In den NachrichtenPiratenpartei
Nicht links, nicht rechts, sondern stolz auf einen Zufall

Am kom­menden Woch­enende find­et in München der alljährliche “Christo­pher Street Day”, eine merk­würdi­ge Über­set­zung der anglo­pho­nen “Gay-Pride”-Veranstaltungen, statt, anlässlich dessen homo‑, bi- und trans­sex­uelle Men­schen die Straßen säu­men und sich darüber freuen, nicht het­ero­sex­uell zu sein, jubel­nd begleit­et von Teilen der linken Szene, denn selb­stver­ständlich sind Stolz auf das Heimat­land, Stolz auf die Haut­farbe und Stolz auf das Geschlecht völ­lig deplatziert, denn auf etwas, was man nicht selb­st erre­icht hat, stolz zu sein ist min­destens däm­lich, aber gay pride ist natür­lich etwas völ­lig anderes, denn bekan­ntlich ist die sex­uelle Ori­en­tierung immer eine bewusste Entschei­dung, auf die man zu Recht stolz sein kann.

Dabei kommt das zweitägige Spek­takel zu ein­er Zeit, in der es eigentlich nicht viel zu feiern gibt: Jakob Aug­stein (“SPIEGEL ONLINE”) ver­wech­selt Pop­ulis­mus — wer nicht Pop­ulist ist, kann kein erfol­gre­ich­er Poli­tik­er sein — mit Dem­a­gogie und ganz Twit­ter ein­schließlich Anhängern der recht­spop­ulis­tis­chen SPD stimmt unbe­le­sen zu. Der “Brex­it” ist ins­beson­dere an der Börse über­wun­den und gerät allmäh­lich wieder in Vergessen­heit, die Empörungss­panne des durch­schnit­tlichen Bürg­ers beträgt nur wenige Tage und Sch­land­ball ist trotz großem Getöse, dass man doch als klar­er Sieger ver­loren habe, auch vor­bei, das geht eben ger­ade vor. In den USA find­en immer noch ständig Schießereien statt, wie gewohnt macht jedoch nie­mand, der eine poli­tis­che Entschei­dung tre­f­fen kön­nte, das Recht auf Waf­fenbe­sitz dafür ver­ant­wortlich, denn die Waf­fen­her­steller zahlen gut, son­dern den Ras­sis­mus, denn Ras­sis­ten zahlen nicht ganz so gut. In Deutsch­land ist der­weil die Beweis­las­tumkehr für Verge­wal­ti­gung zum Gesetz gemacht, der Bun­desnachrich­t­en­di­enst ermächtigt und die Nato noch etwas aggres­siv­er gewor­den.

Das wären ja pri­ma Voraus­set­zun­gen für die Piraten­partei, ihre eigentliche Wichtigkeit mal wieder ins Gespräch zu brin­gen. Und tat­säch­lich gibt es von der bayrischen Piraten­partei schon heute ein öffentlich sicht­bares Beken­nt­nis zu den staatenüber­greifend­en Grundw­erten, die die Piraten­partei stets zusam­menge­hal­ten hat und die in diesen Tagen so wichtig gewor­den sind wie seit langem nicht mehr:

Sex­uelle Vielfalt und Fußball.

Münch­n­er Allianz Are­na strahlt zum #CSD ab 21:30.

Das ist ja auch mal ganz schön.

PersönlichesNerdkrams
Smartphoneblues

Seit ich im Jahr 2010 zufäl­lig Android­nutzer wurde (ich berichtete), habe ich nur wenige Gedanken daran ver­schwen­det, ob ich den eingeschla­ge­nen Weg jemals ver­lassen würde. Klar, die Smart­phones sind seit­dem größer gewor­den, ihre CPUs und GPUs stärk­er und ihre Preise unver­schämter, aber son­st ist doch alles fast wie früher.

Allein: Der derzeit­ige Smart­phone­markt ist geprägt von der Angst, inter­es­sant zu sein, fürchte ich.

