NetzfundstückeIn den Nachrichten
Liegengebliebenes vom 8. Februar 2018

Deutsch­land hat die Türkei im Zen­sieren über­holt.


Der teure “elek­tro­n­is­che Per­son­alausweis” ist ein Wahnsinnser­folg: 2017 wurde er allein in Berlin ganze 516-mal benutzt.


Die geplante und offen­sichtlich sex­is­tis­che “große Koali­tion” — warum auch immer die immer noch so heißen darf — würde gern ver­hin­dern, dass Frauen unnötiger­weise danach beurteilt wer­den, was sie kön­nen.


Unter dem Titel “do not track” gibt es “eine per­son­al­isierte Web-Serie über das Geschäft mit unseren Dat­en”. Diese “Web-Serie” ver­wen­det Google Ana­lyt­ics zur Besucher­erfas­sung. :wallbash:


Ein Fire­fox­en­twick­ler entschuldigt die inkon­se­quente Sicher­heit des neuen Fire­fox mit den Bedürfnis­sen der Reklamein­dus­trie.


Es gibt 157 neue Emo­jis, bei der Ver­wen­dung im Umgang mit Chi­ne­sen sollte man jedoch vor­sichtig sein.

In den NachrichtenMontagsmusik
Constantines — Shine A Light // Friendly Auto-Fire!

Nur noch fünf Minuten!Es ist Mon­tag. Neue Woche, neues Achduschreck. Es scheint geschneit zu haben, die paar Son­nen­strahlen waren aber auch wirk­lich genug Som­mer für dieses Jahr. Wohl dem, der ein dick­es, schwarzweißes Fell hat.

Klin­geling, die Nachricht­en. Schlappe neun Jahre, nach­dem im Rah­men ein­er Ver­anstal­tung der “taz” das Anzün­den von teuren Autos unter lautem Beifall als angemessen beze­ich­net wurde, worauf aller­lei Bran­dan­schläge gegen “die da oben” wie auch gegen “rechte” Poli­tik­er fol­gten, wird in Berlin dieser Tage um Sol­i­dar­ität gebeten: Sobald Autos von “Linken” bren­nen, hält sich ihr Jubel doch sehr in Gren­zen. Zu jubeln gibt es auf anderen Ebe­nen schon etwas: Christo­pher Lauer hat sich aus der “Poli­tik” ver­ab­schiedet, lässt aber eine Rück­kehr offen — lei­der auch, bei welch­er Partei. Fest ste­ht inzwis­chen wenig­stens: Pflanzen haben mehr Bewusst­sein als die SPD.

In den USA ver­schwinden ger­ade Musik-CDs aus den Läden. Das ist, obwohl auf ein­schlägi­gen Kanälen von ein­er “Bedro­hung” gesprochen wird, gut, denn dann ist mehr Platz für Schallplat­ten.

Zum Beispiel für solche von den Con­stan­tines.

Con­stan­tines — Shine A Light (Live)

Guten Mor­gen.

Netzfundstücke
Wie man Netzneutralität nicht erklärt

Ein Teil der ver­meintlich tech­niker­freuten Blog­ge­ria freut sich: Vor dem Gebäude der US-amerikanis­chen Rund­funkkom­mis­sion hat ein Aktivist den Verkehr aufge­hal­ten und Geld dafür ver­langt, den Weg freizugeben. Die Inten­tion dahin­ter sei es gewe­sen, aufzuzeigen, wieso Net­zneu­tral­ität wichtig sei, weshalb er fehlende Net­zneu­tral­ität vom Inter­net- auf den Straßen­verkehr abbilde.

So weit, so lustig, die Reak­tio­nen der Betrof­fe­nen sind auch aus­re­ichend entzück­end. Das Blöde an der Sache ist aber, dass sie dem guten und richti­gen Anliegen, Net­zneu­tral­ität durchzuset­zen, im Prinzip einen Bären­di­enst erweist, denn der Ver­gle­ich, den Rob Bliss hier zu ziehen ver­sucht, ist ein falsch­er. Fehlende Net­zneu­tral­ität besagt eben nicht, dass irgen­dein Paket den ganzen Verkehr aufhält, bis man noch ein paar Groschen in den Schlitz wirft: Die anderen Pakete (hier: die Fahrzeuge hin­ter ihm) kämen näm­lich nicht langsamer, son­dern vor ihm an.

