PolitikIn den NachrichtenMontagsmusik
The Raveonettes — Aly, Walk With Me

Was, Montag?!“Natur hat die Nei­gung zum Plur­al, nur Steinen ist der Plur­al egal.”
– Foy­er des Arts: Zwei Refrains


Es ist — hur­ra! — Mon­tag. Während Mit­glieder der offen­bar von allen guten Geis­tern ver­lasse­nen Berlin­er “Linken”, deren maßge­bliche Kar­ri­erequal­i­fika­tion es bish­er war, mehr oder weniger fehler­frei fremde Texte vorzule­sen, vergebens ver­suchen, ihr haupt­säch­lich­es Feind­bild per Akkla­ma­tion zu ver­wirk­lichen, hat man nicht ein­mal mehr die Muße, um sich anständig darüber zu echauffieren, weil man ja schon immer wusste, was andere nun schmerzvoll erfahren müssen, und der­weil ganz andere Sor­gen sich man­i­festieren, namentlich die Ent­behrung (mein­ten Sie: Ent­bärung?), die selb­st ein Woch­enende hin­ter Schleier legt. Das muss nicht so, das ist kaputt.

Klin­geling, ding­dong, die Nachricht­en. Ein Flüchtling­sheim bren­nt, ein Syr­er war’s. Man hat es auch nicht leicht als Neon­azi heutzu­tage, diese Flüchtlinge nehmen einem sog­ar die Hob­bys weg. Zu dem unlusti­gen Kasper Jan Böh­mer­mann, den irgend­wie gut zu find­en selb­st mir zu doof wäre, bleibt, übri­gens, an dieser Stelle zur Abwech­slung mal Ser­dar Somuncu zu zitieren: “Wir reden nicht über Geschmack.” — Das wäre im deutschen Fernse­hen auch ein sehr kurzes Gespräch.

Und son­st so? In Chi­na gibt es flauschbe­fellte Pand­abären, in Japan gibt es Igelkuscheln für acht Euro. Asi­at müsste man sein, aber Betrübt ist ja auch ganz schön. Vielle­icht sollte sich statt der ominösen free hugs ein­mal das Konzept der paid hugs durch­set­zen; oder über­haupt: hugs.

Aly, walk with me in my dreams all through the night.

The Raveonettes — Aly, Walk With Me (Live on KEXP)

Guten Mor­gen.

Netzfundstücke
Heilige Handgranate

Und dann guckt man ins Web und liest aus Verse­hen:

Heilige Hand­granat­en auch HHG genan­nt kön­nen laut Lek­türe zum entstören von Elek­tros­mog, Erd­strahlen wie Wasser­adern und Mobil­funkstrahlen einge­set­zt wer­den.
HHGs sind viel­seit­ig einge­set­zbar schaf­fen ein homo­genes Energiefeld, welch­es sich pos­i­tiv Men­sch und Tier auswirken kann.

:irre:

PolitikNetzfundstückeIn den NachrichtenPiratenparteiMir wird geschlecht
Liegengebliebenes vom 7. April 2016

Immer diese proamerikanis­chen Propagandistensender!!1

Eurozen­tris­tisch mit einem starken Hang zu US-liebe­di­ener­isch­er Darstel­lung, regierungs­fromm mit Blick auf Berlin, antirus­sisch und antichi­ne­sisch, igno­rant gegenüber geopoli­tis­chen Entwick­lun­gen, unvoll­ständig und ten­den­z­iös in ihren Bildern aus Lateinameri­ka, noch defiz­itär­er hin­sichtlich aller Afri­ka betr­e­f­fend­en Nachricht­en, agi­ta­torisch, pro­pa­gan­dis­tisch und desin­for­ma­tiv.

Ein Skan­dal ist es eben nur, wenn der Iwan die Schuld trägt.


In Japan haben Tausende von Men­schen am Son­ntag beim alljährlichen Kana­ma­ra Mat­suri («Fes­ti­val des met­al­lenen Phal­lus») dem männlichen Glied gehuldigt.


Leis­tung muss sich wieder lohnen: Die F.D.P. hat einen eige­nen Dien­stleis­ter zum Twit­tern.