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SonstigesIn den Nachrichten
Urheberrecht des Tages

Eure Rund­funkge­bühren, mit­tler­weile wohl “Haushaltsab­gaben” genan­nt, deren Bezahlung uns allen einen Zugang zu den grandiosen Erzeug­nis­sen deutsch­er Film- und Fernsehkun­st, zum Beispiel, äh, Fußball im Fernse­hen, gewährt, die in der so genan­nten “Mediathek” für eine begren­zte Zeit abruf­bar sind, weil so ein Serv­er ja auch mal schlafen muss, bezahlen offen­sichtlich keine Kun­st:

Prödel hat in dem zwölf Sekun­den langem Video alle Elfme­ter-Schüsse des deutschen Teams beim Viertel­fi­nale gegen Ital­ien übere­inan­dergelegt. Bei Twit­ter und Face­book hat es inzwis­chen die Runde gemacht[.] (…) Auf Youtube, wohin Prödel sein Elfer-Video eben­falls hochge­laden hat, ist statt des Film­chens mit den Schüssen der siegre­ichen deutschen Mannschaft nur noch der Text „Dieses Video enthält Inhalte von UEFA. Dieser Part­ner hat das Video aus urhe­ber­rechtlichen Grün­den ges­per­rt“ zu lesen. Wo kämen wir auch dahin, wenn die kost­baren Medi­en­rechte an der Euro 2016 von jed­er­mann umgan­gen wer­den? (…) Am Nach­mit­tag dann war Prödels kom­plette Twit­ter-Seite ver­schwun­den.

Wäre ich Fußballer, würde ich jet­zt, da ich sozusagen zum Urhe­ber ernan­nt wurde, fol­gerichtig die UEFA nach meinem Anteil an den Ein­nah­men fra­gen, wie das eben so üblich ist.

In den NachrichtenMontagsmusikMir wird geschlecht
The Animal In Me — Rap God

Du - ich - dieser Baum?Alles ist Mon­tag, alles ist schlecht. Auf­ste­hen, räus­pern, durch­drehen. Wann war es anders? Damals, ja. Früher war so vieles bess­er, aber heute ist es schlecht.

Manch­es aber ist nicht nur schlecht, son­dern auch etwas anderes. Schwuler Stolz hui, deutsch­er Stolz pfui. Wählt euren Zufall weise. Dem­nächst: Rei­hen­weise abgeknick­te Regen­bo­gen­fah­nen, weil die Grü­nen es nicht wollen, dass ihr mit eur­er Umwelt mal im Reinen seid. Schlecht, auf jeden Fall, ist Fußball. Im Fernse­hen heißen Walis­er “Kel­ten” und Islän­der “Wikinger”, Fran­zosen allerd­ings selt­samer­weise nicht “Froschfress­er”. Ehre, wem Ehre gebührt.

Auch schlecht, auf jeden Fall, ist es, ein Mann zu sein, also dem­nächst, wenn ein­vernehm­lich­er Geschlechtsverkehr vor dem Gesetz so lange eine Verge­wal­ti­gung ist, bis zweifels­frei das Gegen­teil bewiesen wurde, und vor­sichtige Nicht­teil­nahme voraus­sichtlich sex­is­tis­che Diskri­m­inierung. Kann man es richtig machen? Klar: Ein­fach Frau sein. Gewon­nen qua Geschlecht.

Schönes kommt der­weil von den Vere­in­ten Natio­nen: Inter­net­zen­sur ver­let­zt die Men­schen­rechte; das tut Krieg zwar auch, aber irgend­wo muss man ja anfan­gen. Alles Weit­ere regelt ein Bun­des­ge­setz. Es wäre ver­früht, uns nun darauf einen run­terzu­holen.

Machen wir stattdessen das Nahe­liegende: Hören wir ein Met­al­cov­er eines Eminem-Stücks.

