NerdkramsMontagsmusik
Boomtown Rats — I Don’t Like Mondays

Kauz (Krankheitsvertretung)Guten Tag. Ihr seid nicht Char­lie. Und das Binnen‑I? Ein Exportschlager son­der­gle­ichen. Und Mon­tag, Mon­tag ist ja auch noch. Sod­bren­nen, Kälte. Volk­strauertag.

Boom­town Rats — I Don’t Like Mon­days (Live SPOB 1981)

Es ist doch jede Woche das Gle­iche.

Guten Mor­gen.


Nach­dem ich vom Entwick­ler für eine ein­fache Frage zur Kon­fig­u­ra­tion wüst beschimpft wurde und Updates ohne­hin ständig das Sys­tem zum Ein­sturz brin­gen, bin ich übri­gens nun von Tiny Tiny RSS auf News­Blur umgestiegen. Ein paar Vorteile ste­hen hier, mit dem Orga­niz­er kam jüngst ein weit­er­er hinzu. Bei Bedarf berichte ich später.

In den Nachrichten
Drei Lehren für Charlie

Erstens:
Reli­gion ist falsch. Euer unsicht­bar­er Fre­und unter­schei­det sich von deren unsicht­barem Fre­und allen­falls in der Wahl der Waf­fen.

Zweit­ens:
Religiöse Men­schen unter­schei­den sich von nicht religiösen Men­schen zumeist in ihrem Fanatismus.

Drit­tens:
Dinge, die im Namen ein­er Reli­gion geschehen, sind stets Dinge, die falsch sind. Sol­i­dar­ität. Kreuz­züge. Am Arsch.

Dinge löschen gegen Rechts. Die franzö­sis­che Vor­rats­daten­spe­icherung war ein voller Erfolg.

Seid ihr euch sich­er, ob ihr noch auf der richti­gen Seite ste­ht?

PersönlichesPolitikIn den Nachrichten
Nachtrag zu PEGIDA: Wer ist hier fremd?

Zu den PEGI­DA-Demon­stra­tio­nen (ich berichtete) anson­sten vielle­icht noch eine kri­tis­che Beleuch­tung dessen, was die Leute daran eigentlich so stört: Merkel verurteile “frem­den­feindliche Ten­den­zen”, schreibt man auf SPIEGEL ONLINE und nen­nt dabei eigentlich schon das Haupt­prob­lem.

Nun begin­nt Frem­den­feindlichkeit ja schon damit, dass man “Fremde” zunächst ein­mal als Fremde wahrn­immt. Ich selb­st halte mich für insofern “frem­den­feindlich”, als ich mir fremde Men­schen in den meis­ten Fällen lieber nicht ertra­gen müsste, aber gegen die Aus­län­der und Moslems unter ihnen habe ich im All­ge­meinen auch nicht mehr einzuwen­den als gegen Inlän­der und Chris­ten (ger­ade Let­ztere sind mir ohne­hin beson­ders zuwider).

Haven’t we met? You’re some kind of beau­ti­ful stranger.
Madon­na: Beau­ti­ful Stranger

Frem­den­feindlich. Feindlich gegen die Frem­den. Fremd ist, mit wem man fremdelt. Die Bun­deszen­trale für poli­tis­che Bil­dung weiß:

Fremd ist nur, was als solch­es erlebt wird. Nichts ist aus sich her­aus und notwendig fremd. Das fremde Ter­rain erscheint im Erleben ein­fach vorhan­den, tat­säch­lich ist es sub­jek­tiv geset­zt und Ergeb­nis willkür­lich­er Ord­nungskri­te­rien im Gefolge per­sön­lich­er Motive und gesellschaftlich­er Kon­ven­tio­nen.

Wer gegen Anhänger ein­er bes­timmten Reli­gion, Mit­glieder ein­er bes­timmten gesellschaftlichen Schicht oder Ein­wan­der­er aus ein­er bes­timmten Region pop­ulis­tisch agiert, der ist noch kein Feind des Frem­den. Eine überze­ich­nete Analo­gie: Ich halte auch Ursu­la von der Leyen für jeman­den, der lieber putzen und back­en sollte als dieses Land in den Krieg zu führen, und habe gegen Frauen trotz­dem prinzip­iell nicht viel einzuwen­den.

