PolitikIn den NachrichtenWirtschaft
Annexion bitte nur gegen Bares

Im August ver­gan­genen Jahres nörgelte die dama­lige Bun­desregierung anlässlich der Übereig­nung der Krim an Rus­s­land fol­gen­der­maßen herum:

Danach werde die rus­sis­che Annex­ion der ukrainis­chen Krim als ein Bruch des Völk­er­rechts betra­chtet, der die europäis­che Frieden­sor­d­nung infrage stelle. (…) Staatliche Gren­zen müssten akzep­tiert wer­den.

Warum das von der ekli­gen NATO sicher­heit­shal­ber bedro­hte Rus­s­land for­t­an über­mäßig sank­tion­iert wurde, wird klar, wenn man aktuelle Nachricht­en liest, zu deren Zus­tandekom­men es seit­ens der Bun­desregierung allen­falls ein entrüstetes Schüt­teln des Zeigefin­gers zu lesen gab, näm­lich zum Beispiel diese:

Israel erweit­ert laut mehreren ort­san­säs­si­gen Quellen seinen Ein­fluss auf das von der Oppo­si­tion beset­zte südliche Syrien. (…) Die Erweiterung der Sicher­heit­szone kennze­ich­net eine Bewe­gung hin zu ein­er tief­er­en Ein­mis­chung Israels in Syriens Bürg­erkrieg. (…) Israel macht sich nicht nur Sor­gen wegen des Irans und dessen Allierten im Libanon, son­dern auch um seine Kon­trolle über die Golan­höhen. Israel hat das 1.200 km² große Gebi­et 1967 ein­genom­men und hält es seit­dem beset­zt. Anders als die anderen von ihm beset­zten Gebi­ete hat Israel die Golan­höhen 1981, von der inter­na­tionalen Gemein­schaft verurteilt, offiziell annek­tiert.

(Nicht beson­ders textna­he Über­set­zung von mir.)

Während Fefe noch rhetorisch spekuliert, ob die amtierende Bun­desregierung wenig­stens dies­mal auch das israelis­che Ver­schieben fremder staatlich­er Gren­zen sank­tion­ieren würde, habe ich eine Ver­mu­tung, warum bei völk­er­rechtswidri­gen Abscheulichkeit­en seit­ens der Türkei und eben Israels von spür­baren Strafen seit­ens der inter­na­tionalen Gemein­schaft abge­se­hen wird: Anders als Rus­s­land sind diese Staat­en zwar nur mit­telmäßig zuver­läs­sige Ver­bün­dete, aber wenig­stens lei­dlich zahlungskräftige Kun­den.

Daran, dass Deutsch­land Israel zwecks effizien­ter Vor­wärtsvertei­di­gung auch noch mit Kriegswaf­fen beliefert, stört die Poli­tik daher auch nicht, dass damit Kriegs­dinge getan wer­den, son­dern, was die Innen­poli­tik des Empfängers son­st so macht: “Es gibt nach wie vor Kor­rup­tionsvor­würfe gegen Ben­jamin Netan­jahu und sein Umfeld. Das ist nicht aus­geräumt.” Seine eige­nen Gren­zen auf der Land­karte herumzuschieben wäre unter der Bedin­gung, dass die deutsche Rüs­tungswirtschaft davon finanziell prof­i­tiert, ja völ­lig legit­im, aber bei Kor­rup­tion hört das Ver­ständ­nis auf. Da geht es immer­hin um Geld!

Braucht Rus­s­land eigentlich noch ein paar Panz­er?

NetzfundstückeNerdkrams
Datengefährdung dank Digitalcourage

Was macht eigentlich der dig­i­tal­courage e.V. (The­men: EU-Daten­schutz, Vor­rats­daten­spe­icherung, Fem­i­nis­mus usw.) ger­ade so? Nun, er wird mal wieder durch die Medi­en getrieben, weil er trotz allem noch immer als in Daten­schutzdin­gen halb­wegs stand­fest gilt. Der aktuelle Anlass scheint eine zwei Jahre alte Pressemit­teilung zu sein, der zufolge noch 2018 in Wolfs­burg Grund­schüler ver­wanzt wer­den sollen, um nicht über­fahren zu wer­den.

