MusikIn den Nachrichten
Vinyl 3 (3): Daten­ver­lust ist das neue „Das muss so sein“.

Was ern­ten Leu­te wie ich, die lie­ber ihren Wohn­platz mit ton­trä­ger­be­füll­ten Rega­len voll­stel­len als das viel bes­se­re, weil ver­meint­lich por­ta­ble­re und damit fle­xi­ble­re, Musik­strea­ming zum Non­plus­ul­tra zu erklä­ren und alles weg­zu­wer­fen, was anfass­ba­re Musik ist, nicht immer wie­der für ungläu­bi­ges Kopf­schüt­teln: Strea­ming neh­me einem doch nichts weg!

Klar, wenn man eben 15 Jah­re alt ist und sich mit den nur wenig bes­se­ren Furz­ge­räu­schen im Radio zufrie­den zeigt, dann mag das stim­men, und es gibt auf so Platt­for­men ja durch­aus auch ein paar erträg­li­che Musik­grup­pen. Eini­ge weni­ge aber, dar­un­ter King Crims­on, wei­gern sich stand­haft, den müh­sam erar­bei­te­ten krea­ti­ven out­put durch Qua­li­täts­re­duk­ti­on qua­si zer­stö­ren zu las­sen, wie­der­um ande­re sind noch gar nicht von einer gro­ßen Plat­ten­fir­ma, die ent­spre­chen­de Ver­trä­ge schlie­ßen wür­de, auf­ge­nom­men wor­den. Natür­lich könn­te man das ja par­al­lel betrei­ben, es gibt ja inzwi­schen vie­le Neu­ver­öf­fent­li­chun­gen auch als so genann­ten „MP3-Down­load“, man könn­te also sei­ne auch hap­tisch wert­vol­le Plat­ten­samm­lung durch gefühl­lo­sen MP3- und Strea­ming-Quatsch erset­zen und hät­te ein viel ein­fa­che­res Leben, so erzähl­te man mir erst vor eini­gen Tagen wie­der.

Der­je­ni­ge, der sol­cher­lei sprach, ist treu­er App­le­kun­de, weil Apple ein­fach alles rich­tig mache.

Außer natür­lich, man ver­sucht Apple Music zu nut­zen, das absicht­lich – das muss so – nach erfolg­ter Anmel­dung jede Musik­da­tei auf der Fest­plat­te mit dem eige­nen Daten­be­stand abgleicht, assi­mi­liert und von der Fest­plat­te löscht. Man kann sich die Musik ja danach ein­fach wie­der anhö­ren, nur eben über Apple Music (also im Zwei­fel kaputt­kom­pri­miert), und viel­leicht fin­det es sogar die glei­che Auf­nah­me; Pech, wer bis­her sel­te­ne Boot­leg­auf­nah­men popu­lä­rer Lie­der besaß.

For about ten years, I’ve been war­ning peo­p­le, “hang onto your media. One day, you won’t buy a movie. You’ll buy the right to watch a movie, and that movie will be ser­ved to you. If the com­pa­nies ser­ving the movie don’t want you to see it, or they want to chan­ge some­thing, they will have the power to do so. They can alter histo­ry, and they can make you keep paying for things that you form­er­ly could have bought. Infor­ma­ti­on will be a uti­li­ty rather than a pos­ses­si­on. Even infor­ma­ti­on that you yours­elf have crea­ted will requi­re unen­ding, recur­ring payments just to access.”

Manch­mal ist es beun­ru­hi­gend, Recht zu haben.


Nach­trag vom 15. Mai 2016: Apple weiß nicht, wie­so iTu­nes Datei­en löscht. Da lohnt sich doch der Umstieg gleich dop­pelt.

Senfecke:

  1. Sinn­lo­ser pseu­do-eli­tä­rer Ein­trag. Die Inkom­pe­tenz App­les ins Feld gegen Strea­ming zu füh­ren ist kein über­zeu­gen­des Argu­ment.