Eminem — “Rap God” (Cov­er By The Ani­mal In Me)

Guten Mor­gen.

SonstigesIn den NachrichtenMir wird geschlecht
Liegengebliebenes vom 2. Juli 2016

Im aktuellen “SPIEGEL” tre­f­fen Fem­i­nis­mus, Anti­deutsch­tum und Veg­an­is­mus vortr­e­f­flich aufeinan­der:

Die Sprecherin der Linksju­gend wurde von Migranten verge­waltigt. Der Polizei sagte sie zunächst nur, sie sei bestohlen wor­den, von Män­nern, die deutsch sprachen. (…) Gören mit ihrer weißen Bluse, dem streng zur Seite geflocht­e­nen Zopf und dem glitzern­den Herzan­hänger wür­den viele für eine ange­hende Betrieb­swirtin hal­ten, hätte sie nicht eine Fre­undin mit lila gefärbten Haaren als Ver­stärkung mit­ge­bracht. Woher sie sich ken­nen? “Unter veg­a­nen Antifaschis­ten ken­nt man sich eben”, antwortet Gören.

Fazial­palmierend weit­er­lesen auf Blendle (Bezahllink, par­don).


Beim “Mit­teldeutschen Rund­funk” wurde vorgestern getwit­tert:

ICE aus Angst vor Ter­ro­ran­schlag in Nieder­sach­sen evakuiert. Ein Reisender hat­te laut Koran­verse zitiert. Kein Sprengstoff gefun­den.

Nicht mal auf die Ter­ror­is­ten ist noch Ver­lass. :twisted:


Wo muss denn unbe­d­ingt noch mehr Inter­net rein? Richtig:

Windel meldet dem Smart­phone, wenn sie voll ist

Ich finde ja, das ist eine Scheißidee.


Habt ihr schon “Kartof­fel­salat”, den großar­ti­gen Film mit diversen deutschen YouTube-“Stars”, gese­hen? Nein? Gut so!

PolitikIn den Nachrichten
Medienkritik in Kürze: Potenzgeprotze mit “ZEIT ONLINE”

ZEIT.de, heute, 7:53 Uhr:

Die Brex­it-Anführer woll­ten die nationale Kon­trolle erobern. (…) Ihr Poten­zge­protze hat der Demokratie geschadet. (…) Weil John­son und die anderen ihre großspuri­gen Ver­sprechen nicht ein­lösen, ver­stärken sie ihre Anhänger nur noch in der Wahrnehmung, dass die Poli­tik sowieso nichts mehr ändern kann oder will. Dass sie als Bürg­er aus­geliefert sind.

ZEIT.de, heute, 7:29 Uhr:

Nicht nur in Europa, auch in Großbri­tan­nien hof­fen viele, die Brex­it-Entschei­dung ließe sich noch mal umkehren. (…) Gibt es noch Wege, den Aus­tritt Großbri­tan­niens aus der EU zu ver­hin­dern? Wir stellen fünf Möglichkeit­en vor[.}

Man ver­sprach mir Ver­lagsster­ben.

Netzfundstücke
Bingo!: ARD und WTF?

Fett, Junge:

Das neue, auf die junge Gen­er­a­tion aus­gerichtete Onlin­eange­bot von ARD und ZDF soll am 1. Okto­ber starten. (…) Ziel­gruppe sind die 14- bis 29-Jähri­gen.

Flo­ri­an Hager, etwa 40 Jahre alt und somit bei ARD und ZDF noch fast ein Küken, hat also ein ehrgeiziges Ziel: Über ein “Onlin­eange­bot” Leute zu begeis­tern, die besten­falls nur elf Jahre jünger sind als er und mit dem ganzen Mist aufgewach­sen sind, generelle Blöd­heit wie die gele­gentliche Ver­wech­slung von Web und Inter­net, Face­book und Inter­net sowie Google und Inter­net aus dra­matur­gis­chen Grün­den ein­mal bei­seite gelassen.