Für den soeben ver­link­ten Artikel wur­den zwei Ausken­ner aus dem “Vere­in, der sich seit 1987 für Grun­drechte und Daten­schutz ein­set­zt” (ebd.), nach ihrer Mei­n­ung zu diesem Pro­jekt gefragt. Um den Inhalt soll es mir hier aber nicht gehen, son­dern um den Vere­in selb­st. Diesen hat­te ich vor etwa einem Jahr zum let­zten Mal wirk­lich bewusst zur Ken­nt­nis genom­men — damals emp­fahl der Vere­in auf sein­er Web­site, man möge die Instal­la­tion von Ubun­tu, das ger­ade erst wegen mas­siv­er Daten­schutzärg­ernisse, näm­lich einge­bauter Ama­zon-Spy­ware, in die Kri­tik ger­at­en war, anstelle von Win­dows in Erwä­gung ziehen. Es han­delt sich also fra­g­los um einen Vere­in, der mitunter pop­ulis­tis­chen Aktion­is­mus (was auch seine medi­al beachtete Ver­lei­hung der “Big Broth­er Awards” belegt) über­legtem Raison­nement vorzieht und dabei auch Schaden im eige­nen Lager in Kauf nimmt. Kurz gesagt: Was den Daten­schutz bet­rifft, traue ich dem dig­i­tal­courage e.V. (der mir unter dem alten Namen “Foe­BuD” wenig­stens klan­glich sym­pa­this­ch­er war) nicht über den Weg und würde dies auch nie­man­dem empfehlen.

Auf­grund des Artikels begutachtete ich die inzwis­chen — offen­bar nach “mobile first”, auf einem vernün­fti­gen Bild­schirm sieht sie also zum Speien aus — neu gestal­tete Web­site allerd­ings doch noch ein­mal, um mich zu vergewis­sern, dass meine Vor­be­halte nicht plöt­zlich ver­al­tet sind; das Gute im Men­schen beziehungsweise im Vere­in sei ja nicht gän­zlich in Abrede gestellt. Natür­lich war das ein Fehler.

Denn zwar wird nun die weniger grund­falsche Lin­uxdis­tri­b­u­tion Tails statt Ubun­tu emp­fohlen und auch an anderen Stellen zeigt der Vere­in zumin­d­est, woher sein weit­ge­hend guter Ruf eigentlich ursprünglich ein­mal stammte, aber eine kon­se­quente Umset­zung der eige­nen Empfehlun­gen ist dem dig­i­tal­courage e.V. auch weit­er­hin nicht gegeben. Wass­er predi­gen, Cognac saufen.

Auf der Seite über “Anti-Track­ing-Tools” wird näm­lich zu Recht darauf hingewiesen, dass es eine saudäm­liche Idee ist, Web­sites ohne vernün­fti­gen Grund das Aus­führen von Code auf dem eige­nen Rech­n­er (“JavaScript”) zu erlauben. Lei­der wird jemand, der sich dessen bewusst ist, diesen Hin­weis nicht so leicht find­en wie etwas düm­mere Men­schen, denn wenn man mit aus­geschal­tetem JavaScript auf der auf vernün­fti­gen Bild­schir­men grotesk gigan­tis­chen “Menü”-Schaltfläche herum­drückt, passiert genau gar nichts, denn das “Menü” (im Wesentlichen aus dem unteren Teil der Seite beste­hend) wird nicht etwa mit CSS oder einem ein­fachen HTML-Ver­weis auf eben diesen unteren Teil, son­dern per JavaScript einge­blendet. Das mag auf mobilen Geräten, auf denen die Aktivierung grundle­gen­der Sicher­heits­maß­nah­men oft nicht ein­mal vorge­se­hen ist, kein großes Prob­lem darstellen, wenn man auf die Daten­sicher­heit sein­er Besuch­er keinen beson­deren Wert legt; aber eben auch nur dann. Dass vor diesem Hin­ter­grund die voll­mundi­ge Behaup­tung aus der Daten­schutzerk­lärung, in der unter anderem auch ste­ht, der Serv­er spe­ichere meine Browserver­sion (wofür eigentlich?), dass “grund­sät­zlich” wed­er “Track­ing” noch “aktive Inhalte” (ver­ste­he schon: JavaScript ist eben nicht aktiv genug) ver­wen­det wer­den, sich als heiße Luft ent­pup­pt, spielt da schon fast keine Rolle mehr.

Vielle­icht ist es aber auch nur Unfähigkeit und nicht etwa Unwis­sen:

Eine Aus­nahme stellt das has_js-Cook­ie dar, mit dem während der Sitzung fest­ge­hal­ten wird, ob im Brows­er „Javascript“ eingeschal­tet ist. Diese Infor­ma­tion wird von unserem Con­tent Man­age­ment Sys­tem „Dru­pal“ genutzt, um die Seit­en-Darstel­lung in Ihrem Brows­er zu opti­mieren.

Men­sch, das mit der Opti­mierung funk­tion­iert ja richtig klasse! Inwiefern es die Sei­t­en­darstel­lung zu verbessern ver­mag, wenn man stattdessen JavaScript aktiviert, ste­ht natür­lich nicht dabei. Bis auf eine Samm­lung dann bewegter Bilder und ein­er endlich mal funk­tion­ieren­den Nav­i­ga­tion­sleiste unter der dafür vorge­se­henen Schalt­fläche kon­nte ich jeden­falls ger­ade keinen Unter­schied erken­nen. Mir wäre es das ja nicht unbe­d­ingt wert.

An ver­schiede­nen Stellen auf sein­er Web­site verkün­det der Vere­in:

Dig­i­tal­courage set­zt sich für Ihre Pri­vat­sphäre und Grun­drechte ein. Unter­stützen Sie unsere Arbeit mit ein­er Spende oder mit ein­er För­der­mit­glied­schaft.

Ich hat­te noch nie so wenig Lust, einem Vere­in beizutreten.

KaufbefehleMusikkritik
Kurzkritik: Half Past Four — Land of the Blind

Half Past Four - Land Of The BlindUm halb fünf Im Jahr 2016 veröf­fentlichte die fün­fköp­fige kanadis­che Band Half Past Four ihr drittes und bis­lang let­ztes Stu­dioal­bum “Land of the Blind” (Amazon.de, Band­camp). Von sich selb­st behaupten die Musik­er, sie seien “eine der besten Pro­gres­sive-Rock-Bands aus Kana­da”, was zumin­d­est eine mutige Behaup­tung ist, wenn man sowohl Rush als auch die diversen Sprosse von God­speed You! Black Emper­or dem Pro­gres­sive Rock zurech­net, denn dann wird es knapp mit der Bew­er­tung.

Stilis­tisch sehen sich Half Past Four allerd­ings sowieso ander­swo:

Seit nahezu zwei Jahrzehn­ten haben sie einen ein­ma­li­gen Klang entwick­elt, der tra­di­tionellen Progrock neben anderen mit Folk, Coun­try, Jazz und klas­sis­chen Gen­res verbindet.

In der Tat ist Ein­tönigkeit hier nicht gegeben. Schon im eröff­nen­den “Math­e­mat­ics” wird die Retro­prog-Schiene von Beard­fish bis echolyn auf- und abge­wan­dert, von einem offen­sichtlichen Rück­griff auf Gen­e­sis und die unvergesse­nen Gen­tle Giant unter­schei­det Half Past Four hier fast nur Sän­gerin Kyree Vibrant, deren Kun­st ich allerd­ings für beachtlich halte.

Half Past Four — Math­e­mat­ics (Offi­cial Video)

Während in “Toron­to Ton­tos” die Exzen­trik­er von Primus wahlweise zitiert oder per­si­fliert wer­den, ver­mag ich das textlich bemerkenswerte “Mood Ele­va­tor” kein­er anderen Band zuzuord­nen. Som­mer­lich­er Bluesrock’n’Roll, wenn’s denn ein Genre sein muss.

Half Past Four — Mood Ele­va­tor (Offi­cial Video)

Mit dem Stim­mungs­fahrstuhl fahre ich erst ein­mal nach oben. Ich bin erfreut und hoffe auf Fort­set­zung.

