Sonstiges
Medienkritik XCII: „JOY“ und „Jolie“ im Männercheck

Ein neu­er Monat, ein paar neue Frauenzeitschriften. Grellbunt wett­ei­fern im Zeitschriftenregal, wie so oft, tur­nus­mä­ßig auch „JOY“ und „Jolie“, bei­de häu­fi­ge Gäste in die­ser Rubrik, um die Gunst der Käuferinnen. Ach, was soll’s Gegender? Natürlich auch der Käufer, steht doch immer auch vie­les dar­in, was auch dem Manne gefällt.

Vieles? Man wird sehen.

1. „JOY“

joy juni 2015

In knal­li­gen Farben legt die „JOY“ vor: Das Extraheft „107 Beauty-Tipps“, das wohl zur titel­bild­lich kol­por­tier­ten Mission, aus jeder Leserin eine beknackt aus­se­hen­de Frau mit schlech­ter Haut und kaput­ten Haaren zu machen, bei­tra­gen soll, mag neckisch sein, aller­dings begeht Chefredakteurin Ann Thorer bereits im edi­to­ri­al einen Fauxpas, indem sie die „lie­be Leserin“ anspricht. Als wären wir Männer nicht an Mode („die 70 cool­sten Kleider des Jahres“), Sport („Yoga, Radfahren, Joggen & Co.“, wer immer die Kompagnons sein mögen) und unse­rem Aussehen („sty­li­sche 3-Minuten-Frisuren“, so was tra­ge ich ja gra­tis, sowie „Make-up ohne Pannen“) interessiert!

Aber dar­um soll’s nicht gehen; viel­mehr - pas­send zum auf Seite 17 abge­druck­ten „klu­gen Satz des Monats“ von Shailene Woodley, der „Keiner ent­wickelt sich wei­ter, wenn er sich an dem misst, was es schon gibt.“ lau­tet - emp­fiehlt die „JOY“ aus einer Auswahl der Dinge, die es schon gibt, „22 klei­ne Verführungstricks, die jeden Mann ver­rückt nach Ihnen machen“. Man möch­te ja als Mann schon gern wis­sen, wie­so man so ver­rückt ist. Dazu zählt offenbar:

Ach Mist, zu viel Bodylotion erwischt! „Süßer, kann ich dir was abge­ben?“ Hui, das flutscht aber…

Hui. - Oder:

Ein Klassiker: Schlüpfen Sie beim Abendessen aus einem Ihrer Schuhe und füh­ren Sie Ihren Fuß vor­sich­tig in Richtung sei­nes besten Stücks. Hi, Kleiner…

„Kleiner“. Ich bin schon ganz rol­lig. Aber da geht noch mehr:

Guten Morgen! Versüßen Sie ihm das Aufwachen, indem Sie Ihre nack­ten Brüste mit krei­sen­den Bewegungen an sei­nem Rücken rei­ben. Das sorgt für eine extra­schnel­le Auf-STEH-Phase (hihihi).

(Zitat unver­fälscht abge­tippt; resp.: sic!)

Vollends zum Orgasmus aber treibt mein Zwerchfell Tipp 19:

Geben Sie ihm einen Grapefruit-Blowjob. Dafür die Enden der Frucht abschnei­den und in der Mitte ein Loch in der Größe des Penis-Durchmessers boh­ren. Wenn sein bestes Stück so weit ist, drü­ber­stül­pen und auf und ab bewegen …

Die mei­nen das ernst.

Tipp 22 („grei­fen Sie ihm ohne Vorwarnung in den Schritt“) fragt abschließend:

Männer sind in Sachen Sex ein­fach gestrickt. (Ach so! A.d.V.) Warum nicht auch mal Sie?

Beim Sex so ein­fach gestrickt zu sein, dass man sich für die erfolg­rei­che Verführung eines ein­fach gestrick­ten Mannes - die typi­sche Leserin legt auf einen Mann mit Stil offen­sicht­lich kei­nen Wert - Obstbegattungstricks aus einem Quietschbuntmagazin anle­sen muss, gehör­te bis­lang aller­dings auch nicht zu den Dingen, um die ich Frauen benei­det habe.

