Irgendwas an diesem Bild amüsiert mich.
Ich bin mir noch nicht ganz sicher, was.
(Vorbemerkung: Oh, ein heißes Eisen. Gleich mal anfassen!)
Auf „SPIEGEL ONLINE“ trompetete gestern Uffa Jensen vom Zentrum für Antisemitismusforschung an der TU Berlin zwecks Interviews anlässlich muslimischer Beschwerden über die Ernennung Jerusalems zur israelischen Hauptstadt unter anderem folgende Anmerkungen über das Antisemitismusproblem, das hierzulande ja eigentlich kein besonders großes mehr sei, heraus:
Wir haben in Deutschland bereits ein sinnvolles Gesetzeswerk, wie etwa das Verbot der Holocaustleugnung und andere Paragraphen, um uns gegen Feinde der Demokratie zu schützen.
Darüber, ob es aus demokratischer Sicht sinnvoll ist und irgendeinen größeren Schaden in der Zukunft verhindern kann, das Lügen über Polithistorisches gesetzlich zu ahnden, wird voraussichtlich noch zu diskutieren sein. Dass der Holocaust nicht das Gegenteil, sondern ein zulässiges Extrem der Demokratie (wenn schon nicht der Menschenrechte) war, darf hingegen nicht übersehen werden: Ist eine Masse von Menschen erst einmal erhitzt genug für menschlich unfeine Entwicklungen, dann wird die Demokratie ihnen kein Keil, sondern der Motor sein. Demokratie funktioniert nur wie ursprünglich gewünscht, wenn es der legislativen Mehrheit nicht an der Bildung für kluge Entscheidungen fehlt. Placebodemokratisch legitimiert ist jedenfalls auch das andauernde zahlreiche Ertrinken im Mittelmeer. Die größten Feinde einer funktionierenden Demokratie sind meist jene, die behaupten, ein Parlament aus aufstrebenden Mittelsmännern sei demokratisch gewünscht.
Dass die plötzliche Existenz des Staates Israel ausgerechnet auf dem sehr unjüdischen Gebiet Palästinas seit seiner Gründung im Jahr 1948 die demokratischen Rechte der damals deutlichen muslimischen Mehrheit, die ihr Überleben durch fortwährende Angriffe einer von Dritten installierten Minderheit zu Recht gefährdet sieht (das nennt man dann „Nahostkonflikt“, als wäre der Zweite Weltkrieg auch bloß ein „Europakonflikt“ gewesen), verletzt, wird auf „SPIEGEL ONLINE“ natürlich nicht thematisiert. Macht man nicht als deutschsprachiges Leitmedium, wäre ja rechts. Ein von der fortwährenden Zerfetzung seines Nachwuchses durch israelische Abwehr befreites Palästina passt nicht zur westlichen Diskussionskultur.
Die Kurve zur Relativierung muslimischer Israelfeindlichkeit bekommt Uffa Jensen aber schnell; darauf angesprochen, dass sich in Deutschland lebende Juden vor allem vor dieser fürchteten, weiß er zu antworten:
Zumal die Bedrohung für Juden in Deutschland vor islamistischen Terrorangriffen real ist. Fakt ist aber auch, dass in Deutschland die überwiegende Mehrzahl der antisemitisch motivierten Straftaten von Rechtsextremen verübt wird.
Der Fachmann von der TU Berlin erkennt hier messerscharf, dass Islamisten und Rechtsextreme zwei vollkommen unterschiedliche Gruppen von Menschen sind; was natürlich Blödsinn ist, denn Extremismus ist kein von deutscher Kultur bedingtes Phänomen, sondern ein menschliches. Der Ku-Klux-Klan stammt ja auch nicht aus Gelsenkirchen.
