In den Nachrichten
Glossy glänzen mit neuen News

Manchmal schaue ich immer noch gern Werbung. Sie ist so schön albern. Mein aktueller Favorit stammt von einer Firma, die unter anderem Haarpflegeprodukte hervorbringt. Nach Anwendung der angepriesenen Chemikalien, so salbadert eine Frau als Untermalung zu der Einblendung einer Frisur, höbe sich ihr Haar durch die Eigenschaft hervor, glossy zu glänzen, also, auf Deutsch formuliert, glänzend zu glänzen.
Mir scheint, das Wort gloss hat in den letzten Jahren als eigene Vokabel Einzug in die deutsche Sprache gehalten (cf. lipgloss, weil „Lippenglanz“ zwar das gleiche bedeutet, aber dann wohl doch irgendwie nicht, sonst würde es ja jemand verwenden und womöglich beim lauten Aussprechen die Wunderlichkeit des Einsatzzweckes jenes Modeaccessoires bemerken). Bislang, immerhin, ist noch von glossy Glänzen und noch nicht von Glossen die Rede. Faszinierend eigentlich.

Apropos faszinierend; zwei SPIEGEL-Online-Schlagzeilen von gestern, die mir gefielen: Michael Schumacher fährt wieder ’ne Runde in der Formel 1 mit. Damit hätte ich dann eine Wette von ungefähr Anfang 2008 gewonnen. Leider weiß ich nicht mehr, worum ich gewettet habe.
Was ganz anderes, aber von der gleichen Quelle am gleichen Tag: Angelina Jolie hält Treue für überflüssig; was dann allerdings auch irgendwie wieder zeigt, was es ausmacht, ein Traumpaar zu sein, nämlich: das mit den ständigen Treueschwüren nicht zu übertreiben. Man ist miteinander glücklich, weil man darauf vertraut, miteinander glücklich zu sein. Wie eben Vertrauen eine wichtige Basis für reibungsfreie Koexistenz ist, während Treue in beiderseitigem Einvernehmen auch mal ausgesetzt werden kann, weil das Seelische eine Bindung schafft, die das Körperliche nicht zu erhalten vermag.
(Was ja dann auch irgendwie den Reiz ausmacht. Also den des Seelischen, versteht sich.)

Draußen schneit es dieser Tage wieder täglich. Juhu, womöglich gibt es doch mal wieder eine „weiße Weihnacht“. Und dann sitzen die, die ihren Kindern immer was von einer „weißen Weihnacht“ vorschwärmen, im gut geheizten Wohnzimmer und sagen sich: „Gott sei Dank (an solchen Tagen sind manche Leute erstaunlich gläubig) sitzen wir jetzt hier im Warmen und müssen nicht dieses eklig kalte Wetter draußen ertragen. Überall sind die Straßen verstopft, jeder zweite Zug fällt aus, Unfälle häufen sich wegen der Glätte, und außerdem erhöht die Kälte unnötig unsere Heizkosten. Hoffentlich wird es bald wieder wärmer.“

Und ich glaube nicht mal, dass das eine allzu übertriebene Darstellung ist.

(Nachtrag vom 24. Dezember 2009 und apropos Werbung noch mal: „Beobachte deine Nachbarin jetzt live im Internet“ – nein, das möchte ich ganz sicher nicht!)

Nerdkrams
vis, Vim, vi

Mein Vim mit deaktivierten überflüssigen Leisten beim Schreiben dieses Textes.Da ich in den letzten Tagen schon Kommilitonen, Onlineforen und das IRC damit belästigt habe, ist es nur konsequent, dass ich mich auch hier wieder einmal mit einem Thema befasse, das eher meine computeraffinen Leser interessieren dürfte und das alle anderen Besucher wahrscheinlich Augen rollend überlesen werden:

Vim ist der beste Vielzweckeditor dieses Planeten.

Ursprünglich als ein quelloffener Nachbau des inzwischen über 30 Jahre alten UNIX-Programms vi (kurz für visual) programmiert, hat sich Vim inzwischen dank des eingebauten Skriptinterpreters zu einem der flexibelsten und mächtigsten plattformunabhängigen Texteditoren gemausert, dessen Tastenkürzel längst auch in anderen Programmen genutzt werden und, einmal auswendig gelernt, die eigene Produktivität um ein Vielfaches erhöhen können. Einmal Vim, nie wieder etwas anderes. Häufig benutzte Tastenfolgen können sogar als Makro gespeichert werden, so dass auch komplexe Textänderungen durch das Drücken weniger Tasten immer wieder wiederholt werden können.