Damit wir uns ver­ste­hen: PEGIDA, DÜGIDA, BOGIDA und all die übri­gen Häu­flein selt­samer Men­schen sind wohl über­wiegend poli­tisch unsichere Demon­stran­ten, deren Wut sich gegen das Falsche richtet, gegen den Boten näm­lich, nicht jedoch das zer­rüt­tete Sozial­sys­tem. Das ist ein biss­chen schade. Ihnen aber pauschal Feindlichkeit gegenüber Frem­dem vorzuw­er­fen set­zt wom­öglich ein falsches Sig­nal. Unter den Demon­stran­ten sind von ihrer Tageszeitung verblödete Unmündi­ge sicher­lich eben­so wie stramme Rechte und Oppor­tunis­ten zu find­en. Man mag sie einen Pöbel nen­nen, einen Haufen Leute, die beina­he so effizient wie ihre Gegen­demon­stran­ten (“NOPEGIDA”) wertvolle Leben­szeit ander­er Leute mit ihrem Unsinn ver­plem­pern. Das Wort Frem­den­feindlichkeit aber ist frem­den­feindlich­er als jedes Graf­fi­to auf Hauswän­den.

Du kennst mich doch, ich hab’ nichts gegen Fremde. Einige mein­er besten Fre­unde sind Fremde. Aber diese Frem­den da sind nicht von hier!
Methusal­ix, in: Aster­ix, “Das Geschenk Cäsars”

In den NachrichtenMontagsmusik
Wobbler — Rubato Industry

SchockschwerenotDer Rauch des Jahreswech­sels ist ver­flo­gen, auch die Let­zten haben fest­gestellt, dass nie­mand außer ihnen mehr einen Knall hat. Die Reste liegen herum auf den Straßen und im Herzen. Jet­zt einen Pan­da knud­deln oder wenig­stens anguck­en, das wär’s. Wenig­stens wis­sen wir jet­zt, was wir tra­gen wer­den; ich, jeden­falls, Schwarz.

Vor­bei, vor­bei. Neu dafür: Es gibt Smart-Ringe namens “Ö”. Der Schrott, der unsere Zukun­ft ist.

Gebirge von Elek­troschrott brin­gen das Sys­tem zum Sin­gen. Am Schrott wach­sen wir. Nicht als Men­schen. Nicht als Gesellschaft. Als Kon­sumenten. Als Ein­nah­me­quelle für Konz­erne.

Wenig­stens sind wir liebenswert und keine Por­tugiesen, uns geht es gut. Schuhuh.

Wob­bler — Ruba­to Indus­try — Live at Altrock/Fading Fes­ti­val

Guten Mor­gen.

Persönliches
2014, revisited. / Murmeltiertag.

Dieser Artikel ist Teil 4 von 15 der Serie Neu­jahr

2014 war ja auch ein Jahr des Man-hätte-es-wis­sen-Kön­nens.

Man hätte wis­sen kön­nen, dass Pfründe Moral stets über­wiegen. Man hätte wis­sen kön­nen, dass Musik­er im ster­be­fähi­gen Alter sel­biges eines Tages ereilen wird. Man hätte überdies aber, still in sich hinein, wis­sen kön­nen, dass es dies­mal wieder nicht klappt und das Mal danach auch nicht und dass man eigentlich auch die Fin­ger lassen sollte von allem, was men­schelt.

Wusste man es nicht? Wollte man es nicht wis­sen?

Über­haupt, Selb­st­bes­tim­mungsrecht. Und immer diese Jahres­rück­blicke, diese elen­den Gesichter in diesen elen­den Medi­en, die elen­den Unsinn in Mikro­fone von elen­den Schwindlern rein­sprechen. Blöd für jeden, der im Dezem­ber stirbt, der kommt dann nicht mehr vor. Und die eige­nen Ziele? Ver­fehlt, weit ver­fehlt, wie auch den Abga­beter­min für den eige­nen musikalis­chen Jahres­rück­blick. Kleine Lichter ver­glim­men im Sog der Nichts. Und dann doch wieder nur: Raketen. (Schönes todo auch: häu­figer von “ver­glim­men” reden.) Vorsätze breche ich kün­ftig nur noch vor Mit­ter­nacht, dann mutieren sie nicht. Ach nein, das waren Grem­lins, oder?

