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Tortenpolitiker (3): Sahra Wagenknechts Verdienst

Sahra Wagenknecht, schrieb Max Goldt vor eini­gen Jahren, sei “der einzige regelmäßige Teil­nehmer poli­tis­ch­er Diskus­sio­nen, auf den sich das über­re­ich­lich gebrauchte Wort ‘Fasz­i­na­tion’ aus­nahm­sweise kor­rekt anwen­den ließe”. Seit­dem hat sich daran nur wenig geän­dert, nur die Unstrit­tigkeit ihrer Per­son hat im “Klein­klein” (Mar­tin Schulz in der heuti­gen “ZEIT”, allerd­ings über die SPD) der Parteiströ­mungen gelit­ten.

Mit­tler­weile näm­lich ist die “Talk­show-Ikone” (“SPIEGEL ONLINE”) als eine der weni­gen öffentlich agieren­den Linken-Poli­tik­erin­nen, denen Ver­nun­ft noch mehr bedeutet als kopflos­er Klassenkampf, zum Sinnbild des diesen erset­zen­den “Grabenkampfs” (Quelle: Inter­net) zwis­chen Partei und Frak­tion gewor­den, was zumin­d­est lustig aussieht; aber trotz aller Bemühun­gen seit­ens irgendwelch­er Kapuzen­schlümpfe, sie aus dem Amt zu back­en, bleiben ihre Geg­n­er in der Unterzahl, woraus am gestri­gen Abend schließlich eine Wieder­wahl Frau Wagenknechts als Frak­tionsvor­sitzende erwuchs.

Empört über die fehlende “Sol­i­dar­ität” (Adolf Hitler, Juni 1920, ganz ander­er Zusam­men­hang) der blö­den Mehrheit entschlossen sich anti­deutsche Kräfte aus Partei und Umfeld, ihr — der Partei — endlich mal von Nutzen zu sein und sich kün­ftig von ihr fernzuhal­ten, denn dieser Kurs, dem zufolge stures Links­sein nicht vor Ratio gehen darf, ist mit emanzi­pa­torischen Bestre­bun­gen nur schw­er in Ein­klang zu brin­gen. Vor­wärts nim­mer! Die gedankliche Eval­u­a­tion des ange­blichen Gas­trechts, das selb­st auf der desig­nierten linken Paradiesin­sel Kuba einiger­maßen scharf geregelt ist, ist deutsch und damit min­destens 0,8 Gauland wert. Wie viel das in Lind­ner ist, weiß ich nicht.

Es ist sicher­lich nur Zufall, dass diejeni­gen, die jet­zt wütend ihre anti­sozialen Medi­en vollschreiben, weil sie nicht kriegen, was sie wollen, und dabei auch einen Schaden bei den­jeni­gen Partei­gliederun­gen und parteina­hen Organ­i­sa­tio­nen, die ihre Sache zu vertreten ver­sucht­en, in Kauf nehmen (denn wenn ein “Link­er” erst ein­mal etwas kaputtmacht, dann eben ger­ade auch das eigene Zuhause; Besitz ist Dieb­stahl, wis­senschon), dem geneigten Pop­cornkon­sumenten vor dem Bild­schirm noch aus ein­er anderen Zeit bekan­nt sind, als sie noch bei der Piraten­partei völ­lig fehl am Platz waren und beim mit­tler­weile leg­endären Bun­desparteitag let­zter­er Partei in Halle, als deren “link­er” Vor­sitzen­der, in dessen näherem Umfeld sein­erzeit auch die Julia Schramm fremde Luft wegat­mete, mit­samt seinen Unter­stützern, deren Ver­such, das weniger radikale Führungsper­son­al zugun­sten ein­er unter der “Antifa”-Flagge segel­nden Partei durch eigene Funk­tionäre zu erset­zen, erfreulich nach­haltig fehlschlug, abgewählt und bald vergessen wurde, beim Ver­such scheit­erten, auf dem Flur vor dem Ver­samm­lungssaal böse guck­end eine Parteis­pal­tung in “die Guten” und “die Nazis” zu erzie­len.

Sahra Wagenknecht jeden­falls ist zu ver­danken, dass die kar­ri­eris­tis­che “Emanzi­pa­torische Linke” aber­mals krachend gescheit­ert ist; wom­it ihre Pro­tag­o­nis­ten freilich schon manche Erfahrun­gen gesam­melt haben. Das Scheit­ern selb­st ist Antrieb und Motiv der linken Sek­tier­er, wie sich in ihren poli­tis­chen Lebensläufen eben­so erken­nen lässt wie in der Tat­sache, dass ihr ständi­ges Dage­gen mit keinem mess­baren Dafür gewürzt wird. Kalt und dunkel ist das Feuer in ihnen und ver­wan­delt ihren Holzweg in Glat­teis. Ver­dammte Mehrheit immer, die sich von Beliebtheit statt von Parolen und gewor­fen­em Back­w­erk ködern lässt.

Man kön­nte fast meinen, repres­sivem Gebrüll sei poli­tisch kein Erfolg beschieden.

Senfecke:

  1. Danke für diesen Beitrag. Nicht viel bess­er als “Skep­tikaa” der Tor­ten­the­o­retik­er und Torte­napoka­lyp­tik­er Kon­icz auf Tele­po­lis.

  2. Irgen­det­was läuft da falsch in manchen Hir­nen, der “neuen Linken” von einst. Statt Wel­trev­o­lu­tion konzen­tri­erte sich die neue Linke (ab den 1970ern) auf Gle­ich­berech­ti­gungs­fra­gen inner­halb der beste­hen­den Gesellschaft. For­mal sind diese Rechts­gle­ich­stel­lun­gen nun­mehr weit­ge­hend erre­icht, wom­it das Haupt­betä­ti­gungs­feld für viele wegge­brochen ist. For­mal im argu­men­ta­tion­slo­gis­chen Sinn reagierten Teile der neuen Linken darauf mit Invertierun­gen: umgekehrter Nation­al­is­mus etwa im Falle des Anti­deutschen­tums, umgekehrter Ras­sis­mus, umgekehrter Ehrbe­griff etc..

    Stößt man mit der­art hyper­moralis­chen Ansicht­en auf eine Gegen­mei­n­ung, fühlen sich diese Charak­tere schein­bar nur darin bestätigt, die Gesellschaft als schlecht und sich selb­st sowie ihr näheres Umfeld als das “Gute” zu imag­inieren…

  3. Was abge­ht, wenn sich die “emanzi­pa­torische Linke” durch­set­zt, lässt sich ja gut bei den Grü­nen beobacht­en. Statt sich “hyper­moralis­che” Filme zu fahren, sollte die Linke einen kon­se­quent nüchter­nen Kurs der Kri­tik am beste­hen­den Wirtschaftssys­tem ver­fol­gen und ger­ade in der anste­hen­den par­la­men­tarischen Auseinan­der­set­zung mit den Recht­en einen kühlen Kopf bewahren.

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