PolitikIn den Nachrichten
Punk ist nicht tot, Punk ist jetzt Sozialdemokrat.

Aus dem trotz der fem­i­nis­tis­chen Grundüberzeu­gung männlichen Vor­sitzen­den des Vere­ins des ältesten Mäd­chens Berlins, das in kindlich-patzigem Ton­fall von sich behauptet, es könne schon deshalb kein Mäd­chen sein, weil es immer­hin seit ein­er Vierteldekade ein­er Jugend- und nicht etwa ein­er Kinderor­gan­i­sa­tion vorste­he, näm­lich der “Jusos”, sprudelt seit gestern wieder­holt eine total tolle Idee her­aus:

Wer jet­zt in die #SPD ein­tritt, kann in eini­gen Wochen #Groko oder #NoGroko sagen. Ein schön­er Anlass, sich einen Ruck zu geben.

Denn wenn eins die SPD-Führung davon überzeu­gen wird, dass es eine wenig ertra­gre­iche Idee war, in offen­bar selb­st­mörderisch­er Absicht den Ausstieg vom Ausstieg zu vol­lziehen, dann ja wohl eine Schar neuer Beitragszahler infolge dieser Idee!

In den NachrichtenMontagsmusikPolitik
Hammock — Clarity // 44 Prozent rational.

EulmeldungEs ist Mon­tag. Durch Deutsch­land sollte etwas gehen, am besten ein Pand­abär, denn Pand­abären sind eine wertvolle Ergänzung für jede Gesellschaft; zumal eine Gesellschaft, der der kri­tis­che Ratio­nal­is­mus völ­lig fehlt, den Men­schen kein Gewinn sein kann. Mehr Karl Pop­per (und mehr Pand­abären) wagen!

Kein Woch­enende ohne Poli­tikschmerzen: Die SPD hat “gewählt” und zu 56 Prozent kein Inter­esse mehr an ihrem eige­nen Geschwätz von gestern. Wenn die 44 Prozent Rest­be­hirn­ten in der SPD zur näch­sten Bun­destagswahl eine eigene Partei grün­de­ten, kön­nten sie, wie ich ver­mute, anschließend ohne Zweifel die Regierung führen. Tun sie das nicht, dann sind auch sie schuld an dem, was kommt. Dass Mar­tin Schulz zwecks Anre­gung von Zuge­hörigkeits­ge­fühl irgend­was über ein “sozialdemokratis­ches Europa” deliri­erte und dabei ignori­erte, dass “Sozialdemokratie” in ganz Europa nie­mand mehr so wirk­lich irgend­wo hin­wählen will, ist ziem­lich sprechend. — Es ist erwiesen: Berlin macht doof. Ob da ein Zusam­men­hang beste­ht?

Ein Blick ins Aus­land: In Großbri­tan­nien ist die beim Bum­sen meist­ge­nan­nte Per­son ange­blich Don­ald Trump. Die Men­schen haben Geschmack. Im anderen Aus­land, in Thürin­gen, sind sich Medi­en der­weil unsich­er, ob man bei einem Ver­hält­nis von 76 zu 75 nun von ein­er Mehrheit oder ein­er Gle­ich­heit reden sollte; entsch­ieden hat man sich über­wiegend für zweit­ere For­mulierung, was jour­nal­is­tisch bes­timmt irgend­wie begründ­bar ist.

Es ist Mon­tag und damit ist es Zeit für Musik. Döp­dapdöpdöp­pieps! Anson­sten hören wir doch ein­fach ein wenig Ham­mock.

Ham­mock — Clar­i­ty

Guten Mor­gen.

In den NachrichtenPolitik
Parlamentarische Rachedemokratie

Woher kommt es eigentlich, dass die AfD immer noch nicht ver­schwun­den ist, son­dern auch weit­er­hin Zus­pruch erhält? Nun, vor allem an der Irra­tional­ität, mit der ihre Geg­n­er ihr eigenes Ver­hal­ten ein­schätzen.

