PolitikIn den Nachrichten
Richtig gepflegt eine schallern und dann ist Achterbahn hier, Junge!

Schläger­partei Deutsch­lands:

Nach­dem sie am Vor­mit­tag ein let­ztes Mal am Regierungstisch Platz genom­men habe, füh­le sie sich ein biss­chen wehmütig, erzählte Nahles den Jour­nal­is­ten: “Aber ab mor­gen kriegen sie in die Fresse.” “Sie”, das ist die neue Bun­desregierung.

Et klatscht gle­ich, vaschtehste? Vor dem Früh­stück erst mal schön dem Lind­ner links, rechts eine kleben, damit der nicht immer so scheiße guckt, den Schäu­ble aus dem Rol­li kip­pen und dem Hofre­it­er seine däm­lichen Haare in den Mix­er steck­en, damit die Cha­bos wis­sen, wer hier die Baboine ist. Hate-Speech war gestern, heute gibt’s auf’s Maul! Ist sie zu stark, bist du zu schwach. Das ken­nt Andrea Nahles noch aus ihrer Zeit als Hartz-IV-Min­is­terin. Schwest­er, meine Pillen, aber die mit dem Smi­ley drauf, und zwar ein biss­chen zack­ig, wenn ich bit­ten darf!

Politik
Halali!

Franz-Josef Strauß (CSU) in der “WELT” 1974:

Was wir hier in diesem Land brauchen, sind mutige Bürg­er, die die roten Rat­ten dor­thin jagen, wo sie hinge­hören (…).

Ludger Volmer (Grüne) am Wahlabend nach der Bun­destagswahl 1994:

Wir wer­den den Kan­zler jagen.

Hei­de Simo­nis (SPD) in der “BILD am Son­ntag” 1995:

Wir müssen den Bun­deskan­zler richtig jagen[.]

Dag­mar Enkel­mann (PDS, heute Die Linke) 1996:

Die Oppo­si­tion kön­nte wirk­samer sein und die Regierung jagen (…).

Chris­t­ian Lind­ner (F.D.P.) auf dem Dreikönigstr­e­f­fen 2014:

Wir wer­den die Bun­desregierung jagen!

Alexan­der Gauland (AfD) am Wahlabend nach der Bun­destagswahl 2017:

Die Bun­desregierung, wie immer sie aussieht, kann sich warm anziehen, wir wer­den sie jagen[.]

Was freilich, glaubt man diversen son­st nicht unvernün­fti­gen Twit­ter­nutzern und son­sti­gen sozialen Medi­en, übel­ster “Nazis­prech” (ebd.) und damit Schlim­m­denk ist; so lange das tra­di­tionell kurze Gedächt­nis der Wäh­ler eben dies­mal andauert.

In den NachrichtenMontagsmusikPolitik
Rhys Chatham — Pythagorean Dream (Part Two) // Bundestagsqual

„... und dann haben sie DAS gewählt!“Es ist Mon­tag, der Tag danach; ein Tag, den allen­falls ein Pand­abär noch ret­ten kön­nte, denn das lang­weilige Deutsch­land hat gewählt.

Gewon­nen, so viel sei gesagt, haben ganz unab­hängig vom Wahlergeb­nis der Sozial­ab­bau, die Renten­stre­ichun­gen, die immer­hin (spät) sank­tion­ierte Alter­sar­mut, die Bun­deswehr — ver­loren aber hat, Medi­en­bericht­en zum Trotz, keineswegs der Recht­spop­ulis­mus, denn der stellt auch 2017 noch hochrangige Min­is­ter, son­dern der Wäh­ler, den das Schreck­ge­spenst AfD aber­mals erfol­gre­ich davon abge­hal­ten hat, die Zukun­ft sin­nvoll mitzugestal­ten. Etwa 87 Prozent der Wäh­ler haben nicht die AfD gewählt, etwa 90 Prozent nicht die Grü­nen und immer noch fast 70 Prozent nicht die Kan­z­lerin, den­noch bes­timmt das Geschehen eine mögliche Koali­tion, die im Medi­an von ein­er deut­lichen Mehrheit nicht gewählt wurde. Koali­tio­nen sind aus demokratis­ch­er Sicht tout compte fait allerd­ings grund­sät­zlich eine Katas­tro­phe, eine richtige im Falschen ist nicht auszu­machen. Der moralis­che Sieger bekommt beim Wet­tren­nen ja auch nur noch einen Trost­preis. — Man stelle sich vor, das Volk träfe nicht nur alle vier Jahre, son­dern pausen­los dumme Entschei­dun­gen. Man sehe sogle­ich: Nur Volksab­stim­mungen kön­nten das alles noch schlim­mer machen.

