Sonstiges
Medi­en­kri­tik XCVII: Knack­po, aber schnell!

Von den „effek­tiv­sten Tricks der Stars“ zum Errei­chen eines „Knack­pos“ – aber schnell! – berich­tet die noch aktu­el­le „JOY“ (Aus­ga­be „April 2016“), wo’s für effi­zi­en­te Tricks schon nicht reicht, eben­so wie von „50 Beau­ty-Blitz­tricks für unter­wegs“. Die wis­sen eben, wie sie mich zum Kauf ver­füh­ren, wenn schon des Maga­zins unge­fähr sie­ben­und­drei­ßig­stes Jes­si­ca-Alba-Cover­bild nicht reicht.

JOY April 2016

Gucken wir doch mal rein.

Neun Män­ner zwi­schen 18 und 31 Jah­ren wur­den gefragt: „Was wür­dest du tun, wenn du einen Tag eine Frau wärst?“. Eini­ge, so „JOY“-Autorin Jan­nah Fischer, wür­den die­se Mög­lich­keit nut­zen, um „uns“ (lies: Frau­en) „etwas bes­ser zu ver­ste­hen“. Lei­der bleibt unklar, wel­cher der Her­ren die­ser Grup­pe zuzu­rech­nen ist. Viel­leicht Fer­id (22, „Zuerst: Bei­ne rasie­ren, rich­tig lang­sam, so wie in der Wer­bung“) oder doch eher Max (20, „Das klingt viel­leicht krass, aber ich wür­de ger­ne mal mei­ne Tage bekom­men“, genau so sieht er auf dem Foto auch aus)? Viel­leicht aber auch doch nur Mat­thi­as (25), der sagt, wäre er eine Frau, wür­de er „sich schön machen und dabei mit den Mädels Sekt trin­ken“, Aus­ru­fe­zei­chen. Als wäre es einem Mann egal, wie er aussieht!

Denn zunächst inter­es­siert mich von all den span­nen­den Arti­keln in der „JOY“ natür­lich, wie ich an den „Knack­po“ kom­me. Wer möch­te so etwas nicht haben? „Eine sexy Kehr­sei­te ist heiß begehrt wie nie“ (ebd.); eben.

Außer den „besten Moves der Insta­gram-Popo-Stars“ (sic! bzw. immer­hin eine schö­ne Berufs­wahl), für die ich einer­seits „drei knacki­ge Ladys“ bemü­hen soll­te, ande­rer­seits aber tur­nen müss­te, was ich mir und allen Umste­hen­den wirk­lich lie­ber erspa­ren wür­de, und ent­spre­chend wenig befol­gens­wer­ten Tipps für „7x Sport für den Super-Po“ gibt es natür­lich auch ein paar Sofort­tipps, zuvör­derst diesen:

Bes­ser POsie­ren! Mit die­sem coo­len Trick kommt Ihre Rück­an­sicht auf Fotos kur­vi­ger raus: schräg zur Cam dre­hen, über die Schul­ter gucken, vor­de­res Bein anwin­keln, Brust raus, ins Hohl­kreuz … klick!

Sobald man sich dann wie­der bewe­gen kann, hat man viel­leicht zumin­dest ein Bild von sich, auf dem der eige­ne Hin­tern „zum Hin­gucker“ (erneut ebd.) wird, was ja für jeden, des­sen Fres­se nicht gera­de so unwi­der­steh­lich ist wie mei­ne, von enor­mer Wich­tig­keit sein soll­te, aber es geht ja nicht nur um auf­wän­dig gestell­te Fotos, wie’s „im Blitz­licht­ge­wit­ter“ (wie­der­um ebd.) so üblich ist:

Aber auch abseits des roten Tep­pichs heißt’s immer häu­fi­ger „Hallöchen, Popöchen!“. (…) Nei­disch auf die pral­len Bäck­chen? Müs­sen Sie nicht sein! Denn mit unse­ren Tipps wird Ihre Rück­an­sicht bald auch zur abso­lu­ten Schokoladenseite!

Ich fin­de die Vor­stel­lung, man habe die „Scho­ko­la­den­sei­te“ am „Popöchen“, nicht beson­ders erstre­bens­wert, aber wahr­schein­lich ken­ne ich auch ein­fach zu vie­le selt­sa­me Web­sites. – Ich mache mir aber auch ein­fach zu vie­le Sorgen:

Kei­ne Sor­ge: Für einen wohl­ge­form­ten Po müs­sen Sie sich nicht ewig mit schweiß­trei­ben­den Work­outs abrackern! Ein paar geziel­te Übun­gen (…) für den Gesäß­mus­kel rei­chen völ­lig aus!

