PolitikIn den Nachrichten
Sie haben den Terror gewählt.

Was immer der Ter­ror­is­mus will, ob Gerechtigkeit oder Machter­halt, ist Gegen­stand manch­er Speku­la­tion; Einigkeit scheint darüber zu beste­hen, dass er die west­lichen Werte bekämpfen will, näm­lich Frei­heit, Indi­vid­u­al­is­mus und so weit­er.

Wenn es das ist, was einen Ter­ror­is­ten definiert, dann ist der Islamis­mus unser ger­ing­stes Prob­lem.

Frei­heit ist nicht ohne Sicher­heit denkbar.
@csu

CDU-Innen­min­is­ter Thomas de Maiz­ière gibt zu bedenken, die Atten­tate hät­ten “unser­er Frei­heit” und “allen, die Teil der EU sind” gegolten, ist von den Anschlä­gen in Brüs­sel allerd­ings anscheinend so sehr ent­täuscht, dass er kün­fti­gen Ter­ror­is­ten­gener­a­tio­nen noch in den “Tages­the­men” vor­ma­chte, wie das mit dem “Anschlag auf die Frei­heit” kün­ftig effizien­ter als mit irgendwelchen Sprengsätzen ablaufen kann:

Daten­schutz ist schön, aber in Krisen­zeit­en hat Sicher­heit Vor­rang.

Dieselbe CDU/CSU, die dem West­en die Frei­heit nehmen will, ruft nun zur Vertei­di­gung gegen die Feinde dieser Frei­heit auf. Das ist bizarr, aber lobenswert. Wir soll­ten unser Bestes tun, um diesem Wun­sch nachzukom­men.

SonstigesIn den Nachrichten
Medienkritik XCVI: Sensationsterrorismus

Gefällt mirDie Kom­pagnons des geris­se­nen Burschen, der sich monate­lang zu Hause ver­steckt hat­te, was eine mit der neuesten Überwachung­stech­nolo­gie aus­ges­tat­tete über­staatliche Polizei nur mit Mühe her­aus­find­en kon­nte, haben heute effek­tre­ich mit­geteilt, dass sie es nicht gut find­en, wenn die Welt nicht mehr von ihnen spricht. Pri­ma, endlich wieder was los in Europa!

Was? Nein, nicht pri­ma für den Frieden und die Ratio­nal­ität, um Him­mels Willen! Für den Jour­nal­is­mus natür­lich, den Google und Face­book fast an den Bet­tel­stab gebracht hät­ten; denn zwar wusste man auch nach Stun­den eigentlich nichts, außer dass das rou­tinemäßige Befum­meln von Flug­pas­sagieren einen Flughafen nicht schützt und dass irgend­was explodiert ist, nach­dem irgendw­er Ara­bisch gesprochen hat, was in ein­er Stadt wie Brüs­sel ja schon mal passieren kann, aber für “Wir wis­sen nichts” kriegt man — ich deutete es an — auch keine Wer­be­fläche voll. Die Anschläge “dürften”, so spekulierte man zeit­nah und lange vor der Offen­barung seit­ens der ver­meintlichen Drahtzieher auf “ZEIT ONLINE”, “das Werk dschi­hadis­tis­ch­er Ter­ror­is­ten sein”, und wenn nicht, dann eben nicht.

Schon nach weni­gen Minuten hat­te jede halb­wegs große Nachricht­en­web­site min­destens einen Livet­ick­er und mehrere Artikel mit den immer gle­ichen Auf­nah­men: Die immer gle­ichen Men­schen, die bluten, ren­nen, weinen. Mit irgend­was muss man seine not­dürftig getarn­ten Wer­be­flächen ja bebildern, und Men­schen guck­en gern dahin, wo es Leid gibt. Guck­ense mal trau­rig, Frol­lein. Dür­fen wir Ihre Schmerzen zeigen, um Klicks zu gener­ieren? Nicht? Machen wir trotz­dem, natür­lich unver­pix­elt, denn das ist exk­lu­siv, das bringt Leser. Das ätzende “SPIEGEL ONLINE”, das ein trau­riger Zeuge des viel zu langsamen Ster­bens von sog. “Online­jour­nal­is­mus” ist, emp­fiehlt: “Lesen Sie dazu auch: Ama­teurvideo: Flucht und Panik nach der Explo­sion am Flughafen”. Das ist authen­tisch, das wollen die Leute sehen. Dau­men hoch! — Dass die Gesten “Dau­men hoch” und “Dau­men runter”, vom jew­eili­gen Feld­her­rn aus­ge­führt, in der Antike, so sagt man, über Leben und Tod eines Glad­i­a­tors entsch­ieden, ist auch insofern eine bemerkenswerte Par­al­lele.

Aber was macht der West­en nun mit all den Anschlä­gen? Ändert euer Twit­ter­a­vatar, betet für Brüs­sel, denn Reli­gion hil­ft bekan­ntlich immer. Je suis le Man­neken-Pis. BND und NSA hat­ten Bel­gien bekan­ntlich bere­its überwacht, was offen­sichtlich super funk­tion­iert hat. Da helfen nur noch mehr Kam­eras und, natür­lich, die Vor­rats­daten­spe­icherung; damit man hin­ter­her sagen kann, man habe ja so einen Ver­dacht gehabt. “Recht” wie in “Richt­en”, nicht wie in “Frei­heit­srechte”. Hörnse­ma, hier ist ger­ade der Terrorismus!!11 vor Ihrer Haustür und Sie wollen Frei­heit für sich in Anspruch nehmen? Ganz schön verdächtig, kom­mense mal mit.

Machen Sie Schluss

Bild­strecke! Klickst du an, siehst du Qual!

Kein­er soll sagen, er habe von nichts gewusst.


Vielle­icht noch dies als Schlus­sakko­rd: Frauen­quoten waren, sind und bleiben ver­fas­sungswidrig. Empört euch!

PolitikNetzfundstückeMir wird geschlecht
Genitalverstümmelung muss deutsch bleiben!

Ronald Dük­er (“ZEIT ONLINE”) wirkt ehrlich begeis­tert, dass ihm, äh, den Flüchtlin­gen endlich mal wer erk­lärt, wie Fick­en geht:

Das Aufk­lärungsportal “Zanzu – Mein Kör­p­er in Wort und Bild” richtet sich an Migranten. “Vor allem zu uns geflüchtete Men­schen”, heißt es in ein­er amtlichen Mit­teilung, “die noch nicht lange in Deutsch­land leben, erhal­ten hier einen diskreten und direk­ten Zugang zu Wis­sen in diesem Bere­ich.”

Man lernt dort: Sex ist ganz in Ord­nung, wenn alle Beteiligten Spaß daran haben und nie­man­dem etwas zustößt. Dabei gibt der Ver­ant­wortliche für das Schnack­sel­por­tal, das Bun­desmin­is­teri­um für Gesund­heit, den väter­lichen Rat­ge­ber, verzichtet jedoch lei­der darauf, das mit den Geset­zen allzu genau zu nehmen:

Nur am Rande dräut Ärg­er durch Über­schre­itun­gen, die den Flüchtlin­gen dann doch zuge­traut wer­den. Eigene Abteilung: Gen­i­talver­stüm­melung, die “ist in Deutsch­land geset­zlich ver­boten”.

So weit, so Quatsch.

Ende Dezem­ber 2012 hat die dama­lige Bun­desregierung das geset­zliche Ver­bot von Gen­i­talver­stüm­melung durch den Erlass von § 1631d BGB gelock­ert, in dem es heißt:

(1) Die Per­so­n­en­sorge umfasst auch das Recht, in eine medi­zinisch nicht erforder­liche Beschnei­dung des nicht ein­sichts- und urteils­fähi­gen männlichen Kindes einzuwilli­gen, wenn diese nach den Regeln der ärztlichen Kun­st durchge­führt wer­den soll. Dies gilt nicht, wenn durch die Beschnei­dung auch unter Berück­sich­ti­gung ihres Zwecks das Kindeswohl gefährdet wird.

