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Rechtsfreie Räume voller Hass

Was macht eigentlich das Bun­desin­nen­min­is­teri­um, dessen Errich­tung eines rechts­freien Raums durch die Freilas­sung eines “Staat­stro­jan­ers” vor inzwis­chen 1.741 Tagen vom Chaos Com­put­er Club pub­liziert wor­den war?

Nun, es bekämpft natür­lich auch weit­er­hin “das Böse”, behauptet es auf Twit­ter:

Rechtsfreier Raum

In der The­o­rie klingt das möglicher­weise ganz nett, in der Prax­is aber geht es eben nicht um die Bekämp­fung rechts­freier Räume — dafür fehlt dem Mal­warem­i­nis­teri­um auch die nötige Rechtschaf­fen­heit — und schon gar nicht um die Bekämp­fung von “Has­srede”, was auch immer das genau sein soll, son­dern expliz­it um die Recht­en, wie Razz­ien bele­gen. Das Ziel dahin­ter: Weglöschen von allem, was nach “Hass” aussieht, was bedauer­licher­weise Geschmackssache zu sein scheint, von Medi­en, über die ein deutsches Min­is­teri­um gar keine Entschei­dungs­ge­walt hat. “Warum soll ein US-amerikanis­ches Unternehmen Dinge zum Beispiel löschen, die dort gar nicht straf­bar sind? Am deutschen Gefühlswe­sen soll die Welt gene­sen? Ihr spin­nt doch!”

Zur gle­ichen Zeit wie das Bun­desin­nen­min­is­teri­um rief auch die Amadeu-Anto­nio-Stiftung (“Amadeu Anto­nio Stiftung”), zu deren namhaften Mit­gliedern auch die bekan­nte Has­sred­ner­in Julia Schramm zählt, dazu auf, man möge als anständi­ger Bürg­er doch etwas gegen “Het­ze” unternehmen, ver­mied es dabei jedoch, bekan­ntzugeben, auf welche Weise man Julia Schramm wohl zur Ruhe brin­gen kön­nte; jeden­falls: die Twit­ter­er beim BMI waren spon­tan so begeis­tert, dass sie die Broschüre öffentlich bewar­ben und sich gle­ichzeit­ig von Julia Schramm dis­tanzierten, will heißen: wenn eine Has­sred­ner­in Tipps gegen Hass gibt, dann dis­qual­i­fiziert sie das noch nicht als “Exper­tin”, was bedauer­licher­weise auch manch­es aus­sagt.

Um Zweifel an dem Selb­stver­ständ­nis der Amadeu-Anto­nio-Stiftung (“Amadeu Anto­nio Stiftung”) nach­drück­lich auszuräu­men, hat die Vor­sitzende besagter Stiftung, im tak­tis­chen Vorteil durch jahre­lange Erfahrung als Sta­sispitzel, dieser Tage unmissver­ständlich verdeut­licht, dass es ein Und­ing sei, wenn sie, der — wie bekan­nt — frühere Sta­sispitzel, als früher­er Sta­sispitzel beze­ich­net werde.

Die Stiftung ver­langt, den Beitrag aus der Mediathek zu löschen.

So gehört sich das in einem funk­tion­ieren­den Staat: Steuer­fi­nanzierte Fernsehsender wer­den von Leuten, die sich von Satire, die lediglich erkennbar die per­sön­liche Lebensleis­tung dieser Leute würdigt, belei­digt fühlen, um die Ent­fer­nung dieser Satire gebeten, auf dass die reine Lehre nicht geschmälert werde. Die Amadeu-Anto­nio-Stiftung (“Amadeu Anto­nio Stiftung”) ermutige Ini­tia­tiv­en vor Ort, sich für demokratis­che Kul­tur stark zu machen, tönt die Web­site dieser Stiftung, und vielle­icht kam mir ger­ade ein biss­chen Kotze hoch.

In der Türkei schafft man es so bis ganz nach oben.


Apro­pos medi­ale Inkom­pe­tenz: “SPIEGEL ONLINE” — wer son­st? — hat seit kurzem eine eher schlecht funk­tion­ierende Pay­wall. Sie funk­tion­iert so schlecht, dass ihr, statt zu zahlen, ein­fach mit ein biss­chen Javascript die “Ver­schleierung” aufheben kön­nt. Qual­ität gibt’s eben nicht umson­st.