Persönliches
Gleicher als die anderen.

Einer der interessanteren Aspekte des Daseins als Schmarotzer Student ist die Vielzahl an unterschiedlichen Institutionen wunderlichen Namens, mit denen man in Berührung zu kommen zumindest in der Lage ist.

Und das klingt alles so vornehm:

„Zentrum für Medien- und Informationsdienstleistungen” (vulgo Bücherei)!
„Zentrale Einrichtung für Multimedia, Kommunikationstechnik und Informationsverarbeitung” (Rechenzentrum)!
Und sogar ein „Frauen- und Gleichstellungsbüro”! –

Nee, Moment, äh, habe ich das nun richtig verstanden?
Eine gesonderte Institution, die den Titel „Gleichstellungsbüro” trägt und in der Selbstdarstellung dies anführt:

Wir unterstützen die Hochschule bei ihrem gesetzlichen Auftrag, aktiv zur Gleichstellung von Frauen und Männern beizutragen.

– man möge mich mit Schimpf und Schande aus jeglicher menschlichen Gesellschaft ausstoßen, wenn ich allzu falsch liege, aber lässt sich in dem separaten Titel „Frauenbüro” nicht ein anderes Ziel erkennen?

Damit einher gehen dann auch die Details; dass nämlich das Gleichstellungsbüro samt und sonders aus Frauen zu rekrutieren scheint und die vorgebliche Chancengleichheit an der Hochschule dadurch unter- bzw. eben eingemauert wird, dass ein „Schnupperstudium für Schülerinnen” (ob diese mehrheitlich kettenqualmenden Personen überhaupt noch schnuppern können?) und ähnliche unter der Flagge der Gleichheit und/oder Gleichgültigkeit angebotenen Vorzüge, für die man allein dadurch quasi prädestiniert ist, weiblichen Geschlechts zu sein, feilgeboten wird, lässt mich erschaudern.

(Einmal abgesehen davon, dass in unserer aus irgendwelchen historischen Zusammenhängen heraus so genannten christlichen Wertegemeinschaft die routinemäßige Unterdrückung der Frau per se kein Thema mehr sein sollte, ich aber andererseits auch ohne das pervertierte Gleichstellungsbüro nur selten den inneren Drang verspüre, eine Frau zu unterdrücken und/oder zu quälen, und daher nicht verstehen kann, wieso es kein „Schnupperstudium für Schüler beiderlei Geschlechts” gibt.)

Und ich hoffe, dass sich auch die Mehrzahl der Studentinnen hierzulande – gesetzt den Fall, dass es sich an den meisten Hochschulen ähnlich verhält – für die lebenslangen Extrawürste wenigstens ein klein wenig schämt.

In den NachrichtenMusikNetzfundstückePolitik
Glückliche Kätzchen

http://wordpress.org/extend/plugins/search-unleashed/Richard Wright ist tot.

Kein guter Beginn einer neuen Woche, in deren Mitte man sich zwar älter, aber kein bisschen weiser fühlt. „Draußen” in der Schweiz kollidieren Teilchen, zwischendurch enden ganz woanders die Olympischen Spiele (hat das eigentlich jemand zur Kenntnis genommen?), und „drin” in Deutschland geht’s bergab. Wie eigentlich immer.

Jeder Schuss eines deutschen Panzers im Irak, heißt es, koste das Land etwa so viel wie ein Platz in der Kindertagesstätte. „Wir verballern unsere Zukunft”, formulierte dies der Kabarettist Hagen Rether kürzlich.

Indes: Die Finanzierung aller Fertigkeiten, die über Lesen, Rechnen und Schreiben hinausgehen, obliegt ohnehin mittlerweile in der Regel den jeweiligen Empfängern. Weshalb daher unnötig die Kriegskasse leeren?

Welch eine Gesellschaft die nachfolgenden Generationen nun vorfinden werden, lässt mich persönlich schon jetzt ein wenig darüber sinnieren, ob man, hätte man die Wahl, in diesem Land wiedergeboren werden sollte.

(Immerhin: Die Chance, hinterrücks erschossen zu werden, ist in Deutschland erfreulich niedrig. Verglichen mit den USA übrigens.)

Aber was soll’s; für acht Dollar ist das Kätzchen wieder glücklich.
Wenn das beim Menschen nur auch so leicht wäre.

„ég leita af lí­fi um stund / ég stóð í­ stað / með von að vin ég vinn upp smí¡ tí­ma / leita að í¡gí¦tis byrjun / en verð að vonbrigðum”

In Liebe,
– S.