Das heißt: Ein sorge­berechtigter Vor­mund, zum Beispiel eine nur heim­lich geis­tes­gestörte Mut­ter, hat hochof­fiz­iös das Recht, aus nicht nen­nenswerten Grün­den die Gen­i­tal­ien ihrer Söhne — natür­lich nicht der Töchter, dieses Priv­i­leg ste­ht in einem anständi­gen Patri­ar­chat gefäl­ligst nur Söh­nen zu — ver­stüm­meln zu lassen (denn was, wenn nicht Ver­stüm­melung, ist das Abschnei­den klein­er Kör­perteile wie Ohrläp­pchen, Fin­gerkup­pen oder Vorhäuten?), so lange es jemand tut, der nach­weis­lich ärztliche Kun­st zu vol­lziehen ver­mag, und sei sie auch noch so abstrakt.

Es kommt noch schlim­mer:

(2) In den ersten sechs Monat­en nach der Geburt des Kindes dür­fen auch von ein­er Reli­gion­s­ge­sellschaft dazu vorge­se­hene Per­so­n­en Beschnei­dun­gen gemäß Absatz 1 durch­führen, wenn sie dafür beson­ders aus­ge­bildet und, ohne Arzt zu sein, für die Durch­führung der Beschnei­dung ver­gle­ich­bar befähigt sind.

So genau muss man es mit der ärztlichen Kun­st nicht nehmen: Ein für das Befassen mit Kinder­gen­i­tal­ien beson­ders aus­ge­bilde­ter (zum Beispiel katholis­ch­er) “dazu vorge­se­hen­er” Heils­bringer darf — von notwendi­ger Ein­willi­gung der Sorge­berechtigten spricht das Gesetz hier inter­es­san­ter­weise nicht — im ersten hal­ben Leben­s­jahr dem Kind (lies: dem männlichen Kind) das Fortpflanzung­sor­gan zer­schnei­den. Ein paar Kun­st­fehler fall­en in der Sta­tis­tik kaum auf.

Man kann nur hof­fen, dass diejeni­gen Flüchtlinge, die hier bleiben wollen, möglichst got­t­lose und anständi­ge Eltern haben.

PolitikIn den Nachrichten
Werte im Wind

In Ham­burg sitzt seit 2015 die AfD, das in Deutsch­land umge­hende Gespenst, in der Bürg­er­schaft herum, allerd­ings als schwäch­ste der dor­ti­gen Parteien mit nur 6,1 Prozent der Stim­men. Erstaunlicher­weise ist Ham­burg seit­dem noch immer nicht von schw­eren Krisen heimge­sucht wor­den.

Zeit, das zu ändern, find­et die Ham­burg­er CDU:

Die Ham­burg­er CDU will in öffentlichen Schulen in Ham­burg die deutsche und die europäis­che Flagge hissen als “iden­titätss­tif­tende Sym­bole unser­er Wer­te­ord­nung”. (…) Es gehe dabei nicht um “Deutschtümelei oder nation­al­is­tis­che Über­höhung”, sagte Prien. Den Kindern solle hinge­gen ein “wertege­bun­den­er Patri­o­tismus” ver­mit­telt wer­den.

Es ist insofern nur wenig über­raschend, dass die CDU sich von der AfD dis­tanziert. Mit Ver­rück­ten will man ja nichts zu tun haben.

NetzfundstückeMontagsmusik
Leonard Cohen — Store Room

Flügel schonend fliegen.Mon­tag, du Wochen­tag gewor­den­er aus­gestreck­ter Mit­telfin­ger. Wenn die Aufteilung der Woche Men­schen­werk ist, ist die bloße Beschaf­fen­heit des Mon­tags ein weit­er­er Grund zur Mis­an­thropie.

Zumal doch schon Leute, die einem nicht mon­tags begeg­nen, an der Sinnhaftigkeit men­schlichen Daseins zweifeln lassen: Het­ero­topie auf der Toi­lette, die Selb­stern­iedri­gung durch Imi­ta­tion ist in der Bild­chenge­sellschaft mit beängsti­gend wenig Schamge­fühl ver­bun­den. Ich bin ja nicht kon­ser­v­a­tiv, aber ein wenig weniger Gaga wäre der zugeknöpften Zeit wirk­lich angemessen. Apro­pos Erniedri­gung; ein Blick nach links. Sprachver­hun­z­er, Twit­tertrolle, Kapuzen­hei­nis, Gen­der­spral­los. Ist das ‘links’? Kann man das “vere­inen”? Will das irgendw­er? Ist das Kun­st oder kann das weg?

