PolitikIn den Nachrichten
Medienkritik XCIX: Alles, aber nicht die Kirche!

Endlich erk­lärt uns Andreas Püttmann, c/o “ZEIT ONLINE”, mal, wieso die AfD, diese ein­stige F.D.P. für Pro­fes­soren und heutige CSU für Arbeit­slose, eigentlich so schlimm und ver­acht­enswert sei:

Wer sich als Christ nicht von Gewalt­fan­tasien gegen Flüchtlinge und demokratis­che Poli­tik­er, von Ras­sis­mus, Affinitäten zu Putin-Rus­s­land und antikirch­lich­er Polemik abschreck­en lässt, passt auch bess­er in die neue recht­sautoritäre Polit-Großsek­te als in die Gemeinde der Jünger Jesu Christi.

Da sind alle Feind­bilder ver­sam­melt, die man als mod­ern­er und aufgek­lärter Leser von “ZEIT ONLINE” so hat: Nicht nur der Iwan — gemein­same Sache macht man im West­en gefäl­ligst mit latent ras­sis­tis­chen, zumin­d­est aber fanatis­chen Gotteskriegern, aber doch nicht mit dem Iwan! -, son­dern auch und ger­ade der Säku­lar­is­mus. Zweifel­los sind die Gren­zen da fließend (“wie CDU-Gen­er­alsekretär Peter Tauber sagte: ‘Das C set­zt uns eine ganz klare Gren­ze nach rechts’ ” (ebd.), denn wenn eines links und tol­er­ant ist, dann ja wohl die katholis­che Kirche), aber in Zeit­en wie diesen hil­ft nur noch ein uner­schüt­ter­lich­er Glaube, befeuert durch, wie sich das für einen anständi­gen Jour­nal­is­ten und Wis­senschaftler (“Andreas Püttmann ist ein deutsch­er Poli­tik­wis­senschaftler, Jour­nal­ist und Pub­lizist”, Wikipedia) eben so gehört, ein passendes Bibelz­i­tat:

Indem sich die Kirche der recht­en Re-Ide­ol­o­gisierung durch falsche Propheten “christlich­er Kul­tur” ent­ge­gen­stellt, leis­tet sie nicht nur Wiedergut­machung für ihre his­torischen Sün­den der Kumpanei mit autoritären und faschis­toiden Sys­te­men. Sie kann ihre Anthro­polo­gie und Sozialethik jet­zt auch klar­er her­ausar­beit­en. Deren Kern ist die Frei­heit: “Ihr seid zur Frei­heit berufen, Brüder” (Gal 5,13).

Eine andere Stelle des Galater­briefs (Gal 6,10), dessen Ver­fass­er noch zu Beginn klarstellt, dass Ange­hörige ander­er Reli­gio­nen grund­sät­zlich Sün­der sind (Gal 2,15), begrün­det dann allerd­ings auch die von der AfD emp­foh­lene Bevorzu­gung des Chris­ten­tums — wenn auch unter falschen Bedin­gun­gen, denn das christliche Kopf­tuchge­bot (1. Kor. 11,5) wird dort, rhetorisch nicht ungeschickt, gern ignori­ert — gegenüber dem Islam (“las­set uns Gutes tun an jed­er­mann, aller­meist aber an des Glaubens Genossen”), aber so genau nehmen wir es lieber doch nicht, son­st geht uns das schöne Nar­ra­tiv noch ver­loren. Das Prob­lem mit der AfD dürfte jeden­falls kaum ihr fehlen­des Beken­nt­nis zum Chris­ten­tum sein.

Andreas Püttmann weit­er:

Ein Katho­liken­tag mit Schaukampf “Stern­berg con­tra Petry” und einem selb­st als Mod­er­a­tor: (…) Dies mag in ruhi­gen Zeit­en sat­uri­ert­er Gesellschaften ein beleben­des Ele­ment sein, kann aber in Krisen­zeit­en fatal wirken. Deshalb braucht es jet­zt christliche Medi­en­mach­er, die ihr Fähn­lein nicht nach dem Winde hän­gen oder sich bloß als Profis in der Bewirtschaf­tung von Aufmerk­samkeit­sres­sourcen ver­ste­hen.