Man möge, nachdem das klargestellt ist, nur nicht zwecks Abgrenzung auf die Idee kommen, zwischen Antisemitismus und Antizionismus zu unterscheiden, indem man irgendwelche Wörter erfinde, denn das durchschaut Uffa Jensen sofort:
„Israelkritik“ als Wort selbst ist einmalig. Es gibt keinen entsprechenden Begriff für ein anderes Land. Niemand spricht doch zum Beispiel von „Spanienkritik“.
Nun ist Uffa Jensen natürlich nicht immer in der Nähe eines recherchetauglichen Geräts und kann daher nicht wissen, dass sowohl „Deutschlandkritik“ ein medial verwendetes Wort ist, das in letzter Zeit gern im Zusammenhang mit dem ungeliebtesten US-amerikanischen Präsidenten seit George W. Bush genannt wird, als auch das Wort „USA-Kritik“ nicht nur existiert, sondern bei einer großen deutschen Suchmaschine gar als ein anderes Wort für Antiamerikanismus aufgeführt ist – der, um den Kreis zu schließen, laut verschiedenen Quellen angeblich oft gemeinsam mit Antisemitismus auftritt, woraus ungeübte Leser vielleicht einen Umkehrschluss ziehen möchten, sofern ihnen denn danach zumute ist. Wie israelische Antisemiten in den Plan passen, erläutern Uffa Jensen und „SPIEGEL ONLINE“ an dieser Stelle nicht.
Der „Nahostkonflikt“ jedenfalls ist ein wirtschaftliches Problem, keinesfalls ein kulturelles und auch nur ein geringfügig politisches, wenngleich er von einer rein politischen Entscheidung überhaupt erst ausgelöst wurde. Die Verzweiflung über diese Kurzsichtigkeit spült schließlich das Gewäsch von Uffa Jensen direkt in den Nachrichtenleser; so weit ist es schon. Worum es überhaupt geht? Um Solidarität mit hässlicher Gesellschaft hier oder mit traditionell Aufgescheuchten dort? Quatsch: Um Reflektion natürlich. Anderen Ländern den Frieden einzuprügeln (oder einzuubooten) hat noch keinen Staat zum Lichtbringer gemacht. Der Schuldige ist meinerseits ausgemacht: Die Überkompensation eher nicht so guter gesellschaftspolitischer Entwicklungen in den 1930ern und 1940ern durch eine internationale Wertegemeinschaft wird allmählich teuer.
Was würde Kishon tun?
Dass die ungeschriebene Regel, Twitter sei kein Chat, von Nachzüglern, die zu faul für Blogs sind, grundsätzlich gern ignoriert wird, war bisher zu verschmerzen, denn man konnte in den meisten Twitterclients einfach das Wort „Thread“ stummschalten und schon war Ruhe. Das geht jetzt nicht mehr so einfach:
Längere Nachrichten, Gedanken und Argumentationen können bei Twitter jetzt in Einzeltweets aneinandergekoppelt werden: Das Threads-Feature verbindet Tweets und stellt diese in chronologischer Reihenfolge dar.
Schade, dass Twitter noch kein FarmVille hat.
Die Wartezeit bis zur kommenden Akte-X-Episode ist zu lang? Künstliche Intelligenz hilft:
Mulder enters followed by a cop. The cop looks at Scully. The cop is Scully. Scully, wearing a potato, knocks Mulder slightly on the bottom.
Falls Außerirdische nicht das bevorzugte Sujet sind: Es gibt auch ein automatisch geschriebenes Kapitel von Harry Potter.
Emojis, klärt uns das Team von Threema auf, seien gar keine unnötige Erfindung, denn sie können Emotionen nicht bloß abbilden:
Unter Android und iOS werden dieselben Emojis dargestellt. So können Sie sicher sein, dass Ihre Emojis beim Empfänger in unveränderter Form dargestellt werden und die gewünschte Emotion auslösen.
Zu meiner Zeit haben wir ja auch zum Auslösen von Emotionen noch Text benutzt, aber Schreiben ist oft mit Arbeit verbunden und Arbeit ist was für uncoole Leute.