Grandiose Idee des Monats: WLAN in Herz­schrittmach­ern, weil ein Gerät ohne WLAN kein gutes Gerät sein kann. Was kann schon schiefge­hen? — Aber es heißt ja, ein Men­sch sollte niemals die Mode ignori­eren, auch nicht in der Küche. Für “SPIEGEL ONLINE” ermit­telte man, dass die Mode ger­ade autother­a­peutis­ches Erken­nt­nis­back­en umfasst. Ich backe ver­bran­nten Kuchen, schon der Farbe wegen.

Erwäh­nte ich, dass Mon­tag ist?

Leonard Cohen — Store Room (1967)

There’s noth­ing left to choose and there is so much more to lose.

Guten Mor­gen.

KaufbefehleMusikkritik
Karokh — Needle, Thread & Nail Polish

Karokh - Needle, Thread & Nail PolishWisst ihr noch, Karokh? Waren sie 2014 noch eine Über­raschung für mich, so hat­te ich sie im Fol­ge­jahr doch wieder völ­lig aus den Augen ver­loren. Um so erfreulich­er ist ihre Rück­kehr in zumin­d­est mein Bewusst­sein.

Nur 31:31 Minuten lang ist das mit einem kurzen Tweet angekündigte zweite Album der sieben Oslo­er, dafür gibt es außer MP3 auch Vinyl dazu. “Nadel, Faden und Nagelpoli­tur”, früher haben sich nur schlimme Folk­bands solche Titel aus­gedacht, aber früher gab es auch viel zu viele davon. Dies jedoch ist Karokh. Karokh ist gut. Hören wir doch mal rein.

“Poke” begin­nt mit zurück­ge­hal­tenem Gitar­ren­rhyth­mus, es klingt nach Süd­see und ein biss­chen Grunge. Es set­zen Trompete und Syn­the­siz­er ein — ah, doch keine Karibik-CD, son­dern fein­er Jaz­zrock mit Gen­reaus­flü­gen in inter­es­sante Rich­tun­gen. Ina Sagstuen ist noch immer eine beein­druck­ende Sän­gerin mit Tal­ent zur Vokalakro­batik, über­haupt ist Gle­ich­för­migkeit für das Septett noch immer nicht von Bedeu­tung. Wohl kalkulierte Mis­stöne erin­nern daran, dass man dem RIO (mitunter: Think­ing Plague) näher ist und bleiben will als dem Beliebigkeit­spop. Dass weite Streck­en des Liedes mit einem eingängi­gen Kopfnick­rhyth­mus unter­legt sind, kon­trastiert das schräge Haupt­pro­gramm, dessen gefühlte Dis­so­nanz es nahezu unmöglich macht, diesem Drang nachzugeben, vortr­e­f­flich. Ich mag das.

Apro­pos Kon­traste: Lasst euch von “Smile”, etwa vier Minuten lang ein qua­si min­i­mal­is­tis­ches, hyp­no­tis­ches Stück, nicht in falsch­er Sicher­heit wiegen; seine ver­störende zweite Hälfte, eine recht wilde Schlacht der Instru­mente, lässt keine Ein­wände mehr gel­ten. Dage­gen klingt “Boo­gies” teils ger­adezu düster nach einem sur­realen Traum, in dem Primus und Devo gemein­sam Peter Ham­mill cov­ern (oder umgekehrt), wäre da nicht der wider­spen­stige Bass, der sich in die Wahrnehmung fräst und wie zum Trotz auch als let­zter Ton abklingt. Leichte Kost ist ja dann doch eher was für “SPIEGEL ONLINE” als für unsere­inen; das haben wir jet­zt davon.