Apro­pos F.D.P.: Ein paar Daten­wis­senschaftler haben das Pro­gramm der AfD analysiert und dabei zum Einen fest­gestellt, dass die Partei weniger rechts ist als CDU und F.D.P., zum Anderen, dass “der Algo­rith­mus beispiel­sweise bei der SPD gar keine ein­deutige Aus­sage” erken­nt. Aus wis­senschaftlich­er Sicht kann die SPD also gar nicht umfall­en, weil sie gar keine The­men beset­zt.


Lustig: Die Uni­ver­sität Mar­burg hält Gen­der Stud­ies für eine ern­sthafte Wis­senschaft, die es zu vertei­di­gen gilt, die Piraten­partei Mar­burg fasst sich an die Stirn.


Schöne, neue Welt: Es gibt jet­zt Sexsim­u­la­toren.

Spaß mit Spam
Mit Bitte um Prüfung: CosmosDirekts höfliche Auftragsspammer von der onlinefacts UG

Gele­gentlich habe ich an dieser Stelle schon etwas zu den The­men Alko­hol und Jugend geschrieben. Über welchen der Beiträge der Herr von der online­facts UG aus München let­ztlich gestolpert sein mag, als er beschloss, mich über eine “Ini­tia­tive” der offen­sichtlich sehr verzweifel­ten Cos­mos­Di­rekt-Ver­sicherungs­ge­sellschaft zu informieren, lässt sich lei­der nicht so genau rekon­stru­ieren; unter dem Betr­e­ff “Bitte um Prü­fung” erhielt ich heute jeden­falls fol­gende E‑Mail:

Sehr geehrter Herr (Name aus dem DENIC-Whois, A.d.V.),

auf Ihrer Web­seite tuxproject.de betreiben Sie eine hil­fre­iche Lin­kliste:

https://tuxproject.de/blog/2013/04/kurz-verlinkt-clvi-zweimal-tammtamm/

Da Sie von dort aus auf infor­ma­tive Seit­en ver­weisen, möchte ich Ihnen die Ini­tia­tive “Don’t Drink and Dri­ve — Gegen Alko­hol am Steuer”, die unsere Experten-Redak­tion gemein­sam mit promi­nen­ten Botschaftern aus dem Fernse­hen real­isiert hat, vorstellen.

Schauen Sie doch gern ein­mal vor­bei: (Spam­link her­ausredigiert, A.d.V.)

Es sind beein­druck­ende Zahlen, mit denen wir vor allem junge Fahrer dazu auf­fordern die Fin­ger von Alko­hol im Straßen­verkehr zu lassen:

• pro Minute sind schätzungsweise 170 Aut­o­fahrer alko­holisiert auf deutschen Straßen unter­wegs

• 35,3 Prozent der ins­ge­samt 455 von uns befragten Fahrschulen bericht­en von Vor­fällen mit Fahrschülern, die alko­holisiert eine Fahrstunde antreten woll­ten

Unsere Ini­tia­tive ist selb­stver­ständlich wer­be­frei und derzeit informieren sich bis zu 15.000 Leser pro Tag auf unser­er Seite.

Wir wür­den uns freuen, wenn auch Sie Ihren Lesern mit unser­er Ini­tia­tive eine weit­ere infor­ma­tive Quelle anbi­eten und uns zu Ihrer Lin­kliste hinzufü­gen möcht­en. Falls Sie einen Ban­ner benöti­gen, find­en Sie diesen im Anhang.

Mit fre­undlichen Grüßen
Mar­tin Römhild

online­facts UG (haf­tungs­beschränkt)
Paul-Heyse-Straße 27
80336 München

Die Kam­pagne, deren Link ich oben aus dra­matur­gis­chen Grün­den (und um Spam nicht unnötig zu belohnen; ver­we­gene Leser mögen eine Such­mas­chine ihrer Wahl bemühen) nicht ste­hen ließ, befind­et sich unter­halb der Domain cosmosdirekt.de, es han­delt sich hier somit trotz des Spam­mers Fir­mierung unter “online­facts UG” um Auf­tragss­pam im Namen eines bish­er wohl fälschlicher­weise für mehr oder weniger ser­iös gehal­te­nen Ver­sicherungskonz­erns.