Bringt alles nichts. Ich habe jeden­falls beschlossen, über die Beschlüsse der kom­menden Bun­desregierung in dieser Pub­lika­tion bis zur näch­sten Bun­destagswahl kein Wort mehr zu ver­lieren. Das schont die Ner­ven ins­beson­dere zum Wochen­be­ginn und lässt mehr Zeit für Schönes, näm­lich für Musik. Und danach kom­men wir noch mal auf den Pand­abären zurück.

Guten Mor­gen und viel Glück.

NetzfundstückeIn den Nachrichten
Liegengebliebenes vom 24. September 2017

Genau mein Humor: Ein hochrangiger Kirchen­vertreter find­et, man solle die Wirk­lichkeit nicht verz­er­ren.


Jungs sind bess­er in Physik, weil sie häu­figer einen Penis anfassen. Das klingt, als kön­nte man das soziale Gefälle hier ziem­lich ein­fach begr­a­di­gen.


Eilmel­dung des Tages: Konkur­renz macht den Penis länger. Allerd­ings bei Enten.


“Corey Doc­torow slow­ly beings to real­ize that the inter­net, like every­thing else, exists at the con­ve­nience of peo­ple with mon­ey.”


Formel 1 zu leise? Hil­fe ist unter­wegs!

KaufbefehleMusikkritik
Kurzkritik: Igorrr — Savage Sinusoid

Igorrr - Savage SinusoidIgor­rr!

Schon der Name — lei­der ohne Aus­rufeze­ichen — ist so klangvoll, dass man es leicht ver­schmerzt, dass hier nicht auf Rus­sisch musiziert wird. Statt Kalin­ka wird der akustis­che Angriff besun­gen, stilecht ein­geleit­et durch einen Kriegss­chrei (“Viande”), der sogle­ich in don­nern­den Met­al überge­ht. Warum kleck­ern, wenn man klotzen kann? “Sav­age Sinu­soid” (Amazon.de, TIDAL), das laut Inter­net sech­ste Album der Fran­zosen, weckt seit Juni dieses Jahres ver­mut­lich so manchen Toten auf.

Igor­rr — ieuD [OFFICIAL VIDEO]

Gele­gentliche Elek­tron­i­ka und Effek­te lassen Etiket­tierung sowieso nicht sin­nvoll zu, zumal nicht ein­mal hier ein Still­stand auszu­machen ist: Gau­ti­er Serre, die treibende Kraft hin­ter Igor­rr, hat Spaß an Exper­i­menten und lässt den Hör­er das auch merken. Wo eben noch das wilde nordis­che Leben tobte, erfol­gt gle­ich die Umschal­tung in den musikalis­chen Balkan, während der Vokalist sich allmäh­lich heis­er zu schreien scheint. Plöt­zlich­er The­men­wech­sel: Krautiger Art­pop wech­selt sich mit struk­turell hag­gardesquem Brüll- ein­er- und Post­met­al ander­er­seits mit pri­ma Opernge­sang von Lau­re Le Prunenec ab, man­nig­faltig elek­tro­n­isch manip­uliert — “ieuD” bringt in fast vier Minuten mehr Stile unter als viele andere Kün­stler auf drei Stu­dioal­ben.

