Nerdkrams
Tore zum Mistmachweb

Brows­er, so ertönt ein vielfach­er gequäl­ter Auf­schrei dieser Tage, über­böten sich darin, immer größer und funk­tion­sre­ich­er zu wer­den, so dass auch ehe­dem leichte Pro­gramme wie Mozil­la Fire­fox nicht sofort nach ihrem Aufruf auf dem Bild­schirm erscheinen. Schlimm sei das, was hät­ten sich diese Pro­gram­mier­er nur dabei gedacht?

Dabei kön­nen die gar nichts dafür. Schuld ist die gle­iche schreck­liche Gruppe von Men­schen wie einst beim Leis­tungss­chmutzrecht: Es kamen Wer­ber, die ein text­lastiges weltweites Kom­mu­nika­tion­ssys­tem — das Inter­net — sahen und der Mei­n­ung waren, was da noch drin­gend fehle, seien Pro­duk­t­in­for­ma­tio­nen. Sie kamen in unsere hood, über­schmierten unsere weißen Wände mit grell­bun­ten und funkel­nden Graf­fi­ti und beklagten sich noch bei uns, wenn wir ihren Van­dal­is­mus ein­fach wieder rück­gängig macht­en. Sie kamen unein­ge­laden auf eine fremde Par­ty und woll­ten dann Geld dafür sehen.

Klar, mit einem grif­fi­gen Schlag­wort schmeckt jede Medi­zin. Web 2.0. Was das bedeutet? Fragt mal das BWL-Abbrechergeschmeiß, das kleinen und größeren Fir­men heute als con­sul­tant einen Knoten in die Ohren quatscht. “Naja, irgend­was mit Mit­machen.” Mit­mach­in­ter­net am Arsch. Es gibt keine Besuch­er mehr, es gibt nur noch Teil­nehmer. Willkom­men im Blafasel-Mist­mach­web. Und was man da nicht alles mit­machen muss! Die durch­schnit­tliche Web­site ist etwa 1,5 MB groß; und das bet­rifft nur Web­sites, noch nicht ein­mal SaaS-Ange­bote (nicht mit SARS zu ver­wech­seln, SARS lässt wenig­stens die Augen intakt) wie Online-Offi­cepakete, die im Wesentlichen dem Zweck dienen, dass man als Entwick­ler kün­ftig Miete statt nur ein­ma­liger Zahlun­gen ver­lan­gen kann. Die 1,5 MB ver­ste­ht man vielle­icht ein­fach­er, wenn man sie auf­dröselt. Ohne gigan­tis­ches JavaScript kein Kom­men­tieren. Textfelder sind diesen Fatzken, die auf Web.de nach Google suchen, eben nicht sozial genug.

Mit­machen kon­nte man schon früher, als das Inter­net noch vor­rangig in Hochschulen benutzt wurde. Damals kam con­tent eben­so the­o­retisch von jedem Teil­nehmer wie er gele­sen wer­den kon­nte, nicht umson­st trägt das Usenet (“Benutzer­netz”) noch heute diesen Namen. Die Wikipedia als später Aus­läufer dieses Kollek­tivgedankens ist ohne­hin ein bekan­ntes altes Beispiel.

Ein Web­brows­er ist ein Web­brows­er ist ein Web­brows­er ist kein Gemüse. Der Brows­er ist kein Hyper­textclient mehr, er ist gle­ichzeit­ig eine Laufzei­tumge­bung für aller­lei JavaScript-Irrsinn. Wisst ihr noch, als man darüber lachte, dass GNU Emacs (bekan­ntlich eine Laufzei­tumge­bung für Emacs Lisp mit Edi­tor­funk­tio­nen, nicht ander­sherum) sich irgend­wie langsamer anfühlte als Vim? So ähn­lich ist es mit Browsern. Ein Web­brows­er ist, so wollen’s die Wirtschaftler, zwar das virtuelle Tor zur Welt, aber bitte nur bis zur näch­sten Bezahlschranke. Man kann kom­plexe Anwen­dun­gen wie Excel unter Win­dows aus­führen, warum sollte man das nicht auch in einem Doku­menten­be­tra­chter (was ein Web­brows­er nun mal eigentlich sein sollte) tun kön­nen? — Ich kän­nte da ein paar Gründe, aber ich habe natür­lich auch nicht BWL studiert, son­dern mache irgend­was mit Com­put­ern. Da habe ich natür­lich keine Ahnung von den Bedürfnis­sen des Mark­tes.

