SonstigesMir wird geschlecht
Rudel­bums für Anfän­ger: „Cos­mo­po­li­tan“, ein Maga­zin für Unent­schlos­se­ne

Hui, eine neue „Cos­mo­po­li­tan“ („End­lich wie­der Mon­tag­mor­gen“, ebd.) mit Gwen Ste­fa­ni vor­ne­drauf, und dann gleich so ein tol­ler Auf­ma­cher:

Cosmopolitan März 2015

Neue Flirt-Tipps für mehr Spaß und bes­se­re Typen
(Wir haben sie, wis­sen­schaft­lich erwie­sen!)

Nun ja, selbst Gen­der­for­scher und Medi­en­ge­stal­ter dür­fen sich heut­zu­ta­ge „Wis­sen­schaft­ler“ nen­nen, wenn sie an der rich­ti­gen (bzw. eben grund­fal­schen) Hoch­schu­le „stu­diert“ haben; aber wer wäre bes­ser geeig­net als ein Frau­en­ma­ga­zin (vgl. „JOY“ et al.)? Eben; und bei der „Cos­mo­po­li­tan“ hat man wohl ohne­hin in letz­ter Zeit Son­der­schu­lun­gen in erfolg­rei­cher Schnack­sel­an­bah­nung absol­viert, denn direkt vor den „neu­en Flirt-Tipps“ wird ein „neu­es Orga-Tool für Poly­amo­re“ ange­prie­sen, eine Art app zur Ter­min­pla­nung, damit man nicht ver­se­hent­lich die Part­ner ver­wech­selt.

In die­ser Hin­sicht erken­ne ich zumin­dest ein Muster; im sel­ben Heft gibt die Dreh­buch­au­to­rin („Dreh­buch-Queen“) Anika Decker im Gespräch mit der „Cosmopolitan“-Autorin Julia Rotherbl bekannt, sie bedau­re es, dass es ihr anders als in ihrem neu­en, nur neben­säch­lich erwähn­ten Film bis­lang nicht gelun­gen sei, Lie­bes­kum­mer durch Sex mit mög­lichst vie­len Män­nern nach­ein­an­der zu ver­drän­gen. Und ich war bis­lang der Über­zeu­gung, das Gewe­se um die „gro­ße Lie­be“ in Mäd­chen­zeit­schrif­ten sei schon nur noch schwer­lich an Pein­lich­keit zu über­bie­ten. – Ande­rer­seits erklärt Moritz Pon­ta­ni im wie­der­um glei­chen Heft, Män­ner säßen nicht allein zwecks Sper­mi­en­be­lüf­tung gern breit­bei­nig her­um:

Unse­re geöff­ne­ten Bei­ne, vor allem die Ober­schen­kel, fun­gie­ren hier als Flucht­li­ni­en oder Lot­sen. Sie wei­sen euch den Weg zum zen­tra­len Flucht­punkt, unse­ren Hosen­mit­tel­punkt. Er schreit euch förm­lich weit geöff­net zu: „Hier liegt ein Pracht­stück, Baby! Greif zu!“

Ach so.

Damit wäre die Ziel­grup­pe der „Cos­mo­po­li­tan“ ziem­lich klar defi­niert: Flitt­chen zwar, aber doch zumin­dest sol­che, die auch mal neue Fil­me anse­hen und wahr­schein­lich just in die­sem Moment ihren Part­ner (oder jeden von ihnen) aus­führ­lich über die Gescheh­nis­se in dem kürz­lich ver­film­ten Weich­spül-Fick­ro­man „50 Shades of Grey“ in Kennt­nis set­zen; Frau­en von Welt also, blö­der­wei­se von einer ande­ren.

Wie ein Mann sich anläss­lich eines Ren­dez­vous‘ zu ver­hal­ten habe, erklärt die Web­site der „Cos­mo­po­li­tan“ – was aber müs­se man als eine sol­che Frau tun, um mehr Spaß und „bes­se­re“ Typen – bes­ser als wer oder was? – beim Flir­ten zu erzie­len? Nun, fol­gen­de neue Tipps befol­gen:

Regel 1: Das Beu­te­sche­ma erwei­tern

Bes­se­re Typen las­sen sich fin­den, indem man weni­ger wäh­le­risch ist; mach‘ Sachen. Ein sol­cher Traum­mann aus dem erwei­ter­ten Beu­te­sche­ma sei, so die immer glei­che Julia Rotherbl, c/o „Cos­mo­po­li­tan“, einer, der „irgend­wann viel­leicht sogar bereit dazu [sei], den Nach­wuchs zu hüten, wäh­rend Mama ins Büro geht“ – einer ohne eige­ne Kar­rie­re also, auf den „star­ke Sin­gle-Ladys“ (ebd.) ein wenig mit­lei­dig hin­ab­blicken kön­nen. Eman­zi­pa­ti­on am Arsch, aber der Sie­ges­zug der sof­ties (also Weich­bir­nen) ist nicht auf­zu­hal­ten. „77% der Frau­en sagen: Meist ent­schei­de ich, ob aus einem Date mehr wird“, die ande­ren 23 Pro­zent wer­den bestimmt von denen bevor­mun­det, die Flucht­li­ni­en auf ihre Hosen zeich­nen.