Vielleicht ist die Konkurrenz ja schlauer.

2. „Jolie“

jolie juni 2015

Die „Jolie“ hält dage­gen: Zwar gibt es hier statt 107 nur „55 coo­le Beautytricks“, dafür aber auch „36x Traumbody“ („Die schön­sten Bikinis für jeden Figurtyp“, ich bin dann mal ein­kau­fen) und „15 Tipps, die sofort glück­lich machen“ („Das Instant-Rezept für gute Laune“), dar­un­ter „Traurige Musik hören“ („What?“, ebd.), „Den Müller machen“ („Jubeln wie der Bayern-Star“) und „Das Bett machen“. Schade, dass es nur für 15 gereicht hat - so war für die uner­läss­li­chen wei­te­ren Tipps „Den Rasen mähen“, „Einkaufen“ und „Zahnarzttermine ver­ein­ba­ren“ lei­der kein Platz mehr. Aber ich hel­fe doch gern!

Dafür hilft mir im Gegenzug die „Jolie“ wie auch die „JOY“ dabei, zu ver­ste­hen, wie ich für alle Beteiligten (noch) bes­se­ren Sex haben kann: „Setzen, Sex!“ („Sexschule für Männer“) lau­tet die Überschrift; ver­mut­lich soll­ten die Männer zumin­dest froh sein, dass die Zeit der Züchtigung durch den Rohrstock bereits lan­ge genug zurück­liegt. Die sechs „Lektionen“ (sowie der unver­meid­li­che „Exkurs: G-Punkt“, wobei Letzterer, ich zitie­re, „sozu­sa­gen im ersten Stock“ lie­ge) sind wie eine typi­sche Schullaufbahn aus der Sicht von jeman­dem, der nie eine Schule besucht hat, strukturiert:

Einführungsveranstaltung: Verführung

(…) Um eure Hand auf unse­rem Po platz­ie­ren zu dür­fen, reicht es (…) nicht, dass wir uns ange­schickert eine Portion Pommes Schranke geteilt haben. (…) Ihr sagt schmun­zelnd „Selbst Ketchup steht dir“ und schaut schief grin­send ein biss­chen zu lang auf unse­ren Mund? Hot!

Während die „JOY“-Zielgruppe sich also aus blö­den Frauen mit wenig stil­vol­len Männern zusam­men­setzt, geht man bei „Jolie“ von Frauen ohne Tischmanieren und Männern ohne Subtilität aus. Schön, dass Kavalierstum auch 2015 noch zur Besonderheit genügt.

Pflichtpraktikum: Knutschen

(…) Man kann es sich vor­stel­len, wie wenn zwei Katzen auf­ein­an­der­tref­fen, sich erst mal vor­sich­tig beschnup­pern, umkrei­sen und sich dann anein­an­der­schmie­gen und -wer­fen. (…) Probieren Sie mal Folgendes aus: „Einmal mit der Zunge über die Lippen der Freundin fah­ren, dann erst mal auf­hö­ren, die Berührung nach­wir­ken las­sen. Wenn sie mehr will, sich lang­sam stei­gern, in klei­nen Bewegungen rantasten.“

Wenn meh­re­re Katzen auf­ein­an­der­tref­fen, ist das sel­ten vor­sich­ti­ges Beschnuppern, so weit ich das bis­her mit­er­lebt habe; und man schel­te mich einen Narren, wenn ich irre, aber die Vermutung liegt nahe, dass eine Frau, der man über den Mund leckt, wenn sie knut­schen will, das nur wenig betö­rend fin­det. Sei’s drum, Theoriefindung ist ange­sichts der dürf­ti­gen Quellenlage viel­leicht auch unangemessen.

