KaufbefehleMusikkritik
Kurzkritik: Terminal Function — Measuring the Abstract

Terminal Function - Measuring the AbstractWie geil ist das denn?

Aus Grün­den, die für mich selb­st ger­ade nicht offen­sichtlich sind, fand ich auf meinem dig­i­tal­en Musik­wühltisch kür­zlich das Album “Mea­sur­ing the Abstract” ein­er Band namens Ter­mi­nal Func­tion. Das klingt jet­zt nach Elek­trokäse, es ist aber — ja, was eigentlich?

Fest ste­ht zumin­d­est, dass es sich um fünf Her­ren aus Schwe­den han­delt, deren aktuelles Album “Clock­work Sky” 2015 veröf­fentlicht wurde und das auf Amazon.de mitunter von Leuten gekauft wird, die auch die Band Ani­mals as Lead­ers schätzen, was nicht nur musikalisch eine span­nende Ref­erenz ist. “Mea­sur­ing the Abstract” ist allerd­ings das Debü­tal­bum, 2008 veröf­fentlicht, und ich mag es.

Das Darge­botene erin­nert an Bands wie Tesser­acT und Meshug­gah, laut Eigenbeschrei­bung — dort gibt es das Album übri­gens als Kom­plettstream — waren aber auch Dream The­ater ein Vor­bild. Die Plat­ten­fir­ma etiket­tiert fleißig mit Pseudo­gen­res wie “Extreme Bru­tal Death Met­al”, und hört man nicht so genau hin, wenn Front­mann Vic­tor Lars­son heis­er gegen das wahre Instru­men­tal­ge­wit­ter anschre­it, dann mag man das für tre­f­fend hal­ten; ich selb­st würde aber selb­st dann Psy­che­del­ic-Math­core-Post­d­jent bevorzu­gen, denn das hier ist mehr, weit mehr als nur Brüllen, Grunz und Röcheln.

In den acht Stück­en, die zwis­chen 1 und 7 Minuten lang sind, gibt es mehr Takt- und Stim­mungswech­sel als in der Poli­tik der F.D.P.; über­haupt: immer wieder Meshug­gah (gle­ich­falls aus Schwe­den; alter Schwede!). Hier wird nicht nur gebret­tert, hier bleibt auch Platz für ein wenig Chorge­sang:

Ter­mi­nal Func­tion — Room 101

Ein Album zum Abhot­ten. (Sagt man das noch, “abhot­ten”?)

Yeah, sozusagen.

PolitikMir wird geschlecht
Was du wissen solltest, so lange du das Gesetz nicht kennst

(Vorbe­merkung: Ich hat­te fol­gende Kri­tik zuvor bere­its auf anderem Weg ange­bracht, lei­der blieb sie unbeant­wortet. Ich gehe also von Vor­satz aus.)

Da wir ger­ade bei Parteien waren: Im Jan­u­ar 2016 witzelte Katha­ri­na Nocun, noch vor nicht allzu langer Zeit Repräsen­tan­tin der Piraten­partei Deutsch­land, seit­dem aber in doch reich­lich schräge Kreise (“Cam­pact”) ger­at­en, unter der Über­schrift “Was Du wis­sen soll­test, bevor Du die AfD wählst” und der Prämisse, dass “oft argu­men­tiert” werde, Kri­tik an der AfD werde “durch die ‘Lügen­presse’ ges­teuert” (ebd.), gestützt von großem medi­alem Beifall (u.a. Huff­in­g­ton Post) neben eini­gen zweifel­los richti­gen Beobach­tun­gen zum Kon­ser­v­a­tivis­mus der anson­sten besten­falls tragikomis­chen baden-würt­tem­ber­gis­chen “Alter­na­tive für Deutsch­land” auch über deren ver­meintliche Para­noia, dass männliche Bewer­ber auf eine Stelle als Gle­ich­stel­lungs­beauf­tragte (sic!) auf­grund ihres Geschlecht­es diskri­m­iniert wür­den.

Ein Blick ins Gesetz — die Piraten­partei rät seit jeher zum Selb­st­nach­schla­gen — hätte vielle­icht Schlim­meres ver­hin­dert: § 4,2 des dor­ti­gen Lan­deshochschulge­set­zes schreibt vor, dass die (sic!) Gle­ich­stel­lungs­beauf­tragte neb­st Stel­lvertreterin­nen “aus dem Kreis des an der Hochschule haupt­beru­flich täti­gen”, Obacht!, “weib­lichen wis­senschaftlichen Per­son­als” zu stam­men habe.

