Nerdkrams
systemd: Linux und die Monokultur

Nach­dem Open­BSD-Ent­wick­ler bereits im August 2013 das Jahr-2038-Pro­blem – der klas­si­sche 32-bit­ti­ge UNIX-time­s­tamp wird am 19. Janu­ar 2038 über­lau­fen – gelöst haben, legt ein Jahr spä­ter auch das nicht gera­de für sei­ne Inno­va­ti­ons­kraft bekann­te Linux nach, für das es dann auch irgend­wann – viel­leicht noch die­ses Jahr – eine Lösung geben soll. Beeindruckend.

Aber um Ent­wick­lungs­ge­schwin­dig­keit geht es im Land der Soft­ware­frei­heit eben nicht, son­dern vor­ran­gig dar­um, nicht Win­dows zu sein. Als Linux­nut­zer sei man mün­dig und frei, und wenn was nicht pas­se, kön­ne man ja gehen.

Nun hat Linux aber eini­ge weni­ge Men­schen unter sei­nen Unter­stüt­zern, die den Feh­ler machen, nur das Beste für alle Linux­nut­zer errei­chen zu wol­len. Zu die­sen Men­schen zählt Lenn­art Poette­ring, der maß­geb­lich die Ent­wick­lung von Pul­se­Audio – eine Sound-Midd­le­wa­re, die sich im Ver­gleich mit ALSA dadurch aus­zeich­net, dass sie nicht funk­tio­niert – vor­an­ge­trie­ben hat und nun im Auf­trag sei­nes Arbeit­ge­bers Red Hat eine tol­le neue Idee umge­setzt hat, die eben­falls nicht funk­tio­niert: systemd.

Um zu ver­ste­hen, was systemd ist, muss man zunächst ein­mal ver­ste­hen, wie ein UNIX-System oder eines, das sich (wie Linux) dafür hält, eigent­lich gestar­tet wird. Im Gegen­satz zu den 70-er Jah­ren dau­ert der Start­vor­gang eines sol­chen zwar übli­cher­wei­se nicht mehr Stun­den und bedarf meist kei­ner hän­di­schen Ein­grif­fe mehr, aber es pas­siert doch jede Men­ge. Die Steue­rung der Gescheh­nis­se über­nimmt meist ein „init-System”, etwa Sys­Vinit, Upstart (Ubun­tu), OpenRC (Gen­too Linux) oder launchd (OS X); es star­tet zum Bei­spiel wei­te­re System­dien­ste wie sshd, pro­to­kol­liert den Start­vor­gang und gibt gele­gent­lich kryp­ti­sche Feh­ler­mel­dun­gen aus. Die Älte­ren von euch ken­nen so etwas noch von Win­dows, die Jün­ge­ren von Linux.

Da die ver­schie­de­nen unter Linux benutz­ten Init-Syste­me aber zuein­an­der inkom­pa­ti­bel sind und oben­drein zu einem nen­nens­wer­ten Teil das alt­be­währ­te Sys­Vinit nach­bil­den, des­sen Archi­tek­tur auf heu­ti­ge Rech­ner­ka­pa­zi­tä­ten nicht vor­be­rei­tet ist, wur­de ange­regt, ein neu­es init-System zu ent­wer­fen und umzu­set­zen, das die ver­schie­de­nen Ansät­ze zusam­men­füh­ren soll. Das Schlag­wort heißt „One Linux”, ein gemein­sa­mes Linux. Schluss mit der Wahl­frei­heit, systemd soll der klein­ste gemein­sa­me Nen­ner wer­den. Bereits vor Jah­ren wur­de in Blogs ange­regt, dem Wild­wuchs der mit­ein­an­der inkom­pa­ti­blen Linux­dis­tri­bu­tio­nen ein Ende zu set­zen und sich auf eine gemein­sa­me Dis­tri­bu­ti­on zu kon­zen­trie­ren. Es sieht aus, als wäre das dem­nächst der Fall.

