Entgegen landläufiger Meinung ist es beim Bumsen – sagt man das noch, „bumsen“? – übrigens gar nicht das wichtigste Kriterium, dass es allen Beteiligten ausreichend viel Freude bereitet; offensichtlich viel bedeutsamer ist es, dabei sexy, nicht etwa wie ein schwitzender Ochse, auszusehen. Wer fernab von Spiegel und Schminktäschchen miteinander vögelt, dem entgeht Entscheidendes.
Dies suggerieren jedenfalls die verblüffend gut miteinander harmonierenden Titelbilder der noch aktuellen Ausgaben von „JOY“ und „Cosmopolitan“ (letztere zur Abwechslung mal mit Jessica Alba auf dem Titelbild; „warum Hollywood mehr Frauen wie sie braucht“ fragt so schelmisch wie rhetorisch das Inhaltsverzeichnis, und ich ergänze: damit es nicht mehr nur zwei Motive für das Titelbild von Frauenzeitschriften gibt):
Nackt gut auszusehen ist also nur die halbe Miete, man muss sich auch gut bewegen können. Wie, ihr konzentriert euch beim Sex nicht auf euer Aussehen? Das ist aber ungewöhnlich. Warum? Das lassen wir uns heute mal von zwei klugen und weltmännischen Frauenzeitschriften erklären.
Film ab!
Beginnen wir mit dem Davor, mit dem initialen Nacktsein beziehungsweise ‑werden nämlich. Nein, gemeint ist nicht die „Domina-Strategie“ („Machen Sie sich frei!“), mit der die „Cosmopolitan“ wirbt, sondern es geht um die „31 Tricks, nackt besser auszusehen“. Diese 31 Tricks, auf knappe fünf Seiten verteilt, erweisen sich teilweise als die üblichen Pflegecremetipps (tut was gegen eure Cellulite, liftet eure Brüste und macht gefälligst mal Sport), enthalten aber auch wahre Geheimtipps:
Derzeit der Oberhit in Amerika (wo sonst? A.d.V.): Mikrostrom-Treatments. Die sind angeblich so wirksam wie 360 Kniebeugen, formen Beine und Po und minimieren Dellen.
Der neue Trend: Fünf Minuten auf dem elektrischen Stuhl und euer body sieht wieder aus wie ein Babypo – genau das Richtige, wenn ihr auf Pfarrer steht. Aber bis jetzt war das nur bescheuert, jedoch noch gar nicht schlüpfrig, das ist ja enttäuschend. Doch halt, nicht verzagen! Es gibt einen Kasten namens „Nackt-Aufnahme“ (wie man bei der „Cosmopolitan“ das dann eben so nennt, wenn man irgendwas witzig meint):
So rockt der Body im Schlafzimmer – und auch auf Instagram
Prioritäten sind eben wichtig.
Die immerhin noch sieben (von, wir erinnern uns, 31) „Tricks“ tragen Titel wie „Body-Bling“, „Kunst to go“ und „Formgeber“, gemeint sind so genannte „Bodyketten“ (sich also mit Schmuck zu behängen), temporäre Tattoos („sehen auf splitternackter Haut superhot aus“) und Schuhe („Plateau-Peep-Toes“), und wahrscheinlich ist es nur dem mangelnden Platz – irgendwo muss ja noch Werbung hin – geschuldet, dass es keinen „Trick“ gibt, der besagt, dass man beim Nacktsein am besten aussieht, wenn man sich gar nicht erst auszieht. Superhot!
Hat man dann als Leserin der „Cosmopolitan“ irgendwann, glattpoliert und temporärtätowiert, einen Mann mit entsprechender Sehschwäche zwecks eines flinken Stelldicheins gefunden, greift man also nun zur „JOY“, denn wie man nicht nur vor dem, sondern auch beim Ficken gut aussieht, steht in der „Cosmopolitan“ nicht drin. Wahrscheinlich kommen ihre Autorinnen gar nicht erst so weit. Die „JOY“ (Titelthemen unter anderem auch: „Mehr Geld am Ende des Monats!“, wahrscheinlich steht „geben Sie das Geld für diese Zeitschrift lieber sinnvoll aus“ nicht drin, „Flacher Bauch ohne Diät und Sport“ – endlich ist auch mal was für mich dabei – und „Naschen ohne Reue“, Ausrufezeichen) behauptet jedenfalls, „26 schmeichelhafte Moves & Posen“ zu kennen, mit denen man beim Sex „heißer aussehen“ soll. Wer möchte das nicht?
Vorbereitung ist allerdings alles:
VORBEREITUNG IST ALLES!
(…) Ein paar Push-ups und Kniebeugen heizen den Kreislauf an und lassen Muskeln besser wirken! (…) Weniger Make-up ist mehr: Auf den After-Sexy-Glow setzen, keinen verschmierten Waschbär-Look riskieren!
„Schatz, kommst du ins Be- Hilfe, ein sprechender muskulöser Waschbär!“ – Diesen Dialog gilt es also zu vermeiden. Kein Waschbär, nur Sport. Denn jeder Mann weiß: Geht die Frau mittags ins Fitnessstudio, gibt es abends Sex. Ob er will oder nicht!
Aber sie – sofern sie die „JOY“ als das superseriöse Ratgebermagazin betrachtet, das sie verdammt noch mal auch ist – hat sich das mit heißem Bemühen um die Erfüllung der gestellten Aufgaben ja auch redlich verdient; als da wären:
AUF DEM RÜCKEN
Aaach, einfach mal ablegen und die Schwerkraft für sich arbeiten lassen! Ein FLACHER BAUCH kommt in dieser Position quasi von ganz allein. Stellen Sie dabei noch die Füße auf, sorgt das zusätzlich für eine phänomental DÜNNE TAILLE.
