MusikIn den NachrichtenComputer
Netz­neu­tra­li­tät nicht inklu.

caschy fei­ert:

[T‑Mobile USA geht] näm­lich noch einen Schritt wei­ter, (sic!) als die deut­schen Kol­le­gen. Strea­ming von Musik ist dort fast kom­plett außen vor, Traf­fic inklu­si­ve. Spo­ti­fy, Pan­do­ra, Rhap­so­dy, iTu­nes Radio und wei­te­re – alle „inklu“ (der­zeit noch ohne Ama­zon, Rdio oder Goog­le Music, aber hier kön­nen Nut­zer abstim­men). (…)
Giga­byte las­sen sich schlecht rech­nen, wenn man Spo­ti­fy hört. Dem Kun­den wird gesagt: du musst nicht rech­nen, hau an die App und strea­me doch, was du willst – alles inklu!

Inklu! BOGSAT! Makaa Maka! Palim-palim. Vier Sil­ben? Wer will das schon?

Aber das ist eigent­lich nicht mal das Erschüt­tern­de. Das Erschüt­tern­de ist:

Logo – den Kun­den wird es sicher­lich freu­en. Ein­fach Musik hören – nicht groß­ar­tig über das Volu­men nach­den­ken und genie­ßen.

Die Gra­tis­men­ta­li­tät des Kun­den mag im „nor­ma­len“ DSL-Netz bei­na­he noch in Ord­nung sein, obwohl auch hier die Netz­neu­tra­li­tät (also glei­ches „Recht“ für alle Daten­pa­ke­te unab­hän­gig von ihren Eigen­schaf­ten) ver­letzt wird, aber so breit­ban­dig ist Spo­ti­fy nun nicht; im Mobil­netz aber herr­schen ande­re Regeln.

Zwar ver­sucht T‑Mobile USA es wie Netz­neu­tra­li­tät aus­se­hen zu las­sen, dass vie­le gro­ße Strea­ming­an­bie­ter (kein Rdio, kein WiMP, kein Groo­veshark, …) statt wie in Deutsch­land „nur“ Spo­ti­fy glei­cher­ma­ßen bes­ser behan­delt wer­den, aber da dürf­te die Sach­la­ge klar sein.

Ent­schei­dend ist viel­mehr: Mobil­funk ist im Gegen­satz zu kabel­ba­sier­ten Anschlüs­sen ein Medi­um, das sei­ne maxi­ma­le Kapa­zi­tät nicht unab­hän­gig von der Anzahl der Nut­zer inner­halb sei­ner Reich­wei­te erreicht. Alle T‑Mo­bi­le-Nut­zer inner­halb einer Funk­zel­le – nein, damit sind kei­ne Tele­fon­zel­len gemeint – müs­sen sich also die ver­füg­ba­re Band­brei­te tei­len. Dass alle Kun­den – und das sind meist vie­le – inner­halb der­sel­ben Funk­zel­le eine erträg­li­che Band­brei­te erhal­ten kön­nen, ist ein­zig den Volu­men­ta­ri­fen geschul­det, die dafür sor­gen, dass nicht jeder Kun­de jeden Tag unbe­grenzt rie­si­ge Daten­men­gen in HSDPA- oder noch höhe­rer Geschwin­dig­keit her­un­ter­la­den darf. Wer­den Aus­nah­men geschaf­fen, so wird dies frü­her oder spä­ter bei stei­gen­der Akzep­tanz des Ange­bots dazu füh­ren, dass das Netz „ver­stopft“ ist: Wenn etwa jeder zwei­te Ein­woh­ner einer Groß­stadt gleich­zei­tig ver­sucht, einen gro­ßen Stream her­un­ter­zu­la­den, wer­den wohl eini­ge Last­ver­tei­ler damit über­for­dert sein. Ihr kennt das mög­li­cher­wei­se von Jah­res­wech­seln, wenn selbst das Ver­sen­den von SMS-Nach­rich­ten eine Gedulds­pro­be ist.

Egal, „kostet ja nix“. Der Kun­de mag es. Wie, ande­re Inhal­te (Tausch­bör­sen, aber auch Web­sites) wer­den nied­ri­ger prio­ri­siert, also ver­lang­samt? Egal – wer braucht schon E‑Mail? Und die­ses „Enter­tain“ von der Tele­kom da, das mal eben 1/4 der eige­nen Band­brei­te reser­viert, ist wirk­lich unge­mein prak­tisch. Vor etwas über zehn Jah­ren hat­ten wir auch nur 56 kbit/s und das hat locker gereicht; was dar­über hin­aus­geht, kön­nen wir ja für einen gerin­gen Auf­schlag vor­prio­ri­sie­ren las­sen. Und weil wir unser Geld so gern ver­schwen­den, mie­ten wir uns gleich noch frem­de Musik dazu und hof­fen dann, dass sie uns nie­mand ein­fach so weg­nimmt. Das wür­de ja nie­mand tun.

Mei­ne digi­ta­li­sier­ten Vinyl­plat­ten kosten mich übri­gens auch bei ande­ren Anbie­tern kein Byte traf­fic.

Um bei caschys Duk­tus zu blei­ben: Inklu find‘ ich sch­ei.