Im para­noiare­sisten­ten Nor­drhein-West­falen, dessen Hochschul- (§ 24 HG) und Lan­des­gle­ich­stel­lungs­ge­setz (§ 15,3 LGG) ähn­liche Vorschriften bein­hal­ten, wird der Land­tag über­mor­gen einen Antrag der offen­sichtlich para­noiden F.D.P.-Fraktion behan­deln, der zum Ziel hat, die lan­desweit­en Richtlin­ien den beste­hen­den gesellschaftlichen Struk­turen anzu­passen und die Gle­ich­berech­ti­gung von Mann und Frau statt die bloße Gle­ich­stel­lung der Frau zur Maxime zu machen. Hof­fentlich wer­den Psy­chi­ater anwe­send sein.

Ohne Lügen­presseausweis geh ich Karneval nicht aus dem Haus.
@kattascha

In den NachrichtenWirtschaft
Fachkräftebezahlungsmangel

Auf WELT.de (möchte auf­grund des Leis­tungss­chutzrechts hier nicht ver­linkt wer­den) ist seit heute neben aller­lei weit­eren Geschicht­en auch diese zu lesen:

Deutsch­land ist immer stärk­er auf Zuwan­der­er angewiesen, um seine wach­sende Fachkräftelücke zu schließen. (…) Dies zeigt eine Studie des arbeit­ge­ber­na­hen Insti­tuts der deutschen Wirtschaft (IW). IW-Direk­tor Michael Hüther fordert deshalb ein Punk­tesys­tem nach kanadis­chem Vor­bild, damit gut qual­i­fizierte Arbeitsmi­granten unbürokratis­ch­er als bish­er nach Deutsch­land kom­men kön­nen.

Dabei liegt im Inter­esse der deutschen Wirtschaft (lies: von Arbeit­ge­bern) oft primär die Gewin­n­max­imierung: “Hun­dert­tausende Akademik­er arbeit­en zu Niedriglöh­nen” (“WELT am Son­ntag”, 2014). Gut aus­ge­bildete ein­heimis­che Fachkräfte sind sich ihres Wertes auf dem Arbeits­markt oft bewusst und sind nicht bere­it, sich unter Wert zu verkaufen.

Ist ja alles nicht so schlimm: Arbeit­slosen­zahl steigt im Jan­u­ar weniger als üblich, irgend­wann ist halt jed­er Markt mal gesät­tigt; “danach gab es zum Jahres­be­ginn so viele freie Stellen wie nie zuvor” (aus dem gle­ichen Artikel), was merk­würdig anmutet, bedenkt man, dass es für immer mehr freie Stellen auch immer mehr Ent­las­sun­gen zu geben scheint.

Oder Men­schen, die gar nicht erst eingestellt wer­den. Es gab laut “taz” vor einem Jahr etwa 2,4 Prozent arbeit­slose Akademik­er in Deutsch­land, bere­its bere­inigt um die Zahl der­er, die Prak­ti­ka, Volon­tari­ate und ähn­liche Umwege beschre­it­en, um nicht auf der Straße zu sitzen. Dabei trage der ach so soziale Min­dest­lohn nicht unbe­d­ingt zu ein­er Besserung bei:

[E]in Absol­vent darf ab 2015 nur noch unter bes­timmten Bedin­gun­gen ein Prak­tikum absolvieren, näm­lich dann, wenn es der beruf­squal­i­fizieren­den Weit­er­bil­dung dient, die bis dahin noch nicht abgeschlossen sein darf.

Und so kommt es, dass ich einen Anruf ein­er renom­mierten Tageszeitung aus dem hes­sis­chen Raum erhalte, die mir ver­sich­ern, mein Fall sei einge­hend berat­en wor­den, aber man müsse mir mit­teilen, mein Prak­tikumsver­trag, abgeschlossen für 2015, werde aufgelöst.

Der hiesige Arbeits­markt lei­det nicht unter einem “Fachkräfte­man­gel”, der sich nur mit oft schlecht aus­ge­bilde­ten, aber dafür gün­sti­gen aus­ländis­chen Arbeit­ern mildern ließe. Er lei­det an wirtschaftlichen Erwä­gun­gen (lies: am Geiz) der­er, die ihn bekla­gen.

Und, wie immer, an der SPD.

PiratenparteiMontagsmusikPolitikIn den Nachrichten
Jane Getter Premonition — Surprised // Tortenpolitiker

Alles schläft, Eulchen wachtHur­ra, ein Schalt­mon­tag! Nichts, was wir heute tun, wird Kon­se­quen­zen haben; um so wichtiger ist es, den Tag so zu begin­nen, wie es kaum richtiger sein kön­nte, satt und zu zweit näm­lich. Roman­tisch und doof wie Käuzchen und Mond.