Dass der Bun­destag ein Arbeitspar­la­ment ist, aus­bleibende Anwe­sen­heit also nicht zwin­gend etwas mit fehlen­dem Arbeitswillen zu tun hat, weil die wesentliche Arbeit, die über Abstim­mungen hin­aus­ge­ht, ohne­hin in ander­swo tagen­den Gremien stat­tfind­et. Die landläu­fige Ver­mu­tung, dass Poli­tik­er sich erst selb­st das Gehalt erhöhen und dann nicht mal etwas dafür tun wollen, weil sie im Bun­destag häu­figer mal fehlen, ist also nicht zwin­gend zutr­e­f­fend. Trotz­dem wäre es ver­fehlt, sie hier vor der Skep­sis ihrer Bürg­er zu bewahren, denn abge­se­hen von ihren alltäglichen Ver­fehlun­gen, näm­lich zum Beispiel der, dass sie es für irgend­wie wäh­lerge­wollt hal­ten, wenn sie sich nicht für die Inter­essen ihrer Wäh­ler, son­dern für ganz andere Dinge ein­set­zen (ehe­ma­lige Piraten­wäh­ler, die mit ihrer Stimme statt zur Verbesserung deutsch­er Net­zpoli­tik Ressourcen für Pam­phlete zugun­sten von Gratis­geld und Pos­ex­pa­raden ver­schwen­det haben, ken­nen das zur Genüge), was mich fra­gen lässt, ob der Ver­brauch­er­schutzbund sich nicht bei Gele­gen­heit mal mit den Wer­bev­er­sprechen von Parteien befassen sollte, gibt es manch­mal auch diese ganz konkreten Ärg­ernisse des poli­tis­chen All­t­ags, die daran zweifeln lassen soll­ten, ob eine Exper­tokratie nicht doch die bessere Staats­form wäre.

Gestern näm­lich “berichtete” unter anderem “SPIEGEL ONLINE”, dass die AfD sich des seit über einem hal­ben Jahrhun­dert SPD-erprobten “Tricks” bedi­ente, die Geschäft­sor­d­nung des Bun­destages gele­sen zu haben:

Eine Sitzung des Bun­destags musste am späten Don­ner­stagabend abge­brochen wer­den. Grund war ein AfD-Antrag.

Nein, der Grund war, dass die anwe­senden Par­la­men­tari­er gegen die Geschäft­sor­d­nung ver­stoßen woll­ten, der Aus­lös­er war ein Antrag; aber Sprache liegt nun ein­mal nicht jedem, der was in Qual­itätsme­di­en rein­schreiben darf. Der Antrag bat eigentlich nur um Ver­i­fika­tion:

Der Bun­destag musste am späten Don­ner­stagabend eine Sitzung abbrechen, weil das Plenum wegen zu wenig anwe­sender Abge­ord­neter nicht beschlussfähig war. Die Nachzäh­lung, den soge­nan­nten Ham­mel­sprung, hat­te die AfD-Frak­tion ver­langt.

Dass der Frak­tionsvor­sitzende der AfD den Antrag als “Rache” für eine zuvor erfol­gte Nicht­wahl eines AfD-Mit­glieds in irgen­dein Gremi­um, war zwar ein rhetorisch­er Schuss in den eige­nen Fuß, aber wenn der Bun­destag aus Rache nach Geschäft­sor­d­nung und nicht regel­widrig arbeit­et, dann sollte das eigentlich für nie­man­den ein Prob­lem darstellen, was vor allem dadurch bestätigt wird, dass einige unan­genehme Geset­ze — zulet­zt das “Net­zDG” — bei Anwe­sen­heit­sprü­fung ver­mut­lich nicht so schnell Real­ität gewor­den wären.

Tut es aber doch. Beispiel­haft greife ich mir Thomas Mock­en­haupt, son­st nicht weit­er bemerkenswert­er SPD-Mitar­beit­er, her­aus, der diese “Rache” fol­gen­der­maßen betwit­terte, woraufhin in eben­jen­em Medi­um eine erhitzte Debat­te ent­bran­nte, die im Kon­sens aus­bleibende Anwe­sen­heit bei Abstim­mungen mit Arbeitsver­weigerung gle­ich­set­zte, weshalb sie hier nicht weit­er von Belang sein soll:

Dieser bil­lige Kirmestrick der Recht­sex­tremen ist ein guter Beweis, dass es denen nicht um ern­sthafte Poli­tik, son­dern nur um Kla­mauk und das Unter­graben der Demokratie geht.