Mit Unmut zum Umsturz das Ego zu Tode geduzt. Nicht reich, berühmt, fündig gewor­den. Sän­gerin müsste man sein. Früher war mehr Gewinn­spiel. Errun­gen­schaft 2014: Jeman­dem, dem man eigentlich nichts Bös­es wollte, erk­lärt zu haben, wer Helene Fis­ch­er ist. My only friend, the end. Ein Jahr des Ausverkaufs. Irgend­wo zün­det jemand ein Feuer­w­erk. Jemand lacht. Irgendw­er macht den alten Witz, man möge, haha, gut rein­rutschen. Den Gür­tel enger zu schnallen macht noch keine schmale Hüfte. Was ist, ist. Hal­lo, Sehn­sucht, du auch hier? Nimm dir einen Stuhl, mach’ es dir bequem, schau’ auf den Som­mer. Wir seufzen im Chor, während die Zeit­zone erbebt.

Alle Jahre wieder (demo­tiviert genuschelt). Jazz, zwo, drei, vier. Kein Kuss an Sil­vester.
Prosit Neu­jahr.

Montagsmusik
The National — Mr. November

Si, Flieeeeeeegen“Rönt­ge­nau­gen sehen alles / kaputt, kaputt” intonierten Slime in den frühen 1990er Jahren, und eigentlich fühlt man sich dann auch nie so sehr danach wie an einem Mon­tag wie diesem, wach bis in die Nacht, schlaf­los vor fehlen­der Freude. Ret­tung, über­haupt. Um sich herum sitzen und die Fas­sung ver­lieren. Scher­ben brin­gen Glück.

Her­rn Poes Rabe hätte seine Freude an diesem Hier und Jet­zt. Die Nachricht­en feiern “die zehn besten Tore der Fußball-WM 2014”. Rand­no­tiz: Wieder Tausende Tote. Und nun zum Wet­ter. Es ist trüb. Und man selb­st? Der Kopf schre­it Refrains. Zum Glück hat man keinen Plat­ten­ver­trag.

The Nation­al — Mr. Novem­ber — Pitch­fork Music Fes­ti­val 2009

“Guten” Mor­gen.

Nerdkrams
zANTI: Penetrationstests und mehr

Mein Beitrag über FaceNiff, ein Pass­wortschnüf­fel­w­erkzeug für Android, erfreut sich auch dreiein­halb Jahre später — ungeachtet der fehlen­den Aktiv­ität des Entwick­lers — noch einiger Beliebtheit. Natür­lich hat sich auf dem Markt der Sicher­heitswerkzeuge für Android eben­so wie in punc­to Hard­ware­spez­i­fika­tio­nen — mein Smart­phone zum Beispiel ist deut­lich leis­tungsstärk­er als mein OpenB­SD-Lap­top — seit­dem einiges getan, weshalb auch Schutz­soft­ware für Android längst ein lukra­tives Geschäft ist.

Bis vor ein­er Weile existierte mit dSploit ein Pen­e­tra­tionstest­werkzeug (“Pen­test”), das über die Fähigkeit­en von FaceNiff weit hin­aus­ging, indem es mehr bot als nur das Ausle­sen von Pass­wörtern: Es kon­nte der kom­plette Net­zw­erkverkehr mit­ge­le­sen und auf Sicher­heit­slück­en analysiert wer­den. Nach­dem dSploit als Open Source freigegeben wor­den war, passierte zunächst eine Menge und dann plöt­zlich nichts mehr: Seit dem 3. Novem­ber 2014 ist dSploit offiziell ein Teil von zAN­TI, dessen Entwick­ler­fir­ma zufäl­lig auch zIPS, eines der weni­gen wirk­samen Gegen­mit­tel für Android-Ein­drin­glinge, kom­merziell vertreibt. Zumin­d­est dürfte das ein funk­tion­ieren­des Geschäftsmod­ell sein.

Insofern kann zAN­TI — anders als FaceNiff — auch kosten­los ange­boten wer­den. Zu bieten hat es über­wiegend Funk­tio­nen, die andere als bloß destruk­tive Zwecke erfüllen. Dass auch zAN­TI natür­lich SSL-Anfra­gen eben­so wie Browser­sitzun­gen abfan­gen, entschlüs­seln und ausle­sen kann, wider­spricht dem keines­falls — Pen­e­tra­tionstests führt man üblicher­weise ja auch auf Geheiß in Fir­men­net­zen und nicht unge­fragt beim Nach­barn durch.

zANTI

Dass zAN­TI (momen­tan nur für Android ver­füg­bar, eine iOS-Ver­sion ist in der Test­phase) nicht im Play Store ange­boten wird, ist unab­hängig von der rechtlichen Sit­u­a­tion, derzu­folge in Deutsch­land sog­ar die meis­ten Lin­uxdis­tri­b­u­tio­nen ver­boten sind, ver­ständlich, immer­hin hält Google selb­st Wer­be­block­er für uner­wün­scht. Wer allerd­ings Inter­esse an Net­zw­erk­sicher­heit hat oder nur mal sehen möchte, wie naiv sich Leute in einem öffentlichen WLAN eigentlich benehmen, der kann mit zAN­TI und Router­p­wn eine Menge anstellen.

