In den NachrichtenNerdkrams
Ein­falt und Viel­falt (2): Das Phan­tom / der Ope­ra

Gele­gent­lich beklag­te ich bereits hier und anders­wo die feh­len­de Diver­si­tät auf dem hart umkämpf­ten Brow­ser­markt. Wäh­rend sich Fire­fox, Chromium/Chrome und Inter­net Explo­rer optisch und funk­tio­nal – was bedeu­tet, dass Fire­fox immer weni­ger kann – ein­an­der immer wei­ter anglei­chen, ste­chen nur noch weni­ge Son­der­lin­ge wie Sea­M­on­key und uzbl aus der Mas­se optisch wie tech­nisch her­aus; wobei das ja auch schon wie­der nicht stimmt, denn uzbl basiert wie vie­le ande­re Brow­ser auf der Web­Kit-Ren­de­ring-Engi­ne. Der immer glei­che Wein in immer neu­en Glä­sern. Irgend­wann schmeckt’s fad.

Den letz­ten eini­ger­ma­ßen bekann­ten ande­ren Brow­ser Ope­ra hat eben­falls Web­Kit dahin­ge­rafft, sie­he zum Bei­spiel hier und hier und hier und hier und hier. Zu auf­wän­dig sei es gewe­sen, mit den Ent­wick­lun­gen Schritt zu hal­ten, und für ein Nischen­pro­dukt sei man nicht mehr bereit, ver­kün­de­te man aus dem Hau­se Ope­ra Soft­ware. Die Mas­se macht’s.

Mit dem bedrücken­den Ergeb­nis, dass die Bewoh­ner der Nische, die Ope­ra bis ein­schließ­lich der Ver­si­on 12 besetz­te, gegen ihren neu­en Glück­lich­ma­cher revol­tie­ren und plötz­lich von so gro­ßer Zahl sind, dass es für immer neue Brow­ser reicht. Das schä­bi­ge Geschäfts­mo­dell „Wir bau­en, weil wir so unfass­bar krea­tiv sind, Ope­ra 12 auf Chro­mi­um-Basis nach“ wirft rege Trie­be.

Der Otter Brow­ser, ein frei­er Ope­ra-12-Nach­bau, der irgend­wann auch E‑Mail und ande­re Brow­ser­en­gi­nes als Web­Kit unter­stüt­zen kön­nen soll, hat­te dabei gute Chan­cen, trotz der Kon­kur­renz durch Fifth (u.a.) dau­er­haft zu bestehen. Immer­hin steck­te der Ent­wick­ler vie­le Res­sour­cen in die ste­ti­ge Wei­ter­ent­wick­lung.

Bis Diens­tag, denn Diens­tag geschah dies:

Vival­di Tech­no­lo­gies AS hat gera­de den Brow­ser Vival­di her­aus­ge­bracht.

Vival­di Tech­no­lo­gies wur­de von Jón von Tetzch­ner gegrün­det, nach­dem er Ope­ra ASA Nor­we­gen ver­ließ. (…) Jón von Tetzch­ner hat­te ange­kün­digt einen eige­nen Brow­ser her­aus­zu­brin­gen, der ein voll­wer­ti­ger Ersatz für den von Ope­ra ASA ver­nach­läs­sig­ten und vor über einem Jahr in der Ent­wick­lung auf­ge­ge­be­nen Brow­ser Ope­ra 12 sein soll­te.

Bei Vival­di Tech­no­lo­gies han­delt es sich – wie bei Ope­ra Soft­ware ASA – bereits jetzt um ein gewinn­ori­en­tier­tes Unter­neh­men mit eini­gen wohl bezahl­ten Mit­ar­bei­tern, der Brow­ser ist zumin­dest nicht – wie Otter – ein Hob­by­pro­jekt von Bast­lern, son­dern soll ver­mut­lich frü­her oder spä­ter auch kom­mer­zi­ell ver­mark­tet wer­den.

