PolitikIn den NachrichtenWirtschaftMontagsmusik
Acid Mothers Temple & The Melting Paraiso U.F.O. (live)

Hi.Es ist Mon­tag, es ist Krieg oder auch nicht: “Merkel will Oba­ma die deutsch-franzö­sis­che Friedensini­tia­tive erk­lären”, was ja beim The­ma Bürg­er­rechte schon regelmäßig scheit­ert, aber man will ja nicht das Frei­han­delsabkom­men auf’s Spiel set­zen, der Junior­part­ner der USA wahrt seinen Stand. Ander­swo schwätzt Nils Minkmar für die “FAZ” etwas über “Putin­ver­ste­her” ins Inter­net. In dieser schö­nen klaren diplo­ma­tis­chen Welt ist zumin­d­est sich­er, wer über jeden Zweifel erhaben ist. Sor­gen um Griechen­land und die Ukraine trüben den Markt, +++ EIL +++ PANIK +++, also müssen Griechen­land und die Ukraine schnell­st­möglich befriedet wer­den. Schick­en wir doch Waf­fen und/oder Sol­dat­en hin, vielle­icht haben die Kinder dort dann wieder mehr zu essen.

Ander­er­seits: Was ist schon von Medi­en zu erwarten, die einen Artikel über den rot­bäck­i­gen Bel­gi­er mit dem Mordswumms für Jour­nal­is­mus hal­ten? Der Tem­pel der Wirtschaft ist eine Fes­tung.

Dieser hier übri­gens auch:

Acid Moth­ers Tem­ple & The Melt­ing Paraiso UFO — La Maro­quiner­ie, Paris, 10-18-2013 (full show)

Guten Mor­gen.

Fotografie
“Das machen wir morgen gleich nochmal, ja, Schatz?”

In der so genan­nten deutschen “Ama­teur­pornoszene” hat, wie mir zuge­tra­gen wurde, vor eini­gen Jahren eine junge Frau unter dem Spitz­na­men “Merry4Fun” eine gewisse Bekan­ntheit erlangt.

Meine bish­eri­gen Ver­suche, diesen Spitz­na­men zu deuten, ver­sande­ten alle­samt. “Fröh­lich für Spaß”? Auf ein­er merk­würdi­gen Web­site nicht son­der­lich ser­iös­er Gestal­tung ent­deck­te ich überdies “mer­ry” als alter­na­tive Schreib­weise für “mar­ry”, also Heirat­en. “Heirat­en zum Spaß”? Das klingt doch, so schien’s mir, noch absur­der als der Ver­such der wörtlichen Über­set­zung.

Am Zeitschriften­re­gal meines Ver­trauens fügte sich indes heute alles wie von selb­st zusam­men.

Spaß am Heiraten

Manche Leute haben ulkige Hob­bys.

Spaß mit Spam
Richtig profitwittern mit #TwitterAds

Da schau’ her, eine E‑Mail, hochof­fiz­iös von Twit­ter them­selves. So etwas sieht man nicht alle Tage. Das sind sich­er sehr, sehr wichtige …

TwitterAds Plaintext

Ähm, hm, naja, dann ist vielle­icht die Browserver­sion weniger bescheuert.

Was wollen sie denn von mir? Ach so, natür­lich — was verkaufen:

Twitter Ads sind jetzt in Deutschland verfügbar

Hur­ra!

Aber was bringt mir das?

Mit Twit­ter Ads hast Du fol­gende Möglichkeit­en:

  • Die Zahl der Fol­low­er, Leads, Inter­ak­tio­nen oder Web­site-Klicks zu erhöhen

Pri­ma: Nie wieder was Gutes selb­st schreiben, ein­fach was abon­nieren und schon hat man sehr viele pas­sive, qua­si automa­tisierte Leser. Wie ein­ladend!

Deine Mit­teilun­gen ziel­ge­nau abzus­tim­men

Hä?

Größere Ziel­grup­pen zu erre­ichen

Pri­ma: Nie wieder … ihr wisst schon.

