PolitikIn den Nachrichten
Kurz verlinkt: Berlin bleibt so bunt, dass es weh tut.

Kul­turelle Bere­icherung des Tages:

Am Woch­enende hat­te es in mehreren europäis­chen Städten, unter anderem in Paris, Wien und Berlin, Proteste gegen die Entschei­dung von US-Präsi­dent Don­ald Trump gegeben, Jerusalem als Israels Haupt­stadt anzuerken­nen. Bei den Demon­stra­tio­nen wur­den Israelfah­nen ver­bran­nt und anti­semi­tis­che Parolen skandiert. In Berlin und Wien sollen pro-palästi­nen­sis­che Demon­stran­ten »Kin­der­mörder Israel« und »Tod Israel« gerufen haben.

Ganz unab­hängig von der lei­di­gen Diskus­sion darüber, ob der para­noide Ver­brech­er­staat Israel nun vom West­en für gut oder eher nicht so gut gehal­ten wer­den sollte: Das Ver­bren­nen zweier Fah­nen in Berlin scheint für größeren Wirbel zu sor­gen als das Mor­den von Zivilis­ten im Gaza­s­treifen. Aber keine Sorge, der Schuldige ist gefun­den: Nicht etwa radikale Mus­lime schüren den auf­bran­den­den Anti­semitismus, son­dern Don­ald Trump.

Bloß nicht reflek­tieren, es kön­nte ja zu etwas führen.

In den NachrichtenWirtschaft
Spielgeld erreicht Rekordwerte, geldkritische Kapitalisten sind entzückt.

Es beste­ht kein Anlass, sich von den jüng­sten Schreck­ens­meldun­gen, der Straßen­preis für ein Stück Bit­coin kön­nte möglicher­weise bald wieder weniger mondi­ge Preise erre­ichen, davon abhal­ten zu lassen, sein Erspartes in solche Stücke zu steck­en. Es ist ja auch nicht ver­boten, sein Geld in großen Scheinen vom Bankkon­to abzuheben und anschließend anzuzün­den.

Ein­er “Währung”, die nicht nur das Geld­prob­lem nicht löst, son­dern überdies für jede Zahlung im echt­en Leben auf­grund immer weit­er steigen­der Transak­tions­dauer ganz unab­hängig von der Akzep­tanz dieser Währung beim Wurst­peter völ­lig untauglich ist, hil­ft jed­welch­es neue Par­a­dig­ma — hier Jedi­handgeste ein­fü­gen — auch nicht mehr weit­er. Das Geldsys­tem verän­dern zu wollen, indem man sich ihm andi­ent, genügt euch schon als Rev­o­lu­tion? Springt!

So viel Geld lässt sich, weiß Gott, nicht mit etwas Gutem ver­di­enen.
Friedrich von Schiller: Kabale und Liebe

NetzfundstückeWirtschaft
Medienkritik CX: Von den Learnings eines Affiliates

Dass Web­sites, die teils alt­bekan­nte, teils neue, dafür aber qui­etschblöde “Inhalte” mit möglichst vie­len Wer­be­links verse­hen und unter reißerischen Titeln anpreisen, in ein­er vernün­fti­gen Gesellschaft mit­samt ihren Erschaf­fern geächtet wür­den, ist eine Wahrheit, die mit der momen­ta­nen Real­ität jedoch kol­li­diert statt kol­la­bori­ert. Weil die meis­ten imbezilen Knall­frösche, die die aber­dutzend­ste Auflis­tung von Katzen­videos, Schaus­piel­er­tratsch und/oder Pflege­pro­duk­ten für eine wertvolle Ergänzung des Webs hal­ten, wahlweise zu doof oder zu gierig sind, sich eine eigene Präsenz aufzubauen, hän­gen sie sich wie Saug­würmer an einen ein­laden­den Wirt. Der ein­ladend­ste Wirt von allen ist 2017 die vom Unternehmen Face­book bere­it­gestellte “Plat­tform” gle­ichen Namens, die bekan­nter­maßen allein damit einiger­maßen viel Geld ein­bringt, dass ihre Nutzer keine Medi­enkom­pe­tenz mit­brin­gen und darum so etwas wie eine “Web­site” gar nicht mehr ken­nen wollen.

Einen ganz beson­ders speziellen Fall von doof und gierig präsen­tierte dieser Tage das dadais­tisch nüt­zliche Blog “OMR”, für das Tor­ben Lux unter der Huff­in­g­ton-Post-würdi­gen Über­schrift “Dieser 26-Jährige Affil­i­ate baut seit zehn Jahren Face­book-Pages — das sind seine Learn­ings” (im Orig­i­nal natür­lich in Großbuch­staben) einen Schu­la­b­brech­er dafür bewun­dert, dass dieser in Erman­gelung vernün­ftiger Bil­dung lieber für zu viel Geld Reklame auf Face­book macht; denn wer braucht schon Zukun­ft oder wenig­stens einen Rest Anstand, wenn er auch Spam­mer wer­den kann?

Der Artikel begin­nt vorge­blich sach­lich:

Eigentlich will Markus David König aus Schör­fling am Attersee in Oberöster­re­ich sein Abitur machen. Weil erste gemein­sam mit einem Fre­und ges­tartete Blog- und Face­book-Pro­jek­te aber so gut laufen, bricht er es 2010 ab. Seit­dem fokussiert er sich kom­plett auf den Auf­bau und die Mon­e­tarisierung von Face­book-Seit­en.

Obwohl es angemessen erscheint, Markus David König für dieses, wie man auf Neudeutsch sagt, mind­set auf allerniedrig­stem Niveau auszu­lachen, wird er stattdessen zum Gespräch gebeten. Das Konzept von “OMR”, das ander­swo Wörter wie “Präse” ver­wen­det, um SEO-Eso­terik zu empfehlen, und auf dem schon wieder Tor­ben Lux sein­er Ent­täuschung darüber, dass ein groteskes YouTube- und Instagram-“Model” nicht mal für viel Geld seine Brüste rausholt, in zu vie­len Absätzen zu viel Aus­druck geben darf, scheint es im All­ge­meinen nicht zu sein, lästige Mit­men­schen als solche erkennbar zu machen, vielmehr scheint das Gegen­teil der Fall zu sein.

Besagter Markus David König hat dem Artikel zufolge schon früh nichts ver­standen:

„Mit einem Kol­le­gen habe ich während der Schulzeit ange­fan­gen, Web­seit­en mit Googles Dienst Blog­ger aufzuset­zen. Damals waren wir 15 oder 16 Jahre alt“, erin­nert sich Markus David König im Gespräch mit OMR.

Web­seit­en “aufzuset­zen” (wie Mützen oder zum Beispiel heißes Wass­er) bedeutete, als ich 15 oder 16 Jahre alt war, ja noch nicht, sich irgend­was bei Google­di­en­sten zusam­men­zuk­lick­en, aber wer nichts mit­teilen, son­dern nur etwas verkaufen will, dem ist Qual­ität eben auch ziem­lich egal (vgl. “SPIEGEL ONLINE”). Da jenes Alter beim Objekt der Betra­ch­tung zeitlich mit dem Auf­stieg Face­books zusam­men­fiel, haben wir hier immer­hin einen inter­es­san­ten Fall von der Gnade irgen­dein­er Geburt vor­liegen:

Schon damals habe es Fir­men und Agen­turen gegeben, die größere Fan­seit­en schlicht nach Reich­weite aufgekauft haben. Auch König schlägt zu und übern­immt eine kleine Page für 600 Euro. „Als ich die dann mit 19 Jahren für 20.000 Euro weit­er­verkaufen kon­nte, wusste ich, dass ich diesen Weg weit­er­ver­fol­gen muss. Das hat mich nachträglich auch noch ein­mal in der Entschei­dung bestätigt, das Abitur abzubrechen.“

