In den NachrichtenNerdkrams
Bitkom: 11 Prozent der Jugendlichen computern irgendwie.

(Vorbe­merkung: Ich empfehle vor­ab die Lek­türe mein­er Auf­fas­sung von Infor­matikun­ter­richt.)

Der viel zu gesprächige Vere­in Bitkom, laut eige­nen Angaben “der Dig­i­talver­band Deutsch­lands”, ist in der Ver­gan­gen­heit nicht ger­ade dadurch aufge­fall­en, kluge Über­legun­gen bloßem Wer­ber­duk­tus vorzuziehen (cf. Kuh­stall 4.0). Das leis­tet der Freude bei Ken­nt­nis­nahme ein­er neuen Pressemit­teilung des Ver­ban­des eini­gen Vorschub, denn man weiß schon vor dem Lesen: Ah, endlich wieder Gratis­blödsinn.

Das war auch heute wieder richtig. Heute näm­lich erschien unter der ger­adezu apoka­lyp­tis­chen Über­schrift “Nur jed­er zehnte Jugendliche kann pro­gram­mieren” eine Pressemit­teilung (“Pres­se­in­for­ma­tion”), mit der Press­esprech­er Bas­t­ian Pauly offen­sichtlich ver­sucht hat, die Wette zu gewin­nen, wer wohl unwider­sprochen den größt­möglichen Quatsch auf der Ver­bands­seite veröf­fentlichen darf. Der Dateiname der Pressemit­teilung — httpswwwhubberlinen.html, offen­sichtlich ein Bezug zu dieser zwielichti­gen Web­site — ist dabei noch ver­gle­ich­sweise harm­los, denn nach der Über­schrift wird es nicht mehr bess­er.

Der größte Teil des Texts ist eine Wer­bung für die “Ver­di­en­ste” und Ver­anstal­tun­gen des Bitkom e.V. selb­st, in deren Rah­men der Vere­in Schülern “das Coden” beib­rin­gen will; span­nend ist jedoch dieser Absatz:

Pro­gram­mierken­nt­nisse wer­den in der dig­i­tal­en Welt immer wichtiger, aber nur wenige kön­nen schon im Jugen­dal­ter selb­st coden: Ger­ade ein­mal jed­er zehnte Jugendliche (11 Prozent) kann eigene Pro­gramme schreiben oder Web­seit­en erstellen, wie eine repräsen­ta­tive Befra­gung des Dig­i­talver­bands Bitkom unter 10- bis 18-Jähri­gen ergab. „Smart­phones und Tablets gehören für viele Kinder und Jugendliche wie selb­stver­ständlich zum All­t­ag. Aber nur die wenig­sten wis­sen, wie die Geräte eigentlich funk­tion­ieren“, sagt Bitkom-Geschäft­sleit­er Chris­t­ian Kulick.

Klar: Ist die Prämisse (näm­lich: dass Pro­gram­mieren — im Bitkom­vok­ab­u­lar: “Coden” — eine immer wichtigere Fähigkeit sei, als gäbe es immer noch nicht viel zu viele Pro­gram­mier­er im Land und als sei die Auf­gabe von Com­put­ern einzig diejenige, pro­gram­miert zu wer­den) erst ein­mal falsch, ist ihre Fol­gerung eigentlich auch völ­lig egal, insofern wäre ich beina­he wil­lens, das so ste­hen zu lassen, aber eben auch nur beina­he.

Dass “ger­ade ein­mal jed­er zehnte Jugendliche” und “11 Prozent der Jugendlichen” eine unter­schiedliche Bedeu­tung haben, weil 11 Prozent eben nicht “ger­ade ein­mal”, son­dern “deut­lich mehr als” ein­er von zehn sind, sei verziehen. Math­e­matik lässt man als “Dig­i­talver­band” ver­mut­lich lieber den Com­put­er machen und der run­det manch­mal nicht so offen­sichtlich. Schw­er­er wiegt die aus­bleibende Dif­feren­zierung zwis­chen Pro­gram­mieren, Code­schreiben (“Coden”), Web­seit­en­er­stellen und Smart­phonesver­ste­hen, denn nichts davon bed­ingt einan­der. Pro­gram­mieren kann man einen Vide­o­reko­rder eben­so wie einen gewöhn­lichen Com­put­er, ohne eine einzige Zeile Code zu schreiben; Code kann man bequem irgend­wo rauskopieren oder abschreiben, ohne selb­st etwas zu pro­gram­mieren; eine Web­site kommt (geset­zt den Fall, dass man HTML wie auch zum Beispiel RTF, PDF oder Office XML, das For­mat von neueren Word-Doku­menten, nicht als Pro­gram­mier­sprache, son­dern als Beschrei­bungssprache ver­ste­ht, wessen ich mir bei Deutsch­lands nicht parteilichen Dig­i­tal­ex­perten freilich nicht sich­er sein kann) selb­stre­dend ohne Pro­gram­mieren aus; was schließlich das Ver­ständ­nis der Funk­tion­sweise von Smart­phones und Tablets mit Pro­gram­mieren zu tun hat, kann mir ver­mut­lich nicht ein­mal Bitkom-Geschäft­sleit­er Chris­t­ian Kulick sin­nvoll beant­worten.