So einen sof­tie jeden­falls hat wohl jede Frau aus dem „Cosmopolitan“-Publikum sowie­so im Freun­des­kreis, daher:

Regel 2: Den eige­nen Freun­des­kreis scan­nen

Dass das in Kom­bi­na­ti­on mit einem Hang zu wech­seln­den Intim­part­ner­schaf­ten mög­li­cher­wei­se den Freun­des­kreis zer­reibt und aus­dünnt, sei gnä­dig ver­schwie­gen. „Je län­ger man Sin­gle ist, desto wich­ti­ger und grö­ßer wird der Freun­des- und Bekann­ten­kreis“ (Regel 10); es wäre doch wirk­lich scha­de um all die mög­li­che Beu­te.

Wenn die „selbst­be­wuss­te Sin­gle-Lady“ ihren Leu­mund beim Befol­gen die­ser Regel erst ein­mal zur Genü­ge gemin­dert hat, eilen die so genann­ten „neu­en Medi­en“ gern zu Hil­fe:

Regel 3: Selbst­be­wusst sur­fen

Näm­lich: „auf Dating-Web­sei­ten nach einer neu­en Lie­be suchen“, und zwar „tough“ (J. Rotherbl), denn sonst mache man sich als Frau nur selbst klein, wäh­rend man für weni­ger ein­sam gehal­ten wer­de, wenn man sich auf dem vir­tu­el­len Fleisch­markt ener­gisch selbst anzu­prei­sen wis­se. Selbst­be­wusst­sein, dies sei „Cosmopolitan“-Leserinnen kurz erklärt, beinhal­tet im Übri­gen auch, zu sei­nen Schwä­chen (Scham, „Cosmopolitan“-Abonnement oder noch schlim­mer) zu ste­hen und ver­meint­lich schlech­te Eigen­schaf­ten zu akzep­tie­ren, statt sie zu über­schmin­ken. Aber wem sag‘ ich das?

Frau­en natür­lich, denen man auch so etwas erklä­ren muss:

Regel 4: Nicht auf ein Date war­ten

Die Zeit, so die Argu­men­ta­ti­on, die man damit ver­brin­ge, auf „den Einen“ zu war­ten, kön­ne man statt­des­sen auch nut­zen, um im All­tag „tau­sen­de ande­re Mög­lich­kei­ten, neue Bekannt­schaf­ten zu knüp­fen“, wahr­zu­neh­men. Dass „der Eine“ dann frü­her oder spä­ter kei­ne Lust mehr hat, bei der ersten sich bie­ten­den Gele­gen­heit abser­viert zu wer­den, wird dabei impli­zit gedul­det. Soll er sich halt ein biss­chen beei­len, der Arsch.

Denn:

Regel 5: Sich auf kei­nen Fall klein machen

Den Ande­ren hin­ge­gen schon, wenn Zuwi­der­hand­lung der Erfül­lung der Regeln im Weg steht. „Star­ke Sin­gle-Ladys“ wol­len star­ke Ladys blei­ben und sich viel­leicht zur LP wei­ter­ent­wickeln. Aber auf kei­nen Fall zur Son­der­pres­sung:

Regel 6: Leicht zu krie­gen sein
Regel 7: Beim ersten Date Sex haben

Klar: Je schnel­ler eine Frau zur Sache kommt, je offen­si­ver sie bag­gert, desto lie­ber greift der typi­sche „Cosmopolitan“-Leserinnen-Zielmann zu. „Null(!) Pro­zent der deut­schen Sin­gle-Män­ner ste­hen dar­auf, wenn ihnen die Flirt­part­ne­rin die kal­te Schul­ter zeigt“, und „wie fru­strie­rend wäre es denn, nach drei Mona­ten Dating fest­zu­stel­len, dass man im Bett nicht har­mo­niert?“. Aller­dings fin­den auch „null(!)“ Pro­zent der mir bekann­ten Sin­gle­män­ner eine Frau, die leicht „zu krie­gen“ in bei­der­lei Sin­ne ist, dau­er­haft inter­es­sant, aber die lesen auch kei­ne „Cos­mo­po­li­tan“, son­dern Blogs und poli­ti­sche Maga­zi­ne.

Es muss wie­der­um ja auch nicht von Dau­er sein:

Regel 8: So bald wie mög­lich strei­ten

Dabei gehe es dar­um, her­aus­zu­fin­den, ob die (zwei­fels­frei) bei­den Dick­köp­fe, die mit den „neu­en Flirt-Tipps“ zuein­an­der gefun­den haben, ein­an­der auch im Fal­le unter­schied­li­cher Ansich­ten zu einem The­ma (zum Bei­spiel der Qua­li­tät der „Cos­mo­po­li­tan“) noch zu dul­den imstan­de sind. Nur zur Sicher­heit gibt „Cos­mo­po­li­tan“ den eher schüch­ter­nen ihrer Lese­rin­nen noch einen Rat, der die Umset­zung die­ser Regel erleich­tern soll:

Regel 9: Kei­ne Kom­pro­mis­se ein­ge­hen
Regel 12: Die bio­lo­gi­sche Uhr abstel­len

Dabei gehe es dar­um, sich bei der Part­ner­wahl nicht mit jeman­dem abzu­fin­den, bei dem das „Kni­stern“ (J. Rotherbl) aus­blei­be. Der Traum­mann müs­se es sein! Zwar ist dies viel­leicht einer der häu­fig­sten Grün­de, dass die typi­sche „star­ke Sin­gle-Lady“ eben ein Sin­gle ist, aber wer auf­gibt, hat schon ver­lo­ren.

Es eile ja auch nicht, die qua­si sprich­wört­li­che „Tor­schluss­pa­nik“ sei „kein guter Rat­ge­ber“. Lie­ber bis ins hohe Alter allein blei­ben als mit jeman­dem zusam­men zu sein, der nicht „rich­tig gut“ (zum Bei­spiel Omar Sy, „Cos­mo­po­li­tan“, glei­ches Heft) ist, scheint das Cre­do zu lau­ten, das die „Cos­mo­po­li­tan“ hier aus­gibt. Geor­ge Cloo­ney („schar­fer Schau­spie­ler“, bri­ti­sche Web­site der „Cos­mo­po­li­tan“, 2008) sieht ja auch in ver­gleichs­wei­se hohem Alter noch aus wie jemand, den man als „Cosmopolitan“-Leserin gern vom Fleck weg hei­ra­ten wür­de – war­um dann nicht auch die Lese­rin selbst?

Unsi­cher? Da hilft nur eins:

Regel 10: Nur auf den Bauch hören

Der Bauch sei der ein­zi­ge Außen­ste­hen­de, des­sen Ein­schät­zung des poten­zi­el­len neu­en Part­ners zäh­len sol­le, Mei­nun­gen aus dem Freun­des- und Bekann­ten­kreis (ihr erin­nert euch: das sind die­je­ni­gen Per­so­nen, mit denen man vor­her aller­lei, ähem, Bekannt­schaf­ten geknüpft hat) hin­ge­gen nicht. Der Bauch als zuver­läs­si­ger Bezie­hungs­rat­ge­ber ist natür­lich nur eine Meta­pher: „Schließ­lich müs­sen nur Sie sich in ihn ver­lie­ben“. All­zu viel Zeit bleibt der „star­ken Sin­gle-Lady“ sowie­so nicht für den Aus­tausch:

Regel 11: Dating als Full­time-Job betrach­ten

Trotz eher mau­er Bezah­lung: „Was wür­den Sie den­ken, wenn Sie Ihrer Affä­re mor­gens um acht eine Whats­App-Nach­richt schicken und den gan­zen Tag über nichts von ihm hören?“, da ist ja die Fra­ge schon falsch, denn es geht bei den „Dating-Regeln“ ja letzt­lich um’s Ver­lie­ben, wofür zumeist ande­res Ver­hal­ten bedeut­sam ist als bei einer Affä­re, die sich von einer Bezie­hung ja auch in ihrer Innig­keit zu unter­schei­den pflegt, aber so wich­tig ist das viel­leicht auch nicht; die Regel lau­tet jeden­falls zusam­men­ge­fasst, dass man als Teil der Ziel­grup­pe rund um die Uhr erreich­bar sein soll­te, falls einer der zu Fick- und/oder Roman­tik­zwecken anvi­sier­ten Her­ren trotz der anstren­gend küns­at­li­chen Per­sön­lich­keit der jewei­li­gen „Lady“ auf ihre Nach­rich­ten ant­wor­ten. Die will man ja nicht war­ten las­sen.

Plu­ral? Aber natür­lich!

Regel 13: Nicht nur auf einen Typen set­zen

„Mul­ti-Dating ist mitt­ler­wei­le ganz nor­mal, ja fast schon Trend“, und wer will schon aus der Mode kom­men?

Frü­her ist man ja ein­fach in eine Bar gegan­gen.

In den NachrichtenComputer
Neu­es vom auto­ma­ti­schen Zeit­al­ter

Die Auto­ma­ti­sie­rung unse­res täg­li­chen Lebens schrei­tet unauf­hör­lich vor­an: Twit­ter-Bot setzt aus zufäl­li­gen Wör­tern eine Mord­dro­hung gegen­über einem ande­ren Twit­ter-Bot zusam­men, Betrei­ber wird ver­hört.

Da ein Skript, das zufäl­li­ge Sät­ze gene­riert, offen­sicht­lich über­ein­stim­mend für einen Men­schen gehal­ten wer­den kann: Könn­te man für die näch­ste Bun­des­tags­wahl nicht auch ein­fach ein Skript ins Ren­nen um die Kanz­ler­kan­di­da­tur schicken?

Auf die Neu­jahrs­an­spra­che freu­te ich mich dann schon jetzt.

(via @hakantee)

SonstigesNetzfundstücke
He, Mat­thi­as Hei­ne (Feuil­le­ton, „WELT“)!

Es ist ja löb­lich, dass Sie sich gegen eine Ver­harm­lo­sung des Natio­nal­so­zia­lis­mus‘ auch im Aus­land enga­gie­ren und klar das Übel benen­nen, das sich hin­ter­rücks anschleicht, wenn man mit dem Vor­wurf des Gram­ma­tik­na­zi­tums all­zu sorg­los um sich wirft.

Blockwarte und Grammatiknazis

Aber wie genau wehrt man sich eigent­lich gegen Sie?


Nach­trag, auch mal schön trotz ande­rem The­ma: Logo: Steht nicht drauf, dass etwas pas­sie­ren kann, dann las­se ich etwas pas­sie­ren, kla­ge und schie­be Doof­heit vor. Es gibt die­sen Schlag Men­schen.