Während ich im All­ge­meinen dur­chaus ange­tan davon bin, dass sich Ver­sicherun­gen ganz uneigen­nützig für weniger Leichtsinn im Straßen­verkehr ein­set­zen, bin ich von der E‑Mail alles andere als begeis­tert.

Schön ist, dass man sich zumin­d­est die Mühe gemacht hat, sich wenig­stens ansatzweise mit der Web­site, auf der man gern bewor­ben wer­den möchte, zu beschäfti­gen: Es han­delt sich um einen Blog mit Lesern und hin und wieder tauchen auch Links auf. Ein automa­tisch aus­ge­le­senes Domain-Whois sorgt zumin­d­est für eine einiger­maßen gesit­tete Anrede. So weit das Pos­i­tive an der E‑Mail.

Nicht so schön ist, dass man sich im Hause “online­facts UG” und somit auch bei denen, die sie um Wer­bev­er­mit­tlung bit­ten, um Anstand und Geset­ze allem Anschein nach nicht schert. Die angenommene Her­leitung “hat eine Web­site, betreibt also sich­er irgendwelche bunt zusam­mengewür­fel­ten Lin­klis­ten, in die wir super rein­passen” lädt der­maßen wenig dazu ein, der Fir­ma “online­facts UG” eine wenig­stens grundle­gende Ahnung von diesem “online” zu attestieren, das sie fak­tisch in ihrem Namen trägt, dass ich tat­säch­lich mal kurz nachguck­en musste, was diese Fir­ma eigentlich macht (Vor­sicht: Ver­weis geht auf die Web­site von “online­facts”!):

Die online­facts Unternehmerge­sellschaft mit Sitz in der Münch­n­er Innen­stadt ist ein Zusam­men­schluss unab­hängiger Redak­teure aus ganz Deutsch­land, die Ver­brauch­er in den Medi­en aufk­lären. Mit unseren Aufk­lärungskam­pag­nen schaf­fen wir Klarheit und arbeit­en dafür mit namhaften Experten und Promi­nen­ten zusam­men.

Zu den “promi­nen­ten Botschaftern”, die Herr Römhild — übri­gens ein­er der bei­den Geschäfts­führer der “online­facts UG” — im Zusam­men­hang mit der Cos­mos­Di­rekt-Kam­pagne anpries, zählen übri­gens Licht­gestal­ten wie Daniel Küblböck (!), Ricky Har­ris (!), Indi­ra Weis (!) und Nina Ruge (!), die alle­samt ein “State­ment” (ebd.) zu der bewe­gen­den Frage, ob man — spoil­er: Nein! — besof­fen ein Kraft­fahrzeug führen sollte, abgegeben haben. Wenn ihr ger­ade nicht so genau wisst, wer das alles ist, schlagt es bess­er nicht nach oder achtet vorher darauf, dass ihr kein Getränk im Mund habt.

Wie kon­nte die “online­facts UG” trotz­dem so bekan­nt wer­den? Nun, ihre Web­site gibt dazu Auskun­ft:

Bekannt aus dem Sondermüll

Soso.

Aber kom­men wir noch mal kurz auf die per se lobenswerte Kam­pagne “Don’t Drink and Dri­ve” — natür­lich im Orig­i­nal mit ger­a­dem statt typografisch kor­rek­tem Apos­troph, weil eine deutschsprachige Web­site gefäl­ligst irgend­wie englisch zu heißen hat, son­st klickt ja kein­er drauf, während natür­lich jed­er Hans­franz, mich eingeschlossen, dauernd auf irgendwelchen Spam­links rumk­lickt — zurück. Herr Römhild führte aus:

Unsere Ini­tia­tive ist selb­stver­ständlich wer­be­frei[.]

Guck­en wir doch mal in diese wer­be­freie Web­site hinein. Zwar wurde eine Möglichkeit einge­bun­den, die Kam­pagne statt per Spam­mail auch via “sozialem Net­zw­erk” zu verteilen, allerd­ings han­delt es sich um die weit­ge­hend unbe­den­kliche “Zwei-Klick-Lösung”, die erst nach aus­drück­lich­er Genehmi­gung Dat­en aushorcht:

Zweiklickspam

Aber halt — was bemän­gelt jet­zt uMa­trix? Herr Römhild hat doch nicht etwa gel­o­gen? Da guck­en wir doch noch mal genauer hin:

<script src="https://t13.intelliad.de/cl/5343834333236323131303.js" data-phase="app-preprocess"></script>

Ich halte die Kom­bi­na­tion aus “Intel­li-” und “Ad”, also “intel­li­gente Wer­bung”, ja für ein Oxy­moron, aber ich bin auch eher tech­nik- als wirtschafts­begeis­tert; jeden­falls: damit nicht genug!

