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Medi­en­kri­tik XCIX: Alles, aber nicht die Kir­che!

End­lich erklärt uns Andre­as Pütt­mann, c/o „ZEIT ONLINE“, mal, wie­so die AfD, die­se ein­sti­ge F.D.P. für Pro­fes­so­ren und heu­ti­ge CSU für Arbeits­lo­se, eigent­lich so schlimm und ver­ach­tens­wert sei:

Wer sich als Christ nicht von Gewalt­fan­ta­sien gegen Flücht­lin­ge und demo­kra­ti­sche Poli­ti­ker, von Ras­sis­mus, Affi­ni­tä­ten zu Putin-Russ­land und anti­kirch­li­cher Pole­mik abschrecken lässt, passt auch bes­ser in die neue rechts­au­tori­tä­re Polit-Groß­sek­te als in die Gemein­de der Jün­ger Jesu Chri­sti.

Da sind alle Feind­bil­der ver­sam­melt, die man als moder­ner und auf­ge­klär­ter Leser von „ZEIT ONLINE“ so hat: Nicht nur der Iwan – gemein­sa­me Sache macht man im Westen gefäl­ligst mit latent ras­si­sti­schen, zumin­dest aber fana­ti­schen Got­tes­krie­gern, aber doch nicht mit dem Iwan! -, son­dern auch und gera­de der Säku­la­ris­mus. Zwei­fel­los sind die Gren­zen da flie­ßend („wie CDU-Gene­ral­se­kre­tär Peter Tau­ber sag­te: ‚Das C setzt uns eine ganz kla­re Gren­ze nach rechts‘ “ (ebd.), denn wenn eines links und tole­rant ist, dann ja wohl die katho­li­sche Kir­che), aber in Zei­ten wie die­sen hilft nur noch ein uner­schüt­ter­li­cher Glau­be, befeu­ert durch, wie sich das für einen anstän­di­gen Jour­na­li­sten und Wis­sen­schaft­ler („Andre­as Pütt­mann ist ein deut­scher Poli­tik­wis­sen­schaft­ler, Jour­na­list und Publi­zist“, Wiki­pe­dia) eben so gehört, ein pas­sen­des Bibel­zi­tat:

Indem sich die Kir­che der rech­ten Re-Ideo­lo­gi­sie­rung durch fal­sche Pro­phe­ten „christ­li­cher Kul­tur“ ent­ge­gen­stellt, lei­stet sie nicht nur Wie­der­gut­ma­chung für ihre histo­ri­schen Sün­den der Kum­pa­nei mit auto­ri­tä­ren und faschi­sto­iden Syste­men. Sie kann ihre Anthro­po­lo­gie und Sozi­al­ethik jetzt auch kla­rer her­aus­ar­bei­ten. Deren Kern ist die Frei­heit: „Ihr seid zur Frei­heit beru­fen, Brü­der“ (Gal 5,13).

Eine ande­re Stel­le des Gala­ter­briefs (Gal 6,10), des­sen Ver­fas­ser noch zu Beginn klar­stellt, dass Ange­hö­ri­ge ande­rer Reli­gio­nen grund­sätz­lich Sün­der sind (Gal 2,15), begrün­det dann aller­dings auch die von der AfD emp­foh­le­ne Bevor­zu­gung des Chri­sten­tums – wenn auch unter fal­schen Bedin­gun­gen, denn das christ­li­che Kopf­tuch­ge­bot (1. Kor. 11,5) wird dort, rhe­to­risch nicht unge­schickt, gern igno­riert – gegen­über dem Islam („las­set uns Gutes tun an jeder­mann, aller­meist aber an des Glau­bens Genos­sen“), aber so genau neh­men wir es lie­ber doch nicht, sonst geht uns das schö­ne Nar­ra­tiv noch ver­lo­ren. Das Pro­blem mit der AfD dürf­te jeden­falls kaum ihr feh­len­des Bekennt­nis zum Chri­sten­tum sein.

Andre­as Pütt­mann wei­ter:

Ein Katho­li­ken­tag mit Schau­kampf „Stern­berg con­tra Petry“ und einem selbst als Mode­ra­tor: (…) Dies mag in ruhi­gen Zei­ten satu­rier­ter Gesell­schaf­ten ein bele­ben­des Ele­ment sein, kann aber in Kri­sen­zei­ten fatal wir­ken. Des­halb braucht es jetzt christ­li­che Medi­en­ma­cher, die ihr Fähn­lein nicht nach dem Win­de hän­gen oder sich bloß als Pro­fis in der Bewirt­schaf­tung von Auf­merk­sam­keits­res­sour­cen ver­ste­hen.

Medi­en­ma­cher – ich ergän­ze – wie Andre­as Pütt­mann also, denen die Tren­nung von Staat und Kir­che, die heu­te so drin­gend gebraucht wird wie schon seit Jah­ren nicht mehr, letzt­end­lich so egal ist wie der Kon­text, in den ihre Glau­bens­grund­sät­ze ein­ge­bun­den sind.

Oh Gott.


Apro­pos egal bzw. Böh­mer­mann: „Wer mit Kunst so umgeht, hält, befürch­te ich, allein sich selbst für Kunst und die ande­ren für nütz­li­che Nar­ren.“ Welch tref­fen­der Schluss.