Sonstiges
Der Neid der Besitzenden

„Der Frühling kommt, die Sonne lacht” (Die Ärzte), und mit ihr lachen sie, die Pärchen bzw. teilweise schon ausgewachsenen Paare. Es ist gleichsam zum Auswachsen.

Wer schon immer einmal eine innere Leere verspüren wollte, wie es lt. Joanne K. Rowling der Kuss eines Dementors mit sich führt, dem sei gerade im Frühling anzuraten, sich zwecks gemeinsamer Unternehmungen auf die Suche nach ihnen zu begeben.

Es gibt nur schwerlich ein Entrinnen. Die Anwesenheit Verliebter nimmt demjenigen, der die Szene betritt, all seine Hoffnungen und Träume, reißt ihn unsanft aus seinen Gedanken und befördert ihn mithin ins Aus. Schwarze Löcher der Existenz. Man ist schlicht nicht vorhanden. Und man steht neben ihnen, neben sich mit offenen Augen und offenem Mund, und man weiß endlich, was Sehnsucht bedeutet.

Love is like Oxygen. Zwei Euro ins Phrasenschwein.

In den NachrichtenPolitik
Onlinedurchsuchungen

Kurz nach der Entscheidung (die spaßigerweise auch irgendwas mit Big Brother zu tun hat) ließ sich die für den geistigen Unrat verantwortliche Partei nicht nehmen, eine Presseerklärung abzugeben, deren augenscheinlichen Kernsatz ich hier unkommentiert wiedergeben möchte:

Es war richtig, dass Wolfgang Schäuble die rechtsstaatlich fragwürdige Praxis Otto Schilys, die Online-Durchsuchung per Verordnung, ausgesetzt hat. Einmal mehr wird deutlich: Die CDU ist die Partei der inneren Sicherheit und des Rechtsstaates.

Nun ja.

In den NachrichtenMusikNetzfundstücke
Und abermals die immer gleiche Industrie!

Das Europäische Parlament hat die Mitglieder der Europäischen Union dazu aufgefordert, einen Plan zur Kriminalisierung von Urheberrechtsverstößen voranzutreiben.

(Quelle)

Weil nämlich:

Der aktivste Unterstützer der Gesetzesvorlage ist der Italiener Nicola Zingaretti. „Organisiertes Verbrechen findet man weltweit und nimmt keine Rücksicht auf Grenzen. Wir wollen sicherstellen, dass Fälscher innerhalb der EU bestraft werden können”, sagte Zingaretti in einer Stellungnahme.

Er betonte, dass man mit dem Gesetz organisiertes Verbrechen im Stile der Mafia bekämpfen will. Es soll nicht darum gehen, Kinder für das Herunterladen von Musik zu bestrafen.

(Alle Hervorhebungen von mir.)

Dann doch mal eins nach dem anderen:
Ein Italiener möchte EU-weit gegen organisiertes, erst noch gesetzlich definierbares Kopierverbrechen „im Stile der Mafia” vorgehen?

So weit, so gut. Das lässt, so rein von der Formulierung her und so, zwei Interpretationen zu:

  1. Er möchte gegen massenhafte Verbreitung illegaler Kopien vorgehen und benutzt hierbei die lustigerweise ebenfalls italienische Mafia als Vergleich. Gegen die man in seinem Land, glaubt man der Wikipedia, seit sagenwirmal 150 Jahren schon vergeblich vorzugehen versucht, was aber regelmäßig an der Korruption im Land gescheitert ist.
    Ein hübscher Vergleich, ja.
     
  2. Eigentlich völlig albern, nur des schönen Wortspiels wegen:
    Er möchte, dass man im Stil der Mafia gegen Raubkopierer vorgeht. So richtig mit Bestechung, Bedrohung und allem Drum und Dran.
    Aber wofür braucht man da ein neues Gesetz?

Und aber immerhin ist’s beruhigend, dass man mit dem geplanten Gesetz nicht gegen kleine Fische resp. Kinder vorzugehen gedenkt. Für ein paar lächerliche Musikstücke würde man doch niemals das Leben des Täters für die nächsten paar Dekaden im Voraus ruinieren. Nein, hier wird es weiterhin bei angemessenen Geldstrafen bleiben. Sagen wir: 2.500 Euro pro so genanntem Lied (ihr wisst schon, Mark Matlock und wie sie alle heißen)?

