MontagsmusikPolitikIn den Nachrichten
Wassermanns Fiebertraum — Jetzt oder nie // Mänbäng!

Die Bahn kommtEs tagt der Mond, es klagt der Kauz; Mon­tag, Mist. Dabei hat sich das Woch­enende schon länger ange­fühlt als nötig und man war selb­st schuld daran. Ander­er­seits: Hur­ra — ein gefühlt langes Woch­enende! Die Kun­st beste­ht darin, umzuschal­ten und Störun­gen als Ange­bot aufz­u­fassen.

Weil man ja eigentlich doch schon gern mal wieder lachen würde, zum Beispiel über Nord­ko­re­as “Netflix”-Konkurrenten, der lustiger­weise Man­bang heißt, was man doch bitteschön nicht unbe­d­ingt englisch aussprechen sollte (gesellschaftliche Unart auch: “Män­bäng” lesen). Fast genau so lustig: Twit­ter hat jet­zt einen Qual­itäts­fil­ter, was unge­fähr gle­ichbe­deu­tend mit einem Schön­heits­fil­ter für Han­nover wäre, er ließe näm­lich nur noch vere­inzelte Ruinen durch; ein­stell­bar, jaja, aber wer würde das wollen?

Die Bun­desregierung hat angekündigt, dass es dem­nächst rat­sam sein kön­nte, Vor­räte angelegt zu haben. Wie damals im Krieg, die Älteren erin­nern sich wahrschein­lich noch. Habt Angst! Hört ihr? Angst! Nach der Bur­ka sollen jet­zt auch Ruck­säcke auf öffentlichen Plätzen ver­boten wer­den. Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis endlich auch mal jemand das ter­ror­is­tis­che Essen von Leber­wurst­brot im Zug ver­bi­etet. Das wäre schön.

Noch schön­er, allerd­ings: Musik.

Hier.

Wasser­manns Fieber­traum — Jet­zt oder Nie (Offi­cial Music Video)

Guten Mor­gen.

Sonstiges
Medienkritik CI: Woohoo, “Mädchen”!

MÄDCHEN August 2016Ich bin aber auch wirk­lich nach­läs­sig manch­mal, die Zeitschrift “Mäd­chen” war mir bish­er als eher lang­weilig in Erin­nerung. Vor eini­gen Tagen allerd­ings nahm ich erst­mals ihren Unter­ti­tel — “Ent­decke, was du lieb­st!” — wahr und ver­spürte sofort den Drang, mir die aktuelle Aus­gabe ein­mal zuzule­gen. Wer würde nicht ent­deck­en wollen, was er liebt? Eben.

Die Entschei­dung wurde ver­süßt durch mein Geschenk (“DEIN GESCHENK: TRAUM HAAR (sic!), ZOPFBAND IN EINER VON 3 FARBEN”). So was wollte ich schon immer mal haben. ‘Medi­enkri­tik CI: Woohoo, “Mäd­chen”!’ weit­er­lesen »

PolitikIn den Nachrichten
Terrorabwehr des Tages: Kleidungsvorschriften gegen das Böse

Endlich tut mal ein­er was:

Die Innen­min­is­ter der Union haben sich darauf geeinigt, die Vol­lver­schleierung in bes­timmten Bere­ichen zu ver­bi­eten. Dies betr­e­ffe beispiel­sweise Ein­rich­tun­gen des öffentlichen Dien­stes, im Straßen­verkehr oder bei Demon­stra­tio­nen, erk­lärte Lorenz Caffi­er, Min­is­ter­präsi­dent von Meck­len­burg-Vor­pom­mern am Nach­mit­tag vor Jour­nal­is­ten.

Wofür soll das denn gut sein? Etwa schon wieder für mehr Sicher­heit (“Wichtig sei es, (…) die Befug­nisse der Nachrich­t­en­di­en­ste zu stärken”, ebd.; denn nichts löst Sicher­heit­sprob­leme so effizient wie ein völ­lig frei drehen dür­fend­er Geheim­di­enst)? Mit­nicht­en:

Die Ablehnung der Bur­ka habe nichts mit Sicher­heit zu tun, son­dern mit gesellschaftlichem Zusam­men­halt, sagte Bun­desin­nen­min­is­ter Thomas de Maiz­ière. (…) Deutsch­land sei eines der sich­er­sten Län­der der Welt, so solle es auch bleiben, sagte der Min­is­ter.

