NetzfundstückeIn den Nachrichten
Liegengebliebenes vom 23. Februar 2018

Pas­sagi­er furzte: Flieger musste in Wien not­landen.


Ger­hard Schröder emp­fiehlt der SPD, mehr zu schrödern.


Endlich tut mal ein­er was gegen die Gewalt in den USA (1): Par­la­ment in Flori­da erk­lärt Pornografie für gefährlich.


Endlich tut mal ein­er was gegen die Gewalt in den USA (2): Kirche in Penn­syl­va­nia bit­tet Paare, dem­nächst mal ihre hal­bau­toma­tis­chen Waf­fen zwecks Seg­nung vor­beizubrin­gen. Gotteskrieger ohne Allah — Sachen gibt’s.


FreeB­S­Ds neu gefun­den­er Fem­i­nis­mus trägt Früchte: Die, die Soft­ware für es portieren, wollen den Mist auch nicht haben, und machen sich vom Ack­er.

SonstigesNetzfundstücke
Medienkritik in Kürze: Erinnern an “neunzehn100”.

Am Bahn­hof­skiosk sah ich kür­zlich ein Mag­a­zin, das mich ungewöhn­lich erfreut hat. Es heißt “neunzehn100”, wurde “Mag­a­zin der Erin­nerungsan­lässe” betitelt und trägt den Unter­ti­tel “Das Mag­a­zin für alle, die sich gern erin­nern und Freude an schö­nen alten Din­gen haben”. Ich erin­nere mich gern und habe Freude an schö­nen alten Din­gen, auch an solchen, deren Ursprungs­jahr dem 20. Jahrhun­dert entstammt. Daher der Name:

Der Mag­a­zin­name neunzehn100 spielt darauf an, dass die Ziel­gruppe (…) Erin­nerun­gen an Erleb­nisse und Ereignisse im let­zten Jahrhun­dert hat – eben in Jahren und Jahrzehn­ten, die mit „neun­zehn­hun­dert…“ begin­nen.

Wer jet­zt Weltkriege erhofft hat, der wird ent­täuscht: Diesen nahe kommt man vielle­icht noch mit dem Titelthe­ma “Der treue Kadett” aus der zweit­en und aktuellen Aus­gabe, wen­ngle­ich es dort um das Auto und nicht etwa um einen Fah­nen­junker geht. Stattdessen dreht sich das Erzählte um Audiokas­set­ten, Hel­goland, groteske Brillen und Fack­eln. Fack­eln? Fack­eln!

Fack­eln!
Über eine Tra­di­tion, bei der einem warm ums Herz wird

Na gut, vielle­icht doch ein biss­chen Weltkrieg.

Wer so was liest? Genau das scheint das Prob­lem zu sein:

[D]ie erre­icht­en Verkauf­szahlen lassen eine Fort­set­zung des Titels für einen so kleinen Ver­lag wie unseren ein­fach nicht zu. Die zum 23. Feb­ru­ar angekündigte dritte Aus­gabe wird daher nicht erscheinen. (…) Wenn wir wis­sen, ob und wie es weit­erge­ht, wer­den Sie es an dieser Stelle lesen kön­nen.

Das ist doch mal ein schön­er Erin­nerungsan­lass.

In den NachrichtenMontagsmusik
Blueneck — Sirens

Montag (Symboleule)Es ist Mon­tag und genau so fühlt es sich auch an. Man fühlt sich wie gerädert, dabei ist das Rädern völ­lig aus der Mode gekom­men. Das hat man mit ihm gemein, nur abgeschafft ist man noch nicht. In den USA wird gegen­wär­tig ergeb­nisof­fen über die Abschaf­fung von Waf­fen disku­tiert, man selb­st hat nur die Anschaf­fung von Waf­feln im Sinn. Mit denen kön­nte man sich, wenn man gut zie­len kann, sicher­lich auch angemessen vertei­di­gen.