systemd – „system dae­mon” – also ist ein System­dienst, der, grob gesagt, Win­dows’ svchost.exe nach­ahmt, indem er nicht nur den Start­vor­gang, son­dern auch den lau­fen­den Betrieb steu­ert. Er wird damit sozu­sa­gen zum Fla­schen­hals des gesam­ten Systems, was sowohl auf Ser­vern als auch auf Desk­tops sehr schnell sehr schmerz­haft wer­den kann. An Sicher­heits­lücken man­gelt es nicht (wobei die Ent­wick­ler Feh­ler­mel­dun­gen gar nicht mögen), ent­schei­dend sind aber die kon­zep­tio­nel­len Pro­ble­me. Die­se begin­nen kei­nes­falls damit, dass die systemd-Ent­wick­ler immer wie­der ver­su­chen, ihren eige­nen kaput­ten Code von den Ker­n­e­l­ent­wick­lern behe­ben zu lassen.

Die viel­ge­rühm­te Por­ta­bi­li­tät von Linux ist mit systemd Geschich­te, zu alte Hard­ware hat Pech gehabt. Natür­lich inter­es­siert das den typi­schen Linux­nut­zer, der sich von allem beein­drucken lässt, was irgend­wie neu ist, nicht; man kann also davon aus­ge­hen, dass mit aus­rei­chen­der Ver­brei­tung von systemd Res­sour­cen­ver­schwen­dung All­tag sein wird. Dazu passt, dass die Ent­wick­ler von systemd kon­ti­nu­ier­lich die Fähig­kei­ten des Dien­stes erwei­tern, der längst nicht mehr nur den System­start regeln, son­dern das Netz­werk steu­ern, die Uhr­zeit syn­chro­ni­sie­ren, cron erset­zen und dem­nächst wahr­schein­lich Kaf­fee kochen kön­nen soll.

Für Ser­ver­be­trei­ber beson­ders lustig: systemd bringt systemd-tmp­files mit, einen Dienst, der stan­dard­mä­ßig alle 10 Tage das /tmp- und alle 30 Tage das /var/tmp-Ver­zeich­nis leert. Es soll ja Ser­ver geben, die län­ger als 10 Tage am Stück mit den glei­chen Daten arbei­ten, aber mit systemd ist das wahr­schein­lich bald Ver­gan­gen­heit. Das ist wahr­schein­lich ein fea­ture zugun­sten des Umwelt­schut­zes. Da systemd mit dem eige­nen jour­nalctl auch einen Ersatz für sys­logd mit­bringt, der Lauf­zeit­pro­to­kol­le nicht mehr in ein­fach durch­such­ba­ren sepa­ra­ten Text­da­tei­en ablegt, wird auch eine ein­fa­che Feh­ler­su­che unnö­tig erschwert.

Hat systemd über­haupt irgend­ei­nen Vor­teil? Ja: Es beschleu­nigt angeb­lich den System­start, weil es Dien­ste ver­zö­gert star­tet. Dass das Gros der Start­zeit die Initia­li­sie­rung der Hard­ware betrifft, die durch systemd auch nicht zu schnel­le­rer Hard­ware wird, wird dabei außer Acht gelas­sen. Schnell sind Alter­na­ti­ven wie runit zwar auch, aber die haben ein ganz ande­res Pro­blem: Weil systemd immer mehr System­kom­po­nen­ten absor­biert, wird es zwangs­läu­fig auch zu einer wich­ti­gen Vor­aus­set­zung für immer mehr Anwen­dun­gen. Der GNO­ME-Desk­top zum Bei­spiel ist zwar weit­ge­hend por­ta­bel, unter Syste­men ohne systemd aber feh­len eini­ge Funk­tio­nen, und es dürf­ten künf­tig wohl nicht weni­ger wer­den. Wenig­stens die KDE-Ent­wick­ler wol­len vor­erst systemd nicht vor­aus­set­zen.