Fire­fox, Chromi­um und ihre Abkömm­linge haben euretwe­gen, ihr Schlips tra­gen­den Empörkömm­linge, ihre Iden­tität aufgeben müssen, weil sie von euch für etwas zweck­ent­fremdet wer­den sollen, was sie niemals bieten soll­ten. Vielle­icht kommt ja dem­nächst ein­er von euch auf die grandiose Idee, dass der Markt euretwe­gen wieder Platz hat für einen kleinen, schlanken HTML-Brows­er, der nicht ver­sucht, ein Betrieb­ssys­tem im Betrieb­ssys­tem zu sein. Midori, uzbl, alles gut und schön, aber da habt ihr eure gieri­gen Grif­fel noch nicht drin, das muss sich ändern.

Unser Web ist keine Lit­faßsäule, kein Pro­duk­tkat­a­log, keine Plat­tform und kein Markt. Wir sind sein Volk, nicht eure Kun­den. Wir wollen Infor­ma­tion­saus­tausch betreiben kön­nen und uns manch­mal ein­fach nur informieren lassen. Wir wollen keine überdi­men­sion­ierten touch-Gestal­tun­gen auf unserem Tas­tatur-und-Maus-Gerät. Wir wollen eure Werbescheiße nicht. Wir wollen unseren Rech­n­er nicht durch das Aktivieren von JavaScript noch angreif­bar­er machen, weil son­st die ganze Seite nicht angezeigt wer­den kann, weil eure Blinkewer­bung das so will. Wir wollen kein Betrieb­ssys­tem im Betrieb­ssys­tem hochfahren müssen, um die Nachricht­en zu lesen. Ganz beson­ders aber wollen wir nie­man­den, der die Regeln des Spiels nicht ken­nt, das Spiel kampf­los gewin­nen lassen.

Es sollte euch nach­den­klich stim­men, wenn immer mehr Leute lieber einen Tram­pelp­fad ein­schla­gen als eure aggres­siv beleuchteten Straßen ent­langzukriechen. Kul­turpes­simis­mus? Nicht doch; Kul­tur bedarf wachen Geistes. Ihr seid mit eurem Ver­ständ­nis von der Welt, dass alles und jed­er eine Ware ist, das par­a­sitäre Gegen­teil von Kul­tur. — Aber was red’ ich? Die Großflächenspam­mer sind längst weit­erge­zo­gen, unsere rauchen­den Ruinen inter­essieren sie nicht mehr. Das “Web 3.0”, das “mobile Inter­net”, ruinieren diese Gestal­ten sicher­heit­shal­ber schon im Voraus. Mod­erne Smart­phones haben doch acht Kerne, kön­nte man da nicht…? Das seit jeher kom­merziell ori­en­tierte Win­dows Phone ist da vielle­icht vor­bildlich, dort ist selb­st die Drop­box-app nicht nen­nenswert mehr als die Drop­box-Web­site mit einem zusät­zlichen Wer­be­ban­ner.

Auf dem Brows­er der Zukun­ft sollte “Bitte keine Wer­bung ein­wer­fen” ste­hen.

In den NachrichtenComputer
Schmalhans des Tages: Alexander Dobrindt, CSU.

