PolitikIn den Nachrichten
Zäh wie Leder, fly wie Kruppstahl.

Wir sind wieder wer:

Die Bun­deswehr hat noch nie so viele Min­der­jährige aus­ge­bildet wie im ver­gan­genen Jahr. (…) Auch nach dem Absolvieren ihrer sechsmonati­gen Probezeit seien im ver­gan­genen Jahr 90 Sol­dat­en noch nicht volljährig gewe­sen.

In einem gesun­den Kör­p­er meuchelt der gesunde, noch unver­brauchte Geist beson­ders frisch, fromm, fröh­lich und frei. Die Jugend solle sich sowieso mehr bewe­gen und nicht immer bloß am Com­put­er virtuelle Geg­n­er abknallen, empfehlen Experten. So haben alle was davon.

PolitikIn den NachrichtenMir wird geschlecht
Von der Dominanz vermeintlich liberaler Ideologien.

In Teilen der USA ist seit der Wahl des amtieren­den Präsi­den­ten das Mem von weinen­den Lib­eralen ungewöhn­lich beliebt. Ich habe dieses Mem sehr lange nicht ver­standen, denn ich hielt ger­ade uns Lib­erale immer für eine zwar het­ero­gene, aber zumin­d­est in dem Punkt, dass “links” und “rechts” keine exis­ten­ten Bew­er­tungss­chemen sein dür­fen, recht einige Gruppe.

Nun hat es sich ergeben, dass der bei Google wegen über­schäu­mender Real­ität unsan­ft ent­glit­tene James Damore seinen ehe­ma­li­gen Arbeit­ge­ber, hämisch begleit­et von sich dem Fem­i­nis­mus anbiedern­den, offen­sichtlich also von Selb­stzweifeln zer­fresse­nen weißen Män­nern auf Boule­vard­blogs, mith­il­fe der Zusam­men­tra­gung aller­lei unap­peti­tlich­er Details aus dem ras­sis­tisch-sex­is­tis­chen Arbeit­sall­t­ag von und mit hochrangi­gen Googlemi­tar­beit­ern verk­lagt. Außer der “FAZ”, die anscheinend unge­le­sen eine entsprechende dpa-Mel­dung über­nom­men hat, schwadroniert auch “heise online” davon, dass bei Google eine “lib­erale Ethik” herrsche, hier allerd­ings wenig­stens als Zitat gekennze­ich­net:

die Dom­i­nanz lib­eraler Ide­olo­gie bei Google ver­hin­dere eine offene Diskus­sion

Dass eine dom­i­nant lib­erale Ide­olo­gie über­haupt erst die Bedin­gung für das Entste­hen ein­er wirk­lich offe­nen Diskus­sion ist, ste­ht dabei sicher­lich außer Frage. Ist James Damore blöd? Nein, die Über­set­zer sein­er Klage sind es: Der US-amerikanis­che Begriff des “lib­er­al­ism” hat mit unserem guten Lib­er­al­is­mus, der dort wohl eher “lib­er­tar­i­an­ism” heißt und wiederum nicht iden­tisch mit Lib­er­taris­mus ist, nichts zu tun und wird von so Blogs eher in die Nähe von Sozialdemokratie gerückt, wobei die real existierende deutsche Sozialdemokratie den dor­ti­gen “Lib­eralen” wie allerd­ings auch mir ver­mut­lich viel zu rechts wäre. Mit ein­er “lib­eralen Ide­olo­gie” weist der geschlechts- und eth­niefokussierte Kampf für die einzig richtige Mei­n­ung, dass näm­lich weiße Het­eromän­ner das per­son­ifizierte Unglück seien und drin­gend jew­eils durch einen durch­schnit­tlichen “Congress”-Besucher (wis­senschon: grüne Haare, schrille Stimme, Iden­ti­fika­tion als Apache-Kampfhub­schrauber) erset­zt wer­den müssen, auf dass es dem Land, das unter der Knechtschaft Don­ald Trumps, unter dem die Arbeit­slosigkeit eigentlich nahezu ver­schwun­den und der Wohl­stand auf einem Zehn­jahreshoch angekom­men ist, endlich bess­er (lies: weib­lich­er) gehen möge, keine ersichtliche Übere­in­stim­mung auf; außer eben: Ide­olo­gie.