Sicher­lich wer­den Übeltäter sich auch kün­ftig nicht trauen, beim Übel­tun eine Bur­ka zu tra­gen. Jet­zt müsste nur noch jemand Ter­ror­is­mus ver­bi­eten und schon ist der Frieden gesichert, zumin­d­est unser­er­seits. Bewaffnete Milizen mit staatlichem Auf­trag laufen, fahren und fliegen stattdessen im Aus­land herum, zum Beispiel, wie gewohnt im Wider­spruch zum Völk­er­recht, in Syrien.

Hat alles nichts mit nichts zu tun.

Nerdkrams
Total vernetzt: Xanadus langer Atem

Im Jahr 2016 feiern nicht wenige Aktivis­ten ein Jubel­jahr des Webs als tech­nis­che Rev­o­lu­tion, oft, weil sie sich gar nicht dessen bewusst sind, was für ein eigentlich neben­säch­lich­er Aspekt des Inter­nets das Web eigentlich ist, oft auch nur in dem Irrglauben, das Web sei im Gegen­satz zum Usenet endlich und allein eine brauch­bare Art, Infor­ma­tio­nen ver­net­zt dauer­haft darzustellen.

Dabei ist das Web eigentlich nicht viel mehr als ein spät geboren­er Krüp­pel, dem allein seine reichen Eltern zugute kom­men.

‘Total ver­net­zt: Xanadus langer Atem’ weit­er­lesen »

Sonstiges
Bildung für alle, Bildung für nichts.

Nach der Pro­mo­tion erst mal in den Niedriglohnsek­tor, dann hil­f­sweise zum Acker­bau:

Der Herr im Job­cen­ter – mein „Arbeitsver­mit­tler“ – schüt­telt mir fre­undlich-abwartend die Hand. Möglicher­weise ist er etwas nervös angesichts meines Dok­tor­ti­tels, den er auch sofort pflichtschuldig ausspricht (woran mir über­haupt nichts liegt). Er weiß, dass er mir außer Zwangs­maß­nah­men, Call­cen­ter und Saisonar­beit (Erd­beeren pflück­en) nichts zu bieten hat.

Wenn der Bil­dungs­stan­dort Deutsch­land schneller wächst als die Gehalt­skassen auf dem Arbeits­markt Deutsch­land, ist es offen­sichtlich eher hin­der­lich, qual­i­fiziert zu sein. Im Nach­fol­ger des Arbeit­er- und Bauern­staats mit dem real existieren­den Stu­di­en­prob­lem ist man Gle­ich­er unter Gle­ichen.

Der Held im Erd­beer­feld ist sel­ten der Sieger.

(via Schw­erdt­fe­gr)

Sonstiges
Bei uns heißt das immer noch “Sie Arschloch”!

(Vorbe­merkung 1: Ich hat­te bish­er sel­ten das Vergnü­gen, beru­flich mit Sies zu arbeit­en, ich bin meist von Dus umgeben.
Vorbe­merkung 2: Fol­gende Hin­weise gel­ten nur für Sie, nicht jedoch für euch.)

Apro­pos Stil. In der “Süd­deutschen Zeitung” vom 13. August d.J. berichtete Ange­li­ka Slavik von der “neuen Cool­ness”, die in deutschen Unternehmen Einzug gehal­ten habe:

Deutsch­lands Unternehmen liefern sich ger­ade einen Wet­tbe­werb in demon­stra­tiv­er Cool­ness. Elmar Degen­hart etwa, der Chef des Autozulief­er­ers Con­ti­nen­tal, erschien im März erst­mals ohne Krawat­te zur Bilanzpräsen­ta­tion seines Unternehmens und ließ dazu wis­sen, man passe sich nun „den Gegeben­heit­en der Indus­trie“ an. Siemens-Chef Joe Kaeser zeigt sich eben­falls gern leg­er, seit er dem Unternehmen „Start-up-Spir­it“ verord­net hat, den gle­ichen Esprit ver­spricht auch der VW-Chef Matthias Müller kün­ftig in Wolfs­burg. Der Allianz-Chef Oliv­er Bäte präsen­tierte sich den Aktionären jüngst in knall­roten Turn­schuhen. Und bei Otto, da wird nun eben geduzt.

