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Rudelbums für Anfänger: “Cosmopolitan”, ein Magazin für Unentschlossene

Hui, eine neue “Cos­mopoli­tan” (“Endlich wieder Mon­tag­mor­gen”, ebd.) mit Gwen Ste­fani vorne­drauf, und dann gle­ich so ein toller Auf­mach­er:

Cosmopolitan März 2015

Neue Flirt-Tipps für mehr Spaß und bessere Typen
(Wir haben sie, wis­senschaftlich erwiesen!)

Nun ja, selb­st Gen­der­forsch­er und Medi­engestal­ter dür­fen sich heutzu­tage “Wis­senschaftler” nen­nen, wenn sie an der richti­gen (bzw. eben grund­falschen) Hochschule “studiert” haben; aber wer wäre bess­er geeignet als ein Frauen­magazin (vgl. “JOY” et al.)? Eben; und bei der “Cos­mopoli­tan” hat man wohl ohne­hin in let­zter Zeit Son­der­schu­lun­gen in erfol­gre­ich­er Schnack­se­lan­bah­nung absolviert, denn direkt vor den “neuen Flirt-Tipps” wird ein “neues Orga-Tool für Polyamore” ange­priesen, eine Art app zur Ter­min­pla­nung, damit man nicht verse­hentlich die Part­ner ver­wech­selt.

In dieser Hin­sicht erkenne ich zumin­d­est ein Muster; im sel­ben Heft gibt die Drehbuchau­torin (“Drehbuch-Queen”) Ani­ka Deck­er im Gespräch mit der “Cosmopolitan”-Autorin Julia Rotherbl bekan­nt, sie bedau­re es, dass es ihr anders als in ihrem neuen, nur neben­säch­lich erwäh­n­ten Film bis­lang nicht gelun­gen sei, Liebeskum­mer durch Sex mit möglichst vie­len Män­nern nacheinan­der zu ver­drän­gen. Und ich war bis­lang der Überzeu­gung, das Gewese um die “große Liebe” in Mäd­chen­zeitschriften sei schon nur noch schw­er­lich an Pein­lichkeit zu über­bi­eten. — Ander­er­seits erk­lärt Moritz Pon­tani im wiederum gle­ichen Heft, Män­ner säßen nicht allein zwecks Sper­mien­belüf­tung gern bre­it­beinig herum:

Unsere geöffneten Beine, vor allem die Ober­schenkel, fungieren hier als Fluchtlin­ien oder Lot­sen. Sie weisen euch den Weg zum zen­tralen Flucht­punkt, unseren Hosen­mit­telpunkt. Er schre­it euch förm­lich weit geöffnet zu: “Hier liegt ein Pracht­stück, Baby! Greif zu!”

Ach so.

Damit wäre die Ziel­gruppe der “Cos­mopoli­tan” ziem­lich klar definiert: Flittchen zwar, aber doch zumin­d­est solche, die auch mal neue Filme anse­hen und wahrschein­lich just in diesem Moment ihren Part­ner (oder jeden von ihnen) aus­führlich über die Geschehnisse in dem kür­zlich ver­filmten Weich­spül-Fick­ro­man “50 Shades of Grey” in Ken­nt­nis set­zen; Frauen von Welt also, blöder­weise von ein­er anderen.

Wie ein Mann sich anlässlich eines Ren­dezvous’ zu ver­hal­ten habe, erk­lärt die Web­site der “Cos­mopoli­tan” — was aber müsse man als eine solche Frau tun, um mehr Spaß und “bessere” Typen — bess­er als wer oder was? — beim Flirten zu erzie­len? Nun, fol­gende neue Tipps befol­gen:

Regel 1: Das Beuteschema erweit­ern

Bessere Typen lassen sich find­en, indem man weniger wäh­lerisch ist; mach’ Sachen. Ein solch­er Traum­mann aus dem erweit­erten Beuteschema sei, so die immer gle­iche Julia Rotherbl, c/o “Cos­mopoli­tan”, ein­er, der “irgend­wann vielle­icht sog­ar bere­it dazu [sei], den Nach­wuchs zu hüten, während Mama ins Büro geht” — ein­er ohne eigene Kar­riere also, auf den “starke Sin­gle-Ladys” (ebd.) ein wenig mitlei­dig hin­ab­blick­en kön­nen. Emanzi­pa­tion am Arsch, aber der Siegeszug der soft­ies (also Weich­bir­nen) ist nicht aufzuhal­ten. “77% der Frauen sagen: Meist entschei­de ich, ob aus einem Date mehr wird”, die anderen 23 Prozent wer­den bes­timmt von denen bevor­mundet, die Fluchtlin­ien auf ihre Hosen zeich­nen.