Dieser Beitrag soll dem Zweck dienen, interessierten Lesern einen kurzen Überblick über Vim unter Windows (erbitte Verzeihung für diese Einschränkung) zu vermitteln und zu zeigen, dass Bedienkonzepte aus einer Zeit, in der Tastaturen noch ganz anders aussahen und Betriebssysteme nicht selten UNIX hießen, nicht automatisch Schnee von gestern sein müssen, sondern auch heute noch viele Vorteile bieten.

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In den NachrichtenPolitik
Boris Becker ist neidisch.

Entgegen meinen Gewohnheiten dann doch noch ein Beitrag, weil ich gerade die Muße hatte, mich durch die Nachrichten des Wochenendes zu wühlen.

Amüsant zunächst:
Boris Becker beneidet Tiger Woods um die erfolgreiche Führung diverser Affären:

Er sei erstaunt über die Anzahl der außerehelichen Affären Woods, über die berichtet werde. „Ich war überrascht über die Dimension, die Häufigkeit. Was er da, rein logistisch, alles vertuschen muss! Wie hat er denn das alles organisiert? Der muss ja dauernd das Telefon wechseln und die Spuren verwischen“, sagte Becker in der Talkshow.

Ja, das wüsste er wohl gern, der Herr Becker. :)

Apropos lustig: Der Weltklimagipfel ist beendet. Und was da für spannende Ergebnisse herauskamen!

Der Minimalkonsens des Weltklimagipfels lautet: Die Vertreter der teilnehmenden Länder nehmen die Abschlussvereinbarung „zur Kenntnis“. Damit steht es jedem Land frei, die vereinbarten Ziele konkret umzusetzen oder nicht.

Heurekamen! Dieses Ergebnis also ist „ein erster Schritt hin zu einer neuen Weltklimaordnung“.
Na, auf die Ordnung bin ich mal gespannt.


(Kann ich nur unterschreiben: Bitte fest drücken. Ach.)

FotografieMusikNerdkramsPersönliches
Realsatire in Hannover

Vogelspuren im Schnee
Vogelspuren im Schnee
Hier war gestern, was immerhin mindestens eine weitere Person bemerkt hat, statt der gewohnten unprofessionell wirkenden Textwüste nur eine schlichte Textseite zu sehen, die in schwarzer Schrift einen Wartungsmodus implizierte.

Was war kaputt?

Nun, ich war wieder einmal eifrig dabei, dieser Internetpräsenz einen aktualisierten WordPress-Unterbau zu verpassen, als ein übler Fehler auftrat, indem die Aktualisierung der Datenbank dieses Systems, manchmal immerhin mit irre führender Fehlermeldung, schlicht fehlschlug. Eine Anfrage im deutschsprachigen Hilfeforum brachte mich der Lösung des Problems leider nicht näher, so dass ich als Notfalllösung erst einmal eine kurze Information hinterließ und mich zu meiner sonnabendlichen Unternehmung aufmachte, die aus einem Besuch auf dem Hannöverschen Weihnachtsmarkt (will sagen: gemeinschaftlichem Warmgetränkekonsum mit Niveau und einem möglichst griesgrämigen Gesichtsausdruck wegen der Musik [Last Christmas! Argh!] und wegen des Wetters und wegen Weihnachten allgemein) bestehen sollte.

Vor meiner Abfahrt hatte ich mich noch gewundert, wieso auf bahn.de seit kurzem „pünktlich“ neben manchen Zugverbindungen zu lesen ist. Inzwischen habe ich es herausgefunden: „Pünktlich“ bedeutet „die planmäßige Abfahrtszeit wird ungefähr eingehalten“, alles andere bedeutet auch wirklich alles andere. Sollte hier jemals der zuständige Finanzheini der Deutschen Bahn vorbeischauen: Ihr könntet eine Menge Geld sparen, wenn ihr das mit den Fahrplänen einfach ganz sein ließet und lieber in ein paar zusätzliche digitale Informationstafeln investiertet. Gerade derzeit, da technische Schwierigkeiten auf vereisten Strecken offenbar der Regelfall sind, ist es doch ein ziemlicher Unsinn, von „planmäßigen Abfahrtszeiten“ zu reden, die sich dann, je nach weiterem Streckenzustand, immer wieder ändern. Immerhin beweisen eure Durchsager trotz entfallener Ruhepause zwischen Hin- und Rückfahrt noch Humor: „Wenn Sie wollen, dass dieser verdammte Zug endlich weiterfährt, machen Sie bitte die Türen frei!“. Das hat dann auch funktioniert.

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In den NachrichtenNetzfundstückePolitik
Eher friert die Hölle zu.