Immer gesetzt den Fall, man ist ausreichend desinformiert, natürlich.

Owei, owei!


Nachtrag:
Eigentlich ist es erschütternd, aber dann habe ich doch darüber gelacht. Man muss nur den Ton weglassen, sobald der Pocher erscheint.

Netzfundstücke
Medienkritik I: Das SPIEGEL-BILD.

Gerade frisch auf meinen Schreibtisch (desktop, haha) kommt die für das politische Weltgeschehen wohl unabdingbare Meldung, dass der aus teils unverständlichen Gründen so genannte KulturSPIEGEL sich mit ausgerechnet dem Prekariats-Tittenheftchen BILD auf einen neuen Bestseller einigen konnte, und obendrein ist’s einer, bei dem hinten und vorne nichts zu stimmen scheint – die Formulierung „auf einen Bestseller einigen” ist in diesem Fall übrigens auch per se saukomisch, wenn man „Bestseller” nicht auf die Anzahl der Verkäufe bezieht, was in diesem Fall auch reichlich verfrüht wäre; aber weiter – und dessen Äußeres, inklusive des Titels, gut sichtbar von einem eigentlich auch nicht übermäßig besseren anderen Werk „inspiriert” wurde (Tempora mutantur, et mutamur in Illies, © S. Gärtner); was bleibt einem da noch zu schreiben?

Der SPIEGEL wird auch immer schlechter.

Sonstiges
Man müsste einfach prominent sein.

(@^Death^) mir is grad der eine von culcha candela übern weg gelaufen ;(

Man müsste einfach prominent sein.

Heutzutage genügt es dazu völlig, bspw. mit Dieter Bohlen zu pimpern, und schon darf man in drittklassigen Fernsehsendungen auftreten, seine fehlende Gesangsbegabung auf Silberlinge pressen lassen und sich von der ganzen Welt anhimmeln lassen.

Und wenn man dann auf der Straße entlang geht und sich über all die Schafe amüsiert, die einem jeden Wunsch von den Augen ablesen würden, nur um hinterher stolz in ihr irrelevantes Weblog und/oder auf ihre irrelevante, mit Meerschweinchen- bzw. Musikerfotos gespickte MySpace-Seite schreiben zu können, dass man nun auch zu den geschätzten siebenunddrölfzig Auserwählten gehört, die [enter name here] bei Edeka an der Kasse gesehen haben – dann merkt man vielleicht, was man für ein erbärmliches Häuflein Mensch ist.

Wer ist eigentlich Culcha Candela?

In den NachrichtenPolitik
Mohammed zum Zweiten

Während der SPIEGEL es sich in seiner dieswöchigen Ausgabe nicht nehmen lässt, die Sache mit Ludwigshafen mit plakativen Fotografien von „Nazis raus!” skandierenden Menschenmengen zu dekorieren, ist wenigstens die heutige FAZ ein attraktiver Lichtblick aus dem Dunkel der sich tief bückenden Volksmedien, wenn auch bezgl. einer anderen Thematik; ich zitiere mal:

So gut wie alle nationalen dänischen Zeitungen haben am Mittwoch die Mohammed-Karikatur des Zeichners Westergaard gedruckt, gegen den Mordpläne geschmiedet worden waren. (…) [Westergaard] lebt seither unter Polizeischutz.

Und das Ganze da, wo es hingehört: Ganz oben auf der Titelseite nämlich. The West is the best, immerhin.

Ob dieser Akt der Solidarität nun tatsächlich richtig aufgefasst wird oder die sich stets stellvertretend sorgenden Boulevardblätter erneut Hass und Faschismus herauslesen, wird sich nun zeigen; aber wir (i. s. ausnahmsweise mal die europäischen Völker) müssen ja auch nicht alles mit uns machen lassen.

Ich freue mich schon auf den nächsten „Dialog der Kulturen” auf „gleicher Augenhöhe”. Wie bei einem alten Ehepaar läuft ein solcher stets ab: Einer redet, einer nickt.
Wer ist wer?

Übrigens ist die Überschrift zum unvermeidlichen „Erdogan und Ludwigshafen”-Artikel in der FAZ auch sehr schön:

„Erdogan schürt Ängste”


Nachtrag von 23:01 Uhr:
Ging ja flink; schon werden wieder Flaggen verbrannt, Applaus!