So einen soft­ie jeden­falls hat wohl jede Frau aus dem “Cosmopolitan”-Publikum sowieso im Fre­un­deskreis, daher:

Regel 2: Den eige­nen Fre­un­deskreis scan­nen

Dass das in Kom­bi­na­tion mit einem Hang zu wech­sel­nden Intim­part­ner­schaften möglicher­weise den Fre­un­deskreis zer­reibt und aus­dün­nt, sei gnädig ver­schwiegen. “Je länger man Sin­gle ist, desto wichtiger und größer wird der Fre­un­des- und Bekan­ntenkreis” (Regel 10); es wäre doch wirk­lich schade um all die mögliche Beute.

Wenn die “selb­st­be­wusste Sin­gle-Lady” ihren Leu­mund beim Befol­gen dieser Regel erst ein­mal zur Genüge gemindert hat, eilen die so genan­nten “neuen Medi­en” gern zu Hil­fe:

Regel 3: Selb­st­be­wusst sur­fen

Näm­lich: “auf Dat­ing-Web­seit­en nach ein­er neuen Liebe suchen”, und zwar “tough” (J. Rotherbl), denn son­st mache man sich als Frau nur selb­st klein, während man für weniger ein­sam gehal­ten werde, wenn man sich auf dem virtuellen Fleis­chmarkt ener­gisch selb­st anzupreisen wisse. Selb­st­be­wusst­sein, dies sei “Cosmopolitan”-Leserinnen kurz erk­lärt, bein­hal­tet im Übri­gen auch, zu seinen Schwächen (Scham, “Cosmopolitan”-Abonnement oder noch schlim­mer) zu ste­hen und ver­meintlich schlechte Eigen­schaften zu akzep­tieren, statt sie zu über­schminken. Aber wem sag’ ich das?

Frauen natür­lich, denen man auch so etwas erk­lären muss:

Regel 4: Nicht auf ein Date warten

Die Zeit, so die Argu­men­ta­tion, die man damit ver­bringe, auf “den Einen” zu warten, könne man stattdessen auch nutzen, um im All­t­ag “tausende andere Möglichkeit­en, neue Bekan­ntschaften zu knüpfen”, wahrzunehmen. Dass “der Eine” dann früher oder später keine Lust mehr hat, bei der ersten sich bietenden Gele­gen­heit abserviert zu wer­den, wird dabei impliz­it geduldet. Soll er sich halt ein biss­chen beeilen, der Arsch.

Denn:

Regel 5: Sich auf keinen Fall klein machen

Den Anderen hinge­gen schon, wenn Zuwider­hand­lung der Erfül­lung der Regeln im Weg ste­ht. “Starke Sin­gle-Ladys” wollen starke Ladys bleiben und sich vielle­icht zur LP weit­er­en­twick­eln. Aber auf keinen Fall zur Son­der­pres­sung:

Regel 6: Leicht zu kriegen sein
Regel 7: Beim ersten Date Sex haben

Klar: Je schneller eine Frau zur Sache kommt, je offen­siv­er sie bag­gert, desto lieber greift der typ­is­che “Cosmopolitan”-Leserinnen-Zielmann zu. “Null(!) Prozent der deutschen Sin­gle-Män­ner ste­hen darauf, wenn ihnen die Flirt­part­ner­in die kalte Schul­ter zeigt”, und “wie frus­tri­erend wäre es denn, nach drei Monat­en Dat­ing festzustellen, dass man im Bett nicht har­moniert?”. Allerd­ings find­en auch “null(!)” Prozent der mir bekan­nten Sin­glemän­ner eine Frau, die leicht “zu kriegen” in bei­der­lei Sinne ist, dauer­haft inter­es­sant, aber die lesen auch keine “Cos­mopoli­tan”, son­dern Blogs und poli­tis­che Mag­a­zine.