Mit systemd macht Linux also einen wei­te­ren Schritt zur Mono­kul­tur. Ein­fach­heit und ver­meint­li­che Frei­heit wer­den dem Anschein des Moder­nen geop­fert, die Ver­zah­nung von systemd mit sämt­li­chen Bestand­tei­len des Systems lässt nur wenig Ent­schei­dungs­frei­heit. One­Li­nux = zero-choice. Die mei­sten „gro­ßen” Linux­dis­tri­bu­tio­nen (mit Aus­nah­me von Gen­too Linux und Slack­wa­re Linux) sind mitt­ler­wei­le auf den systemd-Zug auf­ge­sprun­gen, auch Debi­an, das sonst eher kon­ser­va­ti­ve Ent­schei­dun­gen getrof­fen hat, lei­ste­te kei­nen Wider­stand. Inwie­weit den UNIX-Prin­zi­pi­en fol­gen­de neue Linux­dis­tri­bu­tio­nen wie Void Linux eine Chan­ce haben, sich dau­er­haft zu eta­blie­ren, bleibt abzuwarten.

Als Alter­na­ti­ve wird selbst auf der Linux-Ker­nel-Mai­ling­li­ste aus­ge­rech­net Open­BSD emp­foh­len, des­sen Ent­wick­ler bereits ver­kün­det haben, API-kom­pa­ti­ble Alter­na­ti­ven zu den ver­schie­de­nen systemd-Kom­po­nen­ten zu pla­nen.

Vor vie­len Jah­ren mach­te sich „die Linux-Gemein­schaft” dar­über lustig, dass Micro­soft sei­ne Betriebs­sy­ste­me nur wenig fle­xi­bel gestal­tet. Mitt­ler­wei­le hat sich der Wind gedreht. Der Linux­desk­top ist längst tot, auf Ser­vern ist Linux aber noch immer ver­brei­tet. Das hat sich dem­nächst wohl erledigt.

Senfecke:

  1. Bis auf dass BSD-Typi­sche Rum­ge­ha­te auf Linux, gebe ich dir im Bezug auf systemd total recht – es ist Müll, es ist vol­ler Lücken, es ist schlecht designt, und dage­gen sieht mein altes gelieb­tes SysV noch gut aus. Guter Artikel(Wenn wir das gan­ze geha­te strei­chen) :bravo:

  2. schei­sse… das glei­che hab ich alles schon vor ewig­kei­ten gele­sen… arch benutzt system jetzt schon sehr lan­ge und da haben auch alle geheult…

    hast angst das du in dei­nem bsd land jetzt auch von systemd gepei­nigt wirst?

  3. Aber um Ent­wick­lungs­ge­schwin­dig­keit geht es im Land der Soft­ware­frei­heit eben nicht, son­dern vor­ran­gig dar­um, nicht Win­dows zu sein.

    Sagt wer? Den mei­sten Ent­wick­lern unter Linux zum Bei­spiel dürf­te Win­dows herz­lich egal sein. Genau­so wie mir als Linux-Nut­zer BSD herz­lich egal ist.

    Nun hat Linux aber eini­ge weni­ge Men­schen unter sei­nen Unter­stüt­zern, die den Feh­ler machen, nur das Beste für alle Linux­nut­zer errei­chen zu wol­len. Zu die­sen Men­schen zählt Lenn­art Poette­ring, der maß­geb­lich die Ent­wick­lung von Pul­se­Audio – eine Sound-Midd­le­wa­re, die sich im Ver­gleich mit ALSA dadurch aus­zeich­net, dass sie nicht funk­tio­niert – vor­an­ge­trie­ben hat und nun im Auf­trag sei­nes Arbeit­ge­bers Red Hat eine tol­le neue Idee umge­setzt hat, die eben­falls nicht funk­tio­niert: systemd.

    Was funk­tio­niert denn bei Pul­se­Audio nicht? Unter Arch macht es bei mir das was es soll. Die glei­che Fra­ge stel­le ich mir bei systemd. Es macht eben­falls was es soll.

    Wei­ter­hin soll­te man viel­leicht auch ein­mal anmer­ken, dass zum Bei­spiel eini­ge der Pro­ble­me mit Pul­se­Audio in des­sen Anfän­gen an feh­ler­haf­ten ALSA-Trei­bern lagen. Die­se wur­den dann in zusam­men­ar­beit bei­der Pro­jek­te behoben.

    systemd – „system dae­mon” – also ist ein System­dienst, der, grob gesagt, Win­dows’ svchost.exe nach­ahmt, indem er nicht nur den Start­vor­gang, son­dern auch den lau­fen­den Betrieb steuert.