:bravo:

Für Unge­dul­di­ge wie mich gibt’s natür­lich sol­che Übun­gen auch „to go“, also zum Lau­fen. Nämlich:

Im Café: Pobacken regel­mä­ßig 10 Sekun­den maxi­mal anspan­nen – als ob Sie eine Nuss knacken wollten!

Das ist kei­ne üble Idee für ein neu­es Trink­spiel im Café: Muss der Herr dort drin­gend auf’s Klo oder strafft er sei­nen Po? Nein, das wäre viel­leicht zu unan­ge­nehm. Aber irgend­was im Sit­zen ist schon mal gut. Was haben wir denn da noch? Ah, das ist besser:

Im Sit­zen: Eine Fla­sche zwi­schen die Ober­schen­kel klem­men, hin­set­zen, Bei­ne 15 Sekun­den feste (sic!) zusammendrücken.

Das lockert jedes Mee­ting pri­ma auf. Zwi­schen­durch kann man sich ja noch einen Kaf­fee holen:

In der Küche: Ell­bo­gen auf die Arbeits­flä­che, 20-mal im Wech­sel ein Bein nach hin­ten oben ausstrecken.

Für beson­ders Übungs­freu­di­ge gibt es noch sechs wei­te­re Übun­gen die­ser Art. Hat man dann irgend­wann das gewünsch­te Hallöchen-Popöchen, darf man eines nicht vergessen:

Ach ja, ver­ges­sen Sie am Ende nicht die Pfle­ge Ihres super­du­per Pfir­sich-Popos! Ide­al: Zwei­mal die Woche pee­len, das för­dert die Durch­blu­tung und beugt klei­nen Pickel­chen vor.

Super­du­per Pfir­sich-Popos. Guter Band­na­me eigentlich.

Ein Obstarsch ist aber natür­lich nicht alles, was wich­tig ist, auch die Visa­ge will poliert wer­den. Ana­sta­sia Las­kin-Kir­stens ein­gangs ange­prie­se­ne „50 Beau­ty-Blitz­tipps (für unter­wegs!!!)“ hel­fen mir sicher­lich dabei.

Stel­len wir uns also eine han­dels­üb­li­che Unter­wegs-All­tags­si­tua­ti­on vor: Man sitzt nach einer zünf­ti­gen Prü­ge­lei im Bus und bemerkt plötz­lich, dass die Lider geschwol­len sind. Zum Glück hat man stets einen gekühl­ten Löf­fel zur Hand.

Geschwol­le­ne Lider? Kriegt ein küh­ler Löf­fel klein! Erst unter kal­tes Was­ser hal­ten, dann an jedes Auge.

Nur an die eige­nen, ver­steht sich; man weiß ja nie, wie sehr sich der Gegen­über tat­säch­lich nach beau­ty ver­zehrt. Apro­pos ver­zehrt: Ihr habt doch sicher­lich immer Gur­ken (Tipp 45: „Kickt Kör­per & Kopf: ein Stück Gur­ke über den Puls­punkt am Hand­ge­lenk rei­ben“), Zitro­nen (Tipp 21: gegen Hand­stel­len, die nach Essen, zum Bei­spiel Gur­ken, rie­chen) und Min­ze (Tipp 12: gegen Mund­ge­ruch) in der Tasche? Und ver­gesst nicht die Milch:

Muhhh … Im Zug oder beim Flug trock­net die Gesichts­haut aus. Feuch­tig­keits-Boost: etwas Milch (…) auftupfen!

Hat man dann mit gepell­tem Po und zube­rei­te­tem Ober­kör­per end­lich den beschwer­li­chen Weg zum Date über­stan­den, so kann man noch immer unge­wollt in einen Fett­napf tre­ten. Gut also, wenn man ein Tech­tel­mech­tel („Wahn­sinns-BLO­WJOB!“, „JOY“, Okto­ber 2015) mit einem Mann zu haben im Begriff ist und vor­her über die „Sex-No-Gos der Män­ner“ auf­ge­klärt wur­de. „44 Typen packen aus“ und sie erzäh­len sogar noch was dabei.