Medi­en­mach­er — ich ergänze — wie Andreas Püttmann also, denen die Tren­nung von Staat und Kirche, die heute so drin­gend gebraucht wird wie schon seit Jahren nicht mehr, let­z­tendlich so egal ist wie der Kon­text, in den ihre Glaubens­grund­sätze einge­bun­den sind.

Oh Gott.


Apro­pos egal bzw. Böh­mer­mann: “Wer mit Kun­st so umge­ht, hält, befürchte ich, allein sich selb­st für Kun­st und die anderen für nüt­zliche Nar­ren.” Welch tre­f­fend­er Schluss.

MontagsmusikIn den Nachrichten
Portugal. The Man — Atomic Man

Panda zu Eule fünf bitte, Panda!Es ist — die aufk­om­mende Trüb­sal lässt keinen Zweifel — Mon­tag; ein Mon­tag, dessen aus­gestreck­ter Mit­telfin­ger in der Erin­nerung bohrt, wie das alles noch war, als es noch war. Hat man es wirk­lich so gewollt? — Statt “Schock­bilder” auf viel zu wenige poten­ziell tödliche Dinge zu druck­en, wäre es möglicher­weise rat­sam, auf Kalen­dern das gefährlich harm­los ausse­hende “Mo” durch ein ger­adezu grausames Bild, etwa eine Fotografie Han­novers, zu erset­zen, um die Leute zu war­nen. All­wöchentlich scheint der Mon­tag ja von ein­er großen Heimtücke zu sein, lauscht man ein­mal den Pas­san­ten, die ihr Unglück (den Mon­tag) kaum fassen zu kön­nen scheinen.

Die wiederum, wenn’s der Markt bes­tim­men darf, über­wiegend umge­hend psy­chol­o­gis­che Hil­fe benöti­gen: Ein eigentlich ander­weit­ig konzip­iertes Arm­band verteilt nun auch Elek­troschocks, wenn man zu viel Geld aus­gibt. Angesichts des Kauf­preis­es für das Gerät ist der erste Strom­stoß ver­mut­lich schon inklu­sive. Das merk­würdi­ge Blog “Volksver­pet­zer” hat der­weil nicht ver­standen, dass “Anony­mous” keine homo­gene Gruppe von Linken ist, wenn doch schon die Linken selb­st nur so homogen sind wie die Pöstchen, die sie anstreben: Eine ehe­ma­lige Grü­nen- und Piraten­poli­tik­erin möchte nun für die “Linke” in den Bun­destag, dieses Auswür­feln von Überzeu­gun­gen funk­tion­iert halt nicht immer so gut. Wer hat da eben gesagt, Blogs seien der bessere Jour­nal­is­mus?

Aber was ist schon gut, wenn schon “schon gut” meist das Gegen­teil meint? Nun, zumin­d­est Por­tu­gal. The Man.

After you, I don’t know what I believe in.
After you, hell should be easy.

Guten Mor­gen.

SonstigesIn den NachrichtenComputer
Qualitätsjournalismus (Digitaledition)

“SPIEGEL ONLINE” stellte gestern vorüberge­hend einen Teil der Verteilung von Schad­soft­ware ein, rät aber nach wie vor davon ab, mit­tels ein­er Soft­warelö­sung den Rest der verteil­ten Schad­soft­ware vom eige­nen Rech­n­er fernzuhal­ten.