Igor­rr — Cheval [OFFICIAL VIDEO]

Ein Stück wie dieses auf “Sav­age Sinu­soid” dabei nicht ein­mal eine beson­dere Aus­nahme; “Hou­mous” inte­gri­ert Kirmes‑, 8‑Bit- und Welt­musik in ein alles andere als enges Math­rock­ko­rsett, andere Stücke wie “Apopatho­di­a­phu­lato­pho­bia” tra­gen ihre völ­lige Abge­drehtheit schon im Namen. Ich finde ja mitunter dur­chaus Gefall­en an Abge­drehtem.

Große Klasse.

PolitikIn den Nachrichten
Kritische Begleitung und ihre Gefahren

(Vorbe­merkung: Zynis­mus befre­it den Geist, ich kann ihn insofern nur empfehlen.)

In den Tagen vor der Wahl wird die ohne­hin schon nicht ger­ade wert­neu­trale Berichter­stat­tung tra­di­tions­be­wusst noch kreis­chen­der. Auch Anna Bisel­li vom schräg-grü­nen Per­son­al­i­ty­blog “Netzpolitik.org” (hier wie bish­er aus ethis­chen Grün­den nicht ver­linkt) grub am ver­gan­genen Mon­tag die Piraten­partei wieder aus, nur um darauf hinzuweisen, dass man die ja ger­ade nicht so wählen könne, weil das The­ma so was von durch sei; so weit muss man seine eige­nen Auss­chei­dun­gen halt auch erst ein­mal wer­fen kön­nen, dafür gibt es min­destens meinen Respekt.

Wenig­stens der Rest der Medi­en, ob sozial oder nicht, hält sich brav ans Nar­ra­tiv und ver­bre­it­et zwecks Fein­desab­wehr unter anderem Grafiken vom Vor­jahr, die das “rechte Net­zw­erk” des Buh­manns AfD — von denen lassen wir uns doch nicht unsere christ­soziale Poli­tik weg­nehmen, ist schließlich Deutsch­land hier — “aufdeck­en”, dabei keineswegs die per­son­ellen Verbindun­gen mit der NPD überse­hen, die mit der “Union” aber geflissentlich ignori­eren. Das muss man ver­ste­hen, die “Union” war schon etabliert, als die Eltern der gerecht­en Demokrat­en noch mit der Ras­sel um den christlich-west­lich guten Wei­h­nachts­baum gestolpert sind, und etablierte Poli­tik kann nicht schlecht sein, denn son­st wäre sie ja nicht etabliert.

Die durch den aus­bleiben­den Kampf gegen die CDU/CSU freien Ressourcen wer­den daher in die Schlacht für die gerechte Sache gesteckt, wobei man das selb­stver­ständlich nicht “Schlacht” nen­nt, denn das wäre mil­i­tant und unlinks. Stattdessen wird das Vorhaben rhetorisch unge­fähr so betitelt:

Am Son­ntag Abend rufen wir dazu auf die Wahlpar­ty der Ham­burg­er AfD kri­tisch zu begleit­en.

Wie begleit­et man eine Wahlpar­ty kri­tisch? Unter “kri­tis­ch­er Begleitung” stellte ich mir, bis ich diesen Quatschsatz gele­sen habe, meist eine jour­nal­is­tis­che Tätigkeit vor, indem regelmäßig irgendwelche seman­tis­chen oder aus­nahm­sweise auch mal fach­lichen Analy­sen des Gesagten in ein­schlägi­gen Peri­odi­ka erscheinen. Wie Jour­nal­is­ten wirken die Seit­en­mach­er auf mich jedoch eben­so wenig wie mir klar ist, wie umfan­gre­ich eine Berichter­stat­tung über einen Abend des kalo­rien­re­ichen Balken­guck­ens über­haupt sein kann. “Eilmel­dung: Mit­glied der Ham­burg­er AfD ver­stößt gegen seinen Diät­plan!”