Fortbildung: Fummeln

Schon klar: Ihr habt selbst kei­ne Brüste, des­we­gen stim­men euch unse­re natur­ge­mäß sehr auf­ge­regt. Das ist auch gut so - zumin­dest so lan­ge, bis ihr sie komisch mit dem Finger pikt und dabei am besten auch noch „Möp-möp“ oder „Ding-dong“ sagt.

Manno! :lachtot:

Prüfungsphase: Sex

(…) Während [die Erregungskurve] bei euch meist von null auf geil ver­läuft, brau­chen wir eine gewis­se Aufwärmphase. Statistisch gese­hen liegt die bei 20 Minuten.

Nützliches Sexutensil Nr. 1: eine Eieruhr.

„Achten Sie auf Ihre Körpersprache“, rät [Sex-Coach] Vanessa del Rae. (…) Ihr Tipp: die tao­isti­sche Rhythmustheorie. Neunmal kurz ein­drin­gen, ein­mal tief, dann acht­mal kurz, zwei­mal tief, sie­ben­mal kurz, drei­mal tief, und wenn man bei eins ange­kom­men ist, das Ganze rück­wärts. „Das ist ziel­füh­ren­der als ein Rein-raus-Einerlei. (…) Auch Kreisen kommt immer gut!“

Nützliches Sexutensil Nr. 2: ein Rosenkranz.

Zusatzausbildung: Cunnilingus

(…) Vanessa del Rae rät (…) zum „Adlersuchsystem“, also krei­sen, aber nicht direkt landen.

Mit Kreisen hat die Frau es offen­bar. Das Adlersuchsystem ken­ne ich aller­dings von Computernutzern, es zeich­net sich dadurch aus, dass es quä­lend lan­ge dau­ert und man bei kon­se­quen­ter Nutzung auch lang­fri­stig kei­ne qua­li­ta­ti­ven Fortschritte machen wird.

Abschlusspräsentation: Orgasmus

(…) Und wenn’s bei uns mal nicht klappt? Nicht so wild, so lan­ge ihr euch danach nicht grun­zend auf die Seite rollt. Lieber eine Ehrenrunde dre­hen! (…) Die Erektion schwillt ja erst lang­sam ab …

„Nicht so wild, aber ändern müsst ihr’s schon“. Grunz.

3. Fazit

Die „Jolie“ erweist sich zwar als das Magazin, das zumin­dest in der Theorie Klügeres zu leh­ren beab­sich­tigt, aller­dings scheint man dort - anders als bei der „JOY“ - sei­ne eige­nen Tipps nicht selbst aus­zu­pro­bie­ren. Der Sieger? Unentschieden. Sicher ist nur: Bereits am 5. Juni die­ses Jahres erscheint von bei­den Zeitschriften die Juli-Ausgabe. Das ist nichts für Männer. Wir mögen es logisch.

Habe ich jeden­falls irgend­wo gelesen.

Senfecke:

  1. „Nützliches Sexutensil Eieruhr“ - dan­ke, minu­ten­lang lachen müs­sen, grandios.

  2. „Nützliches Sexutensil Nr. 1: eine Eieruhr.“ -> Ja, ich muss­te auch sowas von abla­chen, wobei mich mei­ne Trainees hier ziem­lich irri­tiert ange­se­hen haben.
    „Die mei­nen das ernst.“ ->Das hat mich auch bald umgehauen.

    Mehr davon, denn man hat ja sonst nicht mehr viel zu lachen…

  3. Glaub mir, sol­che zei­tun­gen sind selbst Frauen zu doof und ich kann mich gera­de nicht zwi­schen :XD: und :facepalm: ent­schei­den (das taugt ja nicht mal mehr als Zahnarztlektüre).

    • Das sagen sie alle. Und trotz­dem gibt es immer wie­der neue Zeitschriften die­ser Art. Müssen sich ja irgend­wie finan­zie­ren - ver­mut­lich durch euch. 8)

      (Oder mich.)

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