Selb­stver­liebtheit über­lassen wir also get­rost denen, die sie ver­di­enen. Don­ald Trump zum Beispiel gehe es — huch! — nur um Don­ald Trump, lässt Mar­tin Klingst Leser von “ZEIT ONLINE” wis­sen, schreibt aber lei­der nicht dran, was trotz des Überange­bots an medi­al ver­w­ert­bar­er heißer Luft, die offen­sichtlich raus muss, einen Nicht-US-Amerikan­er außer bloßer Lust am Non­sens eigentlich an dieser Wahl inter­essieren sollte. Als hätte das Inland nicht genug Ärg­er!

Ander­er­seits ist die Kin­disierung der Poli­tik auch hier ein Prob­lem: Beat­rix von Storch mit ein­er Torte bewor­fen, haha, “getortet”, roflol, sozusagen; das Netz sitzt deswe­gen seit gestern im Stuh­lkreis und klatscht jauchzend, denn so etwas ist gut für den poli­tis­chen Diskurs: Die Frau wähl’ ich nicht, die hat Torte im Gesicht. Hat die nicht auch irgend­was mit Aus­län­dern gesagt? Haha, Torte! Die Piraten­partei als ein­stiges Sinnbild des poli­tis­chen Hedo­nis­mus hat ihre Tor­tigkeit der­weil vorüberge­hend aus­ge­set­zt und das sei, so heißt es aus ihren Rei­hen, wahlweise schlecht oder gut für sie. Vielle­icht lässt sich das mit ein­er Kuchen­schlacht bei­le­gen.

Was wir nun aber erst ein­mal bei­le­gen, ist die Erin­nerung daran, dass das Woch­enende vorüber ist. Denken wir an etwas Schönes, denken wir an Musik.

Jane Get­ter Pre­mo­ni­tion fea­tur­ing Corey Glover “Sur­prised” Live at the Irid­i­um

Guten Mor­gen.

MusikIn den Nachrichten
Zur Einweihung von Möbelhäusern braucht man kein Abitur

Diejeni­gen, die, wie ich, aus Medi­enkom­pe­ten­z­grün­den Fernse­hgroßereignisse samt und son­ders zu mei­den pfle­gen und deswe­gen sel­ten rechtzeit­ig zur Stelle sind, um deren Abstim­mungen über­haupt mitzubekom­men, seien an dieser Stelle gewarnt: In — rel­a­tiv zum gemacht­en Aufhebens — weni­gen Wochen wird die “deutsche Björk” (“STERN”), ein derzeit noch siebzehn­jähriges Aller­weltsmäd­chen mit einem furcht­baren Vor­na­men, von dem die “Han­nover­sche All­ge­meine Zeitung” noch im Dezem­ber 2015 annahm, es würde auf eine Teil­nahme an dem Wettstre­it verzicht­en, nach einem Achtungser­folg in der eben­so über­flüs­si­gen Fremd­scham­sendung “The Voice of Ger­many” in Stock­holm mit, wie es sich für Ger­many eben so gehört, weit­erem englis­chsprachigem Dudelpop ver­suchen, anlässlich des diesjähri­gen schreck­lich bedeut­samen “Euro­vi­sion Song Con­tests” Deutsch­land wieder ein­mal zu ein­er Siegerna­tion zu machen.

Inwiefern “ganz Deutsch­land” sich darüber nun freuen sollte oder nicht, möchte ich hier eigentlich nicht weit­er disku­tieren, weil ich mich wohl nur wieder­holte; allein sah ich heute im lokalen Quatschblatt ein para­phrasiertes Gespräch mit dem Leit­er der Schule der desig­nierten Ent­täuschen­den, denn natür­lich ist ein solch­er Schulleit­er ger­adezu als Koryphäe zu begreifen, wenn man etwas über eine Per­son her­aus­find­en möchte, der also brav solch­es sprach:

[Sie] könne sel­ber entschei­den, ob sie sich weit­er­hin beurlauben lassen wolle, sagte der Schulleit­er. Alter­na­tiv könne sie, wann immer möglich, im Unter­richt erscheinen und ver­suchen, das Abitur zu beste­hen.

Natür­lich gibt es Gegen­beispiele, der Front­mann von Scoot­er etwa — die Kirschen sind nicht wichtig — hat­te einst sog­ar ein Studi­um begonnen. Aber was genau nehmen oft ganz gut aus­ge­bildete Flüchtlinge diesem Land eigentlich weg?

ComputerIn den Nachrichten
Differenzierte Reaktionen

2014:

Bei Face­book haben auch Nutzer aus Deutsch­land nun 60 Möglichkeit­en, Angaben zu ihrem Geschlecht zu machen — zum Beispiel “geschlecht­s­los”, “inter­sex­uell” oder “gen­derqueer”. (…) “Für viele ist es extrem wichtig, ihre Iden­tität darzustellen”, erk­lärt Face­book-Sprecherin Tina Kulow die neue Funk­tion in einem “Welt”-Interview.