Denn wenn es einen Men­schen gibt, der weiß, wie er Kinder und Jugendliche begeis­tern kann, dann ist es ja wohl jemand, der ihr Vater sein kön­nte und beim Opafernse­hen arbeitet!!1! Bei “SPIEGEL ONLINE” ken­nt man sich damit ja aus. (Siehe auch hier u.a.)

Aber keine Sorge, Flo­ri­an Hager hat einen Plan:

Das “Junge Ange­bot” soll auf ein­er Inter­net­plat­tform basieren, cross­me­di­al sein und Fernseh- und Radiobeiträge mit Inhal­ten auf Online­foren verknüpfen.

Eine “Inter­net­plat­tform” (das muss man sich wohl wie eine Ölplat­tform vorstellen, nur dass dort nach Inter­net gebohrt wird), mit mod­ern­sten Meth­o­d­en cross­me­di­al mit dem hip­pen Trendmedi­um Radio verknüpft. Tscheck dis aut!

Facepalm

Es wur­den schon Leute für weniger Unsinn in einen Kerk­er gewor­fen.

PolitikIn den NachrichtenMontagsmusik
Rotor — Volllast

Jetzt, hierEs ist Mon­tag. Die Wet­ter­aus­sicht­en sind angemessen trübe, weil es wieder ein­mal tief drin­nen nagt, weil man sich mon­tags ja dann doch immer so fühlt. Ver­mut­lich ist es bess­er, es nicht zu bemerken, wenn man auch mal Glück hat, damit der Unter­schied nicht so schreck­lich auf­fällt. Emo­tion­al und nervlich am Ende mit drei Buch­staben: Ich. Es ist — ihr ahnt es — mitunter bedrück­end, ich zu sein.

Die Flucht nach vorn — in die Nachricht­en — ist also ange­sagt. Im Vere­inigten Kön­i­gre­ich und im Vatikan wird von der unter­lege­nen Min­der­heit im “Brexit”-Referendum angestrebt, das Ref­er­en­dum wieder­holen zu lassen, weil die Mehrheit doof gewählt hat. Ich finde das nachah­menswert, mir gefällt die Wahl der Mehrheit in Deutsch­land näm­lich auch nur äußerst sel­ten. Was wis­sen die doofen Anderen schon von Poli­tik? — Nur kon­se­quent ist es da, dass Jean-Claude Junck­er laut Medi­en­bericht­en — die entsprechen­den Medi­en möcht­en hier auf­grund des von ihnen unter­stützten Leis­tungss­chutzrechts nicht ver­linkt wer­den — jet­zt darauf drängt, den Euro in der EU zur Pflicht zu machen. Das haben die anderen Län­der jet­zt davon, nicht auch aus­ge­treten zu sein.

Mal was anderes: Seid ihr auch im Fußball­fieber? Dann ist euch sicher­lich ent­gan­gen, dass die Bun­desregierung sich mal eben darauf ver­ständigt hat, kün­ftig auch eure Kinder überwachen zu lassen, wegen Ter­rors. Während ihr ins Aus­land guckt, wird Schritt für Schritt euer Inland zer­stört. Nationalelf erhält Moti­va­tion­ss­chub, weil Betrunk­en­er in Berlin Lein­wand anbrüllt. Das erk­lärt einiges.

Genug der Lap­palien. Es ist Zeit für etwas Musik.

Rotor — Vol­l­last

Guten Mor­gen.

In den NachrichtenMir wird geschlecht
Liegengebliebenes vom 26. Juni 2016 (Feminismus-Spezialausgabe)

Es gibt Grund zu feiern:

Das Plus-Size-Mod­el Ash­ley Gra­ham hat mit einem Insta­gram-Foto Mil­lio­nen Frauen begeis­tert. Auf einem Fahrrad fliegt ihr Rock so hoch, dass man einen Großteil ihrer Cel­lulite sieht.

