PolitikIn den NachrichtenMontagsmusik
Arbor Labor Union — Hello Transmission

Blumen, nichts als BlumenDa wacht man nicht­sah­nend auf und schon wieder ist Mon­tag. Passender­weise reg­net es dazu, alles Übrige wäre dur­chaus unangemessen.

Es ist Mon­tag und das Land bren­nt noch immer nicht. Julia Schramm miss­fällt das. Da hat Syrien mehr Glück: In dem Land, in dem die Achse des Guten derzeit bevorzugt öffentliche Plätze zwecks baldiger Befriedung bom­bardiert, wer­den die Lebens­mit­tel knapp. Ver­fluchter Hunger nach Krieg. Keine Sorge, euer Geld ist sich­er.

Und son­st so? Knappe 50 Jahre, nach­dem das Gegen­teil sich als richtig her­aus­gestellt hat, ver­schafft sich die Behaup­tung Gehör, Uni­ver­sitäten müssen drin­gend parteipoli­tis­ch­er wer­den, denn nur parteipoli­tis­che Bil­dung sei gute und richtige Bil­dung. Lang genug für ein angemessenes Hochrollen wer­den meine Zehen­nägel in diesem Leben nicht mehr.

Ein Triv­i­um: Aus irgen­deinem Grund ist “Riesen­pim­mel” hier noch immer der häu­fig­ste Such­be­griff. Dabei ist mein Musikgeschmack doch fast genau so inter­es­sant.

Arbor Labor Union — Hel­lo Trans­mis­sion

Guten Mor­gen.

Netzfundstücke
Kurz verlinkt: Heult doch!

Die entsch­iedene Antwort an die Dauer­belei­digten jed­er Couleur muss also laut­en, dass wed­er im deutschen Grundge­setz noch an ander­er Stelle Stan­dards for­muliert sind, die Men­schen einen Recht­sanspruch darauf zusich­ern, von stören­den Inhal­ten unbe­hel­ligt zu bleiben.

ZEIT.de, trotz­dem wahr.

PolitikNetzfundstückeIn den Nachrichten
Liegengebliebenes vom 29. Juli 2016

Es soll ja kein­er mehr sagen, mit einem Abschluss in Gen­der Stud­ies oder Sozi­olo­gie finde man keine Fes­tanstel­lung: Ret­tung naht!


Öfter mal was Neues: Regres­sive Linke, teil­weise mit Piraten­ver­gan­gen­heit, find­en, Sahra Wagenknecht sollte flüchtlingspoli­tisch christkon­ser­v­a­tiv­er wer­den.


Apro­pos Nazis:

Auch das kön­nte ein Grund sein, weshalb die völkischen Siedler „bish­er wenig aufge­fall­en“ sind, wie die Stiftung moniert. Wenn der­lei Gestal­ten im Wend­land, Hotspot grüngestrick­ten Wurzelsep­pen­tums und mil­i­tan­ter Cas­tor-Block­aden, irgend­wie auf­fall­en woll­ten, müssten sie auf dem Mark­t­platz von Lüchow schon lau­thals „Heil Hitler!“ brüllen.

Manch­mal fehlen eben nur Nuan­cen.


Was dann auch die ARD (“Lügen­presse”) nicht ganz ver­standen hat, die längst geplante Ent­las­sun­gen in Großbri­tan­nien dem “Brex­it” in die Schuhe zu schieben ver­sucht, denn entwed­er ist Putin schuld oder der Brite an sich, niemals aber die Wirtschaft, denn die Wirtschaft ist gut.


Eben­falls gut ist es, wenn das Volk mal gefragt wird. Am kom­menden Son­ntag etwa zählt wieder ein­mal Volkes Stimme. Keine Sorge, nicht die eure: Am Son­ntag demon­stri­eren viele Türken in Deutsch­land dafür, dass der türkische Präsi­dent alle Türken einsper­ren darf. Das wird irgend­je­man­dem sich­er eine Lehre sein!


Eine großar­tige Erfind­ung übri­gens: Ein Ama­zon-Türschloss, das die Tür unter Sprachkon­trolle stellt. Was kann da schon schiefge­hen?

ComputerIn den Nachrichten
Alles über Darknet Duck

Das Cyber-BKA cyber­erk­lärt heute anlässlich der wieder ein­mal auf­bran­den­den Diskus­sion darüber, ob man nicht auch als Nichtkinder­fick­er Tor benutzen dür­fen sollte, so plaka­tiv wie blöde:

Deep Web (= Ver­bor­genes Web): Aus geziel­ten Daten­bank­abfra­gen dynamisch gener­ierte Inter­net­seit­en, durch Pass­wörter geschützt oder Web­seit­en, die eine Index­ierung ver­hin­dern.

Dass Web und Inter­net bei den Damen und Her­ren von der Exeku­tive einiger­maßen aus­tauschbare Begriffe sind (“Dark­nets sind Teil­net­ze im Deep Web”, ebd.) und die dort angegebene Größe dieser “Teil­net­ze” allen­falls ger­at­en ist, möchte ich eigentlich gar nicht weit­er erk­lären müssen; inter­es­sant ist aber die Def­i­n­i­tion:

  1. Unter “aus geziel­ten Daten­bank­abfra­gen dynamisch gener­ierte Inter­net­seit­en, durch Pass­wörter geschützt” lässt sich mancher­lei vorstellen. Die meis­ten Blogs, ver­mut­lich auch sämtliche Foren und so genan­nte “Onli­neshops” sind aus geziel­ten Daten­bank­abfra­gen dynamisch gener­ierte Inter­net­seit­en, der Pass­wortschutz ist zumeist auch gegeben (oder habt ihr schon mal ohne Pass­wort was bei Ama­zon bestellt?). Merk­würdig, so dunkel kam es mir dort bish­er gar nicht vor.
  2. Auch der zweite Teil erscheint nicht logisch: Wenn man kein Pass­wort davorhängt, ist man trotz­dem noch Teil des “ver­bor­ge­nen Deep Webs”, wenn man die Index­ierung ver­hin­dert, also darauf verzichtet, von Such­maschi­nen erfasst zu wer­den? Nun besitzt zum Beispiel die Blog­soft­ware Word­Press dafür ein ein­fach­es Häkchen — hätte ich gewusst, wie ein­fach das ist, wäre ich längst nur noch in diesem “Deep Web” zu find­en! Aber erst in dieser Krise wird klar, wie mächtig der Ein­fluss der Kinder­pornoter­ror­is­ten ist: Selb­st ange­blich renom­mierte Unternehmen wie Google erk­lären auf ihrer Web­site, wie man Such­maschi­nen den Zutritt zu bes­timmten Unter­seit­en strikt unter­sagen kann. Ich wusste schon immer, dass bei denen was faul ist.

Ob es allerd­ings bere­its zur Anzeige bei der Ter­ror­fah­n­dung verpflichtet, wenn große Ver­lage darum bit­ten, nicht mehr von Google indiziert zu wer­den, bleibt unklar. Vielle­icht sollte man das ein­fach mal aus­pro­bieren.

Moss Intro­duces Jen To The Inter­net | The IT Crowd Series 3 Episode 4: The Inter­net

KaufbefehleMusikkritik
Musik 06/2016 — Favoriten und Analyse

Dieser Artikel ist Teil 16 von 29 der Serie Jahres­rück­blick

Es ist ein halbes Jahr vor­bei, und schon der Diszi­plin (eine son­st über­schätzte Tugend) wegen wird es daher Zeit, ein­mal die ersten sechs Monate der musikalis­chen Neuer­schei­n­un­gen — all jene also, der­er ich bis Ende Juni hab­haft wer­den kon­nte — Revue passieren zu lassen, wohl wis­send, dass all das von vorn­here­in von vie­len Toden und mit­tler­weile auch der Auflö­sung von Beard­fish über­schat­tet wird.

In diesem für die Musik doch eher merk­würdi­gen Jahr gibt es auch gute Neuigkeit­en: Beak> dro­hte es nicht mehr zu geben, aber Ende März wurde eine Neube­set­zung angekündigt. Das zwis­chen­durch erschienene Album “Cou­ple in a Hole”, im Wesentlichen eine Skizzen­samm­lung und deshalb hier nicht inter­es­sant, ist jeden­falls noch im alten Miteinan­der aufgenom­men wor­den. Keines­falls geson­derte Erwäh­nung find­en hier auch die bere­its ander­weit­ig emp­fohle­nen neuen Alben von Kula Shak­er und Karokh, die allerd­ings weit­er­hin uneingeschränkt hörenswert sind.

