Gelegentlich fragte ich an dieser Stelle bereits:
Wo bleibt eigentlich die Revolution?
Ich musste ja so doof fragen. In Frankfurt tobt sich jedenfalls der Anarchismus heute aus; Arbeitslose mit Markenkleidung und iPhones zünden, um den Kapitalismus zu überwinden, von Steuern bezahlte Bushaltestellen und Polizeiautos (bemannt und unbemannt) an. Nieder mit den Bushaltestellen!
Diese Kapitalisten von der Feuerwehr, die versuchen zu verhindern, dass Menschen zu Schaden kommen, gehören vermutlich auch angezündet, aber Steine tun’s bis auf Weiteres auch. Antikapitalistisch die Leute vom Rettungsdienst verdreschen. Jedes brennende Polizeiauto bezahlt einem griechischen Kind das Abendessen, jede abgefackelte Bushaltestelle hilft einem Flüchtling dabei, in Deutschland zu überleben. Es ist ja nun auch nicht so, dass man sich, wenn man vor einem Bürgerkrieg aus seinem Land flüchtet, in seinem Zufluchtsland vielleicht weniger von bewaffneten Irren umgeben wähnen möchte – oder doch?
Im Frankreich des 18. Jahrhunderts hat man Vertreter der Gegenseite noch aus Fenstern in Kloake („Latrinenprodukt“, engl. Wikipedia, „Scheiße“ ist eben vordergründig unamerikanisch) geworfen und ihnen gegebenenfalls den Kopf abgehackt. Das war effizient, das hat funktioniert. Hier und heute möchte man von so etwas nichts mehr wissen, man zieht sich stattdessen schwarz an und demoliert öffentliche Einrichtungen, vermutlich Popmusik hörend. Propriété oblige.
Die weihen da eine Bank ein, der Kapitalismus darf nicht siegen. Mario Draghi wird sicherlich sofort jedem Kapital entsagen, wenn seine Bushaltestelle abgebrannt wird und er nicht mehr nach Hause kommt. Dann siegt endlich das Gute, nämlich eine andere Staatsform. Warum nicht mal wieder Kommunismus? Nun ja, vielleicht deswegen:
Wir können nicht voraussagen, wann der chinesische Kommunismus zusammenbrechen wird; aber es ist schwer, nicht zu dem Schluss zu gelangen, dass wir Zeugen seiner Endphase sind.
Woran in China der Kommunismus gescheitert ist, stört die Bundesregierung Deutschlands kaum: „Das Wirtschaftswachstum hat sich deutlich verlangsamt, als Ziel für dieses Jahr nennt die Regierung ‚rund sieben Prozent‘ “, was ein klares Anzeichen für den sicheren Untergang sei, denn wenn eine ausgereizte Wirtschaft mit steigenden Gewinnen jedes Jahr weniger Gewinnzuwachs zu verbuchen vermöge, steuere sie damit auf – schluck! – eine Stagnation zu, in der sie zwar immer noch jedes Jahr viel Gewinn mache, aber eben nicht mehr drei, sondern nur noch zwei Smartphones für jedes chinesische Ohr produziere. „Wachstum“, das wächst uns allen über den Kopf, aber der Markt, der sich in Hannover gemeinsam mit dem Partnerland 2015 – natürlich China – gegenwärtig selbst feiert, hat Hunger. Hannover anzuzünden würde die Stadt vermutlich zwar städtebaulich verschönern, hätte aber so manche unfeine Folge für Teilnehmer und Anwohner. Die Infantilisierung der Kapitalismuskritik schreitet voran.
Apropos Infantilisierung: Schreib‘ dein schönstes Ferienerlebnis auf, wenn du Anhänger von Warren Buffett bist und in seinem Elternhaus übernachten möchtest. Ob es dazu auch einen kostenlosen Kinderteller (vielleicht Currywurst mit Pommes) gibt, ist leider nicht vermerkt.




















