In den NachrichtenMontagsmusik
Kettlespider — Evolution

Ein Eulchen sitzt im Händchen, ganz still und stummEs ist Mon­tag, aber das zählt wahrschein­lich nur, wenn man nicht frei hat. Ist das Leben so blass oder wird es nur Win­ter? Bald ist Wei­h­nacht­en, man kann nicht früh genug die Nase voll davon haben. Zwei Tage nach dem Voll­mond ist man immer noch ganz mitgenom­men, aber vielle­icht ist man auch immer so. Man weiß genau, was fehlt.

Apro­pos Blässe: Es scheint ins­beson­dere in den USA eine Art homöopathis­che Glaubens­ge­mein­schaft zu geben, die Kindern Chlor­ble­iche gegen Krankheit­en verabre­icht. Dabei ist das gar nicht so lächer­lich, wie es klingt: Nach ein paar Litern Chlor­ble­iche sind irgendwelche Krankheit­en voraus­sichtlich das ger­ing­ste Prob­lem der Delin­quenten. Wer seine Kinder wirk­sam schützen will, der über­lässt sie dem Satanis­chen Tem­pel.

Hierzu­lande sind die Sor­gen um den Nach­wuchs geringer, so lange er nicht ger­ade Killer­spiele spielt. Es soll nur nie­mand annehmen, das Gewese um Killer­spiele sei über­zo­gen: Wie sich her­ausstellte, gehörte zu den Killer­spiel­ern auch Osama bin Laden. — Neben Counter-Strike befan­den sich in sein­er Spiele­samm­lung unter anderem auch Super Mario Bros. und Drag­on Ball Z. Wahrschein­lich hat er heim­lich geübt, wie man auf Schild­kröten springt.

Zu nie­man­des Über­raschung wurde kür­zlich eine Aktu­al­isierung des Tor-Browsers veröf­fentlicht, die nur für Lin­ux und macOS existiert, weil die Win­dows-Ver­sion nicht so kaputt ist wie die anderen bei­den. Zu jeden­falls mein­er Über­raschung hat der­weil Mar­tin Schulz (SPD, muss man nicht ken­nen) ange­merkt, dass die Parteispitze kün­ftig reg­ulär von allen Mit­gliedern statt, wie bish­er, von weni­gen Aus­ge­sucht­en ernan­nt wer­den kön­nte; es scheint, als wäre eine ver­lorene Wahl ein Geschenk für die Moti­va­tion der SPD. Es ist also offen­sichtlich empfehlenswert, ihr bei möglichst vie­len Wahlen keine Stimme zu geben.

Offen­sichtlich empfehlenswert ist darüber hin­aus: Musik.

Ket­tle­spi­der — “Evo­lu­tion”. Live at Black Pearl.

Guten Mor­gen.

NetzfundstückeWirtschaft
Medienkritik CIX: Lobbykampf in SPIEGELs Klassenzimmer

Ende Okto­ber SPONte die vom krawal­li­gen “Ham­burg­er Abend­blatt” abgestiegene Redak­teurin Ver­e­na Töp­per (“believes in gen­der equal­i­ty”, V. Töp­per über V. Töp­per), die bei ihrem inzwis­chen auch nicht mehr ganz neuen Arbeit­ge­ber unter “Leben und Ler­nen” anson­sten zum Beispiel über Men­stru­a­tion­sprob­leme “schreibt”, sichtlich besorgt über das Engage­ment von EDV-Unternehmen in Schulen, die es doch tat­säch­lich wagen, ihre eige­nen Pro­duk­te als Unter­richts­ma­te­ri­alien vorzuschla­gen:

Die wollen doch nur helfen — oder?

So sieht eine jour­nal­is­tis­che Über­schrift aus — oder?

Ich ers­pare verse­hentlichen Lesern ein­mal den ersten Teil des Artikels und ver­weise stattdessen auf den Kom­men­tar von Spree­blick zum gle­ichen Ursprung­s­text. Bemerkenswert finde ich aber, was weit­er unten noch ste­ht:

“Wir beobacht­en eine mas­sive Zunahme von Lob­by­is­mus an Schulen”, sagt René Schep­pler von der Lehrergew­erkschaft GEW. “Vor allem IT-Fir­men nutzen die Unter­fi­nanzierung des Bil­dungssys­tems für Mar­ket­ingzwecke. (…) Wird das eine Apple- oder eine Microsoft-Schule?” (…) Mit Macht drängt vor allem Google weltweit in Klassen­z­im­mer.