Ich würde mir von poli­tis­chem Jour­nal­is­mus (wenn schon nicht von “heise online”) wün­schen, den Unter­schied zwis­chen lib­er­al­ism, lib­er­tar­i­an­ism und Lib­er­al­is­mus min­destens zu ver­ste­hen, im Best­fall beim Ver­fassen von ange­blich der Infor­ma­tion der Leser dienen­den Tex­ten auch irgend­wie ersichtlich zu machen. Nicht alles, was im Englis­chen so heißt wie im Deutschen, hat dort auch die gle­iche Bedeu­tung. Zu fish and chips gibt es ja auch keinen Sal­sadip.

Eine Kom­pe­ten­zquote würde dem Jour­nal­is­mus auch mal gut tun.

(Siehe auch: Warum Deutsch­land den Lib­er­al­is­mus braucht.)


Apro­pos Quote: Im “Mor­gen­magazin” fragte der in mein­er Achtung plöt­zlich merk­lich gestiegene “Grünen”-Politiker Cem Özdemir, ob es nicht vielle­icht rat­sam sei, bei der kün­fti­gen Beset­zung der Parteispitze zur Abwech­slung ein­mal Kom­pe­tenz anstelle Geschlecht und Flügelzuge­hörigkeit zu berück­sichti­gen. Punk ist nicht tot.

In den Nachrichten
Medienkritik extern: Chefredaktion von “SPIEGEL ONLINE” bezichtigt “SPIEGEL ONLINE” der Desinformation.

Beim deutschsprachi­gen Ableger des bösen Pro­pa­gan­dam­agazins “Rus­sia Today” ist zu lesen:

Matthias Stre­itz, seines Zeichens Mit­glied der Chefredak­tion von Spiegel Online (SPON), hat RT öffentlich “Desin­for­ma­tion” vorge­wor­fen. Als Beweis dient ihm ein Foto in einem New­stick­er-Beitrag von RT Deutsch. (…) Die Quelle, auf die Stre­itz sich berief, um RT Deutsch “Desin­for­ma­tion” vorzuw­er­fen, war das britis­che Boule­vard­blatt Express. (…) Ungeachtet der schwedis­chen Hin­weise im Bild, (sic! A.d.V.) machte die Redak­tion des Express aus der Stock­holmer U‑Bahnstation eine abges­per­rte U‑Bahnstation in der Man­ches­ter Oxford Road.

Wo bleibt das ver­dammte Ver­lagsster­ben?

In den NachrichtenMontagsmusik
Alpha Male Tea Party — You Eat Houmous, Of Course You Listen To Genesis

Nach dem Kaffee - vor dem KaffeeEs ist Mon­tag, Mon­tag ist — in ein­er besseren Welt — Pan­datag. Eine Partei, die einen solchen ver­spräche, hätte mich als Wäh­ler gewon­nen.

Stattdessen trafen sich am Woch­enende Parteigranden viel­er­lei Hin­ter­grunds zwecks Eigen­lobs und um noch ein­mal zu ver­sich­ern, dass man selb­st immer die besten Ideen von allen habe. Dass dabei manch­es wegge­lassen wird, mag der Zeit zuschulden kom­men; der Vor­sitzende und Außen­händler der F.D.P. etwa ver­liert über Steuersenkun­gen kein Wort mehr. Der Grund für das gesam­melte Auftreten von Parteitr­e­f­fen zu dieser Jahreszeit liegt kalen­darisch im Tag der “drei Könige” Cas­par, Mel­chior und Balthasar begrün­det, es ist von “Dreikönigstr­e­f­fen” die Rede. Von Parteien, die ein “Dreikönigstr­e­f­fen” abhal­ten und so weltliche Entschei­dun­gen wenig­stens ter­min­lich an religiösen Spin­nereien aus­richt­en, möchte ich im Übri­gen auch nie wieder etwas zum The­ma Säku­lar­isierung lesen müssen.