In Kopenhagen findet immer noch die UN-Klimakonferenz statt, und die größten Umweltschweine sind wieder einmal die mit den umwerfendsten Forderungen. Als hätte es noch nicht gereicht, dass wir in Europa nun künftig alle im Halbdunkel sitzen müssen!

Worum geht es eigentlich noch mal in dieser Konferenz? Ach ja, richtig:

Das Ziel der Klimarahmenkonvention besteht darin, eine gefährliche Störung des Klimasystems zu verhindern. Dies kann gemäß dem Umweltprogramm der Vereinten Nationen nur dann erreicht werden, wenn die Erderwärmung auf 2 Grad begrenzt wird.

Die Erderwärmung ist wahrlich ein Problem. Vor lauter Hitze traut man sich im Moment ja schon gar nicht mehr auf die Straße, man verbrennt förmlich; und im Sommer ist es ja noch schlimmer, und es kommt uns nur so vor, dass er jedes Jahr kürzer wird, das kann nämlich gar nicht sein. (Fast hätte ich „und so“ angefügt.)
So ein Hitzetod ist ja auch keine schöne Vorstellung.

Apropos schöne Vorstellung und apropos Klimakonferenz: In Dublin wurde laut Fefe ein – wie passend – Umwelt schonender Vibrator vorgestellt, neu mit zweitem Handantrieb sozusagen. Besonders beeindruckend fand ich diesbezüglich, dass sich tatsächlich Frauen dazu bewegen lassen, detaillierte Testberichte (leider nur in Textform) abzuliefern:

I’ve only used it a couple of times, and it’s fantastic. It’s very intense, and sometimes, at the top level, depending on the person that’s using it, it can actually be too intense sometimes.

Ich gratuliere der Dame und wünsche ihr noch viele schöne Vibrationen; danke auch an die aufmerksamen Klimaschützer, die die Überlegungen, die zu solcherlei führten, überhaupt erst ermöglicht haben! Auf dass kommende Erfindungen zum Wohle der Umwelt ähnlich viel Spaß bringen mögen.

Und da wir gerade bei Pornografie Massenpanik waren: In den Niederlanden geht die auch für Menschen mitunter tödliche Ziegengrippe um. Vögel und Schweine haben wir ja jetzt offenbar erfolgreich überlebt, und das sogar ohne allzu viel Einsatz der teuren Impfstoffe. Schade.

(Ob man die Restbestände vielleicht weiter verwenden kann?)


Nachtrag, der allerdings mit Klima und Grippe nichts zu tun hat:
Der Originalschriftzug „Arbeit macht frei“ wurde gestohlen, und die Präsidenten irgendwelcher Gedenkstätten wittern schon wieder irgendwelche Anfänge, derer man sich gefälligst erwehren sollte. Auf die Idee, dass Neonazis – per definitionem – wohl eher niemals ein KZ beschädigen würden und dass dieser Verdacht eher unwahrscheinlich und wie ein allzu leichtfertiger Versuch, einen Schuldigen nicht erst ermitteln zu müssen, erscheint, kommt mal wieder keiner. (Außer mir, versteht sich.)

Fotografie
Niedliches statt Schnee

Plötzlich einsetzende Milde überkam die Stadt. Selbst an Kälte gewöhnte Wasservögel werden zur optischen Betonung dieses Umstandes bekleidet und in Schaufenster gestellt, in den Augen ironieverständiger Menschen nicht nur der Außentemperatur, sondern auch der emotionalen Kälte zur Weihnachtszeit Rechnung tragend.

Winterpinguin

Jüngst entdeckt: Eine am Wegesrand wie festgefroren sitzende Taube, sichtlich verunsichert.
Jetzt fehlt nur noch Schnee zum Glück.

NetzfundstückePersönliches
Alte Zöpfe

Die Digitalisierung der Welt hat bekanntermaßen Auswirkungen auf die Art, wie wir mit Informationen umgehen, auch darauf, wie wir sie verarbeiten. Manchmal, wenn man in der Flut an digital kopierten und so für eine eigentliche Ewigkeit konservierten Informationen zu ertrinken droht, scheint es einladend, eine oft nicht grundlos getroffene Priorität mancher Informationen zugunsten einer jedenfalls temporären Ordnung oder dessen, was man dafür hält, zu verwerfen und den Löschknopf zu betätigen. „Alte Zöpfe“, die man abschneiden „müsse“, seien die entfernten Texte, behauptet man dann manchmal, um sein eigenes Gewissen zu beruhigen, dem es natürlich auch nicht immer recht ist, wenn sein Besitzer Relikte von Personen, deren bloße Existenz oftmals das eigene Leben positiv zu beeinflussen wusste, als „alte Zöpfe“ bezeichnet.