Hätte es das nicht, dann wäre das bes­timmt sehr betrüblich gewor­den, aber wer braucht schon Bil­dung, wenn er Geld haben und sich dafür von ein­er Web­site, deren Gram­matik auch nicht die beste ist (“OMR Updates direkt an Dich”, sic!), als Vorzeiges­pam­mer darstellen lassen kann? Klar: Als Spam­mer würde er sich ungern beze­ich­nen lassen, denn immer­hin ist er ein ser­iös­er (“Die (…) größte Seite im Port­fo­lio von Markus David König ist “Atem­ber­aubende Tat­too Ideen”. Es fol­gen (…) „DAS WILL ICH HABEN“ (25.300 Fans) und „Hunde-Wau“ (10.300 Fans).”, T. Lux über M. D. König) Geschäfts­mann, der sein Handw­erk fast so gut beherrscht wie seine Mut­ter­sprache (“Super Wei­h­nachts Geschenkideen”, zitiert aus: “DAS WILL ICH HABEN”) und mit Spam selb­stver­ständlich nichts zu tun haben will:

Wenig später rein­vestiert König einen Teil seines Gewinns und kauft eine Face­book-Seite mit rund 900.000 Fans, die aber offen­bar vor allem aus indis­chen Fake-Pro­filen beste­ht. Er erk­lärt: “Wir haben sehr viel aus­pro­biert und woll­ten auch solche recht ein­deuti­gen Spam-Seit­en testen. (…)”

Das Geld, das er mit frem­den Inhal­ten (“Wir bekom­men wirk­lich sehr viel Mate­r­i­al geschickt, das wir natür­lich sehr gerne nutzen.”) ver­di­ent, ist meist kein geset­zlich­es Zahlungsmit­tel, son­dern beste­ht derzeit über­wiegend aus Ama­zon-Gutscheinen. Es ist Markus David König zu wün­schen, dass Super­markt und Ver­mi­eter Ama­zon-Gutscheine als Zahlungsmit­tel akzep­tieren, son­st ist sein Erfolg, mit­tel­fristig gese­hen, gar kein aus­re­ichen­der. Dass er die Ama­zongutscheine im Wesentlichen dafür erhält, dass er diverse “Seit­en” — darunter auch “recht ein­deutige Spam-Seit­en” — auf Face­book mit “Pro­duk­tempfehlun­gen” vol­lk­lebt, macht ihn noch nicht zu einem Reklame­hei­ni, denn dafür müsste er, wie er sagt, erst sein Port­fo­lio um Vide­o­reklame erweit­ern:

“Klar gibt es Pro­duk­te in Videos, die per­fekt zu The­men wie Tat­toos oder Innenein­rich­tung passen. Trotz­dem ist es immer ein schmaler Grat und wirkt schnell wie Spam.”

Während jemand, der mit “Click­bait-Seit­en” (“OMR”), auf denen auch mal öder “IKEA”-Krempel, wie im Artikel zu sehen, mit “Wow, schaut mal was für tolle Ein­rich­tungsideen es hier gibt!” bewor­ben wird, natür­lich nicht wie ein lästiger Spam­mer, son­dern wie ein wertvolles Mit­glied der Gesellschaft wirkt, zu dem es aufzuschauen gilt, denn er lebt unser aller Traum: Mit möglichst wenig Bil­dung möglichst viel “Geld” von möglichst ein­fälti­gen Men­schen (“Face­book-Fans” von “Hunde-Wau” et al.) zu bekom­men.

Unter dem Artikel sind derzeit die ersten Kom­mentare von konkur­ri­eren­den Spam­mern ser­iösen Geschäft­sleuten zu lesen, die behaupten, der artikel­weise Gepriesene habe “Videos geklaut”. Hof­fentlich lassen sie sich in Gutscheinen bezahlen.

Piratenpartei
REWE muss brennen, Computer jedoch nicht.

Im Juli dieses Jahres — kurz, bevor im Ham­burg­er Schanzen­vier­tel unzäh­lige Fahrzeuge und Geschäfte am kap­i­tal­is­tis­chen Sys­tem Unschuldiger, deren Exis­tenz dadurch mitunter gefährdet wurde, von ein paar unge­wasch­enen, saudoofen Tau­genicht­sen in Brand geset­zt wur­den — polterte ein Depp auf der offiziellen und damit den Spiegel der Parteimei­n­ung darstel­len­den Web­site der Piraten­partei Deutsch­land:

Die Polizei sucht die Auseinan­der­set­zung, hebelt Grun­drechte aus und eskaliert.