Mit ein­er Demokratie, die “unter­graben” wird, indem ihre Leg­isla­tive sich an ihre selb­st aufer­legte Geschäft­sor­d­nung zu hal­ten gebeten wird, ist es nicht weit her, möchte man meinen. Wir sind der Sou­verän, wir haben die da hinge­set­zt.

Wo bleibt eigentlich die Rev­o­lu­tion?

In den NachrichtenComputerMir wird geschlecht
Kurz verlinkt: “Alexa, mach etwas völlig anderes!”

Unhör­bare Sprach­s­teuerung war gestern, heute ist Sprach­mod­i­fika­tion:

Aus ein­er vorhan­de­nen Audiow­ellen­form kön­nen Forsch­er jet­zt eine qua­si iden­tis­che Ver­sion erzeu­gen, die Spracherken­nung­spro­gramme etwas völ­lig anderes tran­skri­bieren lassen.

(Über­set­zung von mir.)

Was kön­nte da schon passieren?


Nach­trag vom 21. Jan­u­ar: Ama­zons Sprachas­sis­tentin gibt jet­zt Wider­worte und beze­ich­net sich als Fem­i­nistin. So was stellt man sich doch gern ins Wohnz­im­mer.

In den NachrichtenWirtschaft
Spielgeld IV: Wie Geld, nur defekt.

Am 2. Jan­u­ar 2018 veröf­fentlichte Pseu­do­ny­mus “Mr. Mon­ey Mus­tache” einen trotz des Namens recht lesenswerten kri­tisch-ana­lytis­chen Blog­a­r­tikel, in dem er wie viele andere vor ihm schlüs­sig aufzeigte, wieso der frei erfun­dene “Wert” eines Bit­coins schon daher über­zo­gen ist, weil der Betrag, der neben “BTC in USD” ste­ht, erst mal von irgendwem bezahlt wer­den müsste, um nicht bloß in ein­er Sack­gasse zu enden. (Dass der Autor bei der Bildbeschrei­bung Twit­ter und red­dit miteinan­der ver­wech­selt, sei ihm verziehen.) Es sei der Neid der Besit­zlosen der Antrieb des Autors und sein­er Mit­mein­er, unk­te es hier­auf in den Kolum­nen, denn wenn Bit­coin wirk­lich eine solche Blase wäre, wäre es längst geplatzt.

Zur all­ge­meinen Über­raschung stellte sich nur wenige Tage später her­aus, dass der frei erfun­dene “Wert” eines Bit­coins auch nach unten gehen kann. Das Wehk­la­gen war groß, manche set­zten für dieses Spiel­geld immer­hin ihre Exis­tenz aufs Spiel, ver­bit­ten sich aber auch aus der Gosse her­aus noch die Behaup­tung, sie hät­ten sich “ver­zockt”: Auf red­dit wird seit Tagen gemah­nt, dass, wer verkaufte, das schon bald bereute. Das ken­nt man noch von der Immo­bilien­blase vor ein paar Jahren: Alles Fei­glinge, das. HODL, prost! Dass mit dem Bit­coin, für dessen Fall wirtschaftlich naive Mei­n­ungsme­di­en unter anderem Chi­na ver­ant­wortlich machen, das das “Schür­fen” von Spiel­geld ange­blich erhe­blich zu sank­tion­ieren gedenkt, auch alter­na­tive “Währun­gen” wie Rip­ple große Kursver­luste hin­nehmen mussten und müssen, die man über­haupt nicht “gener­ieren” kann, weil es alle “ver­füg­baren” Ein­heit­en bere­its gibt, sagt über das Finanzver­ständ­nis der­er, die das Spiel begeis­tert mit­ge­spielt haben, mehr aus als über diejeni­gen, die als Ewiggestrige und als Büt­tel des Finanzsys­tems ver­schrien wer­den.

Es sei, befand der Nachtwächter, sehr sprechend, dass diejeni­gen, die das Geldsys­tem erset­zen wollen, sich vor allem Sor­gen darüber machen, dass ihr Spiel­geld nicht mehr so viel rück­ständi­ges Echt­geld “wert” ist. Die Rev­o­lu­tion will heim zu Mut­ti.

