-Beschallung ist das mal drin­gend nötig.)

Aus ver­mut­lich ganz ande­rem Anlass hat Peter dann auch das wohl pas­send­ste Zitat zu all dem Popquatsch, den man mitt­ler­wei­le ver­klä­rend „Song Contest“ nennt, obwohl es doch um die Qualität der Lieder oder gar der Interpretation schon längst nicht mehr geht, her­aus­ge­kramt, im Original von Dennis Lyxzén, Sänger der Musikgruppe Refused:

Ich hof­fe, dass in ein paar Jahren alle ihre ver­damm­ten Facebook-Accounts löschen wer­den, ihre iPads weg­wer­fen und ech­te Rock‚n‚Roll-Bands grün­den, mit elek­tri­schen Gitarren, Schlagzeug und Bass, ihre Synthesizer kaputt­hau­en, ihre “ProTools”-Programme zer­stö­ren und Musik machen, ein­fach weil es toll ist. Das wird passieren.

So sei es.

In den NachrichtenMusik
Ich distan­zie­re mich von uns.

Ich weiß nicht, wie es euch geht, lie­be Leser: Könnt ihr, wie ich, die­se gan­ze Manie um Lena Ohnenachnamen („[i]ch hal­te mich selbst nicht für eine gro­ße Sängerin“, haz.de) nicht mehr sehen und hören, allein heu­te schon wie­der hier und hier und sicher noch dut­zend­fach anders­wo? Es lohnt sich nicht mehr, die­ser Tage Schlagzeilen zu kon­su­mie­ren, es scheint kein wich­ti­ge­res Thema zu geben als ein belang­lo­ses, eng­lisch­spra­chi­ges Dutzendliedchen, mit dem eine jun­ge Frau, die jeden­falls ich nicht gewählt habe, für uns alle einen Sieg errin­gen soll, der kei­ne wei­te­ren Auswirkungen auf unser aller Wohlbefinden haben wird.

Lasst es mich, lie­be Pressekanaillen, die mir stän­dig aufs Neue ein­re­den wol­len, es sei auch in mei­nem Interesse, dass Deutschland bei die­ser öden Trällerveranstaltung gefäl­ligst eine gute Platzierung bekom­men soll, so aus­drücken: Wenn die deut­sche Teilnehmerin Lena Ohnenachnamen für mich singt, dann ver­tre­ten die deut­schen Soldaten in Afghanistan und im Irak auch eure Freiheit mit ange­mes­se­nen Mitteln. Krieg und die­se Stimme, dies kann man nicht ver­glei­chen, sagt ihr? Mitnichten! Wenn jeden­falls ich die Wahl hät­te zwi­schen einer hal­ben Stunde My Cassette Player und einer hal­ben Stunde Kriegslärm, müss­te ich nicht lan­ge überlegen.

(Warum eigent­lich kriegt es die­ses kul­tu­rell nicht eben unbe­darf­te Land nicht end­lich mal auf die Reihe, sei­ne am wenig­sten unta­len­tier­ten Sänger zu einem euro­päi­schen Gesangswettbewerb mit einem doch wenig­stens deutsch­spra­chi­gen Liedchen zu schicken? Guildo Horn hat’s vor­ge­macht: Es funktioniert!)

Und kaum ist der Wettkampf der Punkteschieber vor­über, steht schon das näch­ste natio­na­le Großereignis bevor; Deutschland wird ver­su­chen, mit einer Mannschaft aus hoch­qua­li­fi­zier­ten Profisportlern den Sieg in einem inter­na­tio­na­len Sportwettkampf zu errin­gen, und wie­der wird man ver­su­chen, mir zu erklä­ren, dass die erbärm­li­che Darbietung, die die­se Mannschaft lie­fert, auch in mei­nem Namen statt­fin­de. Was soll das hei­ßen? Ich pfle­ge allein mei­ner favo­ri­sier­ten Mannschaft den Sieg zu wün­schen, und die­se suche ich allein nach der Leistung aus. Es ist ja sehr löb­lich, dass ver­sucht wird, ein gewis­ses Gefühl der Zusammengehörigkeit zu schaf­fen; aber wer sich vor inter­na­tio­na­lem Publikum in mei­nem Namen zum Affen macht, wür­de ich gern selbst bestim­men dürfen.