In weit­eren Nachricht­en: Das Ver­gasen und/oder “Schred­dern” (sic!) von männlichen Küken, weil sie blöder­weise keine Eier leg­en, ist kein Ver­stoß gegen das Tier­schutzge­setz. Unklar bleibt, ob das Ver­gasen und/oder “Schred­dern” (sic!) bes­timmter Poli­tik­er, weil sie blöder­weise wed­er Eier leg­en noch Milch geben und noch nicht mal beson­ders gut schmeck­en, auch weit­er­hin als Ver­stoß gegen Men­schen­rechte gilt.

NetzfundstückeNerdkrams
💩

Das hat­te ich völ­lig überse­hen: Irgend­wo in einem kleinen Raum mit, hof­fentlich, Wän­den aus Gum­mi arbeit­en Forsch­er am näch­sten großen Ding.

Emo­jis mit anpass­barem Geschlecht und änder­bar­er Haar­farbe.
Die näch­ste Gen­er­a­tion der Emo­jis.

Falls noch jemand verse­hentlich den Men­schen für die intel­li­gen­teste Spezies hielt: Tschuldigung!

PolitikIn den NachrichtenComputer
Liegengebliebenes vom 17. Mai 2016

Soll ja kein­er sagen, die da oben — die Schwat­ten und der Sich­ma — tra­gen zum Auf­bau des Sozial­staats nichts bei. Im Gegen­teil, sie tun sog­ar was gegen Arbeit­slosigkeit: Hartz-IV-Bezieher mit gerin­gen Jobaus­sicht­en sollen länger in Ein-Euro-Jobs arbeit­en und leichter in Frührente geschickt wer­den kön­nen. Das haben sie dann davon, sollen sie doch arbeit­en, wenn ihnen das nicht passt.


“Lin­ux ist sich­er” des Tages: The real “hard truth” about Lin­ux ker­nel secu­ri­ty is that there’s no such thing as a free lunch.


Inter­net­toast­er? Ein bat­teriebe­triebenes Skate­board? Alter Hut! Wisst ihr, wo unbe­d­ingt mehr Inter­net rein muss? In eure Vagi­na!

Ich wär’ auch gerne so bek­loppt.
Sponge­Bob Schwammkopf


Das Bild der Deutschen im Aus­land, heute mal aus jour­nal­is­tis­ch­er Per­spek­tive, beleuchtet die Neue Zürcher Zeitung:

Dem Wut­bürg­er im Inter­net tritt in manchen Leitme­di­en ein Wutjour­nal­is­mus gegenüber, der Schimpfen, Weghören und Kom­mu­nika­tionsver­weigerung zu Tugen­den erk­lärt. Eine rhetorische Hau-drauf-Men­tal­ität gegen den Feind von rechts gilt nicht nur in Kreisen von habituellen Krawall-Kolum­nis­ten, wie sie der «Spiegel» beschäftigt, als Gebot der Stunde.

“Wutjour­nal­is­mus”. Find’ ich gut.

MusikMontagsmusik
Bardo Pond — Aldrin

Kalenderbeschriftung (eulisch)Es ist Mon­tag; nein, nicht bloß schon wieder der erste Mon­tag vom Rest des Lebens, dessen Bösar­tigkeit durch aus­gerech­net ein christlich­es Fest ein­er­seits abgemildert, ander­er­seits ver­dop­pelt wird, weil ein Mon­tag, der wie ein Son­ntag ist, dem Son­ntag, der kein­er war, sozusagen den Boden auss­chlägt, son­dern überdies ein­er der weni­gen Mon­tage, an denen es von Bedeu­tung zu sein scheint, welch­er Han­swurst am Woch­enende seinem bedauern­swerten Land im Wettstre­it der­er, die glauben, ihr Land ließe sich durch englis­chsprachi­gen Bum­spop am besten repräsen­tieren, den Sieg ein­fuhr. Auch in diesem Jahr kon­nte dem geneigten Musik­fre­und ein kluger Umgang mit den Medi­en einen Großteil der Berichter­stat­tung sowie die Ken­nt­nis des ver­meintlichen Siegerlan­des ers­paren. Deutsch­land scheint’s aber nicht gewor­den zu sein, denn bish­er scholl mir kein viel­stim­miges “Wir sind Grand Prix!” ent­ge­gen. Mehr gilt es darüber aber keineswegs zu wis­sen, denn Wis­sen über Fir­lefanz belegt Ressourcen, die man vielle­icht lieber für Sin­nvolleres reservieren sollte.