Diese crazy Kids mit ihren hip­pen Klam­ot­ten! Keine Krawat­te, rote Turn­schuhe, jet­zt auch noch die Abkehr von sprach­lichen Respek­ts­bekun­dun­gen, ergo cool­ness statt Manieren, denn wenn es eins gibt, was in mir sofort eine Vision von ger­adezu blenden­der Lock­er­heit her­vor­ruft, dann sind es duzende End­fün­fziger in roten Turn­schuhen.

Nun ist es ja wed­er bei IKEA noch im Beruf so, dass das olle Geduze irgend­wie aufgewe­ichte Hier­ar­chien sig­nal­isiert, denn bei Gehalts- und son­sti­gen Ver­tragsver­hand­lun­gen ist man schnell mit dem kumpel­haft agieren­den Vorge­set­zten per Sie und bei der Rol­len­verteilung gibt es hier auch nicht unbe­d­ingt einen nen­nenswerten Gestal­tungsspiel­raum. Anweisun­gen vom Scheff bleiben Anweisun­gen vom Scheff, und nie­mand, der nicht ger­ade ein Diplom in sozialer Arbeit oder son­stigem Kram als höch­sten Abschluss vorzuweisen hat, der nur für diejeni­gen Mem­men eine gute Wahl sein kann, die gegen harte Arbeit nichts einzuwen­den haben, so lange man ihnen dabei dreimal täglich Kekse und ein Plüschkan­inchen aushändigt, sollte es für eine gute Idee hal­ten, wenn diese Anweisun­gen als allzu jovial anbiedern­des “kön­nteste mal…?” statt “erledi­gen Sie…” über­mit­telt wer­den, weil dieses oft kalkuliert ein­seit­ige Gefühl der Ver­trautheit keineswegs ein besseres Miteinan­der schafft, weil der Riss zwis­chen ver­meintlich­er Kumpanei und tat­säch­lich­er Hier­ar­chie eben im Zweifel nur um so tiefer wieder aufreißt. So lange man mit dem Vorge­set­zten, ja, auch mit dem Arbeit­skol­le­gen wed­er Bett noch Betäubungsmit­tel geteilt hat, ist es in der Regel unange­bracht, sich über den gegen­seit­i­gen Dis­tanzver­lust zu freuen. Jeman­dem das Du anzu­bi­eten ist zweifel­los eine Möglichkeit der stil­vollen Klärung des zumin­d­est sprach­lichen gegen­seit­i­gen Ver­trautheits­grades, allerd­ings gerät die Ange­bot­skom­po­nente offen­sichtlich zuse­hends in Vergessen­heit. Wir duzen uns jet­zt, ob es dir passt oder nicht; beina­he hätte ich ange­fügt: so befehlen Wir es.

Moni­ka Sched­din, “Coach für Führungskräfte”, offen­sichtlich also mitschuld an dieser unfeinen Sit­u­a­tion, und laut ihrer Web­site “Speak­er, Coach und Autorin”, also ver­mut­lich beru­flich nicht in irgen­dein ern­stzunehmendes Ver­tragsver­hält­nis einge­bun­den und somit wie so viele andere Frauen, die Wohlfüh­lkäse auf Totholz stem­peln lassen, höch­stens indi­rekt mit dem Objekt ihrer phrasen­haften Betra­ch­tun­gen ver­traut, wird im gle­ichen Artikel mit Unver­ständ­nis zitiert:

Den­noch gebe es auch heute noch, trotz des all­ge­meinen Trends zu Cool­ness und Fre­undlichkeit, Führungskräfte mit harschem Ton­fall und ein­er Begeis­terung für streng hier­ar­chis­che Struk­turen. „Den klas­sis­chen Gen­er­al, der Angst und Furcht als Führungsin­stru­mente ver­ste­ht, wird es immer geben“, sagt Sched­din. „Kein Wun­der, es funk­tion­iert ja auch.“

Für Frau Sched­din ist die auch sprach­liche Ein­hal­tung der tat­säch­lich exis­ten­ten und son­st allen­falls ver­schwiege­nen beru­flichen Dis­tanz, mithin die Ein­hal­tung der ver­traglich geregel­ten Hier­ar­chien, fol­glich ein Vehikel zur “Ver­bre­itung von Angst und Furcht” — als hätte Angst oder Furcht nicht schon gere­icht — und der Fahrer dieses Vehikels ein “klas­sis­ch­er Gen­er­al” und damit, das ste­ht da allerd­ings nicht, fast wie Hitler, nur ohne den alber­nen Schnur­rbart.

Kein Wun­der.

Montagsmusik
Oranssi Pazuzu — Tyhjä Temppeli // Mehr Roboter wagen.

Urlaubsvertretung (flauschig)Es ist Mon­tag, es gibt wahrlich Schöneres und das ist noch nicht ein­mal allzu lange her, aber man macht eben auch beim Dumm­sein nur ungern halbe Sachen. Als wär’s gestern gewe­sen, einan­der im Arm habend die Zeit zu vergessen und des Mon­des tadel­n­dem Blick keine Beach­tung zu schenken, weil, als es per­fekt schien, man doch selb­st mis­sachtet zu haben weiß. Wenn schon blöde, dann wenig­stens mit Anlauf.

Apro­pos Anlauf. Neues aus Olympia: Deutsch­land ist erwartungs­gemäß ganz gut im Schießen. In Syrien kommt ihm das zugute: In Alep­po kämpft Al Qai­da, unter­stützt von den USA, Deutsch­land, Türkei, Sau­di-Ara­bi­en und Katar; die zahlen eben gut, muss man ja ver­ste­hen.

Bei allen Prob­le­men, die ein Com­put­er so hat (wusstet ihr zum Beispiel, dass euer Flach­bild­schirm gekapert wer­den kann?), wün­scht man sich manch­mal doch weniger Men­schlichkeit in all dem Tohuwabo­hu. Man wies mich vor eini­gen Tagen darauf hin, dass selb­st Robot­er men­schlich­er seien als manche Men­schen, wie ein Exper­i­ment von vor eini­gen Jahren beweise: Nach ein­er Weile entwick­eln sie, die Robot­er, einen eige­nen Altru­is­mus und ler­nen dessen Vorzüge zu schätzen. Und die Men­schen? Sie füt­tern Enten mit ihren Kindern. Was ja, ander­er­seits, auch irgend­wie wieder niedlich ist.

Was allerd­ings keines­falls niedlich ist, sind Mon­tage, aber dage­gen kann man etwas machen, näm­lich die Musik an.

Oranssi Pazuzu — Tyhjä Temp­peli

Guten Mor­gen.

In den NachrichtenPolitik
Kurz notiert zu den grotesken Plänen Bernard Cazeneuves

Ach, Frankre­ich:

Wenn es nach dem franzö­sis­chen Innen­min­is­ter geht, wird eine Ini­tia­tive mehrerer Staat­en zur Bekämp­fung ver­schlüs­sel­ter Kom­mu­nika­tion zus­tande kom­men. Hin­ter­grund ist der Umstand, dass es bis­lang für Ermit­tlungs­be­hör­den kaum möglich ist, ver­schlüs­selte Nachricht­en auszuw­erten, die im Zuge der Vor­bere­itung von Ter­ro­rat­ten­tat­en aus­ge­tauscht wer­den.