Ist das denn zu viel verlangt?

Sonstiges
SchülerFerienTicket: Daumen raus!

Heute hat mir zufäl­lig Werbung für das all­jähr­li­che SchülerFerienTicket (nur echt mit BinnenMajuskeln, jawohl!) die Sicht ver­sperrt, und so warf ich einen Blick auf sie. Das „SchülerFerienTicket“ ist, wie der Name schon sagt (oder zumin­dest, dies unter­stel­le ich gut­wil­lig, andeu­ten soll), eine preis­gün­sti­ge Fahrkarte, mit denen ihre Urheber es Schülern zu ermög­li­chen beab­sich­ti­gen, wäh­rend der Sommerferien mit dem ÖPNV durch die Gegend zu fah­ren und Unfug zu treiben.

Nun ist der ÖPNV - gera­de sein Schienenvertreter! - nicht unbe­dingt dafür bekannt, all­zu schü­ler­freund­lich oder wenig­stens zuver­läs­sig zu sein; die Bilder von um eine Stunde ver­spä­te­ten Zügen und die Nachrichten von wäh­rend der Reise hin­aus­ge­wor­fe­nen Kindern sind als bekannt vor­aus­zu­set­zen. Vor die­sem Hintergrund erhält die Plakatwerbung für, ich kür­ze das jetzt mal ab, das SFT eine tra­gisch-komi­sche Note:

Mehrere Kinder sind zu sehen. Sie grin­sen in die Kamera und wer­den ver­mut­lich fürst­lich dafür ent­lohnt, den Daumen nach, nun, oben zu recken. Und was sieht man also?

Ich emp­feh­le dem geneig­ten Leser, ein Blick auf den von mir mit­tels Umkreisung gekenn­zeich­ne­ten Bereich zu wer­fen. Vergrößert sieht’s so aus:

Hihihi. Herrlich.

(Was damit nichts zu tun hat, aber mich heu­te eben­falls belu­stig­te: Die aktu­el­le Ausgabe des Musikmagazins eclip­sed berich­tet über die krea­ti­ve Zusammenarbeit eines bekann­ten Musikerpaares: „So befruch­ten sich Laurie Anderson und Lou Reed gegen­sei­tig.“ Ich darf mich wie­der­ho­len: Hihihi.)

Nerdkrams
Mpxplay als Alternative zur Alternative

Da es drü­ben bei caschy neben einem Gastbeitrag von mir nun­mehr auch einen Gastbeitrag über den Medienspieler foobar2000 gibt und weil ich hier schon län­ge­re Zeit kei­nen neu­en Nerdkrams mehr prä­sen­tiert hat­te, ände­re ich das mal eben; zumal ich foobar2000 ohne­hin nicht beson­ders gut lei­den kann und gern Alternativen erwähne.

Einer der Vorzüge von foobar2000, die meist genannt wer­den, ist, dass er schlank, also, je nach Konfiguration, Ressourcen scho­nend und nicht unnö­tig gra­fisch über­frach­tet ist. Da set­ze ich mal an. In letz­ter Zeit ist in web­logs oft von noch schlan­ke­ren Audiospielern wie etwa Winyl oder Billy die Rede, nur das von mir vor eini­ger Zeit zufäl­lig ent­deck­te Mpxplay wird stets über­se­hen. Dabei ist es mäch­ti­ger, als es zunächst den Anschein erweckt.

Mpxplay ist ein quell­of­fe­ner Audiospieler für DOS und Windows, der ent­spre­chend spar­sam mit Ressourcen umgeht; er gibt sich laut Internetseite bereits mit 4 bis 8 MB Arbeitsspeicher zufrie­den und stellt auch sonst kei­ne gro­ßen Anforderungen. Die Oberfläche ist, da Mpxplay auch unter Windows im DOS-Modus („Eingabeaufforderung“) läuft, kom­plett aus ASCII-Zeichen zusam­men­ge­setzt und ist somit nicht gra­fisch über­frach­tet. Auf Annehmlichkeiten wie „Minimieren in das Benachrichtigungsfeld“ muss man so zwar ver­zich­ten, aber dies lässt sich etwa mit­tels RBTray nachrüsten.