Das andere große poli­tis­che The­ma dieser Tage, die lästige Dig­i­tal­isierung, lei­det nicht nur am mis­er­ablen Tech­nikver­ständ­nis heutiger Com­put­er­nutzer, son­dern auch an dem wohl auch mit diesem begründ­baren Irrglauben, es sei empfehlenswert, so viele Dinge miteinan­der zu ver­net­zen wie möglich. Die Strafe fol­gt schneller als erhofft: Wer des “Raubkopierens” bezichtigt wird, dem macht der eigene Zugangsan­bi­eter dann halt die Woh­nung kalt. Da muss mehr Inter­net rein. Wir haben 2018, da macht man das eben so.

Was mit einem Min­dest­maß an Ver­ständ­nis auch ver­mei­d­bar wäre: Ange­bliche “Sicher­heitssoft­ware” ver­hin­dert, dass Sicher­heit­sup­dates einge­spielt wer­den kön­nen. Der fehlende Nutzen von Viren­scan­nern wird nur noch von ihrer Gefährlichkeit übertrof­fen.

Ganz und gar nicht gefährlich: Musik.

Alpha Male Tea Par­ty — You Eat Hou­mous, Of Course You Lis­ten To Gen­e­sis

Guten Mor­gen.

MusikkritikKaufbefehle
Kurzkritik: Noseholes — EP

Noseholes EPAus der, wie ich finde, schön­sten Stadt Deutsch­lands, näm­lich aus Ham­burg, kommt die kürzeste EP, die mir bish­er untergekom­men ist, näm­lich die im let­ztjähri­gen April erfol­gte erste Veröf­fentlichung von Nose­holes, ein­er bish­er verse­hentlich überse­henen Gruppe aus anscheinend vier Musik­ern, deren anscheinend fehlen­des Inter­esse an Stil­gren­zen mit meinem recht kom­pat­i­bel ist. Die drei Lieder erre­ichen zusam­men nicht ein­mal sieben Minuten Länge und das stört mich nicht im Ger­ing­sten.

Das hier Gebotene ist ein großar­tiges Durcheinan­der aus Ham­burg­er Schule (“Bed Smok­er”), Post­punk, Krautigem (das immer­hin dreim­inütige “Drug Own­er” mit Lo-Fi-Blues­rock­gi­tarre und ängstlichem Sax­ophon) und Freiform-Jazz. Für ein Video hat es allerd­ings noch gere­icht, das selb­st ohne Ton genau so wirkt wie das zu Hörende:

Nose­holes / Bed Smok­er (offi­cial Video)

Im Feb­ru­ar 2018, verkün­det Band­camp, soll das Debü­tal­bum “Dan­ger Dance” erscheinen, auf das es zumin­d­est “Bed Smok­er” auch noch mal geschafft hat. Meine Vorbestel­lung ist trotz des scheußlichen Cover­bilds jeden­falls raus.

In den NachrichtenPiratenpartei
Medienkritik in Kürze: Im “Neuen Deutschland” mit Eskimos über Indianer reden.

Medi­al scheint es eine Art Win­ter­loch zu geben: Der sozial­is­tis­chen Tageszeitung “Neues Deutsch­land” — nur echt mit Bet­tel­lay­er, denn Sozial­is­mus ist teuer — war es ein bericht­enswertes Anliegen, dass der Lib­er­al­is­muskri­tik­er Patrick Schif­fer, über den auf der hiesi­gen Web­site in der Ver­gan­gen­heit manch­es erzählt wurde, die Piraten­partei ver­lassen hat.

Wie es der guten Berichter­stat­ter Art ist, wurde sogle­ich der aber­ma­lige Tod der Piraten­partei verkün­det. Zu Wort kamen natür­lich auss­chließlich diejeni­gen, die es nicht bet­rifft; “Jour­nal­ist” Sebas­t­ian Weier­mann twit­terte stolz, er habe hierüber mit einem Grü­nen, einem Lib­eralen und einem Linken gesprochen. Mit Eski­mos über Indi­an­er reden.

Eine ver­meintliche Begrün­dung für dieses Ver­hal­ten ist im let­zten Absatz des “Artikels” zu find­en:

Bei den Pirat­en engagieren sich immer weniger Men­schen.

Dass die “Linken” wie alle anderen Parteien auch seit der ersten Hoch­phase der Piraten­partei im Jahr 2009 eben­falls einen gewalti­gen Mit­glieder­schwund verze­ich­nen müssen und Parteim­it­glied­schaft im All­ge­meinen seit dem Ende der DDR nichts mehr ist, was die Massen bewegt, ste­ht natür­lich dann doch bess­er ander­swo.

NerdkramsIn den Nachrichten
“Meltdown” und “Spectre” beweisen: Open Source bedeutet Korruption.

Es gibt etwas zu feiern im Land der nie enden wol­len­den bizarren Lust an der Selb­stent­man­nung, näm­lich in Lin­ux­land, wo die meis­ten Sicher­heits­forsch­er zu wohnen scheinen, sichtlich berauscht von Din­gen, von denen ich lieber nichts abbekom­men möchte: Es durften wieder bunte Bild­chen gemalt und Wörter aus dem Englis­chwörter­buch ein­er Zweitver­wen­dung zuge­führt wer­den. Ich frage mich ja, wann wohl die erste Sicher­heit­slücke nur deshalb irgend­wo absichtlich einge­baut wird, damit man auch mal so ein Logo bekommt.

Das Dop­pel­loch aus “Melt­down” und “Spec­tre” hat die unfeine Eigen­heit, dass es nicht etwa Betrieb­ssys­teme, son­dern Prozes­soren bet­rifft und ver­mut­lich in Teilen bere­its in den 1980er Jahren auf DEC-Sys­te­men, von denen Intel sich manch­es abgeguckt zu haben scheint, zu find­en war. Zu lösen ist das Prob­lem­chen let­ztlich also nur auf unter­ster Ebene, not­dürftig geflickt wer­den die meis­ten Stellen, aus denen die Fehler her­aus­tropfen, allerd­ings zunächst unter Win­dows, macOS und Lin­ux.

Diese Rei­hen­folge über­rascht, wenn man weiß, dass sich die Entwick­ler von OpenB­SD schon vor über zehn Jahren der poten­ziellen Ärg­ernisse in wenig­stens x86-kom­pat­i­blen CPUs bewusst waren. Die Gründe dafür sind allerd­ings rein ökonomis­ch­er Natur:

Details of the vul­ner­a­bil­i­ty with­in Intel’s sil­i­con are under wraps: an embar­go on the specifics is due to lift ear­ly this month, per­haps in time for Microsoft’s Patch Tues­day next week. Indeed, patch­es for the Lin­ux ker­nel are avail­able for all to see but com­ments in the source code have been redact­ed to obfus­cate the issue.

Das heißt über­set­zt und zusam­menge­fasst: Der­jenige Her­steller, der einen mit “Sicher­heit­slücke” nur unzure­ichend beschriebe­nen Fehler in ein­er Kernkom­po­nente der meis­ten derzeit ver­wen­de­ten Com­put­er verur­sacht hat, trifft allein die Entschei­dung, welche Betrieb­ssys­teme vor ihr sich­er sein dür­fen und welche nicht, und ver­hängt auf der Grund­lage reinen Bauchge­fühls ein Embar­go gegen die Veröf­fentlichung von Details. Wer sich an ein solch­es Embar­go nicht hält, der darf beim näch­sten Mal eben nicht mehr mit­spie­len; OpenB­SD, dessen Pro­jek­tleit­er Theo de Raadt von irgendwelchen Geheimnis­sen auf Kosten ein­er möglichst bre­it­en Com­put­er­sicher­heit aus­drück­lich nichts hält, hat jet­zt (wie auch andere BSDs) das Nach­se­hen.