Und wie beim Coiffeur ist auch das Abschneiden von Texten aus Momenten des Glücks – „I’ve had the time of my life“ – meist endgültig. Lässt man sich, von Emotionen getrieben, dazu bewegen, sich von den verbliebenen Zeugnissen solcher Momente zu trennen, schaut man hinterher wehmutig auf den Boden um sich herum, auf dem nunmehr die Säuberungsroutine stattfindet, und denkt wieder an die alten Zeiten, die man nun eigentlich hinter sich lassen wollte, um neu anzufangen.

Sind die alten Zöpfe ab, merkt man erst, wie viel angenehmer es war, sie ab und zu noch mal anzuschauen und sich wieder in die alten Zeiten zurückzuversetzen.
Die logische Konsequenz: Man lässt sich neue Zöpfe wachsen.


Übrigens endlich mal eine sinnvolle und fundierte Studie: Apple-Kunden leiden an einer psychischen Störung.

NetzfundstückePersönliches
„Und sonst so?“

(… und dann fragen mich die Leute, „tux“, fragen sie mich, meinen schrecklichen Vornamen durch einen für Außenstehende immerhin unverständlichen bis niedlichen Spitznamen eigener Wahl ersetzend, „was genau machst du eigentlich den ganzen Tag?“ – „Nun“, worte ich dann ant, „wenn ich nicht gerade Tutorien für absurde Themen formuliere oder sonstigen Unsinn ins Internet schreibe, sitze ich meist in einer Ecke, ärgere mich über Wörter wie ‚Außenstehende‘ und ’niedlich‘ und zähle auf dem Kalender die Tage zwischen den wirklich aufregenden Erlebnissen des Lebens, die sich meist Monate im Voraus ankündigen und dann, wenn sie sich der Gegenwart nähern oder diese sich ihnen, dann kommentarlos aus seltsamen Gründen verpuffen, nicht mehr da sind, und keiner weiß dann letztendlich so genau, wieso. Die Tage mit Träumen zu verbringen und nachts unruhig zu schlafen in Erinnerung an und im Ausblick auf schöne Zeiten, weil die Zeit ‚dazwischen‘ ja dann doch immer länger wird und man sich auch bewusst in Träume flüchtet, weil man sich dort, eine entsprechende Erziehung vorausgesetzt, mehr traut, weil die Chance, im Traum einen Korb zu bekommen, erfahrungsgemäß eben doch eine eher geringe ist, ebenso wie die, im Traum verlassen zu werden; weil sich die Träume das Unterbewusstsein zusammenstrickt und das Unterbewusstsein dafür bekannt ist, neben einem oft zu guten Erinnerungsvermögen auch einen ungesunden Optimismus vorzuweisen, der einem dann nach dem Aufstehen doch wieder nur trübe Gedanken bereitet, und eigentlich wäre es demnach schlau, den ganzen Tag träumend zu verbringen, aber … wie war noch mal die Frage?“ –
„Schon gut“, sagen die Leute dann, verdrehen die Augen und tauschen viel sagende Blicke aus, und ich verstehe selbst nicht, wieso ich mich immer wieder als einen esoterischen Langweiler darstelle und die Hälfte meines Lebenswandels grob unterschlage; und dann aber irgendwie doch.)

Auf seltsamen Fundstücken basierende Empfindung des Tages: „Hello Kitty“ ist so was von widerlich niedlich (da isses wieder), dass es beinahe psychologische Kriegsführung genannt werden kann und gegen die Grundregeln menschlichen Zusammenlebens verstößt, derlei Produkte zu verwenden.

Hello City

Musik
Medienkritik XIX: Bei RTL singt man international.

Dass wir täglich von dem um sich greifenden Anglisierungswahn umgeben sind, ist ja schon beinahe keiner Erwähnung mehr wert.
Manchmal allerdings fasst man sich dann doch an den Kopf.

Kürzlich wurde ich mit dem kaputten Sender RTL konfrontiert, der derzeit nicht mal ein brauchbares Programm vorzuweisen hat, das irgendjemanden zum Einschalten bewegen sollte, und es lief ausgerechnet ein Eigenwerbeblock. In diesem wurde wiederum dies angekündigt:

Die erfolgreichsten Rock-/Pop-Christmassongs aller Zeiten sollten in Bälde aufgeführt werden.
Ist das nicht grausig?

