In den NachrichtenPolitik
vice (engl.): Laster, Untugend, Unart.

In der zwei­ten Januarhälfte des Jahres 2018 berich­te­te „Techdirt“, dass Vice Media, jener US-ame­ri­ka­ni­sche Medienkonzern, dem unter ande­rem das Klatschportal „VICE“ („Unbequemer Journalismus“, ebd.) gehört, nach der Band ViceVersa nun auch die Spielgeldfirma „Vice Industry Token“ teu­er zu ver­kla­gen gedach­te. Der Anlass hier­für sei es gewe­sen, dass „Vice“ eine Wortmarke von Vice Media gera­de in digi­ta­len Belangen sei und man eine Verwechslung doch bit­te­schön gern ver­mei­den wür­de. Aus recht­li­cher Sicht mag das nicht zu bean­stan­den sein, aus mora­li­scher Sicht ist es zumin­dest das Heben einer Augenbraue wert.

In Deutschland, wo die Vice Media LLC als „VICE Deutschland“ ihr Unwesen treibt, nimmt es der­je­ni­ge Teil der Gesellschaft, der die Haupt- und womög­lich ein­zi­ge Zielgruppe der Vice-Verlautbarungen bil­det, mit dem Markenrecht auch nicht immer ganz genau: Nathan Mattes etwa sam­melt, wie heu­te in diver­sen Blogs aus jener Szene zu lesen ist, unter der offen­sicht­lich namens­recht­lich bewusst schwie­ri­gen Domain wir-sind-afd.de, unter der der­zeit eine Website zu sehen ist, die in typi­schen AfD-Farben gestal­tet wur­de und auf der von der AfD als „wir“ die Rede ist, demo­kra­tisch und/oder pazi­fi­stisch unfei­ne Zitate von AfD-Abgeordneten. Während das Zitieren öffent­lich gefal­le­ner Äußerungen von Politikern aber kein Problem dar­stellt und es viel­leicht sogar nach­ah­mens­wert ist, ihnen jeweils eine Website zu wid­men (tschüs­si, SPD!), ist das beim Markenrecht anders - ent­spre­chend hat die AfD anwalt­lich dar­um gebe­ten, dass der Betreiber ihre Namensrechte doch bit­te künf­tig beach­ten und sich für sei­ne Recherchen eine ande­re Domain aus­su­chen möge.

Dass die Grenze zu einer Adaption einer bekann­ten Marke, wie sie einst die Piratenpartei ziem­lich gut vor­ge­macht hat, hier bei Weitem über­schrit­ten sein dürf­te, wäre eine juri­sti­sche Nörgelei, die mich man­gels Sympathie für bei­de betei­lig­te Seiten eigent­lich gar nicht wei­ter inter­es­sie­ren wür­de, hät­te sich nicht aus­ge­rech­net Vice Media in den Disput ein­ge­mischt. Bei aus­ge­rech­net „VICE Deutschland“ klingt die Berichterstattung über die Auseinandersetzung näm­lich so:

Der Betreiber von wir-sind-afd.de soll fast 10.000 Euro zah­len. Jetzt will er sich weh­ren – und du kannst dabei helfen.

Ist halt eine rech­te Partei und kein lin­ker Medienkonzern. Die soll sich mal nicht so anstel­len mit ihren alber­nen Namensrechten. :aufsmaul: