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Medi­en­kri­tik XCVIII: Schö­ner ficken

Ent­ge­gen land­läu­fi­ger Mei­nung ist es beim Bum­sen – sagt man das noch, „bum­sen“? – übri­gens gar nicht das wich­tig­ste Kri­te­ri­um, dass es allen Betei­lig­ten aus­rei­chend viel Freu­de berei­tet; offen­sicht­lich viel bedeut­sa­mer ist es, dabei sexy, nicht etwa wie ein schwit­zen­der Och­se, aus­zu­se­hen. Wer fern­ab von Spie­gel und Schmink­täsch­chen mit­ein­an­der vögelt, dem ent­geht Ent­schei­den­des.

Dies sug­ge­rie­ren jeden­falls die ver­blüf­fend gut mit­ein­an­der har­mo­nie­ren­den Titel­bil­der der noch aktu­el­len Aus­ga­ben von „JOY“ und „Cos­mo­po­li­tan“ (letz­te­re zur Abwechs­lung mal mit Jes­si­ca Alba auf dem Titel­bild; „war­um Hol­ly­wood mehr Frau­en wie sie braucht“ fragt so schel­misch wie rhe­to­risch das Inhalts­ver­zeich­nis, und ich ergän­ze: damit es nicht mehr nur zwei Moti­ve für das Titel­bild von Frau­en­zeit­schrif­ten gibt):

Cosmopolitan Mai 2016 JOY Mai 2016

Nackt gut aus­zu­se­hen ist also nur die hal­be Mie­te, man muss sich auch gut bewe­gen kön­nen. Wie, ihr kon­zen­triert euch beim Sex nicht auf euer Aus­se­hen? Das ist aber unge­wöhn­lich. War­um? Das las­sen wir uns heu­te mal von zwei klu­gen und welt­män­ni­schen Frau­en­zeit­schrif­ten erklä­ren.

Film ab!

Begin­nen wir mit dem Davor, mit dem initia­len Nackt­sein bezie­hungs­wei­se ‑wer­den näm­lich. Nein, gemeint ist nicht die „Domi­na-Stra­te­gie“ („Machen Sie sich frei!“), mit der die „Cos­mo­po­li­tan“ wirbt, son­dern es geht um die „31 Tricks, nackt bes­ser aus­zu­se­hen“. Die­se 31 Tricks, auf knap­pe fünf Sei­ten ver­teilt, erwei­sen sich teil­wei­se als die übli­chen Pfle­ge­creme­tipps (tut was gegen eure Cel­lu­li­te, lif­tet eure Brü­ste und macht gefäl­ligst mal Sport), ent­hal­ten aber auch wah­re Geheim­tipps:

Der­zeit der Ober­hit in Ame­ri­ka (wo sonst? A.d.V.): Mikro­strom-Tre­at­ments. Die sind angeb­lich so wirk­sam wie 360 Knie­beu­gen, for­men Bei­ne und Po und mini­mie­ren Del­len.

Der neue Trend: Fünf Minu­ten auf dem elek­tri­schen Stuhl und euer body sieht wie­der aus wie ein Baby­po – genau das Rich­ti­ge, wenn ihr auf Pfar­rer steht. Aber bis jetzt war das nur bescheu­ert, jedoch noch gar nicht schlüpf­rig, das ist ja ent­täu­schend. Doch halt, nicht ver­za­gen! Es gibt einen Kasten namens „Nackt-Auf­nah­me“ (wie man bei der „Cos­mo­po­li­tan“ das dann eben so nennt, wenn man irgend­was wit­zig meint):

So rockt der Body im Schlaf­zim­mer – und auch auf Insta­gram

Prio­ri­tä­ten sind eben wich­tig.

Die immer­hin noch sie­ben (von, wir erin­nern uns, 31) „Tricks“ tra­gen Titel wie „Body-Bling“, „Kunst to go“ und „Form­ge­ber“, gemeint sind so genann­te „Body­ket­ten“ (sich also mit Schmuck zu behän­gen), tem­po­rä­re Tat­toos („sehen auf split­ter­nack­ter Haut super­hot aus“) und Schu­he („Pla­teau-Peep-Toes“), und wahr­schein­lich ist es nur dem man­geln­den Platz – irgend­wo muss ja noch Wer­bung hin – geschul­det, dass es kei­nen „Trick“ gibt, der besagt, dass man beim Nackt­sein am besten aus­sieht, wenn man sich gar nicht erst aus­zieht. Super­hot!

