Am Wochenende traf sich ein Teil der Piratenpartei Deutschland in einer Halle in Halle, um dem kommissarischen Bundesvorstand einen Nachfolger zusammenzuwählen. Die beiden Flügel der Partei hatten sich längst verhärtet, zur Wahl standen Vertreter des “progressiven Flügels” (also der Parteilinken) ebenso wie Vertreter des “konservativen” Kernpiratentums (also der Netzpolitiker und Datenschützer).
Dass mit Stefan “sekor” Körner ein Konservativer zum Parteivorsitzenden gewählt wurde, sei, so heißt es, ein Zeichen:
Der Tag, an dem auch der letzte gelernt haben dürfte, dass die Nerdkultur strukturell rechts ist.
Die Piratenpartei, die in den letzten Jahren — nicht erst mit dem Bombergate — vieler ehemals engagierter Mitglieder verlustig ging, weil diese den Kurs der “Progressiven”, also eine Abwendung vom Nerdtum und eine Hinwendung zu Feminismus, Asylrecht und bedingungslosem Grundeinkommen, für den Preis wiederkehrender medialer Perversion der einstigen Ideale nicht mehr mittragen wollten, habe, glaubt man Berichten, auf diesem “Schicksalsparteitag” (Twitter) eine Kehrtwende vollzogen:
Heute vollzieht dann wohl die (Bundes-)Piratenpartei endgültig den Wandel zur rechten Splitterpartei. Schämt euch. Schämt euch hart.
Alles Nazis außer Mutti, nur die Berliner nicht:
Namensvorschläge zur Umbenennung der Piratenpartei Berlin scheinen mir das Gebot der Stunde.
In der Piratenpartei Berlin, das muss man wissen, sind Politprofis wie Oliver Höfinghoff und Anne Helm ebenso aktiv wie bis vor wenigen Monaten Julia Schramm; und die fröhlichen Punks in Antifa-T-Shirts, die vor der Halle “nie wieder Deutschland” gebrüllt haben, eben auch. Außerdem haben die Berliner den Lauer, der dann leider aus rechtlichen Gründen doch nicht wählbar war, und so ist’s halt wer anders geworden; blass, wie es sich für einen guten Piraten gehört.
Am Sonntag wurde in einer Versammlungspause vor dem Saal mit Megaphon und johlendem Publikum der Flügel der “Foyerpiraten” gegründet, der im Wesentlichen aus denen besteht, die mit dem neuen Vorstand nicht einverstanden sind; innerparteiliche Opposition als offizielles Parteiorgan sozusagen. Am Donnerstag, heißt es, wird es ein erstes “Vernetzungstreffen” geben, natürlich per Telefonkonferenz, denn dieses Internet, das die “sekor” wählenden Nazinerds ständig retten wollen, bringt ja doch manchen Vorteil mit sich.
Und während draußen opponiert, gebrüllt und gejohlt wurde, stand der Autor dieser Zeilen mit leichter Irritation vom Gehörten wieder drin und völlig neben sich. Das haben wir nie gewollt.
Aber es war ja nicht alles schlecht.


Warst du dort?
Ja.