Open Source ist sich­er — wenn die Wirtschaft das so will. Aber Haupt­sache, das Logo ist schick.


Nach­trag vom 5. Jan­u­ar:
Der “heise”-Verlag bläst Alarm: Nicht nur gewöhn­liche Intel­prozes­soren sind betrof­fen, son­dern sog­ar die in Apple-Geräten!!!11!

Netzfundstücke
Wixer

Vor ein paar Jahren zeigte sich die Weltöf­fentlichkeit belustigt über Auto­mo­bile, die in Spanien aus Sprach­grün­den unter anderem Namen ver­trieben wer­den. In der Welt des Dig­i­tal­en ist man da nicht ganz so ängstlich: Nach­dem wir Kind­sköpfe nun seit über zehn Jahren viel­er­lei Gele­gen­heit hat­ten und haben, Microsofts Win­dows Installer XML für einen sehr lusti­gen Namen zu hal­ten, ver­hin­dert jet­zt aus­gerech­net die Musikin­dus­trie, dass der Witz irgend­wann lang­weilig wird:

Wix­en kostet Spo­ti­fy wom­öglich 1,6 Mil­liar­den Dol­lar

Sportlich! :ja:

(Abt.: Erst mal das Nor­mal­niveau wieder­her­stellen.)

NetzfundstückeMir wird geschlecht
Die Mina und die lästigen Erfolgsfrauen

Was macht eigentlich die Mina (ken­nt “oktroyieren” nicht, Twit­ter) heute so? Richtig: Sie freut sich darüber, wenn weib­liche Führungsper­so­n­en endlich mal die Klappe hal­ten müssen:

Alice Wei­del ist nicht nur eine Poli­tik­erin. Sie ist ein Sym­bol für eine Welt, zu der kaum jemand Zutritt erlan­gen wird, der zur Arbeit­szeit ander­er Leute eine Twit­ter­säu­berung bejubelt. (…) Fem­i­nistin­nen erzählen mir, mit Frauen und Diver­si­ty an der Spitze werde die Gesellschaft net­ter und fre­undlich­er, und Wei­del beweist allein mit ihrer Exis­tenz jeden Tag, dass es über­haupt nicht stim­men muss. (…) Leute, die sich jahre­lang beklagten, Frauen wür­den vom Patri­ar­chat zum Schweigen gebracht, melden Frauen mit einem reak­tionären Zen­surge­setz.

Der Twit­ter­fem­i­nis­mus scheint die Waffe der­jeni­gen Frauen jeglichen Geschlechts zu sein, denen das Erar­beit­en von Ver­di­en­sten zuwider ist. Man möge der Mina wün­schen, sozialer Auf­stieg und damit der in Hass umschla­gende Neid der Pro­gres­siv­en bleibe ihr auch weit­er­hin erspart.

In den NachrichtenNerdkrams
Passwortcloud dank Reklame im Web

Es freut sich Tech­nikblog­ger “caschy”:

Nutzer von Android 8.0 Oreo bekom­men näm­lich Aut­ofill in die Hand gedrückt, der Entwick­ler greift hier­bei nach eige­nen Aus­sagen auf das neu geschaf­fene Aut­ofill-API zurück, wie es bere­its mehrere Pass­wort-Man­ag­er auf der Android-Plat­tform machen. Bedeutet für euch, dass Inhalte in Pass­wort-For­mu­la­ren automa­tisch unter Android aus­ge­füllt wer­den kön­nen.