PolitikIn den NachrichtenWirtschaftMontagsmusik
Acid Mothers Temp­le & The Mel­ting Parai­so U.F.O. (live)

Hi.Es ist Mon­tag, es ist Krieg oder auch nicht: „Mer­kel will Oba­ma die deutsch-fran­zö­si­sche Frie­dens­in­itia­ti­ve erklä­ren“, was ja beim The­ma Bür­ger­rech­te schon regel­mä­ßig schei­tert, aber man will ja nicht das Frei­han­dels­ab­kom­men auf’s Spiel set­zen, der Juni­or­part­ner der USA wahrt sei­nen Stand. Anders­wo schwätzt Nils Mink­mar für die „FAZ“ etwas über „Putin­ver­ste­her“ ins Inter­net. In die­ser schö­nen kla­ren diplo­ma­ti­schen Welt ist zumin­dest sicher, wer über jeden Zwei­fel erha­ben ist. Sor­gen um Grie­chen­land und die Ukrai­ne trü­ben den Markt, +++ EIL +++ PANIK +++, also müs­sen Grie­chen­land und die Ukrai­ne schnellst­mög­lich befrie­det wer­den. Schicken wir doch Waf­fen und/oder Sol­da­ten hin, viel­leicht haben die Kin­der dort dann wie­der mehr zu essen.

Ande­rer­seits: Was ist schon von Medi­en zu erwar­ten, die einen Arti­kel über den rot­bäcki­gen Bel­gi­er mit dem Mords­wumms für Jour­na­lis­mus hal­ten? Der Tem­pel der Wirt­schaft ist eine Festung.

Die­ser hier übri­gens auch:

Acid Mothers Temp­le & The Mel­ting Parai­so UFO – La Maro­qui­ne­rie, Paris, 10-18-2013 (full show)

Guten Mor­gen.

Fotografie
„Das machen wir mor­gen gleich noch­mal, ja, Schatz?“

In der so genann­ten deut­schen „Ama­teur­por­no­sze­ne“ hat, wie mir zuge­tra­gen wur­de, vor eini­gen Jah­ren eine jun­ge Frau unter dem Spitz­na­men „Merry4Fun“ eine gewis­se Bekannt­heit erlangt.

Mei­ne bis­he­ri­gen Ver­su­che, die­sen Spitz­na­men zu deu­ten, ver­san­de­ten alle­samt. „Fröh­lich für Spaß“? Auf einer merk­wür­di­gen Web­site nicht son­der­lich seriö­ser Gestal­tung ent­deck­te ich über­dies „mer­ry“ als alter­na­ti­ve Schreib­wei­se für „mar­ry“, also Hei­ra­ten. „Hei­ra­ten zum Spaß“? Das klingt doch, so schien’s mir, noch absur­der als der Ver­such der wört­li­chen Über­set­zung.

Am Zeit­schrif­ten­re­gal mei­nes Ver­trau­ens füg­te sich indes heu­te alles wie von selbst zusam­men.

Spaß am Heiraten

Man­che Leu­te haben ulki­ge Hob­bys.

Spaß mit Spam
Rich­tig pro­fit­wit­tern mit #Twit­terAds

Da schau‘ her, eine E‑Mail, hoch­of­fi­zi­ös von Twit­ter them­sel­ves. So etwas sieht man nicht alle Tage. Das sind sicher sehr, sehr wich­ti­ge …

TwitterAds Plaintext

Ähm, hm, naja, dann ist viel­leicht die Brow­ser­ver­si­on weni­ger bescheu­ert.

Was wol­len sie denn von mir? Ach so, natür­lich – was ver­kau­fen:

Twitter Ads sind jetzt in Deutschland verfügbar

Hur­ra!

Aber was bringt mir das?

Mit Twit­ter Ads hast Du fol­gen­de Mög­lich­kei­ten:

  • Die Zahl der Fol­lower, Leads, Inter­ak­tio­nen oder Web­site-Klicks zu erhö­hen

Pri­ma: Nie wie­der was Gutes selbst schrei­ben, ein­fach was abon­nie­ren und schon hat man sehr vie­le pas­si­ve, qua­si auto­ma­ti­sier­te Leser. Wie ein­la­dend!

Dei­ne Mit­tei­lun­gen ziel­ge­nau abzu­stim­men

Hä?

Grö­ße­re Ziel­grup­pen zu errei­chen

Pri­ma: Nie wie­der … ihr wisst schon.

Klingt span­nend? Um Dich beim Start zu unter­stüt­zen, laden wir Dich zu unse­rem Launch-Web­i­nar „Ein­füh­rung in Twit­ter Ads“ ein.

Das ist aber nett! Viel­leicht ler­ne ich dort, wor­um es eigent­lich geht. Näm­lich um dies:

In die­sem Web­i­nar wer­den wir erklä­ren, wie Twit­ter Ads funk­tio­nie­ren und wer­den auf fol­gen­de Punk­te ein­ge­hen:

  • Wer­be­for­ma­te auf Twit­ter
  • Tar­ge­ting-Optio­nen
  • Erfolg mes­sen

Denn wer ernst­haft dach­te, so ein Mikro­blog­sy­stem wie Twit­ter die­ne dem Zweck, ande­ren Leu­ten nicht auf den Zei­ger zu gehen, son­dern Din­ge aus dem Leben hin­ein­zu­pu­sten, der lag so was von dane­ben. Wie konn­te ich so blöd sein und ganz ohne Wer­be­ein­nah­men in jeweils höch­stens 140 Zei­chen über Poli­tik und blö­de Wit­ze zu quat­schen? Eine schier unver­zeih­li­che Dumm­heit.

Aller­dings von denen.

Montagsmusik
Bent Knee – Way Too Long

Superb OwlUnd wie­der ein­mal ein Mon­tag, ein viel zu wacher oben­drein. Das Schnee­trei­ben ging mit dem Janu­ar vor­über, geblie­ben ist ein wenig Schlaf im Auge, und noch wäh­rend man das schreibt, bemerkt man, wie sehr „Schlaf im Auge“ eigent­lich nach „da steht noch Trin­ken auf dem Schrank“ klingt, und fin­det das plötz­lich gar nicht mehr so tref­fend. Und nun?

Ein neu­er Mon­tag. Ein neu­er Ohr­wurm.

Wheeeee.

BENT KNEE „WAY TOO LONG“ #BASEMENTSESSIONS

Guten Mor­gen.

NetzfundstückeWirtschaft
Medi­en­kri­tik extern: Links­po­pu­lis­mus auf Grie­chisch

Dass ich noch mal uniro­nisch die „taz“ ver­lin­ken wür­de, hät­te ich mir selbst bis eben nicht geglaubt, aber was ihr Autor Robert Misik zum Umgang der deut­schen Medi­en mit der neu­en grie­chi­schen Regie­rung zu sagen hat, ist’s dann doch mal wert:

Womög­lich ist ja die Eigen­art und das Pro­blem der zeit­ge­nös­si­schen Lin­ken, dass sie die Men­ta­li­tät von Besieg­ten hat. (…) Lustig fin­de ich ja, dass Syri­za-Chef Alexis Tsi­pras mit dem Label „links­po­pu­li­stisch“ belegt wird, weil er nicht den Habi­tus fader tech­no­kra­ti­scher Ver­nunft aus­strahlt, der in den kon­ti­nen­ta­len links­li­be­ra­len Regie­rungs­mi­lieus vor­herr­schend gewor­den ist. Als wäre das ein Defi­zit!

Bezie­hungs­wei­se halt:

Die Kre­dit­ver­trä­ge mit der EU und dem IWF für nich­tig erklä­ren, den Beam­ten­ap­pa­rat wie­der auf­blä­hen, fröh­li­ches Leben auf Pump, alles wie­der wie frü­her, das ist Tspi­pras‘ Bot­schaft.

Bezie­hungs­wei­se (aber­mals „taz“):

Man muss ja nicht gleich von Mei­nungs­ma­che oder gar Lügen­pres­se reden, aber ganz offen­sicht­lich gibt es hier einen Kon­for­mi­täts­druck, einen Magne­tis­mus hin zu einem Main­stream, der Plu­ra­lis­mus grosso modo nur mehr im engen Rah­men des vom hege­mo­nia­len Mer­kel-Austeri­täts­kurs Erlaub­ten zulässt.

Man selbst hat eben immer am rech­te­sten.

In den NachrichtenNerdkrams
Ein­falt und Viel­falt (2): Das Phan­tom / der Ope­ra

Gele­gent­lich beklag­te ich bereits hier und anders­wo die feh­len­de Diver­si­tät auf dem hart umkämpf­ten Brow­ser­markt. Wäh­rend sich Fire­fox, Chromium/Chrome und Inter­net Explo­rer optisch und funk­tio­nal – was bedeu­tet, dass Fire­fox immer weni­ger kann – ein­an­der immer wei­ter anglei­chen, ste­chen nur noch weni­ge Son­der­lin­ge wie Sea­M­on­key und uzbl aus der Mas­se optisch wie tech­nisch her­aus; wobei das ja auch schon wie­der nicht stimmt, denn uzbl basiert wie vie­le ande­re Brow­ser auf der Web­Kit-Ren­de­ring-Engi­ne. Der immer glei­che Wein in immer neu­en Glä­sern. Irgend­wann schmeckt’s fad.

Den letz­ten eini­ger­ma­ßen bekann­ten ande­ren Brow­ser Ope­ra hat eben­falls Web­Kit dahin­ge­rafft, sie­he zum Bei­spiel hier und hier und hier und hier und hier. Zu auf­wän­dig sei es gewe­sen, mit den Ent­wick­lun­gen Schritt zu hal­ten, und für ein Nischen­pro­dukt sei man nicht mehr bereit, ver­kün­de­te man aus dem Hau­se Ope­ra Soft­ware. Die Mas­se macht’s.

Mit dem bedrücken­den Ergeb­nis, dass die Bewoh­ner der Nische, die Ope­ra bis ein­schließ­lich der Ver­si­on 12 besetz­te, gegen ihren neu­en Glück­lich­ma­cher revol­tie­ren und plötz­lich von so gro­ßer Zahl sind, dass es für immer neue Brow­ser reicht. Das schä­bi­ge Geschäfts­mo­dell „Wir bau­en, weil wir so unfass­bar krea­tiv sind, Ope­ra 12 auf Chro­mi­um-Basis nach“ wirft rege Trie­be.

Der Otter Brow­ser, ein frei­er Ope­ra-12-Nach­bau, der irgend­wann auch E‑Mail und ande­re Brow­ser­en­gi­nes als Web­Kit unter­stüt­zen kön­nen soll, hat­te dabei gute Chan­cen, trotz der Kon­kur­renz durch Fifth (u.a.) dau­er­haft zu bestehen. Immer­hin steck­te der Ent­wick­ler vie­le Res­sour­cen in die ste­ti­ge Wei­ter­ent­wick­lung.

Bis Diens­tag, denn Diens­tag geschah dies:

Vival­di Tech­no­lo­gies AS hat gera­de den Brow­ser Vival­di her­aus­ge­bracht.