Im Juni zweifelte Dirk Peitz auf “ZEIT ONLINE” daran, dass es eine gute Idee sei, Konz­ertbe­such­er per Beschluss davon abzuhal­ten, das Konz­ert nur durch ihre Smart­phonebild­schirme wahrzunehmen. Möge Dirk Peitz sich weit­er­hin mit seichter Pop­musik herum­schla­gen, die ein frag­würdi­ges Klien­tel anlockt! Euch ist der­weil viel Spaß mit fol­gen­den Glanzstück­en zu wün­schen:

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NetzfundstückeMontagsmusik
Camel — Lady Fantasy // Gigawenig!

Kaffee?Welch Gaudi­um, welch Mon­tag! Was fehlt: Die Son­ntage, nur die Son­ntage. Die spin­nen, die Men­schlichen.

Anderen fehlt Ein­facheres, näm­lich das Ein­maleins:

Voda­fone bringt Dich ins Giga­bit-Zeital­ter

Das heißt, Voda­fone bringt mir eine Inter­ne­tan­bindung von einem oder gar mehreren Giga­bit pro Sekunde? Haha, nein:

Tele­foniere und simse unbe­gren­zt mit unser­er All­net Flat und surf rasend schnell mit bis zu 225 Mbit/s.

“Bis zu”, weil eine Funkzelle ja blöder­weise ein geteiltes Medi­um ist; aber wer braucht schon so genaue Zahlen? Etwas fes­ter sind die Werte zumin­d­est an der heimis­chen Net­z­dose:

GIGASPEED — 400 Mbit/s für Dein Zuhause

Unter einem Giga­bit hab’ ich mir immer irgend­wie mehr vorgestellt.

Gute Nachricht­en aus den USA: Unles­bare Graf­fi­ti wer­den les­bar gemacht. ZOOB.

Erwäh­nte ich, dass Son­ntage fehlen? Was bleibt: Mehr von ihnen einz­u­fan­gen. Öfter mal was Alt­bekan­ntes.

Guten Mor­gen.

In den NachrichtenPolitik
Kurz notiert zum Amoklauf in München

Je mehr wir wis­sen, desto bizarrer scheint es, was als Schnellschuss schon gestern Abend gefordert wurde, näm­lich eine Ver­schär­fung von Asyl- und ähn­lichen Geset­zen. Dass auf der Fest­plat­te des Täters gewaltver­her­rlichende Spiele — ich hoffe, es kom­men Poké­mon darin vor — gefun­den wur­den und der Bun­desin­nen­min­is­ter entsprechende Vorschläge für richtig hält, ist längst Teil lang­weiliger Rou­tine. Viel inter­es­san­ter sind die aktuellen Erken­nt­nisse, näm­lich, dass der Täter möglicher­weise vom schi­itis­chen zum christlichen Glauben kon­vertiert war und sich zuvor aus Print­me­di­en über Amok­läufe informiert hat­te; woraus wir ein­fach ein­mal fol­gern soll­ten, dass Men­schen, die zum christlichen Glauben kon­vertieren und ihre Infor­ma­tio­nen nicht wie nor­male Men­schen aus dem Inter­net beziehen, grund­sät­zlich gefährlich sind.

Nerdkrams
Dynamische Single-Serving Sites mit OpenBSD-Bordmitteln erstellen

Unter “Sin­gle-Serv­ing Sites” ver­ste­ht man gemein­hin Web­sites wie IsItChristmas.com, WhatIsMyIP.org und purple.com, die als Gege­nen­twurf zu infor­ma­tion­süber­lade­nen Web­por­tal­en meist genau eine einzige Frage beant­worten. Es gibt in der Regel keine Unter­seit­en, keine echte Inter­ak­tiv­ität und auch son­st sind solche Web­sites sehr angenehm anzuse­hen.

Meist ist so eine Web­site schlicht in sta­tis­chem HTML geschrieben wor­den, denn ser­ver­seit­ige Scripts sind eben­so über­flüs­sig wie jQuery oder andere Per­ver­sio­nen des Mod­er­nen. Was aber, wenn man dem Besuch­er etwa abhängig von sein­er Browser­sprache oder per Zufall­sal­go­rith­mus eine andere Ansicht präsen­tieren will? Natür­lich kön­nte man auf Javascript zurück­greifen; wer das aber nicht möchte, zum Beispiel, weil er sich nicht darauf ver­lassen möchte, dass der Besuch­er Javascript aktiviert hat und einen mit dem geschriebe­nen Code kom­pat­i­blen Brows­er benutzt, dem bleibt let­ztlich nur die Nutzung ser­ver­seit­i­gen Codes, etwa Perl oder PHP, übrig.

