Endlich erklärt uns Andreas Püttmann, c/o “ZEIT ONLINE”, mal, wieso die AfD, diese einstige F.D.P. für Professoren und heutige CSU für Arbeitslose, eigentlich so schlimm und verachtenswert sei:
Wer sich als Christ nicht von Gewaltfantasien gegen Flüchtlinge und demokratische Politiker, von Rassismus, Affinitäten zu Putin-Russland und antikirchlicher Polemik abschrecken lässt, passt auch besser in die neue rechtsautoritäre Polit-Großsekte als in die Gemeinde der Jünger Jesu Christi.
Da sind alle Feindbilder versammelt, die man als moderner und aufgeklärter Leser von “ZEIT ONLINE” so hat: Nicht nur der Iwan — gemeinsame Sache macht man im Westen gefälligst mit latent rassistischen, zumindest aber fanatischen Gotteskriegern, aber doch nicht mit dem Iwan! -, sondern auch und gerade der Säkularismus. Zweifellos sind die Grenzen da fließend (“wie CDU-Generalsekretär Peter Tauber sagte: ‘Das C setzt uns eine ganz klare Grenze nach rechts’ ” (ebd.), denn wenn eines links und tolerant ist, dann ja wohl die katholische Kirche), aber in Zeiten wie diesen hilft nur noch ein unerschütterlicher Glaube, befeuert durch, wie sich das für einen anständigen Journalisten und Wissenschaftler (“Andreas Püttmann ist ein deutscher Politikwissenschaftler, Journalist und Publizist”, Wikipedia) eben so gehört, ein passendes Bibelzitat:
Indem sich die Kirche der rechten Re-Ideologisierung durch falsche Propheten “christlicher Kultur” entgegenstellt, leistet sie nicht nur Wiedergutmachung für ihre historischen Sünden der Kumpanei mit autoritären und faschistoiden Systemen. Sie kann ihre Anthropologie und Sozialethik jetzt auch klarer herausarbeiten. Deren Kern ist die Freiheit: “Ihr seid zur Freiheit berufen, Brüder” (Gal 5,13).
Eine andere Stelle des Galaterbriefs (Gal 6,10), dessen Verfasser noch zu Beginn klarstellt, dass Angehörige anderer Religionen grundsätzlich Sünder sind (Gal 2,15), begründet dann allerdings auch die von der AfD empfohlene Bevorzugung des Christentums — wenn auch unter falschen Bedingungen, denn das christliche Kopftuchgebot (1. Kor. 11,5) wird dort, rhetorisch nicht ungeschickt, gern ignoriert — gegenüber dem Islam (“lasset uns Gutes tun an jedermann, allermeist aber an des Glaubens Genossen”), aber so genau nehmen wir es lieber doch nicht, sonst geht uns das schöne Narrativ noch verloren. Das Problem mit der AfD dürfte jedenfalls kaum ihr fehlendes Bekenntnis zum Christentum sein.
Andreas Püttmann weiter:
Ein Katholikentag mit Schaukampf “Sternberg contra Petry” und einem selbst als Moderator: (…) Dies mag in ruhigen Zeiten saturierter Gesellschaften ein belebendes Element sein, kann aber in Krisenzeiten fatal wirken. Deshalb braucht es jetzt christliche Medienmacher, die ihr Fähnlein nicht nach dem Winde hängen oder sich bloß als Profis in der Bewirtschaftung von Aufmerksamkeitsressourcen verstehen.
Medienmacher — ich ergänze — wie Andreas Püttmann also, denen die Trennung von Staat und Kirche, die heute so dringend gebraucht wird wie schon seit Jahren nicht mehr, letztendlich so egal ist wie der Kontext, in den ihre Glaubensgrundsätze eingebunden sind.
Oh Gott.
Apropos egal bzw. Böhmermann: “Wer mit Kunst so umgeht, hält, befürchte ich, allein sich selbst für Kunst und die anderen für nützliche Narren.” Welch treffender Schluss.



