Klingt span­nend? Um Dich beim Start zu unter­stützen, laden wir Dich zu unserem Launch-Webi­nar “Ein­führung in Twit­ter Ads” ein.

Das ist aber nett! Vielle­icht lerne ich dort, worum es eigentlich geht. Näm­lich um dies:

In diesem Webi­nar wer­den wir erk­lären, wie Twit­ter Ads funk­tion­ieren und wer­den auf fol­gende Punk­te einge­hen:

  • Wer­be­for­mate auf Twit­ter
  • Tar­get­ing-Optio­nen
  • Erfolg messen

Denn wer ern­sthaft dachte, so ein Mikroblogsys­tem wie Twit­ter diene dem Zweck, anderen Leuten nicht auf den Zeiger zu gehen, son­dern Dinge aus dem Leben hineinzu­pusten, der lag so was von daneben. Wie kon­nte ich so blöd sein und ganz ohne Wer­beein­nah­men in jew­eils höch­stens 140 Zeichen über Poli­tik und blöde Witze zu quatschen? Eine schi­er unverzeih­liche Dummheit.

Allerd­ings von denen.

Montagsmusik
Bent Knee — Way Too Long

Superb OwlUnd wieder ein­mal ein Mon­tag, ein viel zu wach­er oben­drein. Das Schnee­treiben ging mit dem Jan­u­ar vorüber, geblieben ist ein wenig Schlaf im Auge, und noch während man das schreibt, bemerkt man, wie sehr “Schlaf im Auge” eigentlich nach “da ste­ht noch Trinken auf dem Schrank” klingt, und find­et das plöt­zlich gar nicht mehr so tre­f­fend. Und nun?

Ein neuer Mon­tag. Ein neuer Ohrwurm.

Wheeeee.

BENT KNEE “WAY TOO LONG” #BASEMENTSESSIONS

Guten Mor­gen.

NetzfundstückeWirtschaft
Medienkritik extern: Linkspopulismus auf Griechisch

Dass ich noch mal uniro­nisch die “taz” ver­linken würde, hätte ich mir selb­st bis eben nicht geglaubt, aber was ihr Autor Robert Misik zum Umgang der deutschen Medi­en mit der neuen griechis­chen Regierung zu sagen hat, ist’s dann doch mal wert:

Wom­öglich ist ja die Eige­nart und das Prob­lem der zeit­genös­sis­chen Linken, dass sie die Men­tal­ität von Besiegten hat. (…) Lustig finde ich ja, dass Syriza-Chef Alex­is Tsipras mit dem Label “linkspop­ulis­tisch” belegt wird, weil er nicht den Habi­tus fad­er tech­nokratis­ch­er Ver­nun­ft ausstrahlt, der in den kon­ti­nen­tal­en linkslib­eralen Regierungsm­i­lieus vorherrschend gewor­den ist. Als wäre das ein Defiz­it!

Beziehungsweise halt:

Die Kred­itverträge mit der EU und dem IWF für nichtig erk­lären, den Beamte­nap­pa­rat wieder auf­blähen, fröh­lich­es Leben auf Pump, alles wieder wie früher, das ist Tspipras‘ Botschaft.

Beziehungsweise (aber­mals “taz”):

Man muss ja nicht gle­ich von Mei­n­ungs­mache oder gar Lügen­presse reden, aber ganz offen­sichtlich gibt es hier einen Kon­for­mitäts­druck, einen Mag­net­ismus hin zu einem Main­stream, der Plu­ral­is­mus grosso modo nur mehr im engen Rah­men des vom hege­mo­ni­alen Merkel-Aus­ter­ität­skurs Erlaubten zulässt.

Man selb­st hat eben immer am recht­esten.