Dieser Artikel ist Teil 11 von 18 der Serie Schmal­hans des Tages

Dass Johan­na Wan­ka der Ansicht ist, Pro­gram­mieren sei eine Sprache und eine wichtige oben­drein, ist allen­falls ein Schmun­zeln wert. Die Frau ist Bil­dungsmin­is­terin, die muss nicht wis­sen, wie Dinge funk­tion­ieren.

Wesentlich schlim­mer ist’s da schon beim Verkehrsmin­is­ter. Das Bun­desverkehrsmin­is­teri­um — wir erin­nern uns ungern — wurde Mitte Dezem­ber 2013 in “Bun­desmin­is­teri­um für Verkehr und dig­i­tale Infra­struk­tur” umbe­nan­nt. Klar, die Date­nau­to­bahn muss ja auch aus­ge­baut wer­den, damit Polizis­ten darauf Streife fahren kön­nen. Brumm, brumm.

Momen­tan ist ein gewiss­er Alexan­der Dobrindt, Mit­glied der Kom­pe­ten­z­partei CSU, Herrsch­er über Wohl und Wehe der dig­i­tal­en Infra­struk­tur. In sein­er Eigen­schaft als Gen­er­alsekretär der CSU hat­te er noch vor weni­gen Jahren für das selek­tive Feigen­blattsper­ren des Inter­nets ges­timmt und war sich später auch nicht zu blöde, es als wichti­gen Baustein im Kampf gegen irgend­was zu beze­ich­nen.

Und dann jet­zt aber; dem “IT-Gipfel” sei’s geschuldet:

“Der Zugang zum Inter­net wird über unseren Erfolg im glob­alen Wet­tkampf um die neuen Märk­te entschei­den”, sagte Dobrindt.

Das Inter­net als Medi­um zur unge­hin­derten Kom­mu­nika­tion bedürfe staatlich­er Kon­trolle; der Zugang zu diesem staatlich beschränk­ten Medi­um aber dürfe nicht behin­dert wer­den, denn es gelte einen Markt zu erobern. Der Markt als Instanz, die dem Bürg­er über‑, dem Inter­net jedoch unter­ge­ord­net ist, das wiederum der jew­eili­gen Bun­desregierung zu unter­stellen ist — damit ist wohl auch gek­lärt, wer die Strate­gen der F.D.P. nach deren Scheit­ern über­nom­men hat.

Das ist ja wohl der Gipfel.

NerdkramsMontagsmusik
Soft Machine (1968)

Schau' mir in die Augen, Kleines.Hur­ra, Apple hat ein neues Betrieb­ssys­tem. Jet­zt noch flach­er, und ein paar schöne neue Funk­tio­nen hat es auch bekom­men:

Yosemite:default spyware/keylogger, eas­i­ly rootk­itable, unpatched vulnerabilities,safari remote exploitable, etc.The best OS X release ever!

Vor­bei die Zeit, als Ubun­tu noch die schlecht­esten Ideen von Mac OS X abkupferte; inzwis­chen ist’s ander­sherum. Das Sicher­heit­skonzept von Mac OS X, laut übere­in­stim­menden tech­nis­chen Analy­sen das momen­tan mit Abstand unsich­er­ste Desk­top­sys­tem, war wohl noch nicht grauen­voll genug, in das noch flachere “neue” design passen noch ein paar Hin­tertürchen rein. Es wird schon einen Grund haben, wieso Apple gern wis­sen möchte, was der Benutzer auf seinem Heim­rech­n­er tut. Vielle­icht hat er was zu ver­ber­gen.

Was tun? Tor nutzen? Schlechte Idee:

Auch wenn es manch­mal sin­nvoll sein kann und man Tor dur­chaus sich­er nutzen kann: Für Lieschen Müller wie Bet­ti­na Beispiel erhöht Tor das all­ge­meine Risiko.

Das Neue, Mod­erne ist beängsti­gend. Zum Glück gibt es das Alte, Bewährte; und Musik. Musik geht immer.

SOFT MACHINE — 25 August 1968 Ce Soir On Danse

Guten Mor­gen.