Mit einem Schmunzeln zur Kenntnis genommene Frage der Woche:
Was haben Baptisten mit der Wikipedia gemeinsam?


Nachtrag / 18.9.08:

Heutzutage werden Songs meist von Linda Perry geschrieben, von Timbaland produziert und dann auf Horrorsendern wie Bayern 3 von Computern ausgerülpst.

(SZ zum Tod Richard Wrights)

Eigentlich schade, dass man das so pauschal formulieren kann, ohne im Unrecht zu sein.

Projekte
Tuxis Langeweile-Script, Teil III: Garfield für mIRC

Schon ‘ne Weile her seit dem vorigen Langeweile-Script; dafür gibt’s dieses Mal ein ausgereiftes, fehlerfreies Script mit einem recht hohen Spaßpotenzial:

Daily Garfield (mIRC-Script)

Es ruft den jeweils aktuellen (das Datum ist jedoch frei wählbar) Garfield-Comic ab, konvertiert ihn mittels des (sehr empfehlenswerten) NConvert, das im Scriptverzeichnis liegen muss, ins BMP-Format und zeigt ihn schließlich an. Die großen „Sonntagscomics” haben ein eigenes Anzeigefenster.

Zur Installation genügt es, das Archiv zu entpacken und in mIRC mit /load -rs „[Verzeichnis]garfield.mrc” das Script zu laden; der Garfield-Dialog ist fortan via Kontextmenü oder /garfield jederzeit aufrufbar.

Das Archiv gibt es hier. Ich wünsche viel Vergnügen!

(Zuletzt aktualisiert: 28. Mai 2011.)

Sonstiges
Haldet eure Statt sauba!

Mein Dank gilt heute dem politischen Engagement der jungen Leute, die selbst unter dem offenbaren Einfluss schädlicher Substanzen keine Gelegenheit ungenutzt lassen, dieses Land zu retten; so ein Bahnwartehäuschen, beschriftet mit den abwechselnden und bebilderten (erstaunlich, in wie viele Richtungen sich so eine Swastika drehen lässt!) Aufschriften Gegen Naxis und Nacis raus zwischen der eigentlich keiner Erwähnung werten, aber ungewöhnlich gut dokumentierten Liebesbeziehung zweier Individuen (“Nicole Sandra Nicole ich liebe dich usw.”), erheitert dann eben doch jeden Tag aufs Neue das Dasein des Zweiflers und beweist nebenbei, dass man diese verflixte Kamera immer nur dann mit sich führt, wenn derlei Motive nicht in Reichweite sind.

Nächstes Mal vielleicht.

MusikkritikNetzfundstücke
Hermelin: Postrock im Pelz

Ich bin beschämt.

Nicht nur wegen der allzu kalauerhaften Überschrift, sondern auch und gerade, weil Peter wieder einmal ein feines Gespür für musikalische Geheimtipps bewiesen hat und ich auch nach inzwischen einer Woche trotz des abspielbereiten Abspielgerätes (das musste mal sein) noch nicht die Muße aufbringen konnte, das Album der Hannoveraner Hermelin mit der für diese Musikrichtung angemessenen Aufmerksamkeit zu hören.

Hermelin sind – regelmäßige Leser dieses Weblogs ahnen es vermutlich bereits – eine Postrockgruppe, die unter anderem Mogwai und Isis zum Vorbild hat, aber auch Gruppen wie Sonic Youth verehrt. Nicht ganz so verträumt wie die Augsburger Dear John Letter – so viel konnte ich dem ersten Anspielen bereits entnehmen -, so gehen Hermelin doch sehr mitreißend zu Werke. Die Gitarren gewittern, dass es eine rechte Freude ist.

Peter geht, wie üblich, noch ein wenig ins Detail:

Aber was meine Nachbarn da machen, ist so gut, das sie ein besonders schönes Zimmer zugewiesen bekommen. Eine hörenswerte Mischung aus Indie-Rock, Progressive, Experimental und schönen Gitarren. Wollen wir es Post-Rock nennen?

Das Debütalbum, veröffentlicht erst in diesem Jahr, enthält neun Stücke und steht unter der Creative-Commons-Lizenz, ist daher kostenlos anzuhören und herunterzuladen, komplett mit Covern und allem, was dazugehört. Streaming-Freunde kommen hier auf ihre Kosten; wer lieber gleich das Gesamtpaket herunterlädt, findet bei 12rec, wo man das Album für gerade einmal 7 Euro (inkl. Versand!) auch auf CD erwerben kann, und via eMule das Album im .zip-Format und in durchweg hoher Qualität.