2016:

Ab sofort kön­nen [Face­book-]User nicht nur ihre Zus­tim­mung, son­dern auch Zunei­gung, Erstaunen, Belus­ti­gung, Trauer oder Wut zu den Posts ihrer Fre­unde per Mausklick aus­drück­en.

Denn wer hat schon mehr als sechs Emo­tio­nen?

In den NachrichtenComputer
Hacker, Cracker, Bauernfänger: Mein Freund, der Baum.

Eine schnelle Recherche in meinen eige­nen Archiv­en ergab, dass ich bere­its 2010 den “Bun­de­stro­jan­er” für unpri­ma hielt; der dann aber auch bald ver­schwand, was mich seit­dem immer wieder rhetorisch fra­gen ließ, was eigentlich die für ihn Ver­ant­wortlichen heute machen.

Inzwis­chen weiß ich es: Er ist wieder da, und wie durch einen merk­würdi­gen Zufall erschien gle­ichzeit­ig auch Ger­hart Baum (F.D.P.; fragt mal eure Eltern) wieder im kollek­tiv­en Bewusst­sein, um seine Mei­n­ung dazu kundzu­tun:

Der Staat wird ja hier zum Hack­er. Das ist das Prob­lem.

Das “Prob­lem” sehe ich per­sön­lich nicht darin, dass der Staat “zum Hack­er” wird. Hack­er tun nie­man­dem etwas, Hack­er geben sich mit Fer­tig­soft­ware auch eher ungern ab. Hack­er gehen kreativ mit Tech­nik um, um der Gesellschaft im Best­fall nüt­zlich zu sein. Ein Staat, der aus alten Panz­ern dig­i­tal beleucht­bare Whiskeyre­gale zim­merte, wäre ein Staat, der zum “Hack­er” wird. Ein Staat, der Tro­jan­er ein­set­zt, wie es zu mein­er Zeit pick­lige Fün­fzehn­jährige getan haben, um damit aus bloßer Freude am Destruk­tiv­en Schaden anzuricht­en, ist wie auch jed­er andere Staat, der irgendwelche Vorkehrun­gen trifft, um zu ver­hin­dern, dass seine Ein­wohn­er Geheimnisse vor ihm zu haben ver­suchen, kein Hack­er, son­dern ein Unrechtsstaat.

Hack­er sind diejeni­gen Men­schen, an denen es nun ist, ihrer­seits Abwehrmaß­nah­men zu entwick­eln.

Weit­er im Text:

Hat er eine eigene Hack­er-Tech­nolo­gie, oder kauft er sie von Krim­inellen, um Sicher­heit­slück­en auszunutzen, oder fordert er sog­ar Unternehmen auf, wie jet­zt Apple unter Druck ist, diese Hin­tertüren zu offen­baren, die dann allerd­ings nicht nur dem Staat offen ste­hen, son­dern auch anderen, zum Beispiel Krim­inellen.

Oh, so eine (voraus­ge­set­zt: funk­tion­stüchtige) Überwachungssoft­ware ermöglicht es auch “zum Beispiel” Krim­inellen, mein Recht auf Daten­schutz und Pri­vat­sphäre zu mis­sacht­en? Jet­zt mal rein aus Jux: Wem denn son­st?

Wer nun annimmt, dass Ger­hart Baum eigentlich gar nicht ver­standen hat, was so ein Tro­jan­er mit Bürg­er­recht­en zu tun hat: Doch, das hat er. Er gibt sog­ar einen guten Ratschlag:

Ich möchte genau wis­sen, dass mit diesem Tro­jan­er kein Miss­brauch getrieben wer­den kann, und das ist mein Grun­drecht auf Gewährleis­tung und Ver­traulichkeit der Integrität infor­ma­tion­stech­nis­ch­er Sys­teme. (…) Ich, der Bürg­er, muss mich darauf ver­lassen kön­nen, dass die Tech­nik ein­wand­frei funk­tion­iert und nicht gegen mich arbeit­et.

Will heißen: Ger­hart Baum als Bürg­er möchte von ein­er Soft­ware, die einzig dem Zweck dient, seine Grun­drechte einzuschränken, die Sicher­heit haben, dass sie nicht gegen ihn arbeit­et.

Den Her­rn sollte man tun­lichst genau im Auge behal­ten, wie mir scheint.

In den NachrichtenMontagsmusikComputerMir wird geschlechtPolitik
Jethro Tull — Bourée

MontagskauzMon­tag. Nein, Moment: Mon­tag! Welch famoser Kon­trast ein ver­reg­neter Mon­tag doch ist, wenn man das Woch­enende stattdessen zu zweit ver­brachte! Dieses Unterange­bot an Son­nta­gen, übri­gens, gilt es vom freien Markt bald­möglichst zu kor­rigieren.