In den NachrichtenNerdkrams
Einfalt und Vielfalt (2): Das Phantom / der Opera

Gele­gentlich beklagte ich bere­its hier und ander­swo die fehlende Diver­sität auf dem hart umkämpften Browser­markt. Während sich Fire­fox, Chromium/Chrome und Inter­net Explor­er optisch und funk­tion­al — was bedeutet, dass Fire­fox immer weniger kann — einan­der immer weit­er angle­ichen, stechen nur noch wenige Son­der­linge wie Sea­Mon­key und uzbl aus der Masse optisch wie tech­nisch her­aus; wobei das ja auch schon wieder nicht stimmt, denn uzbl basiert wie viele andere Brows­er auf der WebKit-Ren­der­ing-Engine. Der immer gle­iche Wein in immer neuen Gläsern. Irgend­wann schmeckt’s fad.

Den let­zten einiger­maßen bekan­nten anderen Brows­er Opera hat eben­falls WebKit dahinger­afft, siehe zum Beispiel hier und hier und hier und hier und hier. Zu aufwändig sei es gewe­sen, mit den Entwick­lun­gen Schritt zu hal­ten, und für ein Nis­chen­pro­dukt sei man nicht mehr bere­it, verkün­dete man aus dem Hause Opera Soft­ware. Die Masse macht’s.

Mit dem bedrück­enden Ergeb­nis, dass die Bewohn­er der Nis­che, die Opera bis ein­schließlich der Ver­sion 12 beset­zte, gegen ihren neuen Glück­lich­mach­er revoltieren und plöt­zlich von so großer Zahl sind, dass es für immer neue Brows­er reicht. Das schäbige Geschäftsmod­ell “Wir bauen, weil wir so unfass­bar kreativ sind, Opera 12 auf Chromi­um-Basis nach” wirft rege Triebe.

Der Otter Brows­er, ein freier Opera-12-Nach­bau, der irgend­wann auch E‑Mail und andere Browserengines als WebKit unter­stützen kön­nen soll, hat­te dabei gute Chan­cen, trotz der Konkur­renz durch Fifth (u.a.) dauer­haft zu beste­hen. Immer­hin steck­te der Entwick­ler viele Ressourcen in die stetige Weit­er­en­twick­lung.

Bis Dien­stag, denn Dien­stag geschah dies:

Vival­di Tech­nolo­gies AS hat ger­ade den Brows­er Vival­di her­aus­ge­bracht.

Vival­di Tech­nolo­gies wurde von Jón von Tet­zch­n­er gegrün­det, nach­dem er Opera ASA Nor­we­gen ver­ließ. (…) Jón von Tet­zch­n­er hat­te angekündigt einen eige­nen Brows­er her­auszubrin­gen, der ein voll­w­er­tiger Ersatz für den von Opera ASA ver­nach­läs­sigten und vor über einem Jahr in der Entwick­lung aufgegebe­nen Brows­er Opera 12 sein sollte.

Bei Vival­di Tech­nolo­gies han­delt es sich — wie bei Opera Soft­ware ASA — bere­its jet­zt um ein gewin­nori­en­tiertes Unternehmen mit eini­gen wohl bezahlten Mitar­beit­ern, der Brows­er ist zumin­d­est nicht — wie Otter — ein Hob­bypro­jekt von Bastlern, son­dern soll ver­mut­lich früher oder später auch kom­merziell ver­mark­tet wer­den.

Die erste öffentliche Vor­ab­ver­sion zeigt neben dem gewohn­ten Trend zur Ver­flachung bere­its einige Funk­tio­nen, die man am alten Opera, wie es heißt, dur­chaus zu schätzen wusste, darunter die mehrteilige Seit­en­leiste (“Pan­el”, lei­der nicht mehr so schön wie damals als “Paneele” über­set­zt). Es lasse sich täuschen, wer will: Auch Vival­di basiert auf Blink, der Opera-/Chrome-Ver­sion von WebKit. Ein weit­eres Glas für die abge­s­tandene Flasche. Natür­lich wird’s trotz­dem gefeiert, denn, hui, ein neuer WebKit-Brows­er, der aussieht wie ein alter Nicht-WebKit-Brows­er, das gibt es nicht so oft. Auch diese Inkar­na­tion der Opera-Idee kommt ohne sin­nvollen Wer­be­filter oder Leseze­ichen­leiste daher, aber der Trend geht zur Verk­nap­pung von Grund­funk­tio­nen. (Dass man unter Android meist nicht mal mehr eine Option zum Abschal­ten von JavaScript auf Web­sites find­et, spiegelt diesen erschreck­enden Trend sehr ein­drucksvoll wider. — Allerd­ings ist Vival­di momen­tan noch sehr desk­top­fokussiert.)