    Kann es sein, dass du gera­de den Dienst systemd mit dem Pro­jekt systemd in einen Topf wirfst?

    An Sicher­heits­lücken man­gelt es nicht (wobei die Ent­wick­ler Feh­ler­mel­dun­gen gar nicht mögen), ent­schei­dend sind aber die kon­zep­tio­nel­len Pro­ble­me. Die­se begin­nen kei­nes­falls damit, dass die systemd-Ent­wick­ler immer wie­der ver­su­chen, ihren eige­nen kaput­ten Code von den Ker­n­e­l­ent­wick­lern behe­ben zu lassen.

    Wäre nett, wenn du die gan­zen Aus­sa­gen bele­gen würdest.

    Die viel­ge­rühm­te Por­ta­bi­li­tät von Linux ist mit systemd Geschich­te, zu alte Hard­ware hat Pech gehabt.

    Mög­lich, dass ich hier auf dem Schlauch ste­he, aber was hat systemd mit alter Hard­ware und deren Unter­stüt­zung zu tun?

    Dazu passt, dass die Ent­wick­ler von systemd kon­ti­nu­ier­lich die Fähig­kei­ten des Dien­stes erwei­tern, der längst nicht mehr nur den System­start regeln, son­dern das Netz­werk steu­ern, die Uhr­zeit syn­chro­ni­sie­ren, cron erset­zen und dem­nächst wahr­schein­lich Kaf­fee kochen kön­nen soll.

    Vie­le Funk­tio­nen des Pro­jekts systemd, wie die Cron-Funk­ti­on sind optio­nal. Ich nut­ze zum Bei­spiel cro­nie, was mit systemd recht wenig zu tun hat. Und wenn ich mich auch wie­der­ho­le. Es gibt ein­mal den Dienst systemd und ein­mal das Pro­jekt systemd.

    Für Ser­ver­be­trei­ber beson­ders lustig: systemd bringt systemd-tmp­files mit, einen Dienst, der stan­dard­mä­ßig alle 10 Tage das /tmp- und alle 30 Tage das /var/tmp-Ver­zeich­nis leert. Es soll ja Ser­ver geben, die län­ger als 10 Tage am Stück mit den glei­chen Daten arbei­ten, aber mit systemd ist das wahr­schein­lich bald Vergangenheit.

    Wer ein ande­res Ver­hal­ten haben möch­te oder benö­tigt, edi­tiert eben /usr/lib/tmpfiles.d/tmp.conf. Was war jetzt noch gleich das Problem?

    Hat systemd über­haupt irgend­ei­nen Vor­teil? Ja: Es beschleu­nigt angeb­lich den System­start, weil es Dien­ste ver­zö­gert star­tet. Dass das Gros der Start­zeit die Initia­li­sie­rung der Hard­ware betrifft, die durch systemd auch nicht zu schnel­le­rer Hard­ware wird, wird dabei außer Acht gelassen.

    Systemd bie­te so eini­ges mehr:

    Ser­vice-Datei­en sind klein und leicht verständlich.
    Der Sta­tus eines Dien­stes kann zuver­läs­sig erfasst und somit zuver­läs­sig her­un­ter­ge­fah­ren und (auto­ma­tisch) neu gestar­tet werden.
    Auto­ma­ti­sche Berück­sich­ti­gung von Abhängigkeiten
    Usw.

    Mit systemd macht Linux also einen wei­te­ren Schritt zur Mono­kul­tur. Ein­fach­heit und ver­meint­li­che Frei­heit wer­den dem Anschein des Moder­nen geop­fert, die Ver­zah­nung von systemd mit sämt­li­chen Bestand­tei­len des Systems lässt nur wenig Ent­schei­dungs­frei­heit. One­Li­nux = zero-choice. Die mei­sten „gro­ßen” Linux­dis­tri­bu­tio­nen (mit Aus­nah­me von Gen­too Linux und Slack­wa­re Linux) sind mitt­ler­wei­le auf den systemd-Zug auf­ge­sprun­gen, auch Debi­an, das sonst eher kon­ser­va­ti­ve Ent­schei­dun­gen getrof­fen hat, lei­ste­te kei­nen Widerstand.