Klar: Sind alles Com­put­er, alles ein Brei. Nach dem Feier­abend erst mal Strom in den Com­put­er coden, die Anmelde­dat­en ein­pro­gram­mieren und online ein paar virtuelle Mon­ster ins Nichts hack­en. Wird schon irgend­wie passen. Du machst doch was mit Com­put­ern, kannst du nicht…? Ist ja alles Com­put­er heute.

Hat eigentlich schon mal jemand eine solche repräsen­ta­tive Umfrage unter der Bitkom-Belegschaft durchge­führt?

PolitikIn den Nachrichten
Tortenpolitiker (3): Sahra Wagenknechts Verdienst

Sahra Wagenknecht, schrieb Max Goldt vor eini­gen Jahren, sei “der einzige regelmäßige Teil­nehmer poli­tis­ch­er Diskus­sio­nen, auf den sich das über­re­ich­lich gebrauchte Wort ‘Fasz­i­na­tion’ aus­nahm­sweise kor­rekt anwen­den ließe”. Seit­dem hat sich daran nur wenig geän­dert, nur die Unstrit­tigkeit ihrer Per­son hat im “Klein­klein” (Mar­tin Schulz in der heuti­gen “ZEIT”, allerd­ings über die SPD) der Parteiströ­mungen gelit­ten.

Mit­tler­weile näm­lich ist die “Talk­show-Ikone” (“SPIEGEL ONLINE”) als eine der weni­gen öffentlich agieren­den Linken-Poli­tik­erin­nen, denen Ver­nun­ft noch mehr bedeutet als kopflos­er Klassenkampf, zum Sinnbild des diesen erset­zen­den “Grabenkampfs” (Quelle: Inter­net) zwis­chen Partei und Frak­tion gewor­den, was zumin­d­est lustig aussieht; aber trotz aller Bemühun­gen seit­ens irgendwelch­er Kapuzen­schlümpfe, sie aus dem Amt zu back­en, bleiben ihre Geg­n­er in der Unterzahl, woraus am gestri­gen Abend schließlich eine Wieder­wahl Frau Wagenknechts als Frak­tionsvor­sitzende erwuchs.

Empört über die fehlende “Sol­i­dar­ität” (Adolf Hitler, Juni 1920, ganz ander­er Zusam­men­hang) der blö­den Mehrheit entschlossen sich anti­deutsche Kräfte aus Partei und Umfeld, ihr — der Partei — endlich mal von Nutzen zu sein und sich kün­ftig von ihr fernzuhal­ten, denn dieser Kurs, dem zufolge stures Links­sein nicht vor Ratio gehen darf, ist mit emanzi­pa­torischen Bestre­bun­gen nur schw­er in Ein­klang zu brin­gen. Vor­wärts nim­mer! Die gedankliche Eval­u­a­tion des ange­blichen Gas­trechts, das selb­st auf der desig­nierten linken Paradiesin­sel Kuba einiger­maßen scharf geregelt ist, ist deutsch und damit min­destens 0,8 Gauland wert. Wie viel das in Lind­ner ist, weiß ich nicht.

Es ist sicher­lich nur Zufall, dass diejeni­gen, die jet­zt wütend ihre anti­sozialen Medi­en vollschreiben, weil sie nicht kriegen, was sie wollen, und dabei auch einen Schaden bei den­jeni­gen Partei­gliederun­gen und parteina­hen Organ­i­sa­tio­nen, die ihre Sache zu vertreten ver­sucht­en, in Kauf nehmen (denn wenn ein “Link­er” erst ein­mal etwas kaputtmacht, dann eben ger­ade auch das eigene Zuhause; Besitz ist Dieb­stahl, wis­senschon), dem geneigten Pop­cornkon­sumenten vor dem Bild­schirm noch aus ein­er anderen Zeit bekan­nt sind, als sie noch bei der Piraten­partei völ­lig fehl am Platz waren und beim mit­tler­weile leg­endären Bun­desparteitag let­zter­er Partei in Halle, als deren “link­er” Vor­sitzen­der, in dessen näherem Umfeld sein­erzeit auch die Julia Schramm fremde Luft wegat­mete, mit­samt seinen Unter­stützern, deren Ver­such, das weniger radikale Führungsper­son­al zugun­sten ein­er unter der “Antifa”-Flagge segel­nden Partei durch eigene Funk­tionäre zu erset­zen, erfreulich nach­haltig fehlschlug, abgewählt und bald vergessen wurde, beim Ver­such scheit­erten, auf dem Flur vor dem Ver­samm­lungssaal böse guck­end eine Parteis­pal­tung in “die Guten” und “die Nazis” zu erzie­len.