Noch am Tag darauf faselte der dama­lige Bun­desvor­sitzende und Klassenkasper Patrick Schif­fer an gle­ich­er Stelle:

Der G20-Gipfel wird von eskalieren­der Polizeige­walt und Ein­schränkun­gen in Presse- und Ver­samm­lungs­frei­heit über­schat­tet.

Das Eigen­tum Einzel­ner, dies lässt sich daraus fol­gern, spielte in der Außen­darstel­lung keine Rolle für diese ehe­mals fried­liebende Partei, denn im Kampf gegen Polizeige­walt (ob nun in Blog­beiträ­gen oder indem man in Ham­burg Seife klaut) müssen Opfer nun ein­mal gebracht wer­den.

Heute wur­den in Deutsch­land endlich diverse Woh­nun­gen durch­sucht, unter ihnen nicht nur solche von staatlich geförderten beken­nen­den Mit­gliedern des dama­li­gen “schwarzen Blocks”, son­dern auch min­destens eine, in der ein Kom­mu­nalpoli­tik­er der Piraten­partei Göt­tin­gen neb­st Fam­i­lie wohnt. Auf der Partei­web­site heißt es hierzu aus Vor­stand­skreisen:

Die Polizei scheint im Zusam­men­hang mit der The­matik des ver­gan­genen G20-Gipfels auf unglaubliche Weise ihre Gren­zen auszutesten.

Der Durch­suchte gibt zur Sache selb­st zu Pro­tokoll:

Sie haben alles mitgenom­men, meinen Bürorech­n­er und den mein­er Tochter. Die Fir­ma ist nun hand­lung­sun­fähig. (…) Die Polizei hat unseren Betrieb und eben­so meine poli­tis­che Arbeit in die Knie gezwun­gen – ohne Rechts­grund­lage.

Wären es stattdessen Spin­ner mit schwarzen Kapuzen gewe­sen, wäre die Rechts­grund­lage der Kampf gegen das Kap­i­tal gewe­sen, nehme ich an.

In den NachrichtenMir wird geschlecht
Gegen Vaginalkompetenz: Mehr Jans für Deutschland!

Die vorzeige­fem­i­nis­tis­che “Partei” der “Grü­nen” hat­te, weiß “Sta­tista”, mit dem let­zten Jahreswech­sel einen Frauenan­teil von etwa 39 Prozent. Daraus kön­nte man fol­gern, dass Frauen auf Poli­tik selb­st (oder auch: ger­ade) dort, wo man sie für die her­aus­ra­gende Leis­tung, manch­mal Brüste anstatt eines Peniss­es zu tra­gen, bere­its für eine moralisch willkommenere Gruppe hält, weniger Bock haben als andere Men­schen; wie eben auch in Kindergärten, Reini­gun­gen oder Pflege­heimen der Anteil an Män­nern geringer ist, weil diese sich eben auch lieber für Dinge mit weniger sozialem Tralala bezahlen lassen. Mit Frauen in der Poli­tik haben wir zulet­zt auch mal durch den Sozial­ab­bau ein­er Andrea Nahles, mal durch unbe­dacht­es Getröte ein­er Beat­rix von Storch eher über­schaubar gute Erfahrun­gen gemacht. Man kön­nte fast meinen, das richtige Geschlecht allein mache noch keinen guten Poli­tik­er.

Nichts­destotrotz wird berichtet, dass sowohl Peter Alt­maier als auch die bayrische SPD eine übere­in­stim­mende Lösung für das drin­gende Prob­lem, dass man momen­tan wenig­stens noch durch Scheinkom­pe­tenz überzeu­gen muss, um irgend­wo hingewählt zu wer­den, gefun­den haben. Bei “T‑Online” ist etwa zu lesen:

Die SPD will den Anteil von Frauen im bay­erischen Land­tag auf 50 Prozent anheben. Aktuell sind im Par­la­ment nur 29 Prozent der Abge­ord­neten Frauen. Angesichts ihres Bevölkerungsan­teils sind sie damit deut­lich unter­repräsen­tiert.

