Der aktuelle “stern” (“investigativ”, stern.de) brilliert mit einer knallhart recherchierten Titelgeschichte, die zweifellos ihresgleichen sucht:
Cannabis wird zur Volksdroge, den “Sommer der Liebe” haben die “stern”-Redakteure wohl bedroht verschlafen, und wie gefährlich ist [sie] wirklich? Onanieren macht bekanntlich blind und Rockmusik gewalttätig. Der “stern” wiederum macht vermutlich blöd. Wie gefährlich ist er wirklich?
In einem Interview, das eine Dreiviertelseite (Seite 46) einnimmt, darf Rainer Thomasius (Suchtmediziner) seine fachliche Meinung zum Thema Cannabiskonsum kundtun. Weil sich das noch nicht besonders interessant liest, ersetze ich in folgenden Auszügen “Cannabis” durch “Bier” — nur, um einmal zu sehen, wie das aussieht:
Der Forschungsstand zeigt eindeutig, dass Bier zu schweren Gesundheits- und Sozialschäden führen kann. Das gilt sicherlich in Abhängigkeit davon, wie viel von dieser Sustanz konsumiert wird und in welchem Lebensalter. (…) Diejenigen, die früh in den Bier-Konsum eingestiegen sind, weisen bereits im Erwachsenenalter Intelligenzdefizite von sieben bis acht IQ-Punkten auf. (…) [Cannabis-Befürworter Barack Obama] übersieht, dass es einen riesengroßen Unterschied macht, ob zweiprozentiges Bier auf ein einigermaßen ausgereiftes Studentenhirn wirkt oder achtprozentiges auf das Gehirn eines Pubertierenden.
Wie der “stern” auf das Gehirn eines Lesers wirkt, ist wahrscheinlich noch nicht ausreichend erforscht, aber irgendein Feindbild braucht’s halt. Onanieren macht blind und Kiffen halt blöd und einsam, während Säufer später erfolgreiche Journalisten werden können (oder bleiben; YMMV, wie’s der geübte Internetnutzer zu sagen pflegt).
Auf Seite 114 macht der “stern” übrigens Werbung für Riesling-Sekt. Was kann damit schon passieren?