    Natür­lich hat man wei­ter­hin eine Ent­schei­dungs­frei­heit. Man kann auf Dis­tri­bu­tio­nen set­zen, die systemd nicht nut­zen wer­den. Man kann zu BSD wech­seln. Oder man kann über­nimmt „ein­fach” die Wei­ter­ent­wick­lung von sys­vinit oder ent­wickelt etwas das bes­ser ist als systemd. Gera­de die let­zen bei­den Punk­te sind aber schein­bar nicht so ein­fach. Viel­leicht gibt es aber ein­fach auch nicht genug Leu­te die gegen systemd sind.

    Vor vie­len Jah­ren mach­te sich „die Linux-Gemein­schaft” dar­über lustig, dass Micro­soft sei­ne Betriebs­sy­ste­me nur wenig fle­xi­bel gestal­tet. Mitt­ler­wei­le hat sich der Wind gedreht. Der Linux­desk­top ist längst tot, auf Ser­vern ist Linux aber noch immer ver­brei­tet. Das hat sich dem­nächst wohl erledigt.

    Gott ist auch schon längst tot. Opel eben­falls. BSD ist ver­mut­lich noch weni­ger ver­brei­tet als Linux und bie­tet kei­ne cgroups. Also auch tot.

    Was die­ses Gebas­he von systemd betrifft, habe ich vor ein paar Tagen auf Red­dit einen mei­ner Mei­nung nach tref­fen­den Bei­trag gelesen:

    …I’m a sys­ad­min, lots of my friends are sys­ad­mins, lots of my acquain­tan­ces are sys­ad­mins. Most of them are loo­king for­ward to systemd, and the rest don’t seem to have an opi­ni­on. There’s a small, vocal mino­ri­ty on the Inter­net that would pre­fer we live in the 70s and don’t take advan­ta­ge of all the fea­tures Linux offers in an easy manner.

    Das mit der lau­ten Min­der­heit trifft es ver­mut­lich ganz gut. Systemd set­ze ich zum Bei­spiel sehr ger­ne ein. Nur muss ich das nicht immer und über­all verkünden.

    • Sagt wer?

      Mal auf mei­ne Links geklickt?

      Was an Pul­se­Audio nicht geht, steht zum Bei­spiel auf G+ (erstaun­lich, wo ich so über­all ver­linkt wer­de) als aktu­el­les Bei­spiel in den Kommentaren.

      Auch, was die alte Hard­ware betrifft: das Blaue sind Links. :)

  4. Tol­ler Stil, ein­fach zu behaup­ten, weder Pul­se­Audio noch Systemd wür­den funk­tio­nie­ren. Ich kann bestä­ti­gen, dass bei­de seit ~ einem Jahr hier brav Dienst tun und mehr lei­sten als ihre Vor­gän­ger. Wird euch nicht lang­sam lang­wei­ig, Systemd zu bas­hen. Hört doch end­lich mal auf, die Zeit der Leu­te zu ver­schwen­den, die ger­ne in Ruhe mit den Mit­teln ihrer Wahl arbei­ten wol­len. Danke.

  5. Naja. Ich als Nut­zer von ca. 5 GUI Äpps (Brow­ser, Sky­pe, Quas­sel, Java-IDE und Pavu­con­trol) bin auch von OpenRC auf Systemd umge­stie­gen und sehe das nicht so ver­bis­sen. Fakt ist, dass auch OpenRC ziem­lich suckt. Es läuft (noch) auf mei­nem Rou­ter und regel­mä­ßig stür­zen Ser­vices (aic­cu grr) ab und OpenRC weiß das auch – aber tut nichts. Ich habe kei­ne Lust, mich zwi­schen drei Sys­logs zu ent­schei­den, um dann noch zusätz­lich Regeln zu defi­nie­ren, weil man­che Pro­gram­me trotz­dem ihre Logs nach stdout/stderr kot­zen. Eige­nen NTP-Cli­ent? Ok, ich habe eh kei­ne gro­ßen Anfor­de­run­gen dar­an. Eige­ner Crond? Nö, mir ist dcron lie­ber. Mei­ne Wahlfreiheit.