Real­is­tis­ch­er wäre es, würde stattdessen Geld dafür ver­langt, über­holen zu dür­fen, denn darum geht es bei der Net­zneu­tral­ität: Bes­timmte Dien­ste wür­den ohne sie Vor­rang vor anderen bekom­men. Mir scheint fast, das Prob­lem der Ver­fechter freier Kom­mu­nika­tion sei ihre fehlende Exper­tise.

Aber Haupt­sache, der Witz funk­tion­iert.

KaufbefehleMusikkritik
Kurzkritik: Sonar — Black Light

Cuneiform Records ken­nen regelmäßige Leser mein­er Musikbe­sprechun­gen möglicher­weise als die Plat­ten­fir­ma von Think­ing Plague. Wer — wie ich — auf diese Angabe üblicher­weise kaum achtet, falls nicht eine bemerkenswerte Ver­pack­ung um den Ton­träger drum­rum ist oder der Ver­lag wie einst Charis­ma Records sein auf­fäl­liges Logo raum­greifend direkt auf die Plat­ten stem­pelt, dem sei zumin­d­est sub­jek­tiv ver­sichert, dass sich in der bish­eri­gen Liste der Kün­stler, die ver­traglich an Cuneiform gebun­den sind, kein einziger Tota­laus­fall find­en lässt, stattdessen sieht man dort unter anderem Bent Knee, Gil­gamesh, Art Zoyd und Miri­odor.

Das lässt das Vorurteil gegenüber Musik aus der Schweiz — außer Monkey3 und Patrick Moraz fiele mir ger­ade kein pos­i­tives Beispiel ein — immer­hin aus­re­ichend schwinden, dass ich an das eben­falls von Cuneiform ver­legte Schweiz­er Quar­tett Sonar mit der gle­ichen Erwartung herange­hen kann wie an jeden anderen act — das heißt doch heute noch act, oder? — auch: Haupt­sache, klingt geil.

Sonar — Black Light

Und das tut es wahrlich: Auf ihrem 2015 veröf­fentlicht­en drit­ten und bish­er anscheinend let­zten Stu­dioal­bum “Black Light” (Bandcamp.com) spie­len die vier Musik­er einen her­rlichen Math­rock, der küh­le Präzi­sion mit einem gefährlich grol­len­den und ger­ade deshalb bewe­gen­den Bass.

Sonar fea­tur­ing Andi Pupa­to — Orbit 5.7 Andi Pupa­to Remix (Offi­cial Music Video)

Im Inter­net wird das hier zu Hörende beschrieben, es klinge, als nähme man einen Topf immer wieder kurz vor dem Kochen vom Herd und stellte ihn anschließend wieder auf die heiße Plat­te, was ein tre­f­fend­es Bild ist, denn “Black Light” brodelt, ohne jemals unnötig auszubrechen.

Musik für unten­rum.

In den NachrichtenWirtschaft
Unverschuldet verprasst

28. Jan­u­ar 2018: Deutsche Bank zahlt offen­bar mehr als eine Mil­liarde Boni
2. Feb­ru­ar 2018: Deutsche Bank macht halbe Mil­liarde Euro Ver­lust

“Hil­fe, wir sind unver­schuldet in Not ger­at­en!”

:wallbash:

Fast hätte ich mich schon darüber geärg­ert, abse­hbar bald aber­mals eine Bank ret­ten zu dür­fen, und das Geschehen entsprechend vorge­blich kap­i­tal­is­muskri­tisch kom­men­tiert, aber zum Glück quak­te Clau­dia Roth heute wieder ein­mal einen der zahlre­ichen Belege dafür her­aus, warum man Linken lieber keine größeren Geld­sum­men anver­traut, son­dern denen mal schön ihre Bit­coins lässt:

Bun­destagsvizepräsi­dentin Clau­dia Roth (Grüne) hat die Ein­rich­tung eines staatlichen Hil­fs­fonds für Flüchtling­shelfer gefordert, die wegen ihrer Bürgschaften in Finanznöte ger­at­en sind.

Ach, ja, Men­sch, Bürgschaften bedeuten, dass man finanziell in Gänze für den Ver­bürgten haftet?

“Wir bür­gen mit unserem Geld für diesen Her­rn.”
“Dann bekom­men wir nun Geld von Ihnen.”
“Hil­fe, wir sind unver­schuldet in Not ger­at­en!”

:wallbash:

Hof­fentlich sind das wenig­stens zum Teil diesel­ben Leute, die auch ihr Haus gegen Bit­coins einge­tauscht haben. Son­st wäre ich vom Kar­ma ein biss­chen ent­täuscht.

PolitikIn den NachrichtenMir wird geschlecht
Kurz angemerkt: Wie viele Kriege braucht das Nobelpreiskomitee?