Ich habe Opern ja noch nie gemocht.

PersönlichesNetzfundstückeIn den Nachrichten
Facebook / YouTube / Blogs

Was wir auch noch gel­ernt haben: Britis­che Bre­it­band­nutzer haben ihr Netz lieber unge­filtert. Doch, echt! Die kön­nen sich das allerd­ings auch aus­suchen und bleiben nicht wie diejeni­gen Deutschen, die die Nutzung von Prox­ys aus ver­schiede­nen Grün­den nicht bevorzu­gen, automa­tisch außen vor, weil zum Beispiel die GEMA Medi­en weg­fil­tert. Dass die eigentliche Absur­dität daran ist, dass aus­gerech­net die Deutschen die Feier zur Befreiung Auschwitzs nicht am heimis­chen Bild­schirm mitver­fol­gen dür­fen, ziehe ich im Übri­gen in Zweifel; immer­hin verzichtete man sog­ar darauf, die Befreier selb­st einzu­laden.

Apro­pos YouTube: “Schö­nen Account haben Sie da. Wäre doch schade, wenn dem was passiert.” Damit geht YouTube vielle­icht noch nicht so weit wie SPIEGEL ONLINE, die Urhe­bern deren eigene Werke teuer ver­mi­eten wür­den, aber wer weiß, welch’ absurde Blüten Googles Drang nach Mon­e­tarisierung noch treiben wird.

Während die Deutschen doch sowieso schon genug Prob­leme haben: Gestern Vor­mit­tag war Face­book vorüberge­hend nicht erre­ich­bar.

murica

Viele sind vielle­icht auf schnel­llebige Chats umgestiegen. Twit­ter führt nun Grup­pen­chats ein. 140 Zeichen für nichts zu sagen. Ges­tam­mel, das nicht von Dauer ist und sich von schreck­lichen “Vlogs” (“Video-Weblogs”) wie — hihi — Sig­nifi-Cunt (min­destens eine der bei­den Pro­tagonösen war hier gele­gentlich The­ma) nur in der Art der Dar­re­ichung und Nervigkeit unter­schei­det. Wer wirk­lich etwas zu sagen hat, der schreibe ins Inter­net hinein. Ein gutes Blog beste­ht auch, wenn es nie­mand liest. Schreiben als Spiegel zur Seele. Schreiben als ver­tieftes Selb­st­ge­spräch, nicht begleit­et von Gefällt­mirs und Retweets, im Dia­log mit sich selb­st. Schreiben als Gespräch­s­ther­a­pie zum Tief­st­preis. Nur wo? Auf Face­book lieber nicht, da ver­schwindet es im Glückskeksstrudel. Medium.com war noch 2014 eine beliebte Alter­na­tive. Pustekuchen: Eure Texte gehören dann denen. Dem Mit­men­schen Essens­blog­ger — schönes Zitat auch: nur weil irgend­wo Wer­bung möglich ist, gibt es keinen Grund, sie dort auch unbe­d­ingt zu platzieren — mag’s egal sein, er schreibt ja aus Freude am Genuss und hat son­st keine anderen Hob­bys, aber intim­ste Gedanken, not­dürftig einge­hüllt in wat­tige Wort­wolken zum Schutz des Ichs, gehören nicht in die Hände bös­er Schoko­lade­nonkel und damit eigentlich auch nicht ins Inter­net, aber es fil­tert, es reinigt, es befre­it. Raus mit dem Gedankenkraut, her mit neuem, immer neuem.

Solang’s nur die Miete im Ober­stübchen bezahlt.

