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Lie­gen­ge­blie­be­nes vom 19. Novem­ber 2015

Pünkt­lich zum heu­ti­gen inter­na­tio­na­len Män­ner­tag habe ich mir die töd­li­che Män­ner­er­käl­tung zuge­zo­gen. Mei­ne ver­blei­ben­de Lebens­zeit ist daher wahr­schein­lich kurz. Bevor ich also abtre­te und der Nach­welt ein CDU-regier­tes Deutsch­land hin­ter­las­se, kann ich ein paar Nach­rich­ten der letz­ten Tage trotz­dem nicht unkom­men­tiert las­sen. Es gibt Schlim­me­res.

Netz­po­li­tik zum Bei­spiel mag „tot“ sein, aber sinn­los ist sie bei Wei­tem nicht: Ein US-Geheim­dienst­ler fin­det, an Ter­ro­ris­mus sei­en allein Daten­schüt­zer schuld. Zum Glück haben wir in Deutsch­land ein paar Par­tei­en, die sich trotz­dem um eine lebens­wer­te Gesell­schaft küm­mern, zum Bei­spiel die „Grü­nen“, die end­lich eine Mög­lich­keit gefun­den haben, ihrem image als Par­tei der Waf­fen­nar­ren und erho­be­nen Zei­ge­fin­ger eine neue Form der Bekloppt­heit zu geben:

„Um sicher­zu­stel­len, dass alle Men­schen glei­cher­ma­ßen genannt und dadurch mit­ge­dacht wer­den, wird in unse­ren Beschlüs­sen ab jetzt der Gen­der-Star benutzt“, begrün­det der Bun­des­vor­stand sei­nen Vor­stoß.

Bezie­hungs­wei­se eben der*die Bundesvorstand*in. Ich fin­de es übri­gens durch­aus ange­nehm bis­sig, bei der Sprach­ver­hun­zung dem Patri­ar­chat wei­ter­hin den Kern eines Wor­tes und den Frau­en das über­flüs­si­ge, aber immer­hin letz­te Wort („*in“) zu über­las­sen.

Da wir gera­de bei Par­tei­en sind: Laut „SPIEGEL ONLINE“ sei die AfD der­zeit die dritt­stärk­ste Kraft im Bun­des­tag. Wie prak­tisch, dann muss man nicht mehr wäh­len gehen, wenn der Wahl­aus­gang Jah­re zuvor rück­wir­kend per Umfra­ge fest­ge­legt wird. Hun­de, wollt ihr ewig leben? Man­che jeden­falls nicht: Das Netz ist gespal­ten. Was wir jetzt brau­chen, sind mehr trau­ri­ge Men­schen mit Zet­teln, mehr Flag­gen­ava­tare auf Twit­ter und mehr Ton­nen­boys (m/w).

Apro­pos Ton­nen­boys bzw. och nei, du: Xavier Naidoo („Wo sind unse­re Füh­rer, wo sind sie jetzt?“, aus: „Wo sind sie jetzt?“), der wohl bekann­te­ste Gefan­ge­ne der Deutsch­land GmbH, darf 2016 im „Euro­vi­si­on Song Con­test“ für die­ses schwer gebeu­tel­te Land „sin­gen“. Nun könn­te man ein­wer­fen, dass es ja ein Län­der- und kein Musi­ker­wett­streit sei, und dann hört man sich ein­mal die dort auf­ge­führ­ten aus­tausch­ba­ren eng­lisch­spra­chi­gen Mit­klatsch­schla­ger der ver­gan­ge­nen Jah­re an und zieht sei­nen Ein­wand zurück. Sei­en wir doch ehr­lich und geben zu, dass wir uns min­de­stens seit dem Jahr nach Nico­le Ohnen­ach­na­mens erschreckend erfolg­rei­chem „Ein biss­chen Frie­den“ nicht mehr mit den Auf­trit­ten iden­ti­fi­zie­ren kön­nen und mit der Musik noch viel weni­ger. Dass aus Deutsch­land nicht viel gute Musik kommt, mag stim­men; dass aber der „Euro­vi­si­on Song Con­test“ ein medi­al auf­ge­bla­se­ner Schla­ger­wett­streit und kein ernst zu neh­men­des künst­le­risch bemer­kens­wer­tes Musikfesti­val ist und Xavier Naidoo mit sei­nem melo­disch und text­lich besten­falls nur belang­lo­sen Gejam­mer nicht ein­mal der lach­haf­te­ste mög­li­che Ver­tre­ter Deutsch­lands ist, wird vor lau­ter Poli­ti­sie­rung viel zu sehr ver­drängt.

„Lei­ke Set­te­leit“ war auch nicht des­halb ein Erfolg, weil es so gut zu Deutsch­land pas­sen wür­de.

Gute Bes­se­rung uns allen.

Senfecke:

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