<script>
$(function(){var a=Math.random()+"";var a=a*10000000000000;$("body").append('<iframe src="//fls.doubleclick.net/activityi;src=1002335;type=2016;cat=fahrafaq;ord='+a+'?" width="1" height="1" frameborder="0" style="display:none!important;"></iframe>')});
</script>
<noscript><iframe src="//fls.doubleclick.net/activityi;src=1002335;type=2016;cat=fahrafaq;ord=1?" width=1 height=1 frameborder=0 style="display:none!important;"></iframe></noscript>

Natür­lich: display:none!important, Valid­ität ist sooo 90er und mehr Mühe sind wir dem nut­zlosen Wer­ber­pack eben nicht wert. Nun kann es gut sein, dass der für diese Kam­pagne ver­ant­wortliche — lei­der nicht: zur Ver­ant­wor­tung gezo­gene — Pix­elschub­ser hier ein­fach nur Code hineinkopiert hat, den ihm der Wer­bev­er­mark­ter Dou­bleClick emp­fohlen hat, was die Sache jedoch nicht bess­er macht. (Was ver­di­ent eigentlich so ein Geschäfts­führer bei der “online­facts UG”, also finanziell, nicht moralisch?) Der Name “Dou­bleClick” sollte euch übri­gens bekan­nt vorkom­men, denn das ist der Name, unter dem das Unternehmen Google Inc. seit eini­gen Jahren bedauer­lich erfol­gre­ich Online­mar­ket­ing betreibt und es damit schon zu trau­riger Berühmtheit gebracht hat:

Dou­bleclick will let adver­tis­ers con­trol how often an ad is shown to a brows­er, how long it is shown for and how often it will appear. (…) For exam­ple, if you are on a news web­site and you vis­it the sports pages, then adverts for match tick­ets may be more rel­e­vant than make­up. This infor­ma­tion belongs to the web­site own­er only. (…) Because it records your IP address, Dou­bleclick can also make a good guess of your coun­try and town/city, too.

Besuche ich also die selb­stver­ständlich wer­be­freie Web­site besagter “Ini­tia­tive”, so lässt die Ver­sicherungs­ge­sellschaft Cos­mos­Di­rekt ohne meine Zus­tim­mung die Beruf­ss­pam­mer­abteilung des US-amerikanis­chen Unternehmens Google wis­sen, wo ich unge­fähr wohne und dass ich mich für Alko­hol am Steuer inter­essiere. Oder für Daniel Küblböck.

:zensur:

Die DENIC weist übri­gens darauf hin, dass die Nutzung der Domain­dat­en “zu Werbe- oder ähn­lichen Zweck­en” einen Ver­stoß gegen die Nutzungs­be­din­gun­gen darstellt. Da der Mail­ver­fass­er die von ihm als für seine Zwecke fälschlicher­weise als passend erkan­nte Web­site zweifels­frei nicht ein­mal aufgerufen hat, so dass die Ausrede, die Anrede kön­nte auch aus dem Impres­sum stam­men, hier nur schw­er­lich möglich ist, haben wir es hier also nicht nur mit ein­fach­er Spam (also mit dem Ver­dacht ein­er krim­inellen Hand­lung, cf. § 7 UWG) zu tun, son­dern überdies mit der mut­maßlichen Erschle­ichung von Dien­stleis­tun­gen. Wirk­lich beein­druck­ende Geschäft­sprak­tiken unter­stützt die Cos­mos­Di­rekt AG da.

Der Bitte um Prü­fung des Anliegens und anschließende Infor­ma­tion mein­er Leser hoffe ich hier­mit hin­re­ichend entsprochen zu haben. War mir ein Vergnü­gen!