Das Titel­stück als vor­let­ztes: Ah, Sechziger-Jahre-Rock. Oder? Nein, eine Explo­sion:

Karokh — Nee­dle, Thread and Nail Pol­ish

Das viere­in­halb­minütige und in sein­er Eingängig- und Kan­ten­losigkeit beina­he sin­gle­taugliche “Chude”, das das Album beschließt, run­det es zugle­ich würdig ab. Karokh haben sich auf ihrem Zweitling nicht ein­fach “weit­er­en­twick­elt”, wie man es ja gern umschreibt, son­dern sind noch exper­i­menteller, noch ver­spiel­ter gewor­den. So kann es bleiben.

Die Plat­ten­fir­ma für das Album heißt “No Fore­vers”. Hof­fentlich ist das nicht ernst gemeint.

Netzfundstücke
Nom.

Was hat uns allen denn noch gefehlt? Richtig:

Jessie ist Food­blog­gerin und seit kurzem auch zu sehen bei Nom, einem neuen Stream­ing­di­enst für Essensvideos des YouTube-Grün­ders Steve Chen.

Vielle­icht gründe ich näch­ste Woche “Klatsch”, einen neuen Stream­ing­di­enst für Videos, in denen sich Leute mit der flachen Hand ins Gesicht schla­gen. Kosten­lose Wer­bung dafür machen die Anderen schon jet­zt.

PolitikIn den NachrichtenPiratenpartei
Liegengebliebenes vom 16. März 2016

Pri­ma Schlagzeile: Madon­na fällt betrunk­en vom Dreirad.


Hur­ra, wir haben jeman­den umge­bracht!


Was passiert eigentlich, wenn man im CDU-Land Sach­sen-Anhalt von der Polizei über­fahren wird? Meis­tens nichts, aber für eventuelle Lackschä­den hat man selb­st aufzukom­men.


Während das Fraun­hofer-Insti­tut gemein­sam mit der BND-Tochter­fir­ma Telekom sich mit der Erfind­ung beson­ders schlecht konzip­iert­er Ver­schlüs­selung schmückt, hört man sog­ar von der Piraten­partei wieder Sin­nvolleres: Die Stör­erhaf­tung in WLANs ist eine unzuläs­sige Regelung, befind­et man am Europäis­chen Gericht­shof.


“SPIEGEL ONLINE”, das Fach­magazin für Poli­tikver­mei­dung, zeigt sich beruhigt: Wladimir Putin hat kein Bügel­brett im Arbeit­sz­im­mer.


Beruhi­gende Worte schließlich auch für das Föje­tong: Wer am Woch­enende nicht die AfD gewählt hat, hat Angela Merkel gewählt und damit — das bleibt im Dunkeln — die Partei, die die Außen­gren­zen der EU vor Flüchtlin­gen schützt.

In den NachrichtenMontagsmusikPersönlichesPolitik
Kein Fragment (Klammern). // Bryan Ferry — Bitter-Sweet

Käuzchen in mondloser Nacht(… und dann ist Mon­tag und man hat wieder ein­mal ver­sagt, weil man es oder wenig­stens sich selb­st nicht abwarten kon­nte und man vor Sichgut­fühlen manch­mal eben doch die Lage verken­nt und zeigt, was man für müh­sam unter Kon­trolle bekom­men hielt, weil man ein­fach nicht ver­ste­hen kann, was man hat und warum man es hat und dass nichts, aber auch gar nichts ein Zufall ist. Man bekommt, was man ver­di­ent.

Es ist Mon­tag und man weiß genau, was daran falsch ist.

Bryan Fer­ry — Bit­ter-Sweet

Es ist immer zu früh, um einan­der ver­loren zu geben, und doch: man ahnt, wie sich ein Käuzchen fühlt; und schre­it.)


Der­weil kol­la­biert die Welt. Drei Bun­deslän­der haben mit bös­er Miene Quatsch gewählt (“Land­tagswahlen sind eine Art kleine Bun­destagswahl”, Han­nelore Crol­ly, c/o “WELT ONLINE”) und Kei­th Emer­son ist tot; Fre­itod, sagen sie und meinen wahrschein­lich nicht die drei Bun­deslän­der. Weit­er möchte man die Nachricht­en auch gar nicht lesen und tut es dann doch. Die Märk­te gehen durch die Decke, die Bosse tanzen Sam­ba, alles flüchtet in Immo­bilien, der Mak­ler reibt Hände ohne Ende, nur deine Lebensver­sicherung ist lei­der total im Arsch, Papi.