    Systemd ist zwar eine grö­ße­re Soft­ware, aller­dings lässt sich die zumin­dest unter Gen­too sehr modu­lar bau­en und wenn ich kein chron/resolved/etc haben will, dann bau ich den nicht mit. Wahl­frei­heit unter Lunix geht auch mit Systemd. Wenn irgend­ei­ne ran­zi­ge Desk­top-Umge­bung nun zwangs­läu­fig Systemd benö­tigt, dann kann ich die­se nicht benut­zen. Wenn ich in den Abhän­gig­keits­graph von mei­nen Pake­ten schaue, wird mir nicht wegen Systemd schlecht. Son­dern eher wegen glibc. Aber das inter­es­siert niemanden.

    Und zu Pul­se­audio: ALSA ist gut, solan­ge man über ein Aus­ga­be­ge­rät abspielt. Ich habe drei (Blue­tooth, USB-Head­set und Lautsprecher/Klinke). Das geht ohne Soft­ware-Mixer nicht ohne end­lo­sen Schmer­zen. Das Kon­zept von PA ist ziem­lich cool, aller­dings ist die Bedie­nung außer­or­dent­lich schlecht und bedarf eine däm­li­chen GUI mit unge­fähr 100 Abhängigkeiten.

    Außer­dem: Jeho­va! Jehova!

  6. Dan­ke für den Arti­kel, er bestä­tigt mei­ne Eindrücke.

    Mit Man­ja­ro lief Pul­se­audio nicht rich­tig und der Ton ging weg, wenn ich ein Gerät an den Klin­ken­stecker ansteck­te. ALSA funktioniert.
    Bis vor kur­zem konn­te ich den Rech­ner nur mit „sudo shut­down ‑h now” stop­pen, nicht per But­ton in der GUI.
    Der Hoch­lauf dau­ert deutlch län­ger mit Man­ja­ro als mit Xubuntu.
    Aber die Man­ja­ro-Ent­wick­ler haben wahr­schein­lich kei­ne Ahnung, wie das rich­tig kon­fi­gu­riert wird, sind zu dumm…

    Für was und wen ist eigent­lich systemd da ?
    Gro­ße Soft­ware ist immer ver­däch­tig. Ich will ein klei­nes System, das viel­leicht nicht alles kom­for­ta­bel kann, aber abso­lut zuver­läs­sig und sicher ist!
    (ok dann hät­te ich Debi­an als Distro neh­men müs­sen, aber das befrie­digt nicht mein Bastel­be­dürf­nis ;-). Und wenn ich baste­le, will ich mich auf alles Ande­re ver­las­sen kön­nen und es soll­te ein­fach sein, also bes­ser Upstart oder Ähn­li­ches als systemd)

  7. Die­ses Void Linux z.B. läuft ja auch mit runit…ich ver­ste­he nicht, was dar­an „Mono­kul­tur” sein soll. Wer hält denn Void­li­nux davon auf, runit wei­ter­zu­be­nut­zen? Wer hält die Ent­wick­ler von runit an der Arbeit an ihrem Pro­jekt auf? Wir haben bis­her eine Frag­men­tie­rung in vie­le Syste­me, es wird wohl irgend­wann eine Frag­men­tie­rung in ein paar Syste­me weni­ger sein, wenn Forks dazu­kom­men, nicht ein­mal das. Wel­chen Anspruch die­ses One­Li­nux erhebt, ist doch völ­lig egal. Mit frei­er Soft­ware kann jede Dis­tri­bu­ti­on machen, was sie will.

    Es geht kei­ne Frei­heit ver­lo­ren, es geht auch kein Kom­fort ver­lo­ren. Es gibt genug Alter­na­ti­ven, die­se schei­nen auch nicht zu verschwinden.