Die sich allzu aufreizend anbi­etende Möglichkeit, den “#MeToo”-Unsinn, dessen einzige spür­bare und langfristige Auswirkun­gen weit­ere Ver­lei­hun­gen schwachsin­niger Medi­en­preise für das Erfind­en von Wörtern mit ein­er Raute vorne­dran sind und bleiben wer­den, lakonisch zu kom­men­tieren, indem ich in geboten­er Kürze darauf hin­weise, wie sprechend eine der Ini­tia­torin­nen dieser beispiel­losen Schmutzkam­pagne darauf reagiert hat, dass sie mit­tler­weile von nicht ganz so hitzi­gen Gemütern als Lügner­in ent­larvt wurde, hätte ich heute gern zum eigentlichen The­ma gemacht, stattdessen beschränke ich mich auf einen nicht weit­er kom­men­tierten Ver­weis auf den Artikel im Online-“Musikexpress”, den soeben getätigten näm­lich, und stelle mit ähn­lich­er Genug­tu­ung fest, dass zum inzwis­chen drit­ten Mal der amtierende Nach­fol­ger desjeni­gen US-amerikanis­chen Präsi­den­ten, der allein im Jahr 2016 über 26.000 Bomben irgend­wo draufw­er­fen ließ, auch für eine weit­ere, wenn auch nicht direk­te Nach­folge, näm­lich die im Tra­gen des Frieden­sno­bel­preis­es, vorgeschla­gen wurde, und während sich die sozialen Medi­en und pflau­mige “Qual­ität­szeitun­gen” darüber aus­lassen, dass der Trump doch ein sonst­wie gefährlich­er Typ sei, fände ich per­sön­lich die Wahl nur angemessen, denn wie auch der vorherige Präsi­dent der Vere­inigten Staat­en ist er mit ver­söhn­lichen Worten gegenüber dem Feind nicht ungeschickt, während in Soma­lia, Libyen, Syrien, Pak­istan, Afghanistan und im Jemen die Friedenspanz­er unter der Flagge seines Lan­des zum Tanz bit­ten; mit dem Unter­schied allerd­ings, dass kein­er dieser laufend­en Frieden­sein­sätze von ihm befohlen wurde — wenn er es also wieder nicht schafft, dann ist es immer­hin offen­sichtlich, woran es wohl liegt.

Wirtschaft
6 Prozent Profitdenken

Die IG Met­all plakatiert derzeit manche Plakat­wand plaka­tiv mit ihren Plakat­en voll. Das bietet Gele­gen­heit, sich ein­mal kurz anzuse­hen, worum es in ihrer aktuellen “Tar­ifrunde” (also: in ihren jährlichen Nöti­gungsver­suchen gegenüber Arbeit­ge­bern) eigentlich geht; die Antwort ist erstaunlich:

Profitdenken

“Die Arbeit­ge­ber denken nur an Prof­it — wir denken an die Men­schen: sechs Prozent mehr Geld” (Satzze­ichen von mir), diese sechs Prozent hät­ten die Arbeit­ge­ber zwar auch gerne zusät­zlich, aber die sind halt nicht in ein­er zäh ver­han­del­nden Gew­erkschaft. Schön blöd!

PolitikIn den Nachrichten
Das Wesen einer Wahl (2): Jedes Recht des Kandidaten.

Was dem einen sein Schulz, ist dem anderen sein Puigde­mont, weiß “ZEIT ONLINE”:

In Kat­alonien ist die Wahl eines neuen Regierungschefs im Region­al­par­la­ment ver­schoben wor­den. Car­les Puigde­mont soll aber der einzige Kan­di­dat bleiben. (…) Der 55-Jährige habe “jedes Recht”, erneut Region­al­präsi­dent zu wer­den.

So will es das Gesetz!

Worum genau ging es im ver­gan­genen Jahr bei der Diskus­sion um die kata­lanis­che Unab­hängigkeit? Dazu stand doch mal was in der “ZEIT”:

Für Kat­alonien zu ste­hen heißt, für die Demokratie zu ste­hen.

Wenn nicht gar: zur Sozialdemokratie.

SonstigesMontagsmusik
Bent Knee — Terror Bird // Lügenhumanismus

Montag (Symboleule)Es ist Mon­tag. Kein Pan­da, stattdessen Präsi­den­ten: Don­ald Trump hat in Davos von “Lügen­presse” gesprochen und die öffentlich-rechtliche ARD hat diesen Vor­wurf für sich selb­st sogle­ich bestätigt. Das ist angesichts der hor­ren­den Gebühren für diesen Fernsehs­tuss immer­hin angemessen ehrlich.