In den NachrichtenMontagsmusik
Madonna — Vogue

Eule geht ja schonMöglicher­weise will Google Twit­ter kaufen. Das eigene Netz Google+ entwick­elt sich ja nur schlep­pend, und nach all den Google Waves und Google Buz­zs wäre ein Pro­dukt, das auch mal irgendw­er haben möchte, möglicher­weise wieder ein inter­es­san­ter Teil des Port­fo­lios, denn Twit­ter, das seit sein­er Grün­dung kein brauch­bares Geschäftsmod­ell außer “wir machen unseren Dienst immer wer­be­lastiger” auf die Beine gestellt hat, ist für den weltweit größten Wer­bungsan­bi­eter nur ein kon­se­quenter Kauf. Ins Inter­net hineinzuschreiben ist eine Pas­sion. Je unat­trak­tiv­er fremde Plat­tfor­men wer­den, desto wichtiger wird das eigene dig­i­tale Heim. Daran sind schon andere Dien­ste grandios gescheit­ert.

Apro­pos Google: Wik­iLeaks find­et, Google gibt zu viele Dat­en weit­er. Was eigentlich amüsant ist, schließlich ist das Prob­lem, das manche Men­schen mit Wik­iLeaks haben, ja, dass man dort zu viele Dat­en weit­ergibt. — Warum man sich auf Google Mail ver­lässt, ist im Jahr 2 nach Snow­den dann sowieso noch so eine Frage. Ander­er­seits ist er halt im Trend, der Google-Fir­lefanz.

En vogue.

Madon­na — Vogue (Offi­cial Video)

Guten Mor­gen.

In den NachrichtenPolitik
Friedensterroristen

Im Feb­ru­ar 2013 schrieb ich über die schlim­men “Grü­nen”:

Die ehe­ma­lige Friedenspartei find­et Kampfein­sätze unter bes­timmten Bedin­gun­gen also ziem­lich in Ord­nung, wenn sie nur nicht allzu lange dauern oder wenig­stens vom Gewalt­mo­nop­o­lis­ten UNO ange­ord­net wer­den. Dessen Befehls­ge­walt ist selb­stver­ständlich bindend.

Weshalb sich auch auf den “Friedenswinter”-Demonstrationen zugun­sten eines unmil­itärischen Miteinan­ders mit Rus­s­land allen­falls vere­inzelte Grüne mit Flagge sehen lassen, die wohl das Memo nicht gele­sen haben. Wer Frieden will, ist verdächtig; beziehungsweise:

Die nach­haltige Dif­famierung der neuen Friedens­be­we­gung ist gelun­gen. Das ist ein großer Sieg jen­er Kräfte, die mil­itärische Inter­ven­tio­nen und die soge­nan­nte mil­itärische Lösung von Kon­flik­ten hof­fähig machen wollen.

(Unbe­d­ingt dort weit­er­lesen und Spuck­tüten bere­i­thal­ten.)

Was haben wir nur falsch gemacht?


Mal­büch­er für E‑Book-Read­er. Das neue große Ding.

Apro­pos: Wo bleibt eigentlich die Rev­o­lu­tion?

MontagsmusikPolitikIn den Nachrichten
King Crimson — The Great Deceiver

watMon­tag. Die Welt ist defekt. Gar­niert mit ein wenig Panik lässt sich manch­er Irrsinn durch­set­zen:

Die Polizei­di­rek­tion Dres­den hat für Mon­tag alle öffentlichen Ver­samm­lun­gen unter freiem Him­mel ver­boten. (…) Andere Maß­nah­men als ein Ver­samm­lungsver­bot seien ungeeignet, um die Sicher­heit in Dres­den am Mon­tag zu gewährleis­ten.

Mit Ver­boten lassen sich gesellschaftliche Prob­leme bekan­ntlich effizient lösen; würde jemand Stehlen und Mor­den ver­bi­eten, so wäre dieses Land von manchem Übel befre­it. — Der let­zte Staat, der im Raum Dres­den ein Demon­stra­tionsver­bot erlassen hat­te, existiert übri­gens nicht mehr. Kön­nte man da nicht vielle­icht …?