Die Kassen stim­men. Mit­tel­stand, Ger­ingver­di­ener? Das hat sich Erhard, sein­er Partei zum Trotz, wahrschein­lich auch anders vorgestellt. Geht doch nach drüben. Uns geht es gut. Wir schaf­fen das, vor allem schaf­fen wir uns. Das gefällt nicht? Das macht nichts. Seht euch das Elend an und dann wählt etwas anderes. Die dehy­dri­erten Greise, deren Ver­fall vom Gesund­heitssys­tem in so enge Bah­nen gelenkt wurde, dass es für ein Kreuzchen bei Scheiß­parteien alle zwei Jahre noch aus­re­icht, damit als Dankeschön mehr Geld zwecks Ver­prassens von ihrer Rente gestrichen wer­den kann, sind eure eigene Zukun­ft.

Diejeni­gen Wahlkreise in Sach­sen-Anhalt, in denen die AfD nicht zur Wahl stand, gin­gen alle­samt an die CDU; von der man aber auch genau das erwartet hätte. Die Poli­tik von CDU und SPD wird keine bessere, wenn sie stattdessen von Grü­nen und AfD gemacht wird. Die Idiokratie frisst ihre Kinder.

Tief dur­chat­men. Sie wer­den kom­men.

Guten Mor­gen.

PersönlichesComputer
Smartes Gucken im Aktivfernsehen

Dass der Mehrw­ert des Fernse­hens für das tägliche Leben mit dem nach wie vor anhal­tenden Anstieg an pri­vat geführten Fernsehsendern nicht unbe­d­ingt gle­icher­maßen gestiegen ist, set­ze ich als bekan­nt voraus. Den Wet­t­lauf um die schnell­sten Infor­ma­tio­nen hat bis auf Weit­eres das Echtzeitmedi­um Twit­ter — jet­zt auch mit Schmink­gesicht — gewon­nen, was schon konzep­tionell bed­ingt ist; wenn alle dreißig Minuten eine neue Nachricht­ensendung pro­duziert wird, passiert für irgend­je­man­den Span­nen­des eben gern auch mal dazwis­chen.

Die Lück­en zwis­chen den Nachricht­en vom Vortag füllen meist eher unspan­nende Sendun­gen, die irgend­was mit cast­ing zu tun haben und in denen neue “Tal­ente” zum späteren Einsin­gen von Altenheimen und Möbel­häusern gekürt wer­den sollen, mitunter unter­brochen von weni­gen Licht­blick­en wie den “Simp­sons”, die ich (allem Schlechter­w­er­den zum Trotz) noch immer mag, wobei ich allerd­ings bish­er nicht das Bedürf­nis ver­spürte, mir für solche Aus­nah­men ein eigenes Fernse­hgerät zuzule­gen; die Gefahr, zum falschen Zeit­punkt das Gerät einzuschal­ten und for­t­an in ein Delir­i­um zu ver­fall­en, wie Men­schen, die fernse­haffine Ver­wandte und/oder Bekan­nte haben, es sicher­lich bere­its ken­nen, während das Hirn allmäh­lich eine brei­ig-käsige Bewusst­seins­form annimmt, ist ger­ade für uns Kop­far­beit­er zu groß.