    Ich benut­ze Goog­le Music All Access und z.B. die Aus­wahl dort an alten Jazz-Alben ist her­vor­ra­gend. Kor­rekt, King Crims­on und manch ande­rer fehlt. Jedoch konn­te ich eine über Jah­re gepfleg­te 120 GB gro­ße Musik­samm­lung hoch­la­den (ohne Abgleich der ID3-Tags); nun ist also auch „mein Besitz“ The Power To Belie­ve und In The Court Of The Crims­on King dabei. Zusätz­lich wei­ter­hin als Back­up auch auf Fest­plat­ten. Mein rot­ti­ges End­ge­rät hät­te die­ses Daten­vo­lu­men nicht ansatz­wei­se zur fast all­ge­gen­wär­ti­gen Ver­füg­bar­keit auf­neh­men kön­nen.

    Wenn man unter Musik­ge­nuss die Hap­tik alter Tech­no­lo­gie-Pro­duk­te oder „Vinyl-Sound“ ein­be­zieht, soll mir das Recht sein. Mir jedoch vor­zu­wer­fen, mein Bedürf­nis nach purem Klang­er­leb­nis sei gefühl­los oder gar Quatsch ist klein­gei­stig. Der Vor­wurf, Zufrie­den­heit mit 320 kbps zeu­ge von man­geln­der Qua­li­täts­wahr­neh­mung, ist unhalt­ba­res Voo­doo-Gedöhns.

    Für mich ist Strea­ming das momen­ta­ne Non­plus­ul­tra. Wenn es das für Dich nicht ist, wün­sche ich viel Spaß mit Dei­ner Plat­ten­samm­lung. Die Argu­men­te dafür klin­gen für mich bis­her jedoch ziem­lich halb­gar. :facepalm:

    • Wei­te­re Argu­men­te gegen Strea­ming fin­dest du hier, hier und an ande­ren Stel­len; es läuft aber ins­ge­samt auf’s Glei­che hin­aus: Strea­ming ist Musik­mie­te mit unge­wis­ser Zukunft. Du weißt nicht, ob „dei­ne Musik“ (Hin­ter­grund) in drei Jah­ren noch ver­füg­bar sein wird, wenn du dir nur das zeit­lich begrenz­te Recht erwirbst, sie zu hören, aber nicht besitzst.

      Und natür­lich macht MP3-Kom­pres­si­on was kaputt, sonst wären die Datei­en ja nicht klei­ner als vor­her. ;)

      • Ist es dann für dich auch inak­zep­ta­bel, in einer Miet­woh­nung zu leben? Dass ich die Musik nicht besit­ze, ändert nichts am prä­sen­ten Musik­ge­nuss. Wenn Goog­le Music in einem Jahr dicht macht, wech­sel ich den Dienst oder kau­fe ein­fach wie­der die Musik, an der ich dann Inter­es­se haben wer­de. Was habe ich denn dann ver­lo­ren? Wenn das Blog und ich 2019 noch leben, wer­de ich hier ger­ne einen Sta­tus­be­richt über die Ver­füg­bar­keit able­gen.

        Ja, auf einer Schall­plat­te ist jedoch auch nicht die voll­stän­di­ge phy­si­ka­li­sche Infor­ma­ti­on ent­hal­ten, die im Moment der Auf­nah­me im Stu­dio vor­han­den war. Audio­kom­pres­si­on ver­wirft nicht­wahr­nehm­ba­re Infor­ma­tio­nen. Ich behaup­te, dass mit durch­schnitt­li­cher Audio-Hard­ware nie­mand 320 kbps MP3 von FLAC o.ä. unter­schei­den kann. Musik auf die Klang­qua­li­tät zu redu­zie­ren – und das auch noch mit eso­the­ri­schen Anwand­lun­gen – bleibt für mich Voo­doo-Gedöhns. ¯\_(ツ)_/¯

        Um das klar zu stel­len: ich kann das Ver­lan­gen nach dem Besitz durch­aus gut nach­voll­zie­hen. Bei mir ist die­ser jedoch nicht so stark aus­ge­prägt, sodass ich auf die Vor­tei­le des Strea­mings ver­zich­ten wür­de.
        An die­ser Stel­le möch­te ich einen deut­li­chen Nach­teil des Strea­mings selbst nen­nen, wel­cher mich per­sön­lich am mei­sten stört: Die Unfä­hig­keit, Musik mit Freun­den und Fami­lie zu tei­len. Dafür gab es neu­lich immer­hin eine Teil­lö­sung. Da zahlt sich ein klei­ner Freun­des­kreis wie­der ein­mal aus! :freu2:

        • Miet­woh­nun­gen sind auch nur eine Not­lö­sung, ja.