Wie die SPD die bayrischen Wäh­ler dazu zwin­gen will, Poli­tik­er ihres Geschlechts wegen zu wählen, ste­ht lei­der nicht dran, aber span­nend ist diese Begrün­dung schon: Sollte, wenn es gilt, jeden poten­ziellen Wäh­ler anteilig zu repräsen­tieren, es der bayrischen SPD (und Peter Alt­maier) nicht zunächst ein­mal daran gele­gen sein, sich für die Abschaf­fung der Sper­rk­lausel einzuset­zen, damit auch Min­der­heit­en angemessen an der poli­tis­chen Gestal­tung ihres All­t­ags mitwirken kön­nen? Und: Warum sollte aus­gerech­net das Geschlecht eine wichtigere Rolle spie­len als zum Beispiel eine Behin­derung? Etwa zehn Prozent der hiesi­gen Bürg­er sind schwer­be­hin­dert — kön­nte man nicht damit anfan­gen: Ein Zehn­tel der Par­la­men­tari­er muss schwer­be­hin­dert sein?

Wenn aber die Auswahlkri­te­rien schon der­maßen selek­tiv getrof­fen wer­den, dass ein Zusam­men­hang mit wirk­lichen Prob­le­men des Lebens weniger Rolle spielt als das, was zwis­chen den Beinen hängt oder eben auch nicht hängt, habe ich noch einen ver­gle­ich­baren Vorschlag: Sta­tis­tisch gese­hen heißen derzeit die meis­ten Men­schen Jan oder Anna. Wäre es dann nicht nur fair, man führte eine Jan-und-Anna-Quote ein?

Wie — ein Name allein garantiert noch keine Befähi­gung zu kluger Poli­tik? Das hat­te ich jet­zt nicht bedacht. Das liegt bes­timmt an meinem Geschlecht.

In den NachrichtenMontagsmusik
Atlanter — Light

Hm, Bambus.Es ist Mon­tag. Die Jugend ist per­vers und lieb­los gewor­den, aber das wussten schon unsere Großel­tern und haben trotz­dem immer wieder neue Jugend gemacht. Ein Gutes hat die Kawai­isierung der kün­fti­gen Flaschen­samm­ler allerd­ings: Im kom­menden Jahr kom­men wieder Pand­abären in die Kinos. Pand­abären sind klasse.

Nicht ganz so klasse ist wie gewohnt die Poli­tik. Am ver­gan­genen Woch­enende etwa hielt die AfD ihren Bun­desparteitag in der lang­weilig­sten Stadt Deutsch­lands ab. Zur Auflockerung wur­den die Delegierten von irgendwelchen Knalltüten, die nie im Leben auf die Idee kämen, zwecks Verbesserung der Gesellschaft stattdessen die recht­spop­ulis­tis­che SPD zu bestreiken, ange­blich kör­per­lich ange­grif­f­en, während auf “SPIEGEL ONLINE” der offen­sichtlich völ­lig scham­lose Sev­erin Wei­land pos­tulierte, zu den Anträ­gen vom sonst­wie gefährlichen “recht­en Flügel” (ebd.) der AfD zäh­le auch ein­er, der die Gen­i­talver­stüm­melung von Jun­gen ablehnt, denn das richte sich ganz klar gegen jüdis­che und mus­lim­is­che Jun­gen. Es ist nicht leicht, die AfD angemessen blöd zu find­en, wenn ihre Geg­n­er einan­der noch immer zu unter­bi­eten ver­mö­gen.

Schauen wir zwecks Entspan­nung mal in die Tech­niknachricht­en: Bit­coin­börsen sind, für kaum jeman­den über­raschend, mitunter betrügerisch. Dass Venezuela nun eine eigene “Kryp­towährung” bekom­men soll, passt bis­lang ganz gut in mein Bild von diesem Kryp­tokram. Aber der Fortschritt ist nicht aufzuhal­ten: Dem­nächst gibt es ein Blockchain­tele­fon. Anrufe wer­den dort bei regelmäßiger Nutzung etwa eine Stunde später einge­hen als bish­er.

