In den NachrichtenComputer
I got a hangover, whoa.

Erre­gung über Leute, die Kunst­werke und Konz­erte nur noch zu besuchen scheinen, um sich selb­st dort zu fotografieren, ist eigentlich auch mal wieder angemessen; auf die Gen­er­a­tion der­er, die auf Konz­erten allein deshalb klatschen, um sich selb­st dafür zu beglück­wün­schen, das jew­eilige Lied zutr­e­f­fend erkan­nt zu haben, fol­gt offen­bar jene, deren Hineinge­borene das dig­i­tale Spiegel­bild zum Zen­tralge­stirn des kul­turellen Kos­mos’ erk­lärt haben. Für die virtuelle Ewigkeit kon­serviert wird heute der Moment der eige­nen Zufrieden­heit völ­lig ohne Ein­fan­gen des Moments selb­st. Ob sie wohl auch auf Lesun­gen leicht neben dem Takt der Verse mitk­latschen?

Dies nur, da mir unlängst eine Orch­ester­ver­sion des Straßen­fegers “Ghost­busters” begeg­nete und das sich sonst­wie klas­sisch gebär­dende Pub­likum schief mitk­latschte. Wenig­stens sang es nur auf Zuruf einen Teil des Textes. Eigentlich aber lehnt sich mein “Kultur”-Realismus heute gegen die App namens Han­nover Hang­over auf:

Auf Par­tys entste­hen manch­mal Bilder, die man lieber nicht im Netz sehen möchte. Mit der “Hang­over­App” kann man sich schützen, ver­spricht der Her­steller. Sie zeigt die Auf­nah­men nur, wenn alle Beteiligten zusam­menkom­men.

Das is’ ja wie bei Snapchat, der Rubbe­lapp für Katho­liken, nur ger­ingfügig anders: Man kön­nte selb­stver­ständlich darauf verzicht­en, über von Unbekan­nten betriebene eben­so unbekan­nte Serv­er in einem unbekan­nten Land vor gar nicht allzu langer Zeit self­ies von den eige­nen Fortpflanzung­sor­ga­nen miteinan­der auszu­tauschen, aber für irgend­was müssen diese hip­pen neuen Medi­en ja da sein, und wofür, wenn nicht als Ama­teur­pornoquelle? Gibt’s ja im Inter­net son­st viel zu wenig. — Ab und zu schüt­tet Snapchat auch in guter, alter Kom­mu­nis­ten­manier seine Benutzer­daten­bank aus, damit wieder Platz ist für neues Fleisch. Sieht ja kein­er. Ist ja alles gle­ich gelöscht.

Und so ist das mit Feier­fo­tos eben auch: Wer davon aus­ge­ht, dass man just in diesem Moment umgeben ist von Leuten, die keineswegs ver­ant­wor­tungsvoller und zurech­nungs­fähiger sind als man selb­st, und man sowieso schon davon aus­ge­ht, dass das, was man hier und jet­zt zu fotografieren beab­sichtigt, die Öffentlichkeit bess­er nicht zu Gesicht bekom­men sollte, der lässt seine Taschenknipse doch ein­fach mal in der Tasche und lebt im Augen­blick. Nichts ist schlim­mer als ein Moment, den man nur durch den Such­er erlebt hat. Aber was soll’s, es ist ja Platz, der Dig­i­tal­film ver­gisst nicht. Alles sam­meln, es sehen ja sowieso nur diejeni­gen, die auch selb­st dabei sind und das mit dem Such­er auch nicht ver­standen haben. Eines Tages kann man sich dann mit den Anderen, die den Moment auch ver­passt haben, zusam­menset­zen und sich gemein­sam anguck­en, was man hätte erleben kön­nen, wenn man nicht so beschäftigt damit gewe­sen wäre, Erin­nerun­gen zu ver­bildlichen, weil man sich sich­er war, dass sie am näch­sten Tag ohne­hin allmäh­lich verblassten.

Das Leben als Pro­jek­tion, als sei es nur im Hochglanz etwas wert.

Du hast den Farb­film vergessen, mein Michael /
Nun glaubt uns kein Men­sch, wie schön’s hier wa-a-ar.
Nina Hagen


Real-Life-Hack des Tages: Erhal­ten Sie hier Ihren Grat­is­falken!

Senfecke:

  1. Aber du gehörst doch selb­st zu denen, die nur zu gerne über fremde Serv­er in frem­den Län­dern Fotos ihrer Fortpflanzung­sor­gane aus­tauschen. Empörend ist’s nur, wenn die Anderen es tun? Tztz.

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