Persönliches
Recycling

Man müsste mal wieder ganz von vorn anfangen können.
Hier und jetzt sein Leben zurückdrehen und alles ganz anders machen.

Ohne all die vertanen Chancen, die Misserfolge, die Fehlplanungen, die falschen Freunde und die vielen Fettnäpfe.
Ohne die unerfüllten Hoffnungen, Träume, Wünsche und nicht zuletzt die vergeudete Zeit, die Gefühle, die man in die völlig falschen Objekte und Personen investiert oder eben nicht investiert hat. –

Kurzum: Ohne all die Fehler, die man über die Jahre seines Daseins aufgestaut hat und mit denen man, wenn man dem Volksmund Glauben schenkt, „wohl leben muss”.

Und man weiß genau:
Könnte man sein Leben neu starten, würde man es auch nicht besser machen.

In den NachrichtenPolitik
Und aber apropos „Türken”

Bei einem Besuch am Unglücksort dankte der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan den deutschen Rettungskräften ausdrücklich für ihren Einsatz.

(…)

Bei dem Brand in einem von Türken bewohnten Haus waren am Sonntag neun Menschen ums Leben gekommen, darunter fünf Kinder. 60 Personen wurden verletzt. Besonders in der Türkei wird darüber spekuliert, dass die Katastrophe einen ausländerfeindlichen Hintergrund haben könnte.

(Quelle, Hervorhebungen von mir)

Ja, natürlich hat immer, wenn in Deutschland einem Türken was passiert, ein Nazi was damit zu tun. Und wenn in Deutschland ein Deutscher von einem Türken erstochen wird, war er im Zweifelsfall auch ein Nazi. Das wird uns der türkische Ministerpräsident Reissack Umfall Erdogan, der gerade mit seinem Gefolge eine Reise durch das osmanische Großreich f. k. a. Deutschland zu machen scheint, sicher gern bestätigen, und der ewige Kerner sowieso.

Im Namen aller meiner Leser möchte ich mich an dieser Stelle dann direkt mal für das Feuer entschuldigen, für das ich als Schweine fressender Nichtmuslim natürlich die volle Verantwortung trage. Bei welchem Militärgericht muss ich mich melden?

Apropos Militär: Für Schuldbekenntnisse sind wir gut genug, aber zur Aufklärung dieses Unglücks (ich zitiere mal „weiter oben”) müssen dann doch neben der zuständigen Polizeiabteilung einige türkische Ermittler („vier türkische Experten”, heißt es anderswo) her, wie?
(Und die bleiben dann natürlich wieder über -zig Generationen in unserem Land und ruinieren unseren kulturellen Aufschwung, ohje!)

Zynisch und voller Gruß und Dank an meine Lieblingsinformantin,
– euer Pinguin

Kaufbefehle
Max Goldt – „Die Kugeln in unseren Köpfen”

Nettes Büchlein, derzeit recht preiswert zu haben und von mir sogleich zitiert, bspw. zum Thema „Würfelförmige Eier”:

Leute, die sich keine komischen Sachen kaufen, können mit ihrem Besuch nur Torte mampfen und bumsen. Zu besprechen haben die nichts.

Außerdem enthält dieses bezaubernde Machwerk einen Erfahrungsbericht, Drogen betreffend:

Lächerlich, daß Leute ihr Geld verjubeln, um Möbel mit lila Rand zu sehen.

Und nicht zuletzt wird auch die stetig abnehmende Kommunikation in dem, was sich teilweise „Freundeskreis” nennt, bedauert:

Das hab ich mir schon immer gedacht. Daß Leute, die mit einem reden, eigentlich lieber mit jemand anderem reden würden. Das Tätigkeitswort „reden”, welches im Satz hiervor auftaucht, kann man effektvoll mit anderen Verben wie z. B. „eumeln”, „Pixiebücher lesen” oder „sterben” vertauschen.

Und ab dafür.
– euer Pinguin


Nachtrag, weil auch sehr schön zu sehen:
Während in unserem Land Englisch und Türkisch zur Umgangssprache mutieren bzw. mutiert werden, wird in den USA der Euro als zweite Währung akzeptiert. Verkehrte Welt? Oder doch endlich die richtige?