Eminem ist trau­rig, Eminem will auf den Arm: Don­ald Trump höre ihm gar nicht zu, klagt er. Rap ist allerd­ings vielle­icht auch nicht Don­ald Trumps bevorzugter Singstil — wer kann es ihm verü­beln? Der musikalisch und poli­tisch etwas andere Altrock­er — sagt man das noch: “Altrock­er”? — Neil Young hat während­dessen, von der Öffentlichkeit trotz ander­sar­tiger musikalis­ch­er Vor­lieben (siehe auch: Hit­pa­raden) für ganz gut befun­den, hin­ter lei­der zu viel JavaScript sein Gesamtwerk ins Web gekippt. Da hat man als Samm­ler was zu tun.

Aber es ist Mon­tag, mon­tags wird nicht gesam­melt, mon­tags wird gejagt, näm­lich Kaf­fee zum Einen, Zer­streu­ung zum Anderen. Es emp­fiehlt sich, hier­für zu guter Musik zu greifen. Dies ist mein Vorschlag:

Atlanter — Light (live in stu­dio)

Guten Mor­gen.

In den NachrichtenComputer
#34c3: Endlich wieder Studenten-CeBIT!

Dieser Artikel ist Teil 5 von 20 der Serie Congresskrise(n)

Hur­ra:

Bis zum näch­sten Chaos Com­mu­ni­ca­tion Con­gress ist es nicht mehr weit und die geplanten Vorträge ste­hen soweit fest. (…) Der #34C3 ist rest­los ausverkauft.

Das Prinzip von Masse statt Klasse, das ver­anstal­ter­seits seit Jahren fortwährend pen­e­tran­ter die hack­erübliche und begrün­det bewährte Mer­i­tokratie erset­zt, damit auch diejeni­gen, die nichts kön­nen außer sich blöde T‑Shirts anzuziehen und sich die Haare zu fär­ben, in inklu­siv­er Manier nicht dazu ange­hal­ten wer­den müssen, auch mal was Vernün­ftiges zu ler­nen, damit sie sich mal nüt­zlich machen kön­nen und nicht bloß vier Tage lang in der Fum­m­elecke (“Lounge”) abhän­gen, ist auch 2017 noch Antrieb und mäßig gut ver­bor­genes Erfol­gs­ge­heim­nis des ehe­ma­li­gen Hack­ervere­ins. Irgend­wie linke Kon­gress­touris­ten aus der Periph­erie frag­würdi­ger Vere­ine machen den Laden voll und sor­gen für pri­ma Presse, da ist ein weniger ein­laden­des Umfeld für den tra­di­tionell eher intro­vertierten Nerd mit massen­frem­den Spezial­in­ter­essen allen­falls Kol­lat­er­alschaden. Wer Infor­matik schon man­gels The­menken­nt­nis nur aus Sozi­olo­gen­sicht sieht, der wird scheit­ern. Chris­t­ian Kahle jam­merte heute auf “Win­Fu­ture”, dass es “nicht ger­ade erfreulich” (ebd.) sei, dass viele Frauen — als sei das das wichtig­ste Kri­teri­um — trotz all der teuren Förderung immer noch gar keinen Bock auf ein Infor­matik­studi­um hät­ten. Ich fürchte, beim “Con­gress” würde diese Wort­wahl nicht ein­mal mehr seman­tisch hin­ter­fragt.

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MusikNetzfundstücke
Man stelle sich vor, “kein Besitz” sei im Besitz.

Gute Nachricht­en: Beim Android-Cheeseburger-“Emoji” — was auch immer das mit Gefühlen zu tun haben mag — liegt der Käse jet­zt, also in der neuesten Android-Ver­sion, endlich an der richti­gen Stelle. Da die wichti­gen Prob­leme der Welt damit vor­erst gelöst sein dürften, kön­nen wir uns jet­zt endlich mal wieder dem Kap­i­tal­is­mus zuwen­den, dem musikalis­chen dies­mal.