Hin­ter­grund hier­für dürften unter anderem die zahlre­ichen Atten­tate in Frankre­ich bin­nen der let­zten paar Jahre sein, in deren Vor­feld die jew­eili­gen Täter (auch in Niz­za und Paris) zuvor franzö­sis­che SMS-Nachricht­en aus­ge­tauscht haben, was offen­sichtlich nicht rechtzeit­ig aus­gew­ertet wer­den kon­nte; woraus sich zweifel­los ableit­en lässt, dass der Aus­tausch franzö­sis­chsprachiger Mit­teilun­gen über ein bere­its jet­zt vor­rats­daten­spe­ich­ern­des öffentlich­es Netz Ermit­tlungs­be­hör­den der­art über­fordert, dass es drin­gend anzu­rat­en ist, den Gebrauch der franzö­sis­chen Sprache zwecks Ter­rorab­wehr kün­ftig europaweit zu ver­bi­eten.

KaufbefehleMusikkritik
Katie Dey — Flood Network

katie dey - Flood NetworkIm Juni 2015 freute ich mich über das Debü­tal­bum der aus­tralis­chen Kün­st­lerin Katie Dey im Faz­it fol­gen­der­maßen:

Ein Musik gewor­denes WTF, das im noch ver­gle­ich­sweise unver­braucht­en 2015 bish­er eine Aus­nah­meer­schei­n­ung darstellt.

Nach­dem es einige Tage lang für sym­bol­is­che 1.000 US-Dol­lar zu haben war, erschien gestern (mit­samt erhe­blich­er Preis­senkung) endlich das Nach­fol­geal­bum namens “Flood Net­work”, weit­er­hin mit merk­würdi­gem art­work und Band­camp-Stream.

Mit 17 Titeln und ins­ge­samt 32:12 Minuten Laufzeit ist “Flood Net­work” erneut recht kurz aus­ge­fall­en. Den roten Faden stellen acht Instru­men­tal­stücke namens “(F1)” bis “(F8)” dar, die sich mit den übri­gen Stück­en abwech­seln. Keineswegs sollte allerd­ings davon aus­ge­gan­gen wer­den, dass ein stilis­tis­ch­er Zusam­men­hang beste­ht. Frau Dey macht auch weit­er­hin unter Mis­sach­tung kon­ser­v­a­tiv­er Vorstel­lun­gen von einem musikalis­chen Rah­men, wonach ihr der Sinn ste­ht, was “Flood Net­work” schon in der The­o­rie an Wert gewin­nen lässt. Und die Prax­is?

Katie Dey — Fleas (Offi­cial Music Video)

“Flood Net­work” ist die irgend­wie kon­se­quente Weit­er­en­twick­lung von “asd­fas­df”. Bere­its das eröff­nende “All” stolpert in ger­ade mal anderthalb Minuten mit Sig­ur-Rós-Stampfrhyth­mus, psy­che­delis­ch­er Akustikgi­tarre und brüchigem Gesang aus dem Laut­sprech­er in die weit offe­nen Ohren und Arme des Rezensen­ten und geht aus­nahm­sweise dann doch über in das fast halb­minütige Inter­mez­zo “(F1)”, das mit einem Hil­fer­uf allerd­ings nichts zu tun zu haben scheint, son­dern ein wenig Elek­tron­ik für das fol­gende “Fleas” vor­bere­it­et, das über­haupt in den selt­samen Radio­clubbeats von 2016 aufgewach­sen zu sein scheint. Spulen wir mal ein biss­chen vor und bemerken wir eine Steigerung, denn natür­lich gibt es dann doch noch so was Ähn­lich­es wie einen long­track, das Duo aus “Debt” und “(F8)” näm­lich, das eine gemein­same Melodie vere­int; und natür­lich, schon wieder, Sig­ur Rós zu guter Let­zt, in “It’s Sim­pler To Make Home on the Ground” näm­lich, wenn auch aber­mals nur instru­men­tal.

So I sit around / mak­ing ani­mal sounds out of cut­lery.
Fear o’ the Light

Gesang ist Neben­sache. Die Frau macht Musik nur für sich und lässt uns an sich teil­haben. Musik für die Leute machen andere Leute schon genug. Stag­na­tion? Na, meinetwe­gen, denn das bedeutet immer­hin, dass die Qual­ität nicht nach­lässt. “Flood Net­work” ist so undurch­dringlich wie sein Vorgänger, ich wage nicht ein­mal zu ahnen, ob es mich bei all sein­er Schräge absichtlich melan­cholis­ch­er stimmt.

