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„O Cap­tain! My Cap­tain!“: Trau­er­flor auf Küchen­mö­beln aller­or­ten

Die bri­ti­schen Anar­cho­ko­mi­ker Mon­ty Python haben Ende Juli die­ses Jah­res nach etwa 45 Jah­ren der gele­gent­li­chen Zusam­men­ar­beit und einem letz­ten gro­ßen Auf­tritt in Lon­don die end­gül­ti­ge Auf­lö­sung der Trup­pe bekannt­ge­ge­ben. Damit endet ein Kapi­tel der glo­ba­len Humor­ge­schich­te, das wohl noch so man­che Gene­ra­ti­on posi­tiv beein­flus­sen wird.

Lum­ber jack song

Viel mehr media­les Auf­se­hen aller­dings erreg­te der vor­gest­ri­ge Tod des Schau­spie­lers Rob­bie Robin Wil­liams, der sich, wie’s die Medi­en berich­ten, mit einem Sex­spiel­zeug selbst erstickt hat. Seit vor­ge­stern nun wird rege aus sei­nen Fil­men zitiert, von „Peter Pan“ über „Mrs. Doubt­fi­re“ bis hin zum unver­meid­li­chen „Club der toten Dich­ter“, der nicht nur auf Twit­ter die Grund­la­ge für welt­wei­te Trau­er­ze­re­mo­nien bil­det, die sich bis ins öffent­lich-recht­li­che Fern­se­hen aus­deh­nen:

Mit einer unge­wöhn­li­chen Akti­on hat „Tagesthemen“-Moderatorin Caren Mios­ga das Lebens­werk des gestor­be­nen Schau­spie­lers Robin Wil­liams gewür­digt. Wäh­rend ihrer Sen­dung am Diens­tag­abend stieg sie auf ihren Mode­ra­to­ren­tisch und erin­ner­te so an den „Club der toten Dich­ter“, einen der bekann­te­sten Fil­me des Hol­ly­wood-Stars.

Wie’s eben auf Twit­ter auch üblich war und ist, den Film auf sein alt­be­kann­tes Mot­to „car­pe diem“ ein­zu­damp­fen, weil 140 Zei­chen einem eben die Aus­drucks­mög­lich­kei­ten beschnei­den: Macht etwas aus eurem Leben! Macht etwas Unge­wöhn­li­ches! Macht genau das, was auch im Film vor­kommt! Und so stei­gen sie auf die Tische und rezi­tie­ren aus Walt Whit­mans immer glei­chem Gedicht den immer glei­chen Halb­satz, den auch Robin Wil­liams (für weit­aus mehr Geld) rezi­tiert hat: „O Cap­tain! My Cap­tain!“. Car­pe diem, pflücke den Tag. Schlie­ße dich an. Hebe dich nicht ab aus der Men­ge derer, die indi­vi­du­ell das Glei­che tun.

Und natür­lich wett­ei­fern Deutsch­lands Fern­seh­sen­der dar­um, wer aus dem Able­ben mit den mei­sten Robin-Wil­liams-Fil­men die höch­sten Quo­ten zie­hen kann, und ich freue mich dann doch ein biss­chen dar­über, dass Robin Wil­liams haupt­säch­lich Schau­spie­ler und kein Musi­ker war, denn dem Fern­se­hen ent­kommt unser­eins viel leich­ter als dem Radio, aus dem nach Micha­el Jack­sons Tod qua­si Dau­er­ge­kiek­se erscholl.

Die Besin­nung auf Horaz‘ „car­pe diem“ ist, dies sei noch ange­merkt, kei­nes­falls eine schlech­te Idee, so lan­ge es nicht bei blo­ßer Sym­bo­lik bleibt. Seid unan­ge­passt in allem, was ihr tut. Mon­ty Python hat­ten es lan­ge vor Robin Wil­liams erkannt:

Ihr seid alle Indi­vi­du­en

Aber auf die hört natür­lich mal wie­der nie­mand.


Skan­da­lös: Frau fand But­ters­wa­stika auf unge­sun­dem Fraß und ver­lor sofort den Appe­tit auf sel­bi­gen. Der Umkehr­schluss ist wahr­schein­lich nicht zuläs­sig.