Wann und warum kam es eigentlich in Mode, in „mobilen“ Angeboten wie diesem aus einem nicht mal besonders langen Text ohne einen vernünftigen Anlass eine HTML gewordene Benutzerzerfahrung zu machen, indem man mitten in einem Absatz ein Knöpfchen mit der Aufschrift „jetzt weiterlesen“ einfügt, das nichts anderes macht als den bereits geladenen Text aufzuklappen?
Wenn ich die „politische“ Forderung höre, es sollten ungeachtet der ungezählten arbeitslosen Programmierer noch mehr Menschen unbedingt programmieren lernen, dann habe ich immer genau solche Websites vor Augen.
Webdesigner. Auch so ein „Beruf“.
Es ist Montag. Überraschenderweise fällt im Dezember Schnee; damit hat niemand gerechnet, auch die Deutsche Bahn zeigte sich überrascht, indem sie erst mal ein paar Züge anhielt. Auf ungewöhnlich normales Wetter vorbereitet zu sein ist im temperaturbezogen wankelmütigen Deutschland eine völlig überzogene Erwartung. Ein gepolsterter Po würde vieles erleichtern, aber man ist nun mal als Mensch geboren. Das ist nicht immer schön.
Man hat ja auch nur völlig absurde Vorbilder zur Verfügung: Ein „Influencer“ musste vor kurzem von der Feuerwehr gerettet werden, weil er zugunsten von irgendwelchen Werbeeinnahmen seinen Kopf in ein zementgefülltes Mikrowellengerät gesteckt hatte und sich nicht mehr befreien konnte. Zu meiner Zeit haben Vorbilder wenigstens noch Drogen genommen und hatten deswegen eine erträgliche Ausrede für etwaigen Schwachsinn, aber Drogen nimmt man ja heute auch nicht mehr, weil die eigene Gesundheit von falschen Idealen gelenkt wird.
Die Ersatzdrogen sind natürlich keine besseren, was den Killcount, wie wir zu meiner Zeit sagten, betrifft: Erst neulich hat der Feminismus wieder umgebracht, indem eine junge Frau, die selbst über ihre Sexualität bestimmen wollte, für dieses Vergehen in den Tod getrieben wurde. Soziale Gerechtigkeit bedeutet eben auch, dass jemand, der sein Geld mit Bumsen verdient, diese Arbeit gefälligst jedem Menschen unabhängig von seiner sexuellen Orientierung zugutekommen zu lassen hat, sonst Nazi. Ist das „links“ oder kann das aus anderen Gründen weg?
Ein CDU-Vertreter findet, die SPD solle weniger Forderungen stellen, wenn sie mitregieren wolle. Possenspieler am närrischen Hofe zu sein will wohl verdient werden.
Was stattdessen viel mehr gespielt werden sollte: Musik.
Guten Morgen.
Kulturelle Bereicherung des Tages:
Am Wochenende hatte es in mehreren europäischen Städten, unter anderem in Paris, Wien und Berlin, Proteste gegen die Entscheidung von US-Präsident Donald Trump gegeben, Jerusalem als Israels Hauptstadt anzuerkennen. Bei den Demonstrationen wurden Israelfahnen verbrannt und antisemitische Parolen skandiert. In Berlin und Wien sollen pro-palästinensische Demonstranten »Kindermörder Israel« und »Tod Israel« gerufen haben.
Ganz unabhängig von der leidigen Diskussion darüber, ob der paranoide Verbrecherstaat Israel nun vom Westen für gut oder eher nicht so gut gehalten werden sollte: Das Verbrennen zweier Fahnen in Berlin scheint für größeren Wirbel zu sorgen als das Morden von Zivilisten im Gazastreifen. Aber keine Sorge, der Schuldige ist gefunden: Nicht etwa radikale Muslime schüren den aufbrandenden Antisemitismus, sondern Donald Trump.