MusikIn den Nachrichten
In aller Kürze: Wenigstens kein Kommunist!

Es gibt auch noch gute Nachricht­en:

Stand­ing out­side the Hamil­ton Coun­ty court­room where a teenag­er faced a charge of rap­ing a 69-year-old man, the boy’s fam­i­ly said there has been a mis­take. (…) “He ain’t a pedophile,” anoth­er fam­i­ly mem­ber said.

“Er hat einen alten Mann verge­waltigt, aber er ist zumin­d­est nicht pädophil!” :irre:


Apro­pos durchgek­nallt:

Scott Walk­er und Sunn O))) haben zusam­men Musik gemacht.

Lauscht!

Piratenpartei
Reclaim your Bigotry: Alle rechts außer Mutti!

(Vorbe­merkung: Fol­gen­der Text über die Entwick­lung der Piraten­partei kön­nte verse­hentlich Irrtümer enthal­ten. Ich bitte solche in den Kom­mentaren aufzuzeigen.)

Wieder ein­mal ist ein Pirat wortre­ich (“eine Abrech­nung”, drunter machen sie’s ja nicht mehr) aus der Partei aus­ge­treten, und vor Lachen hat mein Bull­shit­de­tek­tor verse­hentlich gekündigt.

‘Reclaim your Big­otry: Alle rechts außer Mut­ti!’ weit­er­lesen »

Montagsmusik
Eloy — Time to Turn

Huch!Mon­tag. Muss das denn immer sein? Markiert er doch stets ein Ende viel mehr als einen Anfang.

Herb­stzeit­stim­mung, Träume enden mit dem Woch­enende. Es katert, eine Katze wird man davon aber auch nicht.

Zeit zur Umkehr. Zurück ins Woch­enende oder mit Anlauf ins näch­ste. Nur raus, raus.

The glossy front’s just fake
The firm base breaks
As this doomed world slow­ly decays

ELOY in Mainz 2012 — Time to Turn

So we dance and sing, try to bear the thought
Of approach­ing the end of our time

Zieht euch was Anständi­ges an und tretet nicht in die Scher­ben.

Guten Mor­gen.

Nerdkrams
Beinahe Buchkritik: Kontrollverlust

Der schwierige Autor Michael See­mann hat heute sein lange angekündigtes Buch zum The­ma “dig­i­taler Kon­trol­lver­lust” unter der WTFPDL veröf­fentlicht, die es mir ermöglicht, eine dig­i­tale Fas­sung des Buchs hier nicht nur öffentlich blöd zu find­en, son­dern auch zu vertreiben, ohne poten­zielle Leser vom dor­ti­gen VG-Wort-Zäh­ler, Google Ana­lyt­ics, Flat­tr und der­gle­ichen track­en zu lassen, was sich pri­ma mit der Über­schrift “Datenkon­trolle schafft Herrschaft” eines Kapi­tels aus dem Buch in Ein­klang brin­gen lässt:

Das neue Spiel

Worum geht es in dem Buch? Es geht um “Strate­gien für die Welt nach dem dig­i­tal­en Kon­trol­lver­lust”:

Daten­schutz, Urhe­ber­recht, Staats­ge­heimnisse. Wir haben die Kon­trolle ver­loren. Dat­en, von denen wir nicht wussten, dass es sie gibt, find­en Wege, die nicht vorge­se­hen waren und offen­baren Dinge, auf die wir nie gekom­men wären. (…) Die Ver­datung der Welt stößt die postin­dus­trielle Ord­nung in die Krise. All unsere Insti­tu­tio­nen und unser ganzes Ver­ständ­nis von Frei­heit sind vom Kon­trol­lver­lust bedro­ht. (…) Welche Strate­gien funk­tion­ieren nicht mehr, welche um so bess­er, welche neuen gibt es?