Sahra Wagenknecht jeden­falls ist zu ver­danken, dass die kar­ri­eris­tis­che “Emanzi­pa­torische Linke” aber­mals krachend gescheit­ert ist; wom­it ihre Pro­tag­o­nis­ten freilich schon manche Erfahrun­gen gesam­melt haben. Das Scheit­ern selb­st ist Antrieb und Motiv der linken Sek­tier­er, wie sich in ihren poli­tis­chen Lebensläufen eben­so erken­nen lässt wie in der Tat­sache, dass ihr ständi­ges Dage­gen mit keinem mess­baren Dafür gewürzt wird. Kalt und dunkel ist das Feuer in ihnen und ver­wan­delt ihren Holzweg in Glat­teis. Ver­dammte Mehrheit immer, die sich von Beliebtheit statt von Parolen und gewor­fen­em Back­w­erk ködern lässt.

Man kön­nte fast meinen, repres­sivem Gebrüll sei poli­tisch kein Erfolg beschieden.

PolitikIn den Nachrichten
Kurz verlinkt: McCain gegen munitionsunwürdige Völker

Soll ja kein­er sagen, die US-amerikanis­chen Poli­tik­er seien auf­grund der ausufer­n­den Waf­fenge­walt nicht besorgt:

US-Sen­a­tor John McCain, der auch dem Com­mit­tee on Armed Ser­vices vorste­ht, hat eine Erk­lärung her­aus­gegeben, in der er sich darüber besorgt zeigt, dass irakische Stre­itkräfte US-amerikanis­che Waf­fen benutzen, um einen “wertvollen” Part­ner der USA anzu­greifen.

Meucheln ist ja nicht so schlimm, aber doch nur bitte nur in den wert­losen Län­dern!

(über­set­zt von mir, gefun­den via @schreibrephorm)

PolitikIn den NachrichtenMontagsmusik
The Dream Syndicate — 80 West

Oktober (Symboleule)Es ist Mon­tag. Das Aus­bleiben von Pelztieren verblüfft offen­sichtlich selb­st die Natur, verse­hentlich bekäme man wet­terbe­d­ingt beina­he Lust auf Strand und Getränke mit so einem alber­nen Schirm­chen darin, besin­nt sich aber schnell darauf, dass man Strände nur in homöopathis­ch­er Dosierung mag, denn oft sind dort rüpel­hafte Touris­ten zuge­gen. Kauz müsste man sein.

Stattdessen wurde schon wieder gewählt, und zwar gle­ich mehrfach. Ganz schön lang­weilig auf Dauer, aber zum Glück ist jet­zt erst ein­mal Ruhe. Chris­t­ian Lind­ner, der einzige zeit­genös­sis­che deutsche Poli­tik­er ohne Vollmeise, begrüßte unge­wohnt unbe­holfen das öster­re­ichis­che Wahlergeb­nis, bei dem sich aber­mals her­ausstellte, dass junge Men­schen nicht unbe­d­ingt mehr pro­gres­sive Poli­tik ins Land tra­gen; als wäre das per se wün­schenswert. Auch die Land­tagswahl in Nieder­sach­sen, bei der diejenige Partei zweit­stärk­ste Kraft wurde, die vorschlug, man solle WLAN-Access-Points auf Feuer testen, blieb ohne Befund, wie renom­mierte Experten sich reimender Namen aus­führlich erk­lärten. Die Piraten­partei — nul­lkom­mazwei Prozent — kommt der­weil vielle­icht allmäh­lich zu der Ein­sicht, dass Net­zpoli­tik vielle­icht doch irgend­wie mehr Men­schen begeis­tern kann als Geld­ver­schenken fürs Nicht­stun. Von anderen Poli­tik­ern wün­schte man sich indessen mehr Nicht­stun: Offen­sichtlich hat Deutsch­land Israel zwecks Kriegs nicht nur U‑Boote, son­dern auch noch Geld verkauft. Jaja, diese Lage da in der Gegend, die ist wirk­lich beun­ruhi­gend. Cham­pag­n­er?

Her­aus­gestellt hat sich auch, dass es offen­sichtlich eine laut­starke Teil­menge in der Pöbler­szene gibt, die es für eine grandiose Idee hält, als Aus­tra­gung­sort für Scheinge­fechte zwis­chen link­er und rechter Idi­otie aus­gerech­net die Frank­furter Buchmesse zu wählen, als wäre es nicht offen­sichtlich genug, dass sie bei­d­seit­ig kein Buch der let­zten fün­fzig Jahre mehr gele­sen haben. Der intellek­tuelle Marx­is­mus ist eine eben­solche Farce (cf. Julia Schramm) wie sein lit­er­arisch­er Kon­tra­hent, als Leit­mo­tiv in toto jeden­falls denkbar ungeeignet.

