Was ernten Leute wie ich, die lieber ihren Wohnplatz mit tonträgerbefüllten Regalen vollstellen als das viel bessere, weil vermeintlich portablere und damit flexiblere, Musikstreaming zum Nonplusultra zu erklären und alles wegzuwerfen, was anfassbare Musik ist, nicht immer wieder für ungläubiges Kopfschütteln: Streaming nehme einem doch nichts weg!
Klar, wenn man eben 15 Jahre alt ist und sich mit den nur wenig besseren Furzgeräuschen im Radio zufrieden zeigt, dann mag das stimmen, und es gibt auf so Plattformen ja durchaus auch ein paar erträgliche Musikgruppen. Einige wenige aber, darunter King Crimson, weigern sich standhaft, den mühsam erarbeiteten kreativen output durch Qualitätsreduktion quasi zerstören zu lassen, wiederum andere sind noch gar nicht von einer großen Plattenfirma, die entsprechende Verträge schließen würde, aufgenommen worden. Natürlich könnte man das ja parallel betreiben, es gibt ja inzwischen viele Neuveröffentlichungen auch als so genannten “MP3-Download”, man könnte also seine auch haptisch wertvolle Plattensammlung durch gefühllosen MP3- und Streaming-Quatsch ersetzen und hätte ein viel einfacheres Leben, so erzählte man mir erst vor einigen Tagen wieder.
Derjenige, der solcherlei sprach, ist treuer Applekunde, weil Apple einfach alles richtig mache.
Außer natürlich, man versucht Apple Music zu nutzen, das absichtlich — das muss so — nach erfolgter Anmeldung jede Musikdatei auf der Festplatte mit dem eigenen Datenbestand abgleicht, assimiliert und von der Festplatte löscht. Man kann sich die Musik ja danach einfach wieder anhören, nur eben über Apple Music (also im Zweifel kaputtkomprimiert), und vielleicht findet es sogar die gleiche Aufnahme; Pech, wer bisher seltene Bootlegaufnahmen populärer Lieder besaß.
For about ten years, I’ve been warning people, “hang onto your media. One day, you won’t buy a movie. You’ll buy the right to watch a movie, and that movie will be served to you. If the companies serving the movie don’t want you to see it, or they want to change something, they will have the power to do so. They can alter history, and they can make you keep paying for things that you formerly could have bought. Information will be a utility rather than a possession. Even information that you yourself have created will require unending, recurring payments just to access.”
Manchmal ist es beunruhigend, Recht zu haben.
Nachtrag vom 15. Mai 2016: Apple weiß nicht, wieso iTunes Dateien löscht. Da lohnt sich doch der Umstieg gleich doppelt.


Sinnloser pseudo-elitärer Eintrag. Die Inkompetenz Apples ins Feld gegen Streaming zu führen ist kein überzeugendes Argument.
Ich benutze Google Music All Access und z.B. die Auswahl dort an alten Jazz-Alben ist hervorragend. Korrekt, King Crimson und manch anderer fehlt. Jedoch konnte ich eine über Jahre gepflegte 120 GB große Musiksammlung hochladen (ohne Abgleich der ID3-Tags); nun ist also auch “mein Besitz” The Power To Believe und In The Court Of The Crimson King dabei. Zusätzlich weiterhin als Backup auch auf Festplatten. Mein rottiges Endgerät hätte dieses Datenvolumen nicht ansatzweise zur fast allgegenwärtigen Verfügbarkeit aufnehmen können.
Wenn man unter Musikgenuss die Haptik alter Technologie-Produkte oder “Vinyl-Sound” einbezieht, soll mir das Recht sein. Mir jedoch vorzuwerfen, mein Bedürfnis nach purem Klangerlebnis sei gefühllos oder gar Quatsch ist kleingeistig. Der Vorwurf, Zufriedenheit mit 320 kbps zeuge von mangelnder Qualitätswahrnehmung, ist unhaltbares Voodoo-Gedöhns.
Für mich ist Streaming das momentane Nonplusultra. Wenn es das für Dich nicht ist, wünsche ich viel Spaß mit Deiner Plattensammlung. Die Argumente dafür klingen für mich bisher jedoch ziemlich halbgar.
Weitere Argumente gegen Streaming findest du hier, hier und an anderen Stellen; es läuft aber insgesamt auf’s Gleiche hinaus: Streaming ist Musikmiete mit ungewisser Zukunft. Du weißt nicht, ob “deine Musik” (Hintergrund) in drei Jahren noch verfügbar sein wird, wenn du dir nur das zeitlich begrenzte Recht erwirbst, sie zu hören, aber nicht besitzst.