Das näch­ste große Ding: Mod­els mit einem Haut­prob­lem. Gibt’s schon welche mit Schup­pen?


Gina-Lisa Lohfink, derzeit in allen Klatschspal­ten zu Hause und mir bis dato unbekan­nt, nach kurz­er Recherche allerd­ings auch nicht für ken­nenswert befun­den, muss sich, meint Bun­desrichter Thomas Fis­ch­er, zumin­d­est nicht vor­w­er­fen lassen, wie all die anderen Kurzzeit­bekan­ntheit­en aus dem Arbeit­slosen­fernse­hen nichts Sin­nvolles gel­ernt zu haben:

Das (stark herun­terg­erech­nete) Net­toeinkom­men dieser Beschuldigten müsste dem­nach bei etwa 400 Euro pro Tag (= 12.000 Euro pro Monat) liegen, was plau­si­bel ist, denn als Men­sch mit dem Beruf “Vorzeigen-von-dick­en-Silikon­brüsten” sollte man schon deut­lich mehr ver­di­enen als der Präsi­dent eines Ober­sten Bun­des­gerichts.

Gibt ja sowieso zu viele von denen.


Sowieso und immer lesenswert:

Und ich finde es selt­same Zeit­en, in denen eine Gesellschaft Mil­lio­nen über Mil­lio­nen für eine ihrer Grup­pen auf­bringt, deren in Talk­shows herumgere­ichte Vertreter eben diese Gesellschaft zugle­ich ein Patri­ar­chat nen­nen, das sie unter­drückt.


Die Neue Zürcher Zeitung find­et in einem Text, in dem sie durch­weg das schauder­haft klin­gende und überdies falsche “Studierende” statt “Stu­den­ten” ver­wen­det, die polit­i­cal cor­rect­ness in den USA über­trieben.


Ihr seid Män­ner und woll­tet schon immer mal wis­sen, woher die für die ange­bliche Lohn­lücke zwis­chen Män­nern und Frauen ver­ant­wortliche ungle­iche Verteilung von Arbeit­szeit­en stammt? Ganz ein­fach: Wenn Frauen so lange arbeit­en wür­den wie ihr, protestierte ihr Kör­p­er dage­gen. Bei Män­nern ist das natür­lich etwas völ­lig anderes, ein Büro fernab von Hob­bys, Fre­un­den und Fam­i­lie ist schon evo­lu­tionär bed­ingt ihr natür­lich­es Ter­rain.

PolitikIn den Nachrichten
Morgen erst mal schön Anschlag. LOL :-)

Solche Über­schriften soll­tet ihr möglicher­weise vor­erst ver­mei­den. Die USA näm­lich haben, glaubt man aus­nahm­sweise “heise online”, eine pri­ma Möglichkeit gefun­den, die Ein­reise von Ter­ror­is­ten erhe­blich zu erschw­eren:

Gibt es in den näch­sten 60 Tagen keinen Ein­spruch, sollen Ein­reisende zukün­ftig (…) frei­willige Angaben zu ihrer Social-Media-Präsenz machen kön­nen. (…) Im ver­gan­genen Jahr war Kri­tik laut gewor­den, als klar wurde, dass Details über eine Schießerei bere­its im Vor­feld über Pri­vat­nachricht­en über Face­book aus­ge­tauscht wur­den.

Denn wie ja jedes Kind weiß, erken­nt man einen Ter­ror­is­ten prob­lem­los und vor allem fehler­frei daran, dass er seine Pläne im Voraus in sozialen Medi­en bekan­nt­gibt. Sicher­heit durch Daten­samm­lung!