(Absatz zwecks Les­barkeit umfor­matiert.)

Was aber tut dieses “Aut­ofill-API”? Nun, laut Doku­men­ta­tion — Über­set­zung und Her­vorhe­bung von mir — unge­fähr das, was es auch in gewöhn­lichen Web­browsern auf anständi­gen Rech­n­ern tut, nur eben auf Android- statt bloß auf Webebene:

Benutzer kön­nen Zeit beim Aus­füllen von For­mu­la­ren sparen, indem sie “Aut­ofill” auf ihren Geräten nutzen. Android macht das Aus­füllen von For­mu­la­ren, etwa Kon­to- und Kred­itkarten­for­mu­la­ren, mit der Ein­führung des Aut­ofill-Frame­works ein­fach­er. Dieses Frame­work ver­wal­tet die Kom­mu­nika­tion zwis­chen der App und einem Dienst zum automa­tis­chen Aus­füllen.

Ist ja immer alles prak­tisch und wir leben nun mal im Jahr 2018, da muss man sich an so etwas gewöh­nen, nicht wahr?

Nein, nicht wahr:

Forsch­er haben zwei ver­schiedene Scripts aus­gemacht (…), die darauf aus­gerichtet sind, iden­ti­fizier­bare Infor­ma­tio­nen aus browser­basierten Pass­wort­man­agern auszule­sen. Die Scripts ver­richt­en ihr Werk, indem sie unsicht­bare Anmelde­for­mu­la­re im Hin­ter­grund der Web­site ein­fü­gen und alles, was die Brows­er automa­tisch ein­tra­gen, auf­schaufeln. (…) Die Plu­g­ins fokussieren sich über­wiegend auf die Benutzer­na­men, aber den Forsch­ern zufolge gibt es keine tech­nis­chen Vorkehrun­gen dage­gen, dass sie auf dem­sel­ben Weg auch Pass­wörter sam­meln.

Bis­lang entstam­men die Fund­stücke der Reklameszene, wer also — wie jed­er vernün­ftige Men­sch — seinen Brows­er von der­lei Krem­pel frei hält, der dürfte nicht ganz so gefährdet sein wie die Ziel­gruppe todgewei­hter Ver­lage, die unbeir­rbar der Ansicht sind, das Block­ieren von Schad­soft­ware sei vor allem geschäftss­chädi­gend. Eine noch wesentlich angenehmere Atmo­sphäre wird allerd­ings geschaf­fen, wenn man ein­fach darauf verzichtet, irgend­was automa­tisch aus­füllen zu lassen. In Web­browsern und in Android selb­st ist das noch eine optionale, also abschalt­bare Funk­tion.

Dass das zwangsläu­fig zu frag­würdi­gen Kom­mentaren seit­ens tech­nikhöriger Zeitgenossen führen wird, denn es sei doch eh egal, weil Google/Facebook/Apple/NSA/Amazon sowieso schon alles über den Pro­tag­o­nis­ten wis­sen, sei hier ein­mal freudig in Kauf genom­men. Dig­i­tale Selb­stvertei­di­gung hieß früher Para­noia.

PersönlichesMontagsmusik
201∞ // Atrorum — Menschsein

Dieser Artikel ist Teil 7 von 15 der Serie Neu­jahr

Es ist Mon­tag, aber. In ungezählten Fernse­hern laufen die immer gle­ichen drei Sketch- und Oldiesendun­gen, um Frus­tri­erte zu beruhi­gen. Es ist ja alles gut, es ist ja alles wie 2017 und das ist auch schon das Prob­lem.

Die weniger Bedacht­en lassen seit Tagen Sprengstoff detonieren, erst­mals merk­lich, aber unwesentlich medi­al gestört, denn es kön­nte ja Fein­staub entste­hen. Die Empörung über das Richtige aus den falschen Grün­den hat Meth­ode. Nichts erre­icht, nichts gewon­nen. Bleigießen, verkün­dete neulich “ben­to”, sei ein Spiel, das über­raschend viel Blei enthalte. Unnütze Sor­gen sind men­schlich.