Es geht also um Daten­ho­heit beziehungsweise die Erlan­gung der­sel­ben. Eigentlich ist “Das neue Spiel” weniger ein Sach­buch als eine Kampf­schrift: Wir müssen was tun! Dabei erwäh­nt der Autor zahlre­iche gescheit­erte Ver­suche, die seit Jahrzehn­ten fortschre­i­t­ende Überwachung einzudäm­men; eine Antwort aber hat er nicht. “Das neue Spiel” ist ein Buch voller “wir müssen”, “man sollte” und weit­er­er Wün­sche, qua­si ein Wun­schbuch. Gele­gentlich kommt auch mal eine hand­feste Mei­n­ung, dann aber nicht zum The­ma Überwachung:

Die NSA mag die the­o­retis­che Möglichkeit haben, jeden Einzel­nen von uns unter Druck zu set­zen, einzuschüchtern und zu ter­ror­isieren. Vie­len Men­schen passiert genau das jeden Tag, und sie wer­den dadurch effek­tiv zum Schweigen gebracht – aber nicht von der NSA, son­dern von Trollen, Maskulin­istin­nen, Nazis oder anderen Men­schen­fein­den.

Ich habe bish­er — die Zeit war zu knapp — zwar nur wenige Kapi­tel gele­sen, bezwei­fle aber, dass mir da noch viel ent­gan­gen ist.

Ohne Schwurbelei kommt Michael See­mann freilich auch dies­mal nicht aus:

Wir haben das Buch in geschlechterg­erechter Sprache geschrieben. Wir ver­wen­den das gener­ische Fem­i­ninum und das gener­ische Maskulinum abwech­sel­nd. Sollte jemand beim Lesen darüber stolpern: Das ist so gewollt.

Stolper­fall­en beim Lesen sind meine Sache nicht. Da ver­li­er’ ich die Kon­trolle.


Schöne Sportart auch: Extrem­bügeln.

NetzfundstückeNerdkrams
OnePlusMinusEins

Wer bish­er dachte, als Android­nutzer sei man vor einem schreck­lichen Gewese um die Veröf­fentlichung neuer Geräte gefeit und man würde niemals eine Horde von Android­nutzern vor dem näch­sten Sat­urn campieren sehen, wenn zum Beispiel das näch­ste Sam­sung Galaxy S erscheint, der sollte sich nicht zu früh freuen, lange dürfte es näm­lich nicht mehr dauern.

Das mir bis heute unbekan­nte Unternehmen One­Plus hat im April 2014 sein Smart­phone “One” vorgestellt, im Wesentlichen ein Oberk­lass­es­mart­phone mit vorin­stal­liert­er Cyanogen­Mod-Dis­tri­b­u­tion und aller­lei nüt­zlichen Extras sowie einem lei­der ein­gelöteten Akku, was jeden­falls mich davon abhält, das Ding irgend­wie inter­es­sant zu find­en.

Offen­sichtlich kann man es mit­tler­weile auch kaufen, denn in den sozialen Net­zen, in denen ich mich so herumtreibe, wer­den derzeit rege Ein­ladun­gen verteilt.

Ein­ladun­gen? Ja, denn bestellen darf das One­Plus “One” nur, wer Zugang zum elitären Zirkel hat:

To buy the One­Plus One, you will need to get an invite[.]

Da es schon jet­zt deut­lich mehr freie Ein­ladun­gen als Inter­essen­ten gibt, ist dieses Sys­tem der kün­stlichen Verk­nap­pung als die Blenderei ent­tarnt, die sie von Anfang an war. Wenn’s wenig­stens eine Ein­ladung für ein Gratis-Smart­phone wäre! Aber wenn jed­er ein­fach so ein “One” kaufen kön­nte, wäre es ja nichts Beson­deres mehr, eines zu besitzen. Dann müssten die Mach­er wom­öglich noch durch Inno­va­tio­nen auf­fall­en und sich nicht mit der Rolle als zweites “Oppo” zufriedengeben. Von Apple zu ler­nen heißt Ver­mark­tung zu ler­nen; Ver­mark­tung und Selb­stüber­schätzung.