Andere vertei­di­gen gar nicht erst: In Berlin haben linke Aktivistin, von der Polizei nicht weit­er daran gehin­dert, die Grun­drechte demon­stri­eren­der Frauen mas­siv ver­let­zt, als hießen Grun­drechte nur so, weil man sie nicht grund­los ausüben darf. Ein Plakat zur Ankündi­gung dieser “Gegen­demon­stra­tion” hat­te eine Frau in religiös erzwun­genem und somit nicht ger­ade als Sinnbild für Frei­heit geeignetem Kostüm, jedoch überdies bewaffnet mit einem Brand­satz, als Motiv, als wollte der Grafik­er aus­drück­en, dass man Frauen auch unter­drück­en kann, ohne rechts sein zu müssen. Wenn es leicht wäre, kön­nte es ja auch ein Mann machen. Mir fehlt vielle­icht ein­fach nur der Zugang zu diesem mod­er­nen “Pro­gres­sivis­mus”, aber immer, wenn ich über solche Nachricht­en stolpere, füh­le ich mich gle­ich ein biss­chen weniger links.

Die Freilas­sung des all­seits geschätzten Boule­vard­kolum­nis­ten (“taz”, “WELT”) Deniz Yücel aus türkisch­er Haft befeuert, wie erwartet, vor allem die Wirtschaft: Die Türkei will jet­zt mehr Panz­er haben, um damit voraus­sichtlich Kur­den zu meucheln. Kur­den sind (wie auch Palästi­nenser) eher schlechte Kun­den für die deutsche Rüs­tungsin­dus­trie, da guckt man auch mal weg, wenn ihnen ein wichtiger Han­delspart­ner mit deutsch­er Wer­tar­beit das Land kaputtsch­ießt. Mir drängt sich der Ein­druck auf, das sei es vielle­icht doch nicht unbe­d­ingt wert gewe­sen.

Aus der Welt der Tech­nik dringt fol­gen­der Wah­n­witz: In einem der zahllosen Applege­bäude ren­nen dauernd Leute gegen die Glastüren, weil diese (die Türen, nicht die Leute) so unauf­fäl­lig gestal­tet wur­den. Func­tion fol­lows form.

Wo die Form allein aber auch weit­er­hin das einzig wichtige Kri­teri­um bleiben soll und wird: Musik.

Blue­neck — Sirens

Guten Mor­gen.

Mir wird geschlechtIn den Nachrichten
💩 (2)

Bei Uni­code, diesem ursprünglich nüt­zlichen Pro­jekt, das irgend­wo falsch abge­bo­gen ist, kriegen sie das Kind jet­zt auch nicht mehr aus dem Brun­nen, möchte es mir scheinen. Was näm­lich ist die einzig logis­che und darum vom stan­dar­d­isieren­den Kon­sor­tium unbe­d­ingt aufzu­greifende Fol­gerung aus dem Umstieg von gener­ischen auf eth­nisch-sex­uell kor­rek­te Emo­jis? Richtig: Man möge doch bitte unbe­d­ingt einen schwan­geren Her­rn als Gen­derop­tion ein­fü­gen.

Welch­es All­t­agsprob­lem sollte Uni­code doch gle­ich lösen?

Netzfundstücke
Gedanken und Gebete: Das Spiel.

Der lan­destyp­is­che Umgang mit größeren Atten­tat­en in den USA beste­ht zumeist darin, dass für die Gemeuchel­ten fleißig gedacht und gebetet wird, auf dass sie kün­ftig nicht noch ein­mal gemeuchelt wer­den mögen.

Wer die Absur­dität dieses Tuns noch nicht ver­standen hat, dem kann nun geholfen wer­den: Gedanken und Gebete gibt es auch als Strate­giespiel.

PolitikIn den Nachrichten
vice (engl.): Laster, Untugend, Unart.

In der zweit­en Jan­u­arhälfte des Jahres 2018 berichtete “Techdirt”, dass Vice Media, jen­er US-amerikanis­che Medi­enkonz­ern, dem unter anderem das Klatsch­por­tal “VICE” (“Unbe­que­mer Jour­nal­is­mus”, ebd.) gehört, nach der Band ViceV­er­sa nun auch die Spiel­geld­fir­ma “Vice Indus­try Token” teuer zu verk­la­gen gedachte. Der Anlass hier­für sei es gewe­sen, dass “Vice” eine Wort­marke von Vice Media ger­ade in dig­i­tal­en Belan­gen sei und man eine Ver­wech­slung doch bitteschön gern ver­mei­den würde. Aus rechtlich­er Sicht mag das nicht zu bean­standen sein, aus moralis­ch­er Sicht ist es zumin­d­est das Heben ein­er Augen­braue wert.