Nun gilt für Serv­er mehr noch als für einen Lap­top oder PC, dass jede zusät­zlich instal­lierte Soft­ware wegen möglich­er noch unent­deck­ter oder unko­r­rigiert­er Fehler ein poten­zielles Sicher­heit­srisiko birgt, wozu auch Skript­sprachen, Web­server­soft­ware und sog­ar Texte­d­i­toren zählen. Dazu kommt der Ressourcenhunger, den manch­er stack mit sich bringt: Benutzt man etwa die beliebte Kom­bi­na­tion aus dem Web­serv­er nginx und der Sprache PHP im FastC­GI-Modus (php-fcgi), ist es keine Sel­tenheit, dass auch im Leer­lauf diverse Prozesse an den Sys­tem­res­sourcen knab­bern.

Lässt sich eine solche Weban­wen­dung auch pro­gram­mieren, ohne den Serv­er unnötiger Last und Gefahren auszuset­zen? ‘Dynamis­che Sin­gle-Serv­ing Sites mit OpenB­SD-Bor­d­mit­teln erstellen’ weit­er­lesen »

PolitikIn den Nachrichten
Sehen alle gleich aus.

Ich weiß noch nicht, was ich an dieser hierzu­lande nur unzure­ichend the­ma­tisierten gestri­gen Mel­dung am lustig­sten finde:

US-Bombe­nan­griff tötet 85 syrische Zivilis­ten, nach­dem sie fälschlicher­weise für IS-Kämpfer gehal­ten wor­den waren. (…) Am Mon­tag wur­den 21 Men­schen bei Angrif­f­en getötet, von denen eben­falls angenom­men wird, dass sie von Flugzeu­gen der US-geführten Koali­tion durchge­führt wur­den. (…) Der tragis­che Ver­lust des Lebens von Zivilis­ten in Syrien wird dem Pen­ta­gon, das beab­sichtigt, sowohl die “Herzen und Hirne” des Volkes für sich zu gewin­nen als auch den mil­itärischen Sieg über die Ter­ror­gruppe (hier: IS, A.d.V.) zu errin­gen, große Kopf­schmerzen bere­it­en.

(Über­set­zung von mir.)

Vielle­icht wirkt die Pointe nur, wenn man ein­mal diese heutige Mel­dung als Kon­tra­punkt set­zt:

Der deutsche Außen­min­is­ter schloss sich in Wash­ing­ton den War­nun­gen vor allzu ein­fachen Antworten an. (…) Die Men­schen im Irak jeden­falls hät­ten ein Recht darauf, aus “der Sklaverei des IS befre­it zu wer­den”.

Glück­liche Syr­er: Wer tot ist, kann nicht mehr ver­sklavt wer­den.


Hur­ra: Node.js in der JVM! Fehlt nur noch Dock­er für ein Sofort­bin­go.

PolitikIn den NachrichtenComputerMir wird geschlecht
Liegengebliebenes vom 19. Juli 2016

Was für Leute wer­den in Berlin eigentlich vom Steuerzahler finanzierte Lehr- und Respek­tsper­so­n­en? Solche Leute:

ich kenne per­so­n­en, die leg­en lis­ten an mit cafès mit hol­ly­wood­schaukeln, cafès mit spree­blick ohne autos und son­nenun­tergän­gen, cafès mit öko-zimt auf man­delmilch-lattes, cafès mit schö­nen trans_x_enden fotos und selb­st­ge­back­e­nen veg­a­nen kuchen – und cafés zum nicht-hinge­hen, mit ras­sis­tis­chen per­so­n­en die dort arbeit­en und ras­sis­tis­chen menü­na­men, mit gen­deris­tis­chen cock­tail­na­men und per­so­n­en die dort arbeit­en, mit schlecht­en arbeits­be­din­gun­gen, trans-diskri­m­inieren­den tür­poli­tiken, zweigen­dern­den gen­deris­tisch diskri­m­inieren­den toi­let­ten, lieber gehe ich nicht mehr in cafés als

:irre:


Es wäre wirk­lich lächer­lich, anzunehmen, dass aus­gerech­net ein hochrangiger SPD-Poli­tik­er etwas mit Käu­flichkeit zu tun haben kön­nte, son­st fiele mir zum anscheinend kor­rupten Sig­mar Gabriel jet­zt irgend­was Bis­siges ein. Bekommt nicht ein­mal eine Super­mark­t­fu­sion geback­en, will aber mit den USA TTIP ver­han­deln.