NetzfundstückeMontagsmusik
Ben Levin Group — Freak Machine

Erst mal aufräumenMon­tag. Ich meine: MONTAG! Das Woch­enende, so san­gen die Wise Guys einst, war mal wieder süß und zart, mon­tags gibt es dafür einen Tritt mit Anlauf; und den hat man dann auch noch ver­di­ent. Wenig­stens hält sich das brül­lende gelbe Biest am Him­mel wenig­stens heute vornehm zurück.

Und trotz­dem fehlst du mir.
Die Ärzte: Som­mer, Pal­men, Son­nen­schein

Es gibt aber auch nicht mehr viel zu lachen auf der Welt. Schon wieder nah­men aus­gerech­net diejeni­gen Leute am diesjähri­gen 1. April teil, die bish­er nicht mit ihrer her­aus­ra­gen­den Witzigkeit auffie­len. Es ist also bemerkenswert, dass der wohl amüsan­teste Aprilscherz dieses Jahres von Comicze­ich­n­ern stammt, die sich einen gemein­samen Witz aus­gedacht haben, dessen Pointe es ist, dass er nicht mal beson­ders lustig ist. Das trifft meinen Humor vorzüglich.

Vielle­icht soll­ten wir ein­fach alle durch­drehen.

Freak Machine Music Video — Ben Levin Group

Guten Mor­gen.

Sonstiges
Medienkritik XCVII: Knackpo, aber schnell!

Von den “effek­tivsten Tricks der Stars” zum Erre­ichen eines “Knack­pos” — aber schnell! — berichtet die noch aktuelle “JOY” (Aus­gabe “April 2016”), wo’s für effiziente Tricks schon nicht reicht, eben­so wie von “50 Beau­ty-Blitztricks für unter­wegs”. Die wis­sen eben, wie sie mich zum Kauf ver­führen, wenn schon des Mag­a­zins unge­fähr siebe­nund­dreißig­stes Jes­si­ca-Alba-Cover­bild nicht reicht.

JOY April 2016

Guck­en wir doch mal rein.

‘Medi­enkri­tik XCVII: Knack­po, aber schnell!’ weit­er­lesen »

NerdkramsIn den Nachrichten
Warum “Ubuntu für Windows” den plötzlichen Jubel nicht verdient

Nun, da die erste große Welle der Begeis­terung abge­flacht ist und die bei­den ver­fein­de­ten Lager sich nach Aber­tausenden von Kom­mentaren erschöpft zurück­ge­zo­gen haben, um neue Kraft für das weit­ere Geschehen zu sam­meln, möchte ich diese Mel­dung an dieser Stelle auch nicht unkom­men­tiert lassen:

Microsoft hat ein Lin­ux-Sub­sys­tem für Win­dows 10 entwick­elt, mit dem sich Lin­ux-Pro­gramme für die Kom­man­dozeile direkt unter Win­dows aus­führen lassen.

Was einen “Jour­nal­is­ten” von “heise online” ger­adezu vor Begeis­terung auf die Tas­tatur spe­icheln lässt, ist für erfahrene Com­put­er­nutzer ein alter Hut: Eine solche Abstrak­tion­ss­chicht ken­nt man aus Sys­te­men wie FreeB­SD — dort heißt sie “Lin­ux­u­la­tor” — schon seit Jahren. Darum wurde aber merk­würdi­ger­weise nie so ein Gewese gemacht wie um die faszinierende Neuigkeit, dass Microsofts anfangs noch für das Betrieb­ssys­tem OS/2 geplanter NT-Ker­nel schon immer in der Lage war, ver­schiedene Sub­sys­teme zu nutzen. Win­dows NT 3.1, die erste “NT-Ver­sion” von Win­dows, wurde von vorn­here­in neben dem Win32- auch mit einem POSIX- und einem OS/2‑Subsystem aus­geliefert, es war also, wie man bei “heise online” heutzu­tage wohl schreiben würde, drei Betrieb­ssys­teme in einem.

‘Warum “Ubun­tu für Win­dows” den plöt­zlichen Jubel nicht ver­di­ent’ weit­er­lesen »

PolitikIn den Nachrichten
Diese Barbaren!

Apro­pos “SPIEGEL ONLINE” (und, wie üblich, die “Grü­nen”):

“Bedenkt man, wie leicht Senf- und Chlor­gas zu schmuggeln sind und dass diese Bar­baren immer mehr auf Ter­ror auch im West­en set­zen, dann ist das alarmierend”, meint der Grü­nen-Sicher­heit­spoli­tik­er Omid Nouripour.