Das alles scheint so eine Art Intel­li­gen­ztest zu sein. Ich würde wirk­lich gern die Auswer­tung sehen.

Montagsmusik
Wishbone Ash — The King Will Come

Kauz AdlerÄchz, ein Mon­tag; mit bleiben­den Schä­den, die selb­st den mon­täglichen Rou­tine­ablauf stören. Was hör’ ich für Musik in dieser wirren Zeit, in der Alte (Frank-Wal­ter Stein­meier) das Neue (freie Kom­mu­nika­tion) zer­stören, was für ein Lied als Begleitung dazu, dass Neues anderem Neuem nach­fol­gt? Auf Twit­ter ist der große GNU-Social-Hype schon wieder vorüber, man preist nun um so offen­siv­er ello an. Ich wüsste noch nicht ein­mal, was ich auf Face­book tun sollte. ello? owdy!

Raus, ein­fach raus. Sei der Pan­da! Und dazu ein wenig Rock. Alten, ver­ste­ht sich.

Guten Abend.

PolitikIn den Nachrichten
Morgens Eikonal, abends TTIP

Davon, dass sie im Juli davon abrück­en wollte, weiß sie freilich schon wenige Wochen später nichts mehr: Die SPD, deren Führern daran gele­gen ist, aus bloßer Fre­und­schaft das bürg­er­feindliche “Frei­han­delsabkom­men” TTIP mit den Scheiß-USA durchzubekom­men, hielt denen, die deutschen Bürg­ern offen feind­selig gegenüber­trat­en, verdächtig lange die Stange.

Zum Glück ist das deutsche Volk tra­di­tionell vergesslich. Erin­nert sich noch jemand an die zahlre­ichen bish­eri­gen Ver­fehlun­gen der Partei, die es wieder ein­mal in den Bun­destag gewählt hat? Die Vergesslichkeit der Bürg­er ist das Kap­i­tal der SPD, wie es scheint. Zum Glück gibt es immer wieder Nach­schub, damit der Deutsche zwis­chen zwei Fußballmeis­ter­schaften nicht ver­gisst, was für ein wider­wär­tiger Haufen ihn da eigentlich regiert:

Einem Bericht der Süd­deutschen Zeitung zufolge hat der BND unter Abdeck­ung des dama­li­gen Geheim­di­en­stko­or­di­na­tors Frank-Wal­ter Stein­meier (SPD-Außen­min­is­ter, A.d.V.) zwis­chen 2004 und 2008 unter der Code-Beze­ich­nung “Eikon­al” einen Bypass am Frank­furter Knoten­punkt DE-CIX gelegt, dem weltweit größten sein­er Art. Die ges­plit­teten Sig­nale wur­den nach Pul­lach aus­geleit­et und soll­ten von der dama­li­gen BND-Zen­trale aus um die “deutsche Kom­mu­nika­tion” gefiltert an die NSA gehen, deren Kabel am vor­ma­li­gen NSA-Abhörstützpunkt Bad Aib­ling nach Input dürsteten.

Anders gesagt: Der BND hat unter fed­er­führen­der Auf­sicht der SPD und der Telekom über Jahre hin­weg sys­tem­a­tisch fremde Kom­mu­nika­tion an aus­ländis­che Geheim­di­en­ste weit­ergegeben und dabei bil­li­gend Ver­stöße gegen § 7a des G10-Geset­zes in Kauf genom­men. Da ins­beson­dere auf­grund let­zteren Ver­stoßes eine Daten­wieder­gabe im Rah­men inter­na­tionaler Verträge hier nicht vor­liegen kann, empfehle ich als Recht­slaie, Bun­de­saußen­min­is­ter Frank-Wal­ter Stein­meier gemäß § 94 StGB zu behan­deln:

(1) Wer ein Staats­ge­heim­nis ein­er frem­den Macht oder einem ihrer Mit­telsmän­ner mit­teilt (…), um (…) eine fremde Macht zu begün­sti­gen, und dadurch die Gefahr eines schw­eren Nachteils für die äußere Sicher­heit der Bun­desre­pub­lik Deutsch­land her­beiführt, wird mit Frei­heitsstrafe nicht unter einem Jahr bestraft.