Mit Musik klappt es manch­mal bess­er.

King Crim­son — The Great Deceiv­er — 1974 Live

Guten Mor­gen.

KaufbefehleMusikkritik
Utopianisti — Utopianisti II / Utopianisti meets Black Motor & Jon Ballantyne

Utopianisti IIWährend ich eigentlich einige Zeilen für die über­fäl­lige 2014er Rückschau (ja, die kommt noch) schrieb, fiel mir dieses Album in die Hände, von dem ich dachte, es eigne sich als spätes Album des Jahres 2014 — lei­der erschien es bere­its im Novem­ber 2013. Das ist ein biss­chen schade.

Nicht aus Ital­ien, wie es der Name vielle­icht ver­muten lässt, son­dern aus Finn­land kom­men die Musik­er von Utopi­anisti. Kom­men? Nein, vielmehr han­delt es sich um ein Solo­pro­jekt eines gewis­sen Her­rn Markus Pajakkala. “Solo” ist allerd­ings auch nicht so ganz richtig, sind doch auf dem vor­liegen­den Album ins­ge­samt 27 weit­ere Musik­er an Sax­o­pho­nen, Posaunen, Gitar­ren und der­gle­ichen zu hören.

Bei dem vor­liegen­den Album han­delt es sich um ein Dop­pelal­bum, das wohl aus zwei einzel­nen Alben namens “Utopi­anisti II” und “Utopi­anisti meets Black Motor & Jon Bal­lan­tyne” beste­ht. Acht der dreizehn Stücke gehören somit zum zweit­en reg­ulären Album von Utopi­anisti, vier weit­ere ent­standen in Zusam­me­nar­beit mit Jon Bal­lan­tyne, einem kanadis­chen Pianis­ten und Kom­pon­is­ten, und dem finnis­chen Free-Jazz-Trio Black Motor, deren Kon­tra­bassist Ville Rauha­la auch in zwei Stück­en von “Utopi­anisti II” aushil­ft.

Wie das klingt? Ins­beson­dere sehr instru­men­tal, lediglich drei Stücke (“The Vul­tures were hun­gry”, dessen Text aus nicht viel mehr als diesem Satz beste­ht, “Spank­ing Time”, das mit seinen Rock­rem­i­neszen­zen und dem gesproch­enen Text nicht nur vom Titel her an Cap­tain Beef­heart erin­nert, und “Tan­go Suc­cubus pt. 2”, das tat­säch­lich einen Tan­gorhyth­mus hat, für das Ver­ständ­nis dessen Kon­texts jedoch mein Finnisch zu schlecht ist) bein­hal­ten Gesang, der allerd­ings auch eher als gestal­tendes Ele­ment dient. Gestal­tet, apro­pos, wird hier reich­lich: Big-Band-Jazz, Opern­haftes, Retro-Prog, Jaz­zrock, Zap­paeskes. Vor allem eben: Jazz. Viel, viel Jazz, gewürzt mit avant­gardis­tis­chen Beiga­ben, dass man vor Begeis­terung gar nicht so richtig zur Ruhe kommt. Jazz ist Fahrstuhlmusik? In so einem Fahrstuhl würd’ ich gern kurz steck­en bleiben — oder doch bess­er nicht, denn das Haus, zu dem der Fahrstuhl gehört, mag ver­mut­lich ein auch son­st sehr wohn­lich­es sein, in dem man ungern irgendwelche Vorgänge ver­passen möchte.

Der Teil des Albums, in dem Black Motor und Jon Bal­lan­tyne mit­spie­len, begin­nt mit “The Sun­days of love and peace” dem Titel entsprechend beina­he brav, Freifor­m­jazz mit Sax­ophon- und Klavier­dom­i­nanz erklingt. Auch die fol­gende “Mechanoid make­out music” wird aber ihrem Titel gerecht: Ein elek­tro­n­is­ch­er Rhyth­mus und mancher­lei Gefiepse wer­den von Schlagzeug und ger­adezu nervösem Sax­ophon (Sami Sip­po­la ist ein Name, den man sich vielle­icht merken sollte) überdeckt. Bei “Utopi­anisti meets Black Motor & Jon Bal­lan­tyne” tritt der avant­gardis­tis­che Aspekt in der Musik von Utopi­anisti ins­ge­samt etwas zurück und weicht einem nichts­destotrotz alles andere als gemäßi­gen Freifor­m­jazz.