Dass diese “kri­tis­che Begleitung” sich ander­er­seits auch nicht auf das Schwenken von Plakat­en beschränken, son­dern auch in engerem Zusam­men­hang mit destruk­tiv­er Inter­ak­tion ste­hen dürfte, zeigt eine Ein­ladung für densel­ben Wahlabend in Berlin in der gle­ichen rechtschreibkri­tis­chen Pub­lika­tion, aber an ander­er Stelle:

Ziehen wir der AfD den Steck­er!
Licht aus für Rechte Infra­struk­tur!

Nun ist kri­tis­che Begleitung ja noch kein Ter­ro­rakt, denn ein Ter­ro­rakt impliziert im Gegen­satz zu einem Sab­o­tageakt nach all­ge­mein­er Auf­fas­sung Men­schen­schaden, und Pflaster­steine haben bekan­ntlich noch nie­man­dem geschadet; die kri­tis­che Begleitung der Polizeiar­beit anlässlich des G20-Gipfels in Ham­burg sorgte eben­falls auss­chließlich für ein friedlicheres, sol­i­darisches Miteinan­der und hat nie­man­dem geschadet, der es nicht qua Beruf in prae­ci­pio ver­di­ent hätte. Selb­st die kri­tis­che Begleitung von Touris­ten durch IS-Sym­pa­thisan­ten ließe sich sicher­lich auch mit einem friedlicheren Wort als “Ter­ror­is­mus” betiteln. Die haben halt die falsche Partei Reli­gion und dafür kriegen sie jet­zt ordentlich Ärg­er. Selb­st schuld, wer sich der neuen Wel­tord­nung ver­weigert.

Nie­mand muss Tourist sein.

SonstigesNetzfundstücke
Medienkritik in Kürze: Großmaul fickt gut.

Die “Cos­mopoli­tan”, das fröh­liche Mag­a­zin, auf dessen Okto­ber­aus­gabe schon wieder Jes­si­ca Alba zu sehen ist, was über die “Cos­mopoli­tan” freilich mehr aus­sagt als über Jes­si­ca Alba, ent­täuscht den Fre­und absur­der Tex­tkom­bi­na­tio­nen nur sel­ten.

Auch dies­mal nicht:

Denn neben der Befas­sung mit den typ­is­chen Prob­le­men, die man als Frau so hat (“Macht Smog Fal­ten?”) wird ein­er­seits für Smart­sein gewor­ben [1], denn Smart­sein mache besseren Sex, gle­ichzeit­ig aber davor gewarnt, dass es Leute gibt, die sich smarter­weise für eine Woh­nung mit Sex bezahlen lassen möcht­en [2] (sind wohl auch “Cosmopolitan”-Leser); es wer­den Anleitun­gen gegeben, “Großmäulern” auf­grund deren Seit­en­hieben “ele­gant den Mund zu stopfen” [3], gle­ichzeit­ig aber auch solche, selb­st großmäulig Seit­en­hiebe zu verteilen [4]. Ob es einen Zusam­men­hang zwis­chen der “Kun­st, Seit­en­hiebe wort­los zu kon­tern”, und der Frage, ob man als “Traumjob” nicht vielle­icht doch lieber “Influ­encer” sein (also sein Geld statt im Team stattdessen damit ver­di­enen, allein im heimis­chen Keller irgendwelche Dinge in so Net­zw­erken zu verteilen) sollte, gibt, kann ich lei­der nur rat­en.