Es nen­nt sich Kom­mu­nist, wer kämpft, damit der Staat ihm eine bürg­er­liche Exis­tenz sichert.
Nicolás Gómez Dávi­la

In den Nachrichten
Was am Wochenende nicht passiert ist.

Auf “T‑Online” wird “berichtet”:

Ein Pas­sagier­flugzeug der türkischen Fluglin­ie Pega­sus ist bei der Lan­dung im nordtürkischen Tra­b­zon von der Piste abgekom­men und fast ins Schwarze Meer gestürzt. (…) Auch Pega­sus teilte mit, die 162 Pas­sagiere und sechs Besatzungsmit­glieder seien bei dem Vor­fall am Sam­stagabend nicht ver­let­zt wor­den. Der Sender CNN Türk berichtete: “In Tra­b­zon fehlten 25 Meter bis zur Katas­tro­phe.”

Mir fehlten indessen noch unge­fähr 25 Hände und Stir­nen für eine angemessene Reak­tion. Wieder knapp am Reko­rd vor­bei — fast!

:irre:

In den NachrichtenMontagsmusik
Black Bombaim & La La La Ressonance — Kin

Ich seh schwarzEs ist Mon­tag. Bim bim bim! Für ein paar Lach­er eignet sich jed­er Philosoph, tiefer muss man ja nicht bohren. Gott ist tot und man selb­st kommt heute auch nicht so recht aus dem Bett.

In ander­er Hin­sicht sollte man wachen Auges sein: Antivirus­fir­men haben Microsoft verk­lagt, weil die Sicher­heits­maß­nah­men von Win­dows Vista sie nicht mehr in den Ker­nel gelassen haben. Das Prob­lem mit der Com­put­er­sicher­heit, das sei ergeb­nisof­fen fest­gestellt, ist offen­sichtlich nicht, dass die Leute keinen Viren­scan­ner ein­set­zen, son­dern, dass sie diesen Fir­men immer noch Geld (oder wenig­stens Reklameein­nah­men) bezahlen wollen.

Zu jed­er­manns Lieblings­the­ma, der Innen­poli­tik, gibt es lei­der Neuigkeit­en zu ver­melden: “CSU-Lan­des­grup­penchef Dobrindt”, heißt es beim Deutsch­land­funk, habe den SPD-Vor­sitzen­den aufge­fordert, “die Kri­tik an den Sondierungsergeb­nis­sen zu been­den” — die sollen froh sein, über­haupt mitregieren zu dür­fen! Gute Nachricht­en der­weil aus Großbri­tan­nien: Die Insel wird Europa geografisch nicht ver­lassen, ver­sprach Min­is­ter David Jones.

Gibt’s doch nicht? Doch, es gibt anscheinend alles schon: Um ein Prob­lem zu lösen, habe ich am Woch­enende ein Pro­gramm geschrieben. In einem Forum wurde ich sodann darauf hingewiesen, dass dieses Prob­lem schon vor Jahren viel bess­er gelöst wurde. Bes­timmt gibt es dafür auch eine Moral oder der­gle­ichen.

Was es aber niemals zu geben aufhören sollte: Musik.

Black Bom­baim & La La La Resso­nance — “Kin” (B1)

Guten Mor­gen.

KaufbefehleMusikkritik
Kurzkritik: Bardo Pond — AcidGuruPond

Bardo Pond - AcidGuruPondVor inzwis­chen über vier Jahren befand ich das Album “Peace on Venus” der US-amerikanis­chen Band Bar­do Pond für unbe­d­ingt hörenswert. Danach hat­te ich selb­st die Gruppe zu meinem Bedauern ein wenig aus den Augen (und Ohren) ver­loren.

Eher zufäl­lig lief ich daher unlängst ihrem 2016er Album “AcidGu­ruPond” (Band­camp, Amazon.de) qua­si über den Weg, das eine — wenn auch nicht die erste — musikalis­che Zusam­me­nar­beit mit den lan­desüblich ver­rück­ten Japan­ern Acid Moth­ers Tem­ple und der Krautrock­kon­stante Guru Guru ist und genau so klingt, näm­lich wie das, was man sich wohl vorstellte, sollte man sich eine dro­genumwölk­te Geis­tes­reise vorstellen.