Gehen wir’s mal durch:

„Die erfolgreichsten“
Woran wird der Erfolg genau gemessen? An der Beliebtheit in der Zuhörerschaft sicher nicht; „Last Christmas“ (aus Rücksicht auf die Nerven meiner Leser nicht mit einem Hyperlink versehen) mag bekannt sein, aber niemand, der bereits eine vollständige Weihnachtszeit mit Musikuntermalung hinter sich gebracht hat, legt Wert darauf, diese Gruselmusik mit dem Attribut „erfolgreich“ zu versehen. Hoffe ich jedenfalls.

„Rock-/Pop“
… und dazwischen gibt es nichts? „Rock/Pop“ ist die wenigstens halbwegs informiert klingende Ausdrucksweise für „halt so Musik“. Alles, was nicht Rock ist, ist Pop; dies scheint die gesellschaftlich akzeptierte Lesart musikalischer Genres zu sein.
Bedeutet das, dass Rock keine popular music ist? Schön wäre es ja, dann könnten sich einige Rockbands endlich von dem Versuch abwenden, sich anzubiedern, und wieder gute Musik fabrizieren. In dem Phrasenungetüm, das wir hier vor uns haben, ist „Rock/Pop“ jedenfalls bestenfalls überflüssig.

„Christmas“
Man mag ja von englischen Lehnwörtern halten, was man will; „Christmas“ ist keines. (Jedenfalls nicht nach der mir bekannten Definition von Lehnwörtern, die da besagt: Wenn ein fremdsprachiges Wort die deutsche Grammatik bekommt, ist es ein Lehnwort. Wie dekliniert man „Christmas“?)
Nein: Hier wurde ein englisches Wort mitten in den Term geklebt. Weil es eben „cooler“ klingt als „Weihnachts-„, nehme ich an. „Eek!“, wie der US-Amerikaner zu sagen pflegt.

„-songs“
Hier gilt eigentlich noch immer der vorige Absatz, aber auch inhaltlich möchte ich noch eine Ergänzung anbringen: Dass in Weihnachtsliedern leider meist Gesang im Spiel ist, ist eigentlich nichts, was man separat durch die Wortwahl betonen müsste. Und „Ich singe einen Song“ ist doch nun wahrlich ein höchst alberner Satz.

„aller Zeiten“
Zum Abschluss dann doch noch mal eine vermeintlich deutsche Phrase, entlehnt aus dem englischen „of all times“ und dort genau so falsch.
Wären es tatsächlich „die erfolgreichsten … aller Zeiten“, so könnte man also guten Gewissens davon ausgehen, dass kein zukünftiges Musikstück mehr einen größeren Erfolg zu verbuchen vermag. (Aber ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass die Rangliste tatsächlich recht unveränderlich ist. Ich halte mich vor allem zur Weihnachtszeit grundsätzlich bestmöglich von allen Veranstaltungen fern, die Radiomusik spielen könnten, aber ich nehme an, wenn ich in diesem Jahr anders vorgehe, werde ich wieder mit „Last Christmas“, „White Christmas“ und „Jingle Bells“ gequält. Die deutschsprachige Musikwelt hat dergleichen nur wenig vorzuweisen, und ich kann es gar nicht groß genug schreiben, um meinem erleichterten Schrei ausreichend schriftlichen Ausdruck zu verleihen: Zum Glück!)

I’m dreaming of a wild business.
– EAV: Ihr Kinderlein kommet (verdammt noch einmal)


Lesetipp, bis mir wieder was besseres einfällt:
Der Supermarkt als Spiegelbild der Ich-Gesellschaft.

In den NachrichtenMusikNetzfundstückePiratenpartei
Die kanadische Musikindustrie und das mit dem Urheberrecht

Michael Geist, laut Biografie juristisch bewandert und kein Kanadier, schrieb bereits am Montag etwas, was auf Spiegel.de seit Dienstag folgenderweise zu lesen ist:

Weil sie jahrezehntelang keine Tantiemen an Künstler auszahlten, stehen einige der größten Labels Kanadas bald vor Gericht. Die Klage liegt schon seit Oktober 2008 vor, und immer mehr Kläger schließen sich ihr an: Zuletzt reichte die Nachlassverwaltung des amerikanischen Jazzmusikers Chet Baker ihre Ansprüche gegen den Verband der kanadischen Musikindustrie CRIA ein. Insgesamt summieren sich die ausstehenden Tantiemenzahlungen zu astronomischen Höhen: 50 Millionen kanadische Dollar, gesteht die CRIA ein, schulde man den Künstlern wohl auf jeden Fall. Die Klage geht aber von leicht höheren Summen aus: Bis zu 6 Milliarden kanadische Dollar (circa 3,8 Milliarden Euro) könnten fällig werden – rund 20.000 kanadische Dollar pro Urheberrechtsverletzung.