Los geht es mit ver­ba­len „Lust-Kil­lern“ („Eini­ge Din­ge nimmt man im Schlaf­zim­mer lie­ber nicht in den Mund …“, zwin­ker), und wer nun glaubt, dass „die Män­ner“ sich ein­heit­lich für mehr „Dir­ty Talk“ aus­ge­spro­chen hät­ten, weil sie’s in so Film­chen immer wie­der sehen, der irrt:

Reden Mädels total vul­gär und hau­en Din­ge wie „Gei­le Sau“ raus, fin­de ich das nicht an‑, son­dern abtörnend.

Oder:

Dir­ty Talk ist pein­lich! Da ver­sucht man nur, krampf­haft ero­tisch zu wir­ken. Das kann ich nicht ernst nehmen.

Oder:

Tier­na­men sind das Schlimm­ste! Nennt sie mich „Hengst“, galop­pie­re ich eher davon statt abzugehen.

Soll die Frau also lie­ber ganz die Klap­pe hal­ten? Nein, meint der namens­mä­ßig schwer geschun­de­ne Len (24):

Dad­dy! Wür­de mich eine Frau jemals so nen­nen, wäre ich sofort weg. Sie soll bit­te ein­fach mei­nen Namen sagen.

Das ist natür­lich blöd, wenn der Mann Wolf heißt.

Schlech­te Nach­rich­ten für Gum­mi­freun­de ver­mel­det die Rubrik der „äußer­li­chen Abtörner“:

Pferd

Ach so. – Zu guter Letzt aller­dings gilt es, auch die letz­ten Klip­pen auf dem Weg zu sexu­ell erfül­len­der Ver­ei­ni­gung weit­räu­mig zu umschif­fen. Mar­vin (22) rät zu weni­ger Albern­hei­ten: „Ein­mal hat ein Mädel mei­nen Penis wie einen Joy­stick benutzt – nicht wit­zig“, doch, schon, aber ich bin ja auch nicht Mar­vin (22). Das ist aber auch nur eine Rand­no­tiz wert, denn die ent­schei­den­de Fra­ge ist doch: Model oder Seestern?

Paul (22) wünscht sich:

Für mich muss Sex auch immer ein wenig roman­tisch sein. Dar­um stört es mich, wenn sie das Licht anlas­sen will.

Die Gesprä­che wür­de ich gern mal pro­to­kol­liert bekom­men: „Mach das Licht aus, ich kann kei­ne Roman­tik emp­fin­den, wenn ich dich dabei auch noch anse­hen muss“, so wird das nix mit der Fami­li­en­pla­nung. Ein biss­chen bemerk­ba­re Akti­vi­tät ist aller­dings durch­aus rat­sam, fin­det Andi (26):

Es nervt, wenn ein Mädel zu pas­siv ist und ein­fach nur rum­liegt wie ein See­stern. Dann bre­che ich auch mal ab…

Wohl­an, Mädels: Liegt nicht rum wie ein See­stern, benutzt Penis­se nicht wie Joy­sticks und gebt ihnen kei­ne Namen (Kri­stov, 22), stöhnt nicht über­trie­ben (Lukas, 23) und schon gar nicht unecht (Mal­te, 22), seid nicht betrun­ken (Chri­sti­an, 23), seid nicht unsi­cher (Juri, 19), aber devot (Pedro, 25), seid nicht lei­se (Juli­an, 25), rasiert euch vor­her kom­plett (Peter, 22), aber ohne Kahl­schlag (Fab, 35), steht nicht auf Fin­ger­lecken (John­ny, 19), Sex außer­halb des Bet­tes (Joshua, 21), Anal­sex (Robin, 22) und schon gar nicht BDSM-Din­ge (über­ein­stim­men­de Mehr­heits­mei­nung)! Und das Wich­tig­ste ist, sagt Ales­sio (30):

Regeln sind ein mega Lust-Killer!

:-?

Auf Sei­te 50 fragt Kolum­ni­stin („JOY-Autorin“) Jan­nah Fischer (die hat­ten wir oben schon mal):

Klebt auf mei­ner Stirn ein Zet­tel, auf dem „Idio­ten zu mir!“ steht?!

Irgend­wer muss die „JOY“ ja lesen.

Zum Bei­spiel ich.

Senfecke:

  1. Was hab ich Trä­nen gelacht eben!
    Bester Satz: „Nur an die eige­nen, ver­steht sich; man weiß ja nie, wie sehr sich der Gegen­über tat­säch­lich nach beau­ty verzehrt.“
    Herrlich.

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