Von den “effektivsten Tricks der Stars” zum Erreichen eines “Knackpos” — aber schnell! — berichtet die noch aktuelle “JOY” (Ausgabe “April 2016”), wo’s für effiziente Tricks schon nicht reicht, ebenso wie von “50 Beauty-Blitztricks für unterwegs”. Die wissen eben, wie sie mich zum Kauf verführen, wenn schon des Magazins ungefähr siebenunddreißigstes Jessica-Alba-Coverbild nicht reicht.
Gucken wir doch mal rein.
Neun Männer zwischen 18 und 31 Jahren wurden gefragt: “Was würdest du tun, wenn du einen Tag eine Frau wärst?”. Einige, so “JOY”-Autorin Jannah Fischer, würden diese Möglichkeit nutzen, um “uns” (lies: Frauen) “etwas besser zu verstehen”. Leider bleibt unklar, welcher der Herren dieser Gruppe zuzurechnen ist. Vielleicht Ferid (22, “Zuerst: Beine rasieren, richtig langsam, so wie in der Werbung”) oder doch eher Max (20, “Das klingt vielleicht krass, aber ich würde gerne mal meine Tage bekommen”, genau so sieht er auf dem Foto auch aus)? Vielleicht aber auch doch nur Matthias (25), der sagt, wäre er eine Frau, würde er “sich schön machen und dabei mit den Mädels Sekt trinken”, Ausrufezeichen. Als wäre es einem Mann egal, wie er aussieht!
Denn zunächst interessiert mich von all den spannenden Artikeln in der “JOY” natürlich, wie ich an den “Knackpo” komme. Wer möchte so etwas nicht haben? “Eine sexy Kehrseite ist heiß begehrt wie nie” (ebd.); eben.
Außer den “besten Moves der Instagram-Popo-Stars” (sic! bzw. immerhin eine schöne Berufswahl), für die ich einerseits “drei knackige Ladys” bemühen sollte, andererseits aber turnen müsste, was ich mir und allen Umstehenden wirklich lieber ersparen würde, und entsprechend wenig befolgenswerten Tipps für “7x Sport für den Super-Po” gibt es natürlich auch ein paar Soforttipps, zuvörderst diesen:
Besser POsieren! Mit diesem coolen Trick kommt Ihre Rückansicht auf Fotos kurviger raus: schräg zur Cam drehen, über die Schulter gucken, vorderes Bein anwinkeln, Brust raus, ins Hohlkreuz … klick!
Sobald man sich dann wieder bewegen kann, hat man vielleicht zumindest ein Bild von sich, auf dem der eigene Hintern “zum Hingucker” (erneut ebd.) wird, was ja für jeden, dessen Fresse nicht gerade so unwiderstehlich ist wie meine, von enormer Wichtigkeit sein sollte, aber es geht ja nicht nur um aufwändig gestellte Fotos, wie’s “im Blitzlichtgewitter” (wiederum ebd.) so üblich ist:
Aber auch abseits des roten Teppichs heißt’s immer häufiger “Hallöchen, Popöchen!”. (…) Neidisch auf die prallen Bäckchen? Müssen Sie nicht sein! Denn mit unseren Tipps wird Ihre Rückansicht bald auch zur absoluten Schokoladenseite!
Ich finde die Vorstellung, man habe die “Schokoladenseite” am “Popöchen”, nicht besonders erstrebenswert, aber wahrscheinlich kenne ich auch einfach zu viele seltsame Websites. — Ich mache mir aber auch einfach zu viele Sorgen:
Keine Sorge: Für einen wohlgeformten Po müssen Sie sich nicht ewig mit schweißtreibenden Workouts abrackern! Ein paar gezielte Übungen (…) für den Gesäßmuskel reichen völlig aus!
Für Ungeduldige wie mich gibt’s natürlich solche Übungen auch “to go”, also zum Laufen. Nämlich:
Im Café: Pobacken regelmäßig 10 Sekunden maximal anspannen — als ob Sie eine Nuss knacken wollten!
Das ist keine üble Idee für ein neues Trinkspiel im Café: Muss der Herr dort dringend auf’s Klo oder strafft er seinen Po? Nein, das wäre vielleicht zu unangenehm. Aber irgendwas im Sitzen ist schon mal gut. Was haben wir denn da noch? Ah, das ist besser:
Im Sitzen: Eine Flasche zwischen die Oberschenkel klemmen, hinsetzen, Beine 15 Sekunden feste (sic!) zusammendrücken.
Das lockert jedes Meeting prima auf. Zwischendurch kann man sich ja noch einen Kaffee holen:
In der Küche: Ellbogen auf die Arbeitsfläche, 20-mal im Wechsel ein Bein nach hinten oben ausstrecken.
Für besonders Übungsfreudige gibt es noch sechs weitere Übungen dieser Art. Hat man dann irgendwann das gewünschte Hallöchen-Popöchen, darf man eines nicht vergessen:
Ach ja, vergessen Sie am Ende nicht die Pflege Ihres superduper Pfirsich-Popos! Ideal: Zweimal die Woche peelen, das fördert die Durchblutung und beugt kleinen Pickelchen vor.
Superduper Pfirsich-Popos. Guter Bandname eigentlich.
Ein Obstarsch ist aber natürlich nicht alles, was wichtig ist, auch die Visage will poliert werden. Anastasia Laskin-Kirstens eingangs angepriesene “50 Beauty-Blitztipps (für unterwegs!!!)” helfen mir sicherlich dabei.