Vor etlichen Jahren näm­lich sang John Lennon, Schmus­esänger und Frisuren­träger, in einem sein­er lang­weiligeren und deshalb bekan­nteren Lieder unge­fähr, man möge sich eine Welt vorstellen, in der es keinen Besitz gibt, in der jed­er alles mit jedem teilt und wie schön diese Welt doch sicher­lich sei. So schön wie Venezuela, merk­te bere­its 2016 ein frech­er Zyniker an, den Geträume nicht beson­ders beein­druckt zu haben scheint. Die Urhe­ber­rechte an diesem Lied wur­den im Juni 2017 jeden­falls zur Hälfte John Lennons Witwe Yoko Ono, selb­st erfreulich erfol­glose Musik­erin und anson­sten vor allem dafür bekan­nt, fremdes Geld auszugeben, zugeschla­gen, was formell (ich selb­st kenne die Geschichte des Liedes nicht aus erster Hand) vor allem bedeutet, dass sie Geld bekommt. Geld kann man ja immer mal brauchen. Stellt euch vor, es gebe keinen Besitz — trau­rige Zeit­en wären das für manchen Kün­stler, wie es scheint.

Wie ich aus­gerech­net heute darauf komme? Nun, ich wurde heute auf einen drei Tage alten Tweet aufmerk­sam gemacht, in dem ein Autor und Pro­duzent von so Sit­coms die Bemerkung anbrachte, ihm sei unlängst rechtlich unter­sagt wor­den, eine sein­er Fig­uren sagen zu lassen, man möge sich keinen Besitz vorstellen; anscheinend han­delt es sich bei dieser Phrase auch dann um eine urhe­ber­rechtlich geschützte, wenn sie nicht im Lied­kon­text erscheint. Während ich das aus Ironiesicht einiger­maßen begeis­ternd finde, benei­de ich die zuständi­gen “Juris­ten” nicht, immer­hin ist es anscheinend Teil ihres Berufs, triv­iale Lied­texte auswendig zu ler­nen, um Übere­in­stim­mungen in aller­lei Tex­ten zu find­en.

Ob Ramm­stein und Scoot­er wohl auch solche Anwälte beschäfti­gen?

PolitikIn den Nachrichten
Tabak wird für weitere fünf Jahre zugelassen

Was nicht in den Nachricht­en zu lesen ist und darum keinen über­zo­ge­nen Wirbel aus­löst:

Tabak ist umstrit­ten, weil es nach­weis­lich ziem­lich zuver­läs­sig Krebs erregt. Doch auch Deutsch­land stimmte der Zulas­sungsver­längerung zu – sehr zum Ärg­er des Koali­tion­spart­ners SPD.

Vielle­icht sollte man auf Glyphosat auch ein­fach so Text und Sam­mel­bild­chen drauf­druck­en. Danach wird sich kein­er mehr beschw­eren.

PolitikIn den NachrichtenMontagsmusik
Buffy Sainte-Marie — Starwalker // Lebenszeitminister

Was fehltEs ist Mon­tag. In antiken Gesellschaften wäre man für die Über­bringung ein­er der­art schlecht­en Nachricht längst auf mehr oder weniger kreative Weise entleibt wor­den, aber schi­er zu erfrieren ist ja auch eine angemessene Bestra­fung. Ver­dammte Erder­wär­mung immer, die lässt sich echt Zeit.

Pal­im-pal­im, die Nachricht­en: “Der franzö­sis­che Präsi­dent Emmanuel Macron will Frauen bess­er vor Gewalt schützen. Sein Land soll außer­dem mehr Geld für Gle­ich­berech­ti­gung aus­geben” (“ZEIT ONLINE”), da wächst zusam­men, was zusam­men gehört, näm­lich Fem­i­nis­mus und poli­tis­che Dummheit. — Franzö­sis­che Poli­tik­er ander­er­seits wollen immer­hin noch Poli­tik machen, Anke Dom­scheit-Berg — aus irgen­deinem Grund als Parteilose für die “Linke”, anscheinend die einzige Partei, die gar keine Auf­nah­mebeschränkun­gen hat, in Berlin meine Steuern wegses­sel­furzend — hinge­gen will im Bun­destag etwas able­gen kön­nen. Ich habe die nicht gewählt.