Auch andere Hob­bys näm­lich führen zu Aufmerk­samkeit: Exhi­bi­tion­is­ten in Sauna festgenom­men. Geht es nicht noch eine Num­mer klein­er? Lei­der nicht: Schweinekopf vor Angela Merkels Wahlkampf­büro gefun­den, was ja schon deshalb erstaunlich ist, weil es keinen Anlass zu der Annahme gibt, eine CDU-Vor­sitzende verbinde mit Schweineköpfen etwas Schlecht­es. Früher waren wenig­stens poli­tis­che Dro­hun­gen noch unpein­lich.

Apro­pos unpein­lich und unschlimme Musik: Dieser Tage erscheint das dritte Album der famosen Bent Knee. Sicher­lich wird es ein großar­tiges Album sein, die Vor­freude darauf mag ich aber nie­man­dem verder­ben, über­sprin­gen wir die Wartezeit also statt mit dem Nahe­liegen­den mit etwas feinem Postrock.

Bar­do Pond — Aldrin

Guten Mor­gen.

Sonstiges
Kenne dein Publikum!

Wer bish­er noch keinen Anreiz hat­te, die “Braun­schweiger Zeitung” zu abon­nieren: Neuabon­nen­ten erhal­ten als Willkom­mensgeschenk nun das wichtig­ste Uten­sil für jeden typ­is­chen Zeitungsleser.

Fatboy

Man beachte ins­beson­dere auch die ger­adezu wie die Faust auf’s Auge passende Beze­ich­nung des Uten­sils. Ein Cha­peau dem Wer­be­tex­ter!

:irre:

PolitikIn den Nachrichten
“Europäische Lösung” des Tages

Man dürfe Erdoğan ja nicht zu sehr verärg­ern, denn wir brauchen sein Wohlwollen; lassen wir weniger Türken nach Deutsch­land, lässt er mehr Syr­er nach Deutsch­land, und wenn Deutsch­land die Wahl zwis­chen mehr Syr­ern und mehr Türken habe, dann — das ist impliziert — sei die Entschei­dung doch wohl klar. Weniger Platzprob­leme in Deutsch­land, weniger Syr­er in Europa, keine Kur­den mehr in der Türkei.

Was, wer brüllt da dazwis­chen, man könne Flüchtlinge auch ein­fach erschießen? Das ver­bit­tet sich die Bun­desregierung doch entsch­ieden, Deutsch­land ist ein weltof­fenes Land. War das etwa schon wieder so ein recht­sradikaler Recht­spop­ulis­ten­nazi von der recht­spop­ulis­tis­chen Recht­spop­ulis­mus­nazi-AfD? Kein Fußbre­it, dafür müssen wir Sorge tra­gen! — Moment, ich kriege ger­ade eine Eilmel­dung:

Drei syrische Flüchtlinge und ein Schlep­per seien im März und April von türkischen Gren­zschützern erschossen wor­den, berichtet HRW. Die Syrische Beobach­tungsstelle für Men­schen­rechte sprach im März gar von 16 Toten.

Ach, hm, ähm. Das bedeutet jet­zt aber nicht, dass -

ZDF-Störung

Seht mal, zwei Exfre­undin­nen von Justin Bieber haben beef miteinan­der!