…, meint Markus Beck­er, Brüs­sel, und will damit vielle­icht sagen, dass Omid Nouripour die Bar­barei eines Kriegs mit ein­er Vielzahl an zivilen Todes­opfern, wie zum Beispiel eine von USA, Frankre­ich und Großbri­tan­nien unter­stützte “Koali­tion” unter der Führung Sau­di-Ara­bi­ens ihn im Jemen führt, nur dann für alarmierend hält, wenn Senf- und Chlor­gas zum Ein­satz kom­men, weil das Zer­fet­ztwer­den ja meist recht schnell und darum unbar­barisch geschieht: Klappe auf, Bombe runter, Explo­sion, Kör­p­er zerteilt, alle Bösen (Gute gehen bekan­ntlich nicht dahin, wo Bomben hin­fall­en) tot. Das ist nicht bar­barisch, das ist effizient!

Zwar wisse nie­mand genau, wie hoch die Wahrschein­lichkeit für einen Ter­ro­ran­schlag mit Massen­ver­nich­tungswaf­fen sei, sagt Browne (ehem. britis­ch­er Vertei­di­gungsmin­is­ter, A.d.V.). Allerd­ings wächst unter Experten die Sorge darüber, dass der IS wegen der Serie von Nieder­la­gen im Nahen Osten aus Verzwei­flung zu Massen­ver­nich­tungswaf­fen greifen kön­nte.

Die der IS ander­er­seits ver­mut­lich eben­falls dort besorgt hat, woher ein großer Teil seines übri­gen Arse­nals stammt; aus Sau­di-Ara­bi­en näm­lich, das sein­er­seits ger­ade ver­sucht, durch das Meucheln möglichst viel­er jemeni­tis­ch­er Zivilis­ten (vul­go: “Frauen und Kinder”) den IS zum Frieden zu überre­den.

Der Gegen­be­griff zu „bar­barisch“ ist heute demgemäß etwa „zivil­isiert“.
Wikipedia

Netzfundstücke
Hey, Marc Röhlig!

Anlässlich der gestern im deutschen Fernse­hen gesende­ten Folge “Die Braut des Grauens” der selt­samen Fernsehserie “Sher­lock” fra­gen Sie Ihre wahlweise jovial oder respek­t­los geduzten Leser auf “ben­to”, der noch hässlicheren kleinen Schwest­er von “SPIEGEL ONLINE”:

Sex macht doof

Möchte man die volle Punk­tzahl für das Ergeb­nis, man sei “so schlau wie Sher­lock” und eben­so unbe­liebt, was also offen­sichtlich von Ihnen als erstrebenswert — volle Punk­tzahl! — erachtet wird, erre­ichen, so muss man Fra­gen wie die abge­bildete möglichst schlau beant­worten.

Aber welche der drei Antworten ist die beste? Lei­der haben Sie keine Auflö­sung beigelegt, allerd­ings habe ich zumin­d­est schon her­aus­ge­fun­den, dass Sie “Unnötig.” als akzept­able Antwort gel­ten lassen. Jet­zt mal so dumm wie Dr. Wat­son gefragt: Heißt das, dass das Befür­worten von sex­uellem Aus­tausch automa­tisch wertvolle Punk­te auf der Schlauheitsskala kostet, oder ist man dann ein­fach nur nor­mal schlau, aber nicht mehr so schlau?

Mögen Sie vielle­icht ein­fach nur keinen Sex?

Komm­ste nich drauf klar.
Marc Röh­lig in anderem Zusam­men­hang

Montagsmusik
Monomyth — Huygens

Augen zu und durchStellt euch vor, es ist Mon­tag und kein­er geht hin.

Man wacht auf und weiß nicht, warum, weil man ja nicht raus muss, aber etwas drückt, nein, bedrückt so sehr, dass man auch ohne einen Blick auf den Kalen­der weiß, welch­er Wochen­tag heute ist, was man ja seit den ersten Stu­di­ense­mes­tern ver­lernt hat­te. Die Gle­ich­form kommt später, jaja. Was hat man sich eigentlich gedacht? Hat man sich über­haupt etwas gedacht?

