MusikkritikNetzfundstücke
Das „Web 2.0“ macht albern.

Oha: Bei Amazon gibt es seit einiger Zeit auch die Möglichkeit, Videorezensionen zu erstellen. Für jene gibt es natürlich auch Vorschläge, wie man vorgehen sollte, zum Beispiel den folgenden:

Amazon-Rezensionen

Und ich, hihi, hätte da auch gleich einen Vorschlag zu machen…

Meinjanur.

Apropos „meinjanur“; sehr gute Musikgruppe, die man unbedingt im Auge behalten sollte, übrigens:
Die französische Gruppe Lazuli spielt erbaulichen, lyrischen Progressive Rock.
Ein sehr hübsches Stück Musik ist zum Beispiel Cassiopée vom Album „En avant douté…“. Fein.

In den NachrichtenPolitik
SPON: „Kader Loth wird Frauenbeauftragte in Pauli-Partei“

Danke wieder einmal, Weltgeist:

Die ehemalige „Miss Penthouse“ Kader Loth ist ab sofort die Frauenbeauftragte der Freien Union.

Welch weitsichtige Entscheidung, das ehemals im Fernsehboulevard beheimatete Lästermaul Kader Loth, die so manche Frauenklischees erfüllt, zur Frauenbeauftragten zu machen. Ich spreche ihr nun mangels Informationen nicht unbedingt die Kompetenz für dieses Amt ab; aber die Schlagzeile las sich doch recht amüsant.

Zumal der Artikel dazu:

Es dauerte nicht lange, bis auch das Magazin „Penthouse“ an Kaders Tür klopfte. Kader, die sich ihrer Ausstrahlung und Charisma bewusst war, willigte zu einer Zusammenarbeit ein.

Schließlich sind Ausstrahlung und Charisma ja auch die beiden wichtigsten Eigenschaften einer Frau, die als Kandidatin für jenes Magazin in Frage kommt, und nicht etwa andere, eher weniger subtile Eigenschaften; mithin prädestiniert ein Erfolg hierbei für eine Karriere in der Politik. Laut sein, schrill sein ist gefragt. Wer braucht schon Inhalte?

Wie erwähnt: Danke, Weltgeist!

Spaß mit Spam
Robotkina? Klingt vertrauenswürdig.

Wie das Leben?

Dann warte ich mal die Antwort. Das Leben gut.

MusikNetzfundstücke
Dieter Gorny erklärt die Welt

Amüsant: Der Gründer von Viva versucht im Interview die Krise der Musikindustrie zu ergründen und fordert „nach französischem Vorbild“ Internetsperren für Urheberrechtsverstöße, übersieht aber, dass das entsprechende Gesetz dort gar nicht so recht zustande kommen wollte.

Mein derzeitiges persönliches Lieblingszitat aus dem Interview:

Man muss bei der Debatte über die Musikindustrie immer bedenken, dass ihr Produkt ja gewollt ist.

Gut erkannt, es ist gewollt. Leider ist der Musikindustrie größtenteils schnurz, was der potenzielle Kunde will; die immergleichen Retortenhupfdohlen sind eben schneller und kostengünstiger zu produzieren.

„Was der Bauer nicht kennt, das frisst er nicht“ – dieses Motto würde ich persönlich in Bezug auf Musik nicht gelten lassen.
Aber ich bin ja auch nicht die Industrie.

Eine ausführliche Analyse des Gesprächs hat übrigens der Niggemeier im Angebot. Brillant!

In den NachrichtenNetzfundstückePolitik
Medienkritik extern: Nicht noch eine „Casting“-Sendung!

Das wird ein Spaß, wenn Pro Sieben am 27. September über die Bundestagswahl 2009 berichtet. Wahrscheinlich sitzt da dann eine Jury in einem Studio, die virtuell die Spitzenkandidaten der Parteien anfeuert: “Gib Power! Gib Gas! Gib alles!” Aus dem Off dröhnt der Sprecher: “Wer schafft es in die nächste Runde?” Die Statements von Guido Westerwelle werden mit lustigen Comicgeräuschen unterlegt. Koaltionsverhandlungen heißen nicht mehr Koaltionsverhandlungen, sondern Recall. Und wenn die Entscheidung gefallen ist, läuft zu den Slowmotion-Bildern der strahlenden Sieger “Sinfonie” von Silbermond. Am Ende ziehen die Auserwählten in eine “Villa” ein (weil “Kanzleramt” so schwer auszusprechen ist), und der Off-Sprecher kündigt an: “Das wird das größte Abenteuer Ihres Lebens!”