Denkbar geeignet hinge­gen zu jed­er Gele­gen­heit: Musik.

The Dream Syn­di­cate — “80 West” (Full Album Stream)

Guten Mor­gen.

Netzfundstücke
Wasser im Kopf

Müsste ich drei Dinge aufzählen, die typ­isch weib­lich sind, ich zählte ein ger­adezu man­is­ches Faible für eine eso­ter­ische Ernährung dazu. Neben der alt­bekan­nten Homöopathie, also seel­is­ch­er Reini­gung bei Krankheit­en wie Krebs oder abfal­l­en­den Glied­maßen durch Beschwörungstänze und Zuck­erzusätze, zählt dazu, wie der geneigte Leser von Frauen­zeitschriften längst weiß, auch Ayurve­da, die “indis­che Heilkun­st” (Quelle: Inter­net), die die drei Typen Vata, Pit­ta und Kapha ken­nt, für die es ins­ge­samt drei ver­schiedene Arten vor­sieht, Wass­er zu kochen; je nach Typ wer­den aus zwei Litern Wass­er zwis­chen 1 und 1,75 Liter, indem man es länger oder weniger lange kocht.

Der Sinn dahin­ter sei es, die “Zirku­la­tion­skanäle” in ihrer “Auss­chei­dung anzure­gen”; klar: wer mehr Wass­er trinkt, mit Limet­ten­saft oder nicht, muss häu­figer aufs Klo, und wer der­weil weniger isst, der nimmt dabei auch noch ab und fühlt sich wohler, weil ihm irgendw­er gesagt hat, dass Dick­sein nicht so gut ist. Mir ist wirk­lich unklar, wieso Män­ner viel häu­figer als Frauen irgendwelche Vor­stand­sposten bekom­men.

Eine etwas, haha, eingekochte Beschrei­bung dieser Wasser­be­hand­lung fand dieser Tage der Twit­ter­nutzer @waldenmonk, dessen Fund­stück sogle­ich zu einem Erfolg wurde und sog­ar in aus­ländis­chen Medi­en zitiert wurde. Nicht jedem aber war es vergön­nt, die Ent­deck­ung zu würdi­gen, denn manchen ist der Bote noch immer wichtiger als die Botschaft:

Der Typ, dessen homöopathiekri­tis­chen-Tweet über gekocht­es Wass­er ihr grade alle fleißig teilt, ist AfDler und Antifem­i­nist.

(Rechtschrei­bung wie im Orig­i­nal.)

32 Herzchen (früher, als Twit­ter noch nicht bescheuert war, “Favoriten­sterne”) hat dieser Tweet zur Stunde bekom­men, es sind also, sofern es sich nicht um Mehrfachkon­ten han­delt, min­destens 32 Per­so­n­en, darunter mehrere, die sich selb­st als der “Anar­chie”, dem “Queer­sein” und/oder dem Veg­an­is­mus nahe ste­hend beschreiben, aus­re­ichend dankbar für diese Infor­ma­tion, denn ohne sie hät­ten sie verse­hentlich beina­he noch über den Ursprungst­weet gelacht. Als sollte nur gele­sen wer­den, was in der eige­nen “Fil­terblase” vor sich geht! — Gle­ichzeit­ig wer­fen Men­schen aus ähn­lichen oder gar iden­tis­chen Dun­stkreisen US-amerikanis­chen Poli­tik­ern vor, selb­st in ein­er “Fil­terblase” zu leben, denn über­raschen­der­weise sind sie fähig, diese dort als eher schädlich zu erken­nen, wo es sie nicht selb­st bet­rifft. Mit Nazis lacht man nicht und wer ein “Nazi” ist, bes­tim­men hier immer noch wir.

Und so ähn­lich ist das bei Ayurve­da auch.

MusikkritikKaufbefehle
Kurzkritik: L’Effondras — Les Flavescences

Les FlavescencesEine dieser Bands, die sich live zu sehen übri­gens wahrschein­lich auch lohnt, ist L’Ef­fon­dras aus dem Osten Frankre­ichs, die sich selb­st lieber als Sym­bol ⊙ zu schreiben scheint (wom­it ich freilich recht falsch liegen kön­nte, denn mein Franzö­sisch ist scheiße), mit einem hier nicht weit­er erwäh­nenswerten anderen Kün­stler, der das ähn­lich machte, aber wun­der­bar wenig zu tun hat.