    Wenn ich nun irgend­ei­nen Code bast­le und ver­lan­ge, dass die­ser in jedes *BSD rein­kommt: Haben *BSD-Nut­zer dadurch die Frei­heit ver­lo­ren, mei­nen Code nicht zu benut­zen? Jedes *BSD darf wei­ter­hin ger­ne auf mei­ne Errun­gen­schaft pfei­fen. Wo ist da der Unter­schied zu OneLinux?

    Wir haben meh­re­re gro­ße Desk­tops ver­füg­bar, für die Fans neu­ar­ti­ger, „schlan­ker” (klickib­un­ti) Kon­zep­te, also die Gno­me-Ziel­grup­pe, wächst das Ange­bot sogar aktu­ell, z.B. durch den Bud­gie Desk­top. Klas­si­sche Syste­me gibt es genug, und klei­ne Alter­na­ti­ven wie i3 wer­den wohl kaum systemd als Abhän­gig­keit mit­brin­gen. Wen inter­es­siert es also, ob Gno­me und 1–2 ande­re Desk­tops sich für die­se Abhän­gig­keit ent­schei­den? Die Frei­heit ist wei­ter­hin da.

    Ins­be­son­de­re Gen­too und damit auch Saba­yon (und vie­le ande­re Syste­me mit source-basier­tem Paket­sy­stem) bie­tet doch mei­nes Wis­sens die Mög­lich­keit, Soft­ware nur mit den Funk­tio­nen der eige­nen Wahl zu instal­lie­ren. Void Linux soll­te das auch kön­nen, bei Arch, Para­bo­la und Cha­kra kön­nen über das ABS bzw. deren Äqui­va­len­te leicht ange­pass­te Pake­te erstellt wer­den. Da kann sich dann jeder erfah­re­ne Nut­zer ein ange­pass­tes systemd ohne die Feau­tures bau­en, die er ver­murkst ansieht. Wer das nicht kann, muss auch heu­te schon das neh­men, was er bekommt.

    Wenn wir schon auf die­sem Niveau dis­ku­tie­ren: *BSD ist auf jeder Hard­ware tot!
    http://en.wikipedia.org/wiki/Usage_share_of_operating_systems#Servers_on_the_Internet
    1% Markt­an­teil bei Ser­vern, fan­gen wir lie­ber gar nicht erst vom Desk­top an. Auf dem es für Linux übri­gens aber auch gar nicht so schlecht aus­sieht: Linux = Linux-Ker­nel, da gehö­ren alle Android-Syste­me, alle Chrome­books und (mei­nes Wis­sens nach) Fire­fox OS dazu.

    Sind sicher alles nur ahnungs­lo­se User, die noch nicht die Erleuch­tung von *BSD erhal­ten haben. Die lei­den sicher alle Höl­len­qua­len, wenn die erfolg­reich ihre Ser­ver war­ten, sonst­wie pro­duk­tiv sind oder auf Ubun­tu ein Spiel spie­len. Bekommt Free­BSD eigent­lich end­lich Nvi­dia Opti­mus auf die Rei­he? Die­ses total lah­me Linux hat da PRIME und bum­ble­bee entwickelt.

    • runit sieht nach einem inter­es­san­ten Pro­jekt aus. Ich fra­ge mich, was da dem­nächst noch alles an Alter­na­ti­ven auf uns zukommt. (Die­ses LSD Linux zum Bei­spiel.) Void Linux ist aber auch „neu”, so weit ich das sehe, und ver­sucht „UNI­Xig” zu sein. Ich bin gespannt, wie lan­ge die durch­hal­ten. Ich bin noch nicht dazu gekom­men, es mal selbst aus­zu­pro­bie­ren, aber wer­de das wahr­schein­lich noch nachholen.

      Wo ist da der Unter­schied zu OneLinux?

      Unter Linux wird mit der Zeit alles Wich­ti­ge von systemd abhän­gig sein, jeden­falls Desk­top­an­wen­dun­gen. GNO­ME ja jetzt schon, KDE wohl (über log­ind) auch dem­nächst. Da bleibt nicht viel übrig. Ja, ich nut­ze am Lieb­sten awe­so­me wm, aber es gibt ja noch mehr als nur den Desk­top selbst auf dem Desktop.