Mit dem Auftrieb von so genan­nten “Smart-TVs”, prinzip­iell also Fernse­hgeräten mit dauernd aktiviert­er Wohnz­im­merkam­era, die sich, weil es geht, mit euren Kühlschränken, Tre­soren, Glüh­bir­nen, Uhren und ins­beson­dere mit ihrem Her­steller unter­hal­ten kön­nen, hat die Fernse­htech­nik sich zwar inzwis­chen auf so absurde Größen auf­blasen lassen, dass man das schlimme Gesicht, das jew­eils ger­ade dummes Zeug im laufend­en Pro­gramm von sich zu geben über­bezahlt wird, um ein Vielfach­es ver­größert ertra­gen darf, allein: die Qual­ität hat sich nicht verbessert. Da aber die Geräte nicht nur Dat­en über’s Netz senden, son­dern auch emp­fan­gen kön­nen, lassen sie es zumin­d­est zu, dass man statt ein­er Dauer­werbe­sendung, die nur sel­ten von zudem von offen­sichtlich intel­li­gen­zver­ach­t­en­den Entschei­dern ent­wor­fen­em “Pro­gramm” unter­brochen wer­den, auch Sendun­gen aus dem Inter­net beziehen kann, gern in Verbindung mit einem Abon­nement von “Enter­tain”, “Net­flix” (das es zu mein­er Über­raschung auch einzeln, also ohne beigepack­tes Chillen, zu geben scheint) oder ähn­lichen Dien­sten, bei denen Serien zu mieten mir ähn­lich rat­sam erscheint wie meine Plat­ten­samm­lung durch ein Spo­ti­fy- oder TIDAL-Abon­nement zu erset­zen statt sie allen­falls gele­gentlich zu ergänzen, näm­lich nicht im Ger­ing­sten. Dieses stream­ing aber ver­ringert ger­ade auch, nach­dem der Video­text vom Fernse­hen auf andere Geräte umge­zo­gen ist, gegebe­nen­falls den noch von früheren Gen­er­a­tio­nen gelebten Brauch, ein allzu lang­weiliges Pro­gramm nicht etwa auszuschal­ten, um wieder am richti­gen (gar: Familien-)Leben teilzunehmen, son­dern zu zap­pen, also so lange die immer größer wer­dende Anzahl an Sendern auf ihren Gehalt zu über­prüfen, bis etwas zu sehen war, was zumin­d­est für einige Minuten nicht zu offen­sichtliche Langeweile ver­hieß. Beim “smarten” Fernse­hen sind die Gestal­tungsmöglichkeit­en etwas größer, man kann sich also eigentlich recht lange ohne nen­nenswerte Unter­brechung, sofern man das denn möchte, berieseln lassen.

Eigentlich.

Mein Fernse­her hat sich ger­ade abgeschal­tet, weil seit 4 Stun­den keine Inter­ak­tion stattge­fun­den hat.

Es mag “abschalt­bar” sein, aber die Prämisse scheint unmissver­ständlich: Wer vier Stun­den lang ein­fach nur fern­sieht, ohne eigentlich anlass­los auf der Fernbe­di­enung herumzu­drück­en, der wird von smarten Geräten für zumin­d­est eingeschlafen gehal­ten, was über das Ver­trauen der­er, die solche Geräte her­stellen, in das, was sie zeigen, mehr als das Nötig­ste aus­sagt, und wer sich mit einem smarten Fernse­her über Stun­den hin­weg nicht knöpfchen­drück­end beschäftigt, der macht sich verdächtig. Inter­ak­tives Fernse­hen mit Mit­mach­fak­tor ist Gebot, nicht bloß Ange­bot. Wenn ich es auch als angenehm empfinde, wenn die Tech­nik san­ft darauf aufmerk­sam macht, dass Men­schen, die mehr als vier Stun­den am Stück qua­si apathisch den unge­sun­den Müll in sich aufnehmen, der sich Fernseh­pro­gramm nen­nen lässt, drin­gend etwas ändern soll­ten, was in ein­er weniger roman­tis­chen Darstel­lungsvari­ante auch ein­fach nur irgend­was mit Energieef­fizienz (diese mod­er­nen Kernkrafter­satz­place­bos liefern eben nicht mehr genug Energie, um sie nach Herzenslust zu vergeu­den) zu tun haben kön­nte, so bleibt doch die irri­tierende Erken­nt­nis, dass man sich, wollte man inter­agieren und nicht ein­fach glotzen, lieber eine Mini­bar als einen Fernse­her gekauft hätte.

Die Rund­funkge­bühr sollte Schmerzenss­teuer heißen.

PolitikIn den NachrichtenMontagsmusik
Marc Ribot Trio — Fat Man Blues

WachwachwachEs ist Mon­tag, es ist Zeit, sich nochmals bevorzugt gemein­sam im Bett herumzu­drehen (wenn nicht gar: zu wälzen), bevor die Pflicht ruft. Nachtschlafende Zeit har­moniert nicht mit Tages­licht.