Das Album ist weit­ge­hend instru­men­tal, der effek­t­ge­ladene sel­tene Gesang eher eine zusät­zliche Tranceschicht; auf die Ohren gibt es kos­mis­chen Kraut (klar: Guru Guru) und jede Menge Psy­che­delia zwis­chen Hip­pie­gi­t­arre (“Pur­ple”) und Drones (“Blue”). Dass die fünf Stücke wie Far­ben heißen, passt aus­geze­ich­net, denn wie ein Kalei­doskop pro­jiziert sie her­rliche Bilder in den Ver­stand.

Bar­do Pond ‎- Acid Guru Pond

Bar­do Pond sind inzwis­chen weit­erge­zo­gen, im Feb­ru­ar wird ihr neues Album “Vol­ume 8” veröf­fentlicht wer­den und ihr gle­ich­falls famoses Neben­pro­jekt Curan­deros war auch nicht untätig. Ich allerd­ings ver­weile noch etwas, bin erfreut und empfehle.

PolitikIn den Nachrichten
Abschließend angemerkt zum Sondierungsergebnis von CDU, CSU und SPD

Zur lang­weilig­sten Regierung der Nachkriegszeit sei unter Berück­sich­ti­gung meines Ver­sprechens, die gäh­nende Leere nicht mit weit­eren Worten zu belas­ten, ein­er- und der über­raschen­den Erken­nt­nis, dass in ein­er recht­spop­ulis­tis­chen Regierungskoali­tion “linke” Gedanken nicht zu haben sind, ander­er­seits in Bezug auf die abse­hbare weit­ere Entwick­lung der Umfrage- und let­ztlich Wahlergeb­nisse nur mehr die Frak­tionsvor­sitzende der SPD gewis­ser­maßen als Menetekel zu zitieren und zu zeigen.

In den NachrichtenWirtschaftPolitik
Liegengebliebenes vom 11. Januar 2018: Gefahren, überall Gefahren!

Gefahr für die Ter­rorab­wehr: FBI-Chef Christo­pher Wray mah­nt, dass starke Ver­schlüs­selung auf elek­tro­n­is­chen Geräten mit­tler­weile eine “drin­gende Angele­gen­heit für die öffentliche Sicher­heit” darstelle. Sofort ver­bi­eten und präven­tiv ver­haften!


Gefahr für die Reklamemafia: Apples neuer Safari-Pri­vat­sphären­schutz kostet Wer­ber richtig Geld, als sei das das wichtig­ste Kri­teri­um für Soft­ware: dass sie Wer­bern nützt.


Gefahr für die Klarheit der wirtschaftlichen Berichter­stat­tung: Steuer­be­trug heißt jet­zt Steuer­tricks.


Gefahr für das poli­tis­che Wertesys­tem: “Die Grü­nen soll­ten die führende Kraft der linken Mitte wer­den”, emp­fiehlt Anton Hofre­it­er, ver­rät aber lei­der nicht, was dann mit der mit­tleren und hal­brecht­en Mitte passieren soll.


Gefahr für die Bit­coin­blase: Auf “ZEIT ONLINE” hat man fest­gestellt, dass das Investieren in Fir­men, die Eis­tee her­stellen, sich aber irgend­was mit “Blockchain” nen­nen, nicht der klüg­ste Schachzug der Börsen­spiel­er ist.


Keine Gefahr hinge­gen beste­ht, jubiliert wiederum “ZEIT ONLINE”, für die Wirtschaft:

Die deutsche Wirtschaft ist 2017 so schnell gewach­sen wie seit Jahren nicht mehr. Der Haushalt­süber­schuss stieg zum vierten Mal in Folge – auf einen Reko­rd­w­ert. (…) Die Lage auf dem Arbeits­markt ist his­torisch gut.

Im März 2017 schrieb das Fan­faren­magazin “Huff­in­g­ton Post”, es sei von etwa 400.000 Obdachlosen in Deutsch­land auszuge­hen. Sollen die sich halt eine Arbeit suchen!