Bloß nicht reflektieren, es könnte ja zu etwas führen.
Es besteht kein Anlass, sich von den jüngsten Schreckensmeldungen, der Straßenpreis für ein Stück Bitcoin könnte möglicherweise bald wieder weniger mondige Preise erreichen, davon abhalten zu lassen, sein Erspartes in solche Stücke zu stecken. Es ist ja auch nicht verboten, sein Geld in großen Scheinen vom Bankkonto abzuheben und anschließend anzuzünden.
Einer „Währung“, die nicht nur das Geldproblem nicht löst, sondern überdies für jede Zahlung im echten Leben aufgrund immer weiter steigender Transaktionsdauer ganz unabhängig von der Akzeptanz dieser Währung beim Wurstpeter völlig untauglich ist, hilft jedwelches neue Paradigma – hier Jedihandgeste einfügen – auch nicht mehr weiter. Das Geldsystem verändern zu wollen, indem man sich ihm andient, genügt euch schon als Revolution? Springt!
So viel Geld lässt sich, weiß Gott, nicht mit etwas Gutem verdienen.
Friedrich von Schiller: Kabale und Liebe
Dass Websites, die teils altbekannte, teils neue, dafür aber quietschblöde „Inhalte“ mit möglichst vielen Werbelinks versehen und unter reißerischen Titeln anpreisen, in einer vernünftigen Gesellschaft mitsamt ihren Erschaffern geächtet würden, ist eine Wahrheit, die mit der momentanen Realität jedoch kollidiert statt kollaboriert. Weil die meisten imbezilen Knallfrösche, die die aberdutzendste Auflistung von Katzenvideos, Schauspielertratsch und/oder Pflegeprodukten für eine wertvolle Ergänzung des Webs halten, wahlweise zu doof oder zu gierig sind, sich eine eigene Präsenz aufzubauen, hängen sie sich wie Saugwürmer an einen einladenden Wirt. Der einladendste Wirt von allen ist 2017 die vom Unternehmen Facebook bereitgestellte „Plattform“ gleichen Namens, die bekanntermaßen allein damit einigermaßen viel Geld einbringt, dass ihre Nutzer keine Medienkompetenz mitbringen und darum so etwas wie eine „Website“ gar nicht mehr kennen wollen.
Einen ganz besonders speziellen Fall von doof und gierig präsentierte dieser Tage das dadaistisch nützliche Blog „OMR“, für das Torben Lux unter der Huffington-Post-würdigen Überschrift „Dieser 26-Jährige Affiliate baut seit zehn Jahren Facebook-Pages – das sind seine Learnings“ (im Original natürlich in Großbuchstaben) einen Schulabbrecher dafür bewundert, dass dieser in Ermangelung vernünftiger Bildung lieber für zu viel Geld Reklame auf Facebook macht; denn wer braucht schon Zukunft oder wenigstens einen Rest Anstand, wenn er auch Spammer werden kann?
Der Artikel beginnt vorgeblich sachlich:
Eigentlich will Markus David König aus Schörfling am Attersee in Oberösterreich sein Abitur machen. Weil erste gemeinsam mit einem Freund gestartete Blog- und Facebook-Projekte aber so gut laufen, bricht er es 2010 ab. Seitdem fokussiert er sich komplett auf den Aufbau und die Monetarisierung von Facebook-Seiten.
Obwohl es angemessen erscheint, Markus David König für dieses, wie man auf Neudeutsch sagt, mindset auf allerniedrigstem Niveau auszulachen, wird er stattdessen zum Gespräch gebeten. Das Konzept von „OMR“, das anderswo Wörter wie „Präse“ verwendet, um SEO-Esoterik zu empfehlen, und auf dem schon wieder Torben Lux seiner Enttäuschung darüber, dass ein groteskes YouTube- und Instagram-„Model“ nicht mal für viel Geld seine Brüste rausholt, in zu vielen Absätzen zu viel Ausdruck geben darf, scheint es im Allgemeinen nicht zu sein, lästige Mitmenschen als solche erkennbar zu machen, vielmehr scheint das Gegenteil der Fall zu sein.