Mon­tags­füh­ligkeit. Zum Schreien.

Nicht hinzuge­hen fühlt sich auch ein biss­chen wie Sach­sen-Anhalt an, das aus der Sache (der Land­tagswahl näm­lich) eine wichtige Lek­tion mitgenom­men hat:

“Dieses Zur-Tage­sor­d­nung-Überge­hen ist wohl Teil des Schocks”, sagt David Begrich von der Arbeitsstelle Recht­sex­trem­is­mus des Sach­sen-Anhal­ter Demokratie-Vere­ins Miteinan­der.

Sich vor lauter (niemals auch: leis­er) Schock­iertheit erst ein­mal nor­mal zu ver­hal­ten ist eine Eigen­schaft, die so manchem Hys­ter­ischen zwar abge­ht, aber nicht fehlt, nimmt man doch das mit der Empörung in manchen Kreisen zwar wahr, aber nur in den falschen Momenten auch sich zu Herzen, weil Plär­ren das Gegen­teil von vernün­ftigem (also: wün­schenswertem) Han­deln ist, beziehungsweise: runter kom­men sie immer.

Mon­o­myth — Huy­gens

Guten Mor­gen.

ProjekteNerdkrams
Mit Common Lisp gegen Webmüll

Im Novem­ber 2015 schrieb ich, der kosten­lose Web­di­enst feed43 sei zum Ent­müllen von Web­sites mit­tels RSS prinzip­iell geeignet, ver­schlucke sich aber gele­gentlich. Das ist auf Dauer ganz schön anstren­gend. Außer­dem beste­ht wie bei allen kosten­losen Web­di­en­sten die Gefahr, dass ich eines Tages ohne ihn auskom­men muss. Ich habe mir also selb­st eine Alter­na­tive entwick­elt, die auf einem mein­er Serv­er läuft und deren kor­rek­te Funk­tion­sweise ich im Zweifels­fall also selb­st sich­er­stellen kann.

‘Mit Com­mon Lisp gegen Web­müll’ weit­er­lesen »

KaufbefehleMusikkritik
Arenna — Given to Emptiness

Arenna - Given to EmptinessNoch so ein Album, das man nicht uner­wäh­nt lassen sollte. Aren­na — mit Doppel‑N, nicht die schlimme Neo­progkapelle des ehe­ma­li­gen Mar­il­lion-Schlagzeugers — ist ein spanis­ches Quin­tett, das 2015 nach vier Jahren sein zweites Album “Giv­en to Empti­ness” veröf­fentlicht hat.

Was mich an spanis­ch­er wie an ital­ienis­ch­er Rock­musik meist beson­ders stört, ist der Gesang in der Lan­dessprache — nicht, weil mir die Ken­nt­nisse fehlten, dem Text inhaltlich zu fol­gen, son­dern, weil es ein­fach nicht gut klingt; wohl wis­send, dass das sub­jek­tiv ist. Aren­na umge­hen dies, indem sie ein­fach auf Englisch sin­gen. Nun kön­nte man eigentlich mal wieder Götz Als­mann huldigend zitieren, der ein­mal sagte, man könne in ein­er frem­den Sprache keine Texte schreiben, die von Herzen kom­men, und damit wahrschein­lich sog­ar Recht hat­te, und sich nicht entschei­den kön­nen, ob man nicht vielle­icht doch lieber schlechter klin­gen­den Gesang gehabt hätte oder gle­ich gar keinen, obwohl man die Texte dann wiederum wahrschein­lich ins­ge­samt ver­mis­sen würde. Man kön­nte aber auch ein­fach zur Abwech­slung mal das Gute her­vorheben: Das son­st stiltyp­is­che anstren­gende Über­fracht­en des Gesangs mit Echoef­fek­ten besticht hier durch Abwe­sen­heit.

Ach, der Stil. Das hat­ten wir ja noch gar nicht.

Ist aber auch gar nicht so schwierig, denn eigentlich ist “Giv­en to Empti­ness” vor­rangig eine Ston­er-Rock-Plat­te, wie Ston­er Rock eben so klingt, näm­lich vor allem laut: Gitar­ren­bre­itwände, die sich zu einem musikalis­chen Rausch verdicht­en, den man in jed­er Fas­er spürt. Fünf Sterne auf Ama­zon, son­st ja nicht ger­ade ein gutes Bew­er­tungsportal für Qual­itätsmusik. — Nein, Aren­na machen das wirk­lich großar­tig.