Aber eigentlich ging es ja um den x-ten Versuch von Pro7/Sat.1, eine neue „Casting“-Sendung zu entwerfen; wobei das mit dem „neu“ dann auch nicht so genau genommen werden sollte.
Mehr darüber gibt es bei den Medienpiraten zu lesen.

Und apropos „Piraten“: Jörg Tauss kämpft für seine Ziele; hoffentlich mit wenigstens teilweisem Erfolg. Auch wenn’s im Sommerloch beinahe unterzugehen droht.

(Teufel, ist das heiß hier.)

MusikPersönliches
Sommerfreuden

Was ich mich nach einem überaus sommerlichen Tag natürlich auch frage: Wieso ist das Wort „Großkatzen“ eigentlich so bekannt, aber über „Großinsekten“ spricht kaum jemand?

Ist ja nicht so, dass sich schon mal ein Tiger auf meine Einkäufe gestürzt hätte.


Frischer Musiktipp für die heißen Tage:
Der Multiinstrumentalist JT Bruce macht progressiven, instrumentalen Artrock für Anspruchsvolle im Stil bspw. der neueren King Crimson. Auf den Babyblauen Seiten klingt das so:

JT Bruce ist eine Art Allroundkünstler, der Musik und Kunstfilme macht, Bilder malt und auch kleinere Texte verfasst. Musikalisch ist er seit 2005 mit instrumentalem Prog unterwegs. Die Musik des Amerikaners kann vielleicht als Mischung aus Progmetal und Artrock a la moderne King Crimson mit einem guten Schuss moderner Electronic beschrieben werden. Der Electronic-Einfluss ist gerade auf diesem Album besonders stark ausgeprägt. Der Fluss der Musik, die häufig rockig treibend ausgerichtet ist, erzeugt dabei ein cineastisches Gefühl im Kopf.

Feine Sache, auf jeden Fall zu empfehlen.

In den NachrichtenMusik
Medienkritik XII: Respekt für die Privatsphäre der Angehörigen? Ja, steht da. Guck.

Gruselig: Man öffnet das Nachrichtenkonsumierprogramm seiner Wahl und liest seitenweise „Michael Jackson, Michael Jackson, vielleicht, ja, nein, doch, tot, Absicht, Versehen, gut, schlecht, erwartet, unerwartet“, und das in allen nur erdenklichen Facetten. Eine sachliche Berichterstattung ohne Werbeeinnahmen erzielende Klickstrecken mit den immer gleichen „exklusiven“ Bildern von Särgen und weinenden Anhängern hat, so weit ich sehe, bislang nur das Krankenhaus hinbekommen:

Jackson’s family requests that the media respect their privacy during this tragic period of time.

Schade, dass dieser Satz zwar von zahlreichen – auch deutschsprachigen – Medien erwähnt wird, allerdings zwischen all den Fotostrecken, virtuellen Kondolenzbüchern (ach du meine Güte!) und den anderen geschätzten zweiunddrölfzig Artikeln zu diesem Thema nicht weiter auffällt.

„Die Angehörigen baten die Medien öffentlich darum, ihre Privatsphäre zu respektieren. Exklusive Bilder/Videos von der weinenden Mutter/Schwester und/oder dem Abtransport des im Koma liegenden/sterbenden/toten Sängers gibt es übrigens hier: …“

Nur schwer zu schätzen, wie viel Energie für diese Meldung weltweit verbraten wurde. Dem Internet sei Dank erfahren wir heute alles sofort, schnell und exklusiv und mit vielen bunten Bildern garniert. Auf Kosten diverser Charaktereigenschaften, versteht sich.

(So herrlich dämlich die üblichen Fotostrecken auch sein mögen, sie bieten amüsante Momente. We rip Michael!)

Scream“ ist ein sehr gutes Lied. Ehrlich jetzt.

