In den NachrichtenNetzfundstücke
Medienkritik in Kürze: Geld oder Geschrei!

Das Leistungsschmutzrecht ist offen­bar ein vol­ler Erfolg.

Wir erin­nern uns: Am 1. August 2013 trat die­ses Gesetz in Kraft. Allerlei Verlage in Deutschland haben mal mehr, mal weni­ger hart mit der Legislative gerun­gen, um ein Gesetz maß­ge­schnei­dert zu bekom­men, das im Wesentlichen Bloggern und Suchmaschinen das unbe­zahl­te Zitieren aus den eige­nen Onlineauftritten - und damit kosten­lo­se Werbung - ver­bie­ten soll.

Mehrere klei­ne­re Suchanbieter haben die ent­spre­chen­den Verlagsangebote ersatz­los gestri­chen, aber das hat nur weni­ge Menschen inter­es­siert. Der Fokus liegt natür­lich auf Google. Google ist ein gro­ßer Konzern, Google hat Geld, Google soll zahlen.

Zunächst hat Google das Gesetz weit­ge­hend igno­riert und in sei­nem Nachrichtenaggregator „Google News“ trotz­dem wei­ter­hin auf die Nachrichtenangebote ver­schie­de­ner Verlage ver­linkt. Dafür ist ein Nachrichtenaggregator da. Rennen also die Schmalhänse von VG Media zum Deutschen Patent- und Markenamt und kla­gen.

Google blie­ben nun also nur zwei Möglichkeiten, um sich ans Gesetz zu hal­ten: Entweder für jeden kosten­lo­sen Link auf ein VG-Media-Angebot Geld zu zah­len oder die strit­ti­gen Angebote gemäß den Vorgaben des Leistungsschmutzrechts zu beschnei­den. Google hat nun Letzteres getan (Hinweis: Link auf ein Google-Blog!):

Vor dem Hintergrund die­ser Klage wer­den wir Snippets und Thumbnails eini­ger bekann­ter Webseiten wie bild.de, bunte.de oder hoerzu.de nicht mehr anzei­gen, also jener Verlage, die in der VG Media orga­ni­siert sind. Für die­se Seiten wer­den wir nur noch den Link zum Artikel sowie des­sen Überschrift anzeigen.

Rennen also die Schmalhänse von VG Media zum Kartellamt und kla­gen.

Die Verlage haben sich zuerst dar­über beklagt, dass Google ihre Inhalte (angeb­lich) rechts­wid­rig nutzt. Nun bekla­gen sie sich dar­über, dass Google ihre Inhalte nicht mehr rechts­wid­rig nutzt.
Stefan Niggemeier

Ist mir auch ein Rätsel, wie­so Verlage sin­ken­de Einnahmen haben. :irre:


Nützliches Handwerkszeug für’s näch­ste Bullshit-Bingo übri­gens: Die Floskelwolke.


Nachtrag vom 23. Oktober 2014: Das Leistungsschmutzrecht hat die Verlage dazu gezwun­gen, es nicht anzu­wen­den. :lachtot: Euch, Verlage, hat nie­mand geru­fen, also beschwert euch nicht, wenn ihr wie die Eindringlinge behan­delt wer­det, die ihr seid.