Und zwar so:

Fast sieben Mil­lio­nen Euro hat Google nach eige­nen Angaben seit 2011 in Lehrer- und Schüler-Work­shops, den für den Infor­matikun­ter­richt entwick­el­ten Kle­in­st­com­put­er Cal­liope und in die Pro­gram­mier­plat­tform Open Rober­ta gesteckt.

Der Span­nung wegen möchte ich hier einen kurzen Exkurs ein­schieben: Als ich noch ein klein­er, fröh­lich­er Junge war, besuchte ich selb­stver­ständlich auch manche Schule, gele­gentlich sog­ar als Schüler. Während ich — wie jed­er gute Akademik­er — sämtliche Lehrin­halte bis heute wieder vergessen habe, kann ich mir die Namen der meis­ten Schul­buchver­lage, die mir in dieser Zeit bezüglich ein­er unbe­d­ingten Kaufempfehlung über den Weg liefen, noch bis heute merken, denn es waren nicht beson­ders viele.

Als beson­ders pen­e­trant habe ich den Cor­nelsen-Ver­lag (“Cor­nelsen Ver­lag”, von denen lässt man sich doch gern was beib­rin­gen) in Erin­nerung, der im Wech­sel mit Klett und West­er­mann die Zeit vor dem Studi­um prak­tisch im Allein­gang bestritt und dabei kaum Platz neben sich ließ. Das ist dur­chaus auch wörtlich gemeint, denn Schul­taschen soll­ten ja vor eigentlichem Gebrauch auch erst ein­mal gepackt wer­den. Dieser Ver­lag hat seine Bekan­ntheit in Schulen, die ihm dafür jahrzehn­te­lang Ein­nah­men garantieren, ver­mut­lich eher nicht durch irgen­deinen Zufall erhal­ten, son­dern durch etwas, was Ver­e­na Töp­per sich wahrschein­lich von irgendwem als Lob­by­is­mus beze­ich­nen lassen würde, wenn sie nicht so sehr auf Tech­nikkonz­erne — sie benutzt laut Twit­ters Meta­dat­en übri­gens ein iPhone, aber es wäre höchst unsach­lich von mir, daraus eine bes­timmte Hal­tung gegenüber Tech­nik abzuleit­en — fix­iert wäre: Der “Com­put­er­wet­tbe­werb” (Quelle: Inter­net) zum The­ma Franko­phonie etwa, aus­gerichtet vom Cor­nelsen-Ver­lag (“Cor­nelsen Ver­lag”, kreisch!) und unter­stützt von Fernsehsendern und Kul­tus­min­is­te­rien, ist mal in Hameln, mal in Hes­sen, mal selb­st in Old­en­burg zu find­en.

Da hil­ft man einan­der doch gern und schaut auch ein­mal darüber hin­weg, dass der Cor­nelsen-Ver­lag kein wohltätiges, son­dern ein kom­merziell inter­essiertes Unternehmen ist, das sich in den Klassenkampf zwis­chen Google, Apple und Microsoft nur allzu gern ein­mis­cht: “Der deutsche Schul­buchver­lag Cor­nelsen set­zt auf die Cloud-Lösung Office 365 für Bil­dung­sein­rich­tun­gen des Soft­ware-Konz­erns Microsoft. Auf der Online-Plat­tform scook kön­nen Lehrer und Schüler Lehr­ma­te­ri­alen beziehen und sich dig­i­tal ver­net­zen.” (Kommune21) — das sind dann wohl alle­samt Microsoft-Schulen. Dies soll freilich nicht heißen, dass Cor­nelsen irgend­wie partei­isch wäre: Neben Konkur­ren­zun­ternehmen wie Google und SAP — bei­de von Ver­e­na Töp­per als schreck­liche Lob­by­is­ten iden­ti­fiziert, vor deren Ein­fluss sich ein um die Bil­dung besorgter Bürg­er fürcht­en sollte, ist an der Entwick­lung des “Kle­in­st­com­put­ers Cal­liope” (V. Töp­per, der Exkurs ist über­raschend vorüber) auch der Cor­nelsen-Ver­lag (“Cor­nelsen Ver­lag”, ich kriege hier noch einen Haschmich) beteiligt.

Oben hat­te ich geschrieben, der Cor­nelsen-Ver­lag arbeite mit ver­schiede­nen Kul­tus­min­is­te­rien und Fernsehsendern zusam­men. Gibt es an dieser Stelle schon Ver­mu­tun­gen, mit welchen Unternehmen der Cor­nelsen-Ver­lag son­st noch so zusam­me­nar­beit­et? Richtig:

In Koop­er­a­tion mit dem Spiegel-Ver­lag ist die erste Unter­richt­sein­heit mit Inhal­ten aus Dein Spiegel im Lehrkräfte-Por­tal von Cor­nelsen erschienen.