Apro­pos Son­ntag: Auf dem Bun­desparteitag der Piraten­partei Deutsch­land, der gestern endete, hat­te ein Organ­isator der AG Sin­gle­Malt einen Antrag ein­gere­icht, der prompt angenom­men wurde: Die Parteipro­gramme sollen kün­ftig geschlechtersen­si­ble Sprache berück­sichti­gen. Schade, dass der gute Ruf von Whiskey darunter lei­den muss, denn nüchtern kommt hof­fentlich nie­mand auf so eine bek­nack­te Idee. Und die Net­zpoli­tik? Nun ja: Über 5.000 Men­schen in Deutsch­land sind stündlich so doof, dass sie alles anklick­en, was wie eine Datei aussieht. “heise online” rät zu mehr Sicher­heit­sup­dates, ich rate unverän­dert zu einem Pflicht­führerschein für das Inter­net.

Keine Sorge, es gibt Schüssler­salze gegen Leicht­gläu­bigkeit. Wenn es schon ander­weit­ig an Sicher­heits­maß­nah­men gegen Idi­otie man­gelt: Jeb Bush, wed­er klüger­er noch tal­en­tiert­er­er ehe­mals poten­zieller Nach­fol­ger des Nach­fol­gers von George W. Bush, twit­terte vor nicht allzu langer Zeit ein Sym­bol­bild für Ameri­ka, namentlich eine Waffe mit seinem Namen darauf, denn wenn so ein Amerikan­er etwas wählen kann, was tötet, dann macht er das auch, weshalb die dor­tige “Cos­mopoli­tan” ihren Leserin­nen nicht etwa dazu rät, von Waf­fen­trägern fernzubleiben, son­dern sich nur auf solche einzu­lassen, die einen Waf­fen­schein besitzen. Die meucheln nicht, die wollen nur spie­len.

Die deutsche “JOY” indes — die mit Emma Wat­son vorne drauf — stellt fest: “Fell-Klam­ot­ten machen Män­ner ver­rückt!” (Seite 52). Ob ich mich über eine Frau mit Plüsch­pantof­feln nicht eher köstlich amüsierte als dadurch ver­rückt zu wer­den, möchte ich nicht klar beurteilen kön­nen, beschränke mich somit auf die Fest­stel­lung, dass ich Infor­ma­tio­nen über die Män­ner total sti­er (“kann je nach Kon­text entwed­er supergut oder superblöde bedeuten”, Seite 49) finde.

Eben­falls total sti­er: Jethro Tull.

Jethro Tull — Bourée, TV Broad­cast 1999 HD

Guten Mor­gen.

KaufbefehleMusikkritik
Kurzkritik: Kula Shaker — K 2.0

Kula Shaker - K 2.0Ein Jahr kann anscheinend gar nicht so jung sein, dass es nicht schon musikalisch zu begeis­tern wüsste. Nach dem etwas mauen Anfang des Jahres 2016 mit dem schnar­ch­lang­weili­gen Ster­ne­nal­bum des grotesken Pop­stars David Bowie kommt aktuell aus, immer­hin, Großbri­tan­nien etwas Abwech­slung ins Heim, namentlich das neue Album “K 2.0” des Quar­tetts Kula Shak­er.

Man möge sich nicht täuschen lassen: Die ange­bliche Magie des Buch­staben “K”, die die Bandgeschichte seit der frühen Umbe­nen­nung in “The Kays” begleit­et, mag in diesen Titel einge­flossen sein, eine bloße Fort­set­zung oder gar Neuein­spielung des nun­mehr zwanzigjähri­gen Debü­tal­bums “K” aber ist hier nicht erfol­gt. Das wäre auch zu ein­fach. Alte Stärken aber bleiben beste­hen.

Mit “Infi­nite Sun” eröff­nen indis­che Klänge wie einst bei den Bea­t­les das Album, ein Chor singt indi­an­is­che Weisen und neuhei­d­nis­ches Liedgut: We are one in the infi­nite sun / fly like an eagle // She changes every­thing she touch­es / and every­thing she touch­es changes. Eso­ter­isch? Nein. Abge­dreht? Natür­lich!

Die Bea­t­les, apro­pos, sind hier ohne­hin all­ge­gen­wär­tig, vielle­icht auch, weil Crispi­an Mills mitunter gesan­glich nicht allzu weit von John Lennon ent­fer­nt ist. Von Ein­tönigkeit auszuge­hen täte Kula Shak­er trotz­dem Unrecht: Auf “K 2.0” ste­hen Psy­che­del­ic Rock (“Infi­nite Sun”), Funkrock (“Get Right Get Ready”), Coun­try (“Death Of Democ­ra­cy”, trotz­dem ganz in Ord­nung) und der beina­he unver­mei­dliche Brit­pop (“Moun­tain Lifter”) har­monisch nebeneinan­der wie son­st nur weniges.