Facepalm

(via Schw­erdt­fe­gr)

In den NachrichtenPolitik
Drei Thesen zum Austritt “Großbritanniens” aus der EU

Union Flag, ca. 2020Erstens:

Der seit­ens der EU-Ver­fechter geäußerte Ruf nach dem Weit­erbeste­hen eines stramm durch­bürokratisierten starken Über­staates, der doch bitteschön zusam­men­zuhal­ten hat, weil er nur so seine Rolle als Welt­macht gegenüber den Anderen behaupten kann, ist nicht wesentlich mehr als Aus­druck des Wun­sches nach einem Großeu­ropa, dem nur mehr die charis­ma­tis­che Führerfig­ur fehlen möge. Befeuert wird dies durch das fortwährende Streben, den kalten Krieg mit dem ver­has­sten Nach­barn im Osten (“dem Iwan”) keines­falls abkühlen zu lassen. Es mutet wenig­stens selt­sam an, dass es Men­schen zu geben scheint, die wie selb­stver­ständlich nation­al­staatlich­es Begehren für sonst­wie rechts statt für natür­lich gegeben hal­ten und als Gege­nen­twurf aus­gerech­net die Insti­tu­tion EU präsen­tieren.

Zweit­ens:

Wenn, wie es den medi­alen Anschein hat, das wesentliche Prob­lem der EU mit einem Aus­tritt eines Mit­gliedsstaates darin beste­ht, dass die Börsen (“der Markt”, “die Wirtschaft”, niemals aber “der Men­sch”) darunter lei­den, dann hat dieser Mit­gliedsstaat zweifel­sohne die richtige Entschei­dung getrof­fen.

Drit­tens:

Es ist für die Attrak­tiv­ität der Europäis­chen Union für die übri­gen oder gar poten­zielle neue Mit­gliedsstaat­en und somit für ihre weit­ere Sta­bil­ität sicher­lich nicht von Vorteil, wenn ihre Vertreter der Umset­zung eines demokratis­chen Ref­er­en­dums so viele Stöckchen in die Spe­ichen hal­ten wie nur irgend­wie möglich. “EU-Vertreter haben bere­its angekündigt, dass sie an den Briten ein Exem­pel sta­tu­ieren wer­den[,] um andere Staat­en abzuschreck­en”, schreibt Christoph Sydow auf “SPIEGEL ONLINE” und ahnt selb­st wohl nicht, wie klug diese Wort­wahl war.

PersönlichesIn den Nachrichten
Neues vom Anfasszwang

Den Brauch, einan­der die Hand zu reichen, um einan­der zu beweisen, dass man zumin­d­est in ein­er Hand keine Waffe trägt, kann ich zumin­d­est his­torisch ver­ste­hen, wen­ngle­ich ich es aus hygien­is­chen Grün­den (ich fasse die meis­ten Men­schen nur ungern an) selb­st so häu­fig zu ver­mei­den ver­suche wie möglich, ihm nachzukom­men. Sel­ten traf ich bei begrün­det ver­weigert­er Ent­ge­gen­nahme der so lax wie kün­stlich ent­ge­gengestreck­ten schweiß­nassen Hand auf Unver­ständ­nis, niemals allerd­ings traf ich bis­lang auf Spießer wie diese Lehrerin:

Vier Mal soll die Päd­a­gogin der Schule in Berlin-Pankow den Geistlichen unter Hin­weis auf deutsche Gebräuche nach­drück­lich aufge­fordert haben, ihr die Hand zu reichen. Der Imam legte stattdessen die Hand aufs Herz — dies sei die höch­ste in sein­er Reli­gion mögliche Respek­t­bezeu­gung bei der Begrüßung ein­er Frau. Das habe der Lehrerin jedoch nicht aus­gere­icht, sie habe daraufhin das Gespräch abge­brochen.