      *BSD ist auf jeder Hard­ware tot!

      Das iPho­ne stirbt nicht! (Lei­der.) Und Markt­an­tei­le, naja. Wie viel hat Linux auf dem Desk­top? 1,9 Prozent?

      Ver­steh’ mich nicht falsch, ich hal­te *BSD auch nicht für der Weis­heit letz­ter Schluss. Mein Haupt­desk­top ist ein Win­dows und bleibt das wohl auch noch eine Wei­le. Ich glau­be nicht, dass es ein „All­heil­mit­tel” in Form eines Betriebs­sy­stems gibt.

      • Ich kann mir nicht vor­stel­len, dass XFCE, LXDE, MATE und die vie­len klei­nen Desk­tops von systemd abhän­gig sein wer­den. Wel­chen tech­ni­schen Grund gäbe es denn dafür? Von Gno­me gibt es ja mitt­ler­wei­le genug Forks (Deepin, Cin­na­mon etc.), kei­ne Ahnung ob die­se dann eben die Nach­fol­ge von Gno­me auf Syste­men ohne systemd antre­ten. KDE wäre aber wirk­lich ein Ver­lust, da gibt es kei­ne adäqua­te Alternative.

        Die­se Desk­tops gibt es ja auch für *BSD. Wird es dann dort eben­falls kei­nen Gno­me und kein KDE mehr geben? Falls doch, soll­te es doch auch unter Linux ohne systemd lauf­fä­hig blei­ben. Gno­me macht ja sowie­so alles, um nur auf rela­tiv neu­er Hard­ware mit 0815-Kon­fi­gu­ra­ti­on (=Ubun­tu) lauf­fä­hig zu sein…ansonsten ver­ste­he ich wirk­lich nicht, wie­so sich ein Desk­top an systemd bin­den soll.

        • Wel­chen tech­ni­schen Grund gäbe es denn dafür?

          Das ist ziem­lich leicht zu beant­wor­ten: Wenn ein Teil der Abhän­gig­kei­ten, die die­se Desk­tops schon jetzt haben (Stich­wort: dbus), nur noch als systemd-Modul wei­ter­ent­wickelt wird, bleibt nicht viel übrig. Und ja, KDE wür­de ich auch vermissen.

          PC-BSD (tra­di­tio­nell KDE-freund­lich) hat ja sicher­heits­hal­ber mit der Ent­wick­lung von Lumi­na (momen­tan qua­si LXQt mit weni­ger Funk­tio­nen) begon­nen, GNO­ME dürf­te sich unter BSD bald erle­digt haben. Der Main­tai­ner für Open­BSD hat vor einer Wei­le schon mit­ge­teilt, es sieht düster aus; und Open­BSD war immer eines der ersten BSDs mit neu­en GNO­MEs (mit M:Tier steckt eine Fir­ma da eini­ge Kapa­zi­tä­ten rein).

          • Gru­se­lig. Hof­fent­lich ver­wei­gern sich die Ent­wick­ler der ande­ren Pro­jek­te einer sol­chen Über­nah­me durch systemd. :aufsmaul: Auf die­se Idee bin ich gar nicht gekom­men, so ein Schwach­sinn. Über den Ego­is­mus von Cano­ni­cal mosern und sich gleich­zei­tig den Lau­nen eines ein­zel­nen Pro­jekts unterwerfen…mal schau­en, ob es dazu kommt. Solan­ge PC-BSD sich nicht zu einem boot auf mei­ner Hard­ware über­re­den lässt, blei­be ich gezwun­ge­ner­ma­ßen opti­mi­stisch. Oder bis Koli­bri OS den Durch­bruch schafft. :D

            • Ver­giss nicht: Es gibt auch Open­BSD und Net­BSD. Außer­dem ver­schie­de­ne wei­te­re Desk­top-Free­BSDs, dar­un­ter Ghost­BSD. Du musst dich nicht auf eines versteifen. ;-)

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