Für die optimale Wirkung ist diese Übung auf der Hantelbank durchzuführen, die Arme sind ja noch frei und man vögelt ja schließlich nicht zum Spaß.
Doch Abwechslung muss sein:
OBEN SITZEND
Aufgesessen, ihr Cowgirls! (…) Unsicher, weil Sie in der oberen Etage (nicht: im Kopf, A.d.V.) etwas schwacher (sic! A.d.V.) bestückt sind? So MACHEN SIE MEHR DRAUS: Drehen Sie sich um und setzen sich rückwärts auf ihn. (…) Perfekt ist diese Position außerdem für Frauen mit VIEL HINTERN So hat er schließlich was zum Festhalten – und sieht kleine Cellulite-Dellchen gar nicht, hihi!
Hihi! – Aber auch Frauen, die an anderer Stelle gut bestückt sind, kommen auf ihre Kosten:
Kopf zurück in Rückenlage, so hat ein Doppelkinn keine Chance!
Lasst euch nicht gehen und fangt bloß nicht an, das Gefühl zu genießen. Ihr seht dann nur scheiße aus und das wollt ihr doch nicht! Auch, wenn vielleicht nur euer Partner es bemerkt:
VON HINTEN
(…) HALTUNG BEWAHREN. Denken Sie an „verführerisch räkelnde Katze“ und machen Sie Ihren Rücken unbedingt schööön lang – denn umso SCHMALER UND SCHLANKER wirken Sie. Strecken Sie dabei den Hintern nach hinten oben für eine besonders HEISSE PO-SE.
PO-SE!
Empfehlenswert ist es allerdings sowieso, wenn man sich für unattraktiv (bevorzugt: zu dick) hält, denn dann profitiert man von den meisten Tipps:
VON DER SEITE
Bauchpölsterchen fallen in der Seitlage am wenigsten auf! (…) Kleine Brüste? Die profitieren in dieser Position unauffällig von einem zusätzlichen OBERWEITENSCHUB[.] (…) Hier kommt auch ein ÜPPIGER HINTERN bestens zum Einsatz (…): Für eine EXTRA-DOSIS SEXYNESS drücken Sie ihn aktiv nach hinten, in seine Leistengegend.
Die 26 schmeichelhaften Moves & Posen („Po-sen“, ich kann nicht mehr) sind leider nicht durchnummeriert, lassen sich aber auch in drei einfachen Regeln zusammenfassen:
- Sie sind zu fett. Machen Sie Sport vor’m Poppen, damit das nicht so auffällt.
- Sie sind zu fett. Wählen Sie Positionen, bei denen Ihr Partner das nicht so gut sehen kann.
- Sie sind zu fett. Strecken Sie sich, damit Sie länger aussehen.
Was fehlt? Genau, die letzte Regel:
LOSLASSEN Vergessen Sie trotz aller Tipps nicht den Spaß an der Sache!
Seid einfach ihr selbst!



Und nicht zu vergessen wg. ästethischer Optik beim Doggystile: Das Analbleeching.
Das ist ja ekelhaft.
alleine:
Warenwirtschaft as usual, man redet Dir ein Problem ein und verkauft Dir die Lösung.
Bemerkenswert, dass so etwas nicht für halbwegs kluge Männer geschieht.
Geschieht es nicht? Nunja, man muss es auch sehen wollen.
Gib mir mal ein Beispiel.
Für ein allgemeines Prinzip willst Du ein Beispiel?
Das wäre sehr nett.
Na gut, mal ein einfaches Beispiel:
Sunflowers Blog:
Da wird einem ständig (geschlechtsunabhängig) eingeredet,
dass Schönheit (was immer das auch ist) die „Essenz des Lebens“ sei,
dass Haare am Körper etwas ganz Schlimmes seien,
dass Sex so wichtig sei, wie Essen, und wenn man keinen Partner findet, solle man erotische Dienstleistungen in Anspruch nehmen,
dass bisherige Pornos natürlich alle ganz schlecht seien, deshalb braucht es dieses neue superduper Porno-Genre,
dass Bekleidung super wichtig sei und natürlich muss sie von Moden diktiert werden, etc..
Und um diese ganzen eingeredeten Bedürfnisse zu befriedigen, muss man kaufen.
Nunja, das Übliche, was so in Marketing und Werbung eben geschieht.
Ich wüsste gar nicht, wo ich mit Beispielen anfangen und aufhören sollte,
Modellwechsel, geplante Obsoleszenz, Terror, Körper„pflege“, etc..
Wieder so’n Blog, das ich bisher nicht mal kannte.
Ach so, ja, nun, das klingt aber auch alles sehr nach einem Mädchenblog, was meine These durchaus bestätigt, dass kein aufgeklärter Mann auch nur ansatzweise doof genug wäre, das für bare Münze zu nehmen. Oder gibt es eine männliche Dagibee?
Wer sich im Dunstkreis des Kiezneurotikers rumtreibt, wird doch auch schon über die Ische gestolpert sein.
Naja, der Kiezneurotiker redet ja auch diverse Bedürfnisse ein und stimmt dann ein lautes Wehgeschrei an, wenn die nicht zu seiner Zufriedenheit erfüllt werden.
Aber ich habe ja nicht nur das Blog genannt, sondern auch noch ein paar weitere Bäume, aber Du willst den Wald vor lauter Bäumen offensichtlich nicht sehen.
Ich entscheide beim Kiezneurotiker immer sehr schnell, ob mich ein Link interessiert. Bisher war wohl noch keiner dabei.
Ich bin ja durchaus offen für alberne Ideen, aber irgendwie scheinen die Bäume in die falsche Richtung zu wehen. Natürlich haben Menschen niedere Triebe, aber die Klügeren doch nicht.