Das Trio spielt auch auf dem im März 2017 erschiene­nen Album “Les Flaves­cences” (Stream auf Bandcamp.com) einen ziem­lich beein­druck­enden, weil nicht wie die aber­hun­dert­ste Kopie bekan­nter Gen­re­größen klin­gen­den instru­men­tal­en Postrock, gesun­gen wird also nicht, wofür ich franzö­sis­chen Musik­ern grund­sät­zlich sehr dankbar bin, stattdessen wer­den walls of sound aufgeschichtet, die aber nicht nur blöde in der Gegend rum­ste­hen, son­dern hin­ter denen das Nachtleben tobt, mal etwas zurück­hal­tender …

L’Ef­fon­dras — X — Les Rayons De Cen­dre

…, mal geräuschvoll:

L’Ef­fon­dras — XI — Lux Furiosa

Dabei sind drei von vier Stück­en eigentlich egal, denn das abschließende “Le Ser­pen­taire” nimmt mit über 34 Minuten Dauer, von denen die let­zten zehn qua­si als Kon­trast îm Wesentlichen aus Naturg­eräuschen beste­hen, eine Menge Raum nicht weg, son­dern ein. Anderen Bands würde das für anderthalb Alben reichen, L’Ef­fon­dras ver­schwen­den aber nichts, schon gar nicht die Zeit des geneigten Hör­ers.

“Les Flaves­cences” ist bei Weit­em auch musikalisch nicht das Schlecht­este, was in diesem Jahr aus Frankre­ich kam. Empfehlung hier­mit erteilt.

In den NachrichtenComputer
Kurz angemerkt zum Iwan des Tages: Ertappt!

Es wurde viel ertappt in den let­zten Wochen, und die Zeit, in der noch unklar ist, wer der Allerertappteste von allen ist (aus Tra­di­tion: der Russe) und wer ihm helden­mutig das Handw­erk gelegt hat (hier: nicht so leicht, denn USA und Israel sind moralisch ger­ade keine beson­ders über­ra­gen­den Vor­bilder, wie sich über­raschend her­aus­gestellt hat), würde ich ein­fach mal unverbindlich empfehlen wollen, einen größeren Vor­rat an Lizen­zen von Soft­ware von Kasper­sky zu kaufen, und zwar nicht zwecks Instal­la­tion, denn “Antiviren­soft­ware” ist den Ärg­er, den sie macht, unter kein­er halb­wegs ratio­nal vertret­baren Prämisse wert, son­dern ein­fach, um den Amerikan­ern einen papier­nen Schreck­en einzu­ja­gen, denn wohl nur weniges hielte ihren Hochmut derzeit so sehr zurück wie ein Erstarken der rus­sis­chen Binnen‑, lies: EDV-Wirtschaft; weil: dem Iwan, dem elen­den, ist der Patri­ot Act mit­samt sein­er Legit­imierung staatlich­er Ein­brüche in intim­ste virtuelle Lebens­bere­iche aus ver­dammt guten Grün­den der­maßen egal, dass es eigentlich merk­würdig ist, dass über­haupt noch irgend­je­mand sich anstelle dieses zweitk­le­in­sten Übels — wobei das kle­in­ste nach wie vor “Fin­ger weg von dem Blödsinn” heißt — “Sicher­heitssoft­ware” aus anderen Län­dern andrehen lässt.

NetzfundstückeIn den Nachrichten
Dreimal kurz verlinkt: Gotteskrieger, Hollywood und Tod durch den Wetterbericht

Der Herr gibt es den Seinen im Schlaf (Psalm 127,2): US-amerikanis­che Kirche ver­lost Stur­mgewehre.


Schlim­mer, freilich, wären Filme aus Hol­ly­wood und/oder Videospiele, denn die, verkün­dete der ober­ste Waf­fen­predi­ger des­sel­ben Lan­des, seien schuld an Massen­mor­den, nicht etwa Waf­fen und ihre laut­starken Befür­worter.


Es ist ja nicht alles schlecht; was wenig­stens im Inland noch tödlich­er ist als Hol­ly­wood­filme, ist der Wet­ter­bericht.

PolitikIn den NachrichtenMontagsmusikComputer
King Gizzard & The Lizard Wizard — Rattlesnake

Was fehltEs ist Mon­tag. Kaum herb­stet es zwei Wochen, ist die Schw­er­mut schon am Siedepunkt. Bei welch­er Tem­per­atur Schw­er­mut genau siedet, möchte man da lieber auch nicht mehr her­aus­find­en; gefühlt jeden­falls: Eiskalt, ger­ade auch drin­nen. Natür­lich kann es schlim­mer kom­men und das wird es dann eben auch. Ich weiß, was zu tun ist, ich hab ein Buch gele­sen (“Sponge­Bob Schwammkopf”). Jed­er nur ein Argh.