Anderen ist die Fleis­ches­lust eher fremd:

Über den fre­undlichen Wink an die Jungstu­den­ten in Form von Kon­domen herrschte ja noch ein lei­dlich­er Kon­sens im Stu­den­ten­rat. Doch dann kam der Plan zur Anschaf­fung von je 5 000 veg­a­nen Kon­domen und 5 000 dem — so die Erläuterung — „sicheren Oralverkehr an Frauen“ gewid­me­ten Leck­tüch­ern zur Abstim­mung. Und wurde von der Mehrheit auch prompt gut­ge­heißen[.]

Denn wenn Erstse­mes­ter eins wirk­lich brauchen, dann sind es veg­ane Kon­dome und Leck­tüch­er!

Aber wen inter­essieren schon solche Kinker­l­itzchen, wenn es doch weit schlim­mere Nachricht­en zu ver­melden gibt? Hes­sen hat gestern gewählt und die Recht­spop­ulis­ten haben gewon­nen: Unge­fähr vierzig Prozent der Wäh­ler gaben CDU oder SPD ihre Stimme. Hes­sen hat­te ich gar nicht als so rück­ständig in Erin­nerung. Viel mod­ern­er ver­sucht der­weil “ZEIT ONLINE” zu sein, die einen Artikel über das Zeichen “@” anlässlich des Todes des Erfind­ers der E‑Mail Ray Tom­lin­son “Very s@d news” betitelt, “Very satd news” also, was ein­er­seits her­rlich 90er, ander­er­seits aber auch nicht weniger als däm­lich ist.

Lasst uns ungeachtet all dessen beschwingt in die Woche starten.

Marc Ribot Trio Fat Man Blues

Guten Mor­gen.

PolitikSonstigesNetzfundstückeIn den Nachrichten
Liegengebliebenes vom 4. März 2016

Das Recht auf Waf­fenbe­sitz sei ein essen­zieller Bestandteil der Frei­heit jedes US-Amerikan­ers, heißt es aus ein­schlägi­gen Kreisen. Ich vertrete ja schon seit län­ger­er Zeit die Mei­n­ung, dass Waf­fenbe­sitz Doofheit gle­ichzeit­ig voraus­set­zt und fördert. Beweis­stück G:

Ein Mann aus dem US-Bun­desstaat Wash­ing­ton wollte ein paar Fotos mit Waffe von sich machen. Beim let­zten Self­ie schoss er sich verse­hentlich in den Kopf.

Mit etwas mehr Bil­dung wäre das vielle­icht nicht passiert; oder mit mehr Schlaf:

Ein 16-Jähriger hat im US-Bun­desstaat Ten­nessee mehrfach auf seine Fam­i­lie geschossen, als er von sein­er Mut­ter geweckt wurde. Der Grund: Er war sauer, weil er nicht auf­ste­hen und in die Schule gehen wollte.

:irre:

(unter anderem via Schw­erdt­fe­gr)


Ihr habt eine Vollmeise und wollt sie euch ver­sil­bern lassen, aber die Gen­der-Stud­ies-Stu­di­engänge sind lei­der schon voll? Keine Panik — es gibt nun auch einen Bach­e­lorstu­di­en­gang für veg­ane Ernährung mit­samt dazu passender Stiftung­spro­fes­sur, damit aus euch doch noch was wer­den kann.


Zur Causa Volk­er Beck — nach­dem selb­st Hanf­pflanzenbe­sitzer Cem Özdemir dessen Dro­genkon­sum als eines Grü­nen unwürdig beschrieb, was nach der Pädophiliegeschichte zumin­d­est eine ziem­lich niedrige Mess­lat­te ist — sei allen­falls noch die “taz” in falschem Kon­text zitiert: Wo die Grü­nen regieren, ist es mit ihrer Moral nicht weit her.


Wenn es doch nur eine Schale für das Innere von Orangen gäbe! (Allergik­er­war­nung: Ver­weis geht zu Google+.)