Besagter Markus David König hat dem Artikel zufolge schon früh nichts verstanden:
„Mit einem Kollegen habe ich während der Schulzeit angefangen, Webseiten mit Googles Dienst Blogger aufzusetzen. Damals waren wir 15 oder 16 Jahre alt“, erinnert sich Markus David König im Gespräch mit OMR.
Webseiten „aufzusetzen“ (wie Mützen oder zum Beispiel heißes Wasser) bedeutete, als ich 15 oder 16 Jahre alt war, ja noch nicht, sich irgendwas bei Googlediensten zusammenzuklicken, aber wer nichts mitteilen, sondern nur etwas verkaufen will, dem ist Qualität eben auch ziemlich egal (vgl. „SPIEGEL ONLINE“). Da jenes Alter beim Objekt der Betrachtung zeitlich mit dem Aufstieg Facebooks zusammenfiel, haben wir hier immerhin einen interessanten Fall von der Gnade irgendeiner Geburt vorliegen:
Schon damals habe es Firmen und Agenturen gegeben, die größere Fanseiten schlicht nach Reichweite aufgekauft haben. Auch König schlägt zu und übernimmt eine kleine Page für 600 Euro. „Als ich die dann mit 19 Jahren für 20.000 Euro weiterverkaufen konnte, wusste ich, dass ich diesen Weg weiterverfolgen muss. Das hat mich nachträglich auch noch einmal in der Entscheidung bestätigt, das Abitur abzubrechen.“
Hätte es das nicht, dann wäre das bestimmt sehr betrüblich geworden, aber wer braucht schon Bildung, wenn er Geld haben und sich dafür von einer Website, deren Grammatik auch nicht die beste ist („OMR Updates direkt an Dich“, sic!), als Vorzeigespammer darstellen lassen kann? Klar: Als Spammer würde er sich ungern bezeichnen lassen, denn immerhin ist er ein seriöser („Die (…) größte Seite im Portfolio von Markus David König ist „Atemberaubende Tattoo Ideen“. Es folgen (…) „DAS WILL ICH HABEN“ (25.300 Fans) und „Hunde-Wau“ (10.300 Fans).“, T. Lux über M. D. König) Geschäftsmann, der sein Handwerk fast so gut beherrscht wie seine Muttersprache („Super Weihnachts Geschenkideen“, zitiert aus: „DAS WILL ICH HABEN“) und mit Spam selbstverständlich nichts zu tun haben will:
Wenig später reinvestiert König einen Teil seines Gewinns und kauft eine Facebook-Seite mit rund 900.000 Fans, die aber offenbar vor allem aus indischen Fake-Profilen besteht. Er erklärt: „Wir haben sehr viel ausprobiert und wollten auch solche recht eindeutigen Spam-Seiten testen. (…)“
Das Geld, das er mit fremden Inhalten („Wir bekommen wirklich sehr viel Material geschickt, das wir natürlich sehr gerne nutzen.“) verdient, ist meist kein gesetzliches Zahlungsmittel, sondern besteht derzeit überwiegend aus Amazon-Gutscheinen. Es ist Markus David König zu wünschen, dass Supermarkt und Vermieter Amazon-Gutscheine als Zahlungsmittel akzeptieren, sonst ist sein Erfolg, mittelfristig gesehen, gar kein ausreichender. Dass er die Amazongutscheine im Wesentlichen dafür erhält, dass er diverse „Seiten“ – darunter auch „recht eindeutige Spam-Seiten“ – auf Facebook mit „Produktempfehlungen“ vollklebt, macht ihn noch nicht zu einem Reklameheini, denn dafür müsste er, wie er sagt, erst sein Portfolio um Videoreklame erweitern:
„Klar gibt es Produkte in Videos, die perfekt zu Themen wie Tattoos oder Inneneinrichtung passen. Trotzdem ist es immer ein schmaler Grat und wirkt schnell wie Spam.“
Während jemand, der mit „Clickbait-Seiten“ („OMR“), auf denen auch mal öder „IKEA“-Krempel, wie im Artikel zu sehen, mit „Wow, schaut mal was für tolle Einrichtungsideen es hier gibt!“ beworben wird, natürlich nicht wie ein lästiger Spammer, sondern wie ein wertvolles Mitglied der Gesellschaft wirkt, zu dem es aufzuschauen gilt, denn er lebt unser aller Traum: Mit möglichst wenig Bildung möglichst viel „Geld“ von möglichst einfältigen Menschen („Facebook-Fans“ von „Hunde-Wau“ et al.) zu bekommen.