Ver­dammter mas­siv­er Lob­by­is­mus immer.

Ver­e­na Töp­per been­det ihren Artikel mit einem der üblichen “jour­nal­is­tis­chen” Kniffe von Redak­tio­nen wie der ihren, näm­lich mit ein­er Sorge um unsere Zukun­ft:

Und wie sub­til sich das Spon­sor­ing in die Köpfe der Kinder schle­icht, zeigt eine Szene am Rand der Eröff­nung von Googles neuer Zukun­ftswerk­statt in München: Als ein klein­er Junge die Musi­knote G in einem Pro­gramm auswählt, sagt er ganz selb­stver­ständlich: “Ich nehme jet­zt das G wie Google.”

Unfass­bar: Ein Kind auf ein­er Google-Ver­anstal­tung, das weiß, dass “Google” mit einem “G” anfängt, und, ver­mut­lich umgeben von aller­lei Googlewer­bung, bei “G” auch zuerst an “Google” denkt — und die Regierung guckt nur zu!

Ver­e­na Töp­per will doch nur helfen — oder?

In den NachrichtenWirtschaft
Gehaltsmäßig völlig abgehoben.

“FINANCE Mag­a­zin”, 5. Mai 2017:

Air Berlins Zahlungsverpflich­tun­gen gegenüber dem CEO kön­nen sich bis Ende Jan­u­ar 2021 auf max­i­mal 4,5 Mil­lio­nen Euro sum­mieren. (…) Teuer war für Air Berlin auch der Abschied von Ex-CEO Ste­fan Pich­ler, wie sich jet­zt zeigt: Ihm zahlte Air Berlin eine Gesamtabfind­ung von 1,45 Mil­lio­nen Euro.

“ZEIT ONLINE”, 2. Novem­ber 2017:

Die Flugge­sellschaft Air Berlin hat nach Aus­sage des Insol­ven­zver­wal­ters wahrschein­lich zu wenig Geld, um den Über­brück­ungskred­it der Bun­desregierung zurück­zuzahlen.

Möglicher­weise ist es an der Zeit, statt ein­er Vergü­tung über eine Aufwand­sentschädi­gung für Geschäfts­führer und Markenchefs von Großun­ternehmen nachzu­denken; mit Ben­zin­geld und einem Stun­den­lohn im Rah­men jew­eils branchenüblich­er Tar­ife soll­ten bei einem vernün­fti­gen Umgang mit dem Gehalt alle anfal­l­en­den Rech­nun­gen gezahlt wer­den kön­nen.

In den NachrichtenNerdkrams
Wer sich in die “Cloud” begibt, der kommt darin um.

Aus der beliebten Rei­he “wer nutzt denn bitte 2017 noch Desk­topan­wen­dun­gen für seine Doku­mente?”: Bei “Google Docs”, der bescheuerten Google-“Webanwendung” zur Erstel­lung und Ver­wal­tung von so Officekram in “der Cloud”, also auf den Com­put­ern ander­er Leute, wur­den aus Verse­hen Benutzern ihre Doku­mente weggenom­men, weil ein Fil­ter, also eine vorsät­zlich einge­baute Analy­se­funk­tion, der Mei­n­ung war, das Geschriebene sei ungeeignet für Google.

Welche Art von Tex­ten diese Analy­se­funk­tion, sobald sie endlich wie gewün­scht funk­tion­iert, denn über­haupt zulassen oder nicht zulassen wird, bleibt angenehm undoku­men­tiert. Es wäre ja auch lang­weilig, würde ein so genan­nter “Dienst” eines “Dien­stleis­ters” wie Google ein­fach mal seinen Dienst ver­richt­en. Zuver­läs­sigkeit ist sooo 90er.