Das ist auch nur ein­er der Gründe, wieso ihr öffentlichen WLANs, wie sie die Deutsche Bahn momen­tan mit großem Presserum­mel in ihren ICEs ankündigt, grund­sät­zlich mis­strauen soll­tet.

PolitikIn den Nachrichten
Kauderwelsch: ChriGIDA

Was aus den ins­beson­dere Dres­d­ner Demon­stra­tio­nen von Leuten, die an Heili­ga­bend gern ungestört ein totes Flüchtlingskind anbeten möcht­en, eigentlich zu ler­nen ist, ist im Übri­gen dies: Ren­nt! Wir sind in höch­ster Gefahr! Nein, nicht von Rechts oder von Links oder von son­sti­gen poli­tisch Blö­den, son­dern von Reli­gio­nen!

Doch, echt:

Der Unions­frak­tion­schef Volk­er Kaud­er warnt vor ein­er weit­eren Frag­men­tierung der deutschen Poli­tik. “Es darf nicht dazu kom­men, dass in Deutsch­land eine islamis­che Partei entste­ht” (…). Alle demokratis­chen Kräfte hät­ten die Auf­gabe, poli­tisch Inter­essierte aus allen Schicht­en des Volkes zu inte­gri­eren.

Noch vor zwei Jahren wies eben dieser Volk­er Kaud­er auf die his­torischen Zusam­men­hänge von Chris­ten­tum und Deutsch­land — noch wenige Jahre vor der Grün­dung der “alten” Bun­desre­pub­lik bekan­ntlich ein einge­spieltes Team — hin:

Die Mus­lime gehörten selb­stver­ständlich zu Deutsch­land, so Kaud­er, aber: “Der Gott, der die Müt­ter und Väter des Grundge­set­zes leit­ete, war der Gott der Chris­ten und der Juden.” Mus­lime seien an der Erar­beitung des Grundge­set­zes nicht beteiligt gewe­sen. Deutsch­land sei “nach wie vor vom christlich-jüdis­chen Glauben geprägt”.

Zurück ins Jahr 2014: Volk­er Kaud­er set­zt sich offen­bar — löblich, löblich — vehe­ment dage­gen ein, dass Reli­gio­nen poli­tis­che Macht in Deutsch­land bekä­men; es sei schon beden­klich genug, dass es in Deutsch­land einen Ableger der Partei des türkischen Präsi­den­ten Recep Tayyip Erdoğan, der AKP, gebe, immer­hin sei die Bun­desre­pub­lik “wer­tan­schaulich neu­tral” (Kaud­er, 2012) und zu ihren Werten gehöre die Reli­gions­frei­heit (ebd.), die für Volk­er Kaud­ers Partei, die “Christlich-Demokratis­che Union” (CDU), selb­stre­dend ein hohes Gut ist und zum Beispiel nicht in Ein­klang mit staatlich verord­neten christlichen Gedenk­ta­gen zu brin­gen wäre (ich, jet­zt).

Volk­er Kaud­er war zulet­zt 2013 mit fol­gen­der Äußerung aufge­fall­en:

“Die Men­schen wis­sen um die Gefahr, die von Ter­ror­is­ten aus­ge­ht. Und sie wis­sen, dass Geheim­di­en­ste notwendig sind, um diese Gefahren abzuwehren. Wir brauchen die Geheim­di­en­ste auch, um unsere Sol­dat­en zu schützen, etwa in Afghanistan.” Diese Arbeit kön­nten die Dien­ste aber nur leis­ten, wenn nicht alle Welt wisse, wie sie arbeit­en. Kaud­er sprach sich deshalb für ein Ende der öffentlichen Debat­te über die Arbeit der Geheim­di­en­ste aus. (…) “Je mehr man in der Öffentlichkeit über die Arbeitsweise der Geheim­di­en­ste weiß, umso eher kön­nen sich die Gewalt­täter darauf ein­stellen.”