Vival­di Tech­no­lo­gies wur­de von Jón von Tetzch­ner gegrün­det, nach­dem er Ope­ra ASA Nor­we­gen ver­ließ. (…) Jón von Tetzch­ner hat­te ange­kün­digt einen eige­nen Brow­ser her­aus­zu­brin­gen, der ein voll­wer­ti­ger Ersatz für den von Ope­ra ASA ver­nach­läs­sig­ten und vor über einem Jahr in der Ent­wick­lung auf­ge­ge­be­nen Brow­ser Ope­ra 12 sein soll­te.

Bei Vival­di Tech­no­lo­gies han­delt es sich – wie bei Ope­ra Soft­ware ASA – bereits jetzt um ein gewinn­ori­en­tier­tes Unter­neh­men mit eini­gen wohl bezahl­ten Mit­ar­bei­tern, der Brow­ser ist zumin­dest nicht – wie Otter – ein Hob­by­pro­jekt von Bast­lern, son­dern soll ver­mut­lich frü­her oder spä­ter auch kom­mer­zi­ell ver­mark­tet wer­den.

Die erste öffent­li­che Vor­ab­ver­si­on zeigt neben dem gewohn­ten Trend zur Ver­fla­chung bereits eini­ge Funk­tio­nen, die man am alten Ope­ra, wie es heißt, durch­aus zu schät­zen wuss­te, dar­un­ter die mehr­tei­li­ge Sei­ten­lei­ste („Panel“, lei­der nicht mehr so schön wie damals als „Panee­le“ über­setzt). Es las­se sich täu­schen, wer will: Auch Vival­di basiert auf Blink, der Ope­ra-/Chro­me-Ver­si­on von Web­Kit. Ein wei­te­res Glas für die abge­stan­de­ne Fla­sche. Natür­lich wird’s trotz­dem gefei­ert, denn, hui, ein neu­er Web­Kit-Brow­ser, der aus­sieht wie ein alter Nicht-Web­Kit-Brow­ser, das gibt es nicht so oft. Auch die­se Inkar­na­ti­on der Ope­ra-Idee kommt ohne sinn­vol­len Wer­be­fil­ter oder Lese­zei­chen­lei­ste daher, aber der Trend geht zur Ver­knap­pung von Grund­funk­tio­nen. (Dass man unter Android meist nicht mal mehr eine Opti­on zum Abschal­ten von Java­Script auf Web­sites fin­det, spie­gelt die­sen erschrecken­den Trend sehr ein­drucks­voll wider. – Aller­dings ist Vival­di momen­tan noch sehr desk­top­fo­kus­siert.)

Ich habe Opern ja noch nie gemocht.

PersönlichesNetzfundstückeIn den Nachrichten
Face­book / You­Tube / Blogs

Was wir auch noch gelernt haben: Bri­ti­sche Breit­band­nut­zer haben ihr Netz lie­ber unge­fil­tert. Doch, echt! Die kön­nen sich das aller­dings auch aus­su­chen und blei­ben nicht wie die­je­ni­gen Deut­schen, die die Nut­zung von Pro­xys aus ver­schie­de­nen Grün­den nicht bevor­zu­gen, auto­ma­tisch außen vor, weil zum Bei­spiel die GEMA Medi­en weg­fil­tert. Dass die eigent­li­che Absur­di­tät dar­an ist, dass aus­ge­rech­net die Deut­schen die Fei­er zur Befrei­ung Ausch­witzs nicht am hei­mi­schen Bild­schirm mit­ver­fol­gen dür­fen, zie­he ich im Übri­gen in Zwei­fel; immer­hin ver­zich­te­te man sogar dar­auf, die Befrei­er selbst ein­zu­la­den.

Apro­pos You­Tube: „Schö­nen Account haben Sie da. Wäre doch scha­de, wenn dem was pas­siert.“ Damit geht You­Tube viel­leicht noch nicht so weit wie SPIEGEL ONLINE, die Urhe­bern deren eige­ne Wer­ke teu­er ver­mie­ten wür­den, aber wer weiß, welch‘ absur­de Blü­ten Goo­gles Drang nach Mone­ta­ri­sie­rung noch trei­ben wird.

Wäh­rend die Deut­schen doch sowie­so schon genug Pro­ble­me haben: Gestern Vor­mit­tag war Face­book vor­über­ge­hend nicht erreich­bar.

murica

Vie­le sind viel­leicht auf schnelllebi­ge Chats umge­stie­gen. Twit­ter führt nun Grup­pen­chats ein. 140 Zei­chen für nichts zu sagen. Gestam­mel, das nicht von Dau­er ist und sich von schreck­li­chen „Vlogs“ („Video-Web­logs“) wie – hihi – Signi­fi-Cunt (min­de­stens eine der bei­den Prot­agonö­sen war hier gele­gent­lich The­ma) nur in der Art der Dar­rei­chung und Ner­vigkeit unter­schei­det. Wer wirk­lich etwas zu sagen hat, der schrei­be ins Inter­net hin­ein. Ein gutes Blog besteht auch, wenn es nie­mand liest. Schrei­ben als Spie­gel zur See­le. Schrei­ben als ver­tief­tes Selbst­ge­spräch, nicht beglei­tet von Gefällt­mirs und Ret­weets, im Dia­log mit sich selbst. Schrei­ben als Gesprächs­the­ra­pie zum Tiefst­preis. Nur wo? Auf Face­book lie­ber nicht, da ver­schwin­det es im Glücks­keks­stru­del. Medium.com war noch 2014 eine belieb­te Alter­na­ti­ve. Puste­ku­chen: Eure Tex­te gehö­ren dann denen. Dem Mit­men­schen Essens­blog­ger – schö­nes Zitat auch: nur weil irgend­wo Wer­bung mög­lich ist, gibt es kei­nen Grund, sie dort auch unbe­dingt zu plat­zie­ren – mag’s egal sein, er schreibt ja aus Freu­de am Genuss und hat sonst kei­ne ande­ren Hob­bys, aber intim­ste Gedan­ken, not­dürf­tig ein­ge­hüllt in wat­ti­ge Wort­wol­ken zum Schutz des Ichs, gehö­ren nicht in die Hän­de böser Scho­ko­la­den­on­kel und damit eigent­lich auch nicht ins Inter­net, aber es fil­tert, es rei­nigt, es befreit. Raus mit dem Gedan­ken­kraut, her mit neu­em, immer neu­em.