“Flood Net­work” ist die musikalis­che Begleitung für das Gefühl nach einem ver­ta­nen Tag, einem ver­lore­nen Woch­enende, einem ver­reg­neten Urlaub am Meer, nach zu viel Alko­hol und zu viel Chemie, der Ton zum Film im Kopf nach dem Schrei der Natur — ein in Gänze wun­der­volles Album also. Nehmt euch die Zeit, es ist sie wert.

Netzfundstücke
Liegengebliebenes vom 10. August 2016

Und das alles von meinen Steuern!!1!: Chi­ne­sis­ch­er Tourist wird aus Verse­hen in ein Flüchtling­sheim gesteckt.


Vor weni­gen Tagen, am 6. August, wurde das World Wide Web als ein­er der jün­geren Inter­net­di­en­ste 25 Jahre alt. Die ehe­ma­lige Net­zkom­pe­ten­z­partei würdigte das mit einem angemesse­nen Tweet:

25 Jahre #Inter­net. Für die einen immer noch #Neu­land, für uns #Pirat­en ein natür­lich­er Leben­sraum. :)

Da war wohl jemand lange nicht vor der Tür.


Apro­pos Twit­ter: Eine geistig 108-jährige gen­der­flu­ide Eule hat her­aus­ge­fun­den, dass der Fem­i­nis­mus der Welt inner­halb der let­zten zehn Jahre das Frauen­wahlrecht beschert hat. Früher hätte man solchen Leuten, äh, Eulen noch ver­sucht zu helfen, statt sich lustige Worte für sie auszu­denken.


Wisst ihr, wer drin­gend in Sex­u­alther­a­pie gehört? Britis­che Fün­fjährige!


Bei BMW fängt Fahren auf dem Smart­phone an. An gle­ich­er Stelle hört allerd­ings auch die Sicher­heit auf, aber das verkauft sich nicht so gut.


Da wir ger­ade bei Inter­net sind: Wo muss denn unbe­d­ingt mehr Inter­net rein? Richtig: In den Toast­er!

In den NachrichtenMontagsmusik
Yezda Urfa — Cancer of the Band

Ich seh dichMon­tag. Android ist kaputt, aber der Som­mer ist zurück. Er kommt ganz schön oft in diesem Jahr. Da kann man sich ja gar nicht mehr auf den Herb­st freuen, wenn es endlich wieder nor­mal wird.

Ander­er­seits: Nor­mal­ität 2016? Wer Argu­mente mag, wählt CDU. Keine Exper­i­mente! Die Hunde. Das Land davor. Hurz? In Olympia haben die Apothek­er mal wieder Bestzeit­en geschafft, Tausende jubeln mit Chips auf dem Sofa. Prekari­ats-TV für Ges­portetwer­dende.

Weniger zu bejubeln: Israel will Aus­län­der, die es nicht so gern sehen, wenn israelis­che Raketen Palästi­nenser zer­fet­zen, kün­ftig nicht mehr ins Land lassen. Das ist immer­hin bess­er als in anderen Unrechtsstaat­en, da kommt man dann zwar noch rein, aber nicht mehr lebend raus. Den Guten, bewaffnet mit Parolen, Palästi­nenser­tuch und Israelfahne, gefällt das. Alle bek­loppt, alle rest­los bek­loppt.

Was macht man eigentlich, wenn man einen überzäh­li­gen Behin­derten hat? Ab damit!

Apro­pos ab: Musik ab!

Guten Mor­gen.

PersönlichesNetzfundstücke
Anzüglichkeiten

(Vorbe­merkung: Ich sehe im Anzug scheiße aus und trage trotz­dem gern mal einen, und zwar aus freien Stück­en.)