(2) In beson­ders schw­eren Fällen ist die Strafe lebenslange Frei­heitsstrafe oder Frei­heitsstrafe nicht unter fünf Jahren. Ein beson­ders schw­er­er Fall liegt in der Regel vor, wenn der Täter eine ver­ant­wortliche Stel­lung mißbraucht, die ihn zur Wahrung von Staats­ge­heimnis­sen beson­ders verpflichtet (…).

Man muss wahrschein­lich keine krim­inelle Energie besitzen, um in der SPD Kar­riere zu machen. Es erle­ichtert aber so vieles.

Poli­tik­er sind Schaus­piel­er ohne Drehbuch, ohne einen Regis­seur, der alles zusam­men­hält.
Luc Besson

NetzfundstückeIn den Nachrichten
Medienkritik in Kürze: Geld oder Geschrei!

Das Leis­tungss­chmutzrecht ist offen­bar ein voller Erfolg.

Wir erin­nern uns: Am 1. August 2013 trat dieses Gesetz in Kraft. Aller­lei Ver­lage in Deutsch­land haben mal mehr, mal weniger hart mit der Leg­isla­tive gerun­gen, um ein Gesetz maßgeschnei­dert zu bekom­men, das im Wesentlichen Blog­gern und Such­maschi­nen das unbezahlte Zitieren aus den eige­nen Onlin­eauftrit­ten — und damit kosten­lose Wer­bung — ver­bi­eten soll.

Mehrere kleinere Suchan­bi­eter haben die entsprechen­den Ver­lagsange­bote ersat­z­los gestrichen, aber das hat nur wenige Men­schen inter­essiert. Der Fokus liegt natür­lich auf Google. Google ist ein großer Konz­ern, Google hat Geld, Google soll zahlen.

Zunächst hat Google das Gesetz weit­ge­hend ignori­ert und in seinem Nachricht­e­nag­gre­ga­tor “Google News” trotz­dem weit­er­hin auf die Nachrich­t­e­nange­bote ver­schieden­er Ver­lage ver­linkt. Dafür ist ein Nachricht­e­nag­gre­ga­tor da. Ren­nen also die Schmal­hänse von VG Media zum Deutschen Patent- und Marke­namt und kla­gen.

Google blieben nun also nur zwei Möglichkeit­en, um sich ans Gesetz zu hal­ten: Entwed­er für jeden kosten­losen Link auf ein VG-Media-Ange­bot Geld zu zahlen oder die strit­ti­gen Ange­bote gemäß den Vor­gaben des Leis­tungss­chmutzrechts zu beschnei­den. Google hat nun Let­zteres getan (Hin­weis: Link auf ein Google-Blog!):

Vor dem Hin­ter­grund dieser Klage wer­den wir Snip­pets und Thumb­nails einiger bekan­nter Web­seit­en wie bild.de, bunte.de oder hoerzu.de nicht mehr anzeigen, also jen­er Ver­lage, die in der VG Media organ­isiert sind. Für diese Seit­en wer­den wir nur noch den Link zum Artikel sowie dessen Über­schrift anzeigen.

Ren­nen also die Schmal­hänse von VG Media zum Kartel­lamt und kla­gen.

Die Ver­lage haben sich zuerst darüber beklagt, dass Google ihre Inhalte (ange­blich) rechtswidrig nutzt. Nun bekla­gen sie sich darüber, dass Google ihre Inhalte nicht mehr rechtswidrig nutzt.
Ste­fan Nigge­meier

Ist mir auch ein Rät­sel, wieso Ver­lage sink­ende Ein­nah­men haben. :irre:


Nüt­zlich­es Handw­erk­szeug für’s näch­ste Bull­shit-Bin­go übri­gens: Die Floskel­wolke.


