(Vorbemerkung 1: Ich hatte bisher selten das Vergnügen, beruflich mit Sies zu arbeiten, ich bin meist von Dus umgeben.
Vorbemerkung 2: Folgende Hinweise gelten nur für Sie, nicht jedoch für euch.)
Apropos Stil. In der “Süddeutschen Zeitung” vom 13. August d.J. berichtete Angelika Slavik von der “neuen Coolness”, die in deutschen Unternehmen Einzug gehalten habe:
Deutschlands Unternehmen liefern sich gerade einen Wettbewerb in demonstrativer Coolness. Elmar Degenhart etwa, der Chef des Autozulieferers Continental, erschien im März erstmals ohne Krawatte zur Bilanzpräsentation seines Unternehmens und ließ dazu wissen, man passe sich nun „den Gegebenheiten der Industrie“ an. Siemens-Chef Joe Kaeser zeigt sich ebenfalls gern leger, seit er dem Unternehmen „Start-up-Spirit“ verordnet hat, den gleichen Esprit verspricht auch der VW-Chef Matthias Müller künftig in Wolfsburg. Der Allianz-Chef Oliver Bäte präsentierte sich den Aktionären jüngst in knallroten Turnschuhen. Und bei Otto, da wird nun eben geduzt.
Diese crazy Kids mit ihren hippen Klamotten! Keine Krawatte, rote Turnschuhe, jetzt auch noch die Abkehr von sprachlichen Respektsbekundungen, ergo coolness statt Manieren, denn wenn es eins gibt, was in mir sofort eine Vision von geradezu blendender Lockerheit hervorruft, dann sind es duzende Endfünfziger in roten Turnschuhen.
Nun ist es ja weder bei IKEA noch im Beruf so, dass das olle Geduze irgendwie aufgeweichte Hierarchien signalisiert, denn bei Gehalts- und sonstigen Vertragsverhandlungen ist man schnell mit dem kumpelhaft agierenden Vorgesetzten per Sie und bei der Rollenverteilung gibt es hier auch nicht unbedingt einen nennenswerten Gestaltungsspielraum. Anweisungen vom Scheff bleiben Anweisungen vom Scheff, und niemand, der nicht gerade ein Diplom in sozialer Arbeit oder sonstigem Kram als höchsten Abschluss vorzuweisen hat, der nur für diejenigen Memmen eine gute Wahl sein kann, die gegen harte Arbeit nichts einzuwenden haben, so lange man ihnen dabei dreimal täglich Kekse und ein Plüschkaninchen aushändigt, sollte es für eine gute Idee halten, wenn diese Anweisungen als allzu jovial anbiederndes “könnteste mal…?” statt “erledigen Sie…” übermittelt werden, weil dieses oft kalkuliert einseitige Gefühl der Vertrautheit keineswegs ein besseres Miteinander schafft, weil der Riss zwischen vermeintlicher Kumpanei und tatsächlicher Hierarchie eben im Zweifel nur um so tiefer wieder aufreißt. So lange man mit dem Vorgesetzten, ja, auch mit dem Arbeitskollegen weder Bett noch Betäubungsmittel geteilt hat, ist es in der Regel unangebracht, sich über den gegenseitigen Distanzverlust zu freuen. Jemandem das Du anzubieten ist zweifellos eine Möglichkeit der stilvollen Klärung des zumindest sprachlichen gegenseitigen Vertrautheitsgrades, allerdings gerät die Angebotskomponente offensichtlich zusehends in Vergessenheit. Wir duzen uns jetzt, ob es dir passt oder nicht; beinahe hätte ich angefügt: so befehlen Wir es.
Monika Scheddin, “Coach für Führungskräfte”, offensichtlich also mitschuld an dieser unfeinen Situation, und laut ihrer Website “Speaker, Coach und Autorin”, also vermutlich beruflich nicht in irgendein ernstzunehmendes Vertragsverhältnis eingebunden und somit wie so viele andere Frauen, die Wohlfühlkäse auf Totholz stempeln lassen, höchstens indirekt mit dem Objekt ihrer phrasenhaften Betrachtungen vertraut, wird im gleichen Artikel mit Unverständnis zitiert:
Dennoch gebe es auch heute noch, trotz des allgemeinen Trends zu Coolness und Freundlichkeit, Führungskräfte mit harschem Tonfall und einer Begeisterung für streng hierarchische Strukturen. „Den klassischen General, der Angst und Furcht als Führungsinstrumente versteht, wird es immer geben“, sagt Scheddin. „Kein Wunder, es funktioniert ja auch.“
Für Frau Scheddin ist die auch sprachliche Einhaltung der tatsächlich existenten und sonst allenfalls verschwiegenen beruflichen Distanz, mithin die Einhaltung der vertraglich geregelten Hierarchien, folglich ein Vehikel zur “Verbreitung von Angst und Furcht” — als hätte Angst oder Furcht nicht schon gereicht — und der Fahrer dieses Vehikels ein “klassischer General” und damit, das steht da allerdings nicht, fast wie Hitler, nur ohne den albernen Schnurrbart.
Kein Wunder.

ROFL! fsmaulalda? Ich mag Wurst.
OMG WTF Arrrrr! Hätte man nicht warten können?! Jehova! Jehova!