Es muss wiederum ja auch nicht von Dauer sein:

Regel 8: So bald wie möglich stre­it­en

Dabei gehe es darum, her­auszufind­en, ob die (zweifels­frei) bei­den Dick­köpfe, die mit den “neuen Flirt-Tipps” zueinan­der gefun­den haben, einan­der auch im Falle unter­schiedlich­er Ansicht­en zu einem The­ma (zum Beispiel der Qual­ität der “Cos­mopoli­tan”) noch zu dulden imstande sind. Nur zur Sicher­heit gibt “Cos­mopoli­tan” den eher schüchter­nen ihrer Leserin­nen noch einen Rat, der die Umset­zung dieser Regel erle­ichtern soll:

Regel 9: Keine Kom­pro­misse einge­hen
Regel 12: Die biol­o­gis­che Uhr abstellen

Dabei gehe es darum, sich bei der Part­ner­wahl nicht mit jeman­dem abzufind­en, bei dem das “Knis­tern” (J. Rotherbl) aus­bleibe. Der Traum­mann müsse es sein! Zwar ist dies vielle­icht ein­er der häu­fig­sten Gründe, dass die typ­is­che “starke Sin­gle-Lady” eben ein Sin­gle ist, aber wer aufgibt, hat schon ver­loren.

Es eile ja auch nicht, die qua­si sprich­wörtliche “Torschlusspanik” sei “kein guter Rat­ge­ber”. Lieber bis ins hohe Alter allein bleiben als mit jeman­dem zusam­men zu sein, der nicht “richtig gut” (zum Beispiel Omar Sy, “Cos­mopoli­tan”, gle­ich­es Heft) ist, scheint das Cre­do zu laut­en, das die “Cos­mopoli­tan” hier aus­gibt. George Clooney (“schar­fer Schaus­piel­er”, britis­che Web­site der “Cos­mopoli­tan”, 2008) sieht ja auch in ver­gle­ich­sweise hohem Alter noch aus wie jemand, den man als “Cosmopolitan”-Leserin gern vom Fleck weg heirat­en würde — warum dann nicht auch die Leserin selb­st?

Unsich­er? Da hil­ft nur eins:

Regel 10: Nur auf den Bauch hören

Der Bauch sei der einzige Außen­ste­hende, dessen Ein­schätzung des poten­ziellen neuen Part­ners zählen solle, Mei­n­un­gen aus dem Fre­un­des- und Bekan­ntenkreis (ihr erin­nert euch: das sind diejeni­gen Per­so­n­en, mit denen man vorher aller­lei, ähem, Bekan­ntschaften geknüpft hat) hinge­gen nicht. Der Bauch als zuver­läs­siger Beziehungsrat­ge­ber ist natür­lich nur eine Meta­pher: “Schließlich müssen nur Sie sich in ihn ver­lieben”. Allzu viel Zeit bleibt der “starken Sin­gle-Lady” sowieso nicht für den Aus­tausch:

Regel 11: Dat­ing als Full­time-Job betra­cht­en

Trotz eher mauer Bezahlung: “Was wür­den Sie denken, wenn Sie Ihrer Affäre mor­gens um acht eine What­sApp-Nachricht schick­en und den ganzen Tag über nichts von ihm hören?”, da ist ja die Frage schon falsch, denn es geht bei den “Dat­ing-Regeln” ja let­ztlich um’s Ver­lieben, wofür zumeist anderes Ver­hal­ten bedeut­sam ist als bei ein­er Affäre, die sich von ein­er Beziehung ja auch in ihrer Innigkeit zu unter­schei­den pflegt, aber so wichtig ist das vielle­icht auch nicht; die Regel lautet jeden­falls zusam­menge­fasst, dass man als Teil der Ziel­gruppe rund um die Uhr erre­ich­bar sein sollte, falls ein­er der zu Fick- und/oder Roman­tikzweck­en anvisierten Her­ren trotz der anstren­gend kün­satlichen Per­sön­lichkeit der jew­eili­gen “Lady” auf ihre Nachricht­en antworten. Die will man ja nicht warten lassen.

Plur­al? Aber natür­lich!

Regel 13: Nicht nur auf einen Typen set­zen

“Mul­ti-Dat­ing ist mit­tler­weile ganz nor­mal, ja fast schon Trend”, und wer will schon aus der Mode kom­men?

Früher ist man ja ein­fach in eine Bar gegan­gen.

Senfecke:

  1. Das muss ich jet­zt Fre­ita­gnach­mit­tag lesen…wär’ doch bloß schon wenig­stens Sonntagabend…jetzt ist noch so lang hin bis Mon­tag… *grum­mel*

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