Die erste öffent­li­che Vor­ab­ver­si­on zeigt neben dem gewohn­ten Trend zur Ver­fla­chung bereits eini­ge Funk­tio­nen, die man am alten Ope­ra, wie es heißt, durch­aus zu schät­zen wuss­te, dar­un­ter die mehr­tei­li­ge Sei­ten­lei­ste („Panel“, lei­der nicht mehr so schön wie damals als „Panee­le“ über­setzt). Es las­se sich täu­schen, wer will: Auch Vival­di basiert auf Blink, der Ope­ra-/Chro­me-Ver­si­on von Web­Kit. Ein wei­te­res Glas für die abge­stan­de­ne Fla­sche. Natür­lich wird’s trotz­dem gefei­ert, denn, hui, ein neu­er Web­Kit-Brow­ser, der aus­sieht wie ein alter Nicht-Web­Kit-Brow­ser, das gibt es nicht so oft. Auch die­se Inkar­na­ti­on der Ope­ra-Idee kommt ohne sinn­vol­len Wer­be­fil­ter oder Lese­zei­chen­lei­ste daher, aber der Trend geht zur Ver­knap­pung von Grund­funk­tio­nen. (Dass man unter Android meist nicht mal mehr eine Opti­on zum Abschal­ten von Java­Script auf Web­sites fin­det, spie­gelt die­sen erschrecken­den Trend sehr ein­drucks­voll wider. – Aller­dings ist Vival­di momen­tan noch sehr desk­top­fo­kus­siert.)

Ich habe Opern ja noch nie gemocht.

Senfecke:

  1. Es las­se sich täu­schen, wer will: Auch Vival­di basiert auf Web­Kit.

    Vival­di basiert auf Blink.

    Auch die­se Inkar­na­ti­on der Ope­ra-Idee kommt ohne sinn­vol­len Wer­be­fil­ter oder Lese­zei­chen­lei­ste daher, aber der Trend geht zur Ver­knap­pung von Grund­funk­tio­nen.

    Adblocker las­sen sich aber bereits, wenn auch über Umwe­ge, nut­zen (www.knetfeder.de/linux/index.php?id=192#c003777). Wenn ich das Ziel von Vival­di rich­tig inter­pre­tiert habe, geht bei dem Brow­ser eben nicht der Trend Rich­tung Ver­knap­pung von Grund­funk­tio­nen son­dern genau in die ande­re Rich­tung. Es sol­len ja so vie­le Funk­tio­nen wie mög­lich von Haus aus ent­hal­ten sein (We want to build a powerful, fea­ture packed brow­ser to mini­mi­ze your need for ext­en­ti­ons. They can impact brow­ser per­for­mance and increa­se secu­ri­ty risks. Quel­le: https://vivaldi.com/#Coming). Das Tech­ni­cal-Pre­view-Ver­sio­nen nicht den vol­len Funk­ti­ons­um­fang bie­ten ist eigent­lich auch nicht neu­es. Vival­di Tech­no­lo­gies kom­mu­ni­ziert das ja auch auf deren Inter­net­auf­tritt (https://vivaldi.com/#Expectations).

    • Abwar­ten. Auch Fire­fox war mal „fea­ture-packed“. Es ist nicht beson­ders unwahr­schein­lich, dass wir Pro­fis auch in Vival­di vie­le Din­ge ver­mis­sen wer­den.

      Das mit Blink wird kor­ri­giert.

  2. Adblocker las­sen sich, dank Chro­mi­um unter der Hau­be, äußerst ein­fach instal­lie­ren, indem ein­fach z.B. https://getadblock.com/ auf­ge­ru­fen wird und fer­tig.
    Ich fin­de der Ansatz auf so Merk­ma­le wie Short­cuts (kon­fi­gu­rier­ba­re!) oder das Quick­Com­mand Fen­ster (mit­tels F2) Wert zu legen ganz gut. Wei­ter­hin kom­men Maus­ge­sten out-of-the-Box mit, was ich auch ganz nett fin­de. Im Fire­fox sind für sol­che Sachen Plug­ins erfor­der­lich.

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