Wie ZEIT.de — wiederum 2014 — zu bericht­en weiß, rate Volk­er Kaud­er in der Debat­te um die Ver­bre­itung des Islams in Deutsch­land “drin­gend dazu, die Men­schen nach ihren Tat­en zu beurteilen”. Ich habe insofern ein nur wenig ungutes Gefühl damit, Her­rn Kaud­er als einen dum­men Pop­ulis­ten zu beurteilen. Ich bin ihm für diesen guten Rat sehr dankbar.

MusikIn den NachrichtenMontagsmusik
Fatal Fusion — Halls of Amenti

Kuckuck!Ken­nt ihr, allem Ver­stand zum Trotz, eigentlich Simon Unge? Simon Unge ist, das haben die Medi­en zu ver­melden, zwar kein Twit­ter­mäd­chen, aber zumin­d­est ein YouTube-Star, also jemand, der, statt einem ehrbaren Beruf nachzuge­hen oder wenig­stens Jura zu studieren, weit­ge­hend davon lebt, anderen Leuten Witze zu erzählen oder ihnen beizubrin­gen, wie man sich möglichst nut­tig schminkt, und ihm wurde wirk­lich übel mit­ge­spielt, denn seine Ver­mark­tungs­fir­ma hat ihn so behan­delt, wie man als gewin­nori­en­tiertes Unternehmen eben seine Melkkühe behan­delt. Die Folge: Ein Sturm der Entrüs­tung neb­st Kündi­gung. Ich bin ja ein biss­chen nei­disch auf Leute, deren Leben sich nach ein­er Kündi­gung nicht merk­lich ändern dürfte. Mehreren zehn­tausend Fol­low­ern gefällt das. Wären sie doch nur alle so wie Herr Unge!

Apro­pos Bohei: Udo Jür­gens ist tot, im Gegen­satz zu Robin Williams, wo’s ja dann doch ein biss­chen über­raschend kam, mit 80 Jahren. “Mit 66 Jahren, da fängt das Leben an”, so sang Udo Jür­gens 1977, insofern hat­te er ver­mut­lich trotz­dem nicht viel vom Leben. Das eigentlich Erstaunliche ist, wie viele Men­schen plöt­zlich ihre Liebe zum deutschen Chan­son ent­deck­en und sich der zumin­d­est lan­desweit­en Trauer anschließen. Ist der Tod von Men­schen, deren bloßen Namen und nur wenig mehr man ken­nt, allein durch sein Ein­treten ein beson­ders bedeut­samer?

Es gibt allerd­ings auch gute Nachricht­en: Nina Pers­son, Mag­nus Carl­son und Ebbot Lund­berg — drei Größen der schwedis­chen Pop­musik — beschäfti­gen sich momen­tan in Form ein­er Neu­ver­to­nung mit der Hin­ter­lassen­schaft der guten alten The Vel­vet Under­ground und das klingt deut­lich bess­er als man es von bloßen Cov­erver­sio­nen erwarten würde. Eben­falls weit in die musikalis­che Ver­gan­gen­heit zurück greift die nor­wegis­che Band Fatal Fusion, die außer, nun, Fusion auch Retro-Prog zu ihren bevorzugten Gen­res zählt. Das passend benan­nte Album “The Ancient Tale” war 2013 durch mein Raster gefall­en, was ein biss­chen schade ist. Nicht nur der Voll­ständigkeit wegen, auch und ger­ade, weil’s Spaß macht, wäre es rat­sam, den heuti­gen Tag mit ihnen zu begin­nen.

Halls of amen­ti Fatal Fusion

Guten Mor­gen.

NetzfundstückeIn den NachrichtenPiratenpartei
Kurz verlinkt: Hannelore Kraft / Monetarisierung des Webs

Hihi:

Weil es keine Mit­tagspause gegeben habe, sollen die Abge­ord­neten von SPD, CDU und Grüne (sic!) die Redezeit des Pirat­en-Abge­ord­neten Joachim Paul für einen Gang in die Kan­tine genutzt haben.

Aber weil der sich bewusst sehr kurz gefasst habe, sei das Red­ner­pult nach weni­gen Minuten frei für die näch­ste Red­ner­in gewe­sen – für Min­is­ter­präsi­dentin Kraft. (…) Und so habe Kraft ihren Vor­trag – völ­lig unge­wohnt – hal­ten müssen, obwohl fast nie­mand zuge­hört habe. “Etwas übertölpelt” soll sie deswe­gen gewe­sen sein, bericht­en die Pirat­en.