In den Nachrichten
Kurz notiert zur Arbeitsweise deutscher Medien nach Anschlägen

Wenn irgend­wo auf der Welt am Gedenk­tag des Arschlochs Mar­tin Luther — laut Angela Merkel von Frei­heits­gedanken beseelt — ein Einzeltäter mit einem mit­tel­großen Auto, wie üblich ange­blich irgend­was über seinen einge­bilde­ten, schrumpfend­en Fre­und (“Allah”) rufend, weil Anschläge, deren Verur­sach­er beim Anschla­gen ein­fach mal das Maul hält, aus Press­esicht viel zu lang­weilig wären, irgend­wo rein­fährt und dabei anscheinend absichtlich elf Men­schen ver­let­zt und acht tötet, dann ist es abse­hbar, dass deutsche Medi­en wie etwa ZEIT ONLINE nicht etwa “acht Tote bei Angriff mit Klein­laster” schreiben, son­dern unter der Über­schrift “Eine Deutsche bei Anschlag in New York ver­let­zt” — eine Deutsche! Ver­let­zt! Unfass­bar! — Sätze wie “Ein Klein­laster ist in Man­hat­tan in Fußgänger und Fahrrad­fahrer gefahren.” pub­lizieren, denn Angst, die medi­al immer gern gese­hen wird, weil sie staatliche Maß­nah­men gegen zu viele Bürg­er­rechte recht­fer­tigt, über die man dann eben­falls für aus­re­ichend viele Judas­groschen schreiben kann, sollte man nicht etwa vor religiösem Fanatismus haben (zumal ger­ade nicht an einem sonst­wie heili­gungswürdi­gen Tag der religiösen Idi­otie), son­dern vor Klein­lastern, die sich hin­sichtlich der Eig­nung fürs Tot­fahren von Pas­san­ten nicht zum ersten Mal bewiesen haben.

Sonstiges
Medienkritik in Kürze: Was macht Redaktion?

Die aktuelle Aus­gabe der “c’t” wurde, ver­mute ich, von Kopf­schmerzmit­tel­her­stellern gefördert, anders ist dieser Auf­mach­er nicht zu erk­lären:

Das macht Blockchain

Lesen bilde, behauptet der Volksmund. Der Volksmund ken­nt das Zeitschrif­te­nange­bot nicht so gut.

NetzfundstückeMontagsmusik
Hammock — Things of Beauty Burn

Brückentag (Symboleule)Es ist Mon­tag, ein “Brück­en­tag”, was unge­fähr bedeutet, dass viele behaupten, es sei ein freier Tag, aber beina­he kein­er frei zu haben scheint. Klar: Mor­gen ist Gedenk­tag Mar­tin Luthers, da gibt es nichts mehr einzukaufen und ohne täglich­es Einkaufen drehen die Leute schi­er durch, was vom Wet­ter bedauer­lich begün­stigt wird. Wir lieben die Stürme, aber doch bitte nur in der Musik und nicht auf der Bahn­strecke! — Ama­zon kommt bald zur Tür rein, was kann da schon passieren?

Brand­s­tifter hat Angst vor Feuer: “Telekom-Chef”, schreibt “heise online”, macht sich Sor­gen darum, ob mögliche Käufer der Staat­san­teile der Telekom “Inter­esse an der Infra­struk­tur­sicher­heit” hät­ten. Infra­struk­tur, die Älteren erin­nern sich, ist das, was die Telekom nur ungern bere­it­stellt. Ohne diese Infra­struk­tur sind manche Geschäftsmod­elle aber nur schw­er umzuset­zen: Mini­job­ber sollen Kinder­pornos sicht­en, allerd­ings für Geld. Ganz schön unbe­dacht von der Polizei, es gibt doch wahrlich genug Men­schen, die das völ­lig gratis täten, eine Ran­gliste mit Sternchen gäbe es sozusagen frei Haus dazu.

Gibt es auch frei Haus, hört sich aber bess­er an: Musik.

Ham­mock — Things of Beau­ty Burn (Mys­teri­um)

Guten Mor­gen.

KaufbefehleMusikkritik
Kurzkritik: The Narcotic Daffodils — Summer Love

The Nar­cot­ic Daf­fodils ist eine fün­fköp­fige Rock­band aus Bel­gien, deren drittes Album “Sum­mer Love” (Amazon.de, TIDAL) erst im Mai 2017 veröf­fentlicht wurde. Obwohl “Sum­mer Love” genau so klingt, wie es heißt, ist es jedoch auch Ende Okto­ber keine schlechte Wahl.

Zu hören gibt es Hip­pie­rock, der, um wieder ein­mal das Phrasen­schwein zu erle­ichtern, den Geist der 60er atmet, mit Sitar (“Atom­ic 56”) und Ham­mon­dorgel (“You Can’t Get”) dabei jedoch nicht darauf verzichtet, mehr als bloß Abziehbild zu sein. Über dem nicht bloß soli­den Instru­men­tal­fun­da­ment schwebt hal­lend vor­rangig die Stimme von Sän­gerin “Luna” (heißt allerd­ings ver­mut­lich wirk­lich so), die nicht nur gele­gentlich an Gongs bedauer­licher­weise mit­tler­weile ver­stor­bene Gilli Smyth erin­nert, was stilis­tisch dann auch wieder ganz gut passt.