20.000 Dollar pro „Urheberrechtsverletzung“; woher kenne ich solche Summen?
Ach ja, richtig:

Rund zwanzig Jahre gerierten sich also kanadische Plattenlabels wie Raubkopierer, die Ansprüche einfach mit einem Verweis auf die Wird-irgendwann-bezahlt-Liste abwehrten. Das könnte sie nun teuer zu stehen kommen.

Dass das Urheberrecht, das derzeit vor allem dazu zu dienen scheint, die finanziellen Interessen der Rechteverwerter zu wahren, dringend einer Erneuerung bedarf, ist bekannt und wurde ja auch im letzten Wahlkampf thematisiert. Dass die Nachricht über eine solche Klage nun ausgerechnet aus Kanada, wo die regelmäßig über die Stränge schlagende GEMA nicht wütet, zu uns dringt, ist schade, aber immerhin ein Anfang; man darf gespannt sein.

Hierzulande handeln die Rechteverwerter auch nicht unbedingt zum Wohle der Allgemeinheit und oft nicht einmal im Interesse der Künstler. Der große Knall ist lange überfällig. Wer fängt an?


Kleiner Nachtrag zu einem ganz anderen Thema:
Die angekündigte „Schweinegrippe“-Pandemie mit den Tausenden Toten scheint schon wieder vorbei zu sein, und all die schöne Panik war völlig vergebens. Götz Wiedenroth hat wieder eine treffende Karikatur hierzu erschaffen.

In den NachrichtenNetzfundstückePolitik
Kurz verlinkt II: Studenten, Spione, SPD (oh, eine Alliteration!)

Eine wirklich zauberhafte Idee hat ProSieben da:

In der Sendung geht es darum, dass fünf männliche Studenten innerhalb eines Semesters 50 Frauen oder Männer ins Bett bekommen sollen. Wer das schafft, gewinnt und geht als Frauenschwarm durch.

(via, Hervorhebung von mir)

Mal ganz abgesehen davon, dass ich noch nicht so ganz verstehe, wieso man als Frauenschwarm gilt, wenn man wahlweise 50 Männer ins Bett bekommen hat, was natürlich auch schlichtweg eine Fehlinformation sein kann, fallen mir noch zwei weitere Fragen ein:

Erstens: Welche Frau schwärmt für einen Mann, der beim Schnackseln eine Strichliste führt?
Zweitens: Wird da eigentlich auch Beweismaterial aufgenommen?

(Wahlweise natürlich auch drittens: Welche arme Sau ist verzweifelt genug, um da teilzunehmen und sich vor dem Prekariat vollends zum Clown zu machen? Andererseits wurde die Zielgruppe sicherlich nicht ganz zufällig gewählt.)

Nachtrag vom 11. Dezember 2009:
Die Sendung wurde nun erst einmal verschoben.


Das CDU-Hausmagazin Welt Online berichtet:

Die Bundesregierung und die Internet-Wirtschaft planen eine Art verpflichtenden Virenschutz für die Verbraucher. Provider wie die Telekom, 1&1 oder Arcor sollen ihre Kunden automatisch warnen, wenn sie sich Viren eingefangen haben. Wer die Schädlinge nicht entfernt, muss mit Sanktionen rechnen.

Nur wenig erstaunlich ist, dass die angeheftete Umfrage („Sollten Verbraucher bestraft werden, wenn sie Viren nicht von ihrem Computer entfernen?“) derzeit 20 Prozent Ja-Stimmen verbuchen kann. Viel Zuspruch also für eine Technik, die es voraussetzt, dass Dritte auf den eigenen Computer schauen dürfen. (Und an Fehlalarme, die in der Antivirenwelt bekanntlich immer auftreten können, hat natürlich auch wieder keiner gedacht.)


Apropos Bundesregierung:

Lars Klingbeil, für die SPD im Bundestag, fordert das Ende der Netzsperren. Die gleichen Netzsperren, die die SPD höchstpersönlich befürwortet hat, übrigens. Willkommen in der Opposition!

MusikPersönliches
Der Silvesterbeitrag 2009, aus belanglosen Gründen früher veröffentlicht

Das Jahr 2009 ist gerade etwas mehr als elf Monate alt, und schon sind die ersten Jahresrückblicke im Fernsehen zu sehen. Der Eindruck, dass also im Dezember keine „Menschen des Jahres“ mehr die Chance bekommen, sich rechtzeitig als solche hervorzutun, ist sicher keiner, den man gewinnen möchte. Und was da auch immer für grausige Personen als Protagonisten auftreten! Wenn so das Jahr 2009 aussieht, habe jedenfalls ich auf das Jahr 2010 schon jetzt keine Lust mehr.