Span­nen­der ist allerd­ings das Inland: In Berlin haben ein paar geschichtsvergessene Schwachköpfe beschlossen, dass eine Auflis­tung von Per­so­n­en und Din­gen sex­is­tisch sei und daher getil­gt gehöre. Eine Zeit­lang habe ich mich gefragt, wieso aus­gerech­net in Berlin offen­bar so viel Idi­otie auf so engem Raum zu find­en ist, auf “WELT ONLINE” fand ich jedoch vorgestern einen eher berlinzen­trischen Artikel, in dem der wahre Satz ste­ht, für “Main­stream” bekomme man “keine Retweets, keine Hash­tags, keine Demon­stra­tio­nen” und müsse schon deswe­gen die Welt mit Din­gen ner­ven, die an irgen­deinem soziokul­turellen Rand liegen, um aufz­u­fall­en. Lästigkeit als Antwort auf nicht gestellte Fra­gen unser­er Zeit — pri­ma Stadt­mot­to eigentlich.

Eine Lösung für das Langeweileprob­lem kön­nte man unbe­darft in der Poli­tik suchen, aber die Poli­tik redet sich mit Human­is­mus her­aus. Es gibt mit­tler­weile tat­säch­lich mehrere miteinan­der konkur­ri­erende Parteien, die den Human­is­mus als Leitlin­ie über­nom­men zu haben behaupten. Das ist selb­stver­ständlich Unsinn: Parteipoli­tik wider­spricht Human­is­mus schon auf­grund ihres tak­tisch fra­g­los sin­nvollen Anspruchs auf All­ge­me­ingültigkeit, denn zu gelebtem Human­is­mus gehört immer auch die Frage, ob nicht vielle­icht der Geg­n­er weniger Unrecht hat als man selb­st. Eine poli­tis­che Partei, die sich in einem Wahlkampf, in dem sie ihre eige­nen Ideen als die einzig sin­nvollen her­auszustellen ver­sucht, human­is­tisch nen­nt, belügt diejeni­gen, die sie wählen sollen, von vorn­here­in entwed­er aus Dummheit oder mit Absicht und sollte sich schä­men.

Dummheit erk­lärt in der Poli­tik aber manch­es: Seit­ens der EU sollen dem­nächst Upload­fil­ter vorgeschrieben wer­den, auf dass das Hochladen von ver­meintlich urhe­ber­rechtlich geschütztem Zeug automa­tisiert abgewiesen wer­den kann. Ich halte das für eine gewohnt selt­same Idee und empfehle eine Unter­stützung geg­ner­isch­er Aktio­nen. Während man dies tut, kann man ja Musik hören.

Zum Beispiel diese:

BENT KNEE — Ter­ror Bird (Live at The Record Co.)

Guten Mor­gen.

Sonstiges
Medienkritik CXI: “Jolie” und der Fickverdienst

Der Zufall und mein wahrschein­lich erschreck­endes, wenn auch zynis­mus­getriebenes Vergnü­gen an dem, was Zeitschriften­mach­er offen­sichtlich für frauen­typ­is­che Zer­streu­ung hal­ten, ließen die noch aktuelle Feb­ru­a­raus­gabe der sel­ten lang­weili­gen Zeitschrift “Jolie” in meinen Besitz ger­at­en.

Passend zum aktuellen Welt­geschehen beschäftigt sich diese Aus­gabe des Mag­a­zins mit sex­uell motiviert­er Unter­drück­ung von Men­schen, was auf dem Titel­bild, das ich aus Pointen­grün­den dies­mal erst später hier zu zeigen beab­sichtige, jedoch nicht sofort zu erken­nen ist: Die sich räkel­nde, erschreck­end unbek­lei­dete Dame namens Rita Ora, über deren Tun ich mich zu informieren ger­ade nicht aus­re­ichend inter­essiert bin, wird vor allem von den Schriftzü­gen “Hap­py Fash­ion — 351 Teile, die sofort glück­lich machen”, “Der Detox Guide (sic!) 2018” und “Alles, was schlank & schön macht” umwe­ht. Dass zu let­zteren Din­gen auch die “Hol­ly­wood-Meth­ode” (ebd.) zählt, hat damit auch noch nichts zu tun: Es geht natür­lich um Essen.