Solang’s nur die Mie­te im Ober­stüb­chen bezahlt.

In den NachrichtenMontagsmusik
Madon­na – Vogue

Eule geht ja schonMög­li­cher­wei­se will Goog­le Twit­ter kau­fen. Das eige­ne Netz Goog­le+ ent­wickelt sich ja nur schlep­pend, und nach all den Goog­le Waves und Goog­le Buzzs wäre ein Pro­dukt, das auch mal irgend­wer haben möch­te, mög­li­cher­wei­se wie­der ein inter­es­san­ter Teil des Port­fo­li­os, denn Twit­ter, das seit sei­ner Grün­dung kein brauch­ba­res Geschäfts­mo­dell außer „wir machen unse­ren Dienst immer wer­be­la­sti­ger“ auf die Bei­ne gestellt hat, ist für den welt­weit größ­ten Wer­bungs­an­bie­ter nur ein kon­se­quen­ter Kauf. Ins Inter­net hin­ein­zu­schrei­ben ist eine Pas­si­on. Je unat­trak­ti­ver frem­de Platt­for­men wer­den, desto wich­ti­ger wird das eige­ne digi­ta­le Heim. Dar­an sind schon ande­re Dien­ste gran­di­os geschei­tert.

Apro­pos Goog­le: Wiki­Leaks fin­det, Goog­le gibt zu vie­le Daten wei­ter. Was eigent­lich amü­sant ist, schließ­lich ist das Pro­blem, das man­che Men­schen mit Wiki­Leaks haben, ja, dass man dort zu vie­le Daten wei­ter­gibt. – War­um man sich auf Goog­le Mail ver­lässt, ist im Jahr 2 nach Snow­den dann sowie­so noch so eine Fra­ge. Ande­rer­seits ist er halt im Trend, der Goog­le-Fir­le­fanz.

En vogue.

Madon­na – Vogue (Offi­ci­al Video)

Guten Mor­gen.

PolitikIn den Nachrichten
Frie­den­ster­ro­ri­sten

Im Febru­ar 2013 schrieb ich über die schlim­men „Grü­nen“:

Die ehe­ma­li­ge Frie­dens­par­tei fin­det Kampf­ein­sät­ze unter bestimm­ten Bedin­gun­gen also ziem­lich in Ord­nung, wenn sie nur nicht all­zu lan­ge dau­ern oder wenig­stens vom Gewalt­mo­no­po­li­sten UNO ange­ord­net wer­den. Des­sen Befehls­ge­walt ist selbst­ver­ständ­lich bin­dend.

Wes­halb sich auch auf den „Friedenswinter“-Demonstrationen zugun­sten eines unmi­li­tä­ri­schen Mit­ein­an­ders mit Russ­land allen­falls ver­ein­zel­te Grü­ne mit Flag­ge sehen las­sen, die wohl das Memo nicht gele­sen haben. Wer Frie­den will, ist ver­däch­tig; bezie­hungs­wei­se:

Die nach­hal­ti­ge Dif­fa­mie­rung der neu­en Frie­dens­be­we­gung ist gelun­gen. Das ist ein gro­ßer Sieg jener Kräf­te, die mili­tä­ri­sche Inter­ven­tio­nen und die soge­nann­te mili­tä­ri­sche Lösung von Kon­flik­ten hof­fä­hig machen wol­len.

(Unbe­dingt dort wei­ter­le­sen und Spuck­tü­ten bereit­hal­ten.)

Was haben wir nur falsch gemacht?


Mal­bü­cher für E‑Book-Rea­der. Das neue gro­ße Ding.

Apro­pos: Wo bleibt eigent­lich die Revo­lu­ti­on?

MontagsmusikPolitikIn den Nachrichten
King Crims­on – The Gre­at Decei­ver

watMon­tag. Die Welt ist defekt. Gar­niert mit ein wenig Panik lässt sich man­cher Irr­sinn durch­set­zen:

Die Poli­zei­di­rek­ti­on Dres­den hat für Mon­tag alle öffent­li­chen Ver­samm­lun­gen unter frei­em Him­mel ver­bo­ten. (…) Ande­re Maß­nah­men als ein Ver­samm­lungs­ver­bot sei­en unge­eig­net, um die Sicher­heit in Dres­den am Mon­tag zu gewähr­lei­sten.

Mit Ver­bo­ten las­sen sich gesell­schaft­li­che Pro­ble­me bekannt­lich effi­zi­ent lösen; wür­de jemand Steh­len und Mor­den ver­bie­ten, so wäre die­ses Land von man­chem Übel befreit. – Der letz­te Staat, der im Raum Dres­den ein Demon­stra­ti­ons­ver­bot erlas­sen hat­te, exi­stiert übri­gens nicht mehr. Könn­te man da nicht viel­leicht …?