Wie sich dann am tatsächlichen Jahresende ohnehin herausstellen wird, dass man so ziemlich alles, was man sich für die vergangenen zwölf Monate vorgenommen hatte, mal wieder gründlich vergeigt hat. Auch kurze Momente der Freude und des Vergessens können nur schwerlich darüber hinwegtäuschen, dass man noch immer der gleiche Mensch ist wie im letzten Jahr. Man hat noch immer die gleichen Interessen, den gleichen Musikgeschmack und die gleiche Einsamkeit, die an einem nagt wie der Zahn der Zeit in merkwürdigen Sprichwörtern, die einen selbst zum Glück ohnehin noch nicht betreffen. (Und dann geht es andererseits doch immer schneller, als man es selbst bemerkt.)

Vor dem nur wenig befüllten Textfenster, in dem ich Zeilen wie diese üblicherweise entwerfe, sitze ich nun also, weil mir die eigentliche Idee zu diesem Beitrag gekommen ist, und mache mir eigentlich überflüssige Gedanken darüber, ob ihn überhaupt jemand lesen möchte. Ich schreibe Texte um des Schreibens Willen. Gedanken, die raus müssen, in die Öffentlichkeit tragen und warten, bis sie im Archiv verschwinden. Das uralte Prinzip des Tagebuchschreibens im digitalen Zeitalter, in dem man nicht noch nach Jahrzehnten daraus zitiert. Gut so.

Ich wünsche mir manchmal, ich hätte mehr Ideen. Schreiben ist eine lieb gewordene Tätigkeit. Das Thema ist fast egal, so lange es mich interessiert. Manchmal kommt dann eben auch was raus, was für den Betrachter nur unter Drogen Sinn ergibt. Das zählt dann als Kreativität und stört mich also nicht.
Selten erhalte ich auch Vorschläge, zu welchen Lebensbereichen ich mich an dieser Stelle äußern könnte. Vor einigen Tagen unterhielt ich mich im IRC mit einer Leserin, die befürchtete, ich würde sie und ihren zweifelsohne interessanten Charakter thematisieren wollen. Ich äußerte mich wie folgt:

(@Tux^verdreifelt) nein, ich blogge nicht über die charaktereigenschaften von frauen. als ich das letztes mal tat, hab ich danach nur gehört „du hast doch keine ahnung .. blafasel … du bist ein dummes arschloch.. bla .. sülz .. fick dich“

Die Außenwirkung meiner Beiträge interessiert mich sonst nur wenig. Aber wenn ich Gefahr laufe, aufgrund ihrer Veröffentlichung von sonst eigentlich wohlgesonnenen Personen nachhaltig beschimpft zu werden, sehe ich oft davon ab, sie zu schreiben. Das macht nichts, damit kann ich mich arrangieren.

Und schon wieder bin ich vom Thema abgekommen. Zurück zu ihm:

Was bedeutet ein neues Jahr? Man nimmt sich irgendwas vor, schiebt es nach hinten, und irgendwann ist schon wieder viel zu wenig Jahr übrig. Wenn aufgestellte Pläne nicht mehr stimmen, ist der klügste Vorsatz für das kommende Jahr, keine Pläne mehr zu machen.
Wo doch überhaupt ein „neues Jahr“ meist am Fernsehprogramm zu erkennen ist. Auf Sat.1 und RTL unterbietet man sich gegenseitig mit den unlustigsten Spaßmachern der letzten vierzig Jahre (Mario Barth, Rudi Carrell und leider auch fast alle dazwischen), und dann immer diese saudämlichen Schlagercharts. (Und an Neujahr füllt sich dann immer meine Festplatte mit Liedern, die ich im Sektrausch total toll fand. Favorit im vorvorletzten Jahr: Lisa Stansfield – Been around the world. Favorit im letzten Jahr: Mouth & MacNeal – How do you do?. Vorletztes Jahr wurde mit so Leuten verbracht, vermutlich zum Glück. Mal sehen, wie es dieses Mal läuft.)

Statt allein fernzusehen, kann man an Silvester auch zu anderen Leuten, die man nüchtern nicht erträgt, fahren und mit ihnen zusammen fernsehen. (Oder sich gegenseitig Witze erzählen, die man letztes Silvester im Fernsehen gehört hat.) Das macht tierisch Freude, wenn man gemeinsam über Witze lacht, für die man sich schämt, sobald man sie verstanden hat, was aber meist erst viel später eintritt.

