SonstigesIn den Nachrichten
Medienkritik XCVI: Sensationsterrorismus

Gefällt mirDie Kom­pagnons des geris­se­nen Burschen, der sich monate­lang zu Hause ver­steckt hat­te, was eine mit der neuesten Überwachung­stech­nolo­gie aus­ges­tat­tete über­staatliche Polizei nur mit Mühe her­aus­find­en kon­nte, haben heute effek­tre­ich mit­geteilt, dass sie es nicht gut find­en, wenn die Welt nicht mehr von ihnen spricht. Pri­ma, endlich wieder was los in Europa!

Was? Nein, nicht pri­ma für den Frieden und die Ratio­nal­ität, um Him­mels Willen! Für den Jour­nal­is­mus natür­lich, den Google und Face­book fast an den Bet­tel­stab gebracht hät­ten; denn zwar wusste man auch nach Stun­den eigentlich nichts, außer dass das rou­tinemäßige Befum­meln von Flug­pas­sagieren einen Flughafen nicht schützt und dass irgend­was explodiert ist, nach­dem irgendw­er Ara­bisch gesprochen hat, was in ein­er Stadt wie Brüs­sel ja schon mal passieren kann, aber für “Wir wis­sen nichts” kriegt man — ich deutete es an — auch keine Wer­be­fläche voll. Die Anschläge “dürften”, so spekulierte man zeit­nah und lange vor der Offen­barung seit­ens der ver­meintlichen Drahtzieher auf “ZEIT ONLINE”, “das Werk dschi­hadis­tis­ch­er Ter­ror­is­ten sein”, und wenn nicht, dann eben nicht.

Schon nach weni­gen Minuten hat­te jede halb­wegs große Nachricht­en­web­site min­destens einen Livet­ick­er und mehrere Artikel mit den immer gle­ichen Auf­nah­men: Die immer gle­ichen Men­schen, die bluten, ren­nen, weinen. Mit irgend­was muss man seine not­dürftig getarn­ten Wer­be­flächen ja bebildern, und Men­schen guck­en gern dahin, wo es Leid gibt. Guck­ense mal trau­rig, Frol­lein. Dür­fen wir Ihre Schmerzen zeigen, um Klicks zu gener­ieren? Nicht? Machen wir trotz­dem, natür­lich unver­pix­elt, denn das ist exk­lu­siv, das bringt Leser. Das ätzende “SPIEGEL ONLINE”, das ein trau­riger Zeuge des viel zu langsamen Ster­bens von sog. “Online­jour­nal­is­mus” ist, emp­fiehlt: “Lesen Sie dazu auch: Ama­teurvideo: Flucht und Panik nach der Explo­sion am Flughafen”. Das ist authen­tisch, das wollen die Leute sehen. Dau­men hoch! — Dass die Gesten “Dau­men hoch” und “Dau­men runter”, vom jew­eili­gen Feld­her­rn aus­ge­führt, in der Antike, so sagt man, über Leben und Tod eines Glad­i­a­tors entsch­ieden, ist auch insofern eine bemerkenswerte Par­al­lele.

Aber was macht der West­en nun mit all den Anschlä­gen? Ändert euer Twit­ter­a­vatar, betet für Brüs­sel, denn Reli­gion hil­ft bekan­ntlich immer. Je suis le Man­neken-Pis. BND und NSA hat­ten Bel­gien bekan­ntlich bere­its überwacht, was offen­sichtlich super funk­tion­iert hat. Da helfen nur noch mehr Kam­eras und, natür­lich, die Vor­rats­daten­spe­icherung; damit man hin­ter­her sagen kann, man habe ja so einen Ver­dacht gehabt. “Recht” wie in “Richt­en”, nicht wie in “Frei­heit­srechte”. Hörnse­ma, hier ist ger­ade der Terrorismus!!11 vor Ihrer Haustür und Sie wollen Frei­heit für sich in Anspruch nehmen? Ganz schön verdächtig, kom­mense mal mit.

Machen Sie Schluss

Bild­strecke! Klickst du an, siehst du Qual!

Kein­er soll sagen, er habe von nichts gewusst.


Vielle­icht noch dies als Schlus­sakko­rd: Frauen­quoten waren, sind und bleiben ver­fas­sungswidrig. Empört euch!