Mit Musik klappt es manch­mal bes­ser.

King Crims­on – The Gre­at Decei­ver – 1974 Live

Guten Mor­gen.

KaufbefehleMusikkritik
Uto­pia­ni­sti – Uto­pia­ni­sti II / Uto­pia­ni­sti meets Black Motor & Jon Ballan­ty­ne

Utopianisti IIWäh­rend ich eigent­lich eini­ge Zei­len für die über­fäl­li­ge 2014er Rück­schau (ja, die kommt noch) schrieb, fiel mir die­ses Album in die Hän­de, von dem ich dach­te, es eig­ne sich als spä­tes Album des Jah­res 2014 – lei­der erschien es bereits im Novem­ber 2013. Das ist ein biss­chen scha­de.

Nicht aus Ita­li­en, wie es der Name viel­leicht ver­mu­ten lässt, son­dern aus Finn­land kom­men die Musi­ker von Uto­pia­ni­sti. Kom­men? Nein, viel­mehr han­delt es sich um ein Solo­pro­jekt eines gewis­sen Herrn Mar­kus Pajakka­la. „Solo“ ist aller­dings auch nicht so ganz rich­tig, sind doch auf dem vor­lie­gen­den Album ins­ge­samt 27 wei­te­re Musi­ker an Saxo­pho­nen, Posau­nen, Gitar­ren und der­glei­chen zu hören.

Bei dem vor­lie­gen­den Album han­delt es sich um ein Dop­pel­al­bum, das wohl aus zwei ein­zel­nen Alben namens „Uto­pia­ni­sti II“ und „Uto­pia­ni­sti meets Black Motor & Jon Ballan­ty­ne“ besteht. Acht der drei­zehn Stücke gehö­ren somit zum zwei­ten regu­lä­ren Album von Uto­pia­ni­sti, vier wei­te­re ent­stan­den in Zusam­men­ar­beit mit Jon Ballan­ty­ne, einem kana­di­schen Pia­ni­sten und Kom­po­ni­sten, und dem fin­ni­schen Free-Jazz-Trio Black Motor, deren Kon­tra­bas­sist Ville Rau­ha­la auch in zwei Stücken von „Uto­pia­ni­sti II“ aus­hilft.

Wie das klingt? Ins­be­son­de­re sehr instru­men­tal, ledig­lich drei Stücke („The Vul­tures were hun­gry“, des­sen Text aus nicht viel mehr als die­sem Satz besteht, „Span­king Time“, das mit sei­nen Rock­re­mi­nes­zen­zen und dem gespro­che­nen Text nicht nur vom Titel her an Cap­tain Beef­he­art erin­nert, und „Tan­go Suc­cu­bus pt. 2“, das tat­säch­lich einen Tan­go­rhyth­mus hat, für das Ver­ständ­nis des­sen Kon­texts jedoch mein Fin­nisch zu schlecht ist) beinhal­ten Gesang, der aller­dings auch eher als gestal­ten­des Ele­ment dient. Gestal­tet, apro­pos, wird hier reich­lich: Big-Band-Jazz, Opern­haf­tes, Retro-Prog, Jazz­rock, Zap­paes­kes. Vor allem eben: Jazz. Viel, viel Jazz, gewürzt mit avant­gar­di­sti­schen Bei­ga­ben, dass man vor Begei­ste­rung gar nicht so rich­tig zur Ruhe kommt. Jazz ist Fahr­stuhl­mu­sik? In so einem Fahr­stuhl würd‘ ich gern kurz stecken blei­ben – oder doch bes­ser nicht, denn das Haus, zu dem der Fahr­stuhl gehört, mag ver­mut­lich ein auch sonst sehr wohn­li­ches sein, in dem man ungern irgend­wel­che Vor­gän­ge ver­pas­sen möch­te.

Der Teil des Albums, in dem Black Motor und Jon Ballan­ty­ne mit­spie­len, beginnt mit „The Sun­days of love and peace“ dem Titel ent­spre­chend bei­na­he brav, Frei­form­jazz mit Saxo­phon- und Kla­vier­do­mi­nanz erklingt. Auch die fol­gen­de „Mecha­no­id make­out music“ wird aber ihrem Titel gerecht: Ein elek­tro­ni­scher Rhyth­mus und man­cher­lei Gefiep­se wer­den von Schlag­zeug und gera­de­zu ner­vö­sem Saxo­phon (Sami Sip­po­la ist ein Name, den man sich viel­leicht mer­ken soll­te) über­deckt. Bei „Uto­pia­ni­sti meets Black Motor & Jon Ballan­ty­ne“ tritt der avant­gar­di­sti­sche Aspekt in der Musik von Uto­pia­ni­sti ins­ge­samt etwas zurück und weicht einem nichts­de­sto­trotz alles ande­re als gemä­ßi­gen Frei­form­jazz.

Wer mit­ge­zählt hat: The­ma­ti­siert wur­den bis­her nur acht und vier, also zwölf, von drei­zehn Stücken. Das drei­zehn­te, „U.L.J.C. (The Unneces­sa­ry Lef­to­ver Jam Com­pi­la­ti­on)“, ist Teil kei­nes der bei­den Teil­al­ben, son­dern besteht aus neun­ein­halb Minu­ten Impro­vi­sa­tio­nen und – nun – übrig geblie­be­nen Jams. Ein opu­len­tes Ende zu einem gelun­ge­nen Album.

Der Hör- und Kauf­be­fehl wird hier­mit erteilt.