In den NachrichtenNerdkramsWirtschaft
Tweet­wachs­tum / Schrö­din­gers Boolean

Und dann war da noch Twit­ter.

Das dama­li­ge Neben­pro­dukt einer eigent­lich ganz ande­ren Soft­ware, das 2006 als eine Art „SMS fürs Web“ ent­wickelt wur­de, fand mit sei­nem simp­len Kon­zept sehr schnell Abneh­mer, also Nut­zer; dies wohl auch, weil es ein eini­ger­ma­ßen eigen­stän­di­ges Ziel ver­folg­te und nicht ver­such­te, ein bes­se­res MySpace, Stu­diVZ, Fri­end­ster oder mitt­ler­wei­le Face­book zu sein. Offe­ne APIs sorg­ten für eine unge­ahn­te Viel­zahl an „alter­na­ti­ven“ Twit­ter­cli­ents (zum Bei­spiel für mei­nen), das Echt­zeit­mo­dell ließ Twit­ter mit­un­ter zu einem wich­ti­ge­ren Nach­rich­ten­por­tal wer­den als Nach­rich­ten­por­ta­le selbst.

Ärger­lich am „Wachs­tum“ eines sol­chen Dien­stes aber sind, von den Fol­gen für poten­zi­el­le Kon­kur­renz wie GNU Social – Kennt ihr nicht? Seht ihr! – ein­mal abge­se­hen, für ihn selbst zwei Fak­to­ren: Zum Einen ist expo­nen­zi­el­ler Zuwachs an Benut­zern irgend­wann unrea­li­stisch bis unmög­lich, was ein Pro­blem ist, das sich Twit­ter immer­hin mit den Her­stel­lern von Mobil­te­le­fo­nen teilt, es hat eben kaum ein Mensch mehr als nur zwei Ohren; zum Ande­ren kann ein Unter­neh­men mit sol­chem Per­so­nal und sol­cher tech­ni­scher Infra­struk­tur nicht belie­big lan­ge damit rech­nen, dass man von gut­gläu­bi­gen Inve­sto­ren leben kann. Gera­de, wenn man wie Twit­ter ohne ein funk­tio­nie­ren­des Geschäfts­mo­dell den Bör­sen­gang wagt, wird die Lage mit der Zeit sel­ten ent­spann­ter.

Nun hät­te Twit­ter ein­fach den logi­schen Schritt voll­zie­hen und bezahl­te Kon­ten ein­füh­ren kön­nen, die dann zum Bei­spiel ani­mier­te Ava­tare oder son­sti­ge für die mei­sten Men­schen völ­lig ega­le Extras als Beloh­nung bekom­men hät­ten. Statt­des­sen hat man sich bei Twit­ter ange­se­hen, was (erster Feh­ler) der Markt­füh­rer Face­book so anders macht als man selbst, und (zwei­ter Feh­ler) beschlos­sen, dass eini­ges dort genau das ist, was Twit­ter, das über­haupt nicht ver­sucht hat­te, ein „sozia­les Netz­werk“ zu sein, drin­gend brau­che. Anstup­sen war es bedau­er­li­cher­wei­se nicht.

Twit­ter bekam also ein neu­es Aus­se­hen, geschwät­zi­ge­re Benut­zer­pro­fi­le, die Mög­lich­keit, sich in Direkt­nach­rich­ten ohne die übli­che Begren­zung auf 140 Zei­chen aus­zu­drücken, und nun end­lich auch die Funk­ti­on, kein Echt­zeit­me­di­um mehr zu sein: Man kann Tweets jetzt nach Rele­vanz sor­tie­ren, wohl­ge­merkt: nach der von Twit­ter geschätz­ten Rele­vanz, was unge­fähr „je mehr Leu­te einem Benut­zer fol­gen, desto rele­van­ter ist sein Ser­mon“ bedeu­tet. Dass die­se Opti­on nicht nur abschalt­bar, son­dern auch stan­dard­mä­ßig deak­ti­viert ist, sich für bestehen­de Nut­zer also bis auf Wei­te­res nichts ändert, mil­der­te die Pro­test­wel­le kaum ab. Wie­der ein­mal ist Twit­ter „end­gül­tig“ gestor­ben, wie­der ein­mal wer­den obsku­re Alter­na­ti­ven als die künf­ti­ge Hei­mat ganz Twit­ters ange­prie­sen; begin­nend mit näch­ster Woche wer­den die­se Alter­na­ti­ven dann alle­samt wie­der Staub anset­zen, weil ein Nichtt­wit­ter eben kei­nen Spaß macht, wenn man dort ganz allein lustig ist.

Wor­auf ich aber eigent­lich hin­aus woll­te: Die Nut­zer­zahl von Twit­ter sta­gniert, und das hat durch­aus Grün­de, die nichts damit zu tun haben, dass Twit­ter­nut­zer eigent­lich lie­ber bei Face­book wären.

War­um führt Twit­ter nicht end­lich auch Glücks­nüs­se ein? :motz:


Apro­pos :motz::

Com­pu­ter sind pri­ma, weil sie binär funk­tio­nie­ren und es nur rich­tig und falsch gibt, rich­tig?

Falsch!

Ein Pro­gramm hat, grob zusam­men­ge­fasst, zwei mög­li­che Zustän­de beim Been­den, näm­lich true (alles hat funk­tio­niert) oder fal­se (irgend­was lief beim Aus­füh­ren schief), dabei ent­spricht der Rück­ga­be­wert 0 oder „gar nichts“ in der Regel true und jede grö­ße­re Zahl fal­se. Das true-Pro­gramm (true.c) aus dem GNU-Pro­jekt – das ist das, mit dem sich Linux­nut­zer angeb­lich her­um­är­gern müs­sen – lässt das aber offen:

#ifndef EXIT_STATUS
# define EXIT_STATUS EXIT_SUCCESS
#endif

#if EXIT_STATUS == EXIT_SUCCESS
# define PROGRAM_NAME "true"
#else
# define PROGRAM_NAME "false"
#endif

// ...

return EXIT_STATUS;

true ist unter han­dels­üb­li­chem Linux also ent­we­der true oder fal­se, das ist Defi­ni­ti­ons­sa­che. :mrgreen: Dass für eine der­ar­ti­ge Auf­ga­be 80 Zei­len nötig sind, erklärt sich über­wie­gend dar­aus, dass ja Ver­si­ons- und Hil­fe­aus­ga­ben nötig sind, falls der Benut­zer mal nicht weiß, wel­che Ver­si­on von „gib 0 zurück“ er nun eigent­lich ver­wen­det.

Falls sich das mal ändert oder so.

(teil­wei­se via @ixception)

Senfecke:

  1. In Zei­le 22 steht aller­dings ein Kom­men­tar, war­um dies so selt­sam imple­men­tiert ist:
    /* Act like "true" by default; false.c overrides this. */

    und in false.c steht dann bloß:

    #define EXIT_STATUS EXIT_FAILURE
    #include "true.c"

  2. Ein Pro­blem der (vie­len) offe­nen Twit­ter-Alter­na­ti­ven ist auch ihr man­geln­de Zusam­men­ar­beit. Erst lang­sam reift ja mit the­fe­de­ra­ti­on die Ein­sicht, dass Inter­ope­ra­bi­li­tät zwi­sc­ben den Com­mu­ni­ties Sinn macht.…

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