Netzfundstücke
Das Internet ist wirtschaftlicher und geistiger Mord.

Und so weiter und so fort:

Geschichte wiederholt sich bisweilen.
(Gefunden übrigens hier.)

In den NachrichtenLyrikNetzfundstückePersönlichesPolitik
Unerwünschte Werbekunden (inkl. Versuch einer Assoziationskette, leider fehlgeschlagen)

Das haben sie nun davon:
Da kauft Dynamo Dresden bei einem externen Dienstleister – datenschutzrechtlich ohnehin ein recht heikles Thema – eine recht lange Liste an Adressen, unter denen sie Geschäftskunden werben können, und dann ist unter diesen Adressen ausgerechnet auch ein NPD-naher Verlag. Eine grandiose Fehlleistung für einen Verein, der seine Mitglieder vertraglich zum Linkssein verpflichtet:

[…] alle damaligen Spieler mussten eine Liste unterschreiben, in der sie sich gegen ‚rechts‘ positionieren.

Allein schon die Existenz eines solchen Vertrages lässt mich, der grundsätzlich politische Entscheidungsfreiheit gutheißt, schmunzeln; und die NPD bekam den öffentlichkeitswirksamen Skandal, den man offenbar dringend vermeiden will, diesmal frei Haus.


Aber ich rege mich schon wieder auf. Über Politik. Das ärgert mich selbst.
Brechen wir das Thema also kurzerhand ab und assoziieren angesichts des Wetters einfach mal munter drauflos:

„Wann wird’s mal wieder richtig Sommer?“ (Rudi Carrell)
„The fire in our throats will beckon the thaw.“ (Pelican)

Für dich brennen – dich wärmen – du lässt mich nicht kalt.
Für dich leben – mit dir leben – du bist Leben.
Dich lieben – du bist Liebe.
Lebenswert – liebenswert.

(Zu mehr Lyrik hat’s diesmal nicht gereicht. Vielleicht nächste Woche. Nach den Prüfungen.
Derweil kann sich der geneigte Leser beim Niggemeier über die treffende Karikatur des Journalismus‘ im Zeichen des „Web 2.0“ amüsieren.
Bis dahin gilt wieder einmal: Seufz!)

In den NachrichtenNetzfundstückePiratenpartei
Medienkritik XI: Ruhrbarone gegen die Piraten

Mediale Aufmerksamkeit hat der wegen Besitzes von kinderpornografischem Material unter Beschuss stehende Bundestagsabgeordnete Jörg Tauss durch seinen Wechsel zur Piratenpartei erhalten; eine willkommene Gelegenheit für mancherlei Personen, die Partei unter Generalverdacht zu stellen.

Und welch grober Unfug dabei entstehen kann! Das eher konservative Weblog Ruhrbarone.de macht es jedenfalls genau falsch:

Wenn er verurteilt wird, habt Ihr Euch dem erste überführten Kinderschänder im deutschen Parlament an den Hals geschmissen – nur um auch mal im Bundestag zu sein.

Zu einem „überführten Kinderschänder“ wird man mit Sicherheit nicht dadurch, dass man derartiges Material besitzt. Wer Videoaufnahmen von Kriegen, auf denen Morde zu sehen sind, besitzt, ist ja auch noch lange selbst kein Mörder.

Nebenbei bemerkt: Erst vor wenigen Wochen wurde Ursula von der Leyen aus ähnlichen Gründen angezeigt, dennoch schrieb am Folgetag meines Wissens keine Tageszeitung, die CDU habe „überführte Kinderschänder“ in ihren Reihen, und der Ruf nach Ausschluss der Politikerin aus der Partei wurde auch nicht laut.

Folgerichtig hieß es übrigens damals:

„Keine Anzeichen für ein strafbares Verhalten Frau von der Leyens“, sagt der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Michael Grunwald.

Frau von der Leyen führt kinderpornografisches Material öffentlich vor, um ihre Ziele zu verdeutlichen, und kommt straffrei davon; Herr Tauss bringt (vermutlich) ähnliches Material in seinen Privatbesitz, um sich ein eigenes Bild von der Sachlage zu machen, und wird allgemein gescholten? Was für eine Doppelmoral wird in den Medien eigentlich vertreten?