In Deutsch­land, wo die Vice Media LLC als “VICE Deutsch­land” ihr Unwe­sen treibt, nimmt es der­jenige Teil der Gesellschaft, der die Haupt- und wom­öglich einzige Ziel­gruppe der Vice-Ver­laut­barun­gen bildet, mit dem Marken­recht auch nicht immer ganz genau: Nathan Mattes etwa sam­melt, wie heute in diversen Blogs aus jen­er Szene zu lesen ist, unter der offen­sichtlich namen­srechtlich bewusst schwieri­gen Domain wir-sind-afd.de, unter der derzeit eine Web­site zu sehen ist, die in typ­is­chen AfD-Far­ben gestal­tet wurde und auf der von der AfD als “wir” die Rede ist, demokratisch und/oder paz­i­fistisch unfeine Zitate von AfD-Abge­ord­neten. Während das Zitieren öffentlich gefal­l­en­er Äußerun­gen von Poli­tik­ern aber kein Prob­lem darstellt und es vielle­icht sog­ar nachah­menswert ist, ihnen jew­eils eine Web­site zu wid­men (tschüs­si, SPD!), ist das beim Marken­recht anders — entsprechend hat die AfD anwaltlich darum gebeten, dass der Betreiber ihre Namen­srechte doch bitte kün­ftig beacht­en und sich für seine Recherchen eine andere Domain aus­suchen möge.

Dass die Gren­ze zu ein­er Adap­tion ein­er bekan­nten Marke, wie sie einst die Piraten­partei ziem­lich gut vorgemacht hat, hier bei Weit­em über­schrit­ten sein dürfte, wäre eine juris­tis­che Nörgelei, die mich man­gels Sym­pa­thie für bei­de beteiligte Seit­en eigentlich gar nicht weit­er inter­essieren würde, hätte sich nicht aus­gerech­net Vice Media in den Dis­put eingemis­cht. Bei aus­gerech­net “VICE Deutsch­land” klingt die Berichter­stat­tung über die Auseinan­der­set­zung näm­lich so:

Der Betreiber von wir-sind-afd.de soll fast 10.000 Euro zahlen. Jet­zt will er sich wehren – und du kannst dabei helfen.

Ist halt eine rechte Partei und kein link­er Medi­enkonz­ern. Die soll sich mal nicht so anstellen mit ihren alber­nen Namen­srecht­en. :aufsmaul:

NetzfundstückeNerdkramsMir wird geschlecht
Open Source schläft ein und der Feminismus trägt die Schuld daran.

Im August 2017 beschrieb ich unter anderem mein aus­bleiben­des Ver­ständ­nis für große Tech­nikkonz­erne, die sich einen diver­si­ty genan­nten Klotz mit­samt Ver­wal­tungsaufwand und let­z­tendlich auch unnöti­gen Kosten ans Bein binden. Die Gesellschaft hat sich seit­dem weit­er um sich selb­st gedreht, gebessert hat sie sich jedoch nicht.

In ein­er vernün­fti­gen Welt (wie auch in meinen eige­nen Pro­jek­ten) gilt im Wesentlichen der Ver­di­en­stkodex: Wer was kann, der darf mit­machen, wer nicht, der nicht, und per­sön­liche Wehwe­hchen mögen bitte irgend­wo aus­ge­lassen wer­den, wo es dem Rest des Pro­jek­t­teams nicht weit­er auf die Ner­ven geht.

Lei­der ist die Welt der Open-Source-Soft­ware nicht vernün­ftig, son­dern stark emo­tion­s­getrieben (das mag den enor­men Win­dow­shass in ein­schlägi­gen Foren erk­lären, als wäre das ver­wen­dete Werkzeug für irgen­deine Auf­gabe ein Poli­tikum, dessen ethisch kor­rek­te Auswahl jede Per­son­alde­bat­te in Par­la­menten oder auch nur Parteien in den Schat­ten stellte). Infolgedessen wurde ich heute mit der Infor­ma­tion belästigt, dass selb­st das FreeB­SD-Pro­jekt, das sich vor Jahren ein beson­ders anstren­gen­des Beispiel für den Dun­ning-Kruger-Effekt einge­treten hat­te, sich ja nun pos­i­tiv durch einen neuen Ver­hal­tenskodex bemerk­bar mache.

In diesem Kodex, den das FreeB­SD-Team gemäß dem Doku­ment selb­st im Wesentlichen aus dem “Geek Fem­i­nism Wiki” — geek fem­i­nists bilden einen Teil des Kerns jen­er sich gemein­hin als weiße Rit­ter ver­ste­hen­den Krawallschachteln, die auch den Chaos Com­mu­ni­ca­tion Con­gress (ich berichtete mehrfach) schon tot­ge­quatscht haben — abgetippt hat, wird in viel zu vie­len Zeilen erläutert, dass es die Pro­jek­tauf­sicht ungern sieht, wenn Team­mit­glieder sich anderen Men­schen gegenüber wie jemand ver­hal­ten, dem grundle­gende Höflichkeits­for­men fremd sind. Man sollte meinen, so etwas sei auch ohne fest­geschriebene Regeln vernün­ftig unterbind­bar, aber an der Ver­nun­ft scheit­ert es bei denen, die wertvolle Zeit ander­er Leute mit dem Zusam­men­schreiben und stolzen Herumzeigen von Din­gen, von denen sie sich total belästigt fühlen, ver­schwen­den, nun mal von vorn­here­in. Da wun­dert es auch nur noch wenig, dass sich ein paar der beson­ders bescheuerten Punk­te im Kodex auch in den Ver­hal­tenskodizes von zer­gen­derten Plat­tfor­men wie GitHub wiederfind­en, die die Idi­otie mit der Fest­stel­lung, für “Priv­i­legierte”, also für die viel zitierten “weißen Män­ner”, gelte der Schutz vor Beläs­ti­gung aus Prinzip nicht, bis­lang auf die Spitze treiben. Mal guck­en, wann das FreeB­SD-Pro­jekt sie über­bi­etet.

Als straf­be­wehrt wer­den sein­er­seits näm­lich außer Din­gen, die ohne­hin ille­gal sein dürften, unter anderem Dro­hung mit Gewalt, und halb­wegs ver­di­en­sto­ri­en­tierte Dinge wie die “nach­haltige Störung von Diskus­sio­nen” auszugsweise auch fol­gende Ärg­ernisse beschrieben (Wort­nutzung wie im Orig­i­nal):

  • Absichtlich­es Fehlgen­dern.
  • Die absichtliche Nutzung abgelegter Namen.
  • Simuliert­er physis­ch­er Kon­takt, etwa “*knud­del*”.
  • Kom­mentare, die die sys­temis­che Unter­drück­ung in Bezug auf das Geschlecht, Neu­ro­di­ver­sität, Reli­gion und so weit­er (gekürzt, A.d.V.) wieder in Kraft set­zen.

Vor weni­gen Tagen habe ich in einem com­put­er­be­zo­ge­nen Forum gele­sen, dass es merk­würdig sei, dass seit Jahrzehn­ten, abge­se­hen von (und selb­st nur bed­ingt in) Smart­phones, keine nen­nenswerte Inno­va­tion auf dem Betrieb­ssys­tem­markt mehr gefun­den wer­den kon­nte. Ich habe eine Ahnung, woran das liegen kön­nte: Die Inno­v­a­tiv­en sind damit beschäftigt, nicht verse­hentlich an der sys­temis­chen Unter­drück­ung teilzunehmen.

Zu mein­er Zeit hätte man denen ja ein­fach den Com­put­er weggenom­men.

Es ist heutzu­tage recht üblich, Men­schen sagen zu hören: “Ich füh­le mich davon ein wenig ver­let­zt”, als ob ihnen das irgendwelche Rechte ein­räumte. Es ist nicht mehr als Flen­nen. Es hat keine Bedeu­tung, es hat keinen Zweck, es hat keinen Grund, um als Phrase respek­tiert zu wer­den. “Ich füh­le mich davon ver­let­zt.” Na und — was, ver­dammt?
Stephen Fry

In den NachrichtenNerdkramsMir wird geschlecht
Kurz verlinkt: “Halt! Algorithmenkontrolle!” (2)

Wie nen­nt man das eigentlich, wenn es Men­schen afroamerikanis­ch­er Abstam­mung und/oder weib­lichen Geschlechts entwed­er wegen fehlen­der Ahnung oder fehlen­den Inter­ess­es nicht geback­en bekom­men, eine eigene Gesicht­serken­nungssoft­ware zu pro­gram­mieren, und die vorhan­dene daher am besten bei denen funk­tion­iert, die den Löwenan­teil der Arbeit (ein­schließlich der Tests) geleis­tet haben?