Kula Shak­er — Infi­nite Sun

Jet­zt bloß nicht nach­lassen, 2016.

In den NachrichtenMontagsmusik
Maserati — Monoliths

Nicht im Bild: KäuzchenWelch ein Mon­tag, welch ein Fest. Valentin hieß Karl und mehr möchte man nicht wis­sen müssen. Zu zweit ist Tristesse fast auszuhal­ten und Ver­liebtheit sowieso.

Das Fernse­hen aber nur schw­er­lich. Laut den Nachricht­en, die ja gele­gentlich ihre eigene Metaebene bilden, disku­tierten kür­zlich diverse Beruf­ss­chwätzer bei ein­er Frau Anne Will — von meinen Gebühren!!1 — eben­dort über die Frage, ob Großmächte moralisch han­del­ten. Ganz schön viel Sendezeit für ein ein­fach­es “Nö, lol”. Ander­er­seits scheint anlässlich der dor­ti­gen Kämpfe zwis­chen Sym­pa­thisan­ten der Leute mit pri­ma Bomben (“dem West­en”) und Sym­pa­thisan­ten der Leute mit weniger pri­ma Bomben (“den Russen”) manch­mal nicht völ­lig klar, wer nun eigentlich für das Gute demon­stri­ert.

Früher hat­te das, was manch­er unter ein­er Demon­stra­tion ver­ste­hen mag, wenig­stens noch einen klangvollen Namen, heute heißt eine solche, wie jüngst in Augs­burg, zum Beispiel Amore statt Peng Peng. Glotz glotz, nix kapi­er. Sack­hüpfen gegen Rechts. Sollte sich bis dahin noch ein halb­wegs Erwach­sen­er unter den Anwe­senden befun­den haben, so hat man danach ver­mut­lich nie wieder etwas von ihm gehört.

Von wem man übri­gens allerd­ings wirk­lich mal wieder mehr hören sollte, sind Maserati. Fan­gen wir doch gle­ich heute damit an.

Maserati — Mono­liths (Live on KEXP)

Guten Mor­gen.

Sonstiges
Medienkritik in Kürze: Huiiiiiii!

Kühe machen “muu­u­u­u­u­u­uh”, Enten machen “naaaaaaak”, Pin­guine machen “quäääääk”.

Und Sterne?

Richtig, “SPIEGEL” (7/2016):

SPIEGEL 7-2016

Brum­m­mm!

(Abt.: “Was ken­nt ihr für Stern­bilder?” — “Großer Bär!” — “Per­fekt!”)

In den NachrichtenNerdkramsWirtschaft
Tweetwachstum / Schrödingers Boolean

Und dann war da noch Twit­ter.

Das dama­lige Neben­pro­dukt ein­er eigentlich ganz anderen Soft­ware, das 2006 als eine Art “SMS fürs Web” entwick­elt wurde, fand mit seinem sim­plen Konzept sehr schnell Abnehmer, also Nutzer; dies wohl auch, weil es ein einiger­maßen eigen­ständi­ges Ziel ver­fol­gte und nicht ver­suchte, ein besseres MySpace, Stu­di­VZ, Friend­ster oder mit­tler­weile Face­book zu sein. Offene APIs sorgten für eine ungeah­nte Vielzahl an “alter­na­tiv­en” Twit­ter­clients (zum Beispiel für meinen), das Echtzeit­mod­ell ließ Twit­ter mitunter zu einem wichtigeren Nachricht­en­por­tal wer­den als Nachricht­en­por­tale selb­st.

Ärg­er­lich am “Wach­s­tum” eines solchen Dien­stes aber sind, von den Fol­gen für poten­zielle Konkur­renz wie GNU Social — Ken­nt ihr nicht? Seht ihr! — ein­mal abge­se­hen, für ihn selb­st zwei Fak­toren: Zum Einen ist expo­nen­zieller Zuwachs an Benutzern irgend­wann unre­al­is­tisch bis unmöglich, was ein Prob­lem ist, das sich Twit­ter immer­hin mit den Her­stellern von Mobil­tele­fo­nen teilt, es hat eben kaum ein Men­sch mehr als nur zwei Ohren; zum Anderen kann ein Unternehmen mit solchem Per­son­al und solch­er tech­nis­ch­er Infra­struk­tur nicht beliebig lange damit rech­nen, dass man von gut­gläu­bi­gen Inve­storen leben kann. Ger­ade, wenn man wie Twit­ter ohne ein funk­tion­ieren­des Geschäftsmod­ell den Börsen­gang wagt, wird die Lage mit der Zeit sel­ten entspan­nter.

Nun hätte Twit­ter ein­fach den logis­chen Schritt vol­lziehen und bezahlte Kon­ten ein­führen kön­nen, die dann zum Beispiel ani­mierte Avatare oder son­stige für die meis­ten Men­schen völ­lig egale Extras als Beloh­nung bekom­men hät­ten. Stattdessen hat man sich bei Twit­ter ange­se­hen, was (erster Fehler) der Mark­t­führer Face­book so anders macht als man selb­st, und (zweit­er Fehler) beschlossen, dass einiges dort genau das ist, was Twit­ter, das über­haupt nicht ver­sucht hat­te, ein “soziales Net­zw­erk” zu sein, drin­gend brauche. Anstupsen war es bedauer­licher­weise nicht.

Twit­ter bekam also ein neues Ausse­hen, geschwätzigere Benutzer­pro­file, die Möglichkeit, sich in Direk­t­nachricht­en ohne die übliche Begren­zung auf 140 Zeichen auszu­drück­en, und nun endlich auch die Funk­tion, kein Echtzeitmedi­um mehr zu sein: Man kann Tweets jet­zt nach Rel­e­vanz sortieren, wohlge­merkt: nach der von Twit­ter geschätzten Rel­e­vanz, was unge­fähr “je mehr Leute einem Benutzer fol­gen, desto rel­e­van­ter ist sein Ser­mon” bedeutet. Dass diese Option nicht nur abschalt­bar, son­dern auch stan­dard­mäßig deak­tiviert ist, sich für beste­hende Nutzer also bis auf Weit­eres nichts ändert, milderte die Protest­welle kaum ab. Wieder ein­mal ist Twit­ter “endgültig” gestor­ben, wieder ein­mal wer­den obskure Alter­na­tiv­en als die kün­ftige Heimat ganz Twit­ters ange­priesen; begin­nend mit näch­ster Woche wer­den diese Alter­na­tiv­en dann alle­samt wieder Staub anset­zen, weil ein Nicht­twit­ter eben keinen Spaß macht, wenn man dort ganz allein lustig ist.

Worauf ich aber eigentlich hin­aus wollte: Die Nutzerzahl von Twit­ter stag­niert, und das hat dur­chaus Gründe, die nichts damit zu tun haben, dass Twit­ter­nutzer eigentlich lieber bei Face­book wären.

Warum führt Twit­ter nicht endlich auch Glück­snüsse ein? :motz:


Apro­pos :motz::

Com­put­er sind pri­ma, weil sie binär funk­tion­ieren und es nur richtig und falsch gibt, richtig?

Falsch!

Ein Pro­gramm hat, grob zusam­menge­fasst, zwei mögliche Zustände beim Been­den, näm­lich true (alles hat funk­tion­iert) oder false (irgend­was lief beim Aus­führen schief), dabei entspricht der Rück­gabe­w­ert 0 oder “gar nichts” in der Regel true und jede größere Zahl false. Das true-Pro­gramm (true.c) aus dem GNU-Pro­jekt — das ist das, mit dem sich Lin­uxnutzer ange­blich herumärg­ern müssen — lässt das aber offen:

#ifndef EXIT_STATUS
# define EXIT_STATUS EXIT_SUCCESS
#endif

#if EXIT_STATUS == EXIT_SUCCESS
# define PROGRAM_NAME "true"
#else
# define PROGRAM_NAME "false"
#endif

// ...

return EXIT_STATUS;

true ist unter han­del­süblichem Lin­ux also entwed­er true oder false, das ist Def­i­n­i­tion­ssache. :mrgreen: Dass für eine der­ar­tige Auf­gabe 80 Zeilen nötig sind, erk­lärt sich über­wiegend daraus, dass ja Ver­sions- und Hil­feaus­gaben nötig sind, falls der Benutzer mal nicht weiß, welche Ver­sion von “gib 0 zurück” er nun eigentlich ver­wen­det.

Falls sich das mal ändert oder so.

(teil­weise via @ixception)

In den Nachrichten
Christliche Pappnasen (Nachtrag): Nous sommes le carnaval!

Erin­nert sich noch jemand an das witzige Komik­er­duo “Erkan und Ste­fan”, das vor nicht beson­ders langer Zeit — also vor unge­fähr 34 Jugend­sprachen — die so genan­nte “Kanak-Sprak” zum witzi­gen Stilmit­tel erhob und damit dur­chaus ver­gle­ich­sweise erfol­gre­ich war?