The Nar­cot­ic Daf­fodils “Sum­mer Love”

Ein ander­er Rezensent befand dieses Album für “groovy”. Ich stimme freudig zu.

NetzfundstückeIn den Nachrichten
Liegengebliebenes vom 27. Oktober 2017

Poli­tis­ch­er Diskurs (2017): Poli­tik­er wird aus Protest mit Flaggen bewor­fen.


Schlechte Nachricht­en für t3n: Auch und ger­ade für geschäftliche Massen­mails ist Rein­text effizien­ter als unnötig kom­pliziert for­matierte HTML-Vor­la­gen.


Auf “ZEIT ONLINE” wird der bescheuerten Behaup­tung, Gen­dergedöns sollte All­ge­mein­bil­dung sein, wider­sprochen: “Genau­so gut kön­nte man es pein­lich nen­nen, wenn jemand nichts über Neu­rowis­senschaften weiß.”


Apro­pos Diskri­m­inierung, apro­pos “ZEIT ONLINE”:

Je sex­u­al­isiert­er die Lebenswelt wird, je pornografis­ch­er die Wer­bung, je exhi­bi­tion­is­tis­ch­er die Selb­st­präsen­ta­tion des Erfol­gs, desto ver­bohrter, kleingeistiger und prüder wird die Moral, die all die Schweineställe ange­blich zusam­men­hält.


Das CERN hat her­aus­ge­fun­den, dass das Uni­ver­sum eigentlich gar nicht existieren kann. Schade.


“flat­ter” benen­nt Fre­und und Feind im medi­alen Diskurs:

Zulet­zt gab es eine “gemäßigte Oppo­si­tion” von “Rebellen” in Syrien, die sich kurz nach dieser medi­en­weit­en Ein­heits­beze­ich­nung dabei haben erwis­chen lassen, wie sie einem Teenag­er gemäßigt den Kopf abgeschnit­ten haben.

Zum Glück keine Extrem­is­ten.

NerdkramsPiratenpartei
Suchmaschinenoptimierung dank Lesezeichenignoranz

Als ich noch ein wenig jünger und das Web noch inter­es­sant war, galt bei Gestal­tern dieses Webs, zu denen zeitweise auch ich gehören wollte, allen FRAMEs zum Trotz die von Tim Bern­ers-Lee höch­st­per­sön­lich tradierte Regel, dass es keinen ersichtlichen Grund gebe, warum coole URIs über­haupt geän­dert wer­den soll­ten, jedoch einige gute Gründe, die dage­gen sprechen.

Zu diesen Grün­den zählt, dass es dur­chaus denkbar ist, dass es Men­schen geben kön­nte, die einen URI zwecks später­er Wiederver­wen­dung in ihren Browser­leseze­ichen hin­ter­legt haben. Ändert sich dieser URI und gibt es keine ser­ver­seit­ige Umleitung der alten auf die neuen URIs, so laufen die Leseze­ichen ins Leere, was nicht nur unprak­tisch, son­dern zudem oft höchst uner­freulich ist. Mit Xanadu wäre das nicht passiert.

Nun mag man es dig­i­tal­en Laien noch verzei­hen, wenn sie über die Fol­gen ihres Han­delns nicht nach­denken, weil sie zum Beispiel statt Leseze­ichen ein­fach eine Such­mas­chine benutzen und alles ab Seite 2 der Ergeb­nisse — als seien diese unverän­der­lich — sie ohne­hin nicht inter­essiert, aber solche Laien wer­den auch einiger­maßen sel­ten als Weben­twick­ler eingestellt. Schw­er­er wiegen Ver­stöße bei denen, die darum bit­ten, sich auf das Neu­land zu freuen, und sich so als diejeni­gen darstellen, die ver­standen haben wollen, wie das Netz funk­tion­iert: Seit der let­zten Erneuerung der Web­site der Piraten­partei Deutsch­land sind wieder ein­mal manche alte Ver­weise auf Besuch­er­seite aus SEO-Grün­den kaputt. Muss man ja ver­ste­hen: Wenn man seine Seit­en­struk­tur aus Kos­metik­grün­den über den Haufen wirft, dann ist es wichtig, dass zuerst ein­mal die großen Such­maschi­nen darüber in Ken­nt­nis geset­zt wer­den, denn eine poli­tis­che Partei, die sich der Trans­parenz ver­schrieben zu haben behauptet, sollte zwar jed­erzeit ihre bish­eri­gen Aktio­nen pub­liziert haben, aber doch nicht immer an der gle­ichen Stelle. Bürg­er lang­weilen sich, wenn sie nicht dauernd suchen müssen.

“Coole” URIs wer­den nicht geän­dert? Ein­er der Web­sitetech­niker sieht das so:

Ach, die alte Diskus­sion wieder. “Cool URLs dont change”. Jaja klar. Damals.
Wir leben aber heute und machen Web­seit­en für Men­schen.

Denn anders als Com­put­er wollen Men­schen gar nicht, dass ihre Leseze­ichen mor­gen noch funk­tion­ieren. Bemerkenswert ist allerd­ings, dass ähn­lich alte Ver­weise auf das berüchtigte Piraten­partei-Wiki sich, Diskus­sion­salter hin oder her, bis heute ein­er bemerkenswerten Lebendigkeit erfreuen.

Wer war noch mal die Ziel­gruppe der Piraten­partei?

Netzfundstücke
Hengameh Yaghoobifarah abschaffen!

Unter dem Namen “NO HATE SPEECH” betreibt eine inter­na­tionale “Bewe­gung” in Deutsch­land eine ger­adezu schmerzhaft bunte (gibt es eigentlich “visuelle Has­srede”?) Web­site, auf der “für gegen” (ebd.) unfre­undliche soziale Inter­ak­tion im Netz kam­pag­niert wird. Es gibt zudem einen zuge­höri­gen Twit­ter­ac­count, der unter anderem mit solchen Weisheit­en Bytes ver­schwen­det und so (mit­tels der Neben­wirkun­gen des EDV-“Zeitalters”) Bäume tötet:

Wir denken, dass #Hate­Speech sich vor allem gegen bere­its gesellschaftlich Benachteiligte richtet.

“Wir”, das tapfer anonyme Häu­flein, zu dessen “Unter­stützern” laut Web­site auch die SPD-Noch-Min­is­terin Kata­ri­na Bar­ley gehört, bracht­en damit zum Aus­druck, dass eine “Has­srede” nur gegen diejeni­gen eine “Has­srede” sein kann, die vom Sys­tem schlechter behan­delt wer­den als andere Men­schen. Der zitierte Tweet war eine Antwort auf die Anfrage eines anderen Twit­ter-Teil­nehmers, ob eine Kolumne auf “taz.de”, der Has­s­web­site, auf der 2011 auch Deniz Yücel (zurzeit in etwas Besserem als Deutsch­land wohn­haft) die bemerkenswerte Ver­mu­tung, etwas Besseres als Deutsch­land finde sich alle­mal, aufgestellt hat, nicht wom­öglich die notwendi­gen Kri­te­rien für “Has­srede” erfülle.

Die inkri­m­inierte Kolumne unter dem bescheuerten Namen “Habibi­tus” — früher hat­te ein “habibi” ja noch etwas mit Fre­un­den und nicht viel mit Men­schen­hass zu tun — stammt von der in Kiel gebore­nen und natür­lich in Berlin leben­den, somit ziem­lich deutschen und laut gängiger Def­i­n­i­tion gesellschaftlich bevorteil­ten freien Autorin Hengameh Yaghoob­i­farah, die ihren ger­adezu ein­ladend selb­stver­leug­nend als “Deutsche, schafft Euch ab!” über­schriebe­nen Text mit einem Absatz ein­leit­et, der zum Glück weit davon ent­fer­nt ist, irgen­deine “Has­srede” darzustellen, und in dem sie einen konkur­ri­eren­den Tex­teschreiber erst mal so richtig durch­belei­digt:

Dass Sar­razin ein rechter Lauch ist, der gerne viel Scheiße labert, wenn der Tag lang genug ist, wis­sen wir bere­its.

Mit Gemüse scheint es Frau Yaghoob­i­farah all­ge­mein sehr lib­er­al zu hal­ten, denn in ihrer kot­triefend­en Schmäh­schrift nen­nt sie ihre Land­sleute fast durchge­hend inkon­se­quent “Kartof­feln”, ein Gemüse, das ursprünglich aus der Gegend um Peru stammt. Wer damit rech­net, dass sich das Niveau noch ein­mal verbessern würde, der unter­schätzt den ras­sis­chen Hass, den das urdeutsche Fal­lob­st mit dem däm­lichen Namen (“Hengameh”) in sich trägt:

Der deutsche Hass auf Muslim_innen und die Para­noia vor ein­er (…) Islamisierung der deutschen (wortwörtlich) Dreck­skul­tur hält Kartof­feln davon ab, ein schöneres Leben zu führen.