Nachricht­en, Naaachricht­en, als wäre die Welt dann eine bessere, aber Abtauchen in etwas, was eben auch nicht bess­er ist, befre­it vielle­icht und eventuell den Geist, also mal auf “heise online” nachge­se­hen: Fire­fox kommt jet­zt mit ein­er Über­raschung in jedem siebten Ei beziehungsweise hun­dert­sten Down­load, denn wenn eins noch drin­gend rein­musste in den “Brows­er”, dann ja wohl Aktiv­ität­sauswer­tung durch deutsche Ver­lage. Mozil­la kann gar nicht noch tiefer fall­en? Ha — Her­aus­forderung angenom­men! Selb­st­bild als Mozil­la. Die meis­ten Men­schen möcht­en gar nicht ver­datet und aus­gew­ertet wer­den, fand eine Umfrage her­aus, aber wenn Umfra­gen eine Rolle spiel­ten, lebten wir nicht in einem Rechtsstaat, son­dern im Ein­horn­wun­der­land. Wen inter­essiert schon das Geschwätz des Käufer­pö­bels?

Andere sind über diesen Punkt längst hin­weg: Die hes­sis­chen “Grü­nen” sind jet­zt auch Tro­jan­er­partei. Ist die Partei erst etabliert, regiert’s sich gän­zlich unge­niert. Arschlöch­er, mit Ver­laub.

Hat all das einen Sinn? Ver­mut­lich nicht, Ent­trübung jeden­falls fand nicht statt. Was aber, der Tech­nik sei’s gedankt, noch immer über sonst­wie herb­stige Tage half: Musik.

King Giz­zard & The Lizard Wiz­ard — Rat­tlesnake (Offi­cial Video)

Guten Mor­gen.

In den NachrichtenWirtschaft
Abrüstung wäre supi, aber ein Glückwunsch ist auch schön.

“ZEIT ONLINE”, 6. Okto­ber 2017:

Bun­de­saußen­min­is­ter Sig­mar Gabriel (SPD) hat der Inter­na­tionalen Kam­pagne zur Abschaf­fung von Atom­waf­fen (Ican) zur Ausze­ich­nung mit dem Frieden­sno­bel­preis grat­uliert.

“ZEIT ONLINE”, auch 6. Okto­ber 2017:

Der größte Erfolg der Kam­pagne mit Sitz in Genf ist der UN-Ver­trag zum Ver­bot von Atom­waf­fen (…). Er ver­bi­etet Her­stel­lung, Besitz, Ein­satz und Lagerung von Atom­waf­fen. Allerd­ings hat­ten die neun Atom­mächte sowie fast alle Nato-Staat­en – darunter Deutsch­land – die Ver­hand­lun­gen boykot­tiert.

Der gute Wille zählt, nicht wahr?

In den Nachrichten
Dreckige Liebe zum Frühstück

Neues aus dem Land des Verk­la­gens wegen zu heißen Kaf­fees:

Was gehört zu einem guten Müs­li? Hafer­flock­en, Nüsse, vielle­icht Rosi­nen — aber keine Gefüh­le. (…) “Ihre Marke Nasho­ba Gra­nola führt die Zutat ‘Liebe’ ”, heißt es in einem “Warn­ing Let­ter” der FDA an das Unternehmen. Liebe sei aber “kein gewöhn­lich­er oder üblich­er Name für eine Zutat”. (…) Die FDA bemän­gelt auch “unhy­gien­is­che Umstände” bei Her­stel­lung, Ver­pack­ung und Lagerung. So hat­te eine Über­prü­fung ergeben, dass Back­for­men und Back­ofen nicht gere­inigt wor­den waren.

Die gescholtene Bäck­erei hat allerd­ings Grund, sich über die Vor­gaben zu freuen, denn so kann sicher­lich eine Sam­melk­lage wüten­der (denn in den USA ist man als Kunde laut Medi­en­bericht­en sel­ten ent­täuscht, oft hinge­gen wütend) Müs­likäufer wegen nicht nachgewiesen­er Liebe im Früh­stück abge­wandt wer­den.

Nerdkrams
Bescheuertes aus der Welt der Aluhüte: Keyboard Privacy

Wir müssen, fürchte ich, ein­mal kri­tisch über Daten­schutz sprechen.

In ein­er Diskus­sion­s­gruppe für den ganz guten Web­brows­er Vival­di stellte heute ein­er der “Sopra­nos”, wie die Betat­ester dort offiziell heißen (Oper, nicht Mafia), fol­gende Frage:

Hat noch irgend­je­mand bemerkt, dass die aktuelle Testver­sion beim Tip­pen äußerst langsam reagiert?

(Wie auch im Fol­gen­den schlecht über­set­zt von mir.)

Ange­hängt ist ein Video, in dem zu sehen ist, dass das Eingabefeld auf ein­er Web­site eingegebe­nen Text tat­säch­lich nur mit merk­lich­er Verzögerung anzeigt, was sich in “Sprün­gen” bemerk­bar macht.

