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Das Wesen einer Wahl: Ralf Ste­g­ner und die Pira­ten­par­tei tref­fen sich im Schulz­bus

„Wahl, die: Ent­schei­dung zwi­schen zwei oder mehr Mög­lich­kei­ten, Din­gen, Per­so­nen, Aus­wahl“
Digi­ta­les Wör­ter­buch der deut­schen Spra­che


Am ver­gan­ge­nen Sonn­tag trat Mar­tin Schulz, des­sen Beliebt­heit wohl nur damit zu erklä­ren ist, dass er wahl­wei­se nicht Ange­la Mer­kel oder nicht Sig­mar Gabri­el ist, mit 605 von 605 mög­li­chen Dele­gier­ten­stim­men letz­te­res Herrn Nach­fol­ge an der Spit­ze der ehe­ma­li­gen Arbei­ter- und heu­ti­gen Arbeit­ge­ber­par­tei SPD an. Medi­al wur­de das breit­flä­chig so oder ähn­lich dar­ge­stellt:

Ein Bun­des­par­tei­tag wähl­te den 61-Jäh­ri­gen in Ber­lin ohne Gegen­stim­me zum Nach­fol­ger von Sig­mar Gabri­el. Es ist das beste Ergeb­nis der Nach­kriegs­zeit.

Las­sen wir den übli­chen SPIEGEL’schen Super­la­tiv­knal­ler im zwei­ten Satz ein­mal außer Acht, denn auch vor 1945 hat die­ser gleich­wie hei­li­ge Mar­tin Schulz nie­mals mehr als 100 Pro­zent irgend­wel­cher Stim­men bekom­men, sei­ne Par­tei nach 1945 in Ost­deutsch­land auch nur, als sie schon SED hieß, so lau­tet die wesent­li­che Infor­ma­ti­on, dass die SPD aber­mals ihren Vor­sit­zen­den mit einer der­art über­zo­ge­nen Begei­ste­rung aus­ge­tauscht hat, als sei­en die bis­he­ri­gen Wahl- und Umfra­ge­er­geb­nis­se der rechts­po­pu­li­sti­schen SPD allein die Schuld des nun­mehr im Außen­mi­ni­ste­ri­um ein über­zo­ge­nes Gehalt bezie­hen­den ehe­ma­li­gen Vor­sit­zen­den und nicht etwa der men­schen­feind­li­chen Poli­tik, die von der Par­tei­ba­sis mit­ge­tra­gen und von Par­tei­mi­ni­stern wie Andrea Nah­les und Frank-Wal­ter Stein­mei­er aktiv vor­an­ge­trie­ben wur­de und wird.

Zusätz­lich aber ist hier von einer „Wahl“ die Rede. Dass das sozi­al­de­mo­kra­ti­sche Ver­ständ­nis von die­sem Grund­pfei­ler einer Demo­kra­tie nicht das beste ist, ist spä­te­stens seit Ende August 2006, als der dama­li­ge SPD-Vize­kanz­ler und Mini­ster für „Arbeit“ und „Sozia­les“, Franz Mün­te­fe­ring, postu­lier­te, es sei „unfair“, eine Koali­ti­on an ihren Wahl­ver­spre­chen zu mes­sen, nur noch von jenen glaub­wür­dig zu leug­nen, die zu spät gebo­ren sind und/oder im Wahl­jahr für ein Medi­um wie „SPIEGEL ONLINE“ irgend­wel­che Arti­kel schrei­ben müs­sen.

Ja, 2017 ist wie­der ein Wahl­jahr, ein Super­wahl­jahr gar, und die Angst vor der AfD ist so groß, dass sich sogar das ehe­ma­li­ge Fach­ma­ga­zin „hei­se online“ nicht zu blöd vor­kommt, in einem Arti­kel dar­auf hin­zu­wei­sen, dass die Pira­ten­par­tei auch ganz bestimmt tot ist. Die für den näch­sten Schritt nöti­ge gei­sti­ge Trans­fer­lei­stung zu erbrin­gen wäre, zuge­ge­ben, für den durch­schnitt­li­chen Inter­net­jour­na­li­sten auch wirk­lich zu viel ver­langt. Aber auch sonst scheint die Pira­ten­par­tei – mit der AfD will man es sich offen­kun­dig nicht all­zu sehr ver­scher­zen, Rechts­po­pu­li­sten sind gern bei­sam­men – gera­de ein will­kom­me­nes Ziel von Leu­ten zu sein, denen die Demo­kra­tie nicht beson­ders nahe ist. Mar­tin Schulz‘ Stell­ver­tre­ter Ralf Ste­g­ner etwa pöbel­te auf Twit­ter dar­über, dass ein Mit­glied der Pira­ten­par­tei („1%Partei“, Recht­schrei­bung wie im Ori­gi­nal) die zahl­rei­chen Neben­ein­künf­te von Berufs­po­li­ti­kern als das Voll­ma­chen von Taschen bezeich­ne­te, weil sich so, so Ralf Ste­g­ner, sonst nur „Demo­kra­tie­fein­de“ und „Rechts­po­pu­li­sten“ aus­drück­ten, womit er offen­sicht­lich kei­nes­wegs sich selbst mein­te.

Nun ent­larvt das anschei­nend dif­fa­mie­ren­de Beto­nen der momen­ta­nen Umfra­ge­wer­te der Pira­ten­par­tei, als sei eine Par­tei mit weni­gen Stim­men plötz­lich ein weni­ger wert­vol­les Mit­glied des demo­kra­ti­schen Spek­trums und als soll­ten ihre Mit­glie­der dar­um bes­ser schwei­gen, Ralf Ste­g­ner, wenn schon nicht unbe­dingt als einen Rechts­po­pu­li­sten, wenig­stens als einen Demo­kra­tie­feind, womit er in der SPD gut auf­ge­ho­ben ist. War die Kurz­nach­richt auf Twit­ter womög­lich gar aner­ken­nend gemeint? Wird Twit­ter das jemals erfah­ren?

Und wer war in die­sem hoch­de­mo­kra­ti­schen Kom­plex SPD in der so genann­ten „Wahl“ des neu­en Par­tei­vor­sit­zen­den eigent­lich der Gegen­kan­di­dat von Mar­tin Schulz?

Senfecke:

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