Unter dem Artikel sind derzeit die ersten Kommentare von konkurrierenden Spammern seriösen Geschäftsleuten zu lesen, die behaupten, der artikelweise Gepriesene habe „Videos geklaut“. Hoffentlich lassen sie sich in Gutscheinen bezahlen.
Im Juli dieses Jahres – kurz, bevor im Hamburger Schanzenviertel unzählige Fahrzeuge und Geschäfte am kapitalistischen System Unschuldiger, deren Existenz dadurch mitunter gefährdet wurde, von ein paar ungewaschenen, saudoofen Taugenichtsen in Brand gesetzt wurden – polterte ein Depp auf der offiziellen und damit den Spiegel der Parteimeinung darstellenden Website der Piratenpartei Deutschland:
Die Polizei sucht die Auseinandersetzung, hebelt Grundrechte aus und eskaliert.
Noch am Tag darauf faselte der damalige Bundesvorsitzende und Klassenkasper Patrick Schiffer an gleicher Stelle:
Der G20-Gipfel wird von eskalierender Polizeigewalt und Einschränkungen in Presse- und Versammlungsfreiheit überschattet.
Das Eigentum Einzelner, dies lässt sich daraus folgern, spielte in der Außendarstellung keine Rolle für diese ehemals friedliebende Partei, denn im Kampf gegen Polizeigewalt (ob nun in Blogbeiträgen oder indem man in Hamburg Seife klaut) müssen Opfer nun einmal gebracht werden.
Heute wurden in Deutschland endlich diverse Wohnungen durchsucht, unter ihnen nicht nur solche von staatlich geförderten bekennenden Mitgliedern des damaligen „schwarzen Blocks“, sondern auch mindestens eine, in der ein Kommunalpolitiker der Piratenpartei Göttingen nebst Familie wohnt. Auf der Parteiwebsite heißt es hierzu aus Vorstandskreisen:
Die Polizei scheint im Zusammenhang mit der Thematik des vergangenen G20-Gipfels auf unglaubliche Weise ihre Grenzen auszutesten.
Der Durchsuchte gibt zur Sache selbst zu Protokoll:
Sie haben alles mitgenommen, meinen Bürorechner und den meiner Tochter. Die Firma ist nun handlungsunfähig. (…) Die Polizei hat unseren Betrieb und ebenso meine politische Arbeit in die Knie gezwungen – ohne Rechtsgrundlage.
Wären es stattdessen Spinner mit schwarzen Kapuzen gewesen, wäre die Rechtsgrundlage der Kampf gegen das Kapital gewesen, nehme ich an.
Na, auch Linux statt Windows zu Hause?
Dann patcht mal schön einen „Fix“ von 2016!