Ander­er­seits: Gewählt wird meist nicht der­jenige, der die pack­end­sten Reden hält. Insofern ist’s wohl auch egal.


Let­zte Woche ver­link­te ich wieder ein­mal netzwertig.com, diese Woche ertönt der Schwa­nenge­sang:

Trotz­dem haben wir uns nach langem Über­legen und schw­eren Herzens dazu entschlossen, das Kapi­tel netzwertig.com in der bish­eri­gen Form zu been­den. (…) Ver­lock­ende neue Her­aus­forderun­gen; die Schwierigkeit­en, ein Ange­bot wie netzwertig.com nach­haltig zu mon­e­tarisieren sowie die auf Dauer begren­zte Reich­weite der Fach­berichter­stat­tung über Tech­nolo­gie-The­men in deutsch­er Sprache erle­ichterten uns den Entschluss etwas.

Ich schreibe nun übri­gens seit über neun Jahren, davon über­wiegend unter dieser Domain, ohne wirk­liche Unter­brechung län­gere Texte unter eigen­er Ägide ins Inter­net hinein und habe wed­er eine nen­nenswerte Reich­weite noch eine Mon­e­tarisierung umzuset­zen geplant, trotz­dem stelle ich nicht den Betrieb ein. — Vergeldlichung von Blogs ist allerd­ings auch eine her­vor­ra­gende Geschäft­sidee. Warum ist darauf noch nie­mand gekom­men?

In den NachrichtenWirtschaft
Der Rubel rollt

Was die Medi­en bericht­en:

Rus­s­land hängt vom Öl ab, und die Regierung untern­immt nichts dage­gen. (…) Viele Men­schen spüren die aufziehende Krise. Arbeit­splätze wer­den abge­baut, die Kaufkraft der Löhne sinkt.

Was die Medi­en deshalb fordern:

Die drama­tis­chen Kursver­luste des Rubels set­zen den rus­sis­chen Präsi­den­ten Putin unter Druck. Er muss jet­zt han­deln und auf den West­en zuge­hen, um die Sank­tio­nen zu mildern, (…) auch wenn diese gar nicht der eigentliche Grund für den Kursver­fall sind. (…) Er oder ein ander­er Präsi­dent. Anson­sten wird die ökonomis­che Real­ität den stolzen rus­sis­chen Bären in sehr kurz­er Zeit in die Knie zwin­gen.

(Her­vorhe­bung von mir.)

Was die Medi­en eigentlich sagen wollen: Zwar sei die rus­sis­che Wirtschaft durch die europäis­chen Sank­tio­nen stark geschwächt, aber, nun, Putin sei schuld und müsse weg.

Was die Medi­en dabei ver­schweigen, sind der in gle­ichem Maße stark sink­ende Ölpreis …

Ölpreis 2014

…, der gle­icher­maßen fal­l­ende Kurs des brasil­ian­is­chen Reals …

Real 2014

…, der bin­nen eines Tages mit eben­falls erschreck­ender Geschwindigkeit gefal­l­ene Kurs der türkischen Lira …

Türkische Lira 2014

… sowie der Zehn­jahrestief­s­tand der Eurobonds:

Eurobonds 2014

Man kön­nte das mit der Infla­tion erk­lären, aber die Infla­tion kann’s nicht sein: Während die Weltwirtschaft sich behende abwärts schraubt, steigt die Zahl der beina­he Armen eben­so wie die der Reichen. Das kann kein Zufall sein.

Armutsschere

“Deutsch­land geht es gut” (A. Merkel in anderem Zusam­men­hang), selb­st Putin zum Trotz. “Stoppt Putin jet­zt”, forderte der “SPIEGEL” vor weni­gen Wochen, denn das Prob­lem ist nicht, dass die NATO ihn umzin­gelt und sein Volk bluten lässt, son­dern, dass er sich trotz­dem nicht zum Spiel­ball der west­lichen Mächte machen lässt. Da wird man schon mal fuch­sig als west­liche Macht.

Wirk­lich blöd, dass Rus­s­land Atom­raketen besitzt. Da kann man das Prob­lem ja gar nicht demokratisch lösen.

(über­wiegend via @pmarca)