In den NachrichtenNetzfundstücke
re:volution geht anders.

Noch bis heute dauert die diesjährige Konferenz „re:publica“ an, auf der die altbekannte Garde der netzpolitischen und feministischen Blogger – und David Hasselhoff – wie jedes Jahr öffentlichkeitswirksam auf ein Podium tritt, um sich selbst dafür zu feiern, dass sie es ja immer schon gewusst hat, und überflüssigerweise darauf hinzuweisen, dass Überwachung von Nutzern nicht in Ordnung ist.

Das ist besonders amüsant, wenn man bedenkt, dass einige der dort anwesenden Schwafler, darunter der ewige Sascha Lobo, sich selbst in einer Firma für gezielte Onlinewerbung, deren Zweck es ist, Benutzer zu beobachten, engagierten oder bis heute engagieren. Kleine widerwärtige, bückgeistige Schergen des Großen Bruders, die ein Ende der großen Bebruderung einfordern, während sie ohne besondere Not einen sehr großen Teil des Webs in eine Überwachungs- und Ausspähmaschine verwandeln. Wie viele Leute, die ihr Geld damit verdienen, Suchmaschinen mit so genanntem „SEO“-Scheißdreck vollzumüllen, damit auch bloß keiner auf die Idee kommen möge, dass eine Website vielleicht für Besucher interessanter sein sollte als für Suchmaschinen, sabbernd und applaudierend im Publikum saßen, als Thorsten Kleinz sich über das Geschäftsmodell Bullshit lustig machte, kann ich nur erahnen.

Diese gänzlich ironiefreie Zunft der Blender 2.0, deren einzig erlerntes, doch einträgliches Handwerk es ist, die Welt um sie herum gründlich misszuverstehen, wird nur noch übertroffen von denen, die ihnen zujubeln. Endlich sagt’s mal einer!

Es braucht jetzt Lautsprecher. Es braucht Verkäufer. Es braucht gute Verkäufer. Und Lobo ist einer. Beckedahl auch. Also bezahlen wir sie auch dafür, so lange sie einen guten Job machen. Und das tun sie.

Ich habe den Verdacht, dass die beiden Überallredner Markus Beckedahl, dessen mittlerweile unerträglich selbstreferenzielles Blog namens „Netzpolitik.org“ ich seit Monaten einfach nicht mehr zu lesen bereit bin, und Sascha Lobo, der sich binnen weniger Wochen den Tenor seiner Kolumnen von „Das Internet ist kaputt, aber ich schreibe da trotzdem weiter rein“ zu „Das Internet ist gar nicht so kaputt und ich schreibe deswegen weiter rein“ zu verkehren nicht zu blöd war, zwar prinzipiell bejubelt, aber nicht einmal mehr aufmerksam angehört werden. Das ist wahrscheinlich wie auf Konzerten: Das Publikum klatscht bereits, weil es weiß, wer gerade auftritt, und nicht erst, wenn die Darbietung gefällt. So ähnlich ist es bei Markus Beckedahl und Sascha Lobo wahrscheinlich auch.

Nein, es braucht jetzt keine Gründer von Vereinen, die sich anmaßen, für die digitale Gesellschaft zu sprechen, obwohl viele Mitglieder dieser „Gesellschaft“, zum Beispiel ich, überhaupt nicht gefragt wurden, ob sie das wollen. Das Netz braucht jetzt keine Lautsprecher, die viel Falsches reden und nichts handeln außer Werbefirmen zu gründen und dann in den Sand zu setzen. Dass die Freiheit im Internet ständig gefährdet ist, ist richtig, wird sich allerdings mit Reden und Klatschen nicht ändern.

Es braucht jetzt Akteure, die nicht nur eine Sprechrolle einnehmen; solche, die ihre Stunts noch selbst drehen. Blender, die die Falschen blenden, sind nicht in der Lage dazu, Hindernisse aus dem Weg zu räumen, weil sie selbst Hindernisse sind.

Aber schön, dass es mal jemand gesagt hat. Applaudieren und auf nächstes Jahr freuen. Die Welt wird sicher darauf warten.

Senfecke:

  1. Pingback: Hirnfick 2.0 » iNetzpolitik / kboard

Comments are closed.

:) 
:D 
:( 
:o 
8O 
:? 
8) 
:lol: 
:x 
:aufsmaul: 
:P 
:ups: 
:cry: 
:evil: 
:twisted: 
mehr...
 

Erlaubte Tags:
<strong> <em> <pre> <code> <a href="" title=""> <img src="" title="" alt=""> <blockquote> <q> <b> <i> <del> <span style=""> <strike>

Datenschutzhinweis: Ihre IP-Adresse wird nicht gespeichert. Details finden Sie hier.