Hat man dann als Lese­rin der „Cos­mo­po­li­tan“ irgend­wann, glatt­po­liert und tem­po­rär­tä­to­wiert, einen Mann mit ent­spre­chen­der Seh­schwä­che zwecks eines flin­ken Stell­dich­eins gefun­den, greift man also nun zur „JOY“, denn wie man nicht nur vor dem, son­dern auch beim Ficken gut aus­sieht, steht in der „Cos­mo­po­li­tan“ nicht drin. Wahr­schein­lich kom­men ihre Autorin­nen gar nicht erst so weit. Die „JOY“ (Titel­the­men unter ande­rem auch: „Mehr Geld am Ende des Monats!“, wahr­schein­lich steht „geben Sie das Geld für die­se Zeit­schrift lie­ber sinn­voll aus“ nicht drin, „Fla­cher Bauch ohne Diät und Sport“ – end­lich ist auch mal was für mich dabei – und „Naschen ohne Reue“, Aus­ru­fe­zei­chen) behaup­tet jeden­falls, „26 schmei­chel­haf­te Moves & Posen“ zu ken­nen, mit denen man beim Sex „hei­ßer aus­se­hen“ soll. Wer möch­te das nicht?

Vor­be­rei­tung ist aller­dings alles:

VORBEREITUNG IST ALLES!

(…) Ein paar Push-ups und Knie­beu­gen hei­zen den Kreis­lauf an und las­sen Mus­keln bes­ser wir­ken! (…) Weni­ger Make-up ist mehr: Auf den After-Sexy-Glow set­zen, kei­nen ver­schmier­ten Wasch­bär-Look ris­kie­ren!

„Schatz, kommst du ins Be- Hil­fe, ein spre­chen­der mus­ku­lö­ser Wasch­bär!“ – Die­sen Dia­log gilt es also zu ver­mei­den. Kein Wasch­bär, nur Sport. Denn jeder Mann weiß: Geht die Frau mit­tags ins Fit­ness­stu­dio, gibt es abends Sex. Ob er will oder nicht!

Aber sie – sofern sie die „JOY“ als das super­se­riö­se Rat­ge­ber­ma­ga­zin betrach­tet, das sie ver­dammt noch mal auch ist – hat sich das mit hei­ßem Bemü­hen um die Erfül­lung der gestell­ten Auf­ga­ben ja auch red­lich ver­dient; als da wären:

AUF DEM RÜCKEN

Aaach, ein­fach mal able­gen und die Schwer­kraft für sich arbei­ten las­sen! Ein FLACHER BAUCH kommt in die­ser Posi­ti­on qua­si von ganz allein. Stel­len Sie dabei noch die Füße auf, sorgt das zusätz­lich für eine phä­no­men­tal DÜNNE TAILLE.

Für die opti­ma­le Wir­kung ist die­se Übung auf der Han­tel­bank durch­zu­füh­ren, die Arme sind ja noch frei und man vögelt ja schließ­lich nicht zum Spaß.

Doch Abwechs­lung muss sein:

OBEN SITZEND

Auf­ge­ses­sen, ihr Cow­girls! (…) Unsi­cher, weil Sie in der obe­ren Eta­ge (nicht: im Kopf, A.d.V.) etwas schwa­cher (sic! A.d.V.) bestückt sind? So MACHEN SIE MEHR DRAUS: Dre­hen Sie sich um und set­zen sich rück­wärts auf ihn. (…) Per­fekt ist die­se Posi­ti­on außer­dem für Frau­en mit VIEL HINTERN So hat er schließ­lich was zum Fest­hal­ten – und sieht klei­ne Cel­lu­li­te-Dell­chen gar nicht, hihi!

Hihi! – Aber auch Frau­en, die an ande­rer Stel­le gut bestückt sind, kom­men auf ihre Kosten:

Kopf zurück in Rücken­la­ge, so hat ein Dop­pel­kinn kei­ne Chan­ce!

Lasst euch nicht gehen und fangt bloß nicht an, das Gefühl zu genie­ßen. Ihr seht dann nur schei­ße aus und das wollt ihr doch nicht! Auch, wenn viel­leicht nur euer Part­ner es bemerkt:

VON HINTEN

(…) HALTUNG BEWAHREN. Den­ken Sie an „ver­füh­re­risch räkeln­de Kat­ze“ und machen Sie Ihren Rücken unbe­dingt schööön lang – denn umso SCHMALER UND SCHLANKER wir­ken Sie. Strecken Sie dabei den Hin­tern nach hin­ten oben für eine beson­ders HEISSE PO-SE.

PO-SE! :lachtot:

Emp­feh­lens­wert ist es aller­dings sowie­so, wenn man sich für unat­trak­tiv (bevor­zugt: zu dick) hält, denn dann pro­fi­tiert man von den mei­sten Tipps:

VON DER SEITE

Bauch­pöl­ster­chen fal­len in der Seit­la­ge am wenig­sten auf! (…) Klei­ne Brü­ste? Die pro­fi­tie­ren in die­ser Posi­ti­on unauf­fäl­lig von einem zusätz­li­chen OBERWEITENSCHUB[.] (…) Hier kommt auch ein ÜPPIGER HINTERN bestens zum Ein­satz (…): Für eine EXTRA-DOSIS SEXYNESS drücken Sie ihn aktiv nach hin­ten, in sei­ne Lei­sten­ge­gend.