Der Weltgeist will es, dass zu diesen anderen Leuten nur selten der im Grunde einzige Mensch gehört, der einem wirklich was bedeutet. Das hat sicher auch Vorteile, man macht sich unter zu viel Alkoholeinfluss nur vor Leuten zum Affen, denen man letztendlich ohnehin egal ist (vice versa), aber es hält auch die Einsamkeit jung und frisch. Dann steht, sitzt oder liegt man da mit einem Glas billigen Fusels und fragt sich, was sie gerade macht, und man schreibt ihr vielleicht im nicht mehr allzu nüchternen Zustand eine Nachricht und erhält einen fragenden Blick, und dann, am nächsten Tag, liest man seine Nachricht noch mal und versteht sie selbst nicht. Es war schlau von der Natur, unsere Kommunikationsbereitschaft und -fähigkeit unserem Alkoholpegel anzupassen. Guter Vorsatz für dieses Silvester: Mehr auf die eigene Natur hören.

You go there, you’re gone forever, I go there, I’ll lose my way,
if we stay here we’re not together, anywhere is.

– Enya

KaufbefehleMusikkritik
Musik 12/2009 – Favoriten und Analyse

Fast hätte ich es vergessen: Ein weiteres Kalenderjahr ist bald vorbei, und das bedeutet außer arschkaltem Wetter und aufgewärmtem Billigfusel auf so genannten „Weihnachtsmärkten“ auch, dass ich wie üblich die formidabelsten Tonträger des Jahres – jedenfalls die unter ihnen, die nicht zum Halbjahr schon Erwähnung fanden – in Kürze vorstelle.

Und es waren so viele! – So sehr man eine solche Liste auch kürzen möchte, man wird immer das Gefühl nicht los, dass ein Album, das man rauswerfen möchte, eigentlich doch ganz wunderbar geworden ist. Also mussten andere Kriterien her. So fiel der Kürzung zum Beispiel das Album The Incident von Porcupine Tree zum Opfer, weil ich mich nur ungern wiederholen wollte.

Auch diesmal möchte ich neben aktuellen Alben anhand zeitloser Klassiker auch ein wenig Musikgeschichte der letzten 40 Jahre betreiben und einige Tonträger aufführen, die trotz zahlreicher guter Kritiken meine persönlichen Qualitätskriterien leider nicht erfüllen konnten.

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Netzfundstücke
Das Affentheorem

Apropos Affen:

Eine Orang-Utan-Dame aus Wien hat das Fotografieren für sich entdeckt.

Künstler bei der Arbeit

Die Daily Mail weiß mehr:

Her pictures have won over more than 8,500 fans on Facebook since the zoo launched an online photo album of her work on Tuesday.

Eins der derzeit weltweit bekanntesten Facebookprofile ist also das eines fotografierenden Affen.
Die Blüten, die dieses „Web 2.0“ so treibt, sind manchmal sehr bezeichnend.

Spaß mit Spam
Und wie es jedoch am Namen!

Die E-Mails sendenden Russinnen haben sich lange nicht mehr bei mir gemeldet, offenbar haben die zahlreichen Verurteilungen von Spammern in diesem Jahr doch etwas bewirkt. Aber man wäre ja auch in derartigen Zirkeln kein moderner Mensch, wenn man sich auf einen einzigen Kommunikationsweg beschränken würde, und so fand ich heute in einem Posteingang eines meiner selten genutzten „Web-2.0“-Profile folgende Nachricht:

Und wie es jedoch am Namen!

Es hat ein bisschen gedauert, bis ich so ganz verstanden habe, was die Gute da eigentlich von mir wollte.
Ob es am Jennifer mit Namen lag?

Nach einer Weile habe ich es dann, so hoffe ich, verstanden: Sie sucht offenbar einen Mann.
Und sie war von vornherein sehr fasziniert von meiner überaus männlichen Ausstrahlung, dass sie sich gar nicht an mir sattsehen konnte, und da sie irgendeine höhere Macht daran hindert, mich jederzeit wieder auf dieser ominösen Webseite zu besuchen, bin ich nunmehr herzlich dazu eingeladen, mich bei ihr per E-Mail zu melden.

Nicht schlecht, dachte ich, noch kein Wort mit ihr gewechselt und schon habe ich ihre private und sicherlich total geheime Mailadresse. Dass sie kein Bild von sich in ihrem eigenen Profil hat, hat sicherlich auch gute Gründe.
(Vielleicht liegt es am Namen.)

Ich war eigentlich fest entschlossen, mich bei der Dame zu melden; immerhin hielt sie mich für interessant möglicherweise in Ordnung.
Aber irgendwas sagt mir, dass sich da noch schwer überwindbare Hürden auftun:

Ich fürchte, das wird nichts mit uns.

Sie für meine E-Mail warten. Sie können.