Die Frage, ob sie’s kön­nten, ein­mal bei­seite gelassen (denn das kön­nen sie): Das übliche “mehr vom Gle­ichen” ist hier nicht zu erwarten. Hören wir nach dem die Mess­lat­te in Schwindel erre­gende Höhen hän­gen­den Anfang “Butes”, noch ein wenig benom­men vom Staunen, doch mal in das fast neun­minütige “Chro­ma” hinein. Ist das Pink Floyd? Es gibt keinen Gesang, dafür den David-Gilmour-sound in den Gitar­ren, der sich allmäh­lich zu ein­er Psy­che­delic/­S­ton­er-Num­mer verdichtet, die dabei nicht ein­mal gewollt klingt, son­dern wie aus Verse­hen ins Schöne ger­at­en.

Oder “Move Through Fig­ure­head Lights”, ein bemerkenswertes Stück Folkrock und/oder Artver­wandtes. So kön­nten Kansas klin­gen, wenn sie ihren wein­er­lichen Sänger ins Bett brächt­en und sich jeman­den sucht­en, der sin­gen und nicht jam­mern will.

Der Leere gegeben. Die Augen zu und immer ein wenig neben dem Rhyth­mus nick­en, weil man tak­t­los ist.

Gute Reise.

NetzfundstückeNerdkrams
Nope.js

(Vorbe­merkung: Meine per­sön­lichen Erfahrun­gen mit Node.js beschränken sich außer der test­weisen Instal­la­tion von Ether­pad Lite auf den zumin­d­est erfol­gre­ichen Ver­such, eine Desk­topan­wen­dung mit Elec­tron zu schreiben. Diese Anwen­dung wird allerd­ings zunächst in ein­er anständi­gen Sprache neu imple­men­tiert, bevor ich sie für hier veröf­fentlichungstauglich halte; auch, weil Node.js eine schlicht unbrauch­bare Pro­gram­mierumge­bung ist.)

Dieser Tage geht das NPM-Debakel durch deutsche Tech­nikme­di­en, das sich etwa fol­gen­der­maßen zusam­men­fassen lässt: Der Entwick­ler ein­er bekan­nten und viel genutzten JavaScript-Bib­lio­thek, die aus einem Zufall her­aus genau so heißt wie ein­er der zahlre­ichen ICQ-Klone, wird von den Mach­ern dieses ICQ-Klons darum gebeten, den Namen zur eige­nen Ver­wen­dung freizugeben; er bietet ihnen kulant an, dass sie ihm den Namen abkaufen kön­nen, sie lehnen ab und dro­hen stattdessen den Mach­ern von “npm”, einem großen Verze­ich­nis von JavaScript-Bib­lio­theken, mit rechtlichen Schrit­ten, wenn sie den Namen für ihre geplante Bib­lio­thek nicht freigegeben bekom­men. Der Entwick­ler der ein­gangs erwäh­n­ten Bib­lio­thek bekommt also “seinen” Namen von Drit­ten ent­zo­gen und zieht daraufhin ver­ständlicher­weise erbost all seine Pro­jek­te aus dem Verze­ich­nis zurück, woraufhin offen­sichtlich ein bedeut­samer Teil der dort aufge­führten Pro­jek­te, darunter große Frame­works wie React.js, plöt­zlich nicht mehr funk­tion­ierte, weil sie ihrer­seits für triv­iale Auf­gaben (dazu komme ich gle­ich) auf seinen Code zurück­ge­grif­f­en haben.

Nun kön­nte man darüber spekulieren, wer hier eigentlich “die Schuld” trägt und ob der Kap­i­tal­is­mus nicht drin­gend abgeschafft wer­den sollte, um solche Stre­it­igkeit­en um Marken­rechte kün­ftig nicht mehr zu lukra­tiv­en Nebenein­nah­men machen zu kön­nen. Dabei liegt das Prob­lem viel näher — das Prob­lem heißt Node.js.

‘Nope.js’ weit­er­lesen »