Spek­tral­net­zw­erke und ihre Tück­en: Auf “Golem” wies Tobias Költzsch gestern einen hal­ben Artikel lang merk­lich unge­hal­ten darauf hin, dass das Mikroblognetz Gab.ai “Fig­uren vom recht­en Rand” (für “Naz­iärsche” war wohl doch noch zu viel Restjour­nal­is­mus da) ein “Spek­trum” biete, wie auch immer man “ein Spek­trum bieten” kann; als sollte ein Inter­net­di­enst grund­sät­zlich immer und bitteschön genau wie die Fig­ur vom Golem-Rand werten, statt neu­tral zu sein; es sei, ver­ste­ht sich, denn, man (hier: Költzsch) ver­ste­ht unter Net­zneu­tral­ität nur schnelles Herun­ter­laden von schlechter Musik und nicht etwa, dass die Frei­heit des Net­zes eine linkspoli­tis­che zu sein hat, denn dann ist seine fehlende Hal­tung sicher­lich zwar immer noch bek­nackt, aber wenig­stens begrün­det.

PolitikMontagsmusik
Toundra — Kitsune // Sechs Tage ahnungslos.

Es wird Herbst, die Eulen verlieren ihre Blätter.Es ist Mon­tag; wom­it die Welt das ver­di­ent hat, ist jedoch lei­der unklar. Beruhi­gend aber ist es, dass sie ihren Humor nicht ver­loren hat: Am ver­gan­genen Don­ner­stag wurde ein Gespräch mit Hillary Clin­ton von einem Video eines niesenden Pan­das unter­brochen, anschließend aber lei­der fort­ge­set­zt. Einen prä­sidi­alen Pand­abären würde ich jeden­falls wählen.

Falls es über­haupt so weit kommt, denn das poli­tis­che Sys­tem ist auch hierzu­lande irri­tierend. In nur ein­er Woche hätte es wieder kein­er ahnen wollen, denn Demoskopie geht meist vom frei erfun­de­nen Ide­al­fall aus, näm­lich davon, dass Men­schen strin­gent han­deln und Wahl­pro­gramme irgen­det­was mit Realpoli­tik zu tun haben. Dann wird wieder irgend­je­mand betrof­fen in irgen­deine Kam­era guck­en und verkün­den, dass die Pop­ulis­ten zwar “lei­der” irgend­wo “drin” seien, aber immer­hin isoliert, denn tat­säch­lich hat in der beina­he unver­mei­dlichen knap­pen Mehrheit für die recht­spop­ulis­tis­che Koali­tion aus dem unheili­gen Bünd­nis aus CDU und CSU sowie der Partei des Sozial­ab­baus (PdS, ehem. SPD) nie­mand son­st ein Wörtchen mitzure­den, was unge­fähr der Poli­tik der ver­gan­genen vier Jahre entspricht: Die Iso­la­tion der Mehrheit als Bewahrung der Demokratie. Was dann kom­men wird, ist abse­hbar: In Medi­en, die nicht ver­linkt wer­den möcht­en, forderte dieser Tage der heute seinen 75. Geburt­stag feiern­den (weil “bege­hen­den” doch recht unchar­mant wäre) Wolf­gang Schäu­ble eine Rente ab 70 Jahren. Ich bin ja sel­ten sein­er Mei­n­ung, finde aber, er hat Rente wirk­lich drin­gend nötig.

Neues aus der Geschlechter­forschung: Autis­ten bei­der­lei Geschlechts haben beson­ders männliche Gesichter, von ein­er Autis­ten­quote in Führungspo­si­tio­nen ist daher ver­mut­lich gle­ich dop­pelt Abstand zu nehmen. Ander­er­seits: Um irgend­wo als Chief Secu­ri­ty Offi­cer anfan­gen zu dür­fen, reicht ja auch ein Musik­studi­um aus.

Passt ja, für Logik sind sich sowieso die meis­ten Branchen zu fein: Der Nut­zlos­di­enst Golem.de behauptete gestern, bei “Alexa” und “Google Assis­tant” han­dele es sich um “smarte Laut­sprech­er”, während zu mein­er Zeit Geräte, in die man rein­spricht und die dann irgend­was machen, noch “Mikro­fone” (wenn sicht­bar) oder “Wanzen” (wenn nicht so offen­sichtlich sicht­bar) hießen. Geräte, die smarter sind als diejeni­gen, die über sie bericht­en: Das ist wohl diese Zukun­ft, von der immer alle reden.