PolitikIn den Nachrichten
Die überflüssige Armee

Auf “ZEIT ONLINE” beklagt Hauke Friederichs heute unter der ach-so-drama­tis­chen Über­schrift “Die über­forderte Armee”, dass die Bun­deswehr nicht aus­re­ichend auf eine anständi­ge Runde Realkiller­spiele vor­bere­it­et ist:

Der Wehre­tat wird bis 2019 von 33 auf 35 Mil­liar­den Euro erhöht, darauf hat sich das Kabi­nett bere­its geeinigt. Doch die größten Prob­leme der Stre­itkräfte sind damit nicht gelöst: Ihre Ein­sätze wer­den immer brisan­ter, die Aus­rüs­tung den­noch immer älter. Die Bun­deswehr werde über­fordert, war­nen Bun­deswehrver­band und der Wehrbeauf­tragte des Bun­destages. (…) Zwar soll die Bun­deswehr nun mehr Geld erhal­ten – doch die Zahl ihrer Aufträge dürfte weit­er­hin deut­lich stärk­er steigen als die Mit­tel.

Das Erteilen von Aufträ­gen an Grup­pen von Leuten, die zur Erfül­lung dieser Aufträge bewaffnet sein müssen, nan­nte man früher ja noch ganz anders, aber Sprache ändert sich eben. Schla­gen wir doch mal eben im Sprachkom­pendi­um “ZEIT ONLINE” (gle­ich­er Artikel) nach, wie man das heute so nen­nt, wenn ein Staat bewaffnete Milizen irgend­wo, wo sie nichts zu suchen haben, hin­schickt, worauf sie dort mit etwas Glück wenig­stens von Bomben zer­fet­zt wer­den, bevor sie jeman­dem wehtun kön­nen:

“In den nördlichen Lan­desteilen Malis ist die Bedro­hungsstufe erhe­blich”, sagte Staatssekretär Markus Eder­er aus dem Auswär­ti­gen Amt im Bun­destag. (…) “Jüng­ste Vor­fälle, (sic! A.d.V.) wie der Angriff auf das Hotel Radis­son Blu in Bamako am 20. Novem­ber 2015 zeigen, dass radikale Kräfte weit­er­hin ver­suchen, den ein­geleit­eten Aussöh­nung­sprozess­es zu unter­graben.”

Ach, richtig: Aussöh­nung­sprozess.

Das Prob­lem der Bun­deswehr ist nicht, dass sie zu wenig Geld hat.

Das Prob­lem der Bun­deswehr ist, dass sie noch immer existiert.

NetzfundstückeIn den NachrichtenMontagsmusikPersönliches
Van der Graaf Generator — Darkness (11/11)

Blergh.Es ist Mon­tag. Ihr ken­nt das. — Etwas aber ist neu: Die Sonne ist da. Men­schen in der Straßen­bahn sind jet­zt nicht nur laut und dumm, sie fan­gen endlich auch wieder an, anstren­gend zu riechen. Wie längst gewohnt war das Woch­enende den­noch beherrscht vom riesi­gen Schat­ten, den man selb­st nachge­sagt bekommt, und aller­lei Geseufz. Kaum hat man den Kopf frei, denkt man ja doch nur wieder über sein Leben nach. Eine schreck­lich ansteck­ende Witzigkeit ist und bleibt noch immer die beste Tar­nung für den nagen­den Selb­stzweifel. Früh­ling ist, wenn man ver­misst.

Und die Men­schen ler­nen nichts, damit ist man wenig­stens nicht allein. “t3n” bewirbt ein Pro­gramm, das nach ein­er ein­stell­baren Zeitspanne Pro­gramme been­det, die von der Arbeit ablenken, nach­dem man sie zuvor ges­tartet hat. Manch­mal fehlt mir das Gerät, das über’s Inter­net Ohrfeigen verteilt, doch immens. Es darf auch gern ein großes sein; ein­mal per Knopf­druck jedem Dum­men links und rechts eine klatschen, was zwar voraus­sichtlich nicht gegen dessen Dummheit hil­ft, aber gegen diese elende Anspan­nung, wenn man so etwas liest: Wis­senschaftler notiert Dif­feren­zial­gle­ichun­gen, US-Amerikaner­in äußert Ter­rorver­dacht. Wenn alles, was ein Dum­mer nicht ver­ste­ht, bere­its ein valid­er Anlass zu ein­er Ter­ror­war­nung ist, dann habe ich ein paar schlechte Nachricht­en für euch.