Und natürlich macht MP3-Kompression was kaputt, sonst wären die Dateien ja nicht kleiner als vorher.
Ist es dann für dich auch inakzeptabel, in einer Mietwohnung zu leben? Dass ich die Musik nicht besitze, ändert nichts am präsenten Musikgenuss. Wenn Google Music in einem Jahr dicht macht, wechsel ich den Dienst oder kaufe einfach wieder die Musik, an der ich dann Interesse haben werde. Was habe ich denn dann verloren? Wenn das Blog und ich 2019 noch leben, werde ich hier gerne einen Statusbericht über die Verfügbarkeit ablegen.
Ja, auf einer Schallplatte ist jedoch auch nicht die vollständige physikalische Information enthalten, die im Moment der Aufnahme im Studio vorhanden war. Audiokompression verwirft nichtwahrnehmbare Informationen. Ich behaupte, dass mit durchschnittlicher Audio-Hardware niemand 320 kbps MP3 von FLAC o.ä. unterscheiden kann. Musik auf die Klangqualität zu reduzieren — und das auch noch mit esotherischen Anwandlungen — bleibt für mich Voodoo-Gedöhns. ¯\_(ツ)_/¯
Um das klar zu stellen: ich kann das Verlangen nach dem Besitz durchaus gut nachvollziehen. Bei mir ist dieser jedoch nicht so stark ausgeprägt, sodass ich auf die Vorteile des Streamings verzichten würde.
An dieser Stelle möchte ich einen deutlichen Nachteil des Streamings selbst nennen, welcher mich persönlich am meisten stört: Die Unfähigkeit, Musik mit Freunden und Familie zu teilen. Dafür gab es neulich immerhin eine Teillösung. Da zahlt sich ein kleiner Freundeskreis wieder einmal aus!
Mietwohnungen sind auch nur eine Notlösung, ja.
Den Dienst (ist es noch ein Dienst für dich, wenn du von seiner Gunst abhängig bist?) zu wechseln und zu hoffen, dass der neue Dienst ein mindestens vergleichbares Angebot bietet, und immer fleißig zahlen…
Ich verstehe die jungen Leute nicht mehr.
Ich glaube, du willst nicht verstehen.
Natürlich wird mir ein Dienst geleistet, wenn ich im Bett liegend Zugriff auf 35 Millionen Titel habe. Ich bezahle für diesen Zustand gern einen gewissen Preis und nutze das im Rahmen der Möglichkeiten so gut es geht aus.
Der Dienst ist von meiner Gunst ihm gegenüber abhängig, weil ich ihn bei Nichtgefallen zum Folgemonat nicht mehr zahle.
A propos “fleißig zahlen”: 3 € pro Monat.
Jetzt kommt wahrscheinlich der Vorwurf, dass jungen Leuten Kunst nichts mehr wert ist…
Deinen Stil des Konsums könnte ich mir nicht längerfristig leisten.
Ich bin davon überzeugt, dass es dem Dienst angesichts seiner Finanzkraft scheißegal ist, ob du ihm 3 Euro (mein TIDAL-Abonnement — dazu hab’ ich mich ja anderswo schon geäußert — kostet ja mal eben über das Dreifache; was machst du hier noch falsch?) zahlst oder nicht. Der Dienst pfeift im Zweifelsfall auf dich. Das ist keine Abhängigkeit “von dir”, vielmehr bist du davon abhängig, dass der Dienst nicht von heute auf morgen den Hahn zudreht.
Viele kündigen den Dienst, wenn er sich verschlechtert. Meine einzelne Person sollte hier nur als Anekdote herhalten…
Darüber hinaus möchte ich dir Recht geben — ich bin in deiner beschriebenen Art auch vom Dienst abhängig. Zum Glück juckt mich das wie oben erläutert nicht, da mir ein manisches Verhältnis zu Besitztümern auf dieser Welt zuwider ist. Wenn Google morgen meinen Account einfriert, habe ich nichts verloren. Mein Identität erbaut sich aus der Summe aller Eindrücke meiner Vergangenheit, nicht aus angehäuftem Besitz. Die Vergangenheit zu diesem Zeitpunkt war dann äußerst komfortabel. Für die Zukunft gilt dann, was immer gilt: If you have a problem with change, you’re not built for life.
Ich werde die alten Leute nie verstehen.
Wenn der “Dienst”, der meine komplette Musiksammlung verwaltet, zumacht und mir nur noch Erinnerung an die schönen Stücke bleibt, dann gibt es sozusagen Tote. Völlig unabhängig davon, als wie prima ich das Prinzip Besitz erachte: über manches behalte ich, ganz Mensch, doch gern selbst die Kontrolle.