Müsste ich drei Dinge aufzählen, die typisch weiblich sind, ich zählte ein geradezu manisches Faible für eine esoterische Ernährung dazu. Neben der altbekannten Homöopathie, also seelischer Reinigung bei Krankheiten wie Krebs oder abfallenden Gliedmaßen durch Beschwörungstänze und Zuckerzusätze, zählt dazu, wie der geneigte Leser von Frauenzeitschriften längst weiß, auch Ayurveda, die “indische Heilkunst” (Quelle: Internet), die die drei Typen Vata, Pitta und Kapha kennt, für die es insgesamt drei verschiedene Arten vorsieht, Wasser zu kochen; je nach Typ werden aus zwei Litern Wasser zwischen 1 und 1,75 Liter, indem man es länger oder weniger lange kocht.
Der Sinn dahinter sei es, die “Zirkulationskanäle” in ihrer “Ausscheidung anzuregen”; klar: wer mehr Wasser trinkt, mit Limettensaft oder nicht, muss häufiger aufs Klo, und wer derweil weniger isst, der nimmt dabei auch noch ab und fühlt sich wohler, weil ihm irgendwer gesagt hat, dass Dicksein nicht so gut ist. Mir ist wirklich unklar, wieso Männer viel häufiger als Frauen irgendwelche Vorstandsposten bekommen.
Eine etwas, haha, eingekochte Beschreibung dieser Wasserbehandlung fand dieser Tage der Twitternutzer @waldenmonk, dessen Fundstück sogleich zu einem Erfolg wurde und sogar in ausländischen Medien zitiert wurde. Nicht jedem aber war es vergönnt, die Entdeckung zu würdigen, denn manchen ist der Bote noch immer wichtiger als die Botschaft:
Der Typ, dessen homöopathiekritischen-Tweet über gekochtes Wasser ihr grade alle fleißig teilt, ist AfDler und Antifeminist.
(Rechtschreibung wie im Original.)
32 Herzchen (früher, als Twitter noch nicht bescheuert war, “Favoritensterne”) hat dieser Tweet zur Stunde bekommen, es sind also, sofern es sich nicht um Mehrfachkonten handelt, mindestens 32 Personen, darunter mehrere, die sich selbst als der “Anarchie”, dem “Queersein” und/oder dem Veganismus nahe stehend beschreiben, ausreichend dankbar für diese Information, denn ohne sie hätten sie versehentlich beinahe noch über den Ursprungstweet gelacht. Als sollte nur gelesen werden, was in der eigenen “Filterblase” vor sich geht! — Gleichzeitig werfen Menschen aus ähnlichen oder gar identischen Dunstkreisen US-amerikanischen Politikern vor, selbst in einer “Filterblase” zu leben, denn überraschenderweise sind sie fähig, diese dort als eher schädlich zu erkennen, wo es sie nicht selbst betrifft. Mit Nazis lacht man nicht und wer ein “Nazi” ist, bestimmen hier immer noch wir.
Und so ähnlich ist das bei Ayurveda auch.