Richtig: Ras­sis­tisch-sex­is­tis­che Algo­rith­men!

Zum einen sind Algo­rith­men nur so klug wie die ihnen zur Ver­fü­gung gestell­ten Dat­en — und spiegeln deren ras­sis­tis­che oder sex­is­tis­che Ten­den­zen wider. (…) Das Ergeb­nis: die Algo­rith­mic Jus­tice League, ein Pro­jekt, das sich dem Prob­lem wid­men soll.

Die Liga der algo­rith­mis­chen Gerechtigkeit, dem­nächst auch als Musi­cal. :irre:

Es war im Nach­hinein offen­sichtlich ein Fehler, Com­put­ertech­nik aus dem uni­ver­sitären Umfeld zu extrahieren.

PolitikNetzfundstückeMir wird geschlecht
Winter abschaffen!

Zu den inzwis­chen nur mehr als Trep­pen­witz tauglichen Per­son­alsperen­zchen in der SPD mit­samt den rechtlichen und fem­i­nis­tis­chen Imp­lika­tio­nen (“SPD: 16,5 Prozent” verkün­dete neulich das INSA; na also, geht doch) fällt selb­st mir heute nur noch ein müdes Achselzuck­en ein, während mir zu der Nachricht, dass der Fem­i­nis­mus in New York anti­semi­tis­che Motive zur Demü­ti­gung von Män­nern ver­wen­det, zwar dur­chaus etwas ein­fiele, der tre­f­fende Kom­men­tar, der Mann werde hier als “Juden­sau der Post­mod­erne” präsen­tiert, lei­der aber schon gemacht wurde.

Stattdessen sei mir ein Hin­weis auf Antje Kapek ges­tat­tet. Antje Kapek sitzt für die Grü­nen einen Stuhl im Berlin­er Abge­ord­neten­haus durch, retweet­et neben MeToo-Fanatis­men unter anderem auch Anteil­nahme am Ableben von Rad­fahrern, die rück­sicht­s­los und ohne Helm nah an hal­tenden Autos vor­beizurasen pfle­gen, und hat am gestri­gen 12. Feb­ru­ar zur Ver­an­schaulichung der Erk­lärung, warum man die Grü­nen im Jahr 2018 immer noch unbe­d­ingt wählen sollte, ein Foto getwit­tert, auf dem der Berlin­er Alexan­der­platz mit­samt ent­laubten Bäu­men zu sehen ist. Sie schrieb dazu (mit mehreren Hash­tags, die ich hier zur besseren Über­sichtlichkeit weglasse):

Was auch immer für den Alexan­der­platz plant, es braucht mehr grün.

Die auf­fal­l­end ent­men­schlichende Sprache (“was” und “es” für den zuständi­gen Stadt­plan­er jed­welchen Geschlechts) sollte selb­sterk­lärend sein, so dass das Wesentliche her­aus­gear­beit­et wer­den kann: Kein Grün an den Bäu­men! Im Feb­ru­ar! Danke, Merkel!

:wallbash:

Die Grü­nen sind in der oben erwäh­n­ten INSA-Umfrage als Bevorteilte des Scheit­erns der SPD zu erken­nen. Da wächst zusam­men, was zusam­men gehört.

In den NachrichtenMontagsmusikComputerMir wird geschlecht
Aquaserge — Tintin on est bien mon Loulou

Flauschigkeit als Lösung für die Probleme unserer ZeitEs ist Karneval Fasching Mon­tag. Helau! Auf Twit­ter tren­dete gestern Pud­ding­haut (das Lebens­mit­tel, nicht das Schön­heit­sprob­lem), und das nur kurz, nach­dem bekan­nt gewor­den war, dass die NSA über Twit­ter ver­schlüs­selte Kom­mu­nika­tion betreibt. Verdächtig, verdächtig. Über jeden Ver­dacht erhaben bleiben Pand­abären: Die sitzen ein­fach nur herum und essen. Dür­fen Pand­abären eigentlich Min­is­ter wer­den?