Ihr werdet es nicht bereuen.

NetzfundstückeSonstiges
Kinder, Kinder! / apropos „Sommerloch”…

Neulich auf BRAVO.de, wo auch sonst? …:

ich, 16 habe seit 2 jahren einen festen freund, 16. nun wahr er 3 monate im ausland.
vor 1 monat nach einer party habe ich mit einem anderen geschlafen, war betrunken. er hat kein kondom benutzt, schlafe sonst nur mit kondom mit meinem freund.
jetzt bin ich schwanger. wie soll ich das meinem freund sagen? oder soll ich ohne gummi mit meinen freund schlafen und anschliessend sagen das kind sei von ihm?

Die Frage allein ist schon so richtig schön doof, aber die ohne Berücksichtigung der zwischenzeitlich erhaltenen Antwortbeiträge gefundene Antwort übertrifft’s noch:

ich kann nicht anders. der echte vater ist der freund meiner besten freundin martina.
ich habe meinen freund nun erzählt ich nehme die pille, dies wollte er schon lange. ich warte nun noch einige wochen und sage ihm dann ich sei schwanger. wir haben nun bereits einmal ohne gummi geschlafen

das ist die beste lösung für alle. wegen krankheiten muss ich wohl keine angst haben, er war schläft nur mit martina

Dazu sage ich: Glückwunsch!

(Ach so, ja, Olympia is’ ja auch noch: Deutschland ist offenbar recht erfolgreich bisher, und die Springreiter, die in Hongkong statt in Peking nächtigen, haben, dies schreibt der SPIEGEL voriger Woche, sogar Internet und Alkohol und bemerken, dies füge ich hinzu, von all dem politischen Durcheinander vermutlich mehr als die weitgehend von der Außenwelt abgeschnittenen Stars, immerhin! … Dabeisein ist schließlich alles. Man muss ja nicht drüber reden.)

Wie lange dauert so ein Sommerloch eigentlich normalerweise?

NetzfundstückePolitikSonstiges
Donald Duck hat es gewusst!

Und nun doch noch mal China, weil es gerade so schön passt:

Carl Barks, der alte Philosoph!


Nachtrag, da ich ohnehin gerade alte, hasserfüllte Dinge hier hineinkopiere:

Sie haben eine Oma abzugeben? In Wilmersdorf ist bestimmt noch eine Wohnung frei irgendwo. Da stirbt ja ständig wer, beispielsweise aus Langeweile.

(via Spreeblick)

In den NachrichtenPolitik
„… für dieselbe Sache und das alte Leid …”

Nanu, seit wann stört es die USA in irgendeiner Form, wenn eine Weltmacht aus niederen Beweggründen ein kleines Land bombardiert?

Die gesamte Regierung Bush gehört vor ein Kriegsverbrechertribunal, bevor ich ihr in irgendeiner Form das (persönliche) Recht zuspreche, sich da einmischen zu dürfen.
(Und was das Ganze nun konkret mit Deutschland zu tun hat und wieso mich persönlich ein Krieg im Kaukasus kratzen resp. tangieren sollte, konnte mir bislang auch noch niemand einigermaßen plausibel erklären.)

Nichts Besseres weiß ich mir an Sonn- und Feiertagen,
Als ein Gespräch von Krieg und Kriegsgeschrei,
Wenn hinten, weit in der Türkei,
Die Völker aufeinander schlagen.

(J. W. v. Goethe)

Aber auf den hört ja mal wieder keiner.

NetzfundstückeSonstiges
Politkritik und warum dann doch nichts daraus wurde.

China ist schuld. Immer und überall.
„Draußen”, in der großen weiten Welt, werden mit der Inszenierung des olympischen Geistes Zensur und Gewalt zu verdecken versucht, und hierzulande fallen erst mal reihenweise Server aus (unter anderem seiner und meiner). Zusammenhang? Kann sein.

Eigentlich jedenfalls wollte ich an dieser Stelle zeitnah über von der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkte Perversitäten im Rahmen der bislang übertriebensten Zurschaustellung des Egos diverser Nationen berichten, aber aus technischen Gründen musste dies folglich ausfallen. Immerhin, andere können das auch, so entgeht der Welt nichts.

Und wer will schon was von Tibet hören, wenn doch weit dringenderes unter den Nägeln brennt?

‘s ist ja auch nicht immer leicht, in Zeiten wachsender Verblödung den konservativen Medienkonsumenten die Welt verständlich zu erklären, davon kann auch der Boulevardsender RTL ein Lied pfeifen.

Es wird alles wieder gut!