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Medienkritik in Kürze: Erinnern an „neunzehn100“.

Am Bahnhofskiosk sah ich kürz­lich ein Magazin, das mich unge­wöhn­lich erfreut hat. Es heißt „neunzehn100“, wur­de „Magazin der Erinnerungsanlässe“ beti­telt und trägt den Untertitel „Das Magazin für alle, die sich gern erin­nern und Freude an schö­nen alten Dingen haben“. Ich erin­ne­re mich gern und habe Freude an schö­nen alten Dingen, auch an sol­chen, deren Ursprungsjahr dem 20. Jahrhundert ent­stammt. Daher der Name:

Der Magazinname neunzehn100 spielt dar­auf an, dass die Zielgruppe (…) Erinnerungen an Erlebnisse und Ereignisse im letz­ten Jahrhundert hat – eben in Jahren und Jahrzehnten, die mit „neun­zehn­hun­dert…“ beginnen.

Wer jetzt Weltkriege erhofft hat, der wird ent­täuscht: Diesen nahe kommt man viel­leicht noch mit dem Titelthema „Der treue Kadett“ aus der zwei­ten und aktu­el­len Ausgabe, wenn­gleich es dort um das Auto und nicht etwa um einen Fahnenjunker geht. Stattdessen dreht sich das Erzählte um Audiokassetten, Helgoland, gro­tes­ke Brillen und Fackeln. Fackeln? Fackeln!

Fackeln!
Über eine Tradition, bei der einem warm ums Herz wird

Na gut, viel­leicht doch ein biss­chen Weltkrieg.

Wer so was liest? Genau das scheint das Problem zu sein:

[D]ie erreich­ten Verkaufszahlen las­sen eine Fortsetzung des Titels für einen so klei­nen Verlag wie unse­ren ein­fach nicht zu. Die zum 23. Februar ange­kün­dig­te drit­te Ausgabe wird daher nicht erschei­nen. (…) Wenn wir wis­sen, ob und wie es wei­ter­geht, wer­den Sie es an die­ser Stelle lesen können.

Das ist doch mal ein schö­ner Erinnerungsanlass.