Die vorzeigefeministische „Partei“ der „Grünen“ hatte, weiß „Statista“, mit dem letzten Jahreswechsel einen Frauenanteil von etwa 39 Prozent. Daraus könnte man folgern, dass Frauen auf Politik selbst (oder auch: gerade) dort, wo man sie für die herausragende Leistung, manchmal Brüste anstatt eines Penisses zu tragen, bereits für eine moralisch willkommenere Gruppe hält, weniger Bock haben als andere Menschen; wie eben auch in Kindergärten, Reinigungen oder Pflegeheimen der Anteil an Männern geringer ist, weil diese sich eben auch lieber für Dinge mit weniger sozialem Tralala bezahlen lassen. Mit Frauen in der Politik haben wir zuletzt auch mal durch den Sozialabbau einer Andrea Nahles, mal durch unbedachtes Getröte einer Beatrix von Storch eher überschaubar gute Erfahrungen gemacht. Man könnte fast meinen, das richtige Geschlecht allein mache noch keinen guten Politiker.
Nichtsdestotrotz wird berichtet, dass sowohl Peter Altmaier als auch die bayrische SPD eine übereinstimmende Lösung für das dringende Problem, dass man momentan wenigstens noch durch Scheinkompetenz überzeugen muss, um irgendwo hingewählt zu werden, gefunden haben. Bei „T‑Online“ ist etwa zu lesen:
Die SPD will den Anteil von Frauen im bayerischen Landtag auf 50 Prozent anheben. Aktuell sind im Parlament nur 29 Prozent der Abgeordneten Frauen. Angesichts ihres Bevölkerungsanteils sind sie damit deutlich unterrepräsentiert.
Wie die SPD die bayrischen Wähler dazu zwingen will, Politiker ihres Geschlechts wegen zu wählen, steht leider nicht dran, aber spannend ist diese Begründung schon: Sollte, wenn es gilt, jeden potenziellen Wähler anteilig zu repräsentieren, es der bayrischen SPD (und Peter Altmaier) nicht zunächst einmal daran gelegen sein, sich für die Abschaffung der Sperrklausel einzusetzen, damit auch Minderheiten angemessen an der politischen Gestaltung ihres Alltags mitwirken können? Und: Warum sollte ausgerechnet das Geschlecht eine wichtigere Rolle spielen als zum Beispiel eine Behinderung? Etwa zehn Prozent der hiesigen Bürger sind schwerbehindert – könnte man nicht damit anfangen: Ein Zehntel der Parlamentarier muss schwerbehindert sein?
Wenn aber die Auswahlkriterien schon dermaßen selektiv getroffen werden, dass ein Zusammenhang mit wirklichen Problemen des Lebens weniger Rolle spielt als das, was zwischen den Beinen hängt oder eben auch nicht hängt, habe ich noch einen vergleichbaren Vorschlag: Statistisch gesehen heißen derzeit die meisten Menschen Jan oder Anna. Wäre es dann nicht nur fair, man führte eine Jan-und-Anna-Quote ein?
Wie – ein Name allein garantiert noch keine Befähigung zu kluger Politik? Das hatte ich jetzt nicht bedacht. Das liegt bestimmt an meinem Geschlecht.
Es ist Montag. Die Jugend ist pervers und lieblos geworden, aber das wussten schon unsere Großeltern und haben trotzdem immer wieder neue Jugend gemacht. Ein Gutes hat die Kawaiisierung der künftigen Flaschensammler allerdings: Im kommenden Jahr kommen wieder Pandabären in die Kinos. Pandabären sind klasse.
Nicht ganz so klasse ist wie gewohnt die Politik. Am vergangenen Wochenende etwa hielt die AfD ihren Bundesparteitag in der langweiligsten Stadt Deutschlands ab. Zur Auflockerung wurden die Delegierten von irgendwelchen Knalltüten, die nie im Leben auf die Idee kämen, zwecks Verbesserung der Gesellschaft stattdessen die rechtspopulistische SPD zu bestreiken, angeblich körperlich angegriffen, während auf „SPIEGEL ONLINE“ der offensichtlich völlig schamlose Severin Weiland postulierte, zu den Anträgen vom sonstwie gefährlichen „rechten Flügel“ (ebd.) der AfD zähle auch einer, der die Genitalverstümmelung von Jungen ablehnt, denn das richte sich ganz klar gegen jüdische und muslimische Jungen. Es ist nicht leicht, die AfD angemessen blöd zu finden, wenn ihre Gegner einander noch immer zu unterbieten vermögen.