Bei anderen will es aber auch kein­er gewe­sen sein: Unter der Über­schrift “SPD stellt Union Bedin­gun­gen”, die Pointe also immer­hin richtig erkan­nt habend, zitiert “SPIEGEL ONLINE” Angela Merkel, die gesagt habe, die “Poli­tik­er hät­ten von den Wäh­lern das Man­dat zu ein­er Regierungs­bil­dung erhal­ten” und die “geschäfts­führende Bun­desregierung unter ihrer Führung sei hand­lungs­fähig.” Wahlen sind ja auch immer blöd, die nehmen Men­schen ihre gut bezahlten Posten weg. Warum also über­haupt noch wählen? Es sind doch alle Posten beset­zt und die Amtsin­hab­er kön­nen sie auch alle­samt noch mit aus­re­ichen­dem Eifer ausüben. Das hat in Angela Merkels Jugend ja auch schon funk­tion­iert, Genosse Honeck­er kon­nte es ja auch noch, da spart man sich doch den Trubel mit der Wäh­lerei gle­ich ganz.

In etwa einem Monat find­et der schon jet­zt unsägliche 34. “Chaos Com­mu­ni­ca­tion Con­gress” statt. Ich werde dazu beizeit­en meine gewohnt nüchtern for­mulierte Kri­tik anbrin­gen, stelle aber schon jet­zt fest, dass die Gerüchte bezüglich des Con­gress­es nicht ger­ade das Bild ein­er lib­eralen Ver­anstal­tung zeich­nen. Schw­er geze­ich­net sind auch Cloud-Rap­per, Vertreter eines mir bish­er unbekan­nten Sub­gen­res des Hip-Hops, das offen­bar eine Menge mit Dro­gen zu tun hat. Ich finde die Gen­re­beze­ich­nung ein­er­seits tre­f­fend, das Tun ander­er­seits befremdlich. Nüchterne Tonauf­nah­men kön­nen doch auch ganz gut sein.

Zum Beispiel von Buffy Sainte-Marie.

Buffy Sainte-Marie live per­for­mance of Star­walk­er

Guten Mor­gen.

In den NachrichtenPolitik
Kein Wahlrecht für Schmetterlinge!

Auf ihrem heuti­gen kun­st­stof­fre­ichen Parteitag in Berlin blick­ten, bericht­en die Medi­en, die Grü­nen opti­mistisch in die Zukun­ft, denn nicht nur habe das vor­läu­fige Scheit­ern der Koali­tion mit “Union” und F.D.P. die Nähe zur offen­bar natür­lichen poli­tis­chen Part­ner­in, der CDU, gestärkt, son­dern auch und vor allem seien sie, die Grü­nen, nicht schuldig am Ablauf, denn sie, die Grü­nen, haben nach Kräften “zuerst ans Land” (“ZEIT ONLINE”) gedacht.

Ein­er der bei­den nun ehe­ma­li­gen Ver­hand­lungs­führer, der alte Mann Cem Özdemir, mut­maßte:

Wer weiß, wie die Ver­hand­lun­gen aus­ge­gan­gen wären, wenn die FDP nicht so ein Män­ner­club gewe­sen wäre.

Seine poli­tis­che Part­ner­in, die qua 100-Prozent-Quote zur Zwangskan­di­datin gekürte Katrin Göring-Eckardt, ergänzte, dass Pes­simis­mus nun unange­bracht sei, denn die näch­sten vier Jahre — unab­hängig davon, was nun regierungsmäßig noch geschieht — seien schon jet­zt die vier Jahre, in denen es gelte, neue Wäh­ler­schaften zu erschließen, an die noch nie­mand son­st gedacht hat:

Wir wollen dass in diesen vier Jahren, dass jede Biene, jed­er Vogel und jed­er Schmetter­ling weiß, wir wer­den uns für sie ein­set­zen!

Wenn es schon für die Men­schen nicht reicht.