Nur drei Minuten später zog der “Sopra­no” die Frage zurück:

Entschuldigt die Aufre­gung, ich glaube, ich weiß es. Sehr klug von mir, zu vergessen, dass ich Key­board Pri­va­cy instal­liert habe.

Key­board Pri­va­cy — gibt es natür­lich auch für Fire­fox — ist eine Erweiterung (Vor­sicht: Ver­weis auf google.com) für Chrome-kom­pat­i­ble Brows­er, die laut Eigenbeschrei­bung der Erstel­lung von Ver­hal­tenspro­filen vor­beugt, indem sie die Geschwindigkeit, in der eingegebene Zeichen eine Web­site erre­ichen, zufäl­lig verzögert. Dadurch soll anscheinend die zumin­d­est belegte ein­deutige Iden­ti­fizierung von Benutzern anhand ihrer Tippgeschwindigkeit erschw­ert wer­den.

Nun ist das tech­nisch gese­hen natür­lich eine frag­würdi­ge Lösung, denn, während es allzu naiv wäre, immer noch davon auszuge­hen, dass daten­schutzfeindliche Maß­nah­men dieser Art nur in unre­al­is­tis­chen Szenar­ien eine Rolle spie­len, ist der Gewinn ver­mut­lich über­schaubar, weil das Ergeb­nis offen­sichtlich erstens ungewöhn­lich anstren­gend für den Daten­schützer selb­st ist und zweit­ens das größere zweifache Prob­lem beim Daten­schutz auf Web­sites, näm­lich die Browseri­den­ti­fika­tion ein­er­seits und die Erken­nung von bes­timmten sprach­lichen Marot­ten ander­er­seits, nicht behebt, was beson­ders dann komisch ist, wenn man diese Erweiterung benutzt, um zum Beispiel in irgendwelchen zwielicht­en Web­foren nicht erkennbar zu sein. Eine ein­fachere Lösung für das Prob­lem der Tippgeschwindigkeit­serken­nung wäre das Abschal­ten von JavaScript, denn ohne aktiviertes JavaScript kön­nen Web­sites nach gegen­wär­tigem Stand der Tech­nik nicht unauf­fäl­lig das Benutzerver­hal­ten ohne Verzögerung pro­tokol­lieren. Aber ich ver­ste­he schon: JavaScript ist wichtig, weil man ohne JavaScript seine wichti­gen Weban­wen­dun­gen, die man nur nutzt, weil man zu blöde für die Bedi­enung von richtiger E‑Mail‑, Tabellen- und son­stiger Soft­ware ist, nicht mehr benutzen kann. Sicher­heit ist nicht wichtiger als Kom­fort, näm­lich! — Wie man dann auf die bescheuerte Idee kom­men kann, stattdessen das Kom­fort behin­dernde Key­board Pri­va­cy zu instal­lieren, bleibt unklar.

Wenn man aber unkom­fort­able Lösun­gen und aktiviertes JavaScript gle­ichzeit­ig haben möchte, dann möchte ich dem solch­es Annehmenden anlässlich der Iden­ti­fizier­barkeit anhand sprach­lich­er Marot­ten zusät­zlich vorschla­gen, das, was man gern schreiben möchte, vorher von Drunk Eliza oder einem sonst­wie zufäl­li­gen Tex­twür­fler ver­schleiern zu lassen oder das Inter­net — das sowieso weit über den Umfang eines Web­browsers hin­aus­ge­ht — nur noch unter angemessen­em Dro­gene­in­fluss zu bedi­enen; oder sich ein­fach nicht in jedem zwielichti­gen Por­tal, das nicht schnell genug weglaufen kann, anzumelden und dort aktiv herumzu­tip­pen. Wenn ich ein­er Web­site so sehr mis­straue, dass ich bere­it bin, meinen eige­nen Kom­fort zu opfern, nur, um mich dort sor­ge­n­arm schreibend her­vor­tun zu kön­nen, ist vielle­icht der Punkt erre­icht, an dem ich meine Beteili­gung an der dor­ti­gen Gemein­schaft im All­ge­meinen ein­mal in Frage stellen sollte; oder mich halt für einen Vorzeige­daten­schützer hal­ten, weil ich vor der Fahrt über eine Straße voller Schlaglöch­er ein­fach ein Mess­er in meinen Arm ramme, damit es ver­gle­ich­sweise weniger am Hin­tern weh tut.

Natür­lich gibt es auch im keineswegs eso­ter­ischen Feld des Daten­schutzes, in dem jede Vor­sicht geboten ist, falsche Lösun­gen. Key­board Pri­va­cy scheint eine davon zu sein.

PolitikIn den Nachrichten
Medienkritik in Kürze: Tak, tak, tak, tak, tak.