Andere Völk­er sind wenig­stens nur liebenswert verklemmt: Chi­na unter­sagt ero­tis­ches Banane­nessen in Livestreams. Rein­schieben scheint weit­er­hin erlaubt zu bleiben, zumin­d­est ist im Artikel nicht vom Gegen­teil die Rede.

Dutzende Flüchtlinge lassen sich taufen. Damit erhöhen sie auch ihre Chance auf Asyl. Wenn wir eins drin­gend brauchen, dann ja wohl mehr Reli­gion! Und Geld, Geld kön­nte helfen: Geld macht Män­ner attrak­tiv­er, und kaufen kön­nen sie sich dann auch ab und zu mal was.

Zum Beispiel ein gutes Musikalbum.

Van Der Graaf Gen­er­a­tor — Dark­ness (11/11) — Live Rock­palast 2005

I did not choose it, I did not choose it,
I did not, no, no, I did not, I tru­ly did not choose it.

Guten Mor­gen.

MusikkritikKaufbefehle
Kurzkritik: Hookworms — The Hum

Hookworms - The HumTief in mein­er Musikkiste habe ich Hak­en­würmer gefun­den.

Hook­worms sind eine britis­che Band, die 2010 gegrün­det wurde und gele­gentlich mit den hier schon ange­priese­nen Wood­en Shjips zu den “Neo-Psychedelic”-Bands gezählt wird. Die fünf Her­ren nen­nen sich JN, SS, MJ, MB und JW und auch son­st gilt es bei dieser Band, sich auf die Musik zu konzen­tri­eren. 2014 erschien ihr viertes und bis heute aktuelles Stu­dioal­bum “The Hum”. In Großbri­tan­nien erre­ichte es Platz 22 der Alben­hit­pa­rade, was über Großbri­tan­nien sicher­lich manch­es aus­sagt.

“The Hum”. Das Sum­men. Hmm, hmm, schep­per! Hier wird gerockt (Ston­er, Indie) und gepunkt (Post), aber nicht gerollt. Obwohl es mit elek­tro­n­is­chem Wabern und Schlagzeug begin­nt, als hätte man es hier mit ein­er dieser schreck­lichen Teenagerkapellen zu tun, aber das trügt, denn schnell set­zt der ziem­lich ein­ma­lige Gesang von “MB” ein, bis zur Unken­ntlichkeit verz­er­rt und kräftig hal­lend, ange­blich, um die eigene Unsicher­heit zu über­spie­len, aber tat­säch­lich wohl auch der Effek­te wegen, was ich aus­drück­lich gutzuheißen beab­sichtige. Psy­che­delia in Hochform.

Hook­worms — The Impasse (Offi­cial Audio)

Ich neige ja dazu, über­all Musik­grup­pen sozusagen wiederzuerken­nen, die ich sehr schätze, und auf “The Hum” habe ich ständig die Frage im Kopf, ob die grandiosen Vel­vet Under­ground wohl heute so ähn­lich klän­gen, wenn sie heute noch klän­gen und dabei von ein­er dieser neuen Retro-Psy­che­del­ic-Bands (ich würde Vibravoid empfehlen) gecovert, begleit­et oder sonst­was wür­den. Das fol­gende orgelk­lan­glastige “On Leav­ing” set­zt das insofern fort, als mir sofort Ver­gle­iche mit den Raveonettes und ähn­lichen Bands ein­fall­en.