Erkan und Ste­fan — Respek­tive Berufe — Türste­her

Flo­ri­an “Ste­fan” Sim­beck macht inzwis­chen etwas Ser­iöseres, er regt sich zum Beispiel im Web über Karneval­swa­gen auf:

Der Fasching­sumzug im ober­bay­erischen Steinkirchen beschäftigt nun auch die Ermit­tlungs­be­hör­den in Ober­bay­ern: Sie ermit­teln wegen des Ver­dachts der Volksver­het­zung. Bei dem Umzug fuhr auch ein als Panz­er deko­ri­ert­er Wagen mit den Auf­schriften “Ilm­taler Asy­lab­wehr” und “Asyl­paket III”.

Die Botschaft hin­ter dem Wagen wie auch hin­ter vie­len ähn­lichen — Mario Six­tus, der vom Char­lie­sein nichts hält, verteilte erstaunlich wenig wortre­ich Inflek­tive darüber — ist offen­sichtlich eine Satire auf die gegen­wär­tige Entwick­lung hin zu ein­er restrik­tiv­eren Asylpoli­tik. Das hätte Mario Six­tus und den Ermit­tlungs­be­hör­den natür­lich mal jemand sagen kön­nen, dass Karneval­sumzüge oft­mals bis­sige Kri­tik an der Poli­tik des Lan­des the­ma­tisieren und nicht nur allen­falls für sehr betrunk­ene Men­schen ger­ade noch mit­tel­lustige Furzwitzfeiern sind. Was Satire davor schützt, zum Instru­ment irgen­dein­er Herrschaft zu wer­den, ist ja ger­ade ihr pubertär-anar­chis­tis­ch­er Geist, der über alles seine Witze reißen will. Ein anderes Medi­um emp­fiehlt scheiniro­nisch die Ein­rich­tung eines Satirem­i­nis­teri­ums, um erlaubte (also solche, an der sich nie­mand stößt) von uner­laubter Satire zu tren­nen, was es immer­hin von der Ägide des bish­er let­zten Reich­spro­pa­gan­damin­is­ters (“Der poli­tis­che Witz wird aus­gerot­tet”, Feb­ru­ar 1939) unter­schei­det, der das offen­sichtlich auch nicht beson­ders iro­nisch gemeint hat.

Nein, vom Ter­ror­is­mus lassen “wir” — der West­en — uns die Späße nicht ver­bi­eten. Wir brin­gen die Späße schon vorher in Sicher­heit.

Montagsmusik
3epkano — Here’s Hoping

Und die Eule blickte stumm...Es ist Mon­tag und so fühlt er sich auch an, was aber nicht so sehr ins Gewicht fällt, da man seinen Son­ntag schon am Sonnabend hat­te und über­haupt ger­ade alles durcheinan­der scheint, ins­beson­dere der Kopf. Visio­nen ret­ten nicht alles, oft nicht ein­mal ihren Besitzer. Let­zte Aus­fahrt: Anschmiegen mit Fingerspitzen(-)gefühl. (Und dann: Wohn­mo­bil ein­parken und nicht mehr weg­fahren.) Welch feine Nar­retei. Alaaf, helau!

Aus der Welt der Com­put­erei gibt es der­weil Fol­gen­des zu ver­melden: In einen Leno­vo-Lap­top einen Drit­tan­bi­eter-Akku einzubauen ist nur so lange eine gute Idee, bis man ihn laden möchte; das geht näm­lich nicht, ohne den Akku­con­troller zu patchen. Offen­sichtlich wer­fen Leno­vo-Akkus der­art hohe Gewinne ab, dass eine Aufrechter­hal­tung der Verkauf­szahlen auch zu Ungun­sten der bere­its zahlen­den Kun­den geboten ist. Vielle­icht sollte man sich von Leno­vo sowieso fern­hal­ten. Wer nun aber stattdessen zu einem Apple-Gerät greifen möchte, der sollte auch lieber spend­abel sein: Nicht autorisierte Repara­turen wer­den bestraft.

Anderes bestraft indes der Welt­geist: In Pisa starb der Schaus­piel­er Raphael (“Michael”, faz.net) Schu­mach­er, indem er sich in ein­er insze­nierten Erhän­gen-Szene tat­säch­lich selb­st erhängte. Es hätte schlim­mer kom­men kön­nen: Das ursprüngliche Skript sah Tod durch Erschießen vor.

Draußen und in Liveme­di­en tobt der Karneval, aber das Alter­na­ti­vange­bot für diejeni­gen, die nicht mit­to­ben möcht­en, kön­nte gar nicht groß genug sein. Ich trage mein Scher­flein bei. Die Kopfhör­er auf dem Kopf, den Part­ner zur Seite, die Augen geschlossen und die Klappe ein­fach auch mal.

Here’s Hop­ing — 3epkano

Guten Mor­gen.