Ver­di­ent hät­ten sie es, zumal die vorhan­de­nen Min­is­ter nicht zu klu­gen Entschei­dun­gen neigen: Die bish­erige und mit nur noch wenig Pech auch zukün­ftige Vertei­di­gungsmin­is­terin erwägt noch ein paar Sol­dat­en in den Angriff­skrieg gegen “den Ter­ror” zu schick­en. Dass dort außer “dem Ter­ror” auch zwei andere Parteien einan­der erbit­tert bekriegen, sei nicht so schlimm, sülzt “SPIEGEL ONLINE”, denn Deutsch­land sei “mit bei­den Seit­en ver­bün­det”. Dann ist ja alles in Ord­nung. — Ander­swo brechen Wel­ten zusam­men: MeToo-Wort­führerin der sex­uellen Über­grif­figkeit beschuldigt, das ist ja unge­heuer­lich; man kön­nte meinen, Frauen seien gar nicht qua Geschlecht bessere Men­schen. Wenn sich das herum­spräche!

Ein Blick in die Soft­warewelt: Nach OpenB­SD verzichtet nun auch das illu­mos-Pro­jekt dank­end auf die Patent­trolle vom Pale-Moon-Brows­er. Freie Soft­ware mit Sternchen dran, aber moralisch hält man sich auch weit­er­hin für über­legen. Urhe­ber­recht schlägt Frei­heit. Zum Glück kann man heutzu­tage vieles per Kauf in seinen Besitz überge­hen lassen und es damit zumin­d­est weit­ge­hend frem­dem Zugriff entziehen

Zum Beispiel auch Musik.

Guten Mor­gen.

KaufbefehleMusikkritik
Kurzkritik: Altare Thotemico — Sogno Errando

Wer meinen bish­eri­gen Musikrezen­sio­nen ein paar Minuten Aufmerk­samkeit geschenkt hat, dem mag aufge­fall­en sein, dass es bei mir sehr sel­ten vorkommt, dass ich ital­ienis­chen Gesang für erträglich halte. Die Sprache klingt gesun­gen ein­fach meist scheiße. Um so erfreulich­er ist es, wenn diese Regel eine Aus­nahme find­et. So ist es zum Beispiel beim bolog­ne­sis­chen Sex­tett Altare Thotemi­co, dessen zweites Album namens “Sog­no Erran­do” (Amazon.de, TIDAL) 2013 veröf­fentlicht wor­den ist und so klingt, wie es heißt, näm­lich nach ein­er Traumwan­derung.

Zwar wird auf “Sog­no Erran­do” eine Menge gesun­gen und in den weni­gen furcht­baren Momenten klingt es dann auch nach ein­er üblichen ital­ienis­chen Operette, aber dieses Ächz wird schnell unter einem großen Hur­ra bne­graben, denn Sänger Gian­ni Ven­turi kann mit der lan­destyp­is­chen Knödelei offen­sichtlich so wenig anfan­gen wie ich und bietet stattdessen eine gar nicht mal allzu gewollt wirk­ende Inter­pre­ta­tion Peter Ham­mills dar, was zur hier gehörten Musik auch deshalb gut passt, weil das Sax­ophon — mal melodisch sin­gend, mal avant­gardesque brodel­nd bis eskalierend — hier zusam­men mit dem Klavier eine führende Rolle übern­immt. Ich höre hier eine Menge Jazz, all­ge­gen­wär­tig sind aber eben auch seine Zöglinge von Van der Graaf Gen­er­a­tor, auf­fal­l­end nah ins­beson­dere in “Le Cor­ren­ti Sot­ter­a­nee” und dem Titel­stück “Sog­no Erran­do”.

ALTARE THOTEMICO ’ LE CORRENTI SOTTERANEE’

In erst­ge­nan­ntem Stück bin ich mir zudem ziem­lich sich­er, die frühen King Crim­son wiederzuerken­nen, und auch Welt­musik und Kam­mer­rock, wie sie unter anderem After Cry­ing vor Jahrzehn­ten schon in Har­monie gebracht haben, sind den Musik­ern nicht fremd. Dass in den Stück­en, die einen englis­chen Titel tra­gen, näm­lich in “Bro­ken Heart” und dem angemessen ver­rück­ten “Neu­ro Psy­cho Killer”, mit für manche Ohren amüsan­tem Akzent auf Englisch gesun­gen wird, fällt tat­säch­lich auch nicht mehr auf: Erfreut von der jaz­zrock­i­gen Wucht des Albums bemerkt man die Sprache schon längst nicht mehr.