Nun kann man es sich natür­lich leicht machen und “den Deutschen” vor­w­er­fen, “die Moslems” mit­samt ihrer “(wortwörtlich) Dreck­skul­tur” (ebd.) alle­samt und ohne jede Nuancierung “zu has­sen”, um sich hin­ter­her darüber zu ärg­ern, dass man für dieses niveaulose Gerotze keinen Zus­pruch seit­ens der Berotzten (“ran­dom Almans”) bekommt, aber schlau ist man dann natür­lich nicht unbe­d­ingt. Ich zum Beispiel war bis zum Lesen dieses faschis­toiden Mülls nicht ein­mal auf die Idee gekom­men, dass ich die Autorin vielle­icht “has­sen” kön­nte, jet­zt hinge­gen habe ich das drin­gende Bedürf­nis, irgend­wann ein­mal ihr Grab, wo immer es dere­inst liegen wird, zu besuchen und ihm mit ger­adezu entwei­hen­dem Gesicht­saus­druck bei­de Mit­telfin­ger zuzuwen­den, wofür ihre Reli­gion, sofern sie mit “Muslim_innen” auch sich selb­st meint, nicht ein­mal irgen­det­was kann. Scheiße sein kann man auch und ger­ade kon­fes­sion­süber­greifend.

Worauf die geschmack­lose Kolum­nistin eigentlich hin­aus will, lässt sie zwis­chen diversen Kom­mafehlern und Eigen­toren (“[w]eder aus den Fehlern ander­er, noch aus ihren eige­nen kön­nen und wollen sie ler­nen”, sic!) zumin­d­est schwach durch­scheinen: Die Deutschen wollen nicht, dass jede Reli­gion ihre eige­nen Feiertage bekommt, son­st wäre der Kalen­der ziem­lich grau.

Lieber einen Tag mehr arbeit­en als ein mus­lim­is­ch­er Feiertag im Kalen­der.

Ich als jemand, der auch noch nie außer­halb eines Urlaubs ander­swo als in Deutsch­land gewohnt hat, ver­ste­he das Prob­lem nicht: Ich möchte gar keine religiösen Feiertage in meinem Kalen­der haben, Reli­gion zeich­net sich näm­lich in jedem mir bekan­nten Fall durch einen Schwund an Ratio aus und neigt his­torisch eher nicht zu unter­stützenswerten Errun­gen­schaften. Wahrschein­lich ist dieser Fall in der Kartof­fel­logik im Quatschkopf von Frau Yaghoob­i­farah aber schlicht nicht vorge­se­hen: Wer aus Deutsch­land kommt, der muss Wei­h­nacht­en und den anderen pseudore­ligiösen Kalen­der­s­tuss für wichtig hal­ten, weil Chris­ten­tum und so weit­er und so fort. Im Umkehrschluss bedeutete das freilich, dass sie selb­st als aus Deutsch­land Kom­mende das Chris­ten­tum als die einzig richtige Reli­gion anerken­nen sollte, was allerd­ings keineswegs erfol­gt zu sein scheint. Merk­würdig!

Der erbärm­liche Schwachsinn streift dabei immer­hin noch die rhetorische Frage, was denn eigentlich “deutsch” sei:

In ihren lieb­sten griechis­chen Restau­rants oder Dön­er-Buden mod­i­fizieren die Köch_innen ihre orig­i­nalen Gewürz­palet­ten auf die deutschen Geschmäck­er hin, damit es den Kartof­feln schmeckt. Aber wehe, jemand wagt es, deutsche Gewohn­heit­en und Tra­di­tio­nen in Frage zu stellen.

Auf die Idee, dass “die Deutschen”, wenn sie “griechisch” oder “türkisch” essen möcht­en, wom­öglich zu einem bedeu­ten­den Teil gar kein Inter­esse daran haben, dort ohne geson­derte Kennze­ich­nung etwas vorge­set­zt zu bekom­men, was “auf die deutschen Geschmäck­er hin” angepasst wurde, was auch immer ein “deutsch­er Geschmack” jet­zt genau sein soll, kommt sie natür­lich nicht, denn ras­sis­tis­che Vorurteile sind ohne Ver­stand viel leichter zu hal­ten.

Aus falschen Annah­men kann man sicher­lich auch irgendwelche Schlüsse ziehen, die Autorin jeden­falls diesen:

Sar­razin hat auf 464 Seit­en Ver­ant­wortliche für die Abschaf­fung Deutsch­lands gesucht, aber die größte Prob­lemkinder­gruppe vergessen: die Deutschen selb­st. Sie schaf­fen sich sel­ber ab. Ich hoffe, sie beeilen sich.