Warum man es tun­lichst ver­mei­den sollte, seine Web­site bei einem großen Unternehmen wie Word­Press oder Google statt auf einem eige­nen Serv­er zu hosten: Da wird schon mal ein 14 Jahre lang anstand­s­los betriebenes Kun­st­blog ohne ersichtlichen Grund von Googles Plat­tfor­men gelöscht.


Definiere Deutsch­land: Kreuz­worträt­sel-Kunst­werk “beschädigt”. Im Neuen Muse­um Nürn­berg set­zte eine Besucherin fehlende Lösungswörter ein.


Die großen Ver­lage mit einiger­maßen reich­weit­en­starken Pub­lika­tio­nen, darunter auch das jüngst mit ein­er nicht wirk­samen “Pay­wall” aus­ges­tat­tete “SPIEGEL ONLINE”, ver­sprechen mitunter ihre baldige Pleite. Bedauer­licher­weise ver­suchen sie auch weit­er­hin nicht durch Qual­ität ihr Fortbeste­hen zu sich­ern, son­dern schreiben stattdessen so etwas:

Erst seit Anfang des Monats hat Lady Gaga einen Führerschein — und schon die erste Verkehrskon­trolle hin­ter sich.

Hof­fentlich hat der Todeskampf der Ver­lage bald ein Ende.

Nach­trag vom 20. Juli 2016: Hof­fentlich sehr, sehr bald.

In den NachrichtenMontagsmusik
Jeremy Flower — Take // Traurige Welten

Man fühlt sich nicht immer großEs ist Mon­tag und ich bin sehr trau­rig.

Ich bin sehr trau­rig, denn ich habe mich wieder ein­mal auf die unan­genehme Weise daran erin­nern lassen, dass es immer, immer noch ein wenig schlim­mer geht; nicht nur wer mit wem, son­dern auch wo, wom­it alle wesentlichen Fra­gen abgedeckt wären und das drin­gende Bedürf­nis, für die näch­ste bestürzende Mel­dung in den Nachricht­en selb­st ver­ant­wortlich zu sein, um sich ein­fach ein biss­chen abzure­gen, blöder­weise ein­fach nicht wegge­ht.

Ich bin sehr trau­rig, denn ich habe es völ­lig ver­säumt, den gestri­gen Welt-Emo­ji-Tag angemessen zu feiern; ander­er­seits hat­te ich dazu schon im Mai alles Nötige geschrieben. Dazu passt die fre­itägliche Mel­dung, dass Google Emo­jis für gle­ich­berechtigte Frauen stan­dar­d­isieren lässt und damit, glaubt man Face­book, Dutzende weit­er­er Geschlechter diskri­m­iniert. Es kann keine Gle­ich­berech­ti­gung geben, so lange keine bisex­uellen indi­an­is­chen ein­beini­gen Trans­sex­uellen ein eigenes Arzt-Emo­ji haben!

Ich bin sehr trau­rig, dass die von der CDU-geführten Regierung im Europäis­chen Par­la­ment zu ver­ant­wor­tenden ertrunk­e­nen Flüchtlinge — über 800 wur­den vor ein paar Tagen aus dem Mit­telmeer gefis­cht — in der Flut an Non­sens­meldun­gen wie der über drei tote Deutschenein, nicht auch noch Deutsche! — in Niz­za völ­lig, hihi, untergin­gen. Auch andere Staat­en haben es lei­der ver­säumt, ihren Teil zu ein­er über­sichtlichen Welt­lage beizu­tra­gen: Während ganz Europa noch blöde vor sich hin­trauerte, putschte fast das Mil­itär in der Türkei für mehr Frieden und Demokratie, denn so eine Mil­itär­regierung ist ja noch aus Ägypten dafür bekan­nt, beson­ders gut zur Friedenssicherung geeignet zu sein. Ihre erste Amt­shand­lung war das Ver­hän­gen ein­er Aus­gangssperre. Klar: Wenn kein­er mehr raus darf, kann draußen nichts mehr passieren.