Mit jed­er Rakete ver­pufft ein neuer Traum. Es ist keine Glan­zleis­tung des entwick­el­ten Men­schen, dass er in seinen ein­sam­sten Momenten am wenig­sten vergessen kann. Wohin, glaub­st du, ver­rin­nen deine Tage? Mit einem “leicht­en Schwips”, schlug der “bento”-Autor vor, solle man einen Blick “in die Zukun­ft” wer­fen. So viel, dass sie rosig aussieht, kann man allerd­ings kaum trinken. Der erste Gedanke des neuen Jahres ist der let­zte des alten: ob es näm­lich nicht bess­er gewe­sen wäre, wäre es nicht schon vor Jahren irgend­wie anders gelaufen. Zeit heilt nicht mal einen Schnupfen. Irgend­wo ergreift ger­ade jemand jeman­des Hand. Wer kön­nte es ihnen verü­beln?

Es ist Mon­tag, aber man hat gar keine Lust auf Musik, auf die man mor­gen noch stolz sein kann.

Atro­rum “Men­sch­sein” (Offi­cial Audio — 2015, Apathia Records)

Prost Neu­jahr.

ComputerNetzfundstücke
Liegengebliebenes vom 29. Dezember 2017

Schlechte Nachricht­en: Das Auss­chal­ten von Com­put­ern hil­ft dank Intel nicht mehr dage­gen, dass sie ange­grif­f­en wer­den.


Eine lesenswerte Jahres­rückschau gab es neben der meinen tat­säch­lich: Men­schen haben sich ver­schiedene Dinge in den Hin­tern geschoben.


Aus der Liste hässlich­er Tex­tan­fänge: “Raf­faela hat eigentlich schon alles, was eine Influ­encerin braucht. Einen roten Hose­nanzug, buntes Make-up, einen Zwergspitz namens Moses.”


Edward Snow­den lässt die Mark­t­durch­dringung von Wohnz­im­mer­wanzen wie Ama­zon Echo und Google Home nicht kalt und er zieht die einzig logis­che Kon­se­quenz: Vor ein paar Tagen stellte er seine eigene Wanze fürs Smart­phone vor. Es war ja nicht alles schlecht in der NSA.

In den NachrichtenNerdkrams
Kurz verlinkt: “Halt! Algorithmenkontrolle!”

Es forderte Markus Beckedahl, Grün­der und Laut­sprech­er des schrä­gen Per­son­al­i­ty­blogs “Netzpolitik.org” und qual­i­fiziert­er Maasver­ste­her, auf dem zur Genüge kom­men­tierten “Con­gress”:

Net­za­k­tivist Markus Beckedahl hat vor Risiken im Umgang mit Algo­rith­men gewarnt und eine bessere Kon­trolle der Kün­stlichen Intel­li­genz gefordert. (…) “Es ist ein weites Feld: Gesund­heit­sal­go­rith­men muss man anders reg­ulieren als Face­book-Algo­rith­men”, erk­lärte der Blog­ger.

Diese vorgeschriebe­nen Hand­lungsabläufe (lat. “Algo­rith­men”) sollte wirk­lich mal jemand in den Griff bekom­men. Die ger­at­en son­st noch außer Rand und Band!

In den NachrichtenComputer
Nachtrag zum #34c3: Fünfzehntausend Sailor Moons verstoßen gegen die Hackerethik.