Im Unterblog kom­men­tierte Dr. Horst Lün­ing, haupt­beru­flich Whiskytrinker und ‑verkäufer, vor ein­er Weile sein Ver­hält­nis zu Her­re­nanzü­gen sin­ngemäß dergestalt, dass er nichts von ihnen halte, weil ihm ein Smok­ing für die meis­ten Anlässe zu förm­lich erscheine; weil’s zwis­chen Polo­hemd und Smok­ing oder Frack anscheinend keine nen­nenswerten Abstu­fun­gen gibt.

Es dauerte selb­stre­dend nicht lange, bis die ersten zus­tim­menden Kom­mentare zu lesen waren:

wer anzug trägt hat die kon­trolle über sein leben ver­loren

Dabei hat, wer sich nicht nur einen Anzug leis­ten kann, son­dern auch noch eine Gele­gen­heit find­et, ihn zu angemessen­em Anlass zu tra­gen, keineswegs die Kon­trolle ver­loren; im Gegen­teil: es bedarf einiger Leben­skon­trolle, um an diesen Punkt zu gelan­gen und dort zu bleiben. Ein Anzug ist oft Resul­tat, nicht Aus­lös­er, und längst nicht immer Aus­druck aus­drück­lich­er Bek­lei­dungsvorschriften. Klei­der machen Leute ist eben auch nur so hal­brichtig, das Gegen­teil ist das entschei­dende Aber.

Aber so ganz ernst zu nehmen sind der­lei Flap­sigkeit­en ja nur bed­ingt, sprin­gen wir also amüsiert zum näch­sten bemerkenswerten und ger­ingfügig durch­dachteren Kom­men­tar:

Krawat­ten tra­gen heute doch nur noch Vertreter (Vertreter­schal) und ver­filzte Poli­tik­er. Kenne kaum noch ges­tandene GF die sich diese Folter antun.

Nun, der Vor­wurf der Ver­filztheit ist ein beliebter, impliziert er doch, dass das, was die der Ver­filztheit beschuldigte Per­son repräsen­tiert, regres­siv und nicht mehr zeit­gemäß sei, in diesem Fall also, dass jemand, der vom Volk gewählt wurde, damit gefäl­ligst aufzuhören habe, weil das sooo let­ztes Jahrhun­dert sei; aber Mode allein nach Trends zu bew­erten (dazu gle­ich noch mehr) ist doch etwas kurzsichtig. Wer sieht schon gern wie eine Vagi­na aus? — Es gilt, die zeit­lose Mode zu find­en, und dazu gehören zweifel­los auch Anzüge, zumin­d­est die nor­mal und nicht trendig geschnit­te­nen, gefärbten und sonst­wie gefer­tigten.

Weit­er: “Ges­tandene GF” (Geschäfts­führer, nicht Girl­friends, nehme ich an) tun sich also die “Folter” ein­er Krawat­te nicht mehr an. Lei­der ver­schweigt der Kom­men­ta­tor, woran man einen “ges­tande­nen” Geschäfts­führer erken­nt (vielle­icht an der löchri­gen Jeans?) und wie eng man seine Krawat­te wohl binden muss, um sie als Folter auszu­machen. Es gibt tat­säch­lich auch Mode, die ich als Folter empfinde, verse­hentlich bauch­freie Oberteile und Phil-Collins-Fan­shirts gehören dazu. Anson­sten bin ich davon überzeugt, dass es eine Menge Dinge gibt, die auch kör­per­lich mehr foltern als eine Krawat­te: Nasen­ringe; Tätowierun­gen; Ohren­tun­nel, durch die man durchguck­en kann; …

Eine Krawat­te ist da doch deut­lich ästhetis­ch­er. Vor allem eine mit Entchen drauf.

Was haben wir noch? Ach ja, einen Kom­men­ta­tor namens “Asga­iaMet­al”, offen­bar eine ganze Band voller mit­teljunger Her­ren in schwarzen Shirts, was die Indi­vid­u­al­ität der Band­mit­glieder ver­mut­lich ger­ade auf der Bühne auch optisch unter­stre­ichen soll:

Im Anzug ist man ein grauschwarzes nichts. Uni­fomiert, der Indi­vid­u­al­iät, der Per­sön­lichkeit beraubt.

Mon­ty Python das Leben des Bri­an Indi­vid­u­al­ität

Beziehungsweise (gle­ich­er Autor):

Anzug sieht all­ge­mein nicht gut aus. Es ist let­z­tendlich Alther­ren­klei­dung, die häßliche alte fette Kör­p­er kaschieren sollen.

Unab­hängig von der Frage, ob ein Mäd­chen in einem dieser Län­der, das als Schu­lu­ni­form so was Ähn­lich­es wie einen Anzug zu tra­gen hat, dadurch nun zu einem hässlichen alten fet­ten Alther­rn wird: Das nehme ich als zumin­d­est nicht über­mäßig dick­er Mann jet­zt doch ein biss­chen per­sön­lich.

Dabei ist man in einem Anzug, wenn schon kein Nichts, nicht mal unbe­d­ingt grauschwarz. Dass man schwarze Anzüge nur als Kell­ner, Trauer­gast oder Zyniker tra­gen sollte, ver­mö­gen wenige Minuten Webrecherche ein­leuch­t­end zu erläutern; aber wie ein­fall­s­los muss man sein, um sich beim Anzugkauf aus­gerech­net einen grauen auszusuchen? Natür­lich gibt es Vorkomm­nisse wie die furcht­bare PARTEI, deren gemein­same Uni­form nun mal ein bil­liger grauer Anzug ist, aber an Farb- und Sti­lauswahl man­gelt es in der Anzug­welt wahrlich nicht.

Seine indi­vidu­elle Per­sön­lichkeit zeigt man durch den Einkauf von Massen­ware allerd­ings nur unzure­ichend, das gilt für Anzüge eben­so wie für schwarze Shirts, hood­ies, bunte Haar­farbe vom Ross­mann oder DM an der näch­sten Straße­necke und für das iPhone in ein­er von vier Far­ben. Wer sich nur durch Dinge, die er kaufen muss, von seinen Mit­men­schen abzuheben weiß, der hat vielle­icht auch ein­fach einen entschei­den­den Punkt nicht so richtig ver­standen; den näm­lich, dass Klei­der zwar Leute machen, dass aber, wer über­haupt gemacht wer­den muss, in jedem Kleid nur ein graues, schwitzen­des Nichts bleibt.

Es sind die Details.

(In T‑Shirt und dreck­iger Hose von der Stange geschrieben.)

Netzfundstücke
Besonders große Nullen

Wieso heißt Cola Zero eigentlich Cola Zero und nicht Cola Null?

Wieso ste­ht auf Red Bull Zero eigentlich “zero Kalo­rien” und nicht “ohne Kalo­rien”?

Ganz ein­fach: Weil das deutsche Wort “zero” offen­sichtlich nichts mit dem englis­chen zu tun hat:

Zwischen null und zero

:irre:

Ich bin irgend­wo zwis­chen Null und Zero / die Welt ver­bren­nt auf meinem Video.
Rio Reis­er

PolitikIn den Nachrichten
Medienkritik in aller Kürze: Was ich gegen Reimar Paul einzuwenden habe

Woge­gen Reimar Paul, freier “Jour­nal­ist” und “Autor”, übri­gens unter Bil­li­gung der “taz”, des biove­g­a­nen Haus­blattes der “Grü­nen”, nichts einzuwen­den hat:

Auch gegen eine hand­feste Abrei­bung für Recht­sex­trem­is­ten oder Far­beier­würfe auf die protzi­gen Villen der schla­gen­den Verbindun­gen ist nicht allzu viel einzuwen­den.

Dage­gen, Her­rn Paul in sein­er ver­mut­lich nicht ger­ade asketisch ein­gerichteten Protz­woh­nung das Brett von sein­er Stirn zu ent­fer­nen, um es ihm mor­gens zum Wach­w­er­den über die offen­sichtlich von klu­gen Gedanken gän­zlich befre­ite Rübe zu ziehen, gäbe es ver­mut­lich auch nicht viel einzuwen­den, wenn man nur etwas ent­men­schlichter wäre.