Ich bin sehr trau­rig, aber es gibt ja Musik.

Jere­my Flower ~ Take ~ [ Cham­ber Rock ]

Jet­zt ist es bess­er, glaube ich.

Guten Mor­gen.

PolitikIn den Nachrichten
Kurz notiert zum Anschlag in Nizza

Unser totalüberwacht­es Nach­bar­land Frankre­ich hat wieder ein­mal unter Beweis gestellt, dass Vor­rats­daten­spe­icherung, all­ge­gen­wär­tige Instal­la­tion von Kam­eras und Ver­hän­gung des Aus­nah­mezu­s­tands abge­se­hen von der Ein­schränkung sämtlich­er rel­e­van­ten Frei­heit­srechte im Gegen­satz zur Bom­bardierung Syriens gän­zlich fol­gen­los bleiben.

PolitikIn den NachrichtenComputer
Rechtsfreie Räume voller Hass

Was macht eigentlich das Bun­desin­nen­min­is­teri­um, dessen Errich­tung eines rechts­freien Raums durch die Freilas­sung eines “Staat­stro­jan­ers” vor inzwis­chen 1.741 Tagen vom Chaos Com­put­er Club pub­liziert wor­den war?

Nun, es bekämpft natür­lich auch weit­er­hin “das Böse”, behauptet es auf Twit­ter:

Rechtsfreier Raum

In der The­o­rie klingt das möglicher­weise ganz nett, in der Prax­is aber geht es eben nicht um die Bekämp­fung rechts­freier Räume — dafür fehlt dem Mal­warem­i­nis­teri­um auch die nötige Rechtschaf­fen­heit — und schon gar nicht um die Bekämp­fung von “Has­srede”, was auch immer das genau sein soll, son­dern expliz­it um die Recht­en, wie Razz­ien bele­gen. Das Ziel dahin­ter: Weglöschen von allem, was nach “Hass” aussieht, was bedauer­licher­weise Geschmackssache zu sein scheint, von Medi­en, über die ein deutsches Min­is­teri­um gar keine Entschei­dungs­ge­walt hat. “Warum soll ein US-amerikanis­ches Unternehmen Dinge zum Beispiel löschen, die dort gar nicht straf­bar sind? Am deutschen Gefühlswe­sen soll die Welt gene­sen? Ihr spin­nt doch!”

Zur gle­ichen Zeit wie das Bun­desin­nen­min­is­teri­um rief auch die Amadeu-Anto­nio-Stiftung (“Amadeu Anto­nio Stiftung”), zu deren namhaften Mit­gliedern auch die bekan­nte Has­sred­ner­in Julia Schramm zählt, dazu auf, man möge als anständi­ger Bürg­er doch etwas gegen “Het­ze” unternehmen, ver­mied es dabei jedoch, bekan­ntzugeben, auf welche Weise man Julia Schramm wohl zur Ruhe brin­gen kön­nte; jeden­falls: die Twit­ter­er beim BMI waren spon­tan so begeis­tert, dass sie die Broschüre öffentlich bewar­ben und sich gle­ichzeit­ig von Julia Schramm dis­tanzierten, will heißen: wenn eine Has­sred­ner­in Tipps gegen Hass gibt, dann dis­qual­i­fiziert sie das noch nicht als “Exper­tin”, was bedauer­licher­weise auch manch­es aus­sagt.

Um Zweifel an dem Selb­stver­ständ­nis der Amadeu-Anto­nio-Stiftung (“Amadeu Anto­nio Stiftung”) nach­drück­lich auszuräu­men, hat die Vor­sitzende besagter Stiftung, im tak­tis­chen Vorteil durch jahre­lange Erfahrung als Sta­sispitzel, dieser Tage unmissver­ständlich verdeut­licht, dass es ein Und­ing sei, wenn sie, der — wie bekan­nt — frühere Sta­sispitzel, als früher­er Sta­sispitzel beze­ich­net werde.

Die Stiftung ver­langt, den Beitrag aus der Mediathek zu löschen.