Stellen wir uns also eine handelsübliche Unterwegs-Alltagssituation vor: Man sitzt nach einer zünftigen Prügelei im Bus und bemerkt plötzlich, dass die Lider geschwollen sind. Zum Glück hat man stets einen gekühlten Löffel zur Hand.
Geschwollene Lider? Kriegt ein kühler Löffel klein! Erst unter kaltes Wasser halten, dann an jedes Auge.
Nur an die eigenen, versteht sich; man weiß ja nie, wie sehr sich der Gegenüber tatsächlich nach beauty verzehrt. Apropos verzehrt: Ihr habt doch sicherlich immer Gurken (Tipp 45: “Kickt Körper & Kopf: ein Stück Gurke über den Pulspunkt am Handgelenk reiben”), Zitronen (Tipp 21: gegen Handstellen, die nach Essen, zum Beispiel Gurken, riechen) und Minze (Tipp 12: gegen Mundgeruch) in der Tasche? Und vergesst nicht die Milch:
Muhhh … Im Zug oder beim Flug trocknet die Gesichtshaut aus. Feuchtigkeits-Boost: etwas Milch (…) auftupfen!
Hat man dann mit gepelltem Po und zubereitetem Oberkörper endlich den beschwerlichen Weg zum Date überstanden, so kann man noch immer ungewollt in einen Fettnapf treten. Gut also, wenn man ein Techtelmechtel (“Wahnsinns-BLOWJOB!”, “JOY”, Oktober 2015) mit einem Mann zu haben im Begriff ist und vorher über die “Sex-No-Gos der Männer” aufgeklärt wurde. “44 Typen packen aus” und sie erzählen sogar noch was dabei.
Los geht es mit verbalen “Lust-Killern” (“Einige Dinge nimmt man im Schlafzimmer lieber nicht in den Mund …”, zwinker), und wer nun glaubt, dass “die Männer” sich einheitlich für mehr “Dirty Talk” ausgesprochen hätten, weil sie’s in so Filmchen immer wieder sehen, der irrt:
Reden Mädels total vulgär und hauen Dinge wie “Geile Sau” raus, finde ich das nicht an‑, sondern abtörnend.
Oder:
Dirty Talk ist peinlich! Da versucht man nur, krampfhaft erotisch zu wirken. Das kann ich nicht ernst nehmen.
Oder:
Tiernamen sind das Schlimmste! Nennt sie mich “Hengst”, galoppiere ich eher davon statt abzugehen.
Soll die Frau also lieber ganz die Klappe halten? Nein, meint der namensmäßig schwer geschundene Len (24):
Daddy! Würde mich eine Frau jemals so nennen, wäre ich sofort weg. Sie soll bitte einfach meinen Namen sagen.
Das ist natürlich blöd, wenn der Mann Wolf heißt.
Schlechte Nachrichten für Gummifreunde vermeldet die Rubrik der “äußerlichen Abtörner”:
Ach so. — Zu guter Letzt allerdings gilt es, auch die letzten Klippen auf dem Weg zu sexuell erfüllender Vereinigung weiträumig zu umschiffen. Marvin (22) rät zu weniger Albernheiten: “Einmal hat ein Mädel meinen Penis wie einen Joystick benutzt — nicht witzig”, doch, schon, aber ich bin ja auch nicht Marvin (22). Das ist aber auch nur eine Randnotiz wert, denn die entscheidende Frage ist doch: Model oder Seestern?
Paul (22) wünscht sich:
Für mich muss Sex auch immer ein wenig romantisch sein. Darum stört es mich, wenn sie das Licht anlassen will.
Die Gespräche würde ich gern mal protokolliert bekommen: “Mach das Licht aus, ich kann keine Romantik empfinden, wenn ich dich dabei auch noch ansehen muss”, so wird das nix mit der Familienplanung. Ein bisschen bemerkbare Aktivität ist allerdings durchaus ratsam, findet Andi (26):
Es nervt, wenn ein Mädel zu passiv ist und einfach nur rumliegt wie ein Seestern. Dann breche ich auch mal ab…
Wohlan, Mädels: Liegt nicht rum wie ein Seestern, benutzt Penisse nicht wie Joysticks und gebt ihnen keine Namen (Kristov, 22), stöhnt nicht übertrieben (Lukas, 23) und schon gar nicht unecht (Malte, 22), seid nicht betrunken (Christian, 23), seid nicht unsicher (Juri, 19), aber devot (Pedro, 25), seid nicht leise (Julian, 25), rasiert euch vorher komplett (Peter, 22), aber ohne Kahlschlag (Fab, 35), steht nicht auf Fingerlecken (Johnny, 19), Sex außerhalb des Bettes (Joshua, 21), Analsex (Robin, 22) und schon gar nicht BDSM-Dinge (übereinstimmende Mehrheitsmeinung)! Und das Wichtigste ist, sagt Alessio (30):
Regeln sind ein mega Lust-Killer!
Auf Seite 50 fragt Kolumnistin (“JOY-Autorin”) Jannah Fischer (die hatten wir oben schon mal):
Klebt auf meiner Stirn ein Zettel, auf dem “Idioten zu mir!” steht?!
Irgendwer muss die “JOY” ja lesen.
Zum Beispiel ich.



Danke, daß Du Dich opferst. Sehr lustig, immer wieder.
Was hab ich Tränen gelacht eben!
Bester Satz: “Nur an die eigenen, versteht sich; man weiß ja nie, wie sehr sich der Gegenüber tatsächlich nach beauty verzehrt.”
Herrlich.
Das wollte ich nicht.
herrlich.