Wo bleibt das ver­dammte Ver­lagsster­ben?

In den Nachrichten
Das Kapital des Überwachungsstaats ist die kurze Aufmerksamkeitsspanne seiner Bewohner.

“heise online” berichtet:

Überwachungskam­eras, die Gesichter erken­nen – das sorgte bei Daten­schützern für Sor­gen­fal­ten. Nun sind knapp drei Monate ver­strichen. Von Wider­stand ist nicht mehr viel zu bemerken.

Denn wichtig ist nur, was Schlagzeile ist. Nach drei Monat­en ist eine anhal­tende Verdich­tung der Pas­san­ten­pro­fil­ierung keine Neuigkeit mehr, jed­er hat sich aufgeregt, nun ist Achselzuck­en dran. Pah, Überwachung — wen inter­essiert das noch? Ist doch eh zu spät. Nichts zu ver­ber­gen, nichts zu befürcht­en.

Die Mas­chine läuft noch.

Netzfundstücke
“Schade.”

Es bedauert Chan-jo Jun, “Recht­san­walt”, auf Twit­ter bei zumin­d­est manchem Zus­pruch:

Der CCC ist gemein­sam mit der AfD gegen das #Net­zdg. Schade.

Denn ein aufrechter antifaschis­tis­ch­er Demokrat weiß: nur, was der AfD zuwider ist, kann gut sein. Diesem rüpel­haften Com­put­er­club muss Ein­halt geboten wer­den. Anfänge. Wehren. Wis­senschon.

ComputerIn den NachrichtenMontagsmusik
White Moth Black Butterfly — Tempest

Ich bin zu Eul für den Quatsch.Es ist Mon­tag und genau so fühlt man sich auch. Zu alt für den Quatsch ist man jedes Jahr ein biss­chen früher (bzw. später) und kann es, dem Hedo­nis­mus geschuldet, dann doch nicht lassen. Leben ist, wo Men­schen und Pand­abären sind, vielle­icht ist Leben auch deshalb so uner­freulich. Das alles war schon mal ein­fach­er.

Ein­fach­er hat­te es auch der Fem­i­nis­mus schon ein­mal (Allergik­er­war­nung: kon­ser­v­a­tive Quelle): “Wir sind eine empfind­liche Gesellschaft gewor­den, in der jed­er seine per­sön­lichen Befind­lichkeit­en als Anlass für die Notwendigkeit großer gesellschaftlich­er Debat­ten nimmt.” Ich zum Beispiel habe ger­ade Hunger und die Regierung tut nichts dage­gen. Sie ist freilich auch aus­re­ichend beschäftigt, sie muss das Dark­net missver­ste­hen: Ist es das neue Inter­net oder hat der Autor nur ein­fach das Inter­net konzep­tionell nicht ver­standen? Fra­gen über Fra­gen.

Das Inter­net ist ohne­hin ein gefährlich­er Ort. Über eine über­schätzte Lücke im WPA2-Stan­dard wurde so viel geschrieben, aber so wenig ver­standen; als wäre WLAN jemals die großar­tig­ste Verbindungsart bei der Fernkontoführung gewe­sen! “Irgend­was an meinem Inter­net ist kaputt” ist ander­er­seits genau diejenige Schlagzeile, mit der fach­fremde “Jour­nal­is­ten” dank fach­frem­den Pub­likums ihr Gehalt verbessern kön­nen. “Rus­sis­che Hack­er”, im Zweifels­fall. Dass eine Sicher­heit­slücke heutzu­tage immer Logo und Web­site haben muss, um ernst genom­men zu wer­den, kommt diesem Spiel natür­lich gele­gen. Vielle­icht wäre es im All­ge­meinen gut, wür­den solche Sicher­heit­s­the­men kün­ftig wieder nur noch in lang­weili­gen tech­nis­chen Tex­ten behan­delt, denn dann wür­den diejeni­gen, denen für so was ohne­hin Inter­esse und Ahnung abkömm­lich sind und die bel­o­gote Web­seit­en wie jene nur aus Sen­sa­tion­slust über­haupt besuchen, uns in Ruhe arbeit­en lassen.

Apro­pos Arbeit: Arbeit bei Face­book gefun­den? Kündi­gen! Die freie Zeit kann man ja dann anders füllen — zum Beispiel mit Musik.

White Moth Black But­ter­fly — Tem­pest (from Atone)

Guten Mor­gen.