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Hacker, Cracker, Bauernfänger: Mein Freund, der Baum.

Eine schnelle Recherche in meinen eigenen Archiven ergab, dass ich bereits 2010 den „Bundestrojaner” für unprima hielt; der dann aber auch bald verschwand, was mich seitdem immer wieder rhetorisch fragen ließ, was eigentlich die für ihn Verantwortlichen heute machen.

Inzwischen weiß ich es: Er ist wieder da, und wie durch einen merkwürdigen Zufall erschien gleichzeitig auch Gerhart Baum (F.D.P.; fragt mal eure Eltern) wieder im kollektiven Bewusstsein, um seine Meinung dazu kundzutun:

Der Staat wird ja hier zum Hacker. Das ist das Problem.

Das „Problem” sehe ich persönlich nicht darin, dass der Staat „zum Hacker” wird. Hacker tun niemandem etwas, Hacker geben sich mit Fertigsoftware auch eher ungern ab. Hacker gehen kreativ mit Technik um, um der Gesellschaft im Bestfall nützlich zu sein. Ein Staat, der aus alten Panzern digital beleuchtbare Whiskeyregale zimmerte, wäre ein Staat, der zum „Hacker” wird. Ein Staat, der Trojaner einsetzt, wie es zu meiner Zeit picklige Fünfzehnjährige getan haben, um damit aus bloßer Freude am Destruktiven Schaden anzurichten, ist wie auch jeder andere Staat, der irgendwelche Vorkehrungen trifft, um zu verhindern, dass seine Einwohner Geheimnisse vor ihm zu haben versuchen, kein Hacker, sondern ein Unrechtsstaat.

Hacker sind diejenigen Menschen, an denen es nun ist, ihrerseits Abwehrmaßnahmen zu entwickeln.

Weiter im Text:

Hat er eine eigene Hacker-Technologie, oder kauft er sie von Kriminellen, um Sicherheitslücken auszunutzen, oder fordert er sogar Unternehmen auf, wie jetzt Apple unter Druck ist, diese Hintertüren zu offenbaren, die dann allerdings nicht nur dem Staat offen stehen, sondern auch anderen, zum Beispiel Kriminellen.

Oh, so eine (vorausgesetzt: funktionstüchtige) Überwachungssoftware ermöglicht es auch „zum Beispiel” Kriminellen, mein Recht auf Datenschutz und Privatsphäre zu missachten? Jetzt mal rein aus Jux: Wem denn sonst?

Wer nun annimmt, dass Gerhart Baum eigentlich gar nicht verstanden hat, was so ein Trojaner mit Bürgerrechten zu tun hat: Doch, das hat er. Er gibt sogar einen guten Ratschlag:

Ich möchte genau wissen, dass mit diesem Trojaner kein Missbrauch getrieben werden kann, und das ist mein Grundrecht auf Gewährleistung und Vertraulichkeit der Integrität informationstechnischer Systeme. (…) Ich, der Bürger, muss mich darauf verlassen können, dass die Technik einwandfrei funktioniert und nicht gegen mich arbeitet.

Will heißen: Gerhart Baum als Bürger möchte von einer Software, die einzig dem Zweck dient, seine Grundrechte einzuschränken, die Sicherheit haben, dass sie nicht gegen ihn arbeitet.

Den Herrn sollte man tunlichst genau im Auge behalten, wie mir scheint.

Senfecke:

  1. Falsch:

    …die dann allerdings nicht nur dem Staat offen stehen, sondern auch anderen, zum Beispiel Kriminellen.

    Richtig:

    …die dann allerdings nicht nur dem Staat offen stehen, sondern auch anderen Kriminellen.

    Und unterlasse dieses ossihafte will heißen.

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