Eine sachliche Berichterstattung hat immerhin heise online hinbekommen:

Tauss hatte zu den Vorwürfen wegen des Besitzes von kinderpornografischem Material erklärt, es sei die Pflicht eines Volksvertreters, „sich eine eigene Meinung zu dringenden gesellschaftlichen Problemen zu bilden“.

Nur ein Gedankenspiel: Wie viele Menschen, die den Terminus „Kinderpornografie“ nur in Verbindung mit den Adjektiven „widerlich“ oder „ekelhaft“ kennen und verwenden, haben sich bislang eigentlich selbst ein Bild davon gemacht? Ich meinerseits werde mich hüten, über etwas zu urteilen, bevor ich es bewerten kann. Ich bin kein Freund davon, fremde Meinungen nachzuplappern.

Der Piratenpartei, der das Verfahren nun sicherlich nicht anzulasten ist, wurden schon ganz andere Dinge vorgeworfen; da freue ich mich schon beinahe auf die folgenden Schlagzeilen, in denen die Wähler der Piratenpartei direkt für den Missbrauch von Kindern verantwortlich gemacht werden.
Überraschend wäre solcherlei keinesfalls.

In den NachrichtenNetzfundstückePersönliches
Die Jugendkultur ist fix und foxi.

Noch immer dauert der Bildungsstreik an, bisher war in den Nachrichten von „ersten Zugeständnissen“ die Rede und davon, dass man das Bachelorsystem nochmals „überdenken“ werde.
Das reicht nicht, ist aber schon ein gutes Zeichen. Weiter so, Leute!

Schade übrigens, apropos „Bildung“:
Das Fix-&-Foxi-Heft wird (vorerst) eingestellt, und mit ihm sind mehrere Jahrzehnte deutscher Jugendkultur (ebenfalls vorerst) Geschichte. Warum aber das oft gescholtene Internet nicht an der sinkenden Nachfrage für den Zeigefinger allzu häufig schwingende Jugendmagazine ist, steht unter anderem hier.

Auch Micky Maus im Papierformat kann sich hierzulande meines Erachtens nur noch deshalb behaupten, weil es außer den kurzen comics mittlerweile auch zahlreiche Zusatzinhalte bekommen hat, angefangen mit den immer gleichen Agenten- und sonstigen Spielzeugbeilagen, mit denen es die Lücke, die „Yps mit Gimmick“ hinterlassen hatte, auszufüllen versucht, bis zu den diversen Witzen und Streichen, mit denen man Freunde, Verwandte und Lehrer „ärgern“ soll; Schadenfreude ist bekanntlich oft nicht die unangenehmste Freude.

Indes – was hat die Jugend für Alternativen? Für Micky Maus ist sie irgendwann zu alt, die eher an Jugendliche gerichteten BRAVO- und ähnlichen Heftchen sind auch nach wenigen Jahren nicht mehr interessant. Umfragen der Art „Was lest ihr am liebsten?“ zeigen, dass „gar nichts“ eine recht beliebte Lektüre ist; wenngleich nicht unbedingt eine anspruchsvolle.

Woher all diese Misere? Wird man während seiner Schulzeit dermaßen mit dröger Schulliteratur übersättigt, dass jegliches potenzielles Interesse an guter, abseitigerer Lyrik und Prosa nach absolviertem Abschluss nicht mehr besteht? Es wäre reichlich schade.

In den NachrichtenNerdkramsNetzfundstückePersönlichesPolitik
Opera Unite: Kinderkram für Sensationslüsterne

Zwischendrin wieder einmal ein kurzer Beitrag für unsere Computerfreunde:
Mit einem wie üblich riesigen Brimborium hat Opera Software das neue Opera Unite zum Testen freigegeben, eine Art virtuelles soziales Netz auf dem eigenen PC, das unter anderem den einfachen Austausch von Dateien ermöglicht.

Hierzu wird ein minimaler Webserver auf dem eigenen Rechner gestartet, der dann mit den gewünschten Inhalten, zum Beispiel Bildergalerien, bestückt werden kann. Außerdem kann man anderen Unite-Nutzern Notizzettel hinterlassen, falls diese abwesend sind.