Da halte ich mich doch lieber an die Ver­gan­gen­heit, zum Beispiel an das Jahr 2016.

Toundra — KITSUNE

Guten Mor­gen.


In eigen­er Sache: Ich habe mein Word­Press-Plu­g­in WP-WahlBlack­out für die anste­hende Bun­destagswahl ein biss­chen über­ar­beit­et, unter anderem mit etwas sin­nvolleren Ver­weisen auf der mit­geliefer­ten, aber immer noch zweck­mäßig gestal­teten Abschalt­seite. Wer es nutzen möchte, der möge das tun.

In den Nachrichten
Oktoberfest ist wie Hitler.

Apro­pos Okto­ber­fest.

Sel­biges war noch nicht ein­mal richtig ange­laufen, da gab es schon die ersten Beschw­er­den: In ein­er Onlinepub­lika­tion aus dem weit­eren Umfeld der Ver­anstal­ter wurde darauf hingewiesen, dass ein Bierzelt voller Alko­holisiert­er sowie sich Alko­holisieren­der möglicher­weise nicht der richtige Ort sei, um seine grü­nen Hip­piei­de­ale von unglück­lich­er Liebe für alle Geschlechter mit allen Geschlechtern zu propagieren, um Rück­sicht auf die rustikaleren Teil­nehmer zu nehmen, die wenig Inter­esse an einem Prax­is­bericht aus dem All­t­ag mit Homo­sex­u­al­ität haben. Sofort sprangen sich als gerecht ver­ste­hende Rit­ter jed­welchen Geschlechts aus dem virtuellen Gebüsch her­vor und quak­ten drau­f­los, dass das nicht in Ord­nung sei und der Ver­anstal­ter kein Recht habe, für eine von ihm ver­anstal­teten Feier ein­fach irgendwelche Regeln aufzustellen, die ihnen per­sön­lich miss­fall­en. Dass die meis­ten der Drau­flosquak­er nicht selb­st betrof­fen zu sein scheinen, bekräftigt die Ver­mu­tung, dass als sich “mod­ern” beze­ich­nen­des “Links­sein” im Wesentlichen aus Empörung im Namen ander­er Leute und somit aus deren uner­beten­er Ent­mündi­gung beste­ht.

Der Kon­sens scheint jeden­falls nicht zu sein, dass man, wenn man mit dieser Ver­laut­barung nicht ein­ver­standen ist, nicht ein­fach nicht dahin geht, wo man sich für nicht erwün­scht hält (was bei Berück­sich­ti­gung der Rosa Wiesn ohne­hin noch frag­würdig ist, eine “Het­ero-Wiesn” suche ich jeden­falls ger­ade verge­blich), und stattdessen sein eigenes Fest abhält, son­dern, dass man dem Ver­anstal­ter jet­zt erst recht drin­gend weit­er auf den Sack gehen müsse, denn dann sei man sich­er viel willkommen­er. Homo­pho­bie müsse “über­all bekämpft wer­den”, laberte Sebas­t­ian Dicke von der Bochumer Piraten­partei drau­f­los, denn “Homo­phobe” — als hätte irgendw­er “Schwuchteln müssen draußen bleiben” geschrieben — seien wie Recht­sradikale, woraus ich besorgt die Infor­ma­tion ent­nehme, dass auf dem diesjähri­gen Okto­ber­fest höchst­wahrschein­lich irgendwelche Wut­bürg­er herum­laufen wer­den, die nur da sind, um sich mal so richtig über Wild­fremde aufzure­gen, und den Unter­schied zwis­chen dem Anzün­den von Asy­lanten­heimen und Naserümpfen beim Anblick eines gle­ichgeschlechtlichen Pärchens für nicht vorhan­den hal­ten. Okto­ber­fest ist wie Hitler, erst trinkt man zu viel und hin­ter­her ist man auf der Auto­bahn.