Nach­trag vom 23. Okto­ber 2014: Das Leis­tungss­chmutzrecht hat die Ver­lage dazu gezwun­gen, es nicht anzuwen­den. :lachtot: Euch, Ver­lage, hat nie­mand gerufen, also beschw­ert euch nicht, wenn ihr wie die Ein­drin­glinge behan­delt werdet, die ihr seid.

NetzfundstückeNerdkrams
Zwei schöne Projekte: Octobox und percol

Seit der Sache mit der NSA begin­nt das Konzept des Selb­sthostens der jew­eils ver­wen­de­ten Cloud­di­en­ste wieder an Fahrt aufzunehmen. So manch­er, der bis dahin blind den Heilsver­sprechen großer US-amerikanis­ch­er Konz­erne ver­traute, wollte plöt­zlich weg von Google Mail, Drop­box und Ever­note.

Während das bei Google Mail und Drop­box aber zumin­d­est the­o­retisch ziem­lich ein­fach ist, ist ein tauglich­er Ersatz für Ever­note schw­er zu find­en. Microsoft bietet OneNote, Google bietet Google Dri­ve, aber bei­de haben hin­sichtlich ihres Funk­tion­sum­fangs Ever­note nur wenig ent­ge­gen­zuset­zen; und selb­st hosten kann man sie auch nicht. Bei den freien Alter­na­tiv­en sieht es noch weit schlim­mer aus — es man­gelt bere­its an einem syn­chro­nisierten guten virtuellen Notizbuch mit Android- und Desk­topan­bindung.

Möglicher­weise schließt Octo­box — wahlweise gehostet oder zum Selb­stin­stal­lieren — diese Lücke. Octo­box, wen­ngle­ich noch in ein­er frühen Test­phase, bietet bere­its jet­zt ein Ever­note-ähn­lich­es Ausse­hen und Mark­down-Unter­stützung, am “Clip­per” und ein­er Browser­erweiterung wird noch gear­beit­et. Möglicher­weise wird es irgend­wann auch mobile Anwen­dun­gen geben.

Octobox

Die Beson­der­heit von Octo­box ist, dass es sämtliche Noti­zen in der Drop­box spe­ichert, ein Kon­to hier­für ist also momen­tan noch von­nöten. Diese Funk­tion­sweise aber hat Vorteile: Anders als in Ever­note liegt alles im Klar­text vor, lässt sich also mit jedem Texte­d­i­tor bear­beit­en und bei Bedarf manuell sich­ern; um die Sicherung selb­st küm­mert sich aber eben­falls bere­its Drop­box, das auf Wun­sch auch gelöschte Dateien bis auf Weit­eres auf­be­wahrt.

Ich empfehle das Pro­jekt im Auge zu behal­ten.

(via red­dit)


Für uns nerds auch nicht unin­ter­es­sant ist übri­gens per­col. per­col ist sozusagen ein Fil­ter für Pipe-Befehle, der eine dem Emacs-helm-Plu­g­in ähn­liche Schnell­suche für Befehle, Dateien und Zeilen anbi­etet. Auf der GitHub-Seite gibt es eine (etwas hek­tis­che) Demon­stra­tion in GIF-Form.

per­col ergänzt also Shell­be­fehle um type to find. Ein Beispiel:

ls | percol

Dieser Befehl zeigt zum Beispiel die Aus­gabe von ls mit dem per­col-Fil­ter an:

Percol ls

Der Text “QUERY>” kann beina­he nach Belieben angepasst wer­den.

(via One Thing Well)


In weit­eren Nachricht­en: Die BPjM ist doch nicht so nut­z­los wie gedacht, sie ist zum Beispiel ein her­vor­ra­gen­der Ver­sand­han­del für alte Pornos.