‘Medi­enkri­tik CXI: “Jolie” und der Fick­ver­di­enst’ weit­er­lesen »

PolitikNetzfundstückeIn den NachrichtenWirtschaft
Liegengebliebenes vom 27. Januar 2018

Die Uni­ver­si­ty of Oxford hat her­aus­ge­fun­den, dass auch län­gere Prü­fungs­dauern nichts daran ändern, dass Frauen — sta­tis­tisch gese­hen — schlechter in Math­e­matik und EDV als Män­ner und dafür ver­mut­lich bess­er in Kuschel­wuschel und Knud­del­wud­del sind. Vielle­icht kön­nte man das mit ein­er Quote lösen.


Christo­pher Lauer hat was in Medi­en reingevlog­gt und Had­mut Danisch platzt der Kra­gen: “Bedin­gungslos­es Grun­deinkom­men, freie Dro­gen und Pornos von ARD und ZDF? Wozu sollt Ihr noch gut sein?”


Dazu (irgend­wie) auch Jan Fleis­chhauer, der auf “SPIEGEL ONLINE” fest­stellt, dass die Linken die Nähe zu denen, für deren Rechte sie zu stre­it­en behaupten, vol­lends ver­loren haben.


Was wir von anderen Staat­en ler­nen kön­nen: In Indi­en ist das Inter­net ver­stopft, weil dort einan­der jed­er einen guten Mor­gen wün­schen möchte.


Lesenswert: “Wie die FAZ im redak­tionellen Gewand die Botschaften ihrer Auf­tragge­ber an den Leser bringt”.

MusikComputer
Medienkritik in Kürze: The Fall — an Brotkrumennavigation verschluckt.

Zwecks — immer für Such­maschi­nen, niemals für Men­schen — besser­er Struk­turierung bilden viele Nachricht­en­por­tale im Web auf der Einze­lar­tike­lan­sicht mitunter eine Strukur ab, der gemein­hin als “Brotkru­men­nav­i­ga­tion” bekan­nt ist: Es wird sozusagen der “Pfad” zum aktuellen Artikel dargestellt. Wenn in den Medi­en davon die Rede ist, dass irgen­deine poplige Sport­lerin einen Ball schneller auf die andere Seite geschla­gen hat als ihre Geg­ner­in, dann find­et man solche Mel­dun­gen zumeist in einem “Pfad”, der unge­fähr wie “Start­seite > Nachricht­en > Sport > Ten­nis > Dings­da hat gewon­nen” aussieht. Der Vor­liebe von dem weitläu­fi­gen Ressort der Unter­hal­tung zugewiese­nen Jour­nal­is­ten für Schubla­disierung aller ver­w­ert­baren Infor­ma­tio­nen kommt das zupass.

Schubla­disierung ist auch in der Musik lei­der nicht unbe­liebt, was eine unvor­ein­genommene Bew­er­tung von Musikalben gele­gentlich erschw­ert: Was etwa als “Schlager” bewor­ben (“rezen­siert”) wird, das ruft in mir auch dann keinen Kauf‑, son­dern einen Laufwun­sch, näm­lich: weg, her­vor, wenn es eigentlich gar nicht so schlimm ist. Hinzu kommt, dass die besagte Schubla­disierung ihre Gren­zen nicht nur bei der Moti­va­tion des Einord­nen­den, son­dern auch bei der Tech­nik hat. Eine einzeilige Nav­i­ga­tion­shil­fe auf Web­sites ist nun ein­mal nur zwei­di­men­sion­al. Ein aktuelles Beispiel präsen­tierte gestern “SPIEGEL ONLINE”.

Denn wohin muss man navigieren, um dort den Artikel darüber zu find­en, dass der fan­tastis­che Mark E. Smith von den kaum weniger fan­tastis­chen The Fall gestern ver­starb? Die kor­rek­te Antwort ist verblüf­fend offen­sichtlich: 1996 veröf­fentlichte die Schram­mel­band — nicht, dass ich was gegen Schram­meln hätte! — Tocotron­ic auf ihrem drit­ten Stu­dioal­bum “Wir kom­men um uns zu beschw­eren” das Lied “Ich habe geträumt, ich wäre Piz­za essen mit Mark E. Smith”. Das war anscheinend die Ret­tung für “SPIEGEL ONLINE”, denn für The Fall hat­te man dort zuvor sel­ten ein paar Zeilen übrig und daher auch noch keine Schublade vor­bere­it­et, für Tocotron­ic aber schon:

Nachrichten > Kultur > Musik > Tocotronic > Mark E. Smith: Sänger der Band "The Fall" gestorben

Haupt­sache, das SEO stimmt.