Bemerkenswert sind im Übri­gen die drei instru­men­tal­en Über­gangsstücke “iv”, “v” und “vi”, die das Äquiv­a­lent zu “i”, “ii” und “iii” vom eben­so überzeu­gen­den Vorgänger­al­bum “Pearl Mys­tic” (2013) bilden und im Wesentlichen aus Drones beste­hen, sozusagen als Ruhe zwis­chen dem Sturm. Das hohe Niveau hal­ten Hook­worms bis zum let­zten, nochmals druck­vollen Stück “Retreat” durch, Langeweile kommt hier nicht auf.

Hook­worms — Retreat

Ihr seht mich erfreut.

The Hum. Kann man mal hören.

MusikIn den Nachrichten
Vinyl 3 (3): Datenverlust ist das neue “Das muss so sein”.

Was ern­ten Leute wie ich, die lieber ihren Wohn­platz mit ton­träger­be­füll­ten Regalen voll­stellen als das viel bessere, weil ver­meintlich portablere und damit flex­i­blere, Musik­stream­ing zum Non­plusul­tra zu erk­lären und alles wegzuw­er­fen, was anfass­bare Musik ist, nicht immer wieder für ungläu­biges Kopf­schüt­teln: Stream­ing nehme einem doch nichts weg!

Klar, wenn man eben 15 Jahre alt ist und sich mit den nur wenig besseren Furzgeräuschen im Radio zufrieden zeigt, dann mag das stim­men, und es gibt auf so Plat­tfor­men ja dur­chaus auch ein paar erträgliche Musik­grup­pen. Einige wenige aber, darunter King Crim­son, weigern sich stand­haft, den müh­sam erar­beit­eten kreativ­en out­put durch Qual­ität­sre­duk­tion qua­si zer­stören zu lassen, wiederum andere sind noch gar nicht von ein­er großen Plat­ten­fir­ma, die entsprechende Verträge schließen würde, aufgenom­men wor­den. Natür­lich kön­nte man das ja par­al­lel betreiben, es gibt ja inzwis­chen viele Neu­veröf­fentlichun­gen auch als so genan­nten “MP3-Down­load”, man kön­nte also seine auch hap­tisch wertvolle Plat­ten­samm­lung durch gefüh­llosen MP3- und Stream­ing-Quatsch erset­zen und hätte ein viel ein­facheres Leben, so erzählte man mir erst vor eini­gen Tagen wieder.

Der­jenige, der solcher­lei sprach, ist treuer Applekunde, weil Apple ein­fach alles richtig mache.

Außer natür­lich, man ver­sucht Apple Music zu nutzen, das absichtlich — das muss so — nach erfol­gter Anmel­dung jede Musik­datei auf der Fest­plat­te mit dem eige­nen Datenbe­stand abgle­icht, assim­i­liert und von der Fest­plat­te löscht. Man kann sich die Musik ja danach ein­fach wieder anhören, nur eben über Apple Music (also im Zweifel kaput­tkom­prim­iert), und vielle­icht find­et es sog­ar die gle­iche Auf­nahme; Pech, wer bish­er sel­tene Bootle­gauf­nah­men pop­ulär­er Lieder besaß.

For about ten years, I’ve been warn­ing peo­ple, “hang onto your media. One day, you won’t buy a movie. You’ll buy the right to watch a movie, and that movie will be served to you. If the com­pa­nies serv­ing the movie don’t want you to see it, or they want to change some­thing, they will have the pow­er to do so. They can alter his­to­ry, and they can make you keep pay­ing for things that you for­mer­ly could have bought. Infor­ma­tion will be a util­i­ty rather than a pos­ses­sion. Even infor­ma­tion that you your­self have cre­at­ed will require unend­ing, recur­ring pay­ments just to access.”

Manch­mal ist es beun­ruhi­gend, Recht zu haben.


Nach­trag vom 15. Mai 2016: Apple weiß nicht, wieso iTunes Dateien löscht. Da lohnt sich doch der Umstieg gle­ich dop­pelt.