Man kann natür­lich, wie es Rieke Havertz im Qual­itäts­magazin “ZEIT ONLINE” tat, nach blu­miger Beschrei­bung des Geschehenen (“Tak, tak, tak, tak, tak.”, ebd.) die gewohnte Agen­da fort­führen, indem man darauf hin­weist, dass Don­ald Trump, Lieblingsan­tag­o­nist des Föje­tongs, als Befür­worter der Nation­al Rifle Asso­ci­a­tion nichts gegen die längst nicht mehr zu bändi­gende Waf­fenge­walt tut, statt wie sein medi­al wert­geschätzter Vorgänger beim Nichtsverbessern wenig­stens noch ein biss­chen trau­rig auszuse­hen.

Man kann, wie es im Jahr 2017 noch allzu viele Anhänger der Lehre des unsicht­baren Fre­un­des im Him­mel tun, natür­lich für die Stadt der Spiel­er und der Pros­ti­tu­tion beten, denn Gebete machen die Welt zu einem besseren Ort, wie schon der all­seits beliebte Friedens­fürst Bush d.J. wusste und die fro­he Kunde in fer­nen Län­dern ver­bre­it­ete, ob sie woll­ten oder nicht.

Man kann auch ein­fach allmäh­lich darüber nach­denken, ob es nicht vielle­icht eine gute Idee wäre, die Vere­inigten Staat­en von Ameri­ka ein­fach sich selb­st zu über­lassen und zu warten, wie lange es wohl dauern mag, bis das Recht auf Waf­fenbe­sitz das Prob­lem nach­haltig gelöst hat.

Ich für meinen Teil möchte an dieser Stelle aus­drück­lich die dritte Möglichkeit emp­fohlen haben.

In den NachrichtenMontagsmusik
Needlepoint — Aimless Mary // Asterix bei den Franzosen

Sehe ich aus, als hätte ich Brückentag?Es ist Mon­tag. Der Auf­schwung ist da, Krieg wird jet­zt mod­ern­er. Schade: Keine Wel­traum­schlacht­en. Noch schad­er: Kein Pand­abär. Ist doch Käse mit Käse oben­drauf. Vielle­icht hil­ft ein kurz­er Win­ter­schlaf.

Was Mode ist, ver­mod­ert: Die “Wash­ing­ton Post” find­et, die Mod­ein­dus­trie sollte wirk­lich mal was dage­gen unternehmen, dass poli­tisch eher rechts ste­hende Demon­stran­ten sich wie auch die hiesi­gen Knalltüten von der “PARTEI” um einen attrak­tiv­en Klei­dungsstil bemühen. Vielle­icht wird bald die Losung aus­gerufen, dass echte Demokrat­en sich kün­ftig dadurch von den Bösewicht­en abzu­gren­zen haben, dass sie sich absichtlich scheiße anziehen. Geschmack ist Nazi!

Von anderen unlieb­samen Demon­stran­ten berichtete gestern das nicht ser­iös arbei­t­ende Käse­blatt “SPIEGEL ONLINE”, dem zufolge in Kat­alonien als Strafe dafür, dass die dort leben­den Men­schen über­wiegend ungern Spanier sind, sel­bige Men­schen beim Ver­such, dieser Mei­n­ung per Wahl Aus­druck zu ver­lei­hen, von der spanis­chen Polizei “angemessen und pro­fes­sionell” (ebd.) ver­droschen wur­den. Ein Land weit­er war gestern allerd­ings eben­falls wieder Stim­mung: Ein Atten­täter verübte ein Atten­tat und der “Islamis­che Staat” teilte hin­ter­her mit, es habe sich um einen der Seinen gehan­delt, wie er das eben des Öfteren so macht. Im Jahr 1979 erschien der “Asterix”-Band “Aster­ix bei den Bel­giern”, dessen Hand­lung darin beste­ht, dass die Bel­gi­er mit den heftüblichen Gal­liern darum wet­teifern, welch­er denn der Tapferere von bei­den Stäm­men sei, indem sie Römer­lager ver­wüsten und den Ver­prügel­ten jew­eils nach erfol­gter Ver­prügelung mit­teilen, welchem der bei­den Stämme sie denn ange­hörten, damit sich das auch zuver­läs­sig herum­sprechen möge. Ich weiß auch nicht, wie ich jet­zt ger­ade auf Aster­ix komme.

Apro­pos “kom­men”: Es gibt einen neuen Hack­er­sport namens “Screw­driv­ing”, bei dem man im Wesentlichen irgendwelch­es Sexspielzeug aus rel­a­tiv­er Ferne zum Vib­ri­eren bringt. Diese Dig­i­tal­isierung ist schon drol­lig.

Musik!

Needle­point — Aim­less Mary

Guten Mor­gen.