Nun bietet Opera Unite trotz des Wirbels, den man um es macht, nichts, was es nicht seit Jahren schon gäbe. Das plattformunabhängige Sockso zum Beispiel dient als lokaler Musikserver, Abwesenheitsnachrichten kann man über viele Messenger-Protokolle hinterlassen, und der Austausch von beliebigen Dateien über einen Server ist mit lokal installierbaren FTP- und HTTP-Servern inzwischen auch für Einsteiger problemlos durchführbar.

Insgesamt bietet Opera Unite also nichts, was die Nutzung des Internets revolutionieren würde. Im Gegenteil, die Nutzung eines lokalen Webservers für derlei teils triviale Zwecke ist eine Verschwendung von Computerleistung, mithin elektrischer Energie und damit Geld.


Prima hingegen: In Deutschland wird für die Verbesserung von Schul- und Studienbedingungen gestreikt. Ein ehrenhaftes Ziel, wenn auch manche offenbar über die Stränge schlagen:

Und als schließlich etwa achtzig Protestler die Hörsäle stürmten und “Solidarisieren, Mitmarschieren!” skandierten, wusste ich plötzlich wieder ganz genau, warum mir das alles nicht gefällt: Ich mag einfach kein Gebrüll und kein Marschieren.

Es bleibt zu hoffen, dass dieser Streik zumindest Kompromisse schließen lässt; ein funktionierendes Bildungssystem ist die Grundlage für einen funktionierenden Staat. Aber die Streikenden sollten es nicht versäumen, weiterhin friedlich zu agieren. Schief gegangen ist es zuletzt vor etwas über 40 Jahren.

Toi, toi, toi!
Sozusagen.

LyrikMusikPersönliches
Impertinenz. Verelendung. Leckere Himbeeren. Depression.

Wetter heute: Supi.
Stimmung heute: Muss.

Der Morgen graut, ich bin schon wach.
Ich lieg im Bett und denke nach.
Mein Herz ist voll, doch jemand fehlt.
Ich hätt‘ dir gern noch so viel erzählt.

Traurig sein hat keinen Sinn.
Die Sonne scheint auch weiterhin.
Das ist ja grad die Schweinerei,
die Sonne scheint, als wäre nichts dabei…

Farin Urlaub – Sonne


(Eichhörnchen sind bisweilen durchaus amüsante Tiere; vorhin lag eines auf der Straße herum und stellte sich tot. Recht unangenehm für die Automobilfahrer, die auf derselben Straße, dadurch bedingt, nicht vorwärtskamen. Nach einer Weile ist das Tier dann aufgesprungen und den nächstbesten Baum hinaufgerannt. Schon ein niedlicher Anblick.)

Netzfundstücke
Medienkritik extern: „Das Internet“ gibt es nicht

Auf SPIEGEL ONLINE gibt es einen neuen Beitrag zur Diskussion um die „Generation C64“, die gerde die Medien beherrscht:

„Das Internet verkommt zum Debattierclub“ (Bernd Graff, „Süddeutsche Zeitung“), „Das Netz ist auch ein Medium, das in steigendem Maße Nicht- oder Fastnichtmehrlesen ermöglicht“ (Frank Schirrmacher, „Frankfurter Allgemeine Zeitung“), „Internet-Blogs zersetzen das informierte und unabhängige Urteil“ (Josef Schnelle, „Berliner Zeitung“). Bei Jens Jessen in der „Zeit“ wird das Internet sogar zur handelnden Person: „Das Internet, bevor es großmäulig von E-Democracy redet, muss erst einmal eine angstfreie Gesellschaft in seinen Räumen erlauben.“

(…)

Kein Zweifel: Das Internet existiert, und es wird auch nicht wieder verschwinden. „Das Internet“ aber, wie es Jessen, Soboczynski, und all die anderen Autoren immer wieder kritisieren und attackieren, existiert nicht. „Das Internet“ als ein mehr oder minder homogenes Gebilde nämlich, in dem bestimmte Regeln gelten (oder eben nicht), in dem bestimmte Verhaltensweisen angeblich ständig zu beobachten sind, in dem sich angeblich eine bestimmte Spezies Mensch tummelt, der (fast) nichts heilig ist. Eine Spezies, die aber irgendwie trotzdem eine „Netzbewegung“ mit „hermetischem Vokabular“ gebildet haben soll, die andere ausschließen will, wie Susanne Gaschke vor einigen Wochen in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ bemängelte.