Die Kernfunktionen jeden­falls las­sen sich sehen: Alle wich­ti­gen Audio- und Wiedergabelistenformate wer­den unter­stützt. Fast schon selbst­ver­ständ­lich kann die­ses Programm auch Dateitags lesen und ist neben der Maus auch kom­plett mit der Tastatur zu steu­ern. Eine Übersicht über alle ver­füg­ba­ren Tastenkürzel lie­fert ein Druck auf F1.

Als Besonderheiten hat Mpxplay zudem Unterstützung für FTP-Verbindungen und (über Plugins, die auf der Internetseite ver­füg­bar sind) das Umwandeln zwi­schen Audioformaten zu bie­ten. (Nicht zu ver­ges­sen, gera­de für regel­mä­ßi­ge Leser mei­ner Publikationen, ist schließ­lich natür­lich auch der Nerdfaktor die­ser Anwendung. ;) )

Das Programm wird stän­dig wei­ter ent­wickelt, die aktu­el­le Betaversion von Mpxplay 1.57 erschien am Sonntag. Ist die Internetseite ein­mal nicht erreich­bar, so ist Mpxplay natür­lich auch via eMule zu beziehen.

Ich hof­fe, mei­ner Pflicht als Informant damit aus­rei­chend nach­ge­kom­men zu sein und dass die­ser Artikel von Nutzen ist.
Nichts zu danken!

In den NachrichtenNetzfundstückePolitik
Die B.Z. und die Demokratie

Wer mich kennt, der weiß, dass ich mich von Prekariatsunterhaltung mög­lichst fern­zu­hal­ten ver­su­che. Heute stieß ich aller­dings hier auf die­sen Artikel des Schmutzblatts B.Z. (qua­si der Berliner BILD) und hielt ihn für so herr­lich blö­de, dass er hier unbe­dingt erwähnt wer­den sollte.

Zusammengefasst hat ein Karlshorster Gymnasium der Bundeswehr Hausverbot erteilt, weil Schüler und Eltern die Aussicht auf eine Werbeveranstaltung (ja, ja: „Schießen ler­nen, Freunde tref­fen!“) als nur wenig prickelnd emp­fan­den. So weit ist das eine posi­ti­ve Meldung. Was aber senft der B.Z.-Schreiberling hierzu?

Jetzt haben sie ein offi­zi­el­les Hausverbot erreicht. Soldaten unse­res demo­kra­ti­schen Landes, die an vie­len Orten die­ser Welt für Frieden und Ordnung sor­gen, wer­den von den Lehrern einer Berliner Schule geäch­tet. Das ist eine Unverschämtheit gegen­über den Angehörigen der Bundeswehr und ein schwer­wie­gen­der Bruch mit unse­rer Verfassung.

Der Absatz ist so was von blö­de, dass er genüss­lich zer­pflückt gehört. Das mache ich mal:

„Demokratisch“, ja, es sind Soldaten unse­res „demo­kra­ti­schen Landes“; was genau aber bedeu­tet Demokratie? Eben nicht blo­ße Staatshörigkeit, son­dern Mehrheitsentscheidungen. Die Mehrheit kann der Kriegstreiberei des Staates nichts abge­win­nen, also lädt sie das Pack demo­kra­tisch aus. Unverschämtheit!

„Frieden und Ordnung“, viel­leicht hat sich das ja mitt­ler­wei­le geän­dert; zu mei­ner Zeit jeden­falls trug es zwar zu einer gewis­sen Ordnung, nicht aber zu Frieden bei, wenn bewaff­ne­te Truppen in ande­ren Ländern ver­such­ten, ein selt­sa­mes Verständnis von Demokratie (hier­zu sie­he oben) durchzusetzen.

Eine „Unverschämtheit“, apro­pos, ist hier tat­säch­lich erkenn­bar, aber ganz sicher nicht gegen­über den Angehörigen der Mördertruppen, son­dern gegen­über denen, die von ihnen über den Haufen geschos­sen wur­den, wäh­rend sie damit beschäf­tigt waren, in Afghanistan und im Irak Ordnung und Frieden zu sichern.

(Und den „Verfassungsbruch“ hät­te ich auch gern mal belegt gesehen.)