So gehört sich das in einem funk­tion­ieren­den Staat: Steuer­fi­nanzierte Fernsehsender wer­den von Leuten, die sich von Satire, die lediglich erkennbar die per­sön­liche Lebensleis­tung dieser Leute würdigt, belei­digt fühlen, um die Ent­fer­nung dieser Satire gebeten, auf dass die reine Lehre nicht geschmälert werde. Die Amadeu-Anto­nio-Stiftung (“Amadeu Anto­nio Stiftung”) ermutige Ini­tia­tiv­en vor Ort, sich für demokratis­che Kul­tur stark zu machen, tönt die Web­site dieser Stiftung, und vielle­icht kam mir ger­ade ein biss­chen Kotze hoch.

In der Türkei schafft man es so bis ganz nach oben.


Apro­pos medi­ale Inkom­pe­tenz: “SPIEGEL ONLINE” — wer son­st? — hat seit kurzem eine eher schlecht funk­tion­ierende Pay­wall. Sie funk­tion­iert so schlecht, dass ihr, statt zu zahlen, ein­fach mit ein biss­chen Javascript die “Ver­schleierung” aufheben kön­nt. Qual­ität gibt’s eben nicht umson­st.

MusikIn den Nachrichten
Warum Keith Jarrett zu bejubeln ist

Gestern schrieb Clemens Setz auf “ZEIT ONLINE” über ein Konz­ert des unbe­strit­ten erstk­las­si­gen Jaz­zpi­anis­ten Kei­th Jar­rett unge­fähr dies:

Ich war aufgeregt. Ich hat­te ihn nie zuvor live erlebt. Der Held mein­er Jugend, noch aus jen­er Zeit, als ich dachte, ich kön­nte vielle­icht selb­st ein großer Jaz­zpi­anist wer­den. (…) Als Näch­stes kam Kei­th Jar­rett. Er sah nicht sehr glück­lich aus. Er trat ans Mikro­fon und sagte: „Ich spiele nicht eine einzige Note auf diesem Klavier, bis die zwei Per­so­n­en, die Fotos gemacht haben, das Gebäude ver­lassen haben!“ (…) Jar­rett set­zte, mit ein­er Hand Schweigen gebi­etend, noch eins drauf. Er habe durch unsere Unver­schämtheit den Kon­takt mit der Musik ver­loren. (…) Der Kün­stler entzieht uns rück­wirk­end seine Seele! Was wir gehört haben, war nicht wirk­lich er. Und falls es uns gefall­en hat, zeigt das nur, wie dumm wir sind. Her­rje.

“Her­rje”, was hat dieser Kün­stler­arsch doch eine völ­lig falsche Vorstel­lung von Musik! Es steckt kein Herzblut im Gehörten? Das ist egal, es ist beliebig. Der Mann kann uns doch nicht das Atmen ver­bi­eten und das fast genau so wichtige Belästi­gen des inter­essierten Pub­likums mit Licht­blitzen erst recht nicht, denn völ­lig ungeachtet der Frage, ob die Gefühlsreise geneigter Anwe­sender, auf die sie mit guter Musik aufzubrechen ver­mö­gen, nicht von blö­dem Geknipse von Banau­sen unsan­ft been­det wer­den kön­nte und man sich das vielle­icht mal früher über­legen sollte, darf man nicht aus den Augen ver­lieren, worum es wirk­lich geht, wenn man ein Konz­ert besucht, näm­lich um einen weit­eren Etap­pen­sieg im ewig währen­den Wet­tkampf um Däum­chen und Sternchen. Jemand macht was, egal was: Like. Warum den Abend genießen, wenn man ihn auch hin­ter­her auf einem Bild­schirm anguck­en kann? Die heutige Videotech­nik lässt verblüf­fend echt­es feel­ing aufkom­men, als wäre man bei dem aufgenomme­nen Konz­ert selb­st dabei gewe­sen.

Krass.

