Noch so ein Album, das man nicht unerwähnt lassen sollte. Arenna — mit Doppel‑N, nicht die schlimme Neoprogkapelle des ehemaligen Marillion-Schlagzeugers — ist ein spanisches Quintett, das 2015 nach vier Jahren sein zweites Album “Given to Emptiness” veröffentlicht hat.
Was mich an spanischer wie an italienischer Rockmusik meist besonders stört, ist der Gesang in der Landessprache — nicht, weil mir die Kenntnisse fehlten, dem Text inhaltlich zu folgen, sondern, weil es einfach nicht gut klingt; wohl wissend, dass das subjektiv ist. Arenna umgehen dies, indem sie einfach auf Englisch singen. Nun könnte man eigentlich mal wieder Götz Alsmann huldigend zitieren, der einmal sagte, man könne in einer fremden Sprache keine Texte schreiben, die von Herzen kommen, und damit wahrscheinlich sogar Recht hatte, und sich nicht entscheiden können, ob man nicht vielleicht doch lieber schlechter klingenden Gesang gehabt hätte oder gleich gar keinen, obwohl man die Texte dann wiederum wahrscheinlich insgesamt vermissen würde. Man könnte aber auch einfach zur Abwechslung mal das Gute hervorheben: Das sonst stiltypische anstrengende Überfrachten des Gesangs mit Echoeffekten besticht hier durch Abwesenheit.
Ach, der Stil. Das hatten wir ja noch gar nicht.
Ist aber auch gar nicht so schwierig, denn eigentlich ist “Given to Emptiness” vorrangig eine Stoner-Rock-Platte, wie Stoner Rock eben so klingt, nämlich vor allem laut: Gitarrenbreitwände, die sich zu einem musikalischen Rausch verdichten, den man in jeder Faser spürt. Fünf Sterne auf Amazon, sonst ja nicht gerade ein gutes Bewertungsportal für Qualitätsmusik. — Nein, Arenna machen das wirklich großartig.
Die Frage, ob sie’s könnten, einmal beiseite gelassen (denn das können sie): Das übliche “mehr vom Gleichen” ist hier nicht zu erwarten. Hören wir nach dem die Messlatte in Schwindel erregende Höhen hängenden Anfang “Butes”, noch ein wenig benommen vom Staunen, doch mal in das fast neunminütige “Chroma” hinein. Ist das Pink Floyd? Es gibt keinen Gesang, dafür den David-Gilmour-sound in den Gitarren, der sich allmählich zu einer Psychedelic/Stoner-Nummer verdichtet, die dabei nicht einmal gewollt klingt, sondern wie aus Versehen ins Schöne geraten.
Oder “Move Through Figurehead Lights”, ein bemerkenswertes Stück Folkrock und/oder Artverwandtes. So könnten Kansas klingen, wenn sie ihren weinerlichen Sänger ins Bett brächten und sich jemanden suchten, der singen und nicht jammern will.
Der Leere gegeben. Die Augen zu und immer ein wenig neben dem Rhythmus nicken, weil man taktlos ist.
Gute Reise.