Sehr richtig erkannt; das Internet besteht nicht nur aus Schlammgruben wie 4chan einerseits und verschworenen Gemeinschaften andererseits. Es ist ein multikultureller, virtueller Kosmos, und es wird Zeit, dass die Leute das verstehen.


(Versuch eines Aphorismus: Mit einer schönen Erinnerung ins Bett zu gehen und lächelnd aufzuwachen ist wie Sonnenaufgang für die Seele.)

In den NachrichtenNetzfundstückePiratenpartei
An der Schwelle eines Bürgerkrieges: Die digitale Generation trifft auf Inkompetenz.

Es ist recht beunruhigend, was dieser Tage so vor sich geht. In einem medial rundumbeschallten Deutschland ist es für Politiker offenbar nicht mehr notwendig, mit unliebsamen Äußerungen bis nach der nächsten Wahl zu warten:

„Natürlich werden wir mittel- und längerfristig auch über andere kriminelle Vorgänge reden“, äußerte sich Wiefelspütz in Bezug auf Webseiten mit verfassungsfeindlichen oder islamistischen Inhalten und fügte hinzu „Es kann doch nicht sein, dass es im Internet eine Welt ohne Recht und Gesetz gibt“.

(heise.de)*

Dass man alles, was man nicht versteht, erst mal verbieten lassen will, ist bedrückend. Die Inkompetenz der p.d. Volksvertreter wird von einem Volk getragen, das sich mit Brot und Spielen besänftigen lässt; Hauptsache, keine Nazis, oder wie ist das zu verstehen?

Die Generation C64 ist längst keine Nischenkultur mehr, sondern hat mit ihren Ideen unsere Medienlandschaft stark verändert. Das Internet ist längst kein Tummelplatz für ein paar Akademiker mehr, sondern bestimmt viele Aspekte des täglichen Lebens. Dass nun ausgerechnet diejenigen, die bei jeder sich bietenden Gelegenheit ihre Unkenntnis bezüglich der Digitaltechnik der letzten paar Jahre zur Schau stellen, sich anmaßen, über derart sensible Themen Entscheidungen zu treffen, ohne auf Einwände jener Personen, die seit Jahren ihr Brot mit diesem Fachgebiet verdienen, einzugehen, sie gar als kontraproduktiv einzustufen, ist bizarr.

Mit all den geplanten Terror- und sonstigen Abwehrgesetzen („[d]ie Sicherheitsbehörden sollen das Recht eingeräumt bekommen, jeden Brief, jedes Fax, jede E-Mail, jegliche Kommunikation der Bürgerinnen und Bürger verdeckt zu überwachen“, via fixmbr) fühlt man sich fast wie in den paranoiden USA; wenn nicht gar wie in der Orwellschen Dystopie, vor deren Umsetzung nun seit Jahren vergebens gewarnt wird. Um so schlimmer ist die Politikverdrossenheit der Deutschen.

Alles kommentarlos über sich ergehen zu lassen ist sicherlich auch eine Freiheit, die die demokratischen Grundsätze dieses Staates gewähren. Aber es ist die falsche. Für die anstehende Europawahl bietet sich immerhin eine vertretbare Lösung an, deren Einzug ins Europaparlament gesichert sein dürfte. Aber dann? Und was, wenn nicht?

Um ein letztes Mal fixmbr zu zitieren:

Wir kämpfen für die Freiheit, die Unabhängigkeit, die Souveränität und das Selbstbestimmungsrecht jedes einzelnen Bürgers. Es geht nicht um die eine oder andere Meinung, nicht um Befindlichkeiten oder um Vergangenes. Es geht schlicht und ergreifend um die Frage:

Was für eine Gesellschaft wollen wir unseren Kindern hinterlassen?

Es ist schlichtweg zum Kotzen.

(War erst mal mein letzter politischer Beitrag. Versprochen.)


* Nachtrag: Inzwischen hat er dieser Darstellung widersprochen.