Clemens Setz schrieb weit­er­hin:

Er schien uns zu sagen: Ihr beklatscht ohne­hin alles, also was soll’s, hier ist ein Blues. Zynis­che Musik. Bit­tere Imi­ta­tio­nen sein­er selb­st, vir­tu­os hingek­nallt für ein dummes Pub­likum, das nicht still und unsicht­bar sein kann. (…) Ich stellte mir vor, wie der Kün­stler vor dem Konz­ert ins Mikro­fon sagt: (…) „Und schauen Sie nicht dauernd auf die Arm­ban­duhr. Was hat Tech­nolo­gie hier neben mir und mein­er Kun­st zu suchen?“

Wenn ich noch drin­gend irgend­wo hin muss oder ein­fach nur den Moment her­beisehne, dass der Mist vorn auf der Bühne endlich endet, dann ist es nicht die Auf­gabe des Kün­stlers, seine Arbeit so schnell wie möglich hin­ter sich zu brin­gen, denn er hat den ungeduldigen Konz­ertbe­such­er nicht darum gebeten, an einem Ort zu sein, an dem er gar nicht sein will. Wäre ich selb­st Musik­er, ich würde mich gle­ich­falls erhe­blich an Men­schen stören, die trotz frei­willi­gen Bei­wohnens offen­sichtlich nicht gewil­lt sind, mir zuzuhören. Ich gehe ja auch nicht in eine Met­zgerei, wenn ich Lust auf Salat habe, und lasse die aus­bleibende dor­tige Befriedi­gung dieser Lust schon gar nicht am anwe­senden Met­zgersper­son­al aus.

Da ich dies ger­ade schreibe, fällt mir auf, wem ich sicher­lich nicht hätte zuhören sollen: Clemens Setz näm­lich. Allerd­ings tu’ ich ihm nicht den Gefall­en und beschwere mich bei ihm darüber, dass ich meine Zeit damit ver­schwen­det habe, seinen Banau­sen­quatsch zu lesen, denn das war meine eigene und vor allem freie Entschei­dung. Ich höre lieber ein wenig Jazz. Das entspan­nt.

Und ich brauche nicht mal ein Foto vom Klavier dafür.

PolitikIn den NachrichtenMontagsmusik
The Hirsch Effekt — Bezoar // Töten voller Ethik

Schlafen, schlafen wär' mal wasEs ist Mon­tag und die Laune ist der­maßen gehoben, dass man es tat­säch­lich ein biss­chen bedauert, so ein anständi­ger Men­sch gewor­den zu sein und überdies in einem Land zu leben, das es gar nicht gern sähe, würde man sein­er Wut allzu nach­halti­gen Aus­druck ver­lei­hen. Wahrschein­lich ist das auch nicht fair und wahrschein­lich hat man das alles so was von ver­di­ent, aber der Men­sch, der Men­sch an sich scheit­ert immer schön­er.

Die Ermor­dung von Polizis­ten zu verurteilen sei ander­er­seits ras­sis­tisch, erk­lärt dieser Diskus­sion­sstrang auf “Indy­media”, so leicht wie angenom­men ist es also nicht, Mord blöd zu find­en und trotz­dem moralisch auf der richti­gen Seite zu ste­hen. Auf “SPIEGEL ONLINE” fragt kon­se­quent Heike Le Ker — sieht gar nicht so aus — ohne Anflug von Sarkas­mus: “Die Polizei in Dal­las hat Mic­ah John­son mit einem Robot­er getötet. Hat sie damit eine ethis­che Gren­ze über­schrit­ten?” — nor­males Töten ist bekan­ntlich super, so lange es in ehrlich­er Han­dar­beit geschieht, aber ethisch frag­würdig wird’s bei SPON erst, wenn diese ver­maledeite Tech­nik ins Spiel kommt.

Tech­nik — ein gutes Stich­wort: Derzeit ist der neue Ingress-Abklatsch “Poké­mon Go” das erfol­gre­ich­ste Spiel für “mobile Geräte”. Dabei prof­i­tieren die Mach­er wohl vor allem auch davon, dass Smart­phones immer noch vor­wiegend Dum­b­user haben, denen Daten­schutzhin­weise grund­sät­zlich zu viel Text bein­hal­ten, um gele­sen zu wer­den:

Beispiel­sweise kön­nten wir Webbea­cons nutzen, Cook­ies zu platzieren oder mit ihnen zu kom­mu­nizieren, um (…) die Wirk­samkeit unser­er Wer­bung zu überwachen.

Taub­sis im Vor­garten sind eben nicht bil­lig.

Ich bin so desil­lu­sion­iert, ich hab’ sog­ar Musik dabei.

The Hirsch Effekt — Bezoar

Guten Mor­gen?