Dieser Artikel ist Teil 6 von 20 der Serie Congresskrise(n)

Auf Twit­ter wurde ich nach meinem Ablästern über den derzeit voll abge­hen­den “Con­gress”, von dem Außen­ste­hende vor allem mit­bekom­men, dass Teil­nehmer viele Bilder von bun­ten Lichtern auf Twit­ter hochladen, als wäre meine Ver­mu­tung, die meis­ten Besuch­er kämen nur dor­thin, um sich bunte Lichter anzuguck­en, weil ihr Ver­ständ­nis von Tech­nik bei solchen bun­ten Lichtern bere­its endet, gar nicht allzu abwegig gewe­sen, ver­schieden­fach ankla­gend gefragt, wieso ich “Ben­gel” (ebd.) mir denn die Behaup­tung erlaube, dass die Anwe­senden gar keine Hack­er seien, und ich “Opa” solle doch bitte “das Maul hal­ten” (eben­falls ebd.), als seien die Lin­uxkasper mit den Mac­Books heutzu­tage die neuen Hack­er und die alten Hack­er seien keine mehr.

Zur Def­i­n­i­tion von “Hack­en” sollte ich, wurde mir ent­ge­gengeschleud­ert, doch bitte mal im Duden nachguck­en, aber das war nicht sehr ergiebig, weshalb ich mich im weit­eren Ver­lauf wieder auf die Folk­lore stützte. Was einen Hack­er zufolge dieser Folk­lore vor allem aus­macht, ist neben dem kreativ­en Umgang mit Tech­nik — Sozialar­beit­er, ich wieder­hole mich, sind eben keine Hack­er — auch und ger­ade das Befol­gen der Hack­erethik, in der laut offizieller Ver­laut­barung des Chaos Com­put­er Clubs unter anderem dies ste­ht:

Beurteile einen Hack­er nach dem, was er tut, und nicht nach üblichen Kri­te­rien wie Ausse­hen, Alter, Herkun­ft, Spezies, Geschlecht oder gesellschaftliche Stel­lung.

Dies ist, wie regelmäßige Leser mein­er Aus­führun­gen zum “Con­gress” gen­ervt erken­nen soll­ten, eine verquaste Aus­druck­sweise für Mer­i­tokratie: Kannste was, dann biste was, alle weit­eren Eigen­schaften dein­er Per­son sind deine Pri­vatan­gele­gen­heit. So weit, so pri­ma. Nun hat sich gestern ein großar­tiger Troll auf Twit­ter dahinge­hend geäußert, dass mit ihm “die Iden­titären”, die lamb­da­tra­gen­den Buh­män­ner irra­tionaler “Link­er”, auf dem “Con­gress” zuge­gen seien. Hei, da war die Stim­mung am Sieden: Die Genossen vor Ort mögen eine gute Jagd haben und die Nazis wegk­latschen. “Hack­er”, kom­mu­nizierte man mir gegenüber, hät­ten sich ja schon immer gegen Mörder und Pack gestellt, was geschichtlich natür­lich frag­würdig, im gegebe­nen Kon­text allerd­ings auch eine Antwort auf eine über­haupt nicht gestellte Frage ist, denn der geistige Sprung von “sym­pa­thisiert mit Iden­titären” zu “bringt Leute um” ist doch schon ein­er, für den man ein ziem­lich schiefes Welt­bild haben muss. Hack­er hat­ten schon immer ein schiefes Welt­bild.

Ich habe keine Ahnung, was diejeni­gen, die nun gaulan­desque zum Wegk­latschen von jeman­dem aufrufen, dessen einziges Verge­hen es sein soll, ihre poli­tis­chen Werte nicht zu teilen, nun zu sein glauben — mit der Hack­erethik jeden­falls kol­li­dieren sie in einem wichti­gen Punkt: Werte tut man nicht, Werte hat man. Ein vernün­ftiger “Con­gress” würde Ver­stöße gegen die Hack­erethik mit einem Hausver­bot ahn­den, aber einen vernün­fti­gen “Con­gress” sucht man vergebens.

Was zu beweisen war.


Nach­trag vom 30. Dezem­ber 2017: Warum sind “Hack­er” auf einem “Con­gress” eigentlich immer so sehr von bun­ten Lichtern begeis­tert? Na, wegen der Kopf­schmerzen natür­lich.