ALTARE THOTEMICO ” Bro­ken heart” Live in stu­dio!

Ital­ien: Warum nicht gle­ich so, warum nicht immer? Perlen wie diese sind es, die mir die Musik nicht lang­weilig wer­den lassen. Gern mehr davon!

PolitikIn den Nachrichten
Kurz angemerkt: Der Schulzzug steht sicher im Depot, der SPD zum Trotz.

Das Prob­lem ein­er anfangs the­o­retisch sozialdemokratis­chen, schon wenig später in unfeine Kriegs­dinge einge­bun­de­nen und somit seit über ein­hun­dert Jahren nicht mehr beson­ders fried­fer­ti­gen Partei, in deren Vor­sitzen­dem es, wie auf “SPIEGEL ONLINE” heute zu lesen ist, seit Mitte Jan­u­ar offen­bar pausen­los gärte, was vor allem für schlechte Ernährung und/oder eine nicht aus­re­ichende Hausapotheke spricht, ist auch und ger­ade dann, wenn sie von ein­er “Erneuerung” spricht und damit meint, dass die zweitäl­teste Führungsebene nach oben geschwemmt wird, und in deren Ver­lauf wortre­ich ankündigt (hier: Schulz, Mar­tin, neulich auf Face­book), dass sie — die SPD — “jünger” und “weib­lich­er” wer­den soll, und schließlich als erstes Ergeb­nis dieser “Erneuerung” den per­son­ifizierten Sozial­ab­bau Andrea Nahles (Jahrgang 1970) als neuen Parteia­vatar präsen­tiert, als schützten Geschlecht und Erfahrung im Scheißere­den plöt­zlich sowohl vor der auri fames (vul­go: der Gier nach dem Fut­tertrog) als auch davor, dass mögliche Wäh­ler nur begren­zt lei­dens­fähig sind, was die SPD eigentlich von u.a. der Piraten­partei hätte ler­nen kön­nen, nicht vor allem die Per­son dieses Vor­sitzen­den, son­dern außer dem Umstand, dass die Notwendigkeit der Exis­tenz ein­er wie auch immer definierten “klas­sis­chen” Arbeit­er­partei im Jahr 2018, in dem selb­st die SPD allmäh­lich zu erken­nen begin­nt, dass die kaiser­re­ichis­che Def­i­n­i­tion eines Arbeit­ers der heuti­gen nur noch in Grundzü­gen entspricht, ins­beson­dere die offen­siv aus­ge­tra­gene Gle­ichgültigkeit, was die Inter­essen der­er ange­ht, die dieses Kasper­lethe­ater — “SPIEGEL ONLINE” zitiert selb­stver­ständlich ohne Link eine “Juso”-Frau, die getwit­tert hat, es han­dle sich um einen “Män­nerzirkus”, als sei ein Frauen- oder Affen­zirkus an dieser Stelle weniger erbärm­lich anzuse­hen — unab­hängig von den Ram­p­en­säuen im Vor­stand (wer ken­nt schon alle 45 Mit­glieder des SPD-Vor­standes auswendig?) auch noch wählen sollen.

Netzfundstücke
Medienkritik CXII: Beschränktes Horizont.

Der welt­größte Ver­mark­ter von Onlinereklame befand nun, dass ein “sicheres Web” gekom­men sei, um zu bleiben, was auch immer das nun heißen mag: Dass Wer­bung eine Web­site auch mit Schlöss­chen dran schnell in glühende Kohlen ver­wan­deln kann, sollte inzwis­chen bekan­nt sein.

Dass die Welt der Wer­ber eine ganz eigene ist, erfährt man kaum irgend­wo bess­er als auf “Hor­i­zont”, ein­er übri­gens prob­lem­los via klas­sis­chem HTT-Pro­tokoll erre­ich­baren Nachricht­en­seite für der­lei Gestal­ten, die es offen­bar seit inzwis­chen über dreißig Jahren auch in ein­er Druck­aus­gabe gibt. Wer würde nicht auch gern am Früh­stück­stisch die neuesten Nachricht­en aus der Welt der Wer­bung lesen kön­nen? Eben.

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