          Den Dienst (ist es noch ein Dienst für dich, wenn du von sei­ner Gunst abhän­gig bist?) zu wech­seln und zu hof­fen, dass der neue Dienst ein min­de­stens ver­gleich­ba­res Ange­bot bie­tet, und immer flei­ßig zah­len…
          Ich ver­ste­he die jun­gen Leu­te nicht mehr.

          • Ich glau­be, du willst nicht ver­ste­hen.
            Natür­lich wird mir ein Dienst gelei­stet, wenn ich im Bett lie­gend Zugriff auf 35 Mil­lio­nen Titel habe. Ich bezah­le für die­sen Zustand gern einen gewis­sen Preis und nut­ze das im Rah­men der Mög­lich­kei­ten so gut es geht aus.
            Der Dienst ist von mei­ner Gunst ihm gegen­über abhän­gig, weil ich ihn bei Nicht­ge­fal­len zum Fol­ge­mo­nat nicht mehr zah­le.
            A pro­pos „flei­ßig zah­len“: 3 € pro Monat. :?
            Jetzt kommt wahr­schein­lich der Vor­wurf, dass jun­gen Leu­ten Kunst nichts mehr wert ist…
            Dei­nen Stil des Kon­sums könn­te ich mir nicht län­ger­fri­stig lei­sten.

            • Der Dienst ist von mei­ner Gunst ihm gegen­über abhän­gig, weil ich ihn bei Nicht­ge­fal­len zum Fol­ge­mo­nat nicht mehr zah­le.

              Ich bin davon über­zeugt, dass es dem Dienst ange­sichts sei­ner Finanz­kraft scheiß­egal ist, ob du ihm 3 Euro (mein TIDAL-Abon­ne­ment – dazu hab‘ ich mich ja anders­wo schon geäu­ßert – kostet ja mal eben über das Drei­fa­che; was machst du hier noch falsch?) zahlst oder nicht. Der Dienst pfeift im Zwei­fels­fall auf dich. Das ist kei­ne Abhän­gig­keit „von dir“, viel­mehr bist du davon abhän­gig, dass der Dienst nicht von heu­te auf mor­gen den Hahn zudreht.

              • Vie­le kün­di­gen den Dienst, wenn er sich ver­schlech­tert. Mei­ne ein­zel­ne Per­son soll­te hier nur als Anek­do­te her­hal­ten…

                Dar­über hin­aus möch­te ich dir Recht geben – ich bin in dei­ner beschrie­be­nen Art auch vom Dienst abhän­gig. Zum Glück juckt mich das wie oben erläu­tert nicht, da mir ein mani­sches Ver­hält­nis zu Besitz­tü­mern auf die­ser Welt zuwi­der ist. Wenn Goog­le mor­gen mei­nen Account ein­friert, habe ich nichts ver­lo­ren. Mein Iden­ti­tät erbaut sich aus der Sum­me aller Ein­drücke mei­ner Ver­gan­gen­heit, nicht aus ange­häuf­tem Besitz. Die Ver­gan­gen­heit zu die­sem Zeit­punkt war dann äußerst kom­for­ta­bel. Für die Zukunft gilt dann, was immer gilt: If you have a pro­blem with chan­ge, you’­re not built for life.
                Ich wer­de die alten Leu­te nie ver­ste­hen.

                • Wenn der „Dienst“, der mei­ne kom­plet­te Musik­samm­lung ver­wal­tet, zumacht und mir nur noch Erin­ne­rung an die schö­nen Stücke bleibt, dann gibt es sozu­sa­gen Tote. Völ­lig unab­hän­gig davon, als wie pri­ma ich das Prin­zip Besitz erach­te: über man­ches behal­te ich, ganz Mensch, doch gern selbst die Kon­trol­le.

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