Wer einan­der anz­u­fassen sich weigert, ver­halte sich frauen­feindlich, lautet die Argu­men­ta­tion; was in ein­er Zeit, in der der Fem­i­nis­mus gewohnt laut kra­kee­lend ver­sucht, nicht expliz­it genehmigte Berührun­gen zur Beina­hev­erge­wal­ti­gung umzudefinieren, so manch­es aus­sagt. Wer eine Lehrerin nicht anfassen will, der ver­wirkt dadurch sein Recht darauf, dass sie ihren Pflicht­en nachkommt. Ist schließlich Deutsch­land hier. Hier wird gefäl­ligst kon­ser­v­a­tiv gewählt, Trot­tel­sport bejubelt und einan­der bei jed­er sich bietenden Gele­gen­heit ange­fasst. Da muss man sich schon inte­gri­eren oder man fliegt raus aus der Gesellschaft. So geht das ja nun nicht.

Bei Bono­bos ist es übri­gens Teil des sozial erwün­scht­en Ver­hal­tens, Span­nun­gen durch Pen­is­fecht­en abzubauen. Wir kön­nen viel von Bono­bos ler­nen.


Apro­pos Bek­nack­te: Nach der Räu­mung eines wider­rechtlich beset­zten Gebäudes zur Schaf­fung von Wohn­raum für Flüchtlinge haben Link­sex­treme in Berlin mehrere Autos in Brand gesteckt. Das hat die Polizei jet­zt davon.

MontagsmusikIn den Nachrichten
Holy Esque — Strange

Ausschau nach dem PandaEs ist Mon­tag. Nicht vor dem ersten Kaf­fee ansprechen. Das macht doch alles keinen Spaß mehr. Früher war mehr Unbeschw­ertheit, allerd­ings war früher auch mehr zu zweit. Früher war alles bess­er.

Ander­er­seits: Endlich ist mal Schluss mit dem Patri­ar­chat! Straf­frei das Leben von Men­schen zu zer­stören ist Frauen­sache, was immer eine Frau jet­zt eigentlich ist. Die ewige Stadt Rom wird kün­ftig von der ital­ienis­chen Partei der EU-Geg­n­er regiert, aber vom nahe liegen­den Etikett “Recht­spop­ulis­mus”, das medi­al längst der Stan­dard­w­ert für alles ist, was sich nicht ins Getriebe ein­fü­gen möchte, redet hier kein­er, weil der neue Bürg­er­meis­ter eine Frau ist, was bekan­ntlich immer und grund­sät­zlich höher wiegt als das, was sie zu sagen hat. Gestern hat kein ARD-Redak­teur seine Kinder geschla­gen. Alles unter Kon­trolle, Sit­u­a­tion nor­mal.

Ihr allerd­ings gehört geschla­gen: Emo­jis sind aus eurem All­t­ag nicht mehr wegzu­denken. Doch, doch, das ist erwiesen. Die Sprache der Zukun­ft sind bunte Bild­chen, dig­i­tale Höh­len­malereien ohne dauer­haften Wert. Schreiben ist eine ver­lorene Errun­gen­schaft. Ander­er­seits: Sollte die Jugend so schreiben wie sie spricht, ist das wahrschein­lich auch bess­er so.

Ein kurz­er Blick in’s Föje­tong. Wenn Tay­lor Swift (Pop­musik, schlimm) einen neuen Part­ner hat, drängt sich natür­lich vor allem eine Frage auf: Wie soll man die bei­den nen­nen? Bedauer­licher­weise ist “Dumm und Düm­mer” schon vergeben.

Benei­denswert, eigentlich.

Holy Esque — Strange

Oh I cried / cried cried cried.

Guten Mor­gen.

PolitikIn den Nachrichten
Ernste Bedenken

Apro­pos Krieg (kalter); wisst ihr, wer sich über mil­itärische Inter­ven­tio­nen in Syrien ärg­ert? Richtig: die USA.

In Syrien habe sich, berichtet man auf aus­gerech­net “SPIEGEL ONLINE”, Fol­gen­des zuge­tra­gen:

Rus­s­land hat in der Nähe der syrisch-irakischen Gren­ze Rebellen attack­iert. Doch bei den Luftan­grif­f­en der Kampf­flugzeuge in der Nähe des Ortes Al-Tanf wur­den offen­bar Ver­bün­dete der USA bom­bardiert.

Es wird also wieder ein­mal Angst vor dem Iwan und dessen Bewaffnung geschürt, damit auch ja nie­mand auf die Idee komme, die moralis­che Abgren­zung sei kün­stlich und medi­engemacht. Da wird auf Men­schen (“Rebellen”, was in der Sprache des “SPIEGELs” offen­sichtlich “nicht ganz so lebenswerte Men­schen” bedeutet) geschossen und es fliegen Bomben auf sie, was ja grund­sät­zlich anscheinend nie­man­den der dort Sta­tion­ierten aus dem West­en wirk­lich stört.

Was machen die Amerikan­er eigentlich in der Nähe der syrisch-irakischen Gren­ze? Na, das Gle­iche, was sie schon zwecks mil­itärischen Auf­baus von Sad­dam Hus­sein und Osama bin Laden gemacht haben, bevor ihre Zöglinge ihnen plöt­zlich untreu wur­den:

Flugzeuge hät­ten in der Region am Don­ner­stag Kämpfer der Neuen Syrischen Armee beschossen, die von den USA und ihren Ver­bün­de­ten in Jor­danien aus­ge­bildet wer­den.

Ach so: “Die USA und ihre Ver­bün­de­ten” — offen­sichtlich nicht Rus­s­land — bilden Ter­ror­is­ten (“Milizen”) aus, um in einem frem­den Land andere Ter­ror­is­ten (“Milizen”) zu bekämpfen, und find­en es nun unangemessen, dass im Ziel­ge­bi­et geschossen wird? Nein, natür­lich nicht:

Ein Pen­tagon­sprech­er erk­lärte, das Vertei­di­gungsmin­is­teri­um wisse von Bericht­en über Angriffe auf mod­er­ate Oppo­si­tionelle. (…) “Sollte diese Aktion tat­säch­lich von den Russen aus­ge­führt wor­den sein, dann hät­ten wir ern­ste Bedenken”, sagte er.

Kein­er­lei ern­ste Bedenken hat das US-amerikanis­che Vertei­di­gungsmin­is­teri­um beim Aus­bilden von Ter­ror­is­ten und bei der Ein­mis­chung in fremde Innen­poli­tik, ins­beson­dere dann nicht, wenn die USA die Fol­gen (u.a. Flüchtlingsansturm in Europa, unzäh­lige zivile Kol­lat­er­alschä­den und so weit­er) nicht selb­st tra­gen müssen. Ern­ste Bedenken gibt es allerd­ings, wenn sich her­ausstellen sollte, dass ein Land, das seit­ens des West­ens mit aller­lei Falschmel­dun­gen als Aggres­sor stil­isiert wird, beim Mit­mor­den verse­hentlich auch mal die falschen Ter­ror­is­ten trifft. Ich habe ja ern­ste Bedenken wegen ganz ander­er Aspek­te dieses Vorge­hens, aber ich bin auch ein entsch­ieden­er Geg­n­er von mil­itärisch­er Inter­ven­tion in irgendwelchen Län­dern und sollte mich deswe­gen aus der Außen­poli­tik mal gepflegt raushal­ten. Was weiß ich schon von der Notwendigkeit des Meuchelns?

Nicht ein­mal zwei Stun­den vor oben zitiert­er Mel­dung erschien gle­ich­falls auf “SPIEGEL ONLINE” die Ankündi­gung, dass US-amerikanis­che “Diplo­mat­en” den direk­ten Ein­satz des US-Mil­itärs gegen die Regierung von Syriens Präsi­dent Baschar al-Assad fordern. Wenn denen doch nur jemand gesagt hätte, wie gefährlich so ein Krieg ist!

Wer sich in Gefahr beg­ibt, der kommt darin um, und ein star­rköp­figer Men­sch nimmt zulet­zt ein schlimmes Ende.
Sir­ach 3,27