Wer mit­gezählt hat: The­ma­tisiert wur­den bish­er nur acht und vier, also zwölf, von dreizehn Stück­en. Das dreizehnte, “U.L.J.C. (The Unnec­es­sary Left­over Jam Com­pi­la­tion)”, ist Teil keines der bei­den Teilal­ben, son­dern beste­ht aus neunein­halb Minuten Impro­vi­sa­tio­nen und — nun — übrig gebliebe­nen Jams. Ein opu­lentes Ende zu einem gelun­genen Album.

Der Hör- und Kauf­be­fehl wird hier­mit erteilt.

PersönlichesMusik
Kein Fragment.

(… und dann, manch­mal, unter­bricht man sein Schweben und wagt einen vor­sichti­gen Blick zurück, um sogle­ich gle­ich­sam zu erstar­ren; gewis­ser­maßen und zuvörder­st erstar­ren vor sich selb­st, hat man doch endlich mal gelebt, aber halt zu spät und/oder zu früh und über­haupt mit größt­möglichem Aber; schee woar’s und dreck­ig, weil man nicht allein hätte sein wollen und sich statt mit Liebe mit Vorträ­gen befasst, aber wenn man auf der Flucht vor sich selb­st in die verkehrte Rich­tung läuft, ist das eben schlecht für’s Kar­ma. Sehn­suchts­fehler sind keine besseren. You know I was­n’t crazy [Cheer-Acci­dent], aber das ändert sich ja schnell heutzu­tage. Ren­nen, ren­nen, so lange die Rich­tung stimmt. Nicht nicht ver­lieren zu wollen ist keine Dopplung, son­dern hal­biert. Warum man nicht endlich wieder “ein Frag­ment” schreibe, wird man dann gefragt, denn man sei so unan­genehm unde­prim­iert. Aber das ist man gar nicht. Man weiß es nur nicht mehr.)

NetzfundstückeIn den Nachrichten
Dreimal zitiert: Kinderterror, Satireterror, Ausweisterror

Kurze Durch­sage von der Judika­tive:

Ob ein Kind ein Schaden sein kann, wird schon seit langem disku­tiert. (…) Die bloße Straflosigkeit habe zur Folge, dass (…) ein Kind keines­falls ein “Schaden” sein kann (…).

Wohl dem, der den öffentlichen Per­so­nen­nahverkehr zu mei­den imstande ist.


Was darf Satire? Naja:

Der Iran kri­tisierte das Titel­bild der neuen Char­lie Heb­do. “Das ist eine pro­voka­tive Geste und für Mus­lime ver­let­zend”, sagte Auße­namtssprecherin Mar­sieh Afcham. Sie sprach von einem Miss­brauch der Presse­frei­heit, der für Mus­lime inakzept­abel sei. (…) Diese “ungerecht­fer­tigte Pro­voka­tion von 1,5 Mil­liar­den Mus­li­men weltweit” werde eine neue Welle des Has­s­es aus­lösen, schrieb die wichtige religiöse Ein­rich­tung Dar al-Ifta in Kairo.

(Her­vorhe­bun­gen von mir.)

:irre:


Ihr habt gefährliche Islamis­ten im Land? Dann lasst sie doch ein­fach nicht mehr raus! Nun, da jed­er aktuelle Per­son­alausweis zwecks Ter­rorab­wehr voller bio­metrisch­er Dat­en steckt, ist es natür­lich eine her­vor­ra­gende Idee, ihn denen, zu deren Abwehr die Maß­nah­men dienen, wieder wegzunehmen. Dann kön­nen sie wenig­stens keinen Alko­hol kaufen.