In den NachrichtenWirtschaftMir wird geschlecht
Liegengebliebenes vom 5. Mai 2016

Der Fem­i­nis­mus war erschreck­end still in let­zter Zeit. Jet­zt stellt sich her­aus: Er hat nur Kräfte gesam­melt. Der Dop­pelschlag:

  1. Virtuelles Manspread­ing. Das heißt: Wenn ihr irgend­wo im Web (zum Beispiel: hier unten drunter) einen Kom­men­tar hin­ter­lasst, ohne darauf zu acht­en, dass es an der gle­ichen Stelle bere­its recht viele Kom­mentare von Män­nern gibt, aber selb­st keine Frau seid, tragt ihr dazu bei, dass Frauen dort unter­repräsen­tiert sind, was frauen­feindlich, rüpel­haft und min­destens so schlimm wie Hitler ist.
  2. Was eine Partei im (erneuten) Aufwind — vgl. Piraten­partei um 2011 herum — unbe­d­ingt braucht, sind ja solche Ideen: Fem­i­nis­tis­che Lib­erale fordert Frauen­quote in der F.D.P., und so langsam kön­nen wir uns von der F.D.P. dann wohl auch wieder ver­ab­schieden.

Immer nur Dro­gen sind ja auch lang­weilig: Polizei greift jun­gen Mann mit Dro­gen und 3.000 Pfan­de­tiket­ten auf.


Abschließend kurz notiert zur re:publica: Eine Szene, die sich von Sascha Lobo anführen lässt, wird immer nur zu lange Texte schreiben, aber niemals was verän­dern.


Apro­pos “kein Geld haben”: Die Steuern, die griechis­che Bürg­er ret­ten sollen, haben stattdessen griechis­che Banken gerettet. Das ist natür­lich jet­zt eine große Über­raschung.


Ganz Deutsch­land beklagt die baldige Abschaf­fung großer Geld­scheine, ohne jemals einen besessen zu haben. Dabei gibt es gute Gründe, das Bargeld auch mit großen Nen­nwerten für ein Sicher­heit­snetz zu hal­ten: Stu­dentin bekommt aus Verse­hen einen Mil­lio­nenkred­it und ver­pul­vert ihn. Mit 500-Euro-Scheinen wäre das nicht passiert!

PolitikIn den Nachrichten
Ausnahmsweise kurz notiert zu den TTIP-Veröffentlichungen

Auf der diesjähri­gen “re:publica”, der Kreiswichsver­anstal­tung für selb­st ernan­nte Blogjour­nal­is­ten, hat aus­gerech­net Green­peace offen­bar die Hälfte von TTIP veröf­fentlicht, was in der Folge unter anderem Horst See­hofer dazu ver­an­lasste, sich vor­erst von TTIP zu dis­tanzieren. So weit ist es schon gekom­men, dass man hochrangige CSU-Poli­tik­er für ihre Hal­tung loben muss. Die Medi­en machen sich der­weil einen Spaß daraus, ihrer­seits in eine Art Blogsim­u­la­tion zu ver­fall­en, indem sie die spär­lichen Infor­ma­tio­nen in aller­lei Kolum­nen und Kom­mentare gießen, die ein bequemes Feigen­blatt dafür sind, den jour­nal­is­tis­chen Grund­satz, man solle sich nicht mit ein­er Sache gemein machen, endlich auch offiziell ignori­eren zu dür­fen. Ein­fach nur sach­lich informiert zu wer­den hält so ein durch­schnit­tlich­er Kon­sument ja auch nicht aus.

(Falls noch jemand sich fragt, warum aus­gerech­net ich mich hier zu TTIP weit­ge­hend zurück­halte: Massen­the­men sind nicht die meinen.)

Die Ver­hand­lungs­führer aus den USA seien jeden­falls nicht beun­ruhigt, heißt es, denn so lange die deutsche Bun­desregierung darauf bedacht ist, das Abkom­men bald­möglichst zu unterze­ich­nen, sind Hal­tung und Aufk­lärung des Pöbels von geringer Rel­e­vanz.

Ich hab’ die nicht gewählt.