Nun also wird München sich ein paar Tage lang an wun­der­schö­nen Bildern von feier­freudi­gen Men­schen ergötzen dür­fen, ob es will oder nicht, und andere Städte — kaum eine größere Stadt lässt die Gele­gen­heit für ein paar bay­erische Tage ungenutzt — ziehen ihm gle­ich, denn Tra­di­tion ist nicht nur wichtig, son­dern macht auch reich: “Nach Berech­nun­gen des Ver­anstal­ters (…) betrug der Wirtschaftswert des Okto­ber­fests 2014 gut eine Mil­liarde Euro” (muenchen.de); Geld, das, dies sei als Bemerkung ges­tat­tet, stattdessen auch für Wichtigeres (Schulen, Renten, Musik) aus­gegeben wer­den kön­nte. Allein: Feiern­des Volk ist fröh­lich­es Volk und fröh­lich­es Volk mag keine Verän­derun­gen. Wäre ich bay­erisch­er Poli­tik­er, ich feixte tage­lang.

Jede Aufwe­ichung führt zu Ver­harm­lo­sung. Ver­harm­lo­sung führt zu mehr Kon­sum. Und mehr Kon­sum führt zu mehr dro­genbe­d­ingten Gesund­heitss­chä­den.
Mar­lene Mortler, lei­der über Cannabis

In den Nachrichten
Bemerkung im Zusammenhang mit Journalismus

Auf “SPIEGEL ONLINE”, SRF.ch, “20 Minuten”, in der “Kleinen Zeitung” und anderen Qual­itätsme­di­en wur­den heute Bemerkun­gen im Zusam­men­hang mit Ter­ror­is­mus in Paris gemacht:

Ein Mann hat mit einem Mess­er einen patrouil­lieren­den Sol­dat­en in Paris ange­grif­f­en. (…) Der Mann soll Bemerkun­gen im Zusam­men­hang mit Allah gemacht haben.

Beziehungsweise:

Aus Ermit­tlerkreisen hiess es, der Angreifer habe etwas im Zusam­men­hang mit «Allah» gesagt.

Beziehungsweise:

Der Mann soll etwas im Zusam­men­hang mit “Allah” gesagt haben.

Hof­fentlich wird der Richter Bemerkun­gen im Zusam­men­hang mit ein­er Strafe machen.

In den NachrichtenWirtschaftMir wird geschlecht
Medienkritik in Kürze: Forscher finden zweierlei Maß.

Wofür brauchen wir eigentlich Volk­swirte? Na, damit sie Erstaunlich­es her­aus­find­en kön­nen:

Wie Volk­swirt Thomas Stro­bel von der ital­ienis­chen Bank Uni­cred­it ermit­telt hat, steigen die Preise auf dem Okto­ber­fest beispiel­sweise in diesem Jahr um 3,1 Prozent — und liegen damit deut­lich über der Entwick­lung der son­sti­gen Ver­braucher­preise. (…) Die Maß Bier auf der Wiesn kostet inzwis­chen bis zu 10,95 Euro und damit im Schnitt 25 Cent mehr als vor einem Jahr.

Wie, außer­halb des Okto­ber­fests kostet ein Dreiviertel­liter Bier gar nicht so viel? Man über­re­iche dem studierten Her­rn einen hoch dotierten (wg. Bank) Preis!


Ver­messen auch: Auf “taz.de” find­et “AutorIn” (muss man wohl nicht so genau wis­sen) Tanya Falenczyk es sichtlich unschön, wenn eine Partei auf Plakat­en darauf hin­weist, dass auch Väter vor dem Gesetz gle­ich seien, was offen­sichtlich automa­tisch dem Fem­i­nis­mus zuwider­läuft (im Artikel grob als “Antifem­i­nis­mus” zusam­menge­fasst); was wiederum über den Fem­i­nis­mus ekel­haft vieles aus­sagt.