Die 26 schmei­chel­haf­ten Moves & Posen („Po-sen“, ich kann nicht mehr) sind lei­der nicht durch­num­me­riert, las­sen sich aber auch in drei ein­fa­chen Regeln zusam­men­fas­sen:

  • Sie sind zu fett. Machen Sie Sport vor­’m Pop­pen, damit das nicht so auf­fällt.
  • Sie sind zu fett. Wäh­len Sie Posi­tio­nen, bei denen Ihr Part­ner das nicht so gut sehen kann.
  • Sie sind zu fett. Strecken Sie sich, damit Sie län­ger aus­se­hen.

Was fehlt? Genau, die letz­te Regel:

LOSLASSEN Ver­ges­sen Sie trotz aller Tipps nicht den Spaß an der Sache!

Seid ein­fach ihr selbst!

:wallbash:

Senfecke:

  1. Und nicht zu ver­ges­sen wg. äst­ethi­scher Optik beim Dog­gy­sti­le: Das Analb­lee­ching.

  2. allei­ne:

    „Schatz, kommst du ins Be- Hil­fe, ein spre­chen­der mus­ku­lö­ser Wasch­bär!“ – Die­sen Dia­log gilt es also zu ver­mei­den. Kein Wasch­bär, nur Sport. Denn jeder Mann weiß: Geht die Frau mit­tags ins Fit­ness­stu­dio, gibt es abends Sex. Ob er will oder nicht!

    :D

  3. Waren­wirt­schaft as usu­al, man redet Dir ein Pro­blem ein und ver­kauft Dir die Lösung.

          • Na gut, mal ein ein­fa­ches Bei­spiel:
            Sun­flowers Blog:
            Da wird einem stän­dig (geschlechts­un­ab­hän­gig) ein­ge­re­det,
            dass Schön­heit (was immer das auch ist) die „Essenz des Lebens“ sei,
            dass Haa­re am Kör­per etwas ganz Schlim­mes sei­en,
            dass Sex so wich­tig sei, wie Essen, und wenn man kei­nen Part­ner fin­det, sol­le man ero­ti­sche Dienst­lei­stun­gen in Anspruch neh­men,
            dass bis­he­ri­ge Por­nos natür­lich alle ganz schlecht sei­en, des­halb braucht es die­ses neue super­du­per Por­no-Gen­re,
            dass Beklei­dung super wich­tig sei und natür­lich muss sie von Moden dik­tiert wer­den, etc..
            Und um die­se gan­zen ein­ge­re­de­ten Bedürf­nis­se zu befrie­di­gen, muss man kau­fen.

            Nun­ja, das Übli­che, was so in Mar­ke­ting und Wer­bung eben geschieht.
            Ich wüss­te gar nicht, wo ich mit Bei­spie­len anfan­gen und auf­hö­ren soll­te,
            Modell­wech­sel, geplan­te Obso­les­zenz, Ter­ror, Körper„pflege“, etc..

            • Wie­der so’n Blog, das ich bis­her nicht mal kann­te.

              Ach so, ja, nun, das klingt aber auch alles sehr nach einem Mäd­chen­blog, was mei­ne The­se durch­aus bestä­tigt, dass kein auf­ge­klär­ter Mann auch nur ansatz­wei­se doof genug wäre, das für bare Mün­ze zu neh­men. Oder gibt es eine männ­li­che Dagi­bee?

              • Wer sich im Dunst­kreis des Kiez­neu­ro­ti­kers rum­treibt, wird doch auch schon über die Ische gestol­pert sein.
                Naja, der Kiez­neu­ro­ti­ker redet ja auch diver­se Bedürf­nis­se ein und stimmt dann ein lau­tes Weh­ge­schrei an, wenn die nicht zu sei­ner Zufrie­den­heit erfüllt wer­den.
                Aber ich habe ja nicht nur das Blog genannt, son­dern auch noch ein paar wei­te­re Bäu­me, aber Du willst den Wald vor lau­ter Bäu­men offen­sicht­lich nicht sehen.

                • Ich ent­schei­de beim Kiez­neu­ro­ti­ker immer sehr schnell, ob mich ein Link inter­es­siert. Bis­her war wohl noch kei­ner dabei.

                  Ich bin ja durch­aus offen für alber­ne Ideen, aber irgend­wie schei­nen die Bäu­me in die fal­sche Rich­tung zu wehen. Natür­lich haben Men­schen nie­de­re Trie­be, aber die Klü­ge­ren doch nicht.

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