Schauen wir zwecks Entspannung mal in die Techniknachrichten: Bitcoinbörsen sind, für kaum jemanden überraschend, mitunter betrügerisch. Dass Venezuela nun eine eigene „Kryptowährung“ bekommen soll, passt bislang ganz gut in mein Bild von diesem Kryptokram. Aber der Fortschritt ist nicht aufzuhalten: Demnächst gibt es ein Blockchaintelefon. Anrufe werden dort bei regelmäßiger Nutzung etwa eine Stunde später eingehen als bisher.
Eminem ist traurig, Eminem will auf den Arm: Donald Trump höre ihm gar nicht zu, klagt er. Rap ist allerdings vielleicht auch nicht Donald Trumps bevorzugter Singstil – wer kann es ihm verübeln? Der musikalisch und politisch etwas andere Altrocker – sagt man das noch: „Altrocker“? – Neil Young hat währenddessen, von der Öffentlichkeit trotz andersartiger musikalischer Vorlieben (siehe auch: Hitparaden) für ganz gut befunden, hinter leider zu viel JavaScript sein Gesamtwerk ins Web gekippt. Da hat man als Sammler was zu tun.
Aber es ist Montag, montags wird nicht gesammelt, montags wird gejagt, nämlich Kaffee zum Einen, Zerstreuung zum Anderen. Es empfiehlt sich, hierfür zu guter Musik zu greifen. Dies ist mein Vorschlag:
Guten Morgen.
Das befürchtete Dönerverbot – von der „WELT“ anderswo als Niedergang ausgerechnet deutscher Esskultur schwarzgemalt – sollte niemanden schrecken, die Craft-Beer-Szene weiß Rat:

Prost Mahlzeit.
Das Innenministerium warnt: Einbruchsschutz erschwert die Arbeit der Polizei.
Jetzt ist mir doch glatt ein wenig Kotze hochgekommen.
Bis zum nächsten Chaos Communication Congress ist es nicht mehr weit und die geplanten Vorträge stehen soweit fest. (…) Der #34C3 ist restlos ausverkauft.
Das Prinzip von Masse statt Klasse, das veranstalterseits seit Jahren fortwährend penetranter die hackerübliche und begründet bewährte Meritokratie ersetzt, damit auch diejenigen, die nichts können außer sich blöde T‑Shirts anzuziehen und sich die Haare zu färben, in inklusiver Manier nicht dazu angehalten werden müssen, auch mal was Vernünftiges zu lernen, damit sie sich mal nützlich machen können und nicht bloß vier Tage lang in der Fummelecke („Lounge“) abhängen, ist auch 2017 noch Antrieb und mäßig gut verborgenes Erfolgsgeheimnis des ehemaligen Hackervereins. Irgendwie linke Kongresstouristen aus der Peripherie fragwürdiger Vereine machen den Laden voll und sorgen für prima Presse, da ist ein weniger einladendes Umfeld für den traditionell eher introvertierten Nerd mit massenfremden Spezialinteressen allenfalls Kollateralschaden. Wer Informatik schon mangels Themenkenntnis nur aus Soziologensicht sieht, der wird scheitern. Christian Kahle jammerte heute auf „WinFuture“, dass es „nicht gerade erfreulich“ (ebd.) sei, dass viele Frauen – als sei das das wichtigste Kriterium – trotz all der teuren Förderung immer noch gar keinen Bock auf ein Informatikstudium hätten. Ich fürchte, beim „Congress“ würde diese Wortwahl nicht einmal mehr semantisch